Asperger und Traumatisierung

    • Happy to be schrieb:

      Therapie funktioniert nun mal nicht nach dem "Ich hab dieses Problemm, erkenne das, mache jenes und dann klappts und das Problem ist weg, (und dann biietet sich ja auch nch schnell an, wenn das nicht so klappt, liegts an Aspie, zumndest hab ich mich an einem Punkt dabei ertappt
      Gerade, weil eine Psychotherapie allem Anschein nach so nicht funktioniert, gehe ich ja davon aus, dass das für mich nichts ist. Denn ich "funktioniere" halt so. Und es ist auch nicht so, dass "ich mir egal" bin oder Ähnliches. Wie gesagt habe ich ganze zwei Jahre eine solche Therapie mitgemacht, obwohl ich recht früh schon den Eindruck hatte, dass sie mir nichts bringt - gerade weil ich es ernsthaft versuchen wollte und davon ausgegangen bin, dass sich der Erfolg schon noch einstellen wird. So war es aber nicht und da ich die Therapeutin als solche durchaus für kompetent halte, auch einen "guten Draht" zu ihr hatte, und weil sich später und durch das Lesen von Erfahrungsberichten usw. meine Einschätzung stets bestätigt hat, gehe ich davon aus, dass es die Psychotherapie an sich ist, mit der ich nichts anfangen kann. Dass das mit dem AS zusammenhängen wird, denke ich, weil das ja allgemein mit einem eher "konkretistischen" Denken und Erleben einhergeht, auch, dass die "Gefühlswelt" eher "einfach gestrickt" ist, wird in dem Zusammenhang öfter mal erwähnt, usw. Entsprechend denke ich eben, dass eine Behandlung, die darauf abzielt, irgendwelche "verstecken" Emotionen aufzudecken usw., da evtl. keinen Sinn hat.

      Speziell über die Psychoanalyse wird das sogar von Fachleuten immer wieder gesagt. Bzw. heißt es da sogar öfter, dass eine solche für Autisten eher schädlich sein kann, weil eine Suche nach irgendwelchen "verdrängten Konflikten", die gar nicht existieren, am Ende nur Verwirrung stiften wird. Und ich persönlich finde, dass auch eine Verhaltenstherapie etwas angepasst werden müsste, um helfen zu können, wobei insbesondere solche symbolisierenden Umschreibungen und dergleichen weggelassen werden sollten. Mich zumindest verwirrt das eher und ich kann nichts damit anfangen. Allerdings bleibt wohl nicht viel übrig, wenn man sich dann doch nur auf die klar umrissenen Probleme konzentriert - entsprechend gehe ich davon aus, dass ich von einer solchen Therapie wohl nicht profitieren würde. Das habe ich, denke ich, so schon recht ausführlich begründet. Da nun immer wieder zu sagen, eine Therapie helfe eben doch, wenn man sich darauf einlasse usw., ist doch reiner Dogmatismus. Es geht mir ja, wie gesagt, nicht darum zu behaupten, sie helfe generell nicht, sondern bloß, dass jemand, der so "gestrickt" ist wie ich z.B. womöglich nichts davon hat.
    • @Wirrwolf
      Mehr als dass du darüber hinweg gegangen bist, dass du DIESE Therapie bei DIESEM Therapeuten gegen deine Erkenntnis, dass da was nicht kompatibel iist, zwei Jahre weiter gemacht hast, ist doch an Erkenntns dabei nicht herausgekommen.
      Jetzt aber zu generalisieren, dass das für alle TherapeutInnen und Therapieformen gilt ist nicht logisch.

      Die Frage wäre dann ja eher, WIE müsste die Person sein, bei der ich mich auf eine Therapie einlassen kann und WELCHE Therapieform könnte mr liegen und zu mir passen? Hier hilft nur ausprobiieren und verwerfen, wenn es nicht passt.

      Ich hab mal ein paar gestalttherapeutische Stunden versucht, für mich das pure Grauen. Heute kann ich in anderem setting zumindest den einen oder anderen Gestalt-Moment zulassen, WEIL schon anderweoitig anderes bearbeitet ist, und ich hier dann jeweils den Snn darin erkenne (und vor allem die Ergebnsse nicht ignorieren kann, auch wenn mir die Methode immer noch nicht liegt - aber Zahnarzt liegt mir auch nicht, iist aber manchmal nötig und sinnvoll). :d

      Und klar, wenn du problemlos ohne Therapie die vorhandenen Probleme lösen kannst, dann wäre eine Therapie ja wirklich sinnlos verschwendete Zeit , nicht nur die eigene. :)
      Sachlichkeit ist meine Ausdrucksweise von Liebe
      Warnung allgemein: Ohne Subtext! Versuche von Subtext werden gesondert kenntlich gemacht.
    • Happy to be schrieb:

      Mehr als dass du darüber hinweg gegangen bist, dass du DIESE Therapie bei DIESEM Therapeuten gegen deine Erkenntnis, dass da was nicht kompatibel iist, zwei Jahre weiter gemacht hast, ist doch an Erkenntns dabei nicht herausgekommen.
      Ich war später noch stationär in einigen Therapiegruppen. Außerdem bestätigt sich diese Einschätzung ja, wie gesagt, immer wieder, wenn ich etwa Erfahrungsberichte lese. Das, was dort beschrieben wird, entspricht tatsächlich immer dem, womit ich eben nichts anfangen kann. Solche emotionalisierenden und symbolisierenden Ausdrücke werden da eigentlich immer mehr oder weniger verwendet. Vor diesem Hintergrund sehe ich eben keinen Grund, es nun immer und immer wieder zu versuchen. Das tut man doch in anderen Bereichen auch nicht. Wie gesagt, ich halte es letzten Endes für bloßen Dogmatismus, einfach davon auszugehen, dass eine Psychotherapie grundsätzlich und bei jedem hilfreich sein kann. Vor allem, da ja nicht einmal die allgemeine Erfolgsrate für diese Ansicht spricht. Je nach Störung sind Psychotherapien sogar in den meisten Fällen nicht erfolgreich (etwa bei ADHS oder auch bei Depressionen).

      Und es ist ja auch nicht so, dass ich nun sage, ich muss eben mit diesen Problemen leben und man könne überhaupt nichts dagegen tun. Nur gehe ich die Sachen jetzt eben auf meine Art an und dort, wo es allein nicht geht (etwa bei der Verbesserung der Sozialkompetenzen) suche ich mir Anbieter, die eben ein praktisches Programm anbieten. Sollte es auch Therapeuten geben, die sich auf die konkrete Lösung klar umschriebener Probleme beschränken, dann könnten sie mir vielleicht auch dabei helfen. Nur das, was allgemein unter dieser Bezeichnung läuft, ist eben nichts für mich. Ich denke, dass ich das durchaus recht klar und ausführlich dargelegt habe. Wenn du der Ansicht bist, dass Psychotherapie grundsätzlich und bei jedem "greift", dann müsstest du das entsprechend begründen.
    • Auch allgemein wüsste ich mittlerweile nicht mehr, was ein Therapeut überhaupt tun könnte, um mir z.B. mit meinen Einschlafproblemen zu helfen. Wenn ich da sage, dass ich es nur schwer hinbekomme, die Gedanken "abzuschalten", um schlafen zu können, dann kann er mir doch letzten Endes nichts anderes raten als das, was man in so einer Situation halt rät. Also etwa, dass man abends keinen Kaffee mehr trinken sollte, nichts Aufregendes mehr tut, kein Fernsehen im Bett usw. Vielleicht könnte er auch noch Meditation empfehlen, da diese ja gerade darauf abzielt, die Gedanken "zur Ruhe zu bringen". Mehr aber wohl nicht. Mir fällt da jedenfalls nichts ein. Auf diese Strategien kann ich aber doch auch gut selbst kommen und etwa Meditation zu erlernen und zu praktizieren, müsste ich am Ende so oder so selbst tun. Allenfalls ein spezieller Meditationslehrer wäre da vielleicht noch sinnvoll, um da keine Fehler reinzubringen.
    • Ich bin komplett bei Wirrwolf und habe durchaus verschiedene Therapieversuche hinter mir (und bin sogar aktuell noch dabei).

      Ich bekomme schon Ausschlag (RW), wenn ich nur Sätze lese wie "da muss man sich drauf einlassen". Ich bin zu der
      Erkenntnis gelangt, dass es durchaus Menschen gibt, bei denen das Konzept "Therapie" schlicht nicht greift. Und das
      ganz sicher nicht, weil "man nur nicht will", oder "weil man sich nicht einlässt", oder "abwehrt" oder was auch immer es
      da noch für Sätze gibt. Die sind hier im Thread alle zu lesen ;)

      Grüsse
      Alys
    • kikilino schrieb:

      Glaubst Du, dass dieses Einschlafproblem etwas damit zu tun hat (mit AS)? Und sind das Gedanken zu einem bestimmten Thema oder eher Gedanken zu allen möglichen Themen?
      Ob das speziell mit dem AS zusammenhängt, kann ich nicht wirklich beurteilen, bzw. ich weiß natürlich nicht, wie es sich verhalten würde, wenn ich nicht autistisch wäre, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es einen Zusammenhang gibt. Unter anderem weil: es können prinzipiell Gedanken zu allen möglichen Themen sein, muss also nicht notwendigerweise etwas mit Sorgen usw. zu tun haben (wie es wohl die Regel ist bei solchen Einschlafproblemen). Oft denke ich auch einfach an das, was mich gerade besonders interessiert, und zumindest da sehe ich einen möglichen Zusammenhang mit dem AS, also dass mich das Thema ("Spezialinteresse") eben auch nicht "loslässt", wenn ich im Bett liege, eigentlich müde bin und ich schlafen will.

      Hilfreich könnte da, denke ich, wirklich Meditation sein. Dabei geht es ja gerade darum, die Gedanken "zum Stillstand zu bringen". Ich habe auch schonmal damit angefangen, Meditation zu üben und denke, dass es schon ganz gut geklappt hat. Leider habe ich dann aber wieder damit aufgehört. Das will ich auf jeden Fall nochmal (diesmal ernsthafter) versuchen. Aktuell habe ich unretardiertes Quetiapin als Schlafmittel, was als solches auch gut wirkt. Aber das will ich eigentlich nicht bis zum Rest meines Lebens nehmen, da es durchaus auch (körperlich) einige Nebenwirkungen hat.
    • Ich möchte mal etwas zu "Therapie" sagen.......im Grunde kann etliches therapeutische Wirkung haben.....Kunst..Bewegung...Mediation...Bilderdenken/Visualisierungen...alle möglichen Ressourcen , die man sich im Laufe des Lebens mit oder ohne Hilfe aneignet.
      So.
      Und ein guter Psychotherapeut weisst auf Ressourcen hin..gibt Anstubbse...Ideen..was man evtl noch nicht probiert hat.
      Also zumindest Verhaltenstherapeuten.
      Auch Medizin ist ja eine Art Therapie.
      Gebet kann eine sein.
      Sich, statt auf sich konzentrieren, auf Andere und ihnen helfen.
      Statt nur auf Andere, auf sich und sich Gutes tun lernen. Je nachdem, wo man da hauptsächlich steht.
      Für manche ist es wichtig, Triggerursachen zu finden, um ihnen neu zu begegen.
      Wieder andere sollten aufhören, zu wühlen.

      usw...

      Wenn man das also etwas weiter fasst und akzeptiert, sind wir alle in einem Boot.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert? "
      (Schrödinger lässt grüßen ;) )

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Linnea ()

    • Hallo Wirrwolf,

      danke für Deine Antwort. Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du mit dem 'nicht loslassen können' dieses Versunkensein in ein Thema meinst?

      Ja, ich kenne das auch mit diesen kreisenden Gedanken und nur manchmal lag es an etwas Tieferem. Bei mir war es oft eher eine 'Unfähigkeit' mit dem Denken auf zu hören und da hat mir das Meditieren sehr geholfen. Ich denke auch, dass die meisten Menschen das erst erlernen und üben müssen. Wir lernen ja oft eher in unserem Verstand zu sein und nicht so stark in unserem Gefühl.
      Mir fiel das am Anfang extrem schwer...meine Gedanken mussten mir beim Meditieren unbedingt erzählen, was ich noch einkaufen sollte und ähnlichen Kram. Das hat mich damals total genervt. :) Mit der Zeit wurde es aber besser. Mir hat es manchmal geholfen mich auf mein Körpergefühl zu konzentrieren...also ganz bewusst zu spüren, wie sich meine Füße anfühlen usw.
      Was machst Du, wenn die Gedanken immer wieder hoch kommen? Hast Du einen Tip?
    • Linnea schrieb:

      Und ein guter Psychotherapeut weisst auf Ressourcen hin..gibt Anstubbse...Ideen..was man evtl noch nicht probiert hat.
      Ja, aber dafür braucht man m.E. eben nicht speziell einen Psychotherapeuten. Dass ein anderer auf Ideen kommen kann, die einem selbst bisher entgangen sind, glaube ich ja auch, aber solche Anregungen kann ich auch z.B. in einem Buch finden. Ansonsten stimme ich dir aber zu bzw. darauf will ich eigentlich auch hinaus, nämlich, dass das, was eine Psychotherapie leisten soll, grundsätzlich auf ganz unterschiedliche Weise erreicht werden kann und dass für manch einen ein solcher anderer Weg evtl. besser geeignet ist als eine Psychotherapie im engeren Sinne. Sich darauf zu versteifen, dass nur eine Therapie wirklich helfen könne, wenn man eine bestimmte Art von Problem hat, halte ich vor diesem Hintergrund für falsch.
    • Danke, kikilino.


      Wirrwolf schrieb:

      Ansonsten stimme ich dir aber zu bzw. darauf will ich eigentlich auch hinaus, nämlich, dass das, was eine Psychotherapie leisten soll, grundsätzlich auf ganz unterschiedliche Weise erreicht werden kann und dass für manch einen ein solcher anderer Weg evtl. besser geeignet ist als eine Psychotherapie im engeren Sinne.

      Richtig.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert? "
      (Schrödinger lässt grüßen ;) )
    • kikilino schrieb:

      Habe ich Dich richtig verstanden, dass Du mit dem 'nicht loslassen können' dieses Versunkensein in ein Thema meinst?
      Ja, das heißt, wenn ich mich z.B. am Tag mit einem philosophischen Problem beschäftigt habe oder, seit neuestem wieder, mit irgendeinem Computerproblem, dann fällt mir dazu auch im Bett noch das eine oder andere ein und das "drängt" sich dann regelrecht "auf" und ich "muss" es gewissermaßen weiterverfolgen. Teilweise muss ich mich geradezu zwingen, nicht sogar wieder aufzustehen, um noch etwas auszuprobieren oder nachzulesen, wenn mir so eine Idee kommt. Dabei kann ich bereits schon richtig müde sein, der "Geist" ist dann immer noch hellwach. Bzw. ich muss dann schon wirklich fertig sein, um doch einschlafen zu können. Teilweise liegt das vielleicht aber auch daran, dass ich, denke ich, eigentlich ein absoluter "Nachtmensch" bin. Während der Schulzeit bin ich mal so gut ein Jahr lang immer die ganze Nacht wach gewesen und habe immer nachmittags nach der Schule geschlafen. Da hat das Einschlafen besser funktioniert. Aber insgesamt ging es mir damit nicht gut.


      kikilino schrieb:

      Was machst Du, wenn die Gedanken immer wieder hoch kommen? Hast Du einen Tip?

      Speziell beim Meditieren? Da habe ich mich an klassischen buddhistischen Techniken orientiert (besonders gut finde ich das Buch "Geistestraining durch Achtsamkeit" von Nyanaponika). Da konzentriert man sich vorwiegend auf den Atem bzw. auf das Heben und Senken der Bauchdecke und wenn man während der Meditation bemerkt, dass die Gedanken ausschweifen bzw. dass man ihnen "folgt" und sie weiterführt, dann lenkt man die Konzentration bewusst wieder auf den Atem, also das eigentliche "Meditationsobjekt". Das ist natürlich, gerade am Anfang, schwer und man schafft es tatsächlich kaum, länger "ohne Gedanken" zu sein bzw. die Gedanken nicht weiterzuverfolgen, aber mit der Zeit stellt sich ein entsprechender Erfolg ein. Jedenfalls hatte ich seinerzeit den Eindruck. Einen wirklichen Tipp, wie man das besser hinbekommt, habe ich da aber nicht bzw. das ist wohl wirklich eine Sache der Übung. Ich werde das auf jeden Fall auch wieder probieren. Meine Hoffnung ist, dass ich diese Technik irgendwann so gut beherrsche, dass ich mich auch, wenn ich schlafen will, erstmal in einen entsprechenden Zustand versetzen kann und so eben nicht mehr an meinen Gedanken "hängenbleibe".
    • @Wirrwolf
      @Happy to be
      Danke für eure beiden ausführlichen Erläuterungen eurer Erfahrungen und Sichtweisen zum Thema Therapie. Mein Anliegen war nicht zu hinterfragen, ob der Stundensatz im Verhältnis zur Dienstleistung gerechtfertigt ist, sondern daß ich das für mich effektiver brauche - eben auch aufgrund meiner zeitlichen und finanziellen Ressourcen, die nicht üppig sind. Ich habe bislang bis auf ein paar zwar wichtige Erkenntnisse, die man aber in viel weniger Zeit hätte erarbeiten können, leider auch keine guten Techniken, Antworten usw. für mich mitnehmen können, mit denen ich zuhause auch gut hätte weiterarbeiten können. In Vielem, was Wirrwolf beschreibt, erkenne ich mich wieder, obwohl ich mein eigenes Gefühlsleben durchaus aus komplexer ansehe. Natürlich habe ich mich bezüglich Techniken versucht selbst zu belesen, aber es ist schwierig zu erkennen, welche wofür nützlich sind, in manchen Bereichen trete ich auf der Stelle.
    • Noch ergänzend zu den Einschlafproblemen: als das im Studium richtig schlimm wurde, waren es schon vor allem Sorgen usw., die mich wachgehalten haben, bzw. ich war durch die vielen verschiedenen Anforderungen (Studium, Arbeit usw.) einfach überfordert, habe den Überblick verloren, stand unter Zeitdruck usw. und das hat mich insgesamt sehr aufgeregt, sodass ich kaum noch einschlafen konnte. Das hat am Ende sogar zu einer akuten Psychose geführt. Aber die Ursachen dafür waren mir eben auch in der Situation klar. Es fällt mir eben schwer, viele Dinge gleichzeitig oder "parallel" zu bearbeiten und mit Zeitdruck habe ich ohnehin Probleme, weil es mir schwerfällt, abzuschätzen, wie lange ich für einzelne Aufgaben brauche, mich auch (z.B. bei Hausarbeiten) leicht "verzettele" usw. Das heißt, das waren letzten Endes auch "nur" praktische Probleme, also solche der Organisation. Entsprechend wäre es für mich wohl sinnvoller gewesen, ich hätte jemanden um Rat gefragt, der sich damit auskennt, und eben keinen Psychotherapeuten.
    • Hallo Necroghoul7,

      ich habe eine Ausbildung in integrativer Psychotherapie (und 2 weitere) gemacht und sehr viele Bücher (wissenschaftliche und auch Klientenorientierte) gelesen. Wenn Du möchtest kannst Du mich gerne anschreiben und mich fragen...vielleicht habe ich ja auch etwas gelesen, das Dich interessieren könnte. Ist nur ein freundlich gemeintes Angebot. :)

      Liebe Grüße und alles Gute

      Hallo Wirrwolf,

      danke für den interessanten Austausch und Deine Antwort. Das kenne ich von mir auch ein wenig, was Du beschreibst. 'Ich mache mal schnell die Wohnung sauber'...und dann putze ich ewig an einem Fleck weil es gründlich sauber sein soll...und um den Fleck herum stapeln sich die Dinge, gg. :)

      Liebe Grüße und einen angenehmen Tag heute für Dich!
    • Wirrwolf schrieb:

      Bei mir müsste man die Probleme und Lösungen wohl ziemlich "technisch" beschreiben und eher konkrete Strategien entwickeln, die sich unmittelbar auf das konkrete Problem beziehen. Von der Verhaltenstherapie habe ich mir so etwas versprochen, aber selbst die war, wie gesagt, ziemlich "künstlich" nach meinem Geschmack.
      Bei mir ist das ähnlich, dass ich mit der üblichen Symbolik oft nichts anfangen kann. Ich habe in der Vergangenheit allerdings ganz gute Erfahrungen mit eher bodenständigen symbolischen Vergleichen in Gesprächen mit zwei Freunden gemacht, vor allem, um ihre Probleme zu verstehen (wo ich bei einer bloßen Beschreibung der Situation oft ihre Gefühle dazu nicht nachvollziehen konnte, aber als es mir an einem für meine Denkweise verständlichen Vergleich erklärt wurde, konnte ich es), als auch (seltener) als Möglichkeit, ihnen über diesen Umweg etwas abstrahierter und damit mit etwas mehr Abstand von meinen eigenen Problemen zu berichten.

      Ich finde, dass sich die Art der verwendeten Sprache und Symbolik auch in einer Therapie idealerweise an der Denkweise des Klienten orientieren sollte. Das Problem dabei sehe ich nur darin, dass die meisten Therapeuten mit eher technischen Vergleichen selber zu wenig anfangen können, da diese Denkweise zu weit von ihrer (pardon) Psycho-Schwurbel-Schiene abweicht. A clash of two worlds. Ansonsten könnte man auch solche Konzepte wie "Kind-Ich" / "Eltern-Ich" / "Erwachsenen-Ich" eher technisch beschreiben (ich denke da z.B. an die Darstellung als Java-Unterklassen der Klasse "Ich" o.ä.).

      _____________

      Wirrwolf schrieb:

      Auch allgemein wüsste ich mittlerweile nicht mehr, was ein Therapeut überhaupt tun könnte, um mir z.B. mit meinen Einschlafproblemen zu helfen. Wenn ich da sage, dass ich es nur schwer hinbekomme, die Gedanken "abzuschalten", um schlafen zu können, dann kann er mir doch letzten Endes nichts anderes raten als das, was man in so einer Situation halt rät.
      Bei Einschlafproblemen sind Therapeuten meines Erachtens nach auch wirklich nicht die richtigen Ansprechpartner (ich habe ja auch damit zu tun). Ratgeberliteratur gibt es zuhauf. Wenn du mit Hilfe von Ratgeberliteratur nicht zu einem für dich zufriedenstellenden Ergebnis kommst, würde ich mich eher an einen Schlafmediziner wenden als an einen Therapeuten. Bei einem Schlafmediziner würde ich mir zumindest einen ganzheitlicheren Ansatz erhoffen (also auch körperliche Vorgänge einbeziehend), während Therapeuten allenfalls helfen können, Methoden zum Stoppen des abendlichen Gedankenkarussells einzuüben, wenn nicht tatsächlich etwas innerhalb einer Therapie behandelbares wie eine Angststörung an der Schlafstörung mitbeteiligt ist.
      Sagt dir der Begriff "Hyperarousal" etwas? -> schlafmedizin-freiburg.de/OPEN…U_Hyperarousalmodell.html

      Und ergänzend, da Schlafstörungen unter autistischen Kindern weiter verbreitet sind als in der "Normalbevölkerung" (siehe z.B. hier: "Wide awake: Why children with autism struggle with sleep", spectrumnews.org), ist es schon gut möglich, dass es etwas mit AS zu tun hat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Turtle ()

    • Ja, ich bin ja dann zuletzt auch zu dem Schluss gekommen, dass bei meinen Problemen ein Psychotherapeut vielleicht schon von Anfang an nicht der richtige Ansprechpartner gewesen ist. Wobei mich die Therapeutin ja schon angenommen und mir auch eine Diagnose gegeben hat - allerdings eher für die Krankenkasse, denke ich, denn als depressiv hätte ich mich nicht eingestuft. Und im Verlauf dieser "schwierigen Zeit" habe ich ja auch ein zumindest in Richtung Abhängigkeit gehendes Drogenproblem und eine akute Psychose entwickelt. So gesehen sollte eine Psychotherapie eigentlich wohl schon angebracht gewesen sein. Der Drogenkonsum war ja auf jeden Fall "dysfunktional". Nur haben sich diese "Folgestörungen" halt ergeben, weil ich mit meiner allgemeinen Situation im Studium und mit der Arbeit überfordert war. Hätte ich es vorher irgendwie geschafft, mich besser zu organisieren, wäre es wohl gar nicht so weit gekommen. Und Probleme mit der Organisation von Arbeit usw., bzw. mit der "allgemeinen Lebensorganisation", mit Zeitdruck, mehreren Aufgaben zur gleichen Zeit usw. haben ja viele Autisten Probleme. Das heißt, es kann wohl schon der Fall sein, dass die Ursache dafür letzten Endes darin lag. Vielleicht hätte ich mit einem Therapeuten, der sich mit AS auskennt, die Probleme so besser hätte einschätzen und sie und mögliche Lösungen in einer "kompatibleren" Sprache mit mir besprechen können, ja auch mehr Erfolg gehabt. Aber das ist mir jetzt, da ich mich auch so wieder "stabilisieren" konnte, eigentlich egal. Was ich aus dieser Erfahrung mitnehmen konnte, ist halt, dass zumindest die herkömmlichen Psychotherapien für mich nichts sind.
    • Turtle schrieb:

      Sagt dir der Begriff "Hyperarousal" etwas?
      In dem verlinkten Artikel fand ich vor allem das hier interessant: "Die Frage, ob sich bei Insomnie-Patienten ein erhöhtes physiologisches Aktivitätsniveau nachweisen lässt, wird seit vielen Jahren untersucht. So gibt es einige Untersuchungen, die dafür sprechen, dass Insomnien mit einem erhöhten Blutdruck, einer erhöhten Herzrate oder einer verstärkten Ausschüttung des „Stresshormons“ Cortisol einhergehen. Insomnie-Patienten geben dabei insbesondere auch subjektiv an, dass sie körperlich angespannt sind."

      Tatsächlich hatte ich immer schon (bereits als Kind) einen deutlich erhöhten Puls. Der ist normalerweise so bei 100. Seit ich weniger Koffein zu mir nehme, ist der Blutdruck im normalen Bereich, wenn auch immer noch etwas erhöht. Ich kann mir gut vorstellen, dass da bei mir etwas "nicht in Ordnung" ist. Z.B. habe ich auch oft "einfach so" stark erweiterte Pupillen, was vielleicht auch mit einem erhöhten "Stresshormonspiegel" zusammenhängen könnte (aber das ist nur Spekulation). Das mal abklären zu lassen, habe ich auf jeden Fall auch vor.

      Ansonsten wird in dem Artikel halt auch wieder erwähnt, dass die Leute mit Schlafproblemen in der Regel "grübeln", also vor allem wegen belastender Umstände nicht schlafen können. Das macht es bei mir zwar auch schlimmer, aber ist eben, wie gesagt, nicht notwendig. Eher fällt es mir allgemein sehr schwer "abzuschalten" und auch Dinge, die mich einfach interessieren, können mir "den Schlaf rauben". Das war übrigens auch "schon immer" so. Meine Mutter hat mir bestätigt, dass ich schon als Kleinkind schlecht eingeschlafen bin und ich kann mich daran erinnern, dass ich schon in der Grundschulzeit manchmal die ganze Nacht wach war und gelesen habe.
      Etwas kann ich es aber schon regulieren, wenn ich mich an die gängigen Tipps halte und z.B. nach Mittag kein Koffein mehr zu mir nehme, direkt vor dem Schlafen keine aufregenden Filme schaue usw. Aber es lässt sich bestimmt noch einiges verbessern, was die Abläufe vor dem Schlafengehen betrifft. Z.B. statt zu lesen etwas spazierengehen und dann noch meditieren. Damit will ich ja sowieso wieder anfangen. Momentan bin ich aber noch nicht allzu motiviert, da ich durch das Quetiapin ja gerade gar keine Probleme mehr mit dem Schlafen habe und ich in der letzten Zeit erstmal damit beschäftigt war, allgemein wieder "Fuß zu fassen" (mich vor allem beruflich neu zu orientieren und die entsprechende Stellensuche usw.). Spätestens, wenn da mal alles soweit geklärt ist, will ich aber auf jeden Fall versuchen, das Quetiapin wieder abzusetzen.
    • Neu

      Wirrwolf schrieb:

      In dem verlinkten Artikel fand ich vor allem das hier interessant: "Die Frage, ob sich bei Insomnie-Patienten ein erhöhtes physiologisches Aktivitätsniveau nachweisen lässt, wird seit vielen Jahren untersucht. [...]
      Genau, auf diese Zusammenhänge wollte ich hinaus, als ich meinte, dass eher Schlafmediziner als Therapeuten die körperlichen Zusammenhänge mitberücksichtigen.

      Wirrwolf schrieb:

      Ansonsten wird in dem Artikel halt auch wieder erwähnt, dass die Leute mit Schlafproblemen in der Regel "grübeln", also vor allem wegen belastender Umstände nicht schlafen können. Das macht es bei mir zwar auch schlimmer, aber ist eben, wie gesagt, nicht notwendig.
      Ja, wobei ich den Text eher so verstanden habe, dass kognitives Hyperarousal eigentlich eine allgemeine kognitive Übererregbarkeit bzw. gedankliches Nicht-Abschalten-Können bezeichnet, wobei es sich oft (aber nicht zwingend immer und bei jedem) so entwickelt, dass sich die Gedanken inhaltlich um etwas Negatives drehen, und sei es um die Schlaflosigkeit selbst. Also, es muss nicht immer das klassische "Grübeln" der Ausgangspunkt sein, auch wenn es sich letztlich häufig dahin entwickelt.