Trauer

    • ZeroLifeSkills schrieb:

      Auch wenn im Fernsehen Berichte von Unglücken, Terrorismus oder so kommen, berührt mich das einfach nicht. Ich kenne all diese Leute ja nicht mal, schlimme Dinge passieren, das gehört zum Leben.
      Verhält sich bei mir genau so.
      It's a beautiful day - now watch some bastard fu** it up.

      Off my chair, jester. The king sits there.
    • Cael schrieb:

      Ich weiß gar nicht so genau, wie ich das in Worte fassen soll, aber 'überwältigt sein' passt ganz gut. Nur, dass ich halt nicht wirklich weiß welches Gefühl das ist.
      Ach schade, denn ich vermute, daß wir Ähnliches fühlen. Bitte schreib, sobald du es weißt, es wäre mir wichtig, um meine eigenen Gefühle besser einordnen, bewerten und danach handeln zu können.
    • Joker schrieb:

      ZeroLifeSkills schrieb:

      Auch wenn im Fernsehen Berichte von Unglücken, Terrorismus oder so kommen, berührt mich das einfach nicht. Ich kenne all diese Leute ja nicht mal, schlimme Dinge passieren, das gehört zum Leben.
      Verhält sich bei mir genau so.
      Bei mir leider nicht. Wenn ich so etwas sehe, dann geht mir das sehr nahe. Die Bilder vom 11. September kann ich mir bis heute nicht ansehen. Ich muss dann immer an all die armen Menschen denken, die dabei auf so sinnlose Weise sterben mussten. Ich verstehe einfach nicht, wie man etwas so grausames tun kann. :cry:
    • Windtänzerin schrieb:

      Ich muss dann immer an all die armen Menschen denken, die dabei auf so sinnlose Weise sterben mussten. Ich verstehe einfach nicht, wie man etwas so grausames tun kann.
      Mich macht sowas viel eher wütend, weil ich für sowas generell kein Verständniss habe. An die Opfer denke ich auch aber dieses sinnlose Sterben/Töten macht mich einfach nur sauer.

      Meine Mutter sagt das ich auf der Beerdigung bei meinem Opa mit dabei war aber ich erinner mich überhaupt nicht daran. Vermutlich war es so dermaßen langweilig und ich verstand vermutlich auch nicht was das sollte, das ich einfach keine Erinnerung daran habe.
    • @Windtänzerin: Damals war ich erst ungefähr 8 und habe es noch gar nicht verstanden. Mein kleiner Bruder war damals 5 und hat zu dieser Zeit immer wieder Bilder von Flugzeugen gemalt, die in Türme geflogen sind. Man sagte, das sei respektlos und er dürfe das nicht, daraufhin habe ich ihn auch geschimpft, ohne es wirklich zu verstehen. Anschläge gibt es immer noch, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Sowas macht mich wütend und es besorgt mich, aber ich empfinde eben nichts für die Leute, die dabei getötet oder verletzt wurden..
    • Leseratte schrieb:

      Mich macht das wütend, aber nicht traurig.
      Und mich macht es ängstlich, zumal ich in einer Einflugschneise wohne. Die Wut oder Trauer ist dann eher so ein Verarbeitungsergebnis meiner Ohnmacht/Schutzlosigkeit/Handlungsunfähigkeit, ich kann nur passiv hoffen, daß meiner Familie nie etwas in der Art passieren wird.

      Mit Trauer hat das aber wenig zu tun, finde ich, denn echte Trauer ist ja eher persönlich, nicht auf völlig fremde Menschen oder abstrakte Sachverhalte bezogen. Da kann man Mitleid oder Zorn usw. verspüren, aber um die trauert man nicht oder nur eingebildet...ich zumindest. Ich kann dann zwar traurig sein, aber es ist keine Verlust-Trauer, denn ich habe nichts verloren, ich hatte zu niemandem eine Beziehung.
      Was natürlich vorkommen kann, ist so eine Art Identifikation, dann kann man Trauer verspüren, aber das rechne ich unter "eingebildet". Andererseits, wenn man das konsequent weiterdenkt, ist jede Trauer irgendwie durch Einbildung entstanden, durch die Illusion, es gäbe eine stabile Verbindung zu etwas außerhalb von einem selbst. Oder es gäbe etwas, das sicher wäre, das man behalten könne. Ob nun ein Gegenstand, eine Person, ein Haustier, eine Arbeit, ein Ziel.... wenn ich darüber zu lange schreiben würde, dann würde ich wohl traurig werden, deshalb höre ich hier auf.
    • Ich kann nur um etwas trauern, zu dem ich auch eine emotionale Beziehung hatte und mir wirklich etwas fehlen würde, wenn der/die/das Etwas nicht mehr wäre.
      Seltsamerweise bezieht sich das hauptsächlich auf Tiere, Kuscheltiere und fiktive Serienfiguren. Von meinen Freunden ist zum Glück noch keiner gestorben, daher weiß ich noch nicht, wie ich damit umgehen werde. Um gestorbene Familienmitglieder und Bekannte habe ich nicht getrauert.
      Richtig schlimm war es, als mein Hamster nach langer Krankheit gestorben ist. Der tat mir einfach so unheimlich leid, weil er so gelitten hat und dazu kam, dass ich für ihn verantwortlich war. Diese Verantwortung für ein krankes Tier fand ich schon ziemlich schlimm.
      Als einige Jahre vorher ein anderer Hamster spontan gestorben ist, hat mir das fast gar nichts ausgemacht. Der war dann eben nicht mehr da, aber das fand ich nicht schlimm, weils ihm ja bis zu dem Todeszeitpunkt gut ging.

      Und dann die Sache mit meinem Teddy... das ist schon fast ein bißchen peinlich, aber mein Teddy ist mir wichtiger als fast alles andere. Jetzt kam der Tag des großen Dramas: Ich war 6 Wochen lang krank, habe die meiste Zeit im Bett verbracht und als ich fertig war mit krank sein, musste ich den Teddy dann doch mal waschen. Er ist 27 Jahre alt und dementsprechend sieht auch sein Fell aus. Ich habe jedesmal ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich Kuscheltiere in die Waschmaschine stecke, aber es geht einfach nicht anders wenn man Probleme mit Hausstaubmilben hat.
      Als ich den Bären dann einige Stunden später aus dem Trockner holte, bemerkte ich, dass er Haare verliert! Er haarte so viel, dass ich ihn nicht mehr mit ins Bett nehmen konnte und da war der Moment gekommen, der sich wie ein endgültiger Abschied, wie ein Wendepunkt im Leben anfühlte. Nach 27 Jahren konnte ich auf einmal nicht mehr mit meinem geliebten Bären kuscheln, ohne ihm zu schaden. Das war das grausamste Gefühl, was ich je hatte. Ich hab echt den ganzen Tag geheult und könnte jederzeit wieder anfangen, wenn ich drüber nachdenke. Mittlerweile habe ich einen ähnlichen Bären als Ersatz, und der alte Bär sitzt im Wohnzimmer und genießt seinen Ruhestand, aber ehrlich gesagt fühlt sich das mit dem neuen Bären wie fremdgehen an! :o
    • Das erinnert mich an einen Kuschelhasen, den ich als Kind hatte. Der war mein Lieblingskuscheltier, aber ich war dann auch mal krank und habe leider drüber gereihert, deshalb musste er in die Waschmaschine. Danach war das Fell völlig verfilzt und hat überhaupt nicht mehr schön ausgesehen. Das habe ich damals sehr tragisch genommen, er war zwar noch da, aber er sah nicht mehr so aus und hat sich nicht mehr so angefühlt wie vorher. Es kostete mich richtig Überwindung, ihn im neuen Zustand zu akzeptieren.
      Und heute habe ich auch einen neuen Hasen, der aber nur Deko ist....
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Oh ja, dass sich das Fell immer mehr geändert hat, hatte mir schon jahrelang zu schaffen gemacht. Es gibt diesen einen Idealzustand bei Kuscheltieren und wenn der in Gefahr ist fühle ich mich echt unwohl.
      Als ich noch ganz klein war hat meine Mutter mal ein ziemlich zerfleddertes Lamm, ohne mich vorher zu fragen, einfach in den Müll gesteckt, weil sie dachte, ich mag das nicht mehr. Dabei liebte ich es immer noch heiß und innig, wollte es aber nicht mehr "benutzen", weil es schon so kaputt war. Ich habe es zufällig im Müllsack gefunden und einen Riesenaufstand gemacht inklusive Protest"briefe", die ich gemalt hab :'D
      Hat gewirkt, es blieb bei diesem einmaligen Vorfall. ;D
    • Woodchuck schrieb:

      Und dann die Sache mit meinem Teddy... das ist schon fast ein bißchen peinlich, aber mein Teddy ist mir wichtiger als fast alles andere.
      Das kann ich gut nachvollziehen. Seit 58 Jahren habe ich keine Nacht ohne meinen Teddy verbracht. Seit langer Zeit sitzt er zwar nur noch am Kopfende, weil er schon ganz 'glatzig' gekuschelt ist, aber ohne Teddy kann ich nicht schlafen. Zum Glück ist er von Steiff und verträgt das Waschen in der Maschine mit Schonprogramm in einem Kopfkissenbezug ganz gut.
      Er reist übrigens nie in einem Koffer, sondern immer im Handgepäck, bzw. der Handtasche.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~