Redet ihr wirklich fast nur über Euch?

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      Es ist nicht das über sich selbst reden. Das tun alle. Die meisten sogar noch mehr. Es ist die fehlende Übernahme und Teilung der Sichtweise des Gesprächspartners.

      Wenn jemand von seinen Problemen redet will er selten einen Rat. Das wird als übergriffig und arrogant, besserwisserisch aufgefasst. Der will auch nicht hören, dass man selber das erlebt hat. Die wollen bemitleidet werden. "Nein das ist ja arg" Sinnloses Geschwafel. :nerved:

      So mein Erleben. Umsetzen kann ich das auch nicht. Ich übe es mit einer Bekannten (Freundin?). Die nimmt aber alle Eigenheiten von mir nicht böse. Inzwischen ist sie von klassischen Smalltalk zu ziemlich privaten Dingen übergegangen. Da wird wieder anderes Verhalten erwartet. Mir ist das zu kompliziert. Ich check das nicht.

      Ich meide große Gruppen. Da kann ich nicht mitreden. Verstehe nichts mehr. Weiß nicht auf wen ich mich konzentrieren soll. In der Arbeit geht es. Aber da reden wir über mein SI. Das kommt mir sehr entgegen. Sobald das Thema Richtung Urlaube oder so geht ist es aus und ich nur noch körperlich anwesend.

      Momentan versuche ich Gespräche eins zu eins und zu dritt etwas zu üben. Ich versuche mir Muster von anderen Menschen abzuschauen. Beim Telephonieren hat das super geklappt. Ich werde für meine Art zu telephonieren gelobt. Dabei hoffe ich jedes mal dass der Anruf nicht für mich ist :oops:

      Eins zu eins geht es glaube ich recht gut. Aber ehrliches Feedback bekommt man ja nicht.
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      LiltihEve schrieb:

      Wenn jemand von seinen Problemen redet will er selten einen Rat. Das wird als übergriffig und arrogant, besserwisserisch aufgefasst. Der will auch nicht hören, dass man selber das erlebt hat. Die wollen bemitleidet werden. "Nein das ist ja arg" Sinnloses Geschwafel.
      Meine Freundin sagt mir mittlerweile, wann sie 'Mitleid', in den Arm nehmen und 'oh je' benötigt.

      Freundin: Mir gehts dreckig.
      Ich: Was ist denn los?
      Freundin: Ich will auf den Arm.

      So weiß ich dann, dass sie erst einmal nur aktives Zuhören und keine Ratschläge braucht. Dafür ist später immer noch Zeit, wenn sie sich etwas besser fühlt, weil sie sich einfach mal 'ausheulen'* konnte.

      *ausheulen bedeutet hier: sich selbst bemitleiden, mein Mitgefühl und Mitleid einzufordern, Bestätigunen bekommen, dass die Welt ja sooo schlecht ist - und auf keinen Fall Lösungsvorschläge anbieten.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
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      Ich denke eher, dass es mit der Fixierung auf bestimmte gedankliche Themen zu tun hat und die geringe Antizipation der Interessen des Gegenübers. Das erweckt dann den Eindruck der Ich-Bezogenheit. Wenn ich in Smalltalk-Gespräche komme, verhalte ich mich dann immer ein bischen so, wie ein Arzt in einer psychiatrischen Exploration. Ich stelle offene Fragen, lasse den anderen ausreden und frage dann über das wovon ich denke worauf der andere am meisten fixiert zu sein scheint. Meistens ist das eine Frage nach Präzision. Und sonst frage ich einfach worüber der andere Reden möchte.
      Wenn mir eigentlich grade nichts einfällt, oder ich nicht weiß was angemessen ist, hilft mir diese Methode gegen die Verlegenheit.

      ___________________________________________________________

      Hyperakusis schrieb:

      Ellewoods2017 schrieb:

      Bei NT's kommt das aus meiner Erfahrung trotzdem oft als egozentrisch bzw. Ich-Bezogenheit rüber.
      richtigfalsch
      NTsNT's

      :-p

      richtigfalsch
      NTNTs; NT's
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      FruchtigBunt schrieb:

      LiltihEve schrieb:

      Ich werde für meine Art zu telephonieren gelobt. Dabei hoffe ich jedes mal dass der Anruf nicht für mich ist.
      Wendest du bei deiner neuen Art zu telefonieren einen bestimmten 'Kniff' an? Falls ja, dürfte ich den wissen?
      Ich kopiere Gesprächsmuster meiner Kollegen.

      Es gibt unterschiedliche Kategorien Telephonate.
      • Beschwerden - gibt es bei mir nicht
      • Man ruft wo an um Auskunft zu erhalten (1)
      • Man wird wegen Fragen angerufen (2)
      Mit den Fällen 1 und 2 habe ich mich beschäftigt.
      Spoiler anzeigen

      1.
      Am besten direkt den Verantwortlichen anrufen keine Vermittlung. Die überfordert mich. Firmen nie sagen, dass man nur eine Auskunft will sondern bei Nachfrage sagen ja man will bald kaufen. Dann kommt.halt zur Not ein Angebot, ist auch egal. Aber nie von sich aus diese Lüge bringen. Aber nie konkrete Termine nennen. Bei Fragen immer so tun als dürfte man nichts dazu sagen. Aber dann Kleinigkeiten "im Vertrauen" erzählen. Dann fühlen sie sich geschmeichelt.

      Wenn man später nochmal anruft wegen etwas anderen und der Auftrag nicht an die ging, eine gute Ausrede haben. Sich die vorher überlegen. Im Gespräch ist es zu stressig. Am besten auf jemand dritten schieben (keine reale Person oder Firma sonder ein gesichtslosen Umstand) und über den schimpfen wie schwer er es einem selber gemacht hat. Die wissen dass es eine Ausrede ist aber hören gerne, dass man ihr Produkt ja gerne gekauft hätte.

      Bei Behörden nie deren Autorität in Frage stellen. Ist bei meiner Arbeit aber wohl ein Sonderfall. Was wir machen muss von Behörden genehmigt werden. Wenn man sich mit denen gut stellt, (Ohne Bestechung natürlich) ist es einfacher. Bei mehreren Lösungswegen kann man es sich ausmachen, wenn man sich abstimmt. Der Kunde ist zufrieden und die Behörde hat Dinge umgesetzt die sie wollen. Wenn man denen sagt "wir sind im Recht und setzten es um" Dann machen Sie es einem deutlich schwerer als wenn man sagt "wir möchten uns abstimmen um die für alle Seiten ideale Lösung zu finden"
      Ich bin kein Anwalt der gegen Behörden vorgehen muss. Wir konnten noch immer Lösungen finden mit den Behörden. Es war immer eine konstruktive Zusammenarbeit. Wenn man die als Gegner hat warum auch immer ist der Tipp wohl kontraproduktiv.

      2.
      Verhalten ist unterschiedlich je nachdem ob man helfen will. Will man den Kunden/Partner halten oder den Kontakt intensivieren so gut es geht helfen. Dem anderen das Gefühl geben er kann das gar nicht wissen. "Das sind Details auf die hatten Sie keinen Einblick". Wenn man nicht helfen kann "Ich höre mich um" oder "Ich werde mit den Kollegen sprechen vielleicht haben sie eine Idee". Das gibt das Gefühl man bemüht sich wirklich. Selbst wenn man weiß, dass die Kollegen auch nicht helfen können.

      Wenn man nicht helfen will. Ausreden. Nicht offen sagen. Nur in Ausnahmefällen - wenn es ein wirklich sehr schlechtes Verhältnis ist. Ausreden sind zb "Ich höre mich um" und es nicht tun wird m positivsten aufgenommen. "Davon weiß ich leider nichts. Es tut mir sehr leid"

      Wenn Nachfragen kommen, weil man wegen etwas im Verzug ist. "Wir arbeiten bereits daran." "Es gab Probleme mit xxxx" Ideal ist da Software und dann auf die schimpfen. "Ich habe ihr Mail gerade gelesen - bin eben erst ins Büro gekommen / war in Urlaub / Krankenstand / Außendienst" nebenher das Mail lesen, wenn man den Inhalt nicht kennt. (Das fällt mir schwer, daher lese ich Mails meist sofort auch bei extremen Stress)


      Ich habe mir diese Muster von meinem Kollegen abgeschaut. Er ist da ein sehr gutes Vorbild. Viele dieser Muster sind schwer umzusetzen. Diese Notlügen.... Am Anfang war es schlimm. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass andere diese Notlügen meist eh erkennen aber erwarten. Ich denke jetzt so "wenn sie das so wollen sollen sie es bekommen"

      Ich habe analysiert und Kategorien gebildet und nach und nach einzelne Dinge eingebaut. Ich benutzte meist die selben Phrasen wie er. Ich hoffe er merkt das nicht. Wenn er merkt dass ich ihn "kopiere".... Hoffe das kommt nicht negativ an. Vielleicht ist er ja geschmeichelt.
      Bei privaten Telephonate hilft das absolut nicht.

      Probleme habe ich noch mit dem Timing, Lautstärke. Nervige Anrufer abwickeln. Wenn einer nur tratschen will... Wie ich die loswerde weiß ich nicht. Oder wenn einer immer wieder wegen einem Problem anruft, dass man nicht lösen kann.
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      Leseratte schrieb:


      Freundin: Mir gehts dreckig.
      Ich: Was ist denn los?
      Freundin: Ich will auf den Arm.

      So weiß ich dann, dass sie erst einmal nur aktives Zuhören und keine Ratschläge braucht. Dafür ist später immer noch Zeit, wenn sie sich
      etwas besser fühlt, weil sie sich einfach mal 'ausheulen'* konnte.

      *ausheulen bedeutet hier: sich selbst bemitleiden, mein Mitgefühl und Mitleid einzufordern, Bestätigunen bekommen, dass die Welt ja sooo
      schlecht ist - und auf keinen Fall Lösungsvorschläge anbieten.
      So eine Freundin könnte ich nicht ertragen :nerved: . Ich hätte kein Interesse daran, jemanden zu bemitleiden bzw. zu 'bebauchpinseln'. Wenn jemand von mir keine sinnvolle Lösung will sondern ich nur als seelischer Mülleimer herhalten müsste, wäre ich extrem gekränkt und frustriert. Aber so unterschiedlich sind Menschen.

      Ich muss aber zugeben, dass ich tief in mir drinnen selbst gerne auch so behandelt werden wollen würde, wie die Freundin (wie ein kleines Kind das heult 'Mamaaaaaaaaa' und auf den Arm will und dann kommt jemand). Aber sowas kann ich höchstens meiner Therapeutin zumuten und wenn sie dann nett zu mir ist und mich trösten will, raste ich aus, weil ich das doch nicht ertragen kann. :m(: Ich gestehe es mir nicht mehr zu. Gehört ja zur Kinderzeit und ich bin erwachsen.
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      Nachtschatten schrieb:

      Und sonst frage ich einfach worüber der andere Reden möchte. Wenn mir eigentlich grade nichts einfällt, oder ich nicht weiß wasangemessen ist, hilft mir diese Methode gegen die Verlegenheit.
      Die Methode werde ich evtl. auch einmal ausprobieren. Vor allem das "worüber möchtest du gerne reden?" könnte man bei Menschen anwenden, die man bereits besser kennt und noch näher kennenlernen möchte.

      Das mit den Fragen zum Zweck der Präzision mache ich auch so.

      Nachtschatten schrieb:

      richtig
      falsch
      NT
      NTs; NT's
      Was ist NT eigentlich für eine Wortart? NT heißt doch 'neurotypisch', ist das nicht ein Adjektiv? Wieso wird das dann hier als Substantiv verwendet?


      @LiltihEve
      Wow. Das finde ich richtig krass, wie du die Situationen analysiert hast. Ich kann mir vorstellen, dass man mit diesen Methoden gut zurecht kommt. Aber wenn ich nicht helfen will, könnte ich z. B. überhaupt keine Ausrede bringen oder so tun, als würde ich mich umhören etc. Ich habe auf meiner Arbeitsstelle dann oft angefangen, mit den Anrufern Machtkämpfe zu führen. :( Das war leider nie zielführend. Wie gesagt, ich kann mir vorstellen, dass deine Handlungsweise sehr viel zielführender ist. Ich könnte das nur selbst nie hinbekommen, weil sich etwas in mir gegen das Meiste (dieses "dem anderen Recht geben" bzw. "Ausreden einfallen lassen" bzw. "dem anderen Honig um den Mund schmieren (RW)" sträubt.
      Aus diesem Grund werde ich wahrscheinlich niemals beruflich erfolgreich sein.

      Wie bekommst du das hin? Ich hätte das Gefühl, ich würde meine Integrität oder mein Ansehen vor mir selbst verlieren, wenn ich so reden würde. Ich meine die Frage ernst, vielleicht klingt es etwas holprig, aber ich frage mich, wie du das hinbekommst?
      Gehst du damit dann nicht auch über deine Grundsätze? Wieso versetzt dich das nicht in Angst und Panik? Das verwirrt mich...... :|
      Man ist ja dann zweigeteilt oder? Ein Teil macht etwas, der andere denkt, dass man das eigentlich nicht machen würde, aber man macht es dann, weil der Arbeitsalltag dann erträglicher ist? Oder mit welchem Argument bringst du deinen Kopf dazu, so zu denken und zu handeln?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

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      FruchtigBunt schrieb:

      Nachtschatten schrieb:

      Und sonst frage ich einfach worüber der andere Reden möchte. Wenn mir eigentlich grade nichts einfällt, oder ich nicht weiß wasangemessen ist, hilft mir diese Methode gegen die Verlegenheit.
      Die Methode werde ich evtl. auch einmal ausprobieren. Vor allem das "worüber möchtest du gerne reden?" könnte man bei Menschen anwenden, die man bereits besser kennt und noch näher kennenlernen möchte.
      Das mit den Fragen zum Zweck der Präzision mache ich auch so.

      Nachtschatten schrieb:

      richtig
      falsch
      NT
      NTs; NT's
      Was ist NT eigentlich für eine Wortart? NT heißt doch 'neurotypisch', ist das nicht ein Adjektiv? Wieso wird das dann hier als Substantiv verwendet?
      Wenn du das gemacht hast, würde ich mich echt freuen, wenn du mir schreiben würdest, wie die Gespräche liefen.

      Adjektiv plural: "bei neurotypischen"
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      FruchtigBunt schrieb:

      So eine Freundin könnte ich nicht ertragen . Ich hätte kein Interesse daran, jemanden zu bemitleiden bzw. zu 'bebauchpinseln'. Wenn jemand von mir keine sinnvolle Lösung will sondern ich nur als seelischer Mülleimer herhalten müsste, wäre ich extrem gekränkt und frustriert. Aber so unterschiedlich sind Menschen.
      Es gibt Menschen, die immer so drauf sind - die kann ich auch nicht ertragen. Die habe ich aus meinem Bekanntenkreis entfernt. Bei meiner Freundin kommt so eine 'Katastrophe' ungefähr ein- bis maximal zweimal im Jahr vor - damit kann ich umgehen. Zumal ihr bei ihr auch auf den Arm darf, wenn ich das brauche.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
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      Nachtschatten schrieb:

      Adjektiv plural: "bei neurotypischen"
      Hm, versteh ich nicht ganz. Nach einem Adjektiv muss doch irgendwann das zugehörige Substantiv kommen, z. B. "bei neurotypischen Menschen"..., dann müsste man das doch abkürzen "bei NT Menschen" oder steht NT doch für "Neurotypische" (Substantiv).


      Nachtschatten schrieb:

      Wenn du das gemacht hast, würde ich mich echt freuen, wenn du mir schreiben würdest, wie die Gespräche liefen.
      Noch konnte ich es nicht anwenden. Ich war zu erschöpft, um von meinem Gegenüber viel erfahren zu wollen :(
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      Der NT (Substantiv, Singular, männlich) = der Neurotypische,
      die NT (Substantiv, Singular, weiblich) = die Neurotypische und
      die NT (Substantiv, Plural) = die Neurotypischen.
      Der NT im Sinne von "der Neurotyp" gibt es auch. Demnach ist die Bezeichnung "der NT-Mensch" = "der Neurotyp-Mensch" korrekt.