Berufe für Menschen mit ASS (geeignet?)

    • Berufe für Menschen mit ASS (geeignet?)

      Ich bin momentan auf der Suche nach Berufen bzw. Berufsfeldern, die besser für mich geeignet sein könnten, als mein bisheriger Beruf.

      Dabei bin ich auf zwei Berufe gestoßen:
      - Werkstoffprüfer
      - Vermessungstechniker

      Könnt ihr mir eine Einschätzung darüber abgeben, welchen Beruf ihr für einen Menschen mit ASS und sozialen Ängsten für besser geeignet haltet?

      Für mich ist wichtig,
      - dass der Beruf in Teilzeit ausübbar ist (da mich eine Vollzeittätigkeit bislang immer komplett erschöpfte),
      - dass man möglichst klare Vorgaben hat, was zu tun ist und diese nicht erst mit anderen Menschen ausdiskutieren muss
      - dass die Arbeit auf logischen Grundsätzen basiert, also bei gleicher Sachlage soll der Vorgang auch gleich bearbeitet werden und nicht jedesmal total unlogische und unklare Vorgaben, die sich auch noch aus nicht nachvollziehbaren Gründen ändern
      - dass man eine gewisse Stabilität und Routine hat, aber die Aufgaben auch nicht so langweilig und anspruchslos sind, dass man intellektuell gar nicht gefordert ist
      - dass man Aufgaben möglichst der Reihe nach durchführt, also erst ein Projekt abschließt, dann folgt das nächste und man nicht zwischen einzelnen Aufgaben hin- und herspringt
      - dass man die Aufgabenstellungen irgendwie schriftlich bekommt und sich in Ruhe überlegen kann, wie man das Problem angeht und einem nicht jemand total wirre mündliche Anweisungen gibt, denen ich oft nicht folgen kann
      - dass es möglichst wenige Situationen gibt, bei denen ich mehr als einen Gesprächspartner habe (je mehr Gesprächspartner, desto eher verstehe ich gar nichts mehr, da ich die Infos nicht mehr strukturieren und sortieren kann)

      Ich werde Praktika zu beiden Berufen machen. Habt ihr trotzdem spontan Ideen, welcher Beruf besser für mich geeignet sein könnte und warum?
    • Vermessungstechniker heißt: dauernd wechselnder Arbeitsort, auch schon mal an einer stark befahrenen Straße, also insgesamt viel Unruhe. Wenn Du das erträgst, kann das ganz o.k. sein - viel reden muss man dabei ja meist nicht, eher über Handzeichen kommunizieren (wobei das seit meinen letzten Vermessungserfahrungen vor fast 30 Jahren dank der Elektronik auch weniger geworden sein dürfte).
    • HCS schrieb:

      Vermessungstechniker heißt: dauernd wechselnder Arbeitsort, auch schon mal an einer stark befahrenen Straße, also insgesamt viel Unruhe. Wenn Du das erträgst, kann das ganz o.k. sein - viel reden muss man dabei ja meist nicht, eher über Handzeichen kommunizieren (wobei das seit meinen letzten Vermessungserfahrungen vor fast 30 Jahren dank der Elektronik auch weniger geworden sein dürfte).
      In einem Praktikum habe ich bemerkt, dass mich das Arbeiten "unter Beobachtung" in relativ starke Anspannung versetzt. Ich war dann oft der Meinung, dass mich die Fußgänger und Autofahrer beobachten würden und sich denken, dass ich Fehler mache :( Auf unbefestigtem Gelände, wo keine Menschen weit und breit zu sehen waren, fiel dieses Problem weg. Es ist aber ein berechtigter Einwand :/
      Ich versuche, in einem zweiten Praktikum (öffentlicher Dienst statt Ingenieurbüro) herauszufinden, ob ich auch schwerpunktmäßig im Innendienst eingesetzt werden könnte.
    • Also ich bin Werkstoffprüfer ^^
      wenn du magst, kann ich dir das ein oder andere erzählen...
      hatte zwar leider nach der Umschulung frisch im job nach nem monat einen unfall und arbeite berufsfremd, aber ich denke dennoch dir ein paar Dinge dazu sagen zu können :)

      ich schreibe nicht sonderlich viel. du hast bei der Werkstoffprüfung zwei große Bereiche: ZfP ist hauptsächlich Außendienst aber viel zu reden ist da nicht. du kommst als Fachmann auf die Baustelle und die zeigen dir nur welche Objekte (i.d.R. Schweißnähte mit RT) zu prüfen sind. da du da mit Radioaktiven Isotopen (von Selen, Iridium und selten Cobalt) zu tun hast wird der gesamte Bereich großräumig abgesperrt.
      Die gesamten Prüfungen gehorchen naturwissenschaftlichen Gesetzen, sind also streng logisch. Nur die Normen nach denen zu arbeiten ist, sind halt von Menschen gemacht XD.

      ZP-Erfahrung habe ich bisher nicht gesammelt, dürfte aber auch weniger deinen Vorstellungen entsprechen (mehr kontakt zu anderen mitarbeitern, kunden usw.)

      das einzige Manko, dass ich bei deiner Auflistung sehe ist die geforderte Halbtagsbeschäftigung. Habe nur in Bayern mal zwei Rentner getroffen die dann ab und zu mal gekommen sind. allerdings habe ich wie gesagt auch nicht all zu viel erfahrung machen können. will aber unbedingt wieder in den beruf, weil er mir wie auf den leib geschneidert ist :)
      - Die Helden sind tot, das Mittelmaß regiert, drum brauchen wir ein Leitbild. - Die Wirklichkeit ist so ernst, daß wir sie nicht länger ernst nehmen dürfen.
      (Matthias Beltz)
      Asoziale aller Länder: Vereinigt euch!!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sancho Pansa ()

    • Hallo.

      Ich bin Softwareentwickler (kann man lernen (Fachinformatiker FR Anwendungsentwicklung) oder man studiert Informatik) und deine Bedingungen treffen in der Theorie zu:

      Man hat theoretisch (in guten Unternehmen) alles schriftlich in einer entsprechenden Verwaltung stehen. Da nimmt man sich die Aufgaben, bearbeitet diese und check die Änderungen ein. Teilweise sind das sehr herausfordernde Aufgaben und man kann sich so richtig in die Materie vertiefen - tiefer als notwendig, aber dadurch bekommt man mehr Überblick und kann Dinge wesentlich besser machen. Ich war in einer Firma mal für die "X-Akten" :d zuständig: Probleme, bei denen die anderen nur mit der Schulter gezuckt haben habe ich geschafft sowohl zu reproduzieren(!) als auch zu analysieren und Gegenvorschläge zu entwickeln.

      Wie gesagt: Theoretisch. Es mag Betriebe geben, wo das klappt (ich würde sagen: Je größer, desto besser - aber ja keinen Seelenverkäufer!). Praktisch ist es dann aber bei mir doch so, dass die Vorgaben unklar / abstrus sind, so dass Nachfragen notwendig sind. Chef haben i.d.R. keine Ahnung von der Materie und stellen sinnlose Zeitpläne auf und geben überzogene Forderungen. etc.
    • @SanchoPansa:

      Danke für deine Schilderung!

      Ist man bei der ZfP grundsätzlich im Außendienst an unterschiedlichen Orten oder gibt es die ZfP auch im Labor am immer selben Einsatzort? Wie lange gingen deine Einsätze, also sind das auch mehrtägige Einsätze und im gesamten Bundesgebiet bzw. in welchem Umkreis um deinen Arbeitgeber?

      Hast du Schicht gearbeitet? (2-Schicht oder 3-Schicht-System?) und am Wochenende?

      In welcher Fachrichtung hast du die Ausbildung denn gemacht? Das spielt ja sicher auch eine Rolle in Hinblick auf die Einsatzorte oder? Mit der Fachrichtung Systemprüfung ist man vermutlich fast permanent im Außendienst oder?

      Wieso hat man bei der ZP mehr Kontakt zu Mitarbeitern? Kannst du das evtl. an einem Beispiel erläutern?

      Ich hoffe, es sind nicht zu viele Fragen. Ich werde demnächst zwei Praktika absolvieren. Die Materie interessiert mich sehr. Ich habe mir ein Buch "Werkstofftechnik für Dummies" ausgeliehen. Bis jetzt gefällt es mir, das Buch durchzuarbeiten. :) Aber was mich besonders an dem Berufsfeld interessiert, sind die technischen Vorgänge, also das man auch wirklich was mit den Händen arbeiten darf (und trotzdem Köpfchen braucht und eine Art Detektivgeist)


      Geist schrieb:

      Da nimmt man sich die Aufgaben, bearbeitet diese und check die Änderungen ein. Teilweise sind das sehr herausfordernde Aufgaben und man kann sich so richtig in die Materie vertiefen - tiefer als notwendig, aber dadurch bekommt man mehr Überblick und kann Dinge wesentlich besser machen. Ich war in einer Firma mal für die "X-Akten" zuständig: Probleme, bei denen die anderen nur mit der Schulter gezuckt haben habe ich geschafft sowohl zu reproduzieren(!) als auch zu analysieren und Gegenvorschläge zu entwickeln.
      Das klingt nach einer spannenden Aufgabe, aber auch sehr kräftezehrend. Ich war auf der letzten Arbeitsstelle auch bald bekannt dafür, alle Dinge gut zu bearbeiten, die andere jahrelang nicht hinbekamen. Leider landete so mit der Zeit immer mehr Arbeit auf meinem Schreibtisch und ich konnte damit nicht mehr umgehen. Auch nicht damit, dass mein Chef die Dinge, die ich bearbeitete, teils nicht mehr verstand.
      Mir wäre dieses Vertiefen in die Materie zu "gefährlich", weil ich dann nicht locker lassen könnte, bis ich das Rätsel gelöst hätte und das geht einfach viel zu sehr auf meine Energie.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Kein Problem, sehr gerne.

      FruchtigBunt schrieb:

      Ist man bei der ZfP grundsätzlich im Außendienst an unterschiedlichen Orten oder gibt es die ZfP auch im Labor am immer selben Einsatzort? Wie lange gingen deine Einsätze, also sind das auch mehrtägige Einsätze und im gesamten Bundesgebiet bzw. in welchem Umkreis um deinen Arbeitgeber?
      Nein, es gibt die ZfP- Prüfungen auch stationär. Und zum Berufseinstieg wirst du wahrscheinlich auch erstmal in der Werkhalle eingesetzt (so wie ich die meiste Zeit über), jedoch grenzt diese Arbeit zumeist an akkord-artige Zustände, bis du "auf den Kunden losgelassen" wirst. Um ZfP wirklich im Labor aus zu üben müsstest du wahrscheinlich in die Materialforschung/Luft- und Raumfahrt kommen, was ziemlich schwierig (nicht unmöglich) ist, gerade ohne Berufserfahrung.
      Die meisten Kunden dürften im Umfeld von 50 KM liegen und man kommt täglich nach Hause, allerdings gibt es auch Großbaustellen weiter weg und im Ausland, teilweise über Wochen (letzteres hat mich sehr an dem Beruf gereizt)


      FruchtigBunt schrieb:

      Hast du Schicht gearbeitet? (2-Schicht oder 3-Schicht-System?) und am Wochenende?
      Ich selber habe nicht Schicht gearbeitet, jedoch gibt es auch das (wieder überwiegend bei stationärem Einsatz). Jedoch ist es auch auf Baustellen manchmal erforderlich Nachtschichten ein zu legen (Stichwort: RT)


      FruchtigBunt schrieb:

      In welcher Fachrichtung hast du die Ausbildung denn gemacht? Das spielt ja sicher auch eine Rolle in Hinblick auf die Einsatzorte oder? Mit der Fachrichtung Systemprüfung ist man vermutlich fast permanent im Außendienst oder?
      Ich habe Metalltechnik gemacht ( es gab für mich nicht die Wahl ).
      berufenet.arbeitsagentur.de/be…ibung/metaberufe&dkz=6376
      Jedoch wäre es wahrscheinlich nicht schlecht sich in Richtung Kunststofftechnick zu Informieren (diese Richtung ist relativ neu, demnach gibt es noch nicht all zu viele davon)
      Systemtechnik habe ich selbst noch garnicht gehört muss ich gestehen.


      FruchtigBunt schrieb:

      Wieso hat man bei der ZP mehr Kontakt zu Mitarbeitern? Kannst du das evtl. an einem Beispiel erläutern?
      Ganz einfach: Beispiel ZfP: Ihr seid zu zweit auf einer Baustelle, es ist sehr unwahrscheinlich dass zufällig ein weiterer Kollege 30 km von der "Basis" entfernt vorbeikommt, um dich in ein Gespräch zu verwickeln.
      Beispiel ZP: Du sitzt am Mikroskop im Labor an einer Schliffprobe und mit dir im Raum 2 Kollegen
      :)
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      (Matthias Beltz)
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    • FruchtigBunt schrieb:

      Ich hoffe, es sind nicht zu viele Fragen. Ich werde demnächst zwei Praktika absolvieren. Die Materie interessiert mich sehr. Ich habe mir ein Buch "Werkstofftechnik für Dummies" ausgeliehen. Bis jetzt gefällt es mir, das Buch durchzuarbeiten. Aber was mich besonders an dem Berufsfeld interessiert, sind die technischen Vorgänge, also das man auch wirklich was mit den Händen arbeiten darf (und trotzdem Köpfchen braucht und eine Art Detektivgeist)
      Ja, das trifft auch bei mir zu und hat bei mir die Leidenschaft für den Beruf geweckt :)
      by the way: "Werkstofftechnik" wäre das anschließende Studium
      - Die Helden sind tot, das Mittelmaß regiert, drum brauchen wir ein Leitbild. - Die Wirklichkeit ist so ernst, daß wir sie nicht länger ernst nehmen dürfen.
      (Matthias Beltz)
      Asoziale aller Länder: Vereinigt euch!!
    • Danke :)

      Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Werkstofftechnik und lese das Buch "Werkstofftechnik für Dummies" ;) Das ist wohl für Studenten geschrieben und bis jetzt verstehe ich es noch.
      Ich befürchte aber (bzw. die Lehrpläne bzw. Modulübersichten der Fhs und Unis lassen das erahnen) dass es in einem Studium der Materialwissenschaften bzw. Werkstofftechnik vorwiegend um Grundlagenfächer geht (Mathematik, Physik, Chemie) und erst später um die wirkliche Werkstoffkunde. Die vorgenannten Grundlagenfächer interessieren mich nicht so stark und da bin ich auch nicht soooo stark drin, mein Interesse gilt mehr den werkstoffkundlichen Inhalten und der praktischen Anwendung. Deshalb habe ich eher eine Ausbildung für mich in Betracht gezogen. Ich bin aber noch am überlegen, ob ein Studium nicht doch interessantere Einsatzmöglichkeiten später bieten würde.

      Ich möchte mich allerdings auch nicht mit einem Studium überfordern. Ob ich jemals in dem Beruf arbeiten werden kann, ist eh die andere Frage...

      Die Ausbildungsrichtung Kunststofftechnik wird mir vermutlich zu chemielastig sein.
    • Vielleicht erstmal die Ausbildung und dir erstmal verschiedene Vorlesungen für MaWis/Unis, die MaWi anbieten, anschauen?
      Ich denke aber, dass du mit der Ausbildung ein besseres Verständnis bzw. Bezug zu den/für die theoretischen Grundlagen (z.B. Physik, Technische Mechanik (einer der größten Hürden in diesem Studium)) in diesem Studienfach haben wirst, was dir zu Anfang und in den Praktika helfen könnte.
      Von schlechten Berufsaussichten bei den MaWis habe ich bisher nichts gehört.