(Schwer)behinderten Ausweis

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    • LeuChris wrote:

      Da gibt es bei Autismus (ohne Komorbiditäten) ja leider nichts. Hat mir mein Psychiater auch so klar gesagt.
      Etliche Autisten bekommen Neuroleptika zur Unterstützung bei Reizempfindlichkeit. Das hätte nichts mit einer Komorbidität zu tun, sondern mit dem Autismus selbst.
      Ich finde die Unterstützung durch einen Psychiater sehr hilfreich. Meine hat mir schon öfter Atteste geschrieben, und sie führt auch längere Gespräche, sodass man einen Ansprechpartner bei Fragen und Schwierigkeiten hat.

      LeuChris wrote:

      Bevor ich den Status bekommen habe, hatte ich es mit Teilhabe am Leben versucht, hätte jedoch hohe Beiträge selbst zahlen müssen, was mir als Alleinverdiener nicht möglich ist. Ich habe irgendwie immer noch den Verdacht, dass ich ein persönliches Budget beantragen könnte, um dies für die Therapie in einem Autismuszentrum einzusetzen.
      Das persönliche Budget hätte dieselben Voraussetzungen wie Teilhabe, ist im Prinzip dasselbe. Du könntest vielleicht eine Therapie in einem Autismuszentrum über die Agentur für Arbeit/Rentenversicherung bekommen, falls es sich begründen lässt, dass die Therapie die (bessere) Eingliederung in den Beruf unterstützen soll. Dann wäre es eine berufliche Rehamaßnahme. Aber die genauen Voraussetzungen kenne ich nicht.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      LeuChris wrote:

      Da gibt es bei Autismus (ohne Komorbiditäten) ja leider nichts. Hat mir mein Psychiater auch so klar gesagt.
      Etliche Autisten bekommen Neuroleptika zur Unterstützung bei Reizempfindlichkeit. Das hätte nichts mit einer Komorbidität zu tun, sondern mit dem Autismus selbst.Ich finde die Unterstützung durch einen Psychiater sehr hilfreich. Meine hat mir schon öfter Atteste geschrieben, und sie führt auch längere Gespräche, sodass man einen Ansprechpartner bei Fragen und Schwierigkeiten hat.

      LeuChris wrote:

      Bevor ich den Status bekommen habe, hatte ich es mit Teilhabe am Leben versucht, hätte jedoch hohe Beiträge selbst zahlen müssen, was mir als Alleinverdiener nicht möglich ist. Ich habe irgendwie immer noch den Verdacht, dass ich ein persönliches Budget beantragen könnte, um dies für die Therapie in einem Autismuszentrum einzusetzen.
      Das persönliche Budget hätte dieselben Voraussetzungen wie Teilhabe, ist im Prinzip dasselbe. Du könntest vielleicht eine Therapie in einem Autismuszentrum über die Agentur für Arbeit/Rentenversicherung bekommen, falls es sich begründen lässt, dass die Therapie die (bessere) Eingliederung in den Beruf unterstützen soll. Dann wäre es eine berufliche Rehamaßnahme. Aber die genauen Voraussetzungen kenne ich nicht.
      Bisher hatten für meine Einschränkungen die verfügbaren Medikamente ein zu schlechtes Nebenwirkungsprofil, aber das ist meine persönliche Entscheidung. Grundsätzlich hast Du natürlich Recht und auch mein Psychiater würde das bestimmt so machen.

      Bzgl. des persönlichen Budgets habe ich aber das hier gefunden:
      bmas.de/DE/Themen/Teilhabe-Ink…2f-421c-82f9-e74a422337c4
      Und da steht, dass es grundsätzlich nicht Einkommensabhängig ist. Ich hatte aber bisher noch nicht die Zeit und Lust, mich damit eingehend zu beschäftigen.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • Hallo,

      Kurz zum persönlichen Budget das ist auch Einkommens abhängig, seit dem BTHG sind jedoch die Grenzen viel höher und man muss weniger abgeben. Vor BTHG habe ich 800€ zugezahlt nach dem BTHG noch 200
      Handle ehrlich, handle weise, sei freundlich, baue Brücken keine Mauern, aktzeptiere Fremdes, freue dich über Unterschiede.
    • Ich habe den Text mal kopiert der Einfachheit halber:

      BMAS wrote:

      Die Anrechnung von Einkommen und Vermögen richtet sich bei der Leistungsform des Persön­lichen Budgets nach denselben Regeln wie bei der Sachleistung.

      Grundsätzlich sind nach den speziellen Leistungsgesetzen beantragte Teilhabeleistungen in der neuen Leistungsform des Persönlichen Budgets nicht einkommensabhängig. Hier handelt es sich allerdings um Versicherungsleistungen, für die Arbeitnehmer und/oder Arbeitgeber Beiträge entrichtet haben, auf die – unabhängig vom Einkommen – ein Rechtsanspruch besteht. Daher wird im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung, gesetzlichen Unfallversicherung, sozialen Pflegeversicherung oder Arbeitsförderung Einkommen oder Vermögen nicht angerechnet. Lediglich nach dem Recht der gesetzlichen Krankenversicherung muss der Versicherte bei bestimmten Sozialleistungen Zuzahlungen leisten (z. B. bei Heilmitteln). Diese Grundsätze gelten auch bei der Inanspruchnahme von Persönlichen Budgets.
      Wenn aber steuerfinanzierte Sozialhilfeleistungen, z. B. Eingliederungshilfe für wesentlich Menschen mit Behinderung oder Hilfe zur Pflege in der Leistungsform des Persönlichen Budgets beantragt werden, finden – wie bei der Sachleistung – auch die Einkommens- und Vermögensgrenzen der Sozialhilfe Anwendung. Denn der das Sozialhilferecht prägende Grundsatz der materiellen Subsidiarität in § 2 SGB XII schließt die Hilfegewährung aus, wenn der Hilfesuchende sich selbst helfen kann. Demnach hat der Betroffene zunächst alle Möglichkeiten zu nutzen, den entstandenen Bedarf selbst zu decken. Dazu gehört auch der Einsatz anrechenbaren Einkommens und verwertbaren Vermögens.

      Das persönliche Budget ersetzt immer eine Sachleistung. Ob Einkommen und Vermögen angerechnet wird, richtet sich nach den Regelungen, die für die Sachleistung gelten.
      Soziale Teilhabe ist einkommens- und vermögensabhängig. Kostenträger ist der Träger der Eingliederungshilfe (meistens Landratsamt, manchmal Landschaftsverband, Bezirk o.a.).
      Deshalb hatte ich berufliche Teilhabe vorgeschlagen, das wäre eine Leistung der Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung, und wäre dann unabhängig vom Einkommen. Ob man es als Sachleistung oder persönliches Budget in Anspruch nimmt, wäre dann egal.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @2hoch8 im Monat und nochmal 211€ für die gesetzliche Betreuung...

      Aber ich finde 200€ eigen Einsatz schon sehr gut für 2000€ pb

      Aber wieviel das abgeht hängt vom Einkommen ab. ...
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    • LeuChris wrote:

      Wie läuft das eigentlich bei einem befristeten Schwerbehindertenausweis? Muss ich da rechtzeitig zusehen, wieder in irgendeiner Form von psychiatrischer Behandlung zu sein, damit es dann dramatisch genug aussieht oder stelle ich einfach einen Antrag auf Verlängerung und warte was passiert?
      Antrag auf Verlängerung gibt es in Deutschland nicht.
      Es gibt eine "Nachprüfung von Amts wegen", bei der wirst du angeschrieben und um Angabe von Behandlungen und den zugehörigen Ärzten gebeten.
      Also ist deine Vermutung mit "irgendeiner Form von ...Behandlung" schon korrekt, jedenfalls hilft es, sich vorher bei einem Arzt der Wahl vorzustellen.

      Was du auch machen kannst: Vor Fristende einen Änderungsantrag (auf höheren GdB) zu stellen. Auch da vorher die Ärzte entsprechend informieren/vorbereiten. Das Amt wird dann auch den Sachverhalt ermitteln wollen.
      If you're happy and you know it clap your hands.....(three times!)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Capricorn wrote:

      LeuChris wrote:

      Wie läuft das eigentlich bei einem befristeten Schwerbehindertenausweis? Muss ich da rechtzeitig zusehen, wieder in irgendeiner Form von psychiatrischer Behandlung zu sein, damit es dann dramatisch genug aussieht oder stelle ich einfach einen Antrag auf Verlängerung und warte was passiert?
      Antrag auf Verlängerung gibt es in Deutschland nicht.Es gibt eine "Nachprüfung von Amts wegen", bei der wirst du angeschrieben und um Angabe von Behandlungen und den zugehörigen Ärzten gebeten.
      Also ist deine Vermutung mit "irgendeiner Form von ...Behandlung" schon korrekt, jedenfalls hilft es, sich vorher bei einem Arzt der Wahl vorzustellen.

      Was du auch machen kannst: Vor Fristende einen Änderungsantrag (auf höheren GdB) zu stellen. Auch da vorher die Ärzte entsprechend informieren/vorbereiten. Das Amt wird dann auch den Sachverhalt ermitteln wollen.
      Also wird man zum Mogeln gezwungen. Warum soll ich mit Autismus zum Arzt? Der hilft mir da ja nicht. Das heißt, wenn ich jetzt nicht regelmäßig beim Arzt bin, nimmt man mir meinen GdB weg, weil man meint ich wäre "geheilt"? Das ist doch absolut lächerlich.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • LeuChris wrote:

      Also wird man zum Mogeln gezwungen. Warum soll ich mit Autismus zum Arzt? Der hilft mir da ja nicht. Das heißt, wenn ich jetzt nicht regelmäßig beim Arzt bin, nimmt man mir meinen GdB weg, weil man meint ich wäre "geheilt"? Das ist doch absolut lächerlich.
      Deine Argumentation ist absolut lächerlich. Es geht nicht darum dass man mit Autismus zum Arzt muss, sondern dass man - wenn man gravierende Probleme hat - oft lebenslang zum Arzt/ zu Psychologen muss. Es geht nicht um Autismus oder nicht, es geht beim GdB um die Schwierigkeiten im Alltag. Wenn du keine medizinische Hilfe brauchst, dann sind die Probleme eben nicht schwerwiegend genug.
    • 2hoch8 wrote:

      LeuChris wrote:

      Also wird man zum Mogeln gezwungen. Warum soll ich mit Autismus zum Arzt? Der hilft mir da ja nicht. Das heißt, wenn ich jetzt nicht regelmäßig beim Arzt bin, nimmt man mir meinen GdB weg, weil man meint ich wäre "geheilt"? Das ist doch absolut lächerlich.
      Deine Argumentation ist absolut lächerlich. Es geht nicht darum dass man mit Autismus zum Arzt muss, sondern dass man - wenn man gravierende Probleme hat - oft lebenslang zum Arzt/ zu Psychologen muss. Es geht nicht um Autismus oder nicht, es geht beim GdB um die Schwierigkeiten im Alltag. Wenn du keine medizinische Hilfe brauchst, dann sind die Probleme eben nicht schwerwiegend genug.
      Also jetzt möchte ich aber wissen, welcher (Fach) Arzt mir wie bei meinem durch Autismus bedingten Schwierigkeiten in Alltag und Beruf helfen soll? Welche medizinische Lösung hält die Wissenschaft denn für Autisten bereit? Ich sehe das mittlerweile so, dass es für einigermaßen "angepasste" (mir fällt kein besseres Wort ein) Asperger doch gar keine Hilfen gibt. Die Belohnung dafür, dass ich mich mein Leben lang mit etlichen Problemen rumgeärgert habe, für die es keine richtige Hilfe gab (wegen mangelhafter Ursachenfindung) und mich trotzdem "durchgewurschtelt" habe ist jetzt, dass es für mich als erwachsenen Autisten bestenfalls noch Unterstützung in Form von sozialer Teilhabe gäbe, die ich auch noch selber bezahlen soll. Schon bei der Beantragung des GdB wurde ein unverschämt hoher Stellenwert auf meine Arbeitsfähigkeit gestellt. Meine Unfähigkeit, Freundschaften zu pflegen oder andere Dinge der sozialen Interaktion zu tun, die für "normale" Menschen völlig problemlos sind spielen keine Rolle. Ebensowenig wie die Notwendigkeit das meine Frau in einem hohen Maße soziale Interakton mit mir gemeinsam machen muss, sozusagen mein bester Therapeut ist, mein Übersetzer in die normale Welt eine Rolle spielt. Du verbreitest hier einen Standpunkt, den ich im höchsten Maße beleidigend finde, weil Du hier wiederholt gleichsetzt, dass nur Schwierigkeiten hat, wer auch medizinische Hilfe benötigt. Die gibt es nicht. Es gibt hier noch nicht mal ATZs, die nach FASTER arbeiten. Die sind alle nur auf Kinder und Jugendliche ausgelegt und mit 18 biste dann Zack geheilt oder was?

      EDIT:
      Das regt mich wirklich auf. Das Problem ist doch, dass viele Entscheider in den Ämtern, gar nichts von Autismus verstehen. Die haben eine "Checkliste" vorliegen, auf der was von leichten, mittleren und starken Anpassungsschwierigkeiten steht. Aber dafür gibt es überhaupt keine Bewertungsmatrix und es hängt immer vom Entscheider ab und nicht von der Einschätzung des Diagnosestellenden (der mir ganz klar die Berechtigung für einen Schwerbehindertenausweis attestiert hat). Es müssen endlich klare Regeln her. Es kann doch nicht sein, dass der eine Asperger 30% bekommt, der nächste 70% und wieder ein anderer 50%. Dann muss es eben in der Diagnose feinere Abstufungen geben oder was weiß ich. Einer, der ein Bein ab hat, kann meinen Job besser machen als ich, weil man dafür überhaupt kein Bein braucht. Der kann sogar beide Beine ab haben, das schränkt ihn im Beruf gar nicht ein. Der kriegt doch ohne mit der Wimper zu zucken 50% und mehr, weil da sogar der letzte verblödete Amtsschimmel sieht das da einer Behindert ist. Aber bei mir als Autist, da zählt plötzlich nicht, dass ich im privaten Umfeld die meisten Probleme habe. Aber weil ich die Treppe im Büro nehmen kann, bin ich nicht behindert oder was? Diese Diskrepanz zwischen körperlichen und seelischen Behinderungen geht mir sowas von gegen den Strich, das ist Diskriminierung vom allerfeinsten.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.

      The post was edited 1 time, last by LeuChris ().

    • LeuChris wrote:

      Also jetzt möchte ich aber wissen, welcher (Fach) Arzt mir wie bei meinem durch Autismus bedingten Schwierigkeiten in Alltag und Beruf helfen soll?
      Mein Psychiater hilft mir mit Attesten z. B. für den SBA, das betreute Wohnen etc. außerdem wird mir Ergotherapie und Neuroleptika verschrieben.
      Sollte ich mal Hilfe auf der Arbeit brauchen oder eine Reha würde er mir auch da helfen.
      Er ist sowas wie mein Hausarzt für all die Hilfen, die ich durch den Autismus brauche.

      LeuChris wrote:

      Ich sehe das mittlerweile so, dass es für einigermaßen "angepasste" (mir fällt kein besseres Wort ein) Asperger doch gar keine Hilfen gibt.
      Keine Ahnung ob ich einigermaßen angepasst bin, aber da ich eine stabile Beziehung und einen festen Job auf dem 1. Arbeitsmarkt habe, würde ich mal ja sagen. Dennoch brauche ich viele Hilfen, die auch existieren. Nachteilsausgleiche, betreutes Wohnen, die Ergotherapie hilft mir sehr etc.

      Ach ja trotz meines festen Jobs muss ich dabei nichts selbst bezahlen. Außer der geringen Zuzahlung für die Ergo.

      Es ist halt so, dass es für viele Schwierigkeiten Hilfen gibt, die man bekommen kann. Und das man diese Hilfen braucht oder eben nicht da hilft ein Facharzt das dem Amt gegenüber zu bestätigen, dass man Schwierigkeiten hat. Das reicht halt nicht, wenn man selbst das behauptet, da ist es schon wichtig für das Amt, dass das jemand bestätigt, der sich als Facharzt da auch besser auskennt als das Amt.

      Und das da eine GdB Empfehlung nicht immer ausreicht finde ich auch verständlich, weil es ja danach geht welche Schwierigkeiten man in den Lebensbereichen hat. Das kann der Arzt dann mit in den Brief reinschreiben und nicht nur eine Zahl. Ich finde das ist sicher auch für die Ämter nicht einfach und oft wird zu willkürlich entschieden, aber grundsätzlich verstehe ich den Gedanken dahinter.

      LeuChris wrote:

      Es kann doch nicht sein, dass der eine Asperger 30% bekommt, der nächste 70% und wieder ein anderer 50%.
      Klar kann das sein und das finde ich absolut richtig. Der eine Asperger hat vielleicht weniger Probleme im Alltag und der andere braucht ständig eine Begleitperson. Der eine kann alleine Leben, der andere wohnt in einer betreuten WG.
    • LeuChris wrote:

      Ich sehe das mittlerweile so, dass es für einigermaßen "angepasste" (mir fällt kein besseres Wort ein) Asperger doch gar keine Hilfen gibt.
      Da ist was dran.
      Andererseits: Welche Hilfen wären da denn überhaupt nötig?


      LeuChris wrote:

      Dann muss es eben in der Diagnose feinere Abstufungen geben oder was weiß ich.
      Die gibt es doch, siehe meine Beiträge zu den Arbeitshilfen bei der Bewertung psychischer Störungen - in diesem Unterforum.
      Sie müssen nur angewendet werden, und da bin ich bei dir @LeuChris , nämlich dass die Entscheider auch mal gar keine Ahnung von den Wirkungen einer "unsichtbaren" Behinderung haben. Nicht immer, aber immerhin gar nicht so selten.(Meine Erfahrung)

      LeuChris wrote:

      Einer, der ein Bein ab hat, kann meinen Job besser machen als ich, weil man dafür überhaupt kein Bein braucht. Der kann sogar beide Beine ab haben, das schränkt ihn im Beruf gar nicht ein.
      Es geht bei der Bewertung im Schwerbehindertenrecht allerdings nicht - oder nicht in erster Linie - um berufliches Betroffensein. Das ist eher ein zusätzlicher Bewertungs-Baustein. Die "appen Beine" in deinem Beispiel machen ja auch im stillen Kämmerlein Schwierigkeiten. Beim Aufs-Klo-gehen. Im öffentlichen Verkehr. Und und und. Nur dass es dann offensichtlich ist, dass jemand eingeschränkt ist.
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      The post was edited 1 time, last by Capricorn ().

    • Ach ja, ich wollte dich nicht zum Lügen oder Betrügen animieren, sondern dir klar machen, dass du bei deinen eventuellen Arztbesuchen auch auf deine autismusspezifischen Schwierigkeiten hinweisen solltest.

      Wenn du gar keinen Hausarzt hast, kannst du das dem Amt auch mitteilen, und gleichzeitig um Begutachtung bitten.
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    • @MangoMambo
      Mh, das klingt gut, leider hat mein Psychiater mir gesagt, dass er mir nur bei Komorbiditäten helfen würde (wie z.B. wenn meine Angststörung wieder aufflammt). Vielleicht mache ich aber einfach mal einen Termin um in Erinnerung zu bleiben und Therapieoptionen zu besprechen. Von Ergotherapie habe ich schon häufig Gutes gehört und würde Sie gerne in Anspruch nehmen. Aber ich habe nicht so gute Ärzte befürchte ich, die das verstehen bzw. sich damit auskennen. Mein Hausarzt z.B. findet, dass doch jeder ein bisschen autistisch sei und das ich mich deswegen nicht so anstellen müsste. Ich fühle mich einfach so, dass mir keiner so richtig helfen möchte. Ich bräuchte vermutlich schon Hilfe dabei, die richtige Hilfe zu finden. Bisher bin ich da immer "vor die Wand" (RW) gelaufen.

      @Capricorn:
      Ich bräuchte immer noch Hilfe im Umgang mit anderen Menschen. Es fällt mir nach wie vor unglaublich schwer, Gesichtsausdrücke korrekt zu deuten, Tonfälle zu erkennen, Ironisches von Ernstem zu unterscheiden. Ich habe z.B. gar keine Gestik und Mimik.
      Bei der Bewertung meines GdB hat mir der Rechtsbeistand vom VdK erklärt, dass das Amt lediglich Interesse an den beruflichen Einschränkungen hat und das Einschränkungen in der Teilhabe am Leben nicht von Belang seien. Das mag dann an der Behörde in meinem Kreis liegen, aber so war die Aussage und das war auch meine Schwierigkeit. Die Einschränkungen im normalen Leben sind quasi nichts wert gewesen.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • LeuChris wrote:

      Bei der Bewertung meines GdB hat mir der Rechtsbeistand vom VdK erklärt, dass das Amt lediglich Interesse an den beruflichen Einschränkungen hat
      Das ist eine Fehlinformation.


      LeuChris wrote:

      Es fällt mir nach wie vor unglaublich schwer, Gesichtsausdrücke korrekt zu deuten, Tonfälle zu erkennen, Ironisches von Ernstem zu unterscheiden. Ich habe z.B. gar keine Gestik und Mimik.
      Das allerdings führt auch nicht sofort zu einer Wertung; es sollten schon Schwierigkeiten in alltäglichen sozialen Situationen daraus ableitbar sein/erkennbar sein. Welche wären es denn bei dir? Überleg dir das ganz in Ruhe. meist macht man sich das auf Anhieb gar nicht klar, es sei denn, es geht um einen Partnerverlust oder Jobverlust oder ähnlich Gravierendes.
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    • LeuChris wrote:

      Also jetzt möchte ich aber wissen, welcher (Fach) Arzt mir wie bei meinem durch Autismus bedingten Schwierigkeiten in Alltag und Beruf helfen soll?

      MangoMambo wrote:

      Mein Psychiater hilft mir mit Attesten z. B. für den SBA, das betreute Wohnen etc. außerdem wird mir Ergotherapie und Neuroleptika verschrieben.
      Sollte ich mal Hilfe auf der Arbeit brauchen oder eine Reha würde er mir auch da helfen.
      Er ist sowas wie mein Hausarzt für all die Hilfen, die ich durch den Autismus brauche.
      this Î

      Bei mir im Bundesland ist es sogar zwingend vorgeschrieben eine psychiatrische Anbindung zu haben. Ohne diese gibt's auch keine Eingliederungshilfe.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Für das Amt kommt es eben darauf an, welche Einschränkungen konkret belegt vorliegen.

      Und zumindest bei mir ist es so, dass ich aufgrund der vielen gesundheitlichen Probleme sehr viele Krankschreibungen in den letzten Jahren gehabt habe, die auf stressbedingte Folgeerkrankungen von ADHS und Asperger/HFA zurückzuführen sind.

      Dadurch habe ich schon mal einen sehr engen Austausch mit meiner Hausärztin, deren Krankschreibungen und Einschätzungen dann wiederum zum Verweis an verschiedene Fachärzte geführt haben.

      Durch diese Fachärzte sind dann Folgeerkrankungen, darunter chronische Gastritis, chronisches Reizdarmsyndrom und Bluthochdruck festgestellt worden und werden dauerhaft durch die Fachärzte und die Hausärztin behandelt.

      Dadurch ist dann schon mal für das Amt das Grundleiden dokumentiert.

      Nun reicht das alleine für das Amt noch nicht aus, weil ja auch der daraus folgende Leidensdruck erläutert und nachgewiesen werden muss.

      Das ist für mich nicht einfach gewesen, weil ich die Schwierigkeit habe, Probleme und Beeinträchtigungen nur in eingeschränktem Umfang ohne Hilfe richtig in Worte fassen zu können. Zumal ja bei psychischen Erkrankungen immer schwierig ist, es dem jeweiligen Arzt auch verständlich zu erklären, dass man nicht nur eine schlechte Phase hat, sondern dauerhaft beeinträchtigt ist und dadurch Einschränkungen hat bzw. an Beeinträchtigungen leidet.

      In diesem Punkt ist erstmal meine Psychotherapeutin ganz besonders wichtig gewesen, um sowohl die Einschränkungen im Privatleben als auch im Berufleben mit mir zu erkennen, einzuordnen und das alles am Ende in einen umfassenden Bericht zusammenzufassen. Ich muss an dieser Stelle fairerweise sagen, dass so ein umfangreicher Bericht nicht mehr zur eigentlichen Therapie gehört, sonden eine Privatleistung darstellt, die ich selber bezahlt habe.

      Aber mit dem Bericht habe ich dann schon mal den ersten großen Nachweis in der Hand gehabt, der von einer Fachfrau geschrieben worden ist. Daher ist er vom Versorgungsamt im Rahmen meines Verschlechterungsantrags auch viel ernster genommen worden als die Schilderungen meiner Einschränkungen, die ich ohne ärztliche Bestätigung meinem Erstantrag auf Feststellung des Grads der Behinderung beigelegt hatte.

      Und im Nachhinein kann ich das auch verstehen. Denn das Amt sagt sich sicher auch: "Wenn der Anakin_1 so viele Einschränkungen hat, warum weiß kein Arzt davon? Also kann das nicht so schlimm sein."

      Und für den Nachweis der beruflichen Beeinträchtigungen und Einschränkungen braucht man meiner Erfahrung eben auch ärztliche Unterstützung. Die habe ich seit dem letzten Jahr durch meinen Neurologen/Psychiater und meine Psychotherapeutin aufgrund einer vorherigen beruflichen Reha. Im Anschluss an die Reha hat nämlich eine mehrmonatige berufliche Wiedereingliederung stattgefunden, in deren Rahmen sich herausgestellt hat, dass ich nur noch eingeschränkt arbeitsfähig bin. Um das belegen zu können, habe ich während der Wiedereingliederung ein tägliches Belastungsprotokoll geführt. Mein Neurologe hat auf dieser Basis dann zum Abschluss der Wiedereingliederung einen Bericht erstellt, in dem er kurz meine Krankengeschichte aufgeführt hat und dann meine Einschränkungen und deren Zusammenhang mit meinen Haupterkrankungen Asperger/HFA und ADHS und deren Folgeerkrankungen dargestellt hat.

      Auch dieser Bericht ist ehrlicherweise aufgrund seines Umfangs keine Kassenleistung gewesen, sondern von mir privat bezahlt worden.

      Auf diese Weise habe ich am Ende gegenüber dem Versorgungsamt alles nachweisen können. Vielleicht hilft Dir diese Anregung zum Vorgehen weiter :) .
      Diagnose ADHS: 1996 ; Diagnose ASS/HFA: 02/2020
    • Ich habe da echt Verständnisschwierigkeiten. Mein Psychiater (und ich habe hier keine Auswahl und mich einem neuen Arzt anzuvertrauen ist sehr schwierig für ich und geht eigentlich nur, wenn mich beim ersten Mal meine Frau begleitet) sieht das nicht so und hat mir auch klar gesagt, dass er nicht der Experte für Autismus ist. Ich bin ihm schon dankbar, dass er mich auf dem Weg zur Diagnose unterstützt hat aber er hat mir klar gesagt, dass er mir sonst weiter nicht helfen kann. Wie gesagt, mein Hausarzt hält da nichts von - der glaubt sowieso, dass 90% der Patienten sich nur anstellen und im Grunde gehe ich dort nur für Vorsorgeuntersuchungen hin und wenn ich eine Krankschreibung brauche.

      @Capricorn:
      Meine Schwierigkeiten in alltäglichen Situationen ergeben sich unter anderem aus den von mir beschriebenen Problemen. Im beruflichen Alltag zum Beispiel fällt es mir schwer wörtlich von bildlich gesprochenem zu unterscheiden und das bringt mich regelmäßig in unangenehme Situationen. Es gibt ein paar Kollegen, die wissen von meiner Behinderung und da kann ich dann relativ locker mit umgehen - insofern hilft mir schon das Wissen und die Kommunikation über meine Problematik. Im Alltag habe ich Schwierigkeiten damit, mich neuen Situationen zu stellen. Das trifft beruflich wie privat zu. Wenn ich mich einer neuen Situation gegenüber sehe (Besuch bei einem Kunden, treffen von bisher unbekannten Arbeitskollegen, Besuch eines neuen Ortes, ...) spüre ich so eine Art überschießendes Lampenfieber, was sich früher regelmäßig in einer Panikattacke entladen hat. Da hat mir Psychotherapie über die Jahre schon viel geholfen, so dass ich die Panikattacke heute zuverlässig verhindern kann.
      Dann ist es so, dass ich häufig einen Overload habe, wenn ich in einer Situation bin, wo ich nicht einfach abhauen kann (z.B. ein berufliches Meeting), dann steigert sich das und im Grunde müsste ich dann "Stop" sagen können und abbrechen, was aber natürlich nicht geht, weil das gravierende Konsequenzen auf die Arbeit hätte.
      Keine Ahnung, ich könnte jetzt hier ne ewig lange Liste machen, gerade im privaten. Meine Frau versucht mir gerade zu erklären, wie man richtig kuschelt. Mir war gar nicht klar, dass ich das bisher in meinem Leben gar nicht gemacht habe und ich weiß auch noch nicht so genau, wie ich das finde.
      Und die Schwierigkeiten, die alles das mit sich bringt, das ausgegrenzt fühlen, die enorme Anstrengung beim Maskieren um einigermaßen im Strom mitschimmen zu können, das macht für mich die Behinderung aus. Aber das ist eben ganz schwer messbar, nachvollziehbar für jemand Außenstehenden und bewertbar. Anders als eben eine körperliche Behinderung. Querschnittsgelähmt ab Wirbel X ist eben Querschnittsgelähmt aber Wirbel X. Das lässt sich zumindest medizinisch messen und feststellen.
      Nicht jeder Antifaschist ist ein aufrechter Demokrat, aber jeder aufrechte Demokrat ist auch ein Antifaschist.
    • LeuChris wrote:

      Und die Schwierigkeiten, die alles das mit sich bringt, das ausgegrenzt fühlen, die enorme Anstrengung beim Maskieren um einigermaßen im Strom mitschimmen zu können, das macht für mich die Behinderung aus. Aber das ist eben ganz schwer messbar, nachvollziehbar für jemand Außenstehenden und bewertbar. Anders als eben eine körperliche Behinderung.
      So empfinde ich das auch. Meiner Meinung nach ist allen nur geholfen, wenn z. B. autismus deutschland, Aspies e.V. wirkliche und effektive Aufklärung betreiben, um was es tatsächlich bei einer (meist) unsichtbaren Behinderung wie AS geht. Es mangelt an konstruktiver Aufklärungsarbeit, die bis zu allen Amtsärzten und Hausärzten vordringt!

      Es gibt sehr viel (willentliche?) Desinformation und Unkenntnis seitens der Versorgungsämter, sehr viel regionale Willkür, und auch im Allgemeinen wie auch Du aus Deiner Erfahrung berichtest haben nicht mal viele Ärzte und Psychiater das Wissen um die Thematik und sind oftmals auch nicht gerade sehr bemüht darum sich dies anzueignen. Als Betroffener findet man sich dadurch in einer eher hilflosen Situation, wenngleich man sich Hilfe erhofft hatte und diese auch braucht.

      Vielleicht hilft ja die ein oder andere Information in diesem Thread weiter
      Pauschale GdB Feststellungen