(Schwer)behinderten Ausweis

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    • Ghost wrote:

      Mein Gedankengang war eher so.
      Durch dieses Merkzeichen bleibt meine Mobilität erhalten, ich könnte an der Gesellschaft weiter teilnehmen, meine Depressionen weiter in Schach halten, meine SV wäre nicht so sehr ausgeprägt.
      Wiso ist diese art von Fortbewegung und Aktivität ohne den GdB/SbA + Merkzeichen nicht mehr möglich?
      War es vorher nicht so das du diese Dinge auch ohne den SbA schon gemacht hast?
      Im Grunde müsste ein Arzt der dir die Diagnosen ausgestellt hat dem Versorgungsamt erklären warum du diese Dinge nicht mehr tun kannst und die Merkzeichen dir helfen würden sie wieder zu tun.

      Ich habe auch versucht diese Merkzeichen zu bekommen aber ohne Erfolg, habe immerhin 50 unbefristet erhalten womit ich auch zufrieden bin.
      Ich denke der Grund psychisch diese Dinge nicht mehr allein tun zu können oder damit Schwierigkeiten zu haben weil verunsicherung da ist, reicht für die Amtsleute nicht um diese Merkzeichen zu vergeben. Sie machen es VIELLEICHT wenn man wirklich garnicht mehr aus dem haus geht außer eine Vertrauensperson wie gesetzlicher Betreuer, Mutter oder ähnliches begleitet einen.
      Das muss aber ein Arzt bestätigen und recht gut beschreiben, dann hat man denke ich eine Chance.
      Wenn sie dennoch ablehnen, könnte man anders über den Pflegegrad den man dann beantragt Geld erhalten wodurch man diese Dinge eventuell ermöglichen kann.
      In den Beschreibungen zum SbA steht leider ausdrücklich das die Vergünstigungen durch Merkzeichen nicht dafür da sind finanzielle probleme auszugleichen, also wenn man eine Begleitung braucht und die irgendwie bezahlen muss damit sie mitkommen kann (ÖpnV Ticket, Fahrdienst mit Auto, Taxi oder was auch immer) was ja auf die Dauer teuer ist, ist es den Ämtern herzlich egal ob man das Geld für diese art von Unterstützung hat oder braucht. Was eigentlich unfair ist.
      Beispiel:
      jemand der zwar Geld hat und sich eine Unterstüztung ohne weiteres leisten könnte erhält Merkzeichen die er eigentlich nicht wirklich braucht weil er ja Geld hat und sich die nötigen Dinge auch ohne leisten kann
      -
      jemand anderes hat kein Geld, aber die oben beschriebenen Probleme, bekommt aber keine Merkzeichen, weil er noch allein auch wenn es stressig ist diese Dinge irgendwie hinbekommt.

      Das ist eben der Unterschied, erst wenn es garnicht mehr geht und wenn man quasi diese Dinge überhaupt nicht selber kann, sind sie eventuell bereit diese Merkzeichen zu vergeben.
      Wenn jemand diese Dinge kann, und eine Stressüberreaktion passieren KÖNNTE, machen die garnichts.

      Ich kann den ÖpnV auch nur eingeschränkt nutzen, ich bekomme Panikatacken in vollen ÖpnV Fahrzäugen und auch in Räumen, ich kann darum auch kaum Fahrstühle nutzen, es geht auch darüber hinaus wenn eine andere Person die ich kenne dabei ist, das bringt nichts, das einzige was mir hilft ist das die Begleitperson mich in Sicherheit bringt oder aus der Situation herauslotst wenn es schon eskalliert ist.
      Das passiert mir aber garnicht erst wenn ich nicht in sowas einsteige oder rein gehe, also ausweiche, andere Straßen gehe, etc.
      Das schränkt mich ggf bei einer Arbeit ein, es verhindert das ich pünktlich oder zu bestimmten Uhrzeiten zur Arbeit komme oder ich bin an Orte gebunden wo man zufuß oder ohne große Distanzprobleme hinkommt. Ich käme allenfalls von weiterher nur mit einem Taxi oder vertrauten Fahrdienst zur Arbeit.
      Das schränkt mich enorm ein wenn man auf dem 1. Arbeitsmarkt etwas finden will, und ist idR ein Ausschlusskriterium jemanden überhaupt einzustellen.
      Dennoch wollten mir die Amtsleute kein Merkzeichen geben.
      Das war auch nur ein Problem, ich habe noch andere einschränkende Problematiken, die für die Amtsleute auch nicht "schlimm genug" waren, wie selbstverletzendes Verhalten in Stressituationen oder andere angreifen bei Bedrohung insbes. kratzen, beißen, anspringen etc, oder bei Ängsten sich weigern mit der auslösenden Person noch irgendwie Kontakt zu haben und begegnungen zu vermeiden.
    • 2hoch8 wrote:

      Doch, ich weiß nicht genau warum, aber das Amt wertet es als unprofessionell. Wahrscheinlich weil viele Ärzte zugunsten ihrer Patienten einen höheren GdB fordern würden.
      Ich denke nicht, dass pauschal "das Amt" so wertet, das wird eher unterschiedlich sein. Individuell oder auch in verschiedenen Versorgungsämtern, die ja durchaus unterschiedlich streng in ihren Bewertungen sind. Manche sind vielleicht auch gerade bei unsichtbaren Behinderungen, mit denen sie sich nicht auskennen, froh, die Einschätzung eines Arztes zu bekommen. Dass Ärzte einen höheren GdB fordern, als sie selbst für angemessen halten, ist vermutlich auch eher die Ausnahme. Durch ihre Erfahrung mit der Thematik schätzen sie die Auswirkungen, die eine unsichtbare Behinderung hat, aber wohl oft realistischer ein als jemand, der das nicht kennt und sich daher überhaupt nicht vorstellen kann, womit der Betreffende denn eigentlich Schwierigkeiten hat. Daher ist bei Uneinigkeit in der Einschätzung für mich überhaupt nicht gesagt, dass das Amt im Recht ist. Vor allem bei unsichtbaren Beeinträchtigungen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Update:
      Nach meinem Ende Mai gestellten Antrag habe ich nun den Bescheid erhalten. Unter Berücksichtigung aller Diagnosen (was soweit auch passt) wurde ein GdB von gerade mal 30 festgestellt. Ich beauftrage demnächst den VdK mit dem Widerspruchsverfahren, denn 30 ist schlichtweg lächerlich.
    • Shenya wrote:

      Bei Erwachsenen schon. In so gut wie allen Fällen, es sei denn, es wäre was Eindeutiges wie Lähmung oder so, wo es nichts zu diskutieren gibt.
      Erstens denke ich nicht, dass du "alle" Fälle kennst und beurteilen kannst (ich auch nicht), und zweitens glaubst du gar nicht, wie uneindeutig Lähmungen sein können. Da kann man sehr gut diskutieren. Auf vielen Ebenen!
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Na wenn man schon bei Lähmungen diskutieren kann, dann umso mehr bei sowas Schwammigem wie Asperger....

      Nur mit Asperger bei Neuantrag eines Erwachsenen ist es schwierig. In der Regel muss man durchs Widerspruchs- und Klageverfahren. Ich denke, nichts anderes wollte Vulkan sagen (so ein "immer" muss man da nicht wörtlich nehmen), und ein einziger Gegenbeweis widerlegt noch nicht die Regel, zumal niemand weiß, in welchem Alter dieser GdB erteilt wurde. Auch ein Versorgungsamt kann mal einen guten Tag haben... ich würde aber heute niemandem mehr schreiben, der gerade seinen Antrag gestellt hat "mach dir keine Sorgen, das wird GdB 50 ohne Probleme".
      Alles wird galaktisch gut.
    • Beim GdB sind primär die tatsächlichen Einschränkungen an der Teilhabe ausschlaggebend, basierend auf dem Befundbericht. Sofern man noch im ersten Arbeitsmarkt tätig ist und, seien es dadurch auch nur wenige, soziale Kontakte hat, liegen nur 'leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten' vor und somit wird eine ausschließliche Diagnose AS/Asperger/HFA sehr unwahrscheinlich in einem GdB höher als 30 (selten 40) resultieren. Auch bei Widerspruch. Dann muss man sich entscheiden ob der Klageweg und der damit verbundene hohe Stress das wert ist und wie gewichtig ein GdB 50/SbA für einen subjektiv ist und ob dies überhaupt mit den oftmals viel versprochenen Vorteilen übereinstimmt.

      Mittlerweile empfinde ich, dass der GdB gerade durch chaotische Behördenwillkür von 'uns' Antragstellern tendenziell leicht überbewertet wird, insbesondere solange es keine einheitliche bundesweite Regelung gibt ...

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    • maksa wrote:

      Sofern man noch im ersten Arbeitsmarkt tätig ist und, seien es dadurch auch nur wenige, soziale Kontakte hat, liegen nur 'leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten' vor und somit wird eine ausschließliche Diagnose AS/Asperger/HFA sehr unwahrscheinlich in einem GdB höher als 30 (selten 40) resultieren.
      Kann man das wirklich so pauschal sagen? Wenn jemand auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig ist, z.B. im Einzelbüro ohne Mitarbeiter- und Kundenkontakt und im Privatleben z.B. nur Kontakt zu seinen Eltern hat, kann man dann wirklich von leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten sprechen?

      Was mich betrifft:
      Ich arbeite in einem Sozialberuf mit viel Menschenkontakt, habe Kontakt zu meiner Herkunftsfamilie und habe einen kleinen Freundeskreis. Mein GdB beträgt dennoch 50.
    • maksa wrote:

      Sofern man noch im ersten Arbeitsmarkt tätig ist und, seien es dadurch auch nur wenige, soziale Kontakte hat, liegen nur 'leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten' vor und somit wird eine ausschließliche Diagnose AS/Asperger/HFA sehr unwahrscheinlich in einem GdB höher als 30 (selten 40) resultieren.
      Das stimmt so nicht.
      Ich bin auf dem 1. Arbeitsmarkt und habe soziale Kontakte, bin allerdings in anderen Lebensbereichen deutlich eingeschränkt und habe im 1. Versuch 50 bekommen.

      Ich habe einen SBA mit Grad 50 ohne Merkzeichen bekommen, da ich mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten habe. Das bedeutet man ist in mehrere der 9 Lebensbereiche nach Bundesteilhabegesetz nicht ohne Hilfe integrierbar. Man braucht z.B. betreutes wohnen, eine Assistenz oder eine Schulbegleitung. Dann gibt es noch leichte Anpassungsschwierigkeiten was bedeutet man ist nicht ohne besondere Förderung integrierbar. Also man braucht Eingliederungshilfe oder Nachteilsausgleiche. Leichte Anpassungsschwierigkeiten sind ein GdB von 30-40, mittlere ein GdB von 50-60. Wenn man auch mit Hilfe in mehrere Lebensbereiche nicht integriert werden kann hat man schwere Anpassungsschwierigkeiten was einen GdB von 70-100 ergibt.

      Hier nochmal die wichtigsten Infos aus Versorgungsmedizin Verordnung und Bundesteilhabegesetz zum Thema SBA und Autismus: "ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 10 – 20,
      mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30 – 40,
      mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50 – 70,
      mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80 – 100."
      "Soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integrationsfähigkeit in Lebensbereiche (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regelschule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) nicht ohne besondere Förderung oder Unterstützung (zum Beispiel durch Eingliederungshilfe) gegeben ist oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen. Mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung (zum Beispiel einen Integrationshelfer als Eingliederungshilfe) möglich ist. Schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht möglich ist."
      Die 9 Lebensbereiche, um die es hier nach Bundesteilhabegesetz geht, sind: 1. Lernen und Wissensanwendung,

      2. Allgemeine Aufgaben und Anforderungen,

      3. Kommunikation,

      4. Mobilität,

      5. Selbstversorgung,

      6. häusliches Leben,

      7. interpersonelle Interaktionen und Beziehungen,

      8. bedeutende Lebensbereiche und

      9. Gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben.