Welchen Wert im ADOS ?

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    • Welchen Wert im ADOS ?

      Ich hab mich tatsächlich noch nie mit irgendwelchen Werten aus der Diagnostik befasst und ich hab heute meine Werte aus dem ADOS mitgeteilt bekommen. Anscheinend eindeutig, da Wert 7. kann damit aber nix anfangen. War aber zu verteilt um irgendwas nachzufragen. Das ganze schriftliche geht an den Hausarzt. Was heißt jetzt cut off. Und warum ist das auffällig das ich beim Test mit den Augenpartien nur 8 Punkte hab?
    • In meiner Diagnose sind auch mehrere Werte angegeben die mit unterschiedlich hohen Cut-Off Werten beschrieben werden.
      Cut Off ist meines Wissens nach ein Punkte-Wert der angibt ob das Testergebnis für oder gegen eine Diagnose spricht. Testwerte die über dem Cut-Off liegen sprechen dann eher gegen eine Diagnose; Werte unterhalb des Cut Off für eine Diagnose.

      Den Augenpartie Test habe ich in der späteren Therapie noch gemacht, aber ohne Punkte da hatte ich meist keine Probleme und kann nicht sagen ob der Wert ggf. unter dem Cut Off liegt.

      Meine Diagnose nach ADOS beinhaltete diese Test:
      Fragebogen zur sozialen Kommunikation (FSK)
      Marburger Beurteilungsskala zum Asperger Syndrom (MBAS)
      Australian Scale for Aspergers Syndrome (ASAS)
      High Functioning Autism Spectrum Screening Questionaaire (ASSQ)
      Autism Spectrum Quotient (AQ)

      mit jeweils eigenen Cut-Off Werten. Dass dabei nur ein Wert herauskommt bzw. mitgeteilt wurde lässt die Frage offen welcher Test gemacht wurde und wie hoch der Cut Off ist.
      Entscheidung. Das Problem ist die Entscheidung.
      - Matrix Reloaded, Neo
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    • Ich verweise auf die Aufklärung von @Tuvok.

      Tuvok wrote:

      Tuvok wrote:

      Wenn die 19 Punkte also wirklich der Score sind, dann hättest du nur einmal in Bereich A den Maximalwert verfehlt.

      Eismensch wrote:

      Ich kann das gerade nicht einordnen. Was spräche dagegen, oder warum wäre das ungewöhnlich?
      Ungewöhnlich ist es deshalb, weil es bei der Diagnose AS wirklich seeehr selten vorkommt, dass in fast allen diagnoserelevanten Punkten die volle Punktzahl gegeben wurde.Das würde dann bedeuten, dass du zumindest im ADOS den Eindruck gemacht hst, dass du sehr schwer von Autismus betroffen bist.

      Das passt dann umgekehrt nicht zum Wert im FSK. Wenn das kein Schreibfehler von dir war, hast du da 'nur' 14 Punkte bekommen, eigentlich wird die Diagnose erst ab 15 Punkten vergeben. Das würde also bedeuten, dass du in der Kindheit noch relativ unauffällig warst, gerade an der Grenze zu AS. Natürlich kann man sagen, dass die Kindheit ja schon eine Weile zurückliegt und vielleicht die Erinnerung der Bezugsperson, die dich beurteilt hat, nicht mehr so gut war. Man muss dir allein wegen des einen Wertes knapp unter dem Cut-Off nicht die Diagnose versagen. Entscheidend ist im Endeffekt der Gesdamteindruck der Diagnostikerin, und der sprach hier wohl sehr eindeutig für AS.

      Eismensch wrote:

      Wenn 7 bzw. 12 Punkte der "Rohwert" wären, was sagte das über das Abschneiden im Test aus?
      Die Rohpunkte alleine sagen rein gar nichts über das Abschneiden im Test aus. Man kann 7 Rohpunkte in Bereich A und 12 Rohpunkte in Bereich B haben, und trotzdem in beiden Bereichen einen Score von 0 (in Worten: null), mit dem man natürlich die Cut-Off-Werte deutlich verfehlt.Nur ein Teil der Rohpunkte geht in den Score ein: im Teil A sind das die Items A4, A8, A9 und A10. In Bereich B die Items B1, B2, B8, B9, B11 und B12. Die Rohpunkte, die bei diesen Items erreicht werden, gehen in den Score ein. Wenn man bei einem dieser Items allerdings eine 3-Punkte-Wertung erreicht, werden nur 2 Punkte für den Score berücksichtigt. Die Rohpunkte aus den anderen Items (A1 bis A3, A5bis A7, B3 bis B7, B10 und B13) gehen nicht in den Score ein, sondern dienen nur dazu, den Gesamteindruck abzurunden.

      Für die Aussagen zu diesen Punkten gibt es Standardformulierungen, die jeweils bestimmten Rohpunktzahlen entsprechen.
      Ich hatte zum Beispiel bei A4 die Formulkierung: "Benutzt selten oder nie stereotype oder eigentümliche Wörter oder Sätze". Da ist aus der Formulierung klar erkennbar, dass ich bei diesem Item keine (0) Rohpunkte bekommen habe.
      Wenn das auf dich aus zutreffen sollte, kannst du in Bereich A nur noch maximal auf einen Score von 6 kommen, da die Rohpunkte von A4 in den Score eingehen.

      Bei A8 hatte ich aber die Formulierung: "Der Proband unterhält wenig wechselseitige Kommunikation, folgt eher den eigenen gedanken als am Austausch teilzunehmen; einige spontane Informationsangebote oder Kommentare können vorhanden sein, jedoch weniger im Sinne eines gegenseitigen Austausches". Das ist die Standardformulierung für eine Wertung mit zwei Rohpunkten. Da diese in den Score eingehen, habe ich allein mit dieser einen Aussage bereits den Cut-Off für den Bereich A erreicht.
      Ein weiterer Rohpunkt, der in den Score eingeht, kam bei A10 hinzu. Da lautete die Formulierung: "Zeigt einige emotionale Gesten, die aber übertrieben oder an Häufigkeit, Angemessenheit, Integration oderf Stil eingeschränkt sind."
      Bei A2 hatte ich die Formulierung: Sprechweise, die etwas ungewöhnlich langsam ist und teilweise unpassend betont. Das bringt ebenfalls einen Rohpunkt. Der geht aber nicht in den Score ein, sondern rundet nur das Gesamtbild ab.

      Im Bereich B hatte ich zum Beispiel
      B2: "Eingeengtes Spektrum des Gesichtsausdrucks" ergibt einen Rohpunkt, der in den Score eingeht.
      B3: "Die Lautäußerungen werden begleitet von eingeschränkten gesten, Blickkontakt und mimischem Ausdruck" ergibt einen weiteren Rohpunkt, der aber nicht in den Score eingeht.
      B4: "Zeigt in gewissem Umfang angemessene Freeude an den Handlungen des Untersuchers" ergibt einen weiteren Rohpunkt, der nicht in den Score eingeht.
      B6: "Vermittelt ein gewisses Verständnis und Mitempfinden mit anderenbei mehr als einer Gefühlsqualität" bringt einen weiteren Rohpunkt, der nicht in den Score eingeht.
      B9: "Die Art der sozialen Annäherung ist etwas ungewöhnlich; soziale Annäherungen sind eventuell auf persönliche Forderungen beschränkt oder stehen im Zusammenhang mit ausgeprägten Interessen des Probanden". Das ist die Standardformulierung für einen Rohpunkt, der in den Score eingeht.
      B11: "Zeigt Reaktivität auf die meisten sozialen Situationen, wirkt aber etwas eingeschränkt und z.T. sozial unbeholfen." Wieder ein Rohpunkt, der in den Score eingeht.
      B12: "Zeigt in gewissen Umfang wechselseitige Kommunikation, aber nicht durchgängig." Noch ein Rohpunkt, der in den Score eingeht.

      Damit habe ich insgesamt:
      In bereich A: 4 Rohpunkte, Score=3, Cut-Off=2
      In Bereich B: 7 Rohpunkte, Score=4, Cut-Off=4
      In Bereich A und B zusammen: 11 Rohpunkte, Score=7, Cut-Off=7
      Das reicht zur Diagnose, weil alle drei Cut-Off-Werte erreicht sind.

      Ich fand die Aussagen über meinen ADOS ziemlich transparent, gut nachvollziehbar und auch einigermaßen repräsentativ für typische Alltagssituationen.
      Daher meine Frage, ob andere Diagnostiker das auch so machen und diese Beschreibungen herausgeben und ob du nachvollziehen kannst, wofür du die 'Punkte' (seien es nun Rohpunkte oder Scores) genau bekommen hast.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Ich habe in meinem ADOS laut mündlicher Info "nur" 6 Punkte erreicht, den Cut-Off also knapp verfehlt. Allerdings wollte sich Dr. Schilbach nach seinem eigenen Eindruck von mir die Videoaufzeichnung noch einmal ansehen, um zu prüfen ob es tatsächlich nur 6 Punkte waren.

      Er sagte dann, dass der ADOS für Erwachsene mit guten Kompensationsfähigkeiten eigentlich nicht wirklich geeignet sei und man da in der Zukunft bessere Diagnosewerkzeuge entwickeln müsste.

      Nach den anderen Tests, Unterlagen und Gesprächen sieht er mich trotz ADOS-Ergebnis im Spektrum.

      Bin mal gespannt, was im Diagnoseschreiben steht...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • Patikue wrote:

      Anscheinend eindeutig, da Wert 7
      Ein Wert von 7 wäre nicht eindeutig, sondern "hart an der Grenze", da der Cut-Off bei 7 liegt.
      Drunter hieße, dass zumindest der ADOS eher gegen eine Diagnose spräche - allerdings, wie der Fall Ellewoods2017 zeigt, ist ein einzelner Test nicht ausschlaggebend.
      Nicht bei guten Diagnostikern jedenfalls.

      Man kann das so sehen: ein Wert über den Cut-Off erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass AS vorliegt, ein Wert drunter senkt die Wahrscheinlichkeit.
      Aber totale Aussagen können nicht getroffen werden.
      Es gibt Autisten, die eine geringe Punktzahl erreichen und Nichtautisten, die höhere Punktzahlen erreichen.

      Und wie auch schon geschrieben wurde: gerade bei hochfunktionalen gut kompensierten ASlern liegt der ADOS gerne mal daneben.

      Jedoch schreibst du "eindeutig". Ich gehe davon aus, dass dein Wert im ADOS nicht 7 war, sondern drüber lag. Der genaue Wert wurde dir anscheinend aber nicht genannt?
      (Was auch nicht dramatisch wäre, ein einzelner Wert hat eine geringe Aussagekraft.)

      Der Wert im Augenpartientest zeigt vor allem, dass deine Fähigkeit, Mimik anhand der Augenpartien zu erkennen, wohl kaum vorhanden ist. Einen ähnlichen Wert hättest du erzielt, wenn du komplett geraten hättest, ohne die Bilder überhaupt anzuschauen.
      ASler zeigen im Schnitt größere Schwächen in dem Bereich, Mimik zu erkennen, wobei dies nach aktuellen Studien wohl vor allem auf eine vorliegende Alexithymie zurückzuführen ist, die bei AS häufig komorbid vorliegt.
    • Hypatia wrote:

      Ein Wert von 7 wäre nicht eindeutig, sondern "hart an der Grenze", da der Cut-Off bei 7 liegt.

      Patikue wrote:

      Es waren 7. in dem Test könnte man Max. 10 oder waren es 11? Punkte sammeln. 1-2 Punkte wären NT und und 10-11 stark AS.
      Der Maximalwert für den Score beim ADOS liegt bei 20 Punkten.
      7 ist tatsächlich geanau der Cutoff für den Summenwert, also gewissermaßen "hart an der Grenze", wie Hypatia es ausdrückt.
      Wenn von diesen 7 Punkten noch mindestens 2 aus dem Bereich A und mindestens 4 aus dem Bereich B sind, reicht das für eine positive ADOS-Diagnose. Ob dann aber auch eine klinische diagnose gestellt wird, muss der Diagnostiker entscheiden.
      Der ADOS-Score berücksichtigt nur Auffälligkeiten aus den Bereichen Kommunikation und Interaktion, die in der Testsituation direkt beobachtet wurden. Dabei gibt es 1 Punkt für eine leichte Auffälligkeit und 2 Punkte für eine deutlichere Auffälligkeit. Die 7 Punkte können also z.B. 7 leichte Auffälligkeiten sein oder auch 1 leichte Auffälligkeit und 3 deutlichere Auffälligkeiten.
      Für eine klinische Diagnose ist zusätzlich erforderlich, dass noch geklärt wird, ob auch Symptome aus dem Bereich repetitives Verhalten und Routinen vorliegen, ob die Auffälligkeiten über die gesamte Lebensspanne nachgewiesen sind, und ob sie klinisch signifikante Beeinträchtigungen verursachen.

      Hypatia wrote:

      Jedoch schreibst du "eindeutig". Ich gehe davon aus, dass dein Wert im ADOS nicht 7 war, sondern drüber lag.
      Ich denke, "eindeutig" bezieht sich hier auf die klinische Diagnose. Die kann auch bei einem ADOS-Score von 'nur' 7 als "gesichert" oder "eindeutig" bezeichnet werden.

      Ellewoods2017 wrote:

      Ich habe in meinem ADOS laut mündlicher Info "nur" 6 Punkte erreicht, den Cut-Off also knapp verfehlt. Allerdings wollte sich Dr. Schilbach nach seinem eigenen Eindruck von mir die Videoaufzeichnung noch einmal ansehen, um zu prüfen ob es tatsächlich nur 6 Punkte waren.

      Er sagte dann, dass der ADOS für Erwachsene mit guten Kompensationsfähigkeiten eigentlich nicht wirklich geeignet sei und man da in der Zukunft bessere Diagnosewerkzeuge entwickeln müsste.

      Nach den anderen Tests, Unterlagen und Gesprächen sieht er mich trotz ADOS-Ergebnis im Spektrum.
      Absolut in Ordnung, wenn er die klinische Diagnose nach dem gesamteindruck trotz negativer ADOS-Diagnose vergibt.
      Eine neuere Studie kommt bei der Eignung des ADOS für Erwachsene allerdings zu etwas besseren Ergebnissen als frühere Untersuchungen.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Irgendwo habe ich hier gelesen, dass ADOS hauptsächlich für die Diagnostik im Kinder- und Jugendbereich entwickelt wurde und lediglich das ADOS Modul 4 für die Erwachsenen-Diagnostik in abgewandelter Form angewandt wird. Allerdings sollten Inhalte nur den Fachleuten vorbehalten bleiben. Ansonsten macht das System keinen Sinn.
      Sohn mit HFA diagnostiziert ...und ich irgendwie ähnlich und doch anders...
    • 70Quadrillionen wrote:

      Allerdings sollten Inhalte nur den Fachleuten vorbehalten bleiben
      Das heißt, ich sollte z.B. nicht in einem Forum schreiben, wie die Testsituationen waren und worauf sie abzielten, damit andere Leute nicht beeinflußt werden, nachdem sie das lesen? Das erinnert mich daran, als mir der Augenpartientest vorlegt wurde und ich sagte: "Den kenne ich schon." Damit meinte ich, daß ich die Hälfte der Antworten eh auswendig wußte.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".