Buch über erwachsene Asperger im Beruf: Kohl, Seng & Gatti (2017)

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Leonora wrote:

      Leonora wrote:

      Einerseits stimmt das natürlich, und die Biografien sind auch sehr unterschiedlich. Andererseits gibt es eben doch viele teils überraschende Gemeinsamkeiten, die den gängigen Klischees über Autismus so gar nicht entsprechen. Zwar ist die Gruppe nicht repräsentativ, aber aus den Berichten kann man schon einiges darüber ableiten, wie wirklich sinnvolle Unterstützung für Autisten aussehen könnte. Ich bin jedenfalls gespannt auf Pompejis Beitrag.
      Andere Bücher, die explizit das Thema Autismus und Arbeit behandeln und autistische Menschen etwas ausführlicher zu Wort kommen lassen, bestätigen meinem Eindruck nach auch genau das, was in diesem Buch berichtet wird. Konkret fallen mir etwa die Bücher von Rudy Simone und Ina Blodig ein. Allerdings kommt dort niemand so frei und ausführlich zu Wort, das ist die Stärke dieses Buches.
      habe beide Bücher gelesen und kann diesen Eindruck nur bestätigen. Rudy Simone war sogar eines meiner ersten Bücher. Eigentlich recht hilfreich (für mich), wäre auch für Arbeitgeber hilfreich, wenn sie sich die Zeit für sowas nehmen würden (machen sie aber nie).
    • Pompeji wrote:

      habe beide Bücher gelesen und kann diesen Eindruck nur bestätigen. Rudy Simone war sogar eines meiner ersten Bücher. Eigentlich recht hilfreich (für mich), wäre auch für Arbeitgeber hilfreich, wenn sie sich die Zeit für sowas nehmen würden (machen sie aber nie).
      Stimmt. Auch Ina Blodigs Buch wird entgegen der Absicht wohl kaum von Arbeitgebern gelesen werden. Da wäre eine "Handreichung" nützlich, kurz und knapp, die auf den Erkenntnissen dieser Bücher beruht und die Besonderheiten autistischer Menschen zugleich ehrlich und positiv darstellt.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Klingt sehr interessant, auch für mich, wo ich mich grad viel mit künftigen Jobmöglichkeiten auseinandersetze. Ich weiß zwar jetzt noch gar nicht so genau wo meine Limits liegen und was mir künftig Schwierigkeiten machen kann aber ich denke, es schadet nicht, wenn man sich darüber mal Gedanken macht.
      Ich vermute zwar, dass das AS bei den meisten Leuten in diesem Buch wieder mal stärker ausgeprägt ist als bei mir, aber einige nervige Tendenzen hab ich bei mir ja auch... bis ich mal die Namen aller Klassenkameraden weiß, können gut und gern ein bis zwei Jahre vergehen und das ist vergleichbar peinlich wie das Nichterkennen von Gesichtern. :oops: (nur kann man es besser verstecken)

      Wünsch ich mir wohl zu Ostern, bis dahin ist das Buch hoffentlich billiger :d
      Dieser Weg wird kein leichter sein/ Dieser Weg wird steinig und schwer
      Nicht mit vielen wirst du dir einig sein / Doch dieses Leben bietet so viel mehr.
      Profilbild von David Gaillet
    • Ich habe mir das Buch gerade aus der Unibibliothek ausgeliehen.

      Kleines Licht wrote:

      Ich vermute zwar, dass das AS bei den meisten Leuten in diesem Buch wieder mal stärker ausgeprägt ist als bei mir, aber einige nervige Tendenzen hab ich bei mir ja auch... bis ich mal die Namen aller Klassenkameraden weiß, können gut und gern ein bis zwei Jahre vergehen und das ist vergleichbar peinlich wie das Nichterkennen von Gesichtern.
      Bisher habe ich den Bericht einer Person gelesen, ich habe irgendwo in der Mitte angefangen und mir eine weibliche Person ausgesucht, da dachte ich auch oft, huch die hat ja sehr ähnliche Probleme wie ich, sogar der erlernte Beruf passte mit meinem überein und die Interessen für das Soziale, also weit weg von dem Klischeeaspie, der doch so anders zu sein scheint als man selber.
      Ich bin gespannt auf die anderen Berufsverläufe.

    • Ich habe das Buch jetzt übers Wochenende gelesen und fand es sehr interessant. Die Interviewauswahl ist gelungen, es gibt sehr vielfältige Berichte und das Buch gibt einen guten Einblick in die beruflichen Lebensläufe. Besonders hat mich gefreut, dass viele spätdiagnostizierte Asperger - Frauen mitgewirkt haben. Denn Literatur über weibliche Apies ist ja noch sehr rar. Vielen Dank für den Tipp.
    • cayen wrote:

      Besonders hat mich gefreut, dass viele spätdiagnostizierte Asperger - Frauen mitgewirkt haben.
      Ja, das fand ich auch. Gerade in Deutschland gibt es noch ziemlich wenig Bewusstsein dafür und erst recht keine geeignete Unterstützung. Auch in der Einleitung ("Buchgeläut") geht es recht ausführlich um Autistinnen und ihre Situation. Auch hierzu wäre eine Art Fazit nützlich gewesen, konkrete Tipps, wie sinnvolle Unterstützung für Frauen, die oft in ganz anderen Bereichen sind als in denen, die man mit Autismus assoziiert, aussehen könnte. Und auch die grundsätzlichen höheren sozialen Anforderungen an Frauen und ihre Folgen gerade für Autistinnen (die oft besser angepasst sind, aber doch mehr soziale Probleme haben als Männer - die Einleitung erwähnt, dass sie auch häufiger ihren Arbeitsplatz verlieren) sollten viel mehr Thema sein.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Pompeji wrote:

      Ich fänds ja cool, wenn bei so einem Buch eine Art Feedbackmöglichkeit gegegeben wäre, z.b. als E-Mailadresse, um genau sowas anzusprechen.
      Stimmt, das wäre eine gute Idee. Gute wäre auch, wenn man auf der Website des Buches beim Verlag Kommentare abgeben könnte. Ansonsten gibt's natürlich noch Amazon.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Pompeji wrote:

      Ich fänds ja cool, wenn bei so einem Buch eine Art Feedbackmöglichkeit gegegeben wäre, z.b. als E-Mailadresse, um genau sowas anzusprechen.
      Ich habe angenommen, dass es sich bei dem Buch um das Endergebnis dieses Aufrufs im Forum handelt: Buchprojekt "Autistische Erwerbsbiografien". Dort ist unter anderem eine E-Mailadresse als Kontakt angegeben.

      The post was edited 1 time, last by Turtle: Daten aus dem geschützten Bereich entfernt. (Big sorry) ().

    • Pompeji wrote:

      Ich fänds ja cool, wenn bei so einem Buch eine Art Feedbackmöglichkeit gegegeben wäre, z.b. als E-Mailadresse, um genau sowas anzusprechen.
      Ohne jetzt selbst danach geschaut zu haben, findet man bestimmt irgendwo im Netz eine Emailadresse von den Autoren oder auch die Offizielle vom Verlag.
      Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Feedback-an-Autoren-schreiben, nachdem ich selbst unter die Autoren gegangen bin. Denn ich habe gemerkt wie sehr mich das selbst freut und auch weiterhilft. Ich habe mittlerweile mehrere Autoren angeschrieben und sei es nur ein "Danke für das tolle Buch" (natürlich vorrausgesetzt, dass mich das Buch auch wirklich begeistert hat) und ich hatte noch keinen Autor, der mir nicht zurückgeschrieben hat (einmal führte es auch in eine interessante Email-Diskussion. Dieser Autor war gar nicht so unbekannt und hat mir bestätigt, dass er gar nicht so viele Emails bekommt wie man bei einem Sachbuch-Bestseller-Autor annehmen würde und sich daher auch noch über jede einzelne freut).
    • vara wrote:

      Ohne jetzt selbst danach geschaut zu haben, findet man bestimmt irgendwo im Netz eine Emailadresse von den Autoren oder auch die Offizielle vom Verlag.
      :nod: Bhai ist ja hier im Forum und Hajo problemlos über autSocial kontaktierbar.

      vara wrote:

      Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Feedback-an-Autoren-schreiben, nachdem ich selbst unter die Autoren gegangen bin. Denn ich habe gemerkt wie sehr mich das selbst freut und auch weiterhilft. Ich habe mittlerweile mehrere Autoren angeschrieben und sei es nur ein "Danke für das tolle Buch" (natürlich vorrausgesetzt, dass mich das Buch auch wirklich begeistert hat) und ich hatte noch keinen Autor, der mir nicht zurückgeschrieben hat (einmal führte es auch in eine interessante Email-Diskussion. Dieser Autor war gar nicht so unbekannt und hat mir bestätigt, dass er gar nicht so viele Emails bekommt wie man bei einem Sachbuch-Bestseller-Autor annehmen würde und sich daher auch noch über jede einzelne freut).
      Die meisten Autoren freuen sich über Feedback - solange es konstruktiv gehalten ist, kann es auch ruhig kritisch sein.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Habe im Buch nun auch gelesen und finde die Erfahrungberichte sehr interessant. Besonders die Berichte von Sarah (die ja noch vor der Diagnose zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist, ich rätsele, wer das wohl war- aber es ist ja wohl bewusst anonym gehalten), Franziska und Benjamin.

      Das "Buchgeläut" (was soll das eigentlich sein?) am Anfang finde ich aber ehrlich gesagt etwas sehr abgehoben, es liest sich, als hätte sich die Autorin dort sprachlich ausgetobt. Etliche Fremdwörter, Metaphern, aber vor allem ständige Wortneuschöpfungen ("Entnamisierung", "Reizkakophonie", "Gedankenganz"), da hätte "Guteinfachdeutsch" (auch eine sprachliche Wendung von ihr) gut getan. Das war stellenweise fast schon unzumutbar und ich vermute einfach mal, dass bei einem nichtautistischen Menschen da härter lektoriert worden wäre. Mir kam da aus der Perspektive des Autisten ein bisschen jedenfalls der Scham hoch. Schade, denn inhaltlich war das gut, durchreflektiert und vor allem die mitgelieferte Botschaft, stärkenbetont aufzutreten, ist ja sehr wichtig.

      Insgesamt kann ich es empfehlen.
    • @Willowtree Das Buchgeläut ist mehr oder weniger die Einleitung, es läutet ein ins Thema, so würde ich das übersetzen.

      Ich habe angefangen, das Buch zu lesen. Aber die restlichen Seiten Einleitung werde ich überspringen, weil die vielen, gefühlt ewig langen, Sätze es mir nicht leicht machen, munter und aufnahmefähig zu bleiben. Das Lesen wird echt ermüdend und ist anstrengend. Dazu kommen die vielen Wortkreationen, die man manchmal zwei oder dreimal lesen muss... und das oft in einem Satz, der allein einen eigenen Absatz darstellen könnte. Das sind nur formale Äußerlichkeiten, die mich persönlich stören und es mir als Leser schwer machen, das Buch länger in der Hand zu behalten. Rein inhaltlich finde ich das Buchgeläut ansprechend, auch die Punkte, die dargelegt werden (bis zu den Seiten, die ich geschafft habe).

      Fazit: Ich bin ja ein Freund von Wortgewalt und freue mich über Autoren, die mit Wörtern umgehen können und schöne lesenswerte Sätze schreiben, aber manchmal ist weniger dann eben doch mehr.
    • Diamant wrote:

      Fazit: Ich bin ja ein Freund von Wortgewalt und freue mich über Autoren, die mit Wörtern umgehen können und schöne lesenswerte Sätze schreiben, aber manchmal ist weniger dann eben doch mehr.
      Das meinte ich. So eine Einleitung sollte nicht die Bühne für autistische Selbstdarstellung von Sprachgewandtheit und Belesenheit darstellen (wozu braucht die Autorin diese eigentlich?), sondern stimmig mit den weiteren Schilderungen im Buch verknüpft sein. Einstimmen eben.
      Inhaltlich wars ja gut, aber die 40 Seiten hätten es gar nicht sein müssen, das wäre in weniger als der Hälfte gegangen, wenn man Frau Dr. Kohl da nicht so sehr sprachlich "von der Kette gelassen" hätte, an die man eine Autistin wohl nicht legen wollte. Das ist dann in meinen Augen die falsche Art von Rücksichtnahme.
    • Willowtree wrote:

      Diamant wrote:

      Fazit: Ich bin ja ein Freund von Wortgewalt und freue mich über Autoren, die mit Wörtern umgehen können und schöne lesenswerte Sätze schreiben, aber manchmal ist weniger dann eben doch mehr.
      Das meinte ich. So eine Einleitung sollte nicht die Bühne für autistische Selbstdarstellung von Sprachgewandtheit und Belesenheit darstellen (wozu braucht die Autorin diese eigentlich?), sondern stimmig mit den weiteren Schilderungen im Buch verknüpft sein. Einstimmen eben.Inhaltlich wars ja gut, aber die 40 Seiten hätten es gar nicht sein müssen, das wäre in weniger als der Hälfte gegangen, wenn man Frau Dr. Kohl da nicht so sehr sprachlich "von der Kette gelassen" hätte, an die man eine Autistin wohl nicht legen wollte. Das ist dann in meinen Augen die falsche Art von Rücksichtnahme.
      Insider nennen das, was Du im letzten Satz schreibst, positive Diskriminierung. Das ist leider kein Witz, sondern die Realität. Schreibt ein Autist etwas, sei es nun Buch oder sonst was, sind es häufig nur selbst Betroffene, die sich ein bisschen Kritik zutrauen, die auch mal etwas härter ausfallen kann. NTs halten sich da auffällig zurück und gehen sparsam mit kritischen Worten um, wenn sie überhaupt kritisieren. Dabei wäre es doch viel schöner, im Miteinander so offen für Autismus sein, im Alltag, wenn es wirklich drauf ankommt. Aber nein, da wird häufig diskriminiert, gemobbt und gelästert, was das Repertoire hergibt. Für mich ist das der falsche Weg, aber mich fragt ja keiner.
    • Ich lese das Buch gerade auch. Was für mich total schwierig ist, ist, dass der "Vorstellungsteil" vor dem Interview unterschiedlich aufgebaut ist. Und auch sprachlich unterschiedliche Stile aufweist. Ist eigentlich klar, weil auch jeder der vorgestellten Menschen anders drauf ist, trotzdem stört es mein Bedürfnis nach Symmetrie und Parallelität.

      Die Biografien selbst finde ich sehr beeindruckend. An dieser Stelle (ich vermute manche der Personen aus dem Buch sind hier im Forum aktiv) herzlichen Dank für euren Mut und die Offenheit aus eurem Leben zu erzählen.
      Surprised by the joy of life.
    • New

      Surprised wrote:

      Ich lese das Buch gerade auch. Was für mich total schwierig ist, ist, dass der "Vorstellungsteil" vor dem Interview unterschiedlich aufgebaut ist. Und auch sprachlich unterschiedliche Stile aufweist. Ist eigentlich klar, weil auch jeder der vorgestellten Menschen anders drauf ist, trotzdem stört es mein Bedürfnis nach Symmetrie und Parallelität.
      Mir gefällt bei dem Buch gerade dieser Aspekt. Man hört wirklich unterschiedliche Stimmen, die nicht verallgemeinernd "gleichgebügelt" werden. Dennoch gibt es sowohl bei den Bedürfnissen und Wünschen wie auch in den Biographien selbst zahlreiche Überschneidungen und Parallelen. Das ist für mich, um etwas über Autismus und Autisten in der Arbeitswelt zu lernen, aussagekräftiger als der Text eines Autors, der von außen beschreibt.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.