Diagnostik abwarten oder parallel zum Facharzt

    • Eismensch schrieb:

      Mir kommt das Geld trotz Vollzeitjob nicht gerade "zu den Ohren raus" aber ich habe ein bisschen gespart um mir diese Diagnostik leisten zu können. Einfach nur, weil ich aus diesem Tal rauskommen musste.
      Hat sich dein Leben durch die Diagnose denn signifikant verbessert?

      Bei mir war es so, dass ich direkt nach der Diagnostik noch eine Art Euphorie empfand - endlich weiß man, warum man so ist, wie man ist, wenn man den Grund kennt, kann man doch auch was ändern. Das hielt aber nur kurz an, dann kam eine depressive Phase - ich weiß jetzt, dass es eine angeborene Entwicklungsstörung ist, an der sich nie etwas ändern wird. Dann kam die Zweifelphase - waren die wirklich gründlich bei der Diagnostik? Hätte ich woanders vielleicht nicht diese Diagnose bekommen? Solange man es nicht im Blut nachweisen kann, wie sicher ist dann eigentlich so eine Diagnose?

      Bei mir hat es satte 2,5 Jahre gedauert, bis ich mich so weit gefangen hatte, dass ich eine autismusspezifische Therapie beantragen konnte. Diese mache ich jetzt seit ca. einem halben Jahr und fange nun an, endlich ein paar kleine Verbesserungen zu erwirken, aber jede davon ist sehr anstrengend und mühsam erkämpft und bringt mich manchmal kurz davor, es einfach hinzuschmeißen und mich mit meinem Schicksal abzufinden.

      Wenn bei dir die Diagnose allein reicht, damit du wieder glücklich und zufrieden bist und kein weiterer Therapiebedarf - inbesondere in Hinblick auf die autistischen Symptome - besteht, finde ich das beneidenswert, aber bei mir war das eben völlig anders. Deshalb interessiert es mich jetzt mal, weil du ja von erheblichen Problemen berichtet hast.
      "I don't hate people. I just feel better when they aren't around."
      (Charles Bukowski)
    • Palinurus schrieb:

      Hat sich dein Leben durch die Diagnose denn signifikant verbessert?
      Die Diagnosestellung ist jetzt etwa 6 Wochen her. Eine Verbesserung ist in den Punkten eingetreten, die ich bereits erwähnt habe. Ich habe mit meinem Chef gesprochen und die in meinen Augen unnütze Therapie abgebrochen. Das hat sehr zu einer Verbesserung meines Seelenheils (nicht meines Lebens!) beigetragen. Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass sich mein Leben zunächst NICHT verbessern wird. Genau sagen kann ich das noch nicht, da ich mich mit meiner (Noch-) Frau hervorragend verstehe (von gelegentlichen Unpässlichkeiten wie ihrer Anwesenheit an MEINEM Tag abgesehen :? ) und wir noch zusammenwohnen.
      Da ich aber aus der Vergangenheit weiß wie es mir geht, wenn ich erst allein, dann einsam und danach depressiv bin wenn ich alleine wohne werde ich um Hilfestellung dabei nicht herumkommen. Inwiefern meine Krankenkasse einer erneuten Therapie unter dem Gesichtspunkt der veränderten Bedingungen und nach Abbruch der bereits bewilligten zustimmt, weiß ich nicht.

      Es mag Menschen geben, bei denen

      Palinurus schrieb:

      die Diagnose allein reicht, damit du wieder glücklich und zufrieden bist
      aber ich empfinde eine tiefgreifende Entwicklungsstörung nicht als glücklichmachend oder zufriedenstellend und ich weiß nicht, wie du darauf kommst. Gerade weil

      Palinurus schrieb:

      du ja von erheblichen Problemen berichtet hast.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Morgenstern schrieb:

      Nicht mal dann unbedingt, denn woher soll er denn wissen, dass der nächste Jemand auch einen schlechten Tag oder negative Assoziationen hat? :roll:
      Puh.
      Wenn jemand zu ihm sagt, dass die Formulierung "Du bist aber wählerisch!" zumeist negativ aufgenommen wird und er verwendet diese dennoch munter weiter kann es sein, dass er immer wieder damit aneckt.
      Das ist dann eine gewisse Lernresistenz, mit deren Folgen er dann umgehen muss. Er kann das ignorieren, ich bin ja nicht seine Mutter, aber in den häufigsten Anwendungsfällen geht das eben schief.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Hallo Lilith,
      Ich lebe auch in Österreich. Und habe meine Diagnose hier bekommen. Ich weiß jetzt nicht wo du schon überall versucht hast, aber du kannst mir gerne eine pn schreiben und wir können uns ein wenig austauschen. Vorausgesetzt du möchtest das.
      Ich hoffe du findest bald einen Weg zu Klarheit und dass es dir nicht zu schlecht geht.

      Liebe Grüße. Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.


      Antoine de Saint-Exupéry
    • @RegenbogenWusli
      Du hast nichts falsch gemacht. Vielleicht hättest du es anders ausdrücken könne. Aber ich habe überreagiert weil es mir nicht gut ging. Das tut mir wiklich leid.

      Is echt komisch mit den Kosten für die Bahn bei euch. Bei uns ist das nicht nach Bundesländern unterschiedlich. Dafür sind wir wohl zu klein. Mit der Bahn ginge. Aber ich habe ein Auto. Die Anfahrszeit ist halt ziemlich lang. Das ist für Terminvereinbarung schlecht. Oder ich bin komplett müde, wenn ich dort bin.
    • Eismensch schrieb:

      Während meiner Therapie war ich seelisch "am Boden". Mir ging es gar nicht gut, ich war depressiv weil ich nicht wusste, was mit mir los ist. Das wirkte sich auch negativ auf meine Arbeit aus.
      Ja das geht mir auch so. Zumal die Ungewissheit und Warterei ein zusätzlicher Stressfaktor ist.

      Aber klar. Das kann keiner wissen. So ist dieses blöde Missverständnis entstanden.

      Palinurus schrieb:

      eine depressive Phase - ich weiß jetzt, dass es eine angeborene Entwicklungsstörung ist, an der sich nie etwas ändern wird.
      Davor habe ich definitiv Angst. Aber davor weglaufen, wenn es so sein sollte, würde nix bringen.
    • @LiltihEve
      Ja das stimmt, Eismensch hat das schon sehr gut erklärt, ich verstehe das jetzt das es halt von der grammatikalischen Seite doof ausgedrückt war.
      Ich tuhe mich mit dem Schreiben eh schon schwer (sieht man ja glaube ich auch immer wieder an den Rechtschreibfehlern, und da meine ich net die Nomen die oft klein daher kommen, das liegt an meiner Schifttaste).

      Ich wollte es eher so ausdrücken, das wenn du die Möglichkeit hast, auch einen Privat-abrechnenden Arzt zu nehmen (vorrausgesetzt das das finanziell und auch von der Umgebung her überhaupt machbar ist), solltest du das überlegen, weil eben die Wartezeiten oft viel kürzer sind.
      Das war es was ich ausdrücken wollte.
      Kompliziert formuliert, dachte mit meiner anderen Aussage würde ich das gleich sagen, nur einfacher ausgedrückt aber jetzt weiß ich das es nicht so war.

      Ich bin zum Glück in der Lage was dazu zu lernen. Auch wenn ich vielleicht nicht immer weiß was ich da überhaupt ausdrücke, ich kann lernen wenn manche Formulierungen etwas generell negatives bedeuten, aber das muss man halt lernen. Sowas kann ich nicht auf anhieb oder ist auch nicht schon so in mir drin.
      Ich hoffe das ich mir das mit dem wählerisch sein als negative Aussage merken kann, damit ich die Aussage nur noch mache, wenn jemand das verdient hat :fun:
      Glücklicherweise bin ich aber für gewöhnlich net so gehässig.

      Wegen der Diagnose (zu dem was Morgenstern und Eismensch diskutierten), ich denke wenn man in seinem leben mit den Schwierigkeiten zurecht kommt, braucht man keine Diagnose.
      Ich kann verstehen, wenn Leute wissen wollen (auch wenn sie den Verdacht oder vielleicht sogar die Überzeugung haben), ob sie nun autistisch sind oder nicht, oder was ganz anderes.
      Meine Mutter hat definitiv ein paar wenige autistische Züge, mein vater wohl auch und meine Oma auch ziemlich starke, aber alle kamen oder kommen in ihrem Leben klar, es sind wie gesagt nur Züge, die sie vielleicht etwas eigen machen aber das ist eben nicht einwirkend auf den beruf oder ihr Verhalten mit anderen menschen, es wird quasi tolerariert oder nicht wargenommen.
      Wenn jemand sich jetzt sehr Gedanken darum macht, auch wenn dieser Zustand so gering ist, das er das Leben nicht beeinträchtigt oder kaum, dann halte ich es für Luxus.
      Wenn man aber so massive Probleme hat, das man existenzbedroht ist, keinen Job hat oder andere Dinge die damit zusammen hängen den Job gefährden (Probleme = Stress = Depression = Krank = Jobverlust) und wenn man mit anderen Menschen so große Probleme hat, das man nicht mal Bekannte oder ein paar Freunde haben kann, weil man mit denen "nicht umgehen kann" und das meine ich jetzt nicht im Sinne von "nicht gelernt haben wie man jemanden anständig behandelt", dann ist die Diagnose wohl doch eher hilfreich, weil einem dann Hilfe zusteht, sei es in Form von Therapien oder anderer Unterstützung.

      Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken beschäftigt wohl nie eine Ausbildung zu finden oder einen normalen Job zu machen, wenn ich in Zukunft wieder probleme haben werde wie früher. Früher dachte ich, es lag auch viel an dem Transgender sein, man sah ja das ich eine Frau war die ein mann sein wollte, das und auch die Hygiene war ein problem, das schreckt andere sehr stark ab.
      Da ich heute weder Hygieneproblem habe noch wie eine vermännlichte Frau aussehe sondern wie ein mann, nur halt etwas exzentrischer, weil ich meinen eigenen Stil etwas offener zeige, wirke ich vielleicht auffällig aber nicht abstoßend, hässlich oder sonst was.
      Man kennt ja das stereotüpische Bild was andere von Frauen generell haben :?

      Wenn ich wieder nach einem Job suche, werde ich mir die Haare wieder normal kurz schneiden, dann sehe ich nicht mehr freakig aus.
      Wenn mich Leute dann immernoch seltsam finden, ist das ausschließlich auf meine autistischen Verhaltensweisen zurückzuführen, weil es sonst nichts ungewöhnliches mehr an mir gibt.
      Und falls das tatsächlich passiert, ist es gut wenn man die Diagnose hat, weil dann kann man Hilfe bekommen.

      Zum Glück habe ich es nicht so dringend mit der Diagnose.
      Mein Wunsch das schnell hinter mich zu bringen ist auch groß, lieber heute als in 10 Monaten aber ich stehe zum Glück nicht unter Druck.
      Leider hab ich keine Lösung für das problem von dir Lilthi, außer das falls du das geld hast und auch die Möglichkeit, dann einen Privaten nimmst, aber das eine wo du hingeschrieben hast nimmt ja keine mehr oder die machen das generell nicht mehr.
      Ich weiß nicht wie das in Österreich oder deiner gegend generell ist, oder ob das für dich überhaupt in Frage kommt, aber eigentlich muss ja jeder Psychologe oder Psychiater in der Lage sein Autismus zu diagnostizieren.
      Wenn bei mir der Druck so groß ist, würde ich versuchen mal alle in meiner gegend anzurufen (hier sind das schon sehr viele die halt generell Psychologen/Psychiater sind nur eben nicht spezialisiert auf nur Autismus), wäre das nicht auch eine Option? Vorrausgesetzt du hast generelle "Allroundpsychologen" in deiner Nähe.
      Wenn nicht, dann würd ich gern wissen warum (das können auch andere hier beantworten), denn ich spiele selber schon mit dem gedanken.
      Mein Hausarzt hatte mir schon mehrmals erklärt das eigentlich jeder Psychologe oder Psychiater Autismus diagnosen ausstellen kann, was mich verwirrte, weil meine Psychologin ja sagte sie wolle das nicht machen, weil sie sich mit ADHS und Transgender mehr auskennt und über Autismus wenig weiß.

      Gibt es da mit den "Allroundpsychologen" zu viele schlechte Erfahrungen?
    • RegenbogenWusli schrieb:

      Mein Hausarzt hatte mir schon mehrmals erklärt das eigentlich jeder Psychologe oder Psychiater Autismus diagnosen ausstellen kann
      Nein, das stimmt nicht. Es ist so, dass jeder entsprechende Facharzt theoretisch eine Autismusdiagnose ausstellen dürfte, rein rechtlich betrachtet. Das Problem ist aber, dass sich nur wenige dieser Fachärzte auch ausreichend genug mit Autismus auskennen, um eine Diagnose stellen zu können. Es wäre also wünschenswert, wenn Menschen, die heute Entsprechendes studieren (also im Prinzip alles, was mit Psychologie zu tun hat), dort auch standardmäßig lernen sollten, Autismus zu erkennen und sicher diagnostizieren zu können.

      Das wird aber bestenfalls mal irgendwann in der Zukunft so sein, ist aber momentan noch ganz und gar nicht der Status quo, deshalb werden Menschen auch noch auf längere Zeit auf eine Autismusdiagnostik lange warten müssen, da die Nachfrage die Kapazitäten momentan um ein Vielfaches übertrifft.
      "I don't hate people. I just feel better when they aren't around."
      (Charles Bukowski)
    • RegenbogenWusli schrieb:

      Leider hab ich keine Lösung für das problem von dir Lilthi, außer das falls du das geld hast und auch die Möglichkeit, dann einen Privaten nimmst, aber das eine wo du hingeschrieben hast nimmt ja keine mehr oder die machen das generell nicht mehr.
      Das macht nix. Ich finde schon eine Stelle. Zum Glück kann kann ich private in Erwägung ziehen. Ich denke nicht, dass jeder Psychiater das kann. Es ist etwas selteneres. Dazu kommt, dass die Diagnose von Erwachsenen wohl schwerer ist und deshalb Erfahrung notwendig ist. Aber ich gebe nicht auf.

      Was deine Ausdrucksweise angeht. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Es sind mehrere Dinge zusammen gekommen. Ein Ausdruck, der nicht eindeutig war. Und eine angespannte Stimmung bei mir. Sowas kommt in Realität wohl viel häufiger vor. Zumindest mir passiert das laufend... Ich meine etwas anders, als die anderen es verstehen. Leider kann man das mit den meisten nicht ausreden. Die sind dann beleidigt. Dabei brauche ich Rückmeldungen, wenn ich etwas ändern soll. Wenn man es klären kann ist es viel weniger schlimm.

      Wenn ich keine Probleme hätte, würde ich wohl keine Hilfe suchen. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass das wer tut. Andere können nicht entscheiden, was ein Behandlung oder eine Diagnose rechtfertigt. Andererseits bieten manche Psychologen "Selberfahrung" an. Was ist das dann?Therapie ohne wirkliche Probleme?
    • Das verstehe ich sehr gut, mir geht es da wie dir, denn aus dem grund sind mir Gespräche im echten Leben auch sehr unangenehm.
      Dieses Ungewisse, wieder in diese "Tretmienen" zu stapfen die anderen liebenswürdig als fettnäpfchen bezeichnen, das ist mir zu viel manchmal.
      Ich habe das auch sehr oft, selbst bei Leuten die mich gut kennen. Meine Mutter ist da glücklicherweise noch ein verständnissvoller Mensch.
      Mit meiner Tante hatte ich mich schon oft "in den haaren" wegen sowas, und normalerweise finde ich das sie einen guten Charakter hat, sie ist ein sehr hilfsbereiter mensch und sehr selbstbewusst, aber sie denkt auch oft, das ich zu sehr übertreibe mit meinen Problemen.

      Es liegt aber daran weil sie von natur aus alles in frage stellt, was auch nicht so falsch ist.

      @Palinurus
      Danke für das Aufklären, das sagt schonmal viel aus. Mein hausarzt ist da wohl nicht so wirklich verständnissvoll, er beruft sich auf das Recht des patienten, der quasi drauf bestehen könnte das einer ihn wegen was auch immer behandelt, aber er hat wohl wenig Verständniss für den Arzt der sich sicher auch schwer tut zu diagnostizieren, wenn er sich nicht sicher ist.
      Das bringt dann ja auch niemandem was.
      Wenn man es so betrachtet, ist Autismus eigentlich eine Marktlücke, denn die Psychologen haben ja eigentlich gute Chancen da gut geld zu verdienen wenn der Ansturm an Patienten so groß ist.