Bücher mit Autisten als Protagonist

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    • Linnea wrote:

      Auch einige gute Kinderbücher lese ich weiterhin. Danke
      Von Kinderbüchern auf jeden Fall das 1980 erschienene Katze mit Hut von Simon und Desi Ruge.
      Es geht im Groben darum, dass die Katze mit Hut eine Pension mit allerhand skurilen Tieren und Wesen führt,, Sonderlinge, die durch ihre verschrobene Art überall anecken und nicht akzeptiert werden.
      und darunter der Hundertfuß , der recht autistisch wirkt:: Er fristet sein Dasein in bewusst gewählter Abgeschiedenheit bei völliger Dunkelheit auf dem Dachboden und sammelt fleißig und systematisch Glühbirnen - aber nur ausgebrannte.
      "Autismusdiagnose - Potius sero quam numquam.
      ( Lieber spät als nie.) "
      :irony:
    • Rhianonn wrote:

      Von Kinderbüchern auf jeden Fall das 1980 erschienene Katze mit Hut von Simon und Desi Ruge.
      Das kenne ich nur als Puppenspielversion von der Augsburger Puppenkiste.
      Und sofort fällt mir wieder das Lied ein:
      "Ja in Stackeln an der Kruke stand ein Häuschen mal leer -
      heute wohnt drin die Katze und ein haufen Leute mehr.
      Dudeldudel Zappergeck - wir ziehn nie wieder weg..."
      "Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung." - Albert Einstein
    • In diesem Thread geht es, soweit ich verstehe, eher um fiktive Charaktere. Ich bringe dennoch das Buch Längengrad von Dava Sobel ins Spiel: Ein flüssig wie ein Roman geschriebenes Sachbuch über das Wirken des Uhrmachers John Harrison, der durch den Bau beispiellos genauer Uhren erstmals zuverlässige Navigation ermöglichte:
      "Die wahre Geschichte eines einsamen Genies, welches das größte wissenschaftliche Problem seiner Zeit löste".

      Mir ist bewusst, dass posthume "Diagnosen", erst recht durch Laien, mehr als problematisch sind. Dennoch beschleicht mich, wann immer ich über Harrison lese, unentwegt die Vermutung, dass er am Asperger-Syndrom gelitten haben könnte:

      Seine alleinstehende Genialität, sein naturwissenschaftliches Selbststudium als Jugendlicher, seine monomanische Besessenheit für bestimmte Themen, seine penible Detailversessenheit, seine Auffälligkeiten im Vokabular und verschachtelten sprachlichen Ausdruck, seine Probleme, sich anderen verständlich zu machen (und sein quälendes Gefühl, unverstanden zu bleiben), seine ganze weitgehend isolierte Vita, seine Kompromisslosigkeit z.B. ggü. dem Longitude Board, sein augenscheinliches Unvermögen sich in andere einzufühlen, all das erscheint mir wie ein Aspie aus dem Bilderbuch.

      Aus Begeisterung über Harrison und seine Uhren (mittlerweile fast schon ein Spezialinteresse von mir) habe ich auch in seinen Aufzeichnungen im Original gelesen. Harrison Sprache ist genauso peinlich exakt, detailliert und aufwändig wie seine Uhren: John Harrison schreibt im Englischen eher wie ein Deutscher, Substantive groß, auch die Satzstruktur und Interpunktion ist eher deutsch. Harrison litt unter einer Sprechstörung, die ihm glauben machte, er hätte sich nicht ausreichend klar ausgedrückt, was zu extrem komplexen Schachtelsätzen mit umfangreichen Ausschweifungen fuehrt, so dass ein Satz manchmal ueber drei Seiten geht.

      Nur ein kleines Beispiel: Sein erstes Zusammentreffen mit der Uhrmacher-Koryphäe George Graham wird bei Dava Sobel wie folgt zitiert:
      "Mr. Graham verhielt sich, wie ich fand, zunächst sehr unfreundlich zu mir, welches mich wohl gerne veranlasst hätte, ebenfalls grob zu werden; doch wie auch immer, schließlich brach das Eis ... und am Ende zeigte er sich in der Tat überaus erstaunt über die Gedanken oder Methoden, die ich ersonnen."

      In seiner Originalschrift "Concerning such Mechanism" sieht der Satz jedoch so aus, wobei ich die Übereinstimmungen mit dem verkürzten Zitat hervogehoben habe:
      "For that Purpose of Longitude; but as previous thereto, viz. As in his finding my Dealings with the Pendulum for a true Mensuration of Time, to be very much contrary to Mr. Graham’s thoughts of, or Proceedings in the Matter, advised me therefore to go to Mr. Graham, but that Advice went hard with me, for I thought it as a Step very improper to be taken; but he told me, that in the Way which I was in, viz. as by Machinery [for the Longitude] more than Astronomy, that I should certainly be sent to Mr. Graham, and therefore advised me to go without any farther to do; certifying me also, that Mr. Graham was a very honest Man, and would do me no harm, viz. as by pirating any Thing from me, but that on the contrary, would certainly do me Good if it was in his Power; but withal, cautioned me how to begin with Mr. Graham, viz. So as in as few words as possible to let him to understand, that I had indeed something worthy of Notice to communicate to him; but notwithstanding that Piece of Advice, and my doing my best as pursuant thereto, Mr. Graham began, as I thought it, very roughly with me, and the which had like to have occasioned me to become rough too; but however we got the Ice broke, the which would not bear, and the Passage over was as I have shewn, and indeed he became as at last vastly surprised at the Thoughts or Methods I had taken, or had found Occasion to take, and as thence found Reason enough to believe that my Clock might go to a second in a Month, and that as in Consequence to be, as in the first Place, of great Service in the adjusting a Time-Keeper for the Longitude; and indeed, as according to Dr. Halley, Mr Graham proved a very great Friend to me."
    • Anachronist wrote:

      "Homo faber" von Max Frisch. Viel Asperger-typischer als Walter Faber geht meines Erachtens kaum, obwohl es freilich nirgens genannt wird: Ein naturwissenschaftlich-mathematisch hochbegabter, ganz auf seine technische Weltsicht fixierter Mensch, dem aber jede Empathie unmöglich und Emotionalität fern ist.
      Die von Anachronist angeführten Zitate scheinen passend, aber ich halte Fabers Art, in seinen Beziehungen zu Frauen zu agieren, sprachlich wie nichtsprachlich, für wenig autistisch. Frisch schildert halt in den 1950er Jahren einen Mann, wie er ein bisschem dem Klischee-Mann jener Zeit entsprach und so wie Männer in US-Komödien jener Zeit auch immer sind: emotional unterkühlt bis doof. Ich glaube nicht, dass da lauter Aspies über die Leinwand geisterten.

      Übrigens: Fabers "Meltdown" zu Beginn ist ein Zusammenbruch, der seinen verdrängten Magenproblemen geschuldet ist - und am Ende stirbt er ja auch (höchstwahrscheinlich) am Magenkrebs.

      Mich wundert, dass hier keiner die Helden aus Murakami-Romanen anführt. Die haben für mich in ihrem Einzelkämpfer-Verhalten, in ihrem Stummsein, in ihrem Sich-in-die Dinge-Verbeißen zumindest autistische Züge. "Kafka am Strand", "Mister Aufziehvogel", Hardboiled Wonderland" - lauter wunderschöne dicke Murakami-Schmöker.
      Es gibt so viele Menschen, die darauf brennen zu sprechen. All dieses Gerede ist der Welt kaum von Nutzen. (Mahatma Gandhi, Mein Leben)
    • Kissing Lessons, Klick, noch nicht erschienen, aber bald.

      Klappentext:
      Das Sensations-Debüt aus den USA. Ausgezeichnet mit dem Goodreads Choice Award als bester Liebesroman des Jahres.
      Küssen sollte einfach sein. Jeder tut es. Es ist nicht viel dabei. Aber Stella kommt sich jedes Mal vor wie ein Hai, dem gerade ein paar Pilotfischchen die Zähne reinigen. Und das ist nicht schön, weder für sie noch für den Mann. Sie hat die Sache mit der Liebe schon beinahe aufgegeben – als Asperger-Autistin mag sie ohnehin nichts, was ihre Routine stört –, doch dann bringt ein dahingesagter Satz sie ins Grübeln: Übung macht den Meister. Stimmt das? Braucht sie einfach mehr Erfahrung? Und wenn ja, wer bringt einem das Küssen bei – und mehr? Vermutlich ein Profi, ein Escort. Wie Michael Phan. Auch wenn der eine ganz eigene Vorstellung von ihrem Unterricht hat …
      Mitreißend, bezaubernd, emotional – Der Auftakt zur «Kiss, Love & Heart»-Trilogie
    • Klingt tatsächlich interessant.

      Amazon wrote:

      Buch 1 von 2 in der KISS, LOVE & HEART-Trilogie Serie
      Buch 1 von 2 der Trilogie?
      Naja, es gibt eben drei Arten von Menschen: die, die bis drei zählen können, und die, die es nicht können. :d
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)

      The post was edited 1 time, last by Tuvok ().

    • Diamant wrote:

      Und wenn ja, wer bringt einem das Küssen bei – und mehr? Vermutlich ein Profi, ein Escort. Wie Michael Phan.
      Wenn die Autorin Hoang ein paar Minuten recherchiert hätte dann wüsste sie daß Escort-Leute/Prostituierte niemals ihre Kunden oder Kundinnen küssen.Allein deshalb fällt das Buch bei mir durch.Der Rest klingt auch nicht gerade seriös.
      Auf diese Art von "Witzigkeit" kann ich verzichten.
    • kitescreech wrote:

      Wenn die Autorin Hoang ein paar Minuten recherchiert hätte dann wüsste sie daß Escort-Leute/Prostituierte niemals ihre Kunden oder Kundinnen küssen.
      Das ist ein Mythos, der einfach nicht stimmt.
      Man kann in wenigen Minuten zahlreiche Escorts/Prostituierte beiderlei Geschlechts recherchieren, die auch Küssen im Angebot haben.

      kitescreech wrote:

      Allein deshalb fällt das Buch bei mir durch
      Bei mir fallen eher die Escort-Leute und Prostituierten durch
      Display Spoiler
      die Küssen nicht im Angebot haben :oops: :d
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • fleischwurstgesicht wrote:

      Hat jemand von euch das Buch Ich koche für dich von Matthias Brien gelesen und könnt ihr es empfehlen?
      Magst du es vielleicht mal lesen und (gegebenenfalls) (mir) dann empfehlen? Wüsste auch gerne wie das Buch ist.

      Edit: Die Neugier hat gesiegt. Und weil amazon.de gerade ein paar billige, gebrauchte Exemplare im Angebot hat habe ich das Buch gerade bestellt - und kann dann vermutlich bald selbst berichten.
      Surprised by the joy of life.

      The post was edited 1 time, last by Surprised ().

    • @Surprised Das ist ja gut, dass du so neugierig geworden bist. Ich würde mich freuen, wenn du nach dem Lesen berichtest, wie es dir gefallen hat.

      Ich habe zwischenzeitlich ein paar Seiten hier bei Google Books gelesen. Darin wird ein Dialog zwischen dem Autor und seiner Freundin widergegeben, der die Schwierigkeiten und Mißverständnisse zwischen einem Aspie und einer "NT-Frau" aufzeigt. Soweit kommt mir das alles bekannt vor, wobei ich mich gefragt habe, ob es nicht allen Männern zumindest ein wenig so geht, wenn sie mit Frauen reden. :oops:
      Auf Dauer finde ich diesen Schreibstil in Form eines Dialogs etwas anstrengend zu lesen und habe das Buch daher erstmal gedanklich unter "vielleicht irgendwann später lesen" einsortiert.
      Aber vielleicht ändert sich das ja nach deiner "Rezension". ;)
      "Spontanität will gut überlegt sein." | "Das Problem sind die Normalen."
    • naja..die Antworten von ihm erscheinen mir auch unklar und etwas widersprüchlich.
      Wie bei meinem Sohn.
      Das kann man auch besser ausdrücken, auf den Punkt bringen. Da tun sich beide nix.
      (also bem ersten Reinlesen)
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Ich habe Ein Schwarm Regenbrachvögel von Maarten ’t Hart gelesen und mich gefragt, ob der Ich-Erzähler Asperger-Autist ist. Dies wird jedoch im Buch nicht ausdrücklich erwähnt.

      Falls jemand von euch das Buch kennt, würde mich interessieren, ob ihr auch diesen Eindruck habt.
      "Ich bin nicht verrückt, mein Kopf ist nur anders als eurer." (Diogenes)
    • Oh...ich kenne nur den Namen des Autors..und ein paar tolle Titel, finde ich. Nun bin ich neugierig und leihe mir mal Bücher von ihm aus.

      ndr.de/kultur/buch/Maarten-t-H…aus,sovielehaehne102.html

      Das klingt auch gut und sehr hochinteressant.
      Ich habe in einige Bücher hinein gelesen und mag seinen Stil.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)

      The post was edited 1 time, last by Linnea ().