Bericht vom Diagnosegespräch plus Frage

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    • Question Mark wrote:

      Ich finde es nicht gut wenn hier Leute von den "Wächtern des wahren Autismus" als Möchtegern Autisten bezeichnet werden nur weil sie noch nicht das offizielle AS- Label an die Stirn getackert bekommen haben. Wie relativ das Ganze ist habe ich ja selber gemerkt.
      Vielen lieben Dank für diese herrliche Formulierung. :)
      Ansonsten unterschreibe ich das so.

      (.......trotzdem bin ich froh, dass mir das jetzt "an die Stirn getackert" wurde :m(: :d :m(: , so ambivalent kann der Mensch fühlen :d )
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Ich habe neulich erst darüber gelesen, das ADS bei Erwachsenen sich oft anders zeigt als bei Kindern, weil Kinder lernen damit umzugehen, bzw auf ihre Umwelt reagieren, die ja nunmal auf sie und ihr Verhalten reagiert und sich das quasi "verwächst", was nicht heißt das es dann weg ist, es zeigt sich oft nur anders.

      Das war doch in diesen Folien die man hier in einem anderen thread gelinkt hat, wo ein Professor über ASS und ADHS im Vergleich gesprochen und analysiert hat.
      Dort wurde in dem text allgemein auch über ADHS im bezug auf Kinder und Erwachsene gesprochen.
    • Diamant wrote:

      Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei der Diagnostik immer gezielter auf Provokation und den Überraschungseffekt gesetzt wird als auf die bekannte Hergehensweise.
      Das war bei mir (Uniklinik Köln) nicht so und ich fände das auch äußerst merkwürdig. Wie soll man sich denn sinnvoll unterhalten können, wenn ein Großteil dessen, was der Diagnostiker sagt, gezielt falsch bis unsinnig ist?
    • Febry2 wrote:

      Bei Autismus bin ich übrigens sehr gespalten. Die einen betonen zu sehr die Behinderung, die anderen betonen zu sehr, wie besonders es ist. Ich bin irgendwo dazwischen, vielleicht sogar mit Hang zu Ersterem.
      Ich betrachte mich zwar nicht als etwas Besonderes, aber ich kann meinem Autismus grundsätzlich schon etwas Positives abgewinnen. Wenn ich für mich bin, geht es mir eigentlich immer gut, weil ich immer an irgendetwas interessiert bin und in den entsprechenden Tätigkeiten "voll aufgehen" kann. Ich bin auch froh darüber, dass ich kaum soziale Bedürfnisse habe, da ich finde, dass die anderen Leute sich in der Hinsicht sehr viel Stress machen, den ich eben nicht habe. Usw. An sich bin ich mit meiner "autistischen Konstitution" also eher zufrieden. Auf der anderen Seite habe ich aber, wenn ich eben nicht für mich bin, durchaus eine ganze Reihe von Problemen, die mich teilweise schon sehr behindert haben. Und ich denke durchaus, dass ich es deshalb wohl insgesamt weniger leicht habe als der Durchschnitt. Trotzdem wollte ich nicht tauschen, da zumindest von meiner Perspektive aus das "normale (Er)leben" nicht besonders attraktiv erscheint (wobei man das so natürlich nicht wirklich sagen kann, denn wenn ich nicht autistisch wäre, dann würde ich das ja grundsätzlich anders betrachten).
    • Ich erinnere mich noch, dass Frau Falter-Wagner mir bei der Begrüßung ihre Hand entgegenstreckte, ich ihr meine Hand gab und sie mich fragte, ob diese Berührung für mich unangenehm wäre, worauf ich mit "Nein" antwortete. Später im Gespräch fragte sie mich auch, ob ich lügen könne, worauf ich mit "Ja" antwortete.

      @Wirrwolf Hattest du das Erstgespräch auch bei Frau Falter-Wagner gehabt?
    • Grübler_1988 wrote:

      Hattest du das Erstgespräch auch bei Frau Falter-Wagner gehabt?
      Nein, die war zu dem Zeitpunkt wohl gar nicht mehr da. Mein Beitrag war da vielleicht etwas missverständlich: ich meinte ganz allgemein, dass ich es für eine seltsame Strategie hielte, wenn Diagnostiker durch falsche oder unsinnige Äußerungen Verwirrung stiften wollten, und bei meinen Terminen hat so etwas auch nicht stattgefunden. Speziell um Frau Falter-Wagner ging es mir aber nicht, die kenne ich, wie gesagt, auch nicht.
    • Meine Hypothese ist ja, dass die Diagnostiker dadurch die Reaktionen der Patienten testen wollen. Aber anhand der bisherigen Erfahrungsberichte habe ich den Eindruck bekommen, dass diese Methode schon oft aus dem Ruder gelaufen ist (RW). Was ich vertretbar und auch sinnvoll finde, sind die Tests, wie Patienten z.B. auf Subtexte oder nonverbale Signale reagieren. Aber unsinnige Schlussfolgerungen wie z.B. "Sie können kein Autist sein, denn Autisten plappern immer weiter und Sie haben es nicht getan" finde ich fehl am Platz und verunsichert die Patienten nur unnötig.
    • Wirrwolf wrote:

      Febry2 wrote:

      Bei Autismus bin ich übrigens sehr gespalten. Die einen betonen zu sehr die Behinderung, die anderen betonen zu sehr, wie besonders es ist. Ich bin irgendwo dazwischen, vielleicht sogar mit Hang zu Ersterem.
      Ich betrachte mich zwar nicht als etwas Besonderes, aber ich kann meinem Autismus grundsätzlich schon etwas Positives abgewinnen. Wenn ich für mich bin, geht es mir eigentlich immer gut, weil ich immer an irgendetwas interessiert bin und in den entsprechenden Tätigkeiten "voll aufgehen" kann. Ich bin auch froh darüber, dass ich kaum soziale Bedürfnisse habe, da ich finde, dass die anderen Leute sich in der Hinsicht sehr viel Stress machen, den ich eben nicht habe. Usw. An sich bin ich mit meiner "autistischen Konstitution" also eher zufrieden. Auf der anderen Seite habe ich aber, wenn ich eben nicht für mich bin, durchaus eine ganze Reihe von Problemen, die mich teilweise schon sehr behindert haben. Und ich denke durchaus, dass ich es deshalb wohl insgesamt weniger leicht habe als der Durchschnitt. Trotzdem wollte ich nicht tauschen, da zumindest von meiner Perspektive aus das "normale (Er)leben" nicht besonders attraktiv erscheint (wobei man das so natürlich nicht wirklich sagen kann, denn wenn ich nicht autistisch wäre, dann würde ich das ja grundsätzlich anders betrachten).
      Das ist bei mir auch so.
      Wer weiß wie man es sehen würde, wenn man diese Probleme die du nennst, nicht hätte, dann hätte man woanders probleme.
      Probleme mit allein sein (was manche ASler auch haben), ich zum glück nicht so, kommt drauf an, ich brauche kaum andere Menschen in meinem nahen Umfeld.
      Wenn es eine Möglichkeit gibt zu Leben, ohne Beruf, Geld verdienen, dem Druck der dazu gehört, Behörden und so, wäre mein Leben perfekt.
      Leider ist unsere Gesellschaft so, das man sich das Überleben erarbeiten muss, mit Geld.
      Dazu muss man mit anderen Menschen irgendwie umgehen können, vorallem die, die man nicht kennt, weil von denen will man ja das Geld.
      Wäre ich da geschickter, oder könnte zumindest auf einer normalen Basis mit anderen umgehen, egal wie gut ich die kenne, dann hätte ich dieses leidige Problem nicht, das mich depressiv macht, und sogar Existenzangstbedroht.


      Wirrwolf wrote:

      Diamant wrote:

      Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei der Diagnostik immer gezielter auf Provokation und den Überraschungseffekt gesetzt wird als auf die bekannte Hergehensweise.
      Das war bei mir (Uniklinik Köln) nicht so und ich fände das auch äußerst merkwürdig. Wie soll man sich denn sinnvoll unterhalten können, wenn ein Großteil dessen, was der Diagnostiker sagt, gezielt falsch bis unsinnig ist?
      Das erscheint mit so, als wollten die Ärzte einen Meltdown oder zumindest einen Overload herbeiführen, oder sehen ob da sowas passiert.
      Halte ich für 1. kontraproduktiv, da dann ein Weiterreden schwer bis unmöglich ist und 2. unprofessionell, denn nicht jeder Autist gerät in panik wenn jemand ihm beim Sprechen ins Wort fällt, oder der Stift nicht da ist etc. Vorallem, nicht jeder, der dann Stress empfindet, zeigt das in der Overload-tüpischen Reaktion.
      Ich für meinen Teil würde beim ins-wort-fallen eher erstmal nicht reagieren, obwohl es mich nervt und ich das immer merke.
      Macht jemand in einem gespräch sowas ständig, würd ich dem das sagen "Warum reden Sie eigentlich immer dazwischen, ich kann mich nicht konzentrieren das zu sagen, was ich grad im Kopf hab", aber ich würd jetzt nicht ausrasten deswegen.
      Wenn ein Stift fehlt, den ich brauche um was auszufüllen, und es steht auf dem Blatt "Nehmen sie den dafür bereitgelegten Stift", würde ich fragen "Wie soll ich das ausfüllen? Hier sollte eigentlich ein Stift sein, aber ich kann den nicht finden..." oder ich würde erstmal auf dem Boden danach suchen, vielleicht ist er ja heruntergefallen.
      Das ist für mich auch kein Grund einen Overload zu bekommen.
      Dafür muss man mit mir schon andere Sachen machen, wie mich zwingen in einen zu vollen Bus zu steigen, wo es keine freien Sitzplätze mehr gibt, oder in ein Wartezimmer, wo es keine freien Stühle mehr gibt. Ich entscheide mich meist dagegen in solche Räume überhaupt zu gehen, warte dann auf den nächsten Bus oder warte draußen.
      Ein Grund für meine "Gelassenheit" könnte aber auch der sein, da ich fast immer zuhause bin, und hier die Möglichkeit habe, mich lange und ausgiebig zu erholen.
      Früher als ich jeden tag zur Schule musste, oder zur Arbeit (wenn die weiter weg war wie in Duisburg), war ich unterwegs ein Nervenbündel, jeder Zeit bereit andere anzugreifen wie ein tollwütiges Tier, aber nur dann wenn jemand mich angerämpelt hätte und dann noch geschimpft hätte.
      Das hätte bei mir schon einiges an Spannung frei gesetzt.
      Seitdem ich immer zuhause bin, und nur an 2 Tagen in der Woche unterwegs bin (mit meiner Mutter), bin ich wesentlich gelassender.
    • Chris36 wrote:

      Eine Frage: Den schriftl. Bericht habe ich immer noch nicht. Diagnose war im Juli und erneut angebragt habe ich Mitte Januar. Was würdet ihr machen?
      Das heißt, du wartest seit einem halben Jahr auf den Bericht/Arztbrief? Da würde ich nun permanent nachfragen, bis der kommt. Also täglich anrufen, mailen usw., falls es nötig sein sollte. Das ist nämlich weit über der noch tolerierbaren Wartezeit. Bei mir kam der Brief ein paar Tage nach dem Abschlussgespräch.
    • Bin das sinnlose kämpfen echt schon gewohnt.

      Würdest Du noch einen Zweizeiler verlangen der ein Einzelzimmer "rechtfertigt", "befürwortet " (mit fällt kein besseres Wort ein.

      Momentan habe ich eins, aber für später mal...Oder denkt ihr die Diagnose reicht?
    • Leute verstehen nicht gleich, wieso jemand ein Einzelzimmer braucht, weil er Asperger hat bzw. Autist ist. Das muss man schon erklären. Zum einen da im Spektrum jeder anders ist und zum anderen da das Ganze so vielschichtig ist, dass nur wenige alle Aspekte von Autismus und sämtliche die sich daraus ergebenden Probleme im Alltag völlig von sich aus begreifen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Question Mark wrote:

      Ich hatte den Thread begonnen weil oben genannte Fr. Dr. meiner Meinung nach eine vorschnelle Entscheidung getroffen hat. Nach der vollständigen Diagnostik am MPI München wurde mir nun im Abschlussgespräch mitgeteilt es handelt sich bei mir um Autismus, es soll noch eine weitere Untersuchung folgen. Wenn hoch qualifizierte Ärzte (Dr. Falter-Wagner/Dr. Schilbach) beim selben Fall, also bei mir, so unterschiedlicher Meinung sein können obwohl die Entscheidungskriterien eigentlich identisch sein sollten dann sollte man ein Diagnose- Ergebnis nicht überbewerten. Bin ich nun davon überzeugt AS zu haben ? Jein, mit der Tendenz zu ja. Das habe ich schon vorher gewusst und mir war nur wichtig heraus zu finden ob ich mit der Vermutung nicht komplett falsch liege.

      Allgemein finde ich dass der Focus oft zu stark darauf liegt einen Ärztlichen Befund vorweisen zu können. Ich finde es nicht gut wenn hier Leute von den "Wächtern des wahren Autismus" als Möchtegern Autisten bezeichnet werden nur weil sie noch nicht das offizielle AS- Label an die Stirn getackert bekommen haben. Wie relativ das Ganze ist habe ich ja selber gemerkt.
      Deinen Worten kann ich zustimmen. Ich glaube es spielen echt viele Faktoren - auch welche jenseits von objektiv-fachlichen Standards - eine Rolle, wenn Diagnosen vergeben werden. Daher bin ich mir auch nicht sicher, ob es wirklich darum geht, dass eine Person bewusst durch Provokation o.ä. hinsichtlich seiner Reaktionen getestet werden soll, wenn komische Situationen auftreten oder ob nicht einfach der Arzt schlecht drauf ist, gerade seinen verpeilten Tag hat oder sonst was los ist.
      Surprised by the joy of life.
    • Happy to be wrote:

      "...

      angenommen, alle Daten über dich würden gelöscht, es gäbe niemanden, der über dich Auskunft geben könnte, und kjemand würde dich im Zustand eines meltdowns oder shutdowns in eine Psychiatrie bringen und aus irgend einem Grunde könntest du das Wort Asperger nicht mehr aussprechen.

      Als erstes würde dir ein Mediament zum "runterkommen" gespritzt, dann würde ein Drogenscreening gemacht, wenn du dich wehrst oder rumargumentierst würde das als Aggression, fehende Compliance usw. ausgelegt.
      Deine merkwürdigen Reaktionenen auf bestimmte Reize würden für den einen auf etwas aus dem schizoiden Bereich hinweisen, das Verfallen in Starre auf Depression, andere schließen daraus manisch depressiv, je nachdem, wo da gerade die Aufmerksamkeit draufliegt bei den Beobachtenden. Man würde Selbst oder Fremd - Gefährdung annehmen, also weggeschlossen,

      Das ist das, was jemandem OHNE Diagnose droht, wenn er "draußen" in so einen Zustand fällt.
      Weil absolut niemand auf die Idee käme, und er selbst auch nicht, dass es "nur" Asperger sein könnte.

      Irgendwie weiß man ohne Diagnose und ihne Wissend darum, dass genau das einem droht, wenn man zu sehr auffällt. Also passt man sich an, mit allen Kräften, um nicht aufzufallen...."

      @Happy to be
      danke für den text, der trifft es exakt.
    • Lex wrote:


      Das erinnert mich wieder an das Erlebnis, als ich in der Bahn saß (Langstreckenfahrt) und jemanden ewig total laut und total unmelodisch singen hörte, was mir tierisch auf den Senkel gegangen ist. Es stellte sich dann heraus, dass es ein geistig behinderter Mann mittleren Alters war (also nicht schwerst geistig behindert sondern wohl eher so leicht bis mittel dem Eindruck nach), der Kopfhörer auf hatte und auf den Kopfhörern Musik hörte und dazu laut sang. Als ich ihn bat das zu lassen, haben sich zwei Damen darüber furchtbar mokiert, da die wohl meinten bei einem Behinderten sollte man tolerant sein. Denen kam wohl nicht in den Sinn, dass es auch bei Behinderten sinnvoll ist ihnen Rückmeldungen bezüglich angebrachtem und unangebrachtem Verhalten in der Öffentlichkeit zu geben sondern da wird ihm gleich die "alles erlaubt" Karte zugesteckt. Man stelle sich mal vor, wie sich das auswirken würde, wenn beispielsweise alle Eltern mit Kindern, die leichte bis mittelschwere geistige Behinderungen haben, darauf verzichten würden, sie zu erziehen. Auweia! Also nachdem die beiden mich angemotzt hatten aufgrund meines Anliegens (und mir wenn ich es recht entsinne empfahlen, woanders hinzugehen, dabei saß ich nicht mal genau im selben Abschnitt sondern in dem daneben und so weit weg zu gehen, dass ich es nicht mehr höre und trotzdem einen Sitzplatz finde, wäre schwer gewesen... In "seinem" Abschnitt saßen er und die zwei Damen praktisch alleine, da waren noch viele leere Plätze....), sagte die eine von ihnen zu dem Mann sowas wie: "Singen Sie mal schön weiter, sie singen schön!" - Autsch!Dass es auch sowas wie besonders hohe Geräuschempfindlichkeit geben kann, kam denen wohl nicht in den Sinn...

      Und wie hat der Mann reagiert?
    • Er hat dann weitergesungen, da die Frauen ja sagten er solle das ruhig tun und er sänge ja so schön. (Obwohl es wirklich nicht nur sehr schief sondern auch sehr laut war und das laute singen in Zügen gar nicht erlaubt ist...) Aber hätten die beiden sich nicht eingemischt,wäre er meiner Aufforderung nachgekommen und hätte es gelassen. Ich hatte ihn schon fast so weit, soll heißen er war sofort bereit es zu lassen, als ich ihn ansprach. Eigentlich wollte er es nur allen Recht machen... aber wenn zwei sagen: "sing weiter" fällt es halt nicht mehr so sehr ins Gewicht, wenn vorher eine meinte er solle aufhören...
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.