Hirn wie Sieb - ich erinnere so gut wie nichts

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    • Ich habe in weiten Teilen auch kein gutes Gedächtnis und z.B. kaum Erinnerungen an die Kindheit.

      Während andere Menschen z.B. auf Anhieb wissen, daß im Jahre soundso, z.b. vor 4 Jahren, in einer Stadt meiner Umgebung eine große Überflutung war, könnte ich mir so etwas nie merken.

      Andere wissen z.B., wie der letzte Winter oder der Sommer von vor 2 Jahren war - bei mir ist da absolut keine Erinnerung mehr.

      Auch kann ich mir so gut wie gar nicht irgendwelche Filminhalte oder Details aus Serien merken, ebensowenig wie die Zuordnung von Filminhalten zu Filmtiteln, Schauspielern usw.

      Es liegt aber auch nicht an mangelndem Interesse, denn viele Filme, Serien finde ich durchaus reizvoll, unterhaltsam, faszinierend. Trotzdem kann ich mir so gut wie nichts langfristig merken.

      Wie hier schon im Thread vorgekommen:
      Ich weiß auch nie spontan und ohne eigenes Rekonstruieren, wie alt meine Eltern sind, wann ihr Geburtstag ist; ich muß das immer relativ mühsam durchrechnen usw.



      Auf der anderen Seite habe ich absolut keine Probleme, mir Gesichter zu merken und sie wiederzuerkennen. Und bezüglich Fremdsprachen galt ich in meiner Schulzeit als eine Art wandelndes Wörterbuch.


      Woran es liegt, daß manche so detailliert über Filme, Filmtitel, Serien, Musikstücke berichten können (Beispiel: @Hyperakusis) oder ob die bloß vorher alles recherchieren ;) - das würde mich auch mal interessieren...

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    • Bezüglich Serien, Filme:
      Irgendwann mal recherchiert und mein Hirn scheint ein super Ablagesystem für trivia zu haben.
      Es gibt glaube ich keine Doctor Who (new) Folge, wo ich nicht irgendwas zum Hintergrund weiß oder Sachen, die auf irgendwelchen conventions erwähnt wurden... Komisch, das kann ich mir merken :D

      Es beruhigt mich ja schon, dass ich mit dem Erinnerungslückenphänomen nicht alleine bin.
      Danke für eure Antworten
    • Ich habe auch "Doctor Who" gesehen, eine ganze Staffel (die alten, ursprünglichen Folgen mit dem ersten Doktor und in Schwarzweiß). Das ist jetzt nur wenige Monate her.

      Aber ich wäre kaum noch in der Lage, großartig Inhalte dieser Folgen wiederzugeben, geschweige denn sie bestimmten Folgen zuzuordnen.

      Frustrierend finde ich das schon.
    • Koralle wrote:

      Aber ich würde halt gerne wissen, woran das liegt.
      Vielleicht hat dein Gehirn einfach andere Prioritäten, was es für abspeicherungswürdig hält und was nicht. Ich konnte mir beispielsweise schlecht Namen oder Gesichter merken, jetzt geht es mit Trcks und Training besser. Wenn das, was du vergißt, dir emotional nicht wichtig erscheint, dann würde ich es nicht als problematisch ansehen, sondern als gute Effizienz im Sinne von Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden und aussortieren.

      Wenn du in letzter Zeit Konzentrationsschwierigkeiten hast, kann das wiederum psychisch bedingt sein, ist bei mir derzeit so. Ich habe sogar einen wichtigen Termin vergessen, obwohl er fett im Kalender stand.

      @Leseratte, vielleicht auch Verdrängung, gerade bei den negativen Erlebnissen? Ansonsten vergißt man so mit 11-12 gaaanz viel aus der Kindheit, das ist ein ganz normaler Vorgang beim Gehirnumbau.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • @Leseratte

      >>Ich habe noch nie verstanden, wie Menschen ein Alibi für Mittwoch vor 3 Monaten haben können. Ich bin echt froh, wenn ich weiß, was ich vor 3 Tagen gemacht habe.<<

      Kenn ich.
      Ich hoffe ich komme nie in so eine Situation, wo ich ein Alibi brauche... 8o
      Schwarzer Humor ist wie Essen. Hat nicht jeder.
    • Ich habe noch nie verstanden, wie Menschen ein Alibi für Mittwoch vor 3 Monaten haben können.
      Sie sehen im Terminkalender nach... da steht dann wo sie mit wem waren und der kann das dann bestätigen...
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Mir geht es ähnlich. Dinge mit denen ich keine Emotionen bzw. Interesse und dadurch Relevanz verbinde, entfallen mir schnell. Ob nun meine Kindheit, PIN Nummern oder Namen. Häufig selbst bei Dingen die mir wichtig sein müssten, weil ich sie unregelmäßig (!) benötige. Rituale mit solchen merkwürdigen (im buchstäblichen Sinne) Sachen zu verbinden, bzw. Eselsbrücken zu schaffen hilft. Auch Assoziationsketten helfen vergrabene Dinge aufzustöbern.

      Meine Vermutung ist, dass ein gewisser Konflikt zwischen eigenem Mikrokosmos und dem Rest des Universums herrscht. Eine fehlende Brücke zwischen dem was mir (teilweise unbewusst) wirklich wichtig ist und Pflichten die man hat, weil man eben muss.

      Ich finde Namen beispielsweise völlig irrelevant, aber sie sind wichtig, damit das Miteinander funktioniert. Aehnlich mit PIN Nummern. Ich weiss doch, dass das mein konto ist und wie viel Geld dort liegt. Usw.
      Lange nicht so putzig wie mein Avatar.
    • Ich kann mich teilweise sehr gut erinnern, auf der anderen Seite kommt mir mein "Hirn" auch manchmal wie ein "Sieb" vor. Vor allem, wenn ich unter Stress stehe, merke ich mir so gut wie gar nichts. Aber auch überhaupt, wenn ich aus irgendeinem anderen Grund nicht in "guter Verfassung" bin. Auf Sachen, die mich nicht interessieren, kann ich mich nur schwer konzentrieren und so "bleibt auch nicht viel hängen". Wenn ich mir jedoch etwas gemerkt habe, dann behalte ich es in der Regel aber auch.
    • 3f3ublatt wrote:

      oder ganz ohne Kosmologie: Was einen nicht interessiert, kann man sich weniger gut merken.
      Gut, das ist ja nun generell der Fall. Ich meinte es insbesondere auf Autismus und Aspergers bezogen (und teilweise auch ADS/ADHS).

      Da man ASSler ja häufig als "in ihrer eigenen Welt lebend" (RW?) bezeichnet. Mikrokosmos entspricht in dem Fall der eigenen Welt. Da dieser Mikrokosmos ja nun nicht nur von Interessen gefüllt ist, fand ich diese Ausdrucksweise angebrachter.

      Das klingt nach Semantik, möchte dich aber nicht korrigieren. Nur sicher gehen, dass ich nicht falsch verstanden werde. :)
      Lange nicht so putzig wie mein Avatar.
    • Bei mir ist es ähnlich wie der TE.
      Allerdings habe ich schon oft festgestellt, dass in Wirklichkeit doch sehr viele Erinnerungen da sind, an die ich mich "heranhangeln" kann. Z.B. sagt mein Mann etwas, dann kommt der erste "Schimmer", und dann kann es sein, dass mir soviele Details einfallen, dass ich ganz erstaunt bin.

      Es gibt auch diese Übung "Tagesrückblick". Da "soll" man vor dem Eindchlafen vom aktuellen Zeitpunkt aus bis zum Tagesbeginn alles rückwärts abspulen. Das klappt tatsächlich ganz gut und dient dazu, nicht alles im Schlaf nochmal "durchzukauen".
      Mir dauert die Übung aber zu lange...

      Das mit dem Gedächtnis kommt bei mir aber eher vom ADHS, denke ich.

      Mir fällt noch ein, die Ereignisse, Situationen, die ich nicht vergesse, da hängen meist stärkere Emotionen dran (oder überhaupt Emotionen). Ich kann die Emotion zwar nicht wieder empfinden, aber ich weiß dann noch, dass sie da war.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")

      The post was edited 1 time, last by Kleine ().

    • Koralle wrote:

      Dazu empfinde ich das ja nicht als schlimm. Nur kurios
      Kurios finde ich das bei dir auch! Aber anscheinend einfach eine Laune der Natur (RW).
      Ich kenne von mir auch Gedächtnisprobleme, das hat mich etwas stutzig gemacht, weil es ja von Autisten oft heißt, sie hätten ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis (das ist ja so das Klischee).
      Bei mir nehme ich die Gedächtnisschwierigkeiten oft als Konzentrationsproblem wahr: Ich weiß, dass die Erinnerungen irgendwo sind, aber es ist, als müsste ich erst stundenlang in einer vollgestopften Rumpelkammer danach suchen (z.B. wenn mich jemand fragt, was ich am Wochenende gemacht habe). Sie fliegen mir nicht zu, wenn ich sie brauche - andererseits fallen mir manchmal weit zurückliegende Erinnerungen oder Fachwörter ein, was aber gar nichts mit der Situation zu tun hat.

      Früher konnte ich mir Fakten extrem gut merken, Zahlen gehen auch gut, weil sie Farben haben. Ich habe den Eindruck, dass mein Gedächtnis schlechter ist als früher und frage mich, warum (Zu viel Input? Medikamente?). Was ich mir fast nie merke, sind persönliche Sachen, die mir andere von sich erzählen. Andere merken sich total viel, was ich erzähle, das bewundere ich. Ich dagegen stelle den Menschen manchmal Fragen, die sie mir schon am Tag davor beantwortet haben, und dann fällt mir das auf und es ist mir peinlich (weil das vermutlich desinteressiert wirkt).
      Ich hab auch ADS (vermutlich stärker ausgeprägt als die ASS, aber im ADS-Forum gefällt's mir nicht so gut wie hier ;) ), und bei ADSlern ist diese "Vergesslichkeit" wohl ziemlich verbreitet.
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!

      Status: Irgendwo zwischen Autistin und Nichtautistin. Ziemlich kontextblind, exzentrisch und reizverarbeitungsgestört.
    • julai wrote:

      Früher konnte ich mir Fakten extrem gut merken, Zahlen gehen auch gut, weil sie Farben haben. Ich habe den Eindruck, dass mein Gedächtnis schlechter ist als früher und frage mich, warum (Zu viel Input? Medikamente?).
      Meine Zahlen haben zwar keine Farben, aber besser merken konnte ich sie mir auch - z.B. Telefonnummern. Da musste nämlich früher jede Ziffer einzeln gewählt oder eingetippt werden - wenn man das ein paar Mal macht, hat man die wichtigsten Telefonnummern im Kopf. Dann kamen die Speicher und man musste sich keine Nummern mehr merken. Und dann wird das Gehirn faul und verkümmert. Wie Muskeln, die nicht bewegt werden. Darum mache ich jeden Morgen und jeden Abend Gehirntraining - hilft zwar nicht viel, aber wer weiß, wie vergesslich ich ohne wäre.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Bei mir ist es eher das Kurzzeitgedächtnis, das Probleme macht. Meine Mutter ist aber auch so. ^^ Auch hab ich Probleme damit, anderen sagen zu können, wann etwas passiert ist. Besondere Ausflüge geht, aber ich könnte nun nicht sagen, wenn irgendwann unter der Woche spontan meine Mutter mit mir wohin fuhr, welcher Tag das war. Oder auch in welchen Jahren ich mit meinem letzten Freund zusammen war. Es ärgert mich oft, dass das so ist.

      Dagegen hab ich Erinnerungen, die viele nicht mehr haben, aus z. B. meiner Kindheit. Meine Familie weiß nicht mehr, dass wir mit meinem Onkel gemeinsam in Hamburg im Zoo mal waren, ich schon. Es gibt allerdings auch Augenblicke, an die ich mich nicht mehr erinnere und ich dann auch zweifel, ob das echt so war. Mein Ex meinte zu mir, wir hätten uns früher richtig laut gestritten, wenn es mal so war, daran kann ich mich so gar nicht mehr erinnern.
    • Bei mir ist es ähnlich, ich habe ein furchtbar schlechtes Langzeit-Gedächnis. Dies wirkt sich auf alle möglichen Bereiche aus.

      Auch aus meiner Kindheit habe ich kaum Erinnerungen (dazu zähle ich nun den Bereich von 0 - 16). Ich habe nur vereinzelt Bilder im Kopf, die ich aber auch Chronologisch nicht zuordnen kann. So erinnere ich mich an bestimmte Dinge, kann aber nicht sagen, ob ich 6 oder 12 war. Das kam mir erst recht normal vor, bis all meine Freunde aus der Zeit immer wieder anfingen, von Dingen zu berichten, die wir gemeinsam gemacht haben. Teilweise kann ich mich 0 daran erinnern, es ist komplett weg. Besonders die Zeit zwischen 12-16, dort haben meine Freunde noch sehr viele und lebhafte Erinnerungen.

      Aber auch ganz normal im Alltag, ich kann mich nur schwer an Dinge erinnern, die mehr als 2 Jahre zurück liegen. Ich muss dann auch immer versuchen, es mir irgendwie zu konstruieren an Daten. Aber oftmals vergesse ich auch kleinigkeiten, die ein paar Wochen her sind. Meine Freundin kennt das schon, und erinnert mich daher immer regelmässig an Termine. Aber es kommt auch oft vor, dass wir über irgendwas gesprochen haben, und 2 Wochen später ist es komplett weg in meinem Kopf. Das macht sie dann schon manchmal ärgerlich, weil es sehr oft vorkommt.

      Ich habe interessanter weise auch kein Problem, Gesichter wieder zu erkennen. Aber Namen vergesse ich sehr schnell, und teilweise kann ich die Person garnicht mehr zuordnen (wenn es wirklich schon viele Jahre her ist).

      Das ist furchtbar lässtig und auch wirklich störend, auch für meine Mitmenschen. Besonders wenn ich Dinge vergesse, die Wichtig sind für mich oder andere.
      So erzählen mir Freunde z.B. wie wir damals einen bestimmten Film im Kino angesehen haben alle zusammen. Und ich wußte nichtmal mehr, dass ich den Film überhaupt kenne.
    • Hallo liebe Leute,

      ich hab das auch, ich lebe quasi vom Zeitgefühl her immer im Hier und Jetzt und kann weder wirklich gut planen, noch mich an Vieles aus der Vergangenheit erinnern. Das ist zt sehr hilfreich, wenn man Traumata erlebt hat, aber manchmal auch nervig, weil man (scheinbar selektiv!) so viel vergisst.

      Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine angeborene ADS-Form ist, also das "verträumte" Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom aber ohne Hyperaktivität. Ich kann mich zwar durchaus konzentrieren, aber dafür hab ich halt das typische schlechte Gedächtnis, höre und fühle ALLES, bin sensibel und zu großer Begeisterung und Kreativität fähig. :)
    • Auch wenn der Thread lange her ist @Koralle

      Ich habe mal etwas über eine Frau gelesen, die kein episodisches Gedächtnis hat, sie kann sich also nicht an Ereignisse erinnern (nicht mal an ihre eigene Hochzeit!), aber ihr sonstiges Erinnerungsvermögen ist normal.

      wired.com/2016/04/susie-mckinn…biographical-memory-sdam/

      Deine Schilderungen klingen auch so, als wäre bei dir nur das episodische Gedächtnis beeinträchtigt.
    • Bei mir ist es zB. so, dass ich mich zum Teil schon erinnern kann, dass gewisse wichtige Ereignisse stattgefunden haben, sogar auch wie in wichtigen Eckpunkten, aber ich kann die Erinnerung quasi nicht wieder lebendig "hervorholen", wie es scheinbar viele Menschen können. Und vieles Unwichtige wird auch komplett vergessen, oder irgendwo im Dunkeln des Gedächtnisses abgelegt. Gleiches gilt aber auch für das Zeitverständnis der Zukunft, alles, was mehr als zwei Wochen weit weg ist, ist für mich "sehr weit in der Zukunft".
      Es ist also kein totales Blackout, aber das episodische Gedächtnis, aber auch Fakten zB., die man gelernt hat, sind verschwunden. In der Uni hab ich zB immer alles mitgeschrieben.

      The post was edited 1 time, last by MoinLeute ().