Beispiele für Fettnäpfchen und (zu) wörtliches Verstehen

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Lex wrote:

      Naja, in der Kirche werden auch Kinder (und sogar Erwachsene) getauft, nachdem sie ihren Namen schon längst bekommen haben...
      Was hat denn die Taufe mit der Namensgebung zu tun? :?

      Garfield wrote:

      Früher gabs ja mal den Begriff "Vollschlank".
      Ja, als Kind hat mich das auch verwirrt. Und zwar so sehr, dass ich meinen Vater im Supermarkt unbedingt berichtigen wollte und recht laut meinte, dass "die Frau da drüben" doch gar nicht schlank ist. :m(:

      Fettnäpchen müssten Neonschilder die wild blinken haben. Ich sehe sie nicht.
      Vor einiger Zeit traf ich Bekannte beim Einkaufen, sie fragten ob ich denn schon einen Kinderwagen bekommen hätte. Und ich legte los und schimpfte, dass es schwierig gewesen sei, da die meisten wohl für Liliputaner gemacht worden wären. Der Bekannte ist vielleicht 1,55m groß und hat Komplexe deswegen... Mir fiel erst Stunden später auf, dass meine Bemerkung wohl nicht wirklich angebracht gewesen ist. :m(:
    • Garfield wrote:

      Ich kenne aber keinen Verheirateten männlichen Zeitgenossen, der nach der Hochzeit analog zu Frau Müllermeierschulze eben als Mann Müllermeierschulze angeredet wurde. Insofern wird die Ernennung zum Mann von der Gesellschaft vollkommen ignoriert, nur die Frau wird gewürdigt.
      Früher, und heute im Grunde auch noch wurde/wird aus einem Fräulein Müller eine Frau Schulze. Die Frau büßt(e) also mit der Heirat ihren Familiennamen ein. Etwas das dem Mann heutzutage immer noch in den meisten Fällen erspart bleibt. Also bitte nicht beschweren, der Herr. ;)
    • Lex wrote:

      Taufe ist doch Namensgebung. Deshalb sagt man doch immer: "Ich taufe dich auf den Namen …"
      Nein. ;) Es hat überhaupt nichts mit der Namensgebung zu tun. Die Taufe dient der Reinwaschung von Sünden und ist quasi das Willkommensritual der Gemeinde. Früher war es sinnvoll Säuglinge taufen zu lassen, wegen der hohen Sterblichkeit und diente hauptsächlich dazu, dass sie in der Gemeinde aufgenommen wurden und eben auch wegen Begräbnis (in geweihter Erde) und so.
      Heutzutage ist es nur noch eine fragliche Mode einen Säugling taufen zu lassen. Eins der vielen Dinge die für mich unverständlich sind. ^^
    • Lex wrote:

      Und warum gibt es dann das Wort Taufname überhaupt?
      Wiki sagt:
      "Der Taufname ist ein Name, den eine Person bei der christlichen Taufe erhält. Bei der heute in den meisten christlichen Gemeinschaften üblichen Kindertaufe ist der Taufname der erste Name überhaupt und entspricht dem Vornamen. Er kann aber zusätzlich zum Vornamen vergeben werden, wobei er nur im Taufschein, nicht aber in der Geburtsurkunde erscheint und somit offiziell nicht von Bedeutung ist.[1] Bei der Erwachsenentaufe im Rahmen der christlichen Missionierung wird häufig ein vom bis dahin getragenen Namen abweichender (christlicher) Name gegeben."
    • Früher gabs ja mal den Begriff "Vollschlank".
      Das verstehe ich bis heute noch nicht. "vollschlank" verbinde ich eher mit "voll" (also sowas wie "total") "schlank". Ich verstehe nicht, wie man jemand besonders dicken dann als vollschlank bezeichnen kann. Man sagt bei "minderbemittelten" ja auch nicht "vollintelligent" sondern auch eher sowas wie "nicht ganz schlau" oder "da stimmt was nicht im Oberstübchen" oder so, also eher eine Verneinung des "positiven". Wieso ist das bei der Körperform dann damit ausgedrückt, dass man das Positive überbetont? Okay, nun fällt mir gerade ein, dass man auch sagen kann "der ist ja besonders schlau" (und dabei meint, dass er nicht schlau ist), aber das ist ja dann Ironie.
      Ist der Begriff "Vollschlank" dann auch ironisch gemeint? Dann würde ich es verstehen. :] Ansonsten würde es für mich keinen Sinn ergeben.
    • Garfield wrote:

      Der Begriff Fräulein war doch bis vor Kurzem noch recht verbreitet.
      Ich kenne aber keinen Verheirateten männlichen Zeitgenossen, der nach der Hochzeit analog zu Frau Müllermeierschulze eben als Mann Müllermeierschulze angeredet wurde. Insofern wird die Ernennung zum Mann von der Gesellschaft vollkommen ignoriert, nur die Frau wird gewürdigt.
      Alternativ könnte man auch fragen, warum es nicht Herr und Dame Müllermeierschulze heißt.
      Das Äquivalent zu Mann war tatsächlich Weib - die Frau "frouwe" war nur die Adelige.
      So sagt der Engel zu Maria auch : "Du bist gebenedeit unter den Weibern" - ohne dass Maria wütend wird.
      ( das hat mich als Kind dann gewundert ).
      Später wurde Weib durch Frau ersetzt - und die Adelige war nun die aus dem Französischen stammende "Dame".
      Fräulein war übrigens auch nur die unverheiratete Adelige.

      In der Schule hatten wir das Theaterstück "Faust" von Goethe ,
      und da sagt doch der Faust zu Gretchen:
      "Schönes Fräulein darf ich wagen,
      Ihr Arm und Geleit anzutragen?"
      Darauf Gretchen:
      "Bin weder Fräulein weder schön,
      kann ungeleit'nach Hause gehen. "

      Unser Lehrer : "WEiß jemand, was diese Stelle bedeutet?"

      Ich melde mich : "Na, das Gretchen keine Jungfrau mehr ist."

      Nein, bedeutet es nicht. 8-)

      Gretchen wollte nur sagen, dass sie nicht adelig ist. :prof:

      Leider hat sich "Herrlein " für unverheiratete Männer nicht durchgesetzt ....
      "Autismusdiagnose - Potius sero quam numquam.
      ( Lieber spät als nie.) "
      :irony:
    • Ja ich fand das Wort "vollschlank" auch schon immer total daneben. Die wollten nur irgendwie das Wort "schlank" einbauen, um damit die Wahrheit zu kaschieren. Und das "voll" ist wohl eine Anspielung auf "füllig, gefüllt"; was eher für nicht so schlank spräche.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ich hätte da auch noch ein Beispiel für eine falsch verstandene Redewendung aus meiner Studienzeit:

      Damals haben wir alle im Wohnheim gewohnt, jeder hatte ein eigenes kleines Zimmer mit eigenem kleinen Bad und gemeinsamem Flur. Eines Tages saß ich mit einigen Kommilitoninnen in der Mensa beim Essen, nachdem wir gerade eine Klausur geschrieben hatten. Da wir alle zu unterschiedlichen Zeiten die Arbeit abgegeben hatten, waren einige meiner Kommilitoninnen in er Zwischenzeit vor dem Essen bereits wieder auf ihren Zimmern gewesen. Ich hatte als Letzte abgegeben und kam dementsprechend auch als Letzte an unseren Tisch, als das Gespräch zwischen den anderen schon im Gange war.

      Zwei Freundinnen, nennen wir sie der Einfachheit halber Anne und Barbara, unterhielten sich darüber, wie sie sich direkt nach der Klausurabgabe auf dem Wohnheimflur getroffen hatten. Aber ich hatte ja den Anfang des Gesprächs und damit den genauen Zusammenhang nicht mitbekommen. Als ich mich setzte, meinte Anne gerade: "Und wann treffen wir uns dann heute Nachmittag?" Barbara darauf: "Du kannst ja einfach an meine Tür klopfen, wenn du los möchtest. Ich wohne ja direkt gegenüber." Und Anne wieder (lacht): "Oder vielleicht hast du es ja, wie gerade eben, wieder im Urin, wenn ich komme."
      Ich dachte zuerst, mich verhört zu haben. "Im was?", fragte ich nach. "Im Urin.", wiederholte Anne etwas lauter.
      Sofort entstand in meinem Kopf das Bild von Barbara, die auf der Toilette saß, während es an die Tür klopfte.
      Und weil ich von dem Essen auf meinem Teller und den Gedanken an die Klausur in meinem Kopf noch abgelenkt war, fragte ich ohne weiter darüber nachzudenken: "Hast du auf dem Klo gesessen, als Anne an die Tür geklopft hat?"
      ...
      Nun ja. Das hat dann bei allen Anwesenden erst mal einen Lachanfall ausgelöst. :lol:

      Als sich der wieder gelegt hatte, stellte sich dann heraus, dass es sich um eine Redewendung handelte. "Etwas im Urin haben" bedeutet demnach, "zufällig genau zur richtigen Zeit genau das Richtige zu tun". In meinem Fall hatte also Barbara einfach nur zufällig genau in dem Moment ihre Zimmertür geöffnet, in dem Anne über den Flur kam. :lol: Nichts mit Toiletten!

      Von dieser Redewendung hatte ich bis zu dem Zeitpunkt noch nie was gehört! :lol: Zumindest habe ich nach der blöden Klausur bei den anderen wieder ein wenig die Stimmung gehoben! ;)
    • Ich habe bis heute ein Problem mit dem Wort "Untiefe". Ich muss es mir noch immer jedes Mal bewusst herleiten über "un" =Verneinung, also "nicht tief". Bei keinem anderen "Un-Wort" :d geht es mir so. Ich habe Untiefe mind. 20 Jahre lang als "besonders tiefe Tiefe" verstanden, vielleicht in Anlehnung an "Ungeheuer", das ich irgendwie als "ganzen" Begriff wahrnehme und einen Drachen dabei vor meinem geistigen Auge sehe. Irgendwiehabe ich als Kind eine Verbindung hergestellt, wenn ich das Wort "Untiefe"lese / höre, sehe ich unwillkürlich ungeheuerlich tiefe Tiefen, in denen sicher schreckliche Ungeheuer hausen... :nerved: Mich überrascht die Hartnäckigkeit dieser Falschverknüpfung.
      Good bye :)