Beispiele für Fettnäpfchen und (zu) wörtliches Verstehen

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    • ZeroLifeSkills schrieb:

      "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt."

      ... Aber wenn er nicht will!? Das hat mir Angst gemacht.
      Wenn er nicht will, dass du früh geweckt wirst, kannst du eben ausschlafen. :d Kein Grund, Angst zu haben!
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Doch, das ist mein voller Ernst. Das ist mir in meiner eigenen Kindheit und Teenagerzeit bereits oft aufgefallen, wie oberflächlich andere meines Alters sind. Und als ich als 18-Jährige mit nem 30-Jährigen Gespräche führte, meinte er so tiefgehende Gespräche wirken als wäre ich selbst schon 30. Auch in den Biografien von Autisten lese ich immer wieder wie intensiv sie Dinge durchdenken und wie oft sie Dinge genau analysieren und hinterfragen, die andere einfach so als gegeben hinnehmen. Daher machte ich mich auf die Suche nach "Andersdenkenden" und "Tieferdenkenden", also nach Menschen, die so wie ich sind, denn an den normalen Orten wie in der Schule fand ich solche Menschen nicht. Später im Studium dann schon eher, wobei das am Alter und auch am Studiengang liegen dürfte. Aber unter den Autisten fand ich auch sehr viele.

      Es hängt natürlich im obigen Beispiel auch damit zusammen, dass Autisten mehr dazu neigen, sich über die Worte Gedanken zu machen, wogegen NT-Kinder mehr nach der Gesamtatmosphäre gehen. Soll heißen wenn die Mutter lieb ist, das Lied in ner angenehm säuselnden Stimme vorgetragen wird und die Mutter glücklich vor sich hinlächelt und der Teddybär so kuschelig ist wie immer, gibt es nur wenige NT-Kinder, die sich diese Wohlfühlatmosphäre durch ein einziges fragwürdiges "wenn" kaputt machen lassen würden, wogegen Autisten viel leichter durch Worte zu verunsichern sind. Auch andere Beispiele wie zum Beispiel das frühe Erlernen der doppelten Verneinung bei manchen autistischen Kindern zeigt, wie früh sie anfangen sich genau Gedanken zu machen über die gewählten Formulierungen und deren exakte Bedeutung.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex schrieb:

      Auch in den Biografien von Autisten lese ich immer wieder wie intensiv sie Dinge durchdenken und wie oft sie Dinge genau analysieren und hinterfragen, die andere einfach so als gegeben hinnehmen.
      Aber doch sicher nicht in sämtlichen Lebensbereichen.
      Bei Themen, die mich interessieren, bin ich auch stundenlang am Grübeln oder häufe unnützes Wissen an.
      Aber bei sehr vielen anderen Themen, die mich nicht interessieren, denke ich nicht mal drüber nach, warum das so oder so ist. Es interessiert mich einfach nicht bzw. ich bin viel zu sehr mit den anderen Themen beschäftigt.
      Als Kind durfte ich mir jedenfalls ständig anhören, dass ich nicht neugierig genug bin. Allerdings bezog sich das fast immer auf Dinge, die man nur mittels Smalltalk herausfindet und nicht irgendwo nachlesen kann.
    • FruchtigBunt schrieb:

      ZeroLifeSkills schrieb:

      Kinderlied "Guten Abend, Gut Nacht"

      An einer Stelle kommt "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt."

      ... Aber wenn er nicht will!? Das hat mir Angst gemacht. Ich sah eine 50/50 Chance.
      Meine Mutter erzähle mir mal, dass ich früher immer, wenn sie mir das vorgesungen hat, an der Stelle unterbrach und fragte "und wenn er nicht will? 8o " War das jetzt auch schon autistisch? ;) Merken NT-Kinder nicht, wie beängstigend dieses Lied ist?
      Ich weiß es nicht, aber ich finde manche Kinderfilme jetzt, wo ich sie als Erwachsene nochmal gesehen habe, wesentlich beunruhigender und verstörender als damals.. Ein paar Sachen aus Disneys Pinocchio zum Beispiel.

      Tuvok schrieb:

      ZeroLifeSkills schrieb:

      "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt."

      ... Aber wenn er nicht will!? Das hat mir Angst gemacht.
      Wenn er nicht will, dass du früh geweckt wirst, kannst du eben ausschlafen. :d Kein Grund, Angst zu haben!
      Stimmt auch wieder, daran hab ich als Kind einfach nicht gedacht.

      Noch was, was ich nicht direkt wörtlich genommen, aber falsch verstanden habe. Ich mochte es, wenn mir meine Mutter vorsang, und das tat sie auch oft. Wir haben noch eine Videoaufnahme, in der sie mir (ca. 3 Jahre alt) "Winter ade" vorsingt.
      Sie:"Winter ade, scheiden tut weh."
      Ich:"Warum tut dem die Scheide weh?"

      .. Das Wort "scheiden" kannte ich noch nicht, also hielt ich es für.. naja, was anderes. Wer "der" war.. keine Ahnung. Ich dachte wohl, das Lied handele von einem Mann. ... Mit weiblichem Geschlechtsorgan, offensichtlich.
    • Ich sprach von NT-Kindern, Ginkgo. Und gemeint ist nicht, dass sie es gar nicht können, sondern es geht um die Häufigkeit, mit der es im Alltag geschieht.

      Bei den Studenten meines Fachgebiets ist es was anderes, da ist häufig ein politisches Interesse und viel Beschäftigung mit den Missständen unseres Sozial- und Wirtschaftssystems und unserer Gesellschaft. Das ist schon tiefergehend. Jedenfalls tiefergehender als Gespräche über Promiklatsch, Boygroups, Make-Up, Mode, Bettgeschichten usw.
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    • Garfield schrieb:

      Bei Themen, die mich interessieren, bin ich auch stundenlang am Grübeln oder häufe unnützes Wissen an.
      Aber bei sehr vielen anderen Themen, die mich nicht interessieren, denke ich nicht mal drüber nach, warum das so oder so ist. Es interessiert mich einfach nicht bzw. ich bin viel zu sehr mit den anderen Themen beschäftigt.
      Als Kind durfte ich mir jedenfalls ständig anhören, dass ich nicht neugierig genug bin. Allerdings bezog sich das fast immer auf Dinge, die man nur mittels Smalltalk herausfindet und nicht irgendwo nachlesen kann.
      Tja... Smalltalk ist doch gerade dieses oberflächliche Gelaber, da wird nicht wirklich tief durchdacht und war auch mit Grund, wieso ich als Kind den Eindruck hatte, andere Menschen können gar nicht tiefer denken (zumal ich nicht wusste, dass es Smalltalk, also eine besondere Gesprächsform ist, sondern die halt immer so geredet haben - außer in den seltenen Fällen, wo es jemandem akut extrem nicht gut ging und ich mitbekommen habe, dass er von seinen Nöten spricht). Da beim normalen Labern werden eher oberflächliche, oft auch beleidigende und verletzende Urteile über andere gefällt und sich amüsiert. Oder es wird über das Wetter geredet oder anderes Belangloses ohne tieferen Einstieg in das Thema. Da werden tiefergehende, besonders auch emotionale Gedanken und persönliche Probleme eher für sich behalten. Bei einem Gespräch auf dem Niveau sind viele Autisten so angenervt, dass sie lieber das ganze Gespräch versäumen, auch wenn sie dadurch nicht erfahren, dass die morgige Schulstunde ausfällt oder was auch immer. (Es sei denn das Smalltalk-Gespräch ist zufällig über ihr Spezialinteresse wie Fußball oder Computersysteme oder so...).

      Und was mich betrifft, so bin ich wirklich ständig am Grübeln über alles, was mir unterkommt. Und da bin ich nicht die einzige Autistin, bei der das so ist. Gerade auch über komische Formulierungen denke ich nach, die springen mir und andere genauso ins Ohr wie der Rechtschreibfehler an der Tafel ins Auge.

      Okay, in der Schule und ähnlichen Situationen hatte ich schon zwei Modi. Da gab es den, wo ich kaum was mitgekriegt habe von dem, was der Lehrer sagt (z. B. in ner langweilig abgeleierten Geschichtsstunde), und den, wo ich richtig zugehört habe (oder Text richtig gelesen habe), was dann aber zur Folge hatte, dass mir tausend weiterführende Gedanken kamen zu allem, was der Lehrer sagte.

      Selbst in der 1. / 2. Klasse hatte ich schon das Problem, dass mir im Erzählkreis zu fast allem, was die anderen Kinder erzählten, noch was einfiel, ich aber nur einmal drankommen durfte während des Erzählkreises.
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    • Im Musik-Thread schrieb Hyperakusis

      Hyperakusis schrieb:

      Irgendwie hab ich verpennt, dass Holger Czukay auch nicht mehr unter den Lebenden ist. :(
      Mir ist natürlich klar, dass damit gemeint ist, dass er tot ist.

      Mir fiel aber auch gleich auf, dass man den Satz auch anders verstehen kann. Denn wenn Holger Czukay tot und begraben ist, dann ist er ja nun erst recht unter den Lebenden.
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!"
      (Kentucky Fried Movie)
    • seven_of_nine schrieb:

      Bin dann natürlich komplett ungekämmt aus dem Haus und hab mich an der U-Bahn-Haltestelle gekämmt, wo ich dann unfreundlich zurechtgewiesen wurde. War schon peinlich
      Kapiere ich nicht, warum um alles in der Welt sollte das jemanden stören? Ich bin manchmal auch so ein Chaot, kämme mich in der Bahn, nehme meine Medikamente im Bus, manchmal fang ich sogar an, ein bisschen zu tanzen, wenn ich tolle Musik höre. Muss einem alles nicht peinlich sein! Solange man sich nicht in der U-Bahn die Fußnägel schneidet... :fun:
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!
    • julai schrieb:

      seven_of_nine schrieb:

      Bin dann natürlich komplett ungekämmt aus dem Haus und hab mich an der U-Bahn-Haltestelle gekämmt, wo ich dann unfreundlich zurechtgewiesen wurde. War schon peinlich
      Kapiere ich nicht, warum um alles in der Welt sollte das jemanden stören? Ich bin manchmal auch so ein Chaot, kämme mich in der Bahn, nehme meine Medikamente im Bus, manchmal fang ich sogar an, ein bisschen zu tanzen, wenn ich tolle Musik höre. Muss einem alles nicht peinlich sein! Solange man sich nicht in der U-Bahn die Fußnägel schneidet... :fun:
      Fingernägel feilen wäre schon schlimm genug. Körperpflege ist für mich ein persönliche Angelegenheit, bei der ich nicht beobachten werden oder meinerseits jemanden beobachten müssen möchte. Dass jemand in der U-Bahn tanzt, empfinde ich wiederum keineswegs als störend, vorausgesetzt er rempelt und trampelt nicht.
      Achtung, eigene Sprache!
    • Eine meiner Großmütter hieß Herta.

      Einmal als ich als Kind abends noch ziemlich aufgedreht und nicht dazu zu bewegen war, schlafen zu gehen, sagte mein Vater zu mir: "Ab mit Dir ins Bett, sonst muss ich härter werden!"

      Ich habe irrtümlich "Herta" verstanden* und einfach nur schallend gelacht. Als mein Vater kapierte, warum ich so lachen muss, fand er das aber auch komisch und hat mitgelacht.


      * Ich habe meinen Vater überhaupt nicht als streng empfunden, und mir schien es deshalb absurd, dass er für sich die Formulierung "härter" wählt. Das passte für mich nicht. Daher habe ich ganz automatisch "Herta" verstanden, ohne in dem Moment zu realisieren, wie absurd das in Wirklichkeit ist. :m(:
    • Neu

      Ein Beispiel für zu wörtliches Verstehen ist mir heute aufgefallen. Scheinbar gehört es bei NT's zu guten Ton, sich bei Geschenken etwas zu zieren. Das beudetet nicht, dass sie die Geschenke nicht wollen, aber ist wohl eine Art Höflichkeit. Der Tanz beginnt z.B. mit "Das hätte es doch nicht gebraucht" bis hin zu "Nimm das doch wieder mit". Heißt aber wohl nicht, dass man es tatsächlich wieder mitnehmen soll.
      Ich habe es heute hingekriegt, das Spiel zu durchschauen und demjenigen dann doch das Geschenk gegeben.
      Kann mich aber erinnern, dass ich früher beim dritten oder vierten Zieren schon mal rätselnd da stand. "Ja, wie jetzt? Soll ich die Flasche Wein echt wieder mitnehmen?"
    • Neu

      Hm... wenn jemand es nur einmal oder zweimal sagt OK... Aber wenn jemand es dreimal oder mehr sagt würde ich davon ausgehen das er es ernst meinst und würde es tatsächlich wieder mitnehmen...
      Hab ich auch so gemacht, hab aber dann festgestellt das beim nächsten mal das nein weniger ausdauernd war. Ich finde grade dieses art von Tauziehen sehr unangenehm...(Metapher)
      Mark Twain: "Never argue with stupid people, they will only drag you down to their level and then beat you with experience."
      (Streite dich nie mit dummen Leuten; sie ziehen dich nur auf ihr Niveau herunter und schlagen dich dann mit ihrer Erfahrung.)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Benni3D ()

    • Neu

      Hat außer mir schon mal jemand versucht, "Butter schaumig (zu) rühren"? :m(:

      Mit etwa 15 Jahren sollte ich Plätzchenteig vorbereiten und fragte meine Mutter nach fast 1 Stunde entnervt, wann die Butter denn endlich anfängt zu schäumen x( . Es wurden allerdings die zartesten Plätzchen, die wir jemals gebacken haben :d .

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Knanmel ()