Thema Overload/Shutdown/Meltdown

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    • Thema Overload/Shutdown/Meltdown

      Hallo,

      Ich frage weil ich bei mir persönlich (zumindest bewusst) noch nie Overloads usw. beobachten konnte.

      Ich weiß nur dass ich durchaus schon oft eine Reizüberflutung hatte und manchmal mich schon in einer (gefühlten) Ausnahmesituation befand.

      Ob das jetzt ein Overload usw. war oder etwas anderes, kann ich aber nicht sagen.

      Habt ihr das? Wenn ja, wie genau verhält sich das? Wenn nein, habt ihr so etwas ähnliches oder wie würdet ihr das nennen/wie verhält sich das?

      Muss ein Autist das überhaupt haben? Ich meine Autismus kann viele Merkmale aufweisen, nicht jeder hat alle.

      Vielleicht gibt es ja auch Autisten ohne Overloads usw. - oder die etwas vergleichbares haben.

      Ich bin übrigens diagnostizierter Autist. (Atypischer Autismus, d.h. eine Form des frühkindlichen Autismus - geht aber viel stärker in die Richtung Asperger als in die Richtung frühkindlicher Autismus -> d.h. de facto habe ich also eher Asperger ;) ).
    • Also ich habe viele Meltdowns... das passiert meist, wenn etwas unvorhergesehenes passiert, so dass ich nicht mehr machen kann, was ich vorhatte, oder tue.
      Dann gibt es für mich nur rot.
      Bin dann manchmal wie ferngesteuert, und denke nicht mehr vernünftig...

      Shutdowns habe ich oft in Gesellschaft, z.B. wenn viele auf einmal reden, dann versinke ich in mir und bekomme kaum mehr etwas mit.
      Dieser Zustand ist sehr stressig und kostet viel Kraft.

      Auf den Begriff Overloads kann ich mir kaum einen Reim machen, ich bin permanent überladen, aber das was ich unter Overloads verstehen würde, wären Panikattacken, also wäre interessant, wenn jemand den Unterschied dazu erläutern könnte.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Bei mir unterscheiden sich Overload und Panikattacke so:

      Bei einem Overload scheinen alle Reize immer stärker zu werden, ich kann nicht mehr klaren denken und will einfach nur noch weg. Ein Overload kommt bei mir immer aufgrund von zu vielen Reizen (ist also quasi vorhersehbar) und kann mehrere Stunden anhalten. Anschließend geht es mir schlecht. Ich bin erschöpft und habe ein großes Schlafbedürfnis.

      Bei einer Panikattacke hingegen wird mir plötzlich heiß, mein Herz schlägt schneller, mir wird übel und schwindelig und dazu kommt das ekelige Gefühl, als würde ich irgendwie neben mir stehen (bzw. wirkt alles irgendwie so unecht) und dass gleich etwas ganz schlimmes passieren wird. Eine Panikattacke kommt bei mir aus heiterem Himmel, dauert etwa eine Viertelstunde und es geht mir danach relativ gut.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Mir geht es genau wie Windtänzerin. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich bei einem Overload unglaublich gereizt und aggressiv werde. Ich bekomme da das Bedürfnis, um mich zu schlagen wenn mir Menschen im Weg stehen und es macht mich absolut wahnsinnig, wenn mich dann jemand anspricht oder versucht auf mich einzureden. Bei einer Panikattacke habe ich das nicht, sondern suche im Gegenteil eher die Nähe zu anderen.
    • Stimmt, bei einem Overload bin ich auch immer sehr gereizt und reagiere dann sehr "patzig". Hab ich vergessen, zu erwähnen. Aber ich suche bei einer Panikattacke nicht die Nähe zu anderen, sondern ziehe mich eher zurück. Meistens scheinen andere Menschen aber gar nicht zu bemerken, dass ich eine Panikattacke habe. Ich scheine nach außen also ganz normal wirken, obwohl es in mir drunter und drüber geht.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Overload passiert je nach Tagesform recht fix. Das kann schon ein Einkauf sein, wenn viel im Laden los ist.

      Meltdown ist bei mir irgendwann ein Ausrasten wenn nichts mehr geht und ich mich der Situation nicht entziehen kann. Passiert mir glücklicherweise sehr sehr selten.

      Shutdown kommt oft nach Overloads und immer nach Meltdowns und geht bei mir mit erhöhtem Schlafbedürfnis einher.
    • Sarianna wrote:

      Mir geht es genau wie Windtänzerin. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich bei einem Overload unglaublich gereizt und aggressiv werde. Ich bekomme da das Bedürfnis, um mich zu schlagen wenn mir Menschen im Weg stehen und es macht mich absolut wahnsinnig, wenn mich dann jemand anspricht oder versucht auf mich einzureden.

      Schlagen in Gedanken ja, aber am liebsten nur flüchten, weg, raus aus dieser Situation wollen. So schnell wie nur möglich.
      Wer mit der Herde geht
      kann nur Ärschen folgen :d
    • Overload? Konnte ich bei mir auch noch nie bemerken. Klar, als ich noch gemobbt wurde gab es schon Momente in denen ich dachte "jetzt reichts Freundchen, jetzt schau mal zu wie du mich von dir fernhältst, sonst wird es gleich ein wenig weh tun!" (was aber nie ernste Verletzungen zur Folge hatte) aber ich denke mir, dass da jeder ausgetickt wäre :lol:

      Meltdowns hatte ich dagegen schon öfter, wenn ich ungerechtfertigterweise (meine Sicht) beleidigt werde oder ausgeschumpfen oder sonst was Ungerechtes passiert, dann versuche ich auch heute noch der Situation schnell zu entfliehen, weil es sonst unangenehm für alle Beteiligten wird.

      Panikattacken bekomme ich, wenn ich an die Mobbingzeit erinnert werde, schon kleinste, harmlose Sachen können das auslösen, beispielsweise bergen der Sportunterricht und die Pausen immer noch so einen Unwohlfaktor bei mir, zwar weit entfernt von einer Panikattacke, aber es kann schon noch passieren, dass ich mir extreme Sorgen deswegen mache, obwohl mittlerweile gar kein Grund mehr dazu besteht. Wenn mich jemand direkt beleidigt oder wenn gar jemand das Thema Asperger Autismus anspricht, bekommt derjenige live eine Panikattacke von mir zu sehen. Allerdings bin ich da nicht zum Meltdown fähig, weil alles in Schockstarre und Hilflosigkeit verfällt.

      (Ich erinnere mich noch, als wir das Thema Autismus im Unterricht durchgenommen haben.... ich dachte, ich ersticke hier :oops: gottseidank hat das keiner bemerkt)
      Dieser Weg wird kein leichter sein/ Dieser Weg wird steinig und schwer
      Nicht mit vielen wirst du dir einig sein / Doch dieses Leben bietet so viel mehr.
      Profilbild von David Gaillet

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    • Kleines Licht wrote:

      Ich erinnere mich noch, als wir das Thema Autismus im Unterricht durchgenommen haben.... ich dachte, ich ersticke hier :oops: gottseidank hat das keiner bemerkt
      Das kenne ich. Was der richtige Name für meine Reaktion ist weiß ich nicht.

      Philosophie und Psychologieunterricht. Wir habe psychische Störungen besprochen. Der Lehrer hat verschiedene Problematiken beschrieben. Hat dann gemeint, dass viele Menschen Anzeigen hätten und dann so gesagt so wie sie (=mein Name) sie zeigt.
      Davor hatte ich schon einen Klos im Hals. Wollte weg. Als er das sagte was aus. Ich bin aufgestanden hab die Sachen hingeschmisseb und bin aus der Klasse gegangen. Nicht gerannt. Ganz normal. Hab mich dann auf Dach der Schule gesetzt (Begehbares Flachdach nur wir durften eigentlich nicht raus) und hab geheult. Hab den restlichen Tag kein Wort mehr raus bekommen. Er hat sich bei mir persönlich entschuldigt und auch vor der ganzen Klasse.

      Was für eine Reaktion das war weiß ich nicht wenn mir eine Situation wirklich zuviel wird gehe ich und verstummen. Manchmal hatte ich auch Ausraster aber meistens verstummen ich. Vor allem weil das eher akzeptiert wird als mit Dingen werfen.
    • Kleines Licht wrote:

      Ich erinnere mich noch, als wir das Thema Autismus im Unterricht durchgenommen haben.... ich dachte, ich ersticke hier :oops: gottseidank hat das keiner bemerkt
      Das kenne ich. Was der richtige Name für meine Reaktion ist weiß ich nicht.

      Philosophie und Psychologieunterricht. Wir habe psychische Störungen besprochen. Der Lehrer hat verschiedene Problematiken beschrieben. Hat dann gemeint, dass viele Menschen Anzeigen hätten und dann so gesagt so wie sie (=mein Name) sie zeigt.
      Davor hatte ich schon einen Klos im Hals. Wollte weg. Als er das sagte was aus. Ich bin aufgestanden hab die Sachen hingeschmisseb und bin aus der Klasse gegangen. Nicht gerannt. Ganz normal. Hab mich dann auf Dach der Schule gesetzt (Begehbares Flachdach nur wir durften eigentlich nicht raus) und hab geheult. Hab den restlichen Tag kein Wort mehr raus bekommen. Er hat sich bei mir persönlich entschuldigt und auch vor der ganzen Klasse.

      Was für eine Reaktion das war weiß ich nicht wenn mir eine Situation wirklich zuviel wird gehe ich und verstummen. Manchmal hatte ich auch Ausraster aber meistens verstummen ich. Vor allem weil das eher akzeptiert wird als mit Dingen werfen.
    • @LiltihEve 8o

      LiltihEve wrote:

      Der Lehrer hat verschiedene Problematiken beschrieben. Hat dann gemeint, dass viele Menschen Anzeigen hätten und dann so gesagt so wie sie (=mein Name) sie zeigt.
      das ist extrem gemein! Da hätte man auch zum Schulleiter oder sonstwo sich beschweren gehen können, denn das ist offensichtlich und klar eine Beleidigung! Da wären wahrscheinlich auch einige NTs wütend aus der Klasse gegangen. Gut, dass sich der Lehrer entschuldigt hat! Ich wäre nach dem Unterricht wahrscheinlich in eine direkte Konfrontation mit dem Lehrer gegangen, wenn ich nicht vorher echt erstickt wäre vor Angst :m(: wenn das nur ein Versehen war, klingt das, als wäre der Lehrer selbst im Spektrum :lol:
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    • Beim Overload (= Überladung, Reizüberflutung) staut sich ein Reiz nach dem nächsten an
      da bin ich froh, dass ich das ganz gut steuern kann
      Ich gehe dann an einen reizarmen Ort
      Und dann geht der Overload auch wieder fort
      Auf der Arbeit geh ich dann auf die Toilette
      Wüsste nicht was tun, wenn ich diese nicht hätte
      zu Hause schlage ich auch mal auf meinen Sitzsack ein
      Denn danach geht die Spannung weg und mir geht`s fein

      Meltdown (= „Kernschmelze“, sieht aus wie ein Wutausbruch)
      jedoch werde ich kaum wütend sondern schalte nur ab
      Deswegen kann ich sagen, dass ich nur 2 Meltdowns verbuch`
      Jedoch sind die beiden Fälle die schlimmsten die ich hab

      Wenn kein Entrinnen aus dem Overload möglich ist,
      kann dieser auch in einem Shutdown (=Abschalten) enden.
      Hab mich dann meistens in meine Traumwelt verpisst
      Normalerweise mach ich / hab ich das nur in meinen 4 Wänden
      Entscheidung. Das Problem ist die Entscheidung.
      - Matrix Reloaded, Neo
      [Homepage] [Hybrid Melody, Gamesoundtracks & Hybrid Musik]

      The post was edited 1 time, last by Dragonth ().

    • Ein Overload kommt bei mir immer schleichend daher. Meist merke ich erst viel zu spät, dass ich in der Spirale gefangen bin.

      Es gibt aber ganz bestimmte Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ich mich in der Overload-Phase befinde.

      Leider habe ich bevor ich die AS-Diagnose erhalten habe, einen schlimmen Weg gefunden, den Overload "zu bekämpfen". Ich habe irgendwann gemerkt, dass Alkohol verhindert, dass alle Reize auf mich einprasseln. Mit genügend Promille konnte ich es früher sogar in einer Diskothek aushalten. Außerdem haben Filmrisse durch Alkohol parallel dafür gesorgt, dass immer ein Teil meiner Festplatte gelöscht wurde. Aber C2H5OH ist definitiv nichts, was das Problem lösen könnte, sondern zieht einen Rattenschwanz anderer Probleme nach sich.

      Aktuell habe ich das Problem, dass ich zwar weiß, was meinen Overload nach und nach beseitigen könnte, aber die Maßnahen haben so hohe Hürden, dass ich das alleine nicht mehr bewältigen kann.

      Irgendwie scheint daher der nächste Zusammenbruch (Shutdown) unausweichlich. Es ist so als wäre man in einer Kugel gefangen, die auf den Abgrund zurollt.
    • ich dachte lange, dass ich Panikattacken habe. Mittlerweile weiß ich, dass es eine Mischform von Meltdown/Shutdown nach einem Overload ist.

      Reizüberlastung -> Reizüberflutung
      Ich fühle mich unwohl, werde gereizt unruhig und unsicher. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher und schneller. Ich beginne, mich nach einem Ausweg umzusehen. Wenn jemand mich jetzt aus der Situation bringen kann, wird es sehr schnell besser.

      Reizüberflutung -> Overload
      Jetzt will ich nur noch weg und werde teilweise auch aggressiv. Dann kommt aber auch oft schon ein Gefühl von Panik auf. Wenn jemand mich jetzt aus der Situation bringen kann, brauche ich ca. 30 Minuten, bis ich wieder funktionsfähig bin.

      Overload -> Meltdown
      Ich renne rücksichtslos aus der Situation weg, ohne Rücksicht auf andere. Ich bin nicht mehr ansprechbar. Auf Berührungen reagiere ich "gewalttätig", ich schreie Menschen, die mich beruhigen wollen, an.

      Overload -> Shutdown
      Wenn ich aus der Situation nicht fliehen kann, friere ich ein und verstumme. Oft sinke ich da, wo ich bin, einfach zu Boden. Ich fühle dann meinen Körper nicht mehr und ich fühle auch sonst nichts mehr. Keine Angst, keine Überforderung - gar nichts. Ich bin auch nicht ansprechbar und nur schwer zu mobilisieren. Ich glaube sogar, dass mein Herzrasen dann aufhört.

      Overload -> Mischform Meltdown/Shutdown
      Ich kann nicht aus der Situation weg weil ich körperlich einfriere. In mir aber steigt die Panik weiter an. Mein Hirn läuft auf Hochtouren und sucht einen Ausweg. Aber selbst wenn ich den finden könnte, kann ich mich kaum bewegen. Mein Herz rast, mein Kreislauf schlägt Kapriolen, mein Blutdruck sinkt. Ich bin dann nicht mehr aggressiv, sondern eher verzweifelt. Oft fange ich an zu weinen. Ein paar Mal bin ich einfach umgekippt.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Hinweis: Abweichungen zur Realität kann es natürlich geben, da ich ja in diesen Situationen nicht bewusst darauf achte, was ich mache oder nicht mache. Es fehlen bestimmt einige Sachen oder ich habe sie falsch eingeordnet. Das geschriebene resultiert einfach aus Erzählungen gepaart mit Selbstreflexion, Selbstbeobachtung und Selbstanalyse. Früher konnte ich nie mit Worten erklären, warum ich hin und her schaukel oder mir mit den Nägeln über die Lippen fahre etc. Mittlerweile habe ich gelernt das besser in Worten auszudrücken.

      Also:
      Overload habe ich sehr oft, wenn mir etwas fehlt auf was ich ich fokussieren kann um die Umwelt auszublenden, z.B. mein Hund, denn entweder ich bin voll fokussiert und bekomme meine Umwelt gar nicht mit, oder ich bin zu aufmerksam. Ein Overload kann länger andauern und bei rechtzeitiger "Auflösung" nur in Erschöpfung resultieren. Dabei geht es allerdings in erster Linie um akustische, visuelle und taktile Reize, die einfach zu viel sind und nicht verarbeitet werden können. Am Anfang eines Overloads bin ich ansprechbar, streiche mit den Fingernägeln über meine Lippen um mich zu beruhigen; am Anfang schaffe es auch mich selber aus der Situation zu befreien - z.B. Ausgang finden. Wenn das nicht möglich ist, fange ich an mit den Händen an den Schenkeln zu tippen um mich zu stärker beruhigen, befinde mich aber schon in einer eher orientierungslosen Situation, bin aber noch weitgehend ansprechbar. Ein starker, länger anhaltender Overload kann aber in einem Meltdown enden. (Overloads sind auch der Grund, weshalb ich z.B. nicht alleine Einkaufen gehen kann)

      Bei einem Meltdown bin ich nicht mehr ansprechbar, je nach Situation werde ich laut, beiße mir selber in den Arm, spüre es aber nicht, und kann mir selber nicht mehr helfen/mich aus der Situation befreien. Wenn die Erschöpfung naht, fange ich auch an zu weinen, aber nicht aus Trauer oder so - das kann ich nicht genau erklären.

      Shutdown ist einfach eine Folge von Overload und/oder Meltdown. Dabei reagiere ich je nach Ausprägung: Entweder ich suche ich enge "Räume" auf - fest in Decke einrollen, enge Spalten zwischen Säule und Wand, Ecken - oder sitze am Boden und schaukel abwesend hin und her oder ich sitze/liege starr und abwesend da und tue nichts.

      Dann gibt es auch noch etwas, das nicht so viel mit Reizen zu tun hat, sondern mit unerwarteten Situationen, Veränderungen, etc. diese führen nicht zwangsläufig zu einem Overload oder einem Meltdown, sondern in eine Orientierungslosigkeit und Irritation, wenn ich dann keine Hilfe bekomme, kommt die Verzweiflung und dann aber eher eine leichte Form des Shutdowns. Werde also abwesend und tue nichts bis ich mich erholt habe und klar denken kann.

      Wie gesagt: Das ist nur ein Ausschnitt von Verhaltensweisen die ich zeige. Die genauen Empfindungen dabei kann ich nicht wirklich erfassen.
    • SpFLeedY wrote:

      Das ist nur ein Ausschnitt von Verhaltensweisen die ich zeige. Die genauen Empfindungen dabei kann ich nicht wirklich erfassen.

      Ich glaube daran liegen die Schwierigkeiten zu beschreiben, was passiert. Die Empfindungen sind zwar übermächtig, aber (besonders im Nachhinein) nicht beschreibbar, weil sie rational nicht zu erfassen sind,
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Ich kenne von mir verschiedene Zustände, die für mein Empfinden ganz stark auf die Begriffe "Overload", "Meltdown" und "Shutdown" passen. Bis jetzt wurde das aber als Teil einer Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Deshalb berichte ich das als 'Undiagnostizierter':

      Könnte ein Overload sein:
      • Wenn ich mit mehr als zwei anderen Personen ein Gespräch führen soll bzw. eine Diskussion stattfindet. --> Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, kann die einzelnen Redebeiträge nicht mehr aufnehmen (obwohl ich intellektuell keine Probleme habe), mein Hirn läuft auf Hochtouren, so als würde sich irgendwas immer im Kreis drehen, als würde sich ein Motor heiß laufen.
      • Wenn ich in einem Geschäft bin und vor lauter Produktauswahl und Radiogedudel und anderer Kunden kurz davor bin, die Nerven zu verlieren und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Wenn ich unfähig bin, irgendwelche Entscheidungen beim Einkaufen zu treffen, weil mich die Überlegungen, die ich treffen müsste komplett überfordern (wegen der Menge)


      Könnte ein Meltdown sein:
      • Wenn eine Situation mit mehr als einem Gesprächspartner länger andauert (es reichen manchmal schon 5 Minuten) kann es so unerträglich werden, dass ich so starke Fluchtgedanken bekomme, dass ich glaube, ich halte die Situation keine Sekunde länger aus. Mein Hirn ist nur noch am rasen und ich will weg. Am schlimmsten ist es, wenn man in Besprechungen sitzen muss und nicht einfach 'gehen' kann. Die Anspannung während solcher Situationen ist extrem. Im Arbeitskontext bin ich dann z. B. auf die Toilette geflüchtet oder habe versucht, mich in meine Arbeit zu vertiefen, um keine Gespräche führen zu müssen (z. B. Zimmerkollegin ignoriert). Später habe ich ein eigenes Büro bekommen, was mich entlastete. Die Teambesprechungen waren trotzdem eine Tortur.
      • Wenn irgendetwas nicht so läuft, wie das eingeplant war, sei es, dass der Bus 4 Minuten zu spät kommt (bzw. dann noch nicht in Sicht ist). Wenn jemand sich nicht an etwas hält, das er zugesichert hat. Wenn es in Geschäft XY keine Sahne mehr gibt und mein ganzer Essensplan durcheinandergerät. --> Bei so etwas raste ich innerlich komplett aus, ich kann dann keinen klaren Gedanken mehr fassen, bin komplett außer mir und kann mich auf überhaupt nichts anderes mehr konzentrieren. Ich leide sehr stark darunter.
      • Wenn irgendetwas widersprüchlich ist, also z. B. jemand etwas erklärt, das in sich nicht stimmig ist. Da habe ich auch das Gefühl, dass ich innerlich am Ausrasten bin. Ich werde bei sowas so unglaublich wütend, dass ich die Person nehmen könnte und mit bloßen Händen erwürgen. Solche Situationen (die auf meiner Arbeitsstelle sehr oft vorkamen) brachten mich so auf, dass ich nicht mehr denken konnte.
      • Im privaten Kontext: Wenn irgendetwas nicht konkret genug ausgedrückt ist und Platz für Spekulationen lässt bzw. wenn ich eine Situation nicht mehr überblicke, stürze ich komplett ab. Dann kann ich nicht mehr denken, will mich selbst schlagen, beißen, um mich schlagen. Manchmal habe ich mich da im Griff und raste nicht komplett aus. Es kann aber auch vorkommen, dass ich komplett 'bekloppt' werde und auf mich einschlage. Meistens bin ich danach so fertig, dass ich heulend zusammenbreche.
      In allen der vier obigen Fälle kann ich nicht mehr klar denken und mich leider vor allem nicht mehr vernünftig äußern. Entweder werde ich beleidigend bzw. pampig oder ich erstarre innerlich total und spreche gar nichts mehr.


      Mich würde einmal interessieren, ob ihr diese Situationen dem Autismusspektrum zurechnen würdet oder einer anderen Erkrankung? Meiner Meinung nach deuten alle Beispiele (bis auf das letzte im privaten Kontext) auf einen autistischen Zusammenhang hin.

      Gibt es noch andere psychische Erkrankungen, bei denen man so etwas wie einen "Overload" hat, also dass zu viele Dinge da sind, die man nicht mehr verarbeiten kann?

      Gibt es noch andere psychische Erkrankungen, bei denen so etwas wie ein Meltdown vorkommt (insbesondere passend zu den obigen Beispielen)?


      Ob ich so etwas wie Shutdowns habe, weiß ich nicht genau. Ich denke eher, dass es bei mir Zustände vollkommener Erschöpfung sind. Die erlebe ich aber eher zu Hause. Wenn gar nichts mehr geht und ich mich stundenlang ins Bett oder aufs Sofa legen muss. Ansonsten versuche ich 'draußen' immer noch, zu 'funktionieren'. Oder ich schotte mich emotional draußen komplett ab, das ist dann aber nur psychisch und nicht körperlich.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • FruchtigBunt wrote:

      In allen der vier obigen Fälle kann ich nicht mehr klar denken und mich leider vor allem nicht mehr vernünftig äußern. Entweder werde ich beleidigend bzw. pampig oder ich erstarre innerlich total und spreche gar nichts mehr.


      Mich würde einmal interessieren, ob ihr diese Situationen dem Autismusspektrum zurechnen würdet oder einer anderen Erkrankung?
      Ich habe alle diese Situationen bislang dem Spektrum der allgemeinen Verhaltensäußerungen und Reaktionen normaler Menschen ohne Diagnosen zugeordnet. 8o
      Was du als Overloads/Meltdowns beschreibst, kenne ich noch von Borderline, dem Zustand der (zumindest teilweisen) Dissoziation, Panikattacken z.B. bei Phobien, Angststörungen und echten Bedrohungen.
      Aber bislang hätte ich solche Zustände, durch äußere Umstände oder innere Auslöser "außer Fassung" zu geraten, als mehr oder weniger typisch für jeden Menschen gehalten.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Für mich hören sich @FruchtigBunt s Verhaltensbeschreibungen hier nicht normal an...
      Teilweise habe ich ähnliche Gefühle.
      Speziell, wenn es um Verständnis geht.
      Wutanfälle kriege ich eher nur bei Absurdität und Ungerechtigkeiten.

      Deine Overload Beispiele klingen ein wenig nach AD(H)S “kann mich nicht konzentrieren” geht mir ähnlich mit mehreren Gesprächspartnern.
      Mit den Entscheidungsschwierigkeiten hängt Depression zusammen.

      Dein 1. Meltdownbeispiel klingt auch nach AD(H)S.
      Ich kann auch schwer sitzen bleiben, wenn mich etwas nicht interessiert.
      Viele Menschen = viele Reize

      2. Beispiel klingt nach einer Mischung aus oben genanntem und einer ASS.
      Ungeduld(?) und Routine, Probleme mit Unvorhergesehenem

      3. kA
      Mich regt sowas auch auf, aber so sehr auch wieder nicht.
      Wobei ich nicht weiß, wie es wäre, wenn ich sowas jeden Tag erleben müsste.
      Ich würde aber meine Wut wohl zunächst auf mich richten, mir an den Kopf hauen oder sowas.
      Dummheit rechtfertigt für mich noch keine Gewalt, da muss mehr sein.

      4. Klingt sehr pauschal und kann mich damit nicht vergleichen.
      Ja, es kann vor kommen, aber das muss schon ein heftiger Grund sein.


      Generell dieses “sich verlieren und einfach drauf los schlagen, um sich schlagen etc. außer Kontrolle” würde ich bei einer ASS ansiedeln oder bei AD(H)S.
      kA ich habe das auch, aber eben von den Ursachen ungewiss.
      So richtig die Kontrolle verloren habe ich aber sehr selten, soweit ich mich erinnere. 1 Mal Grundschule und 1 Mal im Gymnasium. :d
      Anderes hinterließ bei mir keine Erinnerung,

      Ich las bei H. Asperger mal über einen Fall, der auch für andere stellvertretend gelten sollte, dass der eine autistische Junge wohl gehänselt wurde und daraufhin wie wütend wild um sich fuchtelte, was wohl sehr unnatürlich ausgesehen hätte.
      Im Grunde schien er der Hilflosigkeit verfallen.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)