Ambivalentes Verhältnis zu Kommunikation und Menschen

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    • War gestern Abend auf der Geburtstagsfeier eines alten Freund.
      Fast alle dort hatten Beziehungen und teilweise kleine Kinder.

      Mal ganz abgesehen vom dauerhaften Lärm war es so wie auch ihr das beschreibt bzw. so wie ich es kenne und hoffte, dass es sich mal nicht so verhält... aber ich kam mir leider wieder mal nur sehr am Rande der Gruppe vor und war letztlich halt einfach dort, damit ich da war. :|

      Das einzige nennenswerte Gespräch (von mir initiiert :m(: ) drehte sich um Arbeit und Depression und endete damit, dass ich eben immer depressiver wurde und mich letztlich freundlich verabschiedete, heim fuhr und dann mehrere Stunden meine Gedanken sich um die erlebte Situation und den "Horror" der mich am Montag bei der Arbeit erwarten wird drehten.

      Letztlich denke ich, dass ich meine Kontakte wirklich streng auf ein Minimum an bestimmte Personen gleichzeitig begrenzen sollte, aber das ist echt schwierig, weil andere Leute sowas nicht benötigen und deshalb nicht gewohnt sind.

      Wie sind dahingehen eure eventuellen Erfahrungen, wenn man so was vorsichtig zur Sprache bringt?
      Mach mir da etwas Sorgen, weil ich früher mal einen Bekanntenkreis verloren hab da ich oft abgesagt hab... :roll:

      The post was edited 1 time, last by kalt ().

    • Hallo Limax,

      ich kann mich nur auf eine Person konzentrieren.
      Mehr finde ich schwierig.
      2 mag noch gehen. Bei deren Smalltalk kann ich allerdings nicht folgen. Weil ich ihn nicht verstehe.
      Witze kommen bei mir meistens nicht an.
      Kommunikation muss für mich immer einem Zweck haben. Informationsaustausch. Sachwissen.
      Oder wenn ich über meine Spezialinteressen reden kann.
      Damit schwall ich dann die Leute aber auch zu.

      In einer Gruppe verstumme ich. Beobachte ich.

      Familienfeste sind nix für mich.
      Geschirr, Besteck das klappert, herunterfällt...
      Kinder, die wirr herumrennen...
      Das Stimmengewirr...
      Alles ist viel zu laut und zu intensiv.
      Ich werde immer stiller und aggressiver...
      Beim letzten Familienfest war der einzige Satz, den ich zu einem andern gesagt habe: "Kann ich mal die Pommes Frites haben?"
      Ich hab mich dann immer zeitweise aufs Klo geflüchtet.
      Zum Erholen.
      Das hat nicht lange funktioniert.
      Dann musste ich gehen.

      Da war es dann aber schon zu spät und mein Overload in vollem Gange...
      Daheim musste es dann raus.
      Danach war es dann wieder gut. So gut wie es halt wird.
      "Ich leide nicht unter Asperger. Ich leide unter den Menschen." :d
    • @kalt
      ich bringe es gerade meiner Familie bei. Meine Eltern haben es anscheinend ganz gut aufgenommen. Gleich ist bei uns Geburtstagsfeier mit der ganzen Verwandtschaft (nicht mein Geburtstag ;) ) und ich werde mich komplett und für die ganze Zeit in mein Zimmer zurückziehen. Mal sehen, wie ich das vertrage ....
      Auf Arbeit wissen nach einem Abteilungswechsel meine engsten Kollegen Bescheid und haben sich voll auf mich eingestelllt. Hin und wieder muss man einfach Glück haben. D.h. sie kommen - außer es ist arbeitsbedingt zwingend - nicht zu mir, aber ich darf jederzeit zu ihnen und bin willkommen. Allen ist klar, dass ich keinerlei Feiern mitmache. Sehr befreiend.
      Einen bestimmten Sportkurs habe ich aufgegeben, weil ich mit den vielen Menschen (6-8) als Gruppe nicht klar kam. Mit zweien , die auch Bescheid wissen, versuche ich Kontakt per Mail zu halten. Also eher die mit mir :oops:
      Insgesamt denke ich, das kannn funktionieren, wenn man offen sein kann. Sonst wird' s wohl schwierig, vor allem, wenn sich die anderen stets in größeren Gruppen treffen, als Du es verträgst.
      Und meine guten Erfahrungen mit Offenheit müssen ja nicht zwingend übertragbar sein.
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • ich glaube, mit Menschen, die sich konsequent von allen Feiern und privaten Kontakten fernhalten, können viele noch relativ gut umgehen und das auch akzeptieren. Schwierig wird es mit solchen, die in ihrem Kommunikationsverhalten und Rückzugsbedürfnis sehr ungleichmäßig sind, bei passender Tagesform und guter Konstellation auch gerne eine Feier mitmachen und auch kommunikativ sind, bei anderer Gelegenheit aber vielleicht kaum reden oder sich gleich ganz zurückziehen. Dann wird das Rückzugsverhalten oft auch negativ bewertet oder zumindest Fragen gestellt, was oft eher Probleme schafft, als sie zu lösen ....
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Enigma wrote:

      Genau das ist auch mein Dilemma. Ich wünsche mir Kontakt, Dazugehören, selbstverständliche Gemeinschaft, aber ich schaffe es nur an die Peripherie jeder, egal welcher, Gruppe. Kollegen, Nachbarn, alte Freunde als Clique, Kindergarteneltern - ich strenge mich so unglaublich an, Kontakte zu knüpfen, und es führt auch zu einem vagen "Dabeisein". Aber nie zu einem echten Zugehörigkeitsgefühl.
      Das könnte von mir geschrieben worden sein und ich kann das nur für mich bestätigen.

      Und irgendwann bin ich mutlos geworden, jetzt traue ich mich im Prinzip kaum noch diesbezüglich zu anderen Kontakt zu suchen.
      Es geht ja doch wieder schief.
      "Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt."


      (Johann Wolfgang von Goethe)
    • @Expliaspegetisch
      ja, genau so kenne ich das von Familienfeiern auch. Nur leider dauert das mit dem "dann wieder gut" mehrere Tage.

      @Lilith
      ich bleibe jetzt mal hartnäckig bei meinem Thema: wie gehst Du mit Deiner Mutlosigkeit um? Denn ich fürchte ja, wenn ich das hier so lese, geht es doch sehr vielen so wie mir und ich sollte mich damit arrangieren, aber wie?
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • kalt wrote:

      Letztlich denke ich, dass ich meine Kontakte wirklich streng auf ein Minimum an bestimmte Personen gleichzeitig begrenzen sollte, aber das ist echt schwierig, weil andere Leute sowas nicht benötigen und deshalb nicht gewohnt sind.

      Wie sind dahingehen eure eventuellen Erfahrungen, wenn man so was vorsichtig zur Sprache bringt?
      Ich treffe mich manchmal mit einigen ehemaligen Kollegen, und es ging mal darum, ob man sich gemeinsam mit einer anderen Gruppe treffen sollte, sodass es dann insgesamt ca. 15 Leute gewesen wären. Ich habe das zwei, drei Mal mitgemacht, und dann hab ich mal gesagt, dass ich Treffen im kleinen Kreis "unter uns" besser finde. Plötzlich sagte ein anderer Kollege "ich eigentlich auch". Dann waren wir uns einig, dass wir die großen Treffen eher nicht mehr machen. So kanns auch gehen! :d

      In der Familie ist es schwieriger, um ein paar größere Feiern habe ich mich schon gedrückt, aber da bekomme ich immer Rechtfertigungsdruck vor allem von meiner Mutter.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Leonora, was du geschrieben hast, darüber musste ich eine Weile nachdenken.
      Es stimmt, vor allem Plaudertaschen, die einfach gerne viel reden, war ich immer hilflos ausgeliefert. Es hat dann sehr lange gedauert,
      bis ich die Situation verlassen oder am Telefon auflegen konnte.
      Wenn es Menschen wirklich schlecht ging, hab ich gern zugehört, hatte Mitgefühl. Aber was mich enttäuscht hat, viele haben mich
      nur als temporären "Abfalleimer" benutzt. Wenn es ihnen wieder gut ging, umgaben sie sich lieber wieder Menschen, wo mehr gemeinsame Unternehmungen
      oder mehr Prestige abzuholen war. Und wenn es mir schlecht ging, das schien keiner zu bemerken. :(
      Schwer zu sagen, was davon an den Menschen liegt und was an meiner Außenwirkung.


      Und ja, du hast recht, manche Menschen können andere unterbrechen und es wird ihnen nicht übel genommen. Wenn ich das versuche, werde ich niedergeredet.
      Im Endeffekt muss ich immer alle Höflichkeitsfloskeln im Detail sehr formell einhalten, um "mitmachen" zu können.
      Und hinterher hab ich oft Zweifel, ob das so gepasst hat, und analysiere stundenlang die Situation.


      Ich hatte aber schon in der Schule Probleme, dem Gedankengang des Lehrers zu folgen, weil manche Infos mich dazu brachten, meinen eigenen Gedanken dazu zu folgen.
      Noch heute stressen mich Gruppenmeetings u.ä., weil es ja erwartet wird, dass man immer zeitgleich dem folgt, was erzählt wird, ohne selbst aktiv zu sein.
      Das fällt mir unheimlich schwer! Ich würde Themen oft auch ganz anders gliedern und aufbauen, als andere es tun.
      Ich meine erkannt zu haben, viele hören einfach nur zu und verarbeiten und hinterfragen dabei gar nicht so stark, während ich das gar nicht verhindern kann,
      dass ich parallel vorausdenke, das Thema zerhacke und sich in mir Rückfragen bilden, die ich in dem Moment aber nicht sofort anbringen kann.


      Oh, @Enigma, ja, du fühlst wie ich. Ich habe mich auch soo angestrengt, aber es ist, wie du sagst, die Früchte sind nicht toll, ich gehörte auch zur Peripherie.
      :( Aktuell sehe ich das nicht mehr ein, die Anstrengung scheint mir größer als das, was für mich dabei an Erstrebenswertem rauskommt.
      Und ja, auf viele Menschen wirke ich normal und nett in den ersten Kontakten und die verstehen wohl nicht, warum sich nicht mehr daraus entwickelt.


      Ich selbst bin mir sicher, ich bin hochfunktionale AS, und am Rand, vielleicht kaum diagnostizierbar. Aber der Leidensdruck ist hoch, denn du triffst
      es mit deinem Satz:
      Fast normal, und doch auf ganz fundamentale Art nicht.


      Fast unheimlich, @Leonora', was du dann noch schriebst. Das nimmt meine Gedanken vorweg. 8o
      Ja, genau, manchmal dachte ich, der Knoten wäre geplatzt, ich musste nur etwas verarbeiten und überwinden und dann bin ich wie alle anderen, war scheinbar zeitweise erfolgreich
      damit. Aber ich kann das Niveau nicht halten, habe mir selbst wohl auch was vorgemacht.
      Und du sagst es, "selbstverschuldet seltsam", das ist es, was andere Menschen von mir denken und mich teilweise auch spüren lassen bzw. mehr oder weniger über mich sagen. :(


      Ich wollte erzählen, als Kind war ich viel seltsamer, autistischer, zurückgezogener, in meiner eigenen Welt.
      Es passierte viel, das ich nicht wollte (Spaziergänge, Brettspiele) und dann schrie und weinte ich.
      Aber im Grunde war ich die meiste Zeit viel zufriedener mit mir selbst.
      Und jetzt fühle ich mich unzulänglich, sondiere und analysiere ständig, passe mich an, ohne je den Erfolg zu haben, entspannt zu funktionieren.
      Diese Gesellschaft ist keine annähernd artgerechte Haltung für mich, ich finde dauerhaft keine Nische, in der ich glücklich wäre. :(
      _________________________________________________________________________________________________
      "Nimm nichts persönlich. Nichts was andere Leute zu dir sagen ist wegen dir, es ist wegen ihnen selbst."
      — Miguel Ruiz
    • Nixe wrote:




      Fast unheimlich, @Leonora', was du dann noch schriebst. Das nimmt meine Gedanken vorweg. 8o
      Ja, genau, manchmal dachte ich, der Knoten wäre geplatzt, ich musste nur etwas verarbeiten und überwinden und dann bin ich wie alle anderen, war scheinbar zeitweise erfolgreich
      damit. Aber ich kann das Niveau nicht halten, habe mir selbst wohl auch was vorgemacht.
      Und du sagst es, "selbstverschuldet seltsam", das ist es, was andere Menschen von mir denken und mich teilweise auch spüren lassen bzw. mehr oder weniger über mich sagen. :(
      Es ist mir gerade fast unheimlich, wie ähnlich die Erfahrungen hier an der Stelle sind. Ich kenne auch dieses schier Verrücktwerden, wenn es mal fast oder sogar eine Weile gut geklappt hat in einer Gruppe, und dann kommt der Rückfall. Der Knoten, der lange Jahre so kurz davor war zu platzen (gefühlt), und dann doch nicht.

      Deshalb war es ja so eine Erleichterung für mich, von AS - gerade von der weiblichen Ausprägung - zu lesen. Erstmals, wirklich erstmal in meinem Leben stieß ich auf etwas, was meinen seltsamen Erfahrungen, die nie jemand teilen konnte, entsprach!
      People are strange, when you're a stranger.
    • Nixe wrote:

      Es stimmt, vor allem Plaudertaschen, die einfach gerne viel reden, war ich immer hilflos ausgeliefert. Es hat dann sehr lange gedauert,
      bis ich die Situation verlassen oder am Telefon auflegen konnte.
      Wenn es Menschen wirklich schlecht ging, hab ich gern zugehört, hatte Mitgefühl. Aber was mich enttäuscht hat, viele haben mich
      nur als temporären "Abfalleimer" benutzt. Wenn es ihnen wieder gut ging, umgaben sie sich lieber wieder Menschen, wo mehr gemeinsame Unternehmungen
      oder mehr Prestige abzuholen war. Und wenn es mir schlecht ging, das schien keiner zu bemerken.
      Schwer zu sagen, was davon an den Menschen liegt und was an meiner Außenwirkung.


      Und ja, du hast recht, manche Menschen können andere unterbrechen und es wird ihnen nicht übel genommen. Wenn ich das versuche, werde ich niedergeredet.
      Im Endeffekt muss ich immer alle Höflichkeitsfloskeln im Detail sehr formell einhalten, um "mitmachen" zu können.
      Und hinterher hab ich oft Zweifel, ob das so gepasst hat, und analysiere stundenlang die Situation.
      Das kenne ich alles auch. Komisch das.
      Und ich kann immer noch nicht gut weggehen, wenn die Tasche zu lange plaudert.
      Das nervt mich an mir.

      Nixe wrote:

      Ja, genau, manchmal dachte ich, der Knoten wäre geplatzt, ich musste nur etwas verarbeiten und überwinden und dann bin ich wie alle anderen, war scheinbar zeitweise erfolgreich
      damit. Aber ich kann das Niveau nicht halten, habe mir selbst wohl auch was vorgemacht.
      Und du sagst es, "selbstverschuldet seltsam", das ist es, was andere Menschen von mir denken und mich teilweise auch spüren lassen bzw. mehr oder weniger über mich sagen.
      Auch das kenne ich so ähnlich. in der guten Zeit scheint alles normal, dann plötzlich geht es doch nicht.
      Ich weiss nicht, an welcher Stelle ich mir etwas vormache oder die anderen mir.
      Oder ob das normale Phasen sind und ich aber das seltsam finde?

      Selbstverschuldet seltsam, sagen sogar bisweilen meine langjährigen Freundinnen. Da könnte ich in die Tischkante beissen...ich begreif nicht, wieso sie mich nicht endlich begreifen.
      Sie sind klug, ich auch, ich erkläre..und doch kommt es immer wieder zu so Etwas.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Limax wrote:

      ich bleibe jetzt mal hartnäckig bei meinem Thema: wie gehst Du mit Deiner Mutlosigkeit um?
      Ganz einfach - ich habe resigniert.
      Und ich kann es nicht mehr hören, dass ich mir "etwas Mühe geben soll, weil ich doch sonst so intelligent bin"...

      Im beruflichen Kontext passe ich auf, das ich fachlich korrekt bin und bleibe und unterlasse allzu persönliches. Da schirme ich mich, so gut es geht, ab.

      Im privaten Bereich habe ich es aufgegeben, verstanden und akzeptiert zu werden, so wie ich bin.
      Ich wünsche mir immer noch Freunde, denn meine einzige Freundin ist weit weg und auch noch frisch verliebt, also praktisch z.Z. nicht ansprechbar.
      Und wenn dann solche Aussagen kommen wie: "Das verstehst Du nicht, Dir ist doch so etwas wesensfremd." - dann könnte ich sonst was tun. :cry:


      Linnea wrote:

      Selbstverschuldet seltsam, sagen sogar bisweilen meine langjährigen Freundinnen. Da könnte ich in die Tischkante beissen..
      Kenne ich auch, nur mit anderen Worten und auch von meiner Freundin. Auch sie ist sehr intelligent und versteht mich trotzdem nur selten.
      "Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt."


      (Johann Wolfgang von Goethe)

      The post was edited 1 time, last by Lilith ().

    • Limax wrote:

      Und meine guten Erfahrungen mit Offenheit müssen ja nicht zwingend übertragbar sein.
      Da ich ja keine "echte" Diagnostik habe tu ich mir da schwer etwas offener damit umzugehen... aber as klingt bei dir jedenfalls alles recht undramatisch. :thumbup: :)
      Wäre jetzt eigentlich die Frage ob das an dir und/oder deiner Umgebung liegt! :roll:

      Bin jedenfalls noch heute total platt vom Samstag... x(
    • @kalt
      Ich verstehe Deine Bedenken. Soweit ich das hier im Forum verfolgt habe, kann so eine Offenheit auch schief gehen. Ich glaubte aber, keine andere Wahl zu haben, gerade was die Arbeit betrifft, weil ich von bestimmten Aufgaben freigestellt werden musste und immer noch muss, die eigentlich das Berufsbild ausmachen. Hilfe konnte ich nach meiner Vorstellung nur mit nachvollziehbaren Argumenten bekommen, vor allem, weil es bei mir, wie bei vielen, die erst spät diagnostiziert werden, ja lange (scheinbar) funktioniert hat. Daher die Flucht nach vorne und die Offenheit. Und wenn man erst einmal offen damit umgegangen ist, fallen die nächsten Schritte leichter. Jedenfalls befürchte ich, dass meine Herangehensweise nicht als Patentrezept taugt und ich bisher Glück hatte.
      Vielleicht findest Du ja Formulierungen, die für die anderen nachvollziehbar sind, ohne allzuviel Preis geben zu müssen. Meine Erfahrung damit war aber, das Nicht-Autisten immer glauben, unsere Probleme auch zu kennen, mit den Begriffen aber irgendwie was anderes verbinden. Also, ich meine Erschöpfung, zu laut, zu viele Menschen etc. Und dann wird es schwieriger, sich verständlich zu machen, ohne zu sagen, was los ist oder was man vermutet. Zumindest war das mein Problem, als es auch außerhalb der Arbeit darum ging, mich zu erklären. Selbst mit der Diagnose - die bei mir ja auch nicht eindeutig ist, ich habe ja 3 Varianten zur Auswahl - ist es nicht ganz einfach, den NAs begreiflich zu machen, was bei mir passiert, wenn ich mit mehrern Menschen zusammen bin...
      Sorry, jetzt habe ich es für Dich wahrscheinlich noch komplizierter gemacht :m(:
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • @Limax

      Ist alles gut... keine Sorge! :)

      Hab bereits vorsichtig hier und da sowohl bei Freunden, wie auch bei der Arbeit (notgedrungen) das Thema mit einfließen lassen.
      In welche Richtung sich das aber jeweils entwickeln wird muss ich wohl einfach abwarten.

      Letztlich bewegt sich das alles nun ein wenig und ich fühl mich nicht mehr so sehr gelähmt... wenn ich halt am Ende ohne Freund und Job dastehe hab ich hoffentlich wenigstens endlich mal wieder etwas mehr Ruhe und Zeit für meine sonstigen Interessen... 8-)
    • Enigma wrote:

      Ich glaube, gerade (sehr) hochfunktionalen Autistinnen und solchen, die vielleicht auch nur am Rand des Spektrums kratzen, geht es so. Fast normal, und doch auf ganz fundamentale Art nicht.
      ja, das ist auch mein Gefühl. Ich kratze sicher eher am unteren Rand des Spektrums und trotzdem habe ich genau dieses Gefühl nie dazuzugehören und irgendwie immer doch der letzte zu sein, den man fragt, wenn man ihn fragt... aber immerhin habe ich ein paar (und zwar ganu 2) gute Freunde, die mich so akzeptieren, wie ich bin und trotzdem einladen :) aber dafür habe ich auch ewig suchen und hart arbeiten müssen...

      Enigma wrote:

      Ich kann jeden deiner Sätze unterschreiben. Genau das ist auch mein Dilemma. Ich wünsche mir Kontakt, Dazugehören, selbstverständliche Gemeinschaft, aber ich schaffe es nur an die Peripherie jeder, egal welcher, Gruppe. Kollegen, Nachbarn, alte Freunde als Clique, Kindergarteneltern - ich strenge mich so unglaublich an, Kontakte zu knüpfen, und es führt auch zu einem vagen "Dabeisein". Aber nie zu einem echten Zugehörigkeitsgefühl.
      genau das. brauche ich nichts mehr zu zufügen! ich Wünsche dir trotzdem, dass du nicht aufgibst. Es gibt die Menschen, die dich mögen, wie du bist, aber sie sind leider selten und man muss sie ganz schön lange suchen ... aber es gibt sie!
    • @Enigma @Linnea : Danke, dass ihr mit mir teilt, dass ihr ähnliche Erfahrungen macht, es treibt mir fast die Tränen in die Augen.
      Und ja, Enigma, mir wurde auch erst so richtig klar, dass ich AS habe, als ich mal von den Unterschieden bei weiblichen AS las.


      @Linnea Übrigens bin ich auch kein Technik-Freak, sondern eher von Pflanzen fasziniert und ich liebe auch den Frauenmantel und seinen Lotus-Effekt sehr. ;)

      Was du über gute und schlechte Zeiten schreibst - unter sehr guten Umständen, wenn ich viel Reserven habe, packe ich die Integration, aber bei Krisen bricht das Kartenhaus zusammen.
      Die Kraft für die erfolgreiche Kompensation fehlt dann einfach.

      Erklärst du deinen Freundinnen, dass du AS hast? Und das hilft auch nicht?
      Ich hab ja keine offizielle Diagnose und bin daher auch nicht "geoutet". Aber ich hätte sehr das Bedürfnis mit meiner, na ja, sozusagen
      letzten verbliebenen Freundin darüber sprechen zu können.
      Aber ob es das besser oder schlimmer macht..?


      @Lilith Was deine Freundin zu dir gesagt hat, dass Verliebtsein dir wesensfremd wäre, das zerreißt mir das Herz.


      @Schwedigum Schön zu hören, dass du zwei wertvolle Freundschaften dauerhaft etablieren konntest!

      (Bin die nächsten Tage unterwegs, kaum mit Zugang zu Internet.)
      _________________________________________________________________________________________________
      "Nimm nichts persönlich. Nichts was andere Leute zu dir sagen ist wegen dir, es ist wegen ihnen selbst."
      — Miguel Ruiz
    • Ich leide tatsächlich alleine weniger als in Gemeinschaft. "Zusammen" in jeder Form ist unglaublich anstrengend für mich. Währenddessen und lange danach.
      Das hat irgendwann dazu geführt, dass ich mich auch nicht mehr danach gesehnt habe. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ich während der Arbeit und beim Sport unter Menschen bin und mich dort auch akzeptiert fühle. Sozialkontakte fehlen mir nicht. Privat brauche ich dann kaum noch Interaktionen. Geht auch gar nicht, weil ich sehr viel Verarbeitungszeit brauche. Ich muss nach der Arbeit für mich sein, sonst platzt mein Hirn. Sonst krieg ich nichts mehr hin, nicht mal mehr einkaufen.
      Ich bin dort, wo ich unter Menschen bin, von den meisten wohl geschätzt aufgrund meiner hohen Intelligenz. Es gibt auch zwei, drei Leute dort, mit denen ich mich gut unterhalten kann, weil die intellektuelle Ebene halbwegs passt.
      Zugehörigkeitsgefühl gelingt immer nur bis zur berühmten unsichtbaren Wand. Ich hatte letztes Jahr eine schwere Depression. Die hat dazu geführt, dass ich jedesmal das Gefühl hatte, ich schlage mir an dieser Wand den Kopf blutig, beim Versuch, sie wenigstens zu durchschauen. Seit die Despri weg ist, ist auch dieses Gefühl weg. Ich kann akzeptieren, dass ich anders bin und nie hinter diese Wand gelangen werde.

      Ich muss immer aufpassen, dass meine Intelligenz nicht ausgenutzt wird. Noch dazu bin ich "scannerintelligent". Ich kriege also nicht nur eine Sache ganz gut hin ;) , sondern bin in ganz unterschiedlichen Gebieten einsetzbar. Da bin ich in meiner Eigenverantwortung gefragt, nicht alles machen zu müssen, und ich kriege es auch ganz gut hin.
      Schlimmer ist, dass sich meine Perspektivenübernahme im Arbeitsmodus total verabschiedet. Dann werde ich oft hart in meiner Kritik, ohne es zu wollen. Einfach weil die Sache an sich Müll ist, jemand Quatsch redet- nach meinem Verständnis... o.ä. Ich kriege dann nicht gut zusammen, dass eine Arbeit, eine Aktion von einem Menschen initiiert oder gemacht wurde. Der ja Gefühle hat. Die ich dann ungewollt verletze. Wird mir das klar, beschäftigt mich das über Tage. Weil ich wieder in meiner eigenen Problematik gefangen war. Weil das etwas an mir ist, dass ich nicht verändert kriege, auch nicht mit Therapie. Da stellt sich ein Automatismus ein. :m(:

      Bezüglich des Outing: meine zwei engsten Freunde wissen von AS. Einer davon ist vmtl. auch im Spektrum.
      Ich habe noch eine andere, neurologische Erkrankung. In diesem Fall und nur in diesem ist das Glück im Unglück. Denn diese Symptome nehme ich insb. im Job als Argumente, um mich vor dem zu schützen, was mir so schadet. Funktioniert ganz gut, weil sich nicht autistische Menschen unter dieser Erkrankung viel mehr vorstellen können, als unter Autismus. Bzw. das, was sie mit Autismus verbinden würden, wäre vermutlich nicht das, was uns HF ausmacht. Das will ich mir nicht antun.
    • Nixe wrote:

      Ja, genau, manchmal dachte ich, der Knoten wäre geplatzt, ich musste nur etwas verarbeiten und überwinden und dann bin ich wie alle anderen, war scheinbar zeitweise erfolgreich
      damit. Aber ich kann das Niveau nicht halten, habe mir selbst wohl auch was vorgemacht.
      Und du sagst es, "selbstverschuldet seltsam", das ist es, was andere Menschen von mir denken und mich teilweise auch spüren lassen bzw. mehr oder weniger über mich sagen.
      Geht mir auch so. Ich habe Phasen, da denke ich, ich bin total normal, bekomme alles super hin und alles funktioniert toll: mit Freunden treffen, arbeiten, Partnerin, Hobbies und dann passiert es dass sich das irgendwie langsam "ausschleicht". Ich treffe mich dann zuerst weniger mit Freunden, dann vernachlässige ich Hobbies, danach habe ich weniger Kapazität für meine Freundin und schaffe nur noch die Arbeit. Manchmal wechselt das aber auch bei mir von einem Tag auf den anderen oder innerhalb des Tages mehrfach ab. Ich habe dann ein Gefühl vollkommener Überforderung und weiß überhaupt nicht mehr, was ich machen soll und verliere mich komplett in diesem Gefühl. (Das ist eher selten und auch neu, meine Therapeutin meint auch, es hängt mit der Therapie zusammen und sei ein positives Zeichen). Für gewöhnlich ist es ein Ausschleichen. Wenn ich dann länger komplett isoliert bin bzw. sobald es soweit ist, dass ich beginne meine Partnerin zu vernachlässigen, rolle ich das Feld von hinten auf. Es ist aber anstrengend. Ich denke die Phasen völlig abzulegen geht nicht. Aber villeicht ist es möglich, diese Pahsen durch entsprechende Strategien zu verlängern bzw. die Abwärtsspirale früher schon zu unterbrechen. Das wäre so mein Wunschziel.

      Nixe wrote:

      Erklärst du deinen Freundinnen, dass du AS hast? Und das hilft auch nicht?
      Ich hab ja keine offizielle Diagnose und bin daher auch nicht "geoutet". Aber ich hätte sehr das Bedürfnis mit meiner, na ja, sozusagen
      letzten verbliebenen Freundin darüber sprechen zu können.
      Aber ob es das besser oder schlimmer macht..?
      Ich habe es mittlerweile einigen Leuten gesagt - auch wenn ich (noch) keine offizielle Diagnose, sondern nur eine sehr sichere und begründete Überzeugung meiner Therapeutin habe. Die "Eingeweihten", das sind meine Partnerin, meine Familie und ein paar sehr enge Freunde. Ich finde, es hat meine Situation eindeutig verbessert und es ist auch für mein Umfeld viel einfacher, damit umzugehen. Es macht Treffen unkomplizierter und weniger seltsam für die anderen (wenn ich z.B. einfach Ewgikeiten nichts mehr sage oder plötzlich gehen will, weil mir alles zu viel wird etc.) Ich kann auch mit diesen Leuten sehr offen reden, das finde ich extrem wichtig, weil diese Menschen dann auch sagen können, wenn ich wieder in einer Phase der kompletten Überforderung (s.o.) bin, dass alles nicht so aussichtslos ist und sie können mich verstehen und beruhigen, mich auch davon abhalten "dumme" Entscheidungen zu treffen (z.B. meine Job kündigen, Freundschaften abbrechen, etc.), die ich am nächsten Tag bitter bereuen würde. Wir können dann gemeinsam Lösungen suchen, die mich entlasten können (statt Job kündigen, die Arbeitsbelastung reduzieren) und oft denke ich dann statt der Überforderung über die Alternative nach und nach einer Weile geht es wieder. Wenn die Leute das nicht wüssten, würden sie meine Sorgen auch nicht verstehen. Ich denke, man versteht in etwa, was ich meine ;) Also ich kann nur dazu ermutigen, es einem ausgewhlten (!) Kreis zu sagen, auch wenn es sicher sehr große Überwindung kostet, aber es wird nach jedem Mal leichter ;)
    • Schwedigum wrote:

      Ich kann auch mit diesen Leuten sehr offen reden, das finde ich extrem wichtig, weil diese Menschen dann auch sagen können, wenn ich wieder in einer Phase der kompletten Überforderung (s.o.) bin, dass alles nicht so aussichtslos ist und sie können mich verstehen und beruhigen, mich auch davon abhalten "dumme" Entscheidungen zu treffen (z.B. meine Job kündigen, Freundschaften abbrechen, etc.), die ich am nächsten Tag bitter bereuen würde. Wir können dann gemeinsam Lösungen suchen, die mich entlasten können (statt Job kündigen, die Arbeitsbelastung reduzieren) und oft denke ich dann statt der Überforderung über die Alternative nach und nach einer Weile geht es wieder. Wenn die Leute das nicht wüssten, würden sie meine Sorgen auch nicht verstehen. Ich denke, man versteht in etwa, was ich meine
      Boah, ist das toll, das hätte ich auch gerne.
      Nein, sie reagieren immer noch nicht so, wie du es berichtest..eher erst ein Lippenbekenntnis..dann aber die alten Erwartungen und völliges Unverständnis bisweilen, wenn ich eben überfordert bin und sie in der Situation es eben nicht wären.

      Zudem fühlen sie sich noch dadurch von mir abgewiesen, dabei geht es darum ja nicht, nur um meinen Schutzraum.
      Sie hätten mich immer noch gerne, wie sie selber sind. Oder denken, dass sie sind. (ich schreibe das, weil sie so gerne Konsens haben, obwohl sie so unterschiedlich sind. Und dafür muss man Sichverbiegen in Kaufnehmen.)
      Ein Teil mag mich "trotzdem"..schieflächel.....aber von Akzeptanz ist das weit entfernt.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Limax wrote:

      Ich bin von jeder Kommunikation sehr schnell überfordert
      Durch die Suchfunktion bin ich auf das Thema gestoßen.
      Ich finde ambivalent trifft die Sache auch bei mir.

      Einerseits tue ich mich schwer, wenn Fragen nicht sehr deterministisch sind, also zum Beisipiel "Wie war es in der Schule?" -- innerlich denke ich mir dann: Was genau will er/sie wissen? Wo soll ich anfangen? Meistens Reihe ich dann Details aneinander, was dann bei Leuten zu Kommentaren führt: Ich sei durcheinander.

      Andererseits tue ich mich manchmal auch schwer, wenn es um das exakte Benennen von etwas geht. Da passt dann das englische Sprichwort: "Beating around the bush" (Um den heißen Brei herumreden).

      Ich hab da noch keine Regel erkannt, wann was zutrifft. Meine Arbeitsthese im Moment ist: Es hängt von Interessen und Gefühlen ab, aber das ist ja fast eine Joker-Antwort ;) .