Ambivalentes Verhältnis zu Kommunikation und Menschen

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    • Ambivalentes Verhältnis zu Kommunikation und Menschen

      Sicher kenne einige von Euch das - die Frage ist, wie geht Ihr damit um:
      Ich bin von jeder Kommunikation sehr schnell überfordert, egal ob ich die Menschen mag oder nicht. Mit mehr als 3 anderen bin ich kaum in der Lage, präsent zu bleiben. Was ich meine, ich bin fast sofort abgeschottet, wie in einer Membran. Mir fehlt dann jedes Dazugehörigkeitsgefühl und der Lärm (das Reden der anderen, eventuell noch Geschirrgeklapper .. ) ist nur anstrengend bis zum Overload. Bei bis zu 3 Menschen geht es besser, ich kann länger präsent bleiben, es strengt mich aber trotzdem sehr an, was ich leider häufig erst später merke. Ich bin dann lange erschöpft. D.h. ich brauche manchmal Tage, um mich von 3 Stunden Familienfeier zu erholen. Wenn auf der Arbeit mehrere Gespräche stattgefunden haben, bin ich KO, bevor mein Pensum geschafft ist und eine 5 Tage-Woche ist dann auch viel zu lang.
      Abgesehen davon, dass sich einfach nicht alle Kontakte vermeiden lassen, habe ich aber auch gleichzeitig ein gewisses Bedürfnis danach, mal mit anderen zusammen zu sein oder zu reden. (Nicht gerade smalltalk. Aber das ist - glaube ich - ein anderes Problem.)
      Jetzt doch noch mal als Frage: kennt Ihr das und wie geht Ihr damit um?
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • Hallo Limax,
      Das kenne ich gut. Mich überfordern Gespräche, gerade mit mehreren Menschen auch schnell. Am liebsten rede ich immer nur mit einer Person. Du beschreibst das sehr schön mit dem präsent bleiben. Das trifft es sehr gut. Ich habe auch Schwierigkeiten damit. Ich fange dann an mich ablenken zu lassen von den Nebengeräuschen und es wird alles nur noch ein Brei Geräusch, wie jemand hier im Forum in einem anderen Thema auch schon beschrieben hat. Und dann kann ich dem Gespräch gar nicht mehr folgen.
      Das ist dann nur noch anstrengend, denn es wird ja erwartet, dass man zumindest weiterhin so tut als höre man zu also soziales Lächeln und co,,.
      Ich brauche auch oft lange mich von sozialen Beanspruchungen zu erholen. Manchmal neeeeehme ich mir dann bewusst zeit allein und spreche mit niemandem.

      Lg
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Ja, das kenne ich auch. Wenn ich merke, dass mir alles zu viel wird, verschwinde ich mal für ein paar Minuten auf das WC oder streune um das Buffet (falls vorhanden) oder ich geh halt mal kurz raus (Vorwand: Handychecken, ob mit Hund und Kind zu Hause auch noch alles ok ist)

      Autogenes Training und Meditation haben mir sehr geholfen.

      Wichtig ist, dass ich auf meinen Körper und Geist achte und meinen aktuellen Stresspegel kenne. Meistens klappt das gut, aber ich habe auch mal Tage, da bleib ich dann besser zu Hause...
      "Isaac Newton war ein großer Wissenschaftler, aber kein sehr netter Mensch."
      Stephen Hawking
    • Kenne ich leider auch zur Genüge. Ich verziehe mich dann zwischendurch immer mal für kurze Zeit auf die Toilette oder gehe kurz raus (sofern das möglich ist). Wenn es geht, meide ich solche Situationen, aber das geht ja auch nicht immer. Mir sind Einzelgespräche immer noch am liebsten, denn da kann ich mich viel besser auf mein Gegenüber und das Gespräch konzentrieren (zumindest, solange die Umgebung nicht zu laut, bzw. hektisch ist). Meditation hilft mir im Vorfeld ein bisschen, verhindert einen Overload aber auch nicht, sondern zögert ihn höchstens ein wenig hinaus. Anschließend hilft mir Meditation aber recht gut. Es dauert dann nicht ganz so lange, bis ich wieder funktionsfähig bin. Leider bin ich nach solchen Terminen anschließend aber meistens so fix und foxi, dass an Meditation gar nicht mehr zu denken ist. x(
    • Hallo.

      Ich kenne das auch, ich mochte eigentlich Freunde immer nur einzeln oder evtl. noch mit ihrem Partner treffen.

      In größeren Gruppen komme ich nie automatisch oder unbewusst in die sich bildenden kleineren Gesprächsgruppen. Selbst wenn ich auf eine offene Körperhaltung, entspannte Stimme und Augenkontakt achte, habe ich trotzdem den Eindruck, dass mit mir unterdurchschnittlich oft ein Gespräch begonnen wird.

      Mit dem normalen Lärm in einer reinen Erwachsenengruppe komme ich noch sehr gut klar, das ist für mich fast wie so eine Art weißes Rauschen.

      Aber das mit dem fehlenden Dazugehörigkeitsgefühl, das kenne ich.
      Ein paar Jahre war ich ganz gut in einen Kollegen-Freundeskreis integriert, also mit Einladungen und Gegeneinladungen, aber nach einer ganze Weile saß ich mal auf so einer Feier, von außen betrachtet alles normal und locker (auch ich), und dachte, wow, wie einsam ich mich fühle. Da hatte vielleicht auch dieses Membran-Gefühl, das du beschreibst, als wäre ich von den anderen getrennt. Wie eine unsichtbare Wand.
      Ich denke, ich funktioniere trotzdem, kann es überspielen, aber es ist da. Also ich vermute, anders als bei dir, bekomme ich die Gesprächsinhalte, die an mich gerichtet sind, noch mit. Allerdings vergesse ich sie erfahrungsgemäß in wenigen Tagen wieder, weil die emotional besetzten Erinnerungen an die Treffen mein Beschäftigtsein mit meinen Problemen in der Situation sind.

      Und nach Treffen in einer Gruppe, da brauche ich Stunden um runterzukommen. Muss erst mal allein am PC sein oder sowas.

      Ich habe eine Vermutung, warum ich mich nicht zugehörig fühle.

      Die Menschen kommunizieren unbewusst über ihre Körpersprache, über Mimik und auch über die Bestätigung, die sie sich gegenseitig geben, je nach sozialer Rangordnung.
      Früher hab ich das nicht wahrgenommen oder verstanden. Im Lauf meines Lebens hab ich viel darüber gelesen und im Alltag gelernt. Allerdings fand ich es zunächst absolut erschreckend, was da alles abgeht und mir entgangen war, und auch abstoßend, weil ich es unethisch fand, weil die Signale nicht unbedingt mit dem offen gesagten Gesprächsinhalt korrelieren und mir manipulativ erschienen. Viele Menschen drücken ja z.B. schon beim Händedruck (Hand des Gegenübers mit beiden Händen umgreifen) aus, ich bin der Stärkere, du hast keine Chance, ordne dich unter.

      Ich will darauf hinaus, ich weiß viel, kann andere ganz gut lesen und entsprechend reagieren, zumindest in Standardsituationen. Aber bei anderen macht das ihr Unterbewusststein, selbst wenn sie andere manipulieren, sind sie dabei unschuldig.Wenn jemand einen Witz erzählt, den ich nicht lustig finde, muss ich bewusst entscheiden, will ich lachen um des sozialen Bandes willen? Aber wenn ich es mache, verrate ich dann, was ich wirklich bin? Ist das unethisch?
      Also kann ich mich benehmen wie die alle, aber ich bin dabei nicht so rein und unschuldig. Ich komme mir vor wie eine Schauspielerin.
      Klar, dass ich mich da nicht zugehörig fühle. :(

      Aber: Ich hatte immer Sehnsucht nach menschlichem Kontakt, und dazuzugehören! Ich würde fast alles dafür geben.
      Kennt ihr Nicole Schuster? Sie hat AS, war in den Medien, und sie lebt allein in einer Wohnung über der ihrer Eltern und sie sagt, Glück, das ist für sie ein frischer Kopf Wirsing. Und ich glaube ihr das.
      Aber für mich, für mich funktioniert das nicht. :(
      Meine "Krankheit" oder Anderssein, wie auch immer, ist unlogisch und grausam: Ich fühle mich nicht wirklich unter anderen wohl, aber ohne die Gemeinschaft, die Gesellschaft, ohne einen Platz darin, bin ich auch unglücklich.
      Ich bin auf jeden Fall so durchschnittlich, dass ich mir das "aus tiefster Seele" wünsche, die Zugehörigkeit, und so eingeschränkt, dass ich es nie wirklich erreicht habe. :cry:

      Nixe
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      "Nimm nichts persönlich. Nichts was andere Leute zu dir sagen ist wegen dir, es ist wegen ihnen selbst."
      — Miguel Ruiz

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    • Vielen Dank für Eure schnellen Antworten.
      Es tut schon mal gut, zu sehen, dass ich nicht alleine dastehe und Ihr mich versteht :d

      Leider hilft mir kurz rausgehen nicht wirklich. D.h., im ersten Moment schon, ich kann dann die Feier halbwegs überstehen, aber die späteren Folgen sind trotzdem da. Weihnachten war es ganz schlimm, weil bei mir Erschöpfung leider mit Depression und Depression mit Suizidalität verknüpft ist. Im Moment versuche ich es mit Vermeiden, aber ist das eine Dauerlösung? Wie gesagt, mich frustriert total, dass ich eben auch gerne ein bißchen Kontakt hätte. Aber selbst zu Hause ist es oft zu viel. Wir haben schon Schweigezeiten eingeführt ... Vielleicht bin ich da wirklich extrem empfindlich :nerved:
      Und Meditation hilft auch nicht wirklich. Ich kann es eigentlich recht gut, aber genau dann -d.h. In so einer Erschöpfungssituation - nicht.
      Frustriert Euch diese Erschöpfung auch? Der Frust macht's natürlich nicht besser...
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    • @Nixe
      Ja, dass mit der Kommunikation über Körpersprache ist auch für mich ein Problem. Seit der Diagnostik weiß ich, dass ich Mimik nicht nur sehr schlecht lesen kann, sondern leider auch falsch ins Negative interpretiere. Das Wissen ändert leider nichts an der Verunsicherung, die ist schneller und stärker. Natürlich führt das auch zu dem Gefühl außen vor zu sein. Irgendwie fehlt mir ein Schlüssel zu dem Gemeinschaftsgefühl der anderen. Aber ich hätte es auch sooo gerne. Blöd jetzt mal :(
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    • Es tut mir leid zu hören, wie es dir geht. :(
      Ich denke, bei dir ist es noch ein ganzes Stück heftiger als bei mir.

      Nichtsdestotrotz bin ich momenten auch in Rückzug und selbstgewählter Isolation begriffen.
      Ich verstehe, was du meinst, dass die späteren Folgen da sind.
      Bei mir sind die Folgen vielleicht nicht so heftig wie bei dir, aber trotzdem ging nach Jahren, die ich das Gruppenfeiern & Co mitgemacht hab und in denen ich auch soziale Fähigkeiten ausgebaut habe, für mich das "Preis-Leistungs-Verhältnis" nie auf. Ja, das ist Resignation durch Frust bei mir.
      Und daher meide ich.

      Ich hatte auch mal mit Meditation begonnen, aber ich bringe meist die Anfangsenergie nicht auf.

      Vielleicht hat jemand anderes ja noch einen hilfreichen Rat für dich, ich hoffe es! :thumbup:
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      — Miguel Ruiz
    • @Limax

      Ja, das ist klar, dass dich das verunsichert, wenn du andere so schlecht lesen kannst. Logisch.

      Ich denke, ich kann Mimik inzwischen sehr gut lesen. (Wegen solcher Fähigkeiten hab ich Bedenken, dass ich nie offiziell diagnostiziert werden könnte.)
      Aber: Nur dann, wenn ich fit bin, wenn die Mimik ehrlich ist und wenn ich ein wenig länger beobachten kann, oder auf einem Standbild, kein Problem.
      Am schwierigsten sind sehr kurze Begegnungen für mich. Ich vermute, dass dieses unbewusste Lesen in Sekundenbruchteilen, wo man auch die Chance hat, die unkontrollierbaren, spontanen Mimikzuckungen zu erwischen, das kann ich wohl gar nicht.

      Als Kind haben sich andere Kinder einen Spaß daraus gemacht, mir Blödsinn zu erzählen, weil ich alles für wahr geglaubt habe, egal, was und wie sie es erzählten.
      Ich log nicht und konnte mir nicht vorstellen, dass andere lügen! :shake:

      Inzwischen bin ich unheimlich misstrauisch, aber auch mir selbst gegenüber, weil ich nie sicher bin, ob ich andere richtig lese.
      Man kann das ja oft auch hinterher nicht wirklich objektivieren. Deswegen sind meinem Lernen da Grenzen gesetzt.
      So kleine Nuancen in angespannten Situationen, das kann man sich wohl kaum anlesen.
      Selbst wenn ich solche Situationen hinterher jemandem erzähle, ist das ja durch meine "Brille" gefiltert, und ich weiß nicht, was ich übersehen habe und was meine Schilderung falsch färbt. Funktioniert das denn, wenn du versucht, solche Situationen hinterher deinem Therapeuten zu erzählen?
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      — Miguel Ruiz
    • @Nixe
      Mit meinem Therapeuten habe ich das im Detail, also an konkreten Beispielen, noch nicht besprochen, was die Mimik betrifft. Ich irritiere ihn etwas, da ich (angeblich) sehr empathisch bin und sehr gut kommunizieren kann und gleichzeitig Menschen eben sehr schlecht vertrage. Also, Gespräche mit Menschen, meine ich. Nur, wie anstrengend das ist und wie überfordernd, dass merkt man in Einzelgesprächen nicht. Allerdings sehr schnell, wenn ich in Gruppen gerate. Seine Lösung heißt: Kommunikation meiden, so umfassend wie möglich. Und dann bin ich wieder bei meinem Frust, weil das bei den anderen nach soviel Spaß aussieht. Shit happens. Man kann wohl nicht alles haben.
      Mimik nicht oder nicht gut lesen zu können, ist ja auch nicht das einzige Problem bei Kontakten mit mehreren. Durcheinanderreden, schnelle Themenwechsel, Umgebungsgeräusche ....
      Aber auch Einzelgespräche stressen mich relativ schnell und lange.
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • Ah, interessant, empathisch und kommunikationsfähig.
      Das denken viele auch von mir. Gerade wenn es Menschen schlecht geht und sich mir öffnen, reagiere ich einfühlsam, weil ich schon viel Schlechtes erlebt habe.
      Das erfüllt sicher auch das AS-Klischee nicht. :(

      Aber schade, dass dein Therapeut dir nicht wirklich weiterhilft. Meiden, na ja, da komme ich auch ohne einen Therapeuten von selbst drauf... Aber Meiden hat ja auch negativen Einfluss auf das eigene Leben. :(

      Tut mir leid, wirklich alles nicht einfach.
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    • Ich kann auch "gut zuhören". Das heißt aber in Wirklichkeit, dass ich die "normalen" nonverbalen Signale "aufhören, interessiert mich nicht" nicht aussende, die bestimmte Personen (Langweiler oder Gestörte) von allen anderen Gesprächspartnern ständig bekommen.
      D.h. als Autist kann man in der Situation sein, dass das "Zuhören" empathisch wirkt, in Wirklichkeit aber nur bedeutet, dass man behinderungsbedingt keine Exitstrategie für anstrengende Gespräche hat.
      Da würde ich mal mit dem Therapeuten drüber reden: denn ohne solch eine Strategie besteht die Gefahr, dass man emotional "ausgenutzt" wird. Deshalb die Erschöpfung. Und sowas passt dann wieder zu Autismus. Leider.
    • shnoing wrote:

      D.h. als Autist kann man in der Situation sein, dass das "Zuhören" empathisch wirkt, in Wirklichkeit aber nur bedeutet, dass man behinderungsbedingt keine Exitstrategie für anstrengende Gespräche hat.
      Ein interessanter Gesichtspunkt. Das kenne ich sehr gut von mir - finde es auch immer schwierig, auszuweichen, ohne zu explizit und/ oder unhöflich zu werden und habe mir daher schon so manche anstrengenden Gespräche anhören müssen. Gleichzeitig schätzen aber durchaus auch tatsächlich viele Menschen mein Feedback als Zuhörerin - ich denke schon, dass es eine Art "autistische Empathie" gibt, die gerade aus der Notwendigkeit heraus entsteht, sich das Verhalten und die Emotionen anderer rational zu erschließen. Allerdings funktioniert diese "Empathie" bei mir nur denen gegenüber, die mit mir prinzipiell freundlich umgehen und tatsächlich meine Gedanken hören wollen. Bei Menschen, die mich ohnehin kritisch sehen bzw. nicht mögen, kann ich damit "nichts rausreißen".

      shnoing wrote:

      ohne solch eine Strategie besteht die Gefahr, dass man emotional "ausgenutzt" wird. Deshalb die Erschöpfung. Und sowas passt dann wieder zu Autismus. Leider.
      Absolut. Meinem Eindruck nach haben manche Autisten (einschließlich ich selbst) auch ein "Talent" dafür, "schwierige" und anstrengende Menschen anzuziehen. Weil sie selbst irgendwie "anders", zugleich aber oft auch gutmütig und eventuell naiv und leicht manipulierbar wirken.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Nixe wrote:

      In größeren Gruppen komme ich nie automatisch oder unbewusst in die sich bildenden kleineren Gesprächsgruppen. Selbst wenn ich auf eine offene Körperhaltung, entspannte Stimme und Augenkontakt achte, habe ich trotzdem den Eindruck, dass mit mir unterdurchschnittlich oft ein Gespräch begonnen wird.
      Das ist mir sehr vertraut, aus vielen Situationen. Kürzlich schrieb hier mal jemand zu diesen Tipps, woran man eine "offene Runde" erkennen kann (die Leute stehen nicht so eng beeinander, der Kreis ist leicht geöffnet etc.), aber auch in "offene Runden" komme ich oft nicht rein bzw. zuweilen schließen sie sich dann sogar. Häufig bin ich auch einfach zu langsam, noch immer bei einem Thema (sofern ich es interessant finde), wenn sich das Gespräch schon längst weiter bewegt hat. Und ich kann schlecht einschätzen, wann der richtige, sozial akzeptable Moment ist, andere zu unterbrechen. Gerade in größeren Runden komme ich dadurch oft entweder gar nicht zu Wort oder wirke unhöflich.

      Nixe wrote:

      Mit dem normalen Lärm in einer reinen Erwachsenengruppe komme ich noch sehr gut klar, das ist für mich fast wie so eine Art weißes Rauschen.
      Der Lärm selbst macht mir nicht soviel aus (es sei denn, ich bin wirklich extrem gestresst oder erschöpft). Aber gerade bei Nebengeräuschen fällt es mir dadurch oft schwer, einem Gespräch zu folgen, und ich werde schnell abgehängt. In größeren Gruppen "hänge" ich dann auch oft zwischen den Gespräch rechts und links (oder auch gegenüber) von mir und komme in keines wirklich rein.

      Limax wrote:

      Also, Gespräche mit Menschen, meine ich. Nur, wie anstrengend das ist und wie überfordernd, dass merkt man in Einzelgesprächen nicht. Allerdings sehr schnell, wenn ich in Gruppen gerate.
      Dito. In Einzelgesprächen kann ich, wenn es gut läuft, sogar sehr offen und kommunikativ wirken. Hängt aber extrem vom Gegenüber, meiner Tagesform und generell den Rahmenbedingungen ab.

      Limax wrote:

      Aber auch Einzelgespräche stressen mich relativ schnell und lange.
      Mich auch, vor allem, weil ich mich da nicht mal kurzzeitig "ausklinken" kann. Insgesamt sind kleine Runden für mich daher am wenigsten anstrengend, denke ich.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • Nixe wrote:





      Aber: Ich hatte immer Sehnsucht nach menschlichem Kontakt, und dazuzugehören! Ich würde fast alles dafür geben.
      Kennt ihr Nicole Schuster? Sie hat AS, war in den Medien, und sie lebt allein in einer Wohnung über der ihrer Eltern und sie sagt, Glück, das ist für sie ein frischer Kopf Wirsing. Und ich glaube ihr das.
      Aber für mich, für mich funktioniert das nicht. :(
      Meine "Krankheit" oder Anderssein, wie auch immer, ist unlogisch und grausam: Ich fühle mich nicht wirklich unter anderen wohl, aber ohne die Gemeinschaft, die Gesellschaft, ohne einen Platz darin, bin ich auch unglücklich.
      Ich bin auf jeden Fall so durchschnittlich, dass ich mir das "aus tiefster Seele" wünsche, die Zugehörigkeit, und so eingeschränkt, dass ich es nie wirklich erreicht habe. :cry:

      Nixe
      Ich kann jeden deiner Sätze unterschreiben. Genau das ist auch mein Dilemma. Ich wünsche mir Kontakt, Dazugehören, selbstverständliche Gemeinschaft, aber ich schaffe es nur an die Peripherie jeder, egal welcher, Gruppe. Kollegen, Nachbarn, alte Freunde als Clique, Kindergarteneltern - ich strenge mich so unglaublich an, Kontakte zu knüpfen, und es führt auch zu einem vagen "Dabeisein". Aber nie zu einem echten Zugehörigkeitsgefühl.

      Ganz furchtbar. Trotz AS-Verdacht war ich nie Eigenbrötlern, auch wenn ich viel Alleinzeit brauche.

      Das Schlimmste: Ich glaube, es gibt sogar sehr viele Menschen, die es ehrlich mit mir versuchen, mich "befreunden" wollen. Und sich dann irgendwann still zurückziehen.

      Ich glaube, gerade (sehr) hochfunktionalen Autistinnen und solchen, die vielleicht auch nur am Rand des Spektrums kratzen, geht es so. Fast normal, und doch auf ganz fundamentale Art nicht.
      People are strange, when you're a stranger.
    • Enigma wrote:

      Genau das ist auch mein Dilemma. Ich wünsche mir Kontakt, Dazugehören, selbstverständliche Gemeinschaft, aber ich schaffe es nur an die Peripherie jeder, egal welcher, Gruppe.
      Seit meiner Kindheit hat sich das wie ein "roter Faden" durch mein Leben gezogen. Zwar gab es Momente, wo ich glaubte, jetzt sei "der Knoten geplatzt" - aber auch dann wurde ich nach einer Weile wieder mit den bekannten Situationen konfrontiert, die mir schon seit der Grundschule oder selbst dem Kindergarten vertraut waren ... Inzwischen versuche ich es allerdings gar nicht mehr wirklich.

      Enigma wrote:

      es führt auch zu einem vagen "Dabeisein". Aber nie zu einem echten Zugehörigkeitsgefühl.
      Ganz genau. Meistens "schliefen" die Kontakte dann doch nach einer Weile ein. Aber das war noch die "nettere" Variante. In engeren Gruppendynamiken machte ich auch die Erfahrung, plötzlich doch richtig offen "außen vor" zu sein, ohne, dass ich hätte sagen können, ab welchem Punkt das "aus dem Ruder gelaufen" war.

      Enigma wrote:

      Ganz furchtbar. Trotz AS-Verdacht war ich nie Eigenbrötlern, auch wenn ich viel Alleinzeit brauche.
      Ich bin in vieler Hinsicht durchaus eine Eigenbrötlerin, wirkte auf manche auch "komisch", allerdings auf eine Weise, die zumeist wohl nicht als "behindert" bewertet wird, sondern einfach als "selbstverschuldet merkwürdig". "Komische Art" ist die Formulierung, die ich wohl am häufigsten hörte, in unterschiedlichsten Kontexten und Lebensphasen. Viel Zeit für mich allein brauche ich auch, aber ein Bedürfnis nach Kontakt und Austausch habe ich dennoch. Lange erhoffte ich, über mein Studium im Bereich meiner Interessen meine "Lebensnische" zu finden, ging das aber zu naiv an, und diese Hoffnung hat sich nun "zerschlagen".

      Enigma wrote:

      Ich glaube, gerade (sehr) hochfunktionalen Autistinnen und solchen, die vielleicht auch nur am Rand des Spektrums kratzen, geht es so. Fast normal, und doch auf ganz fundamentale Art nicht.
      Ja, das halte ich auch für die wohl schwierigste Kombination. Menschen, die stärker den Klischees über Autismus entsprechen und von der Außenwelt eigentlich nichts wollen als ihre Ruhe, haben es meinem Eindruck nach leichter, für sich eine gute Lebenssituation zu finden. Ein nach eigener Aussage depressiver erwachsener Autist erinnerte sich mal an seine Kindheit, wo er selbst deutlich auffälliger und andere Menschen für ihn unwichtiger waren. Aus heutiger Sicht meint er: "Als ich autistischer war, war ich glücklicher". Das kann ich gut verstehen und halte es bei den "hochfunktionalen" für eine häufige Entwicklung.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • @Leonora
      @Enigma
      Mein i pad spinnt etwas, ich versuche es aber trotzdem:
      Ihr habt das, was ich hier als Problem angesprochen habe, ziemlich gut auf den Punkt gebracht.
      Und ich bin ja auch nur am Rande des Spektrums, je nachdem, ob ich die Diagnostikerin, meinen Psychiater oder meinen Psychologen frage, bin ich mal gerade so nicht drin und mal gerade so drin :roll:
      @Leonora Du schreibst, du versuchst es mit den Kontakten nicht mehr wirklich. Genau das ist der Punkt, der mich gerade so frustriert. Wie gehst du damit um? Oder ist das einfach OK für dich?
      Wrong planet? Ich weiß nicht, der Planet selbst ist ganz OK, nur die vielen Menschen stören…
    • Limax wrote:

      @Leonora Du schreibst, du versuchst es mit den Kontakten nicht mehr wirklich. Genau das ist der Punkt, der mich gerade so frustriert. Wie gehst du damit um? Oder ist das einfach OK für dich?
      Ich versuche heute, Kontakte auf eine Weise zu haben, wie es zu mir passt. Kontinuierliche Gruppendynamiken funktionieren nicht, daran wird sich nichts mehr ändern und das möchte ich inzwischen tatsächlich nicht mehr. Einzelkontakte mit Menschen, die man auf Veranstaltungen trifft, gehen dagegen eher. Im Augenblick habe ich derartige Kontakte vor allem im Selbsthilfe-Kontext.
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    • @Enigma: Übrigens gefällt mir Deine Signatur. Vor Jahren sah ich im Kino mal eine Doku über The Doors, wo auch das Lied gespielt wurde. Gerade die Zeile "traf" mich richtig, und ich fand mich darin wieder.
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