Angststörungen

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    • Angststörungen

      Ich leide seit Lebzeiten mal mehr oder weniger unter Angststörungen. Es ist schade, denn es schränkt mich im Leben ein oder beeinflusst die gesamte Wahrnehmung. Therapievorschläge haben leider fehl geschlagen. Mein Fazit: ich muss wohl damit leben. Kennt ihr das auch?
    • malvina wrote:

      Kennt ihr das auch?

      Lukas wrote:

      Temple Grandin schreibt viel über Autismus und Angst. Ihrer Meinung nach ist Angst ein fester Bestandteil von Autismus.
      Interessant. Zumindest lebe ich damit . Gängige Therapieansätze sind da für mich wenn überhaupt eher weg-weiser hin zu eigenen Ansätzen damit umzugehen . Am ehesten finde ich mittlerweilen Ruhe im Sinne von
      dieser Parabel
      Vom Leben und vom Tod

      Vielleicht ist die folgende Frage eine der wichtigsten überhaupt: Wie sollen wir im Angesicht des Todes leben? Ein großer Zen-Meister erzählt dazu folgendes Gleichnis:

      Ein Mann war auf der Wanderung durch den dichten Dschungel. Plötzlich sprang ein Tiger aus dem Gebüsch.

      Der Mann rannte davon, doch das wilde Tier folgte ihm. Der Mann rannte und rannte. Er kam an eine Klippe. Dort ergriff er in seiner Verzweiflung eine wilde Weinrebe und sprang über den Rand.

      Nun hing er an der Weinrebe, voller Angst. Unter ihm konnte er auch noch einen zweiten Tiger entdecken, der nach oben zu ihm hinauffauchte und nur darauf wartete, ihn fressen zu können. Über ihm stand der andere Tiger und starrte ihn aus gelben Augen grimmig an. Die Weinrebe gab ein Stückchen nach und der Mann konnte sehen, dass sie kurz davor war, zu reißen.

      Dann fiel sein Blick auf eine saftige Weintraube gleich vor seiner Nase. Während er sich mit der einen Hand weiter festhielt, pflückte er sich eine Traube und steckte sie in den Mund.

      Wie köstlich sie schmeckte!

      (Zen-Geschichte, gefunden in: Gelassenwerden, Herder, 1996, leicht überarbeitet)
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 3 times, last by ifi ().

    • Die Parabel finde ich gut. :) Ich glaube, das ist nicht nur auf Ängste anwendbar, sondern vielleicht noch mehr auf Depressionen oder Verstimmungen.

      Was Ängste angeht, habe ich immer versucht, möglichst rational damit umzugehen, nur leider funktioniert das nicht besonders gut, wenn man gerade akut Angst hat. Es ist eher was für "davor" oder "danach". Ich analysiere dann halt immer, was ich gefühlt habe und warum, und versuche, die Ängste rational abzubauen, mit mehr oder weniger Erfolg. Im Alltag ist Angst und Sorge ein ständiger Begleiter, dadurch gewöhnt man sich daran, und das hat zumindest den Vorteil, dass man in echten Ausnahmesituationen dann nicht gleich kollabiert, weil man ja den Umgang mit Angst sowieso schon gewöhnt ist...

      Manchmal kann man gegen Angst vorgehen, indem man sich ihr stellt. Phobien wie Platzangst, Höhenangst etc. sollten aber nur unter therapeutischer Anleitung behandelt werden (Konfrontationstherapie). Das funktioniert eigentlich oft gut, aber es funktioniert nicht bei generalisierter Angst, oder wenn das Grundproblem woanders liegt (wenn z.B. jemand unbewusst seine Ängste benutzt, um dem Erwachsenwerden oder der Verantwortung auszuweichen oder um Aufmerksamkeit zu bekommen, und er sie deshalb eigentlich gar nicht loswerden möchte, obwohl sie ihn gleichzeitig belasten - nur als Beispiel).

      Bei sozialen Ängsten habe ich in Zusammenhang mit Asperger die Vermutung, dass Training (wie bei der Sozialphobie) zwar helfen kann, aber weniger gut als bei der Sozialphobie. Jemand, der nur Sozialphobie hat, muss ja nur seine Ängste überwinden, weiß aber im Prinzip, wie man sich gegenüber anderen Menschen verhalten muss. Bei Asperger können aber immer Fehler im Umgang mit Menschen passieren, sodass die Angst ja begründet ist, und Training hilft da halt nur begrenzt. Trotzdem könnte ein guter Therapeut ja vielleicht auch was bewirken, indem er das Selbstbewusstsein stärkt oder einem Strategien beibringt, wie man mit dem "Tritt ins Fettnäpfchen" umgeht und so eine Situation wieder hinbiegen kann....
      Alles wird galaktisch gut.
    • Interessant ...
      Was mich dabei am meisten bewegt: Warum macht mir eine Situation, eine Begebenheit an einem Tag Angst und an einem anderen nicht? Da wäre doch ein Ansatz für eine Verbesserung zu finden, denke ich zumindest. Ich versuche ebenfalls der Angst mit Rationalität zu begegnen aber das funktioniert in der aktuten Situation schlecht denn die Emotion ist überwältigend.
    • Vielleicht hat es was mit Selbstvertrauen zu tun, und das ist ja oft nicht jeden Tag gleich stark. Bei mir ist es auch so, dass ich an manchen Tagen Dinge besser bewältige als an anderen, weil ich mich da insgesamt stärker fühle.
      Alles wird galaktisch gut.
    • malvina wrote:

      Shenya wrote:

      Vielleicht hat es was mit Selbstvertrauen zu tun, und das ist ja oft nicht jeden Tag gleich stark.


      Ja, das ist wohl so ...


      ... ist aber imho. keine Erklärung, reicht die Frage nur an eine andere Ebene/Instanzgrösse weiter. Denn auch ein wechselndes Selbstvertrauen hat ja wiederum eine Ursache denke ich.

      Und weshalb manche Themen an manchen Tagen angstauslösend wirken, an anderen wieder eher irrelevant zu sein scheinen habe ich bisher auch noch nicht ganz rausgefunden.
      Als ob es Tage/Zeiten gibt, an denen bestimmte Themen einfach ins Bewusstsein "quellen", quasi angegangen /gelöst werden mögen...
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      Ama Samy

      The post was edited 1 time, last by ifi ().

    • Ich kenne es. Habe spezifische Ängste und Unspezifische.
      Meistens begegne ich ihnen mit größtem Mut und überwinde mich und ignoriere die Angst. Manchmal schaffe ich das allerdings nicht, inbesondere wenn ich nicht genug gegessen hatte vorher.
      Ich habe noch nicht die Erfahrung gemacht, dass vom "Sich-Stellen" eine Angst weniger stark wird. Am schlimmsten finde ich die Hilflosigkeit, wenn die körperliche, irrationale Angst überhand nimmt und ich den körperlichen Symptomen wie Herzrasen, trockener Mund, Beklemmung, Übelkeit, Durchfall oder Todesangst einfach ratlos ausgesetzt bin, ohne die geringste Idee, wie ich mir selbst helfen könnte. Viele haben so ihre Beruhigungsstrategien, ich habe für mich aber bisher keine Abhilfe gefunden, außer dass ich mir intellektuell immer wieder klarmache, dass es keinen Grund für Angst gibt. Manchmal hilft das.
    • Mark_Twain wrote:

      I Am schlimmsten finde ich die Hilflosigkeit, wenn die körperliche, irrationale Angst überhand nimmt und ich den körperlichen Symptomen wie Herzrasen, trockener Mund, Beklemmung, Übelkeit, Durchfall oder Todesangst einfach ratlos ausgesetzt bin, ohne die geringste Idee, wie ich mir selbst helfen könnte.


      Ja, das finde ich auch am schlimmsten. Wenn die Ängste so bestimmend sind, wie eine dunkle Vorahnung. Ich hasse es, kann dann schwer damit leben. Da hilft dann gar nichts. Irgendwann sind sie dann wieder weg.
    • Mark_Twain wrote:


      Ich habe noch nicht die Erfahrung gemacht, dass vom "Sich-Stellen" eine Angst weniger stark wird.

      kommt drauf an, was es für eine Angst ist. Ist es die Angst vor dem Unbekannten, also wenn man etwas machen soll oder will, was man noch nicht kennt, und überwindet man sich, es trotz Angst zu machen, dann wird es beim nächsten Mal leichter, weil man es dann schon kennt und schonmal gemacht hat. Leider funktioniert das aber nur für genau diese Situation.

      Außerdem hilft es eben in dem klassischen Fall der Konfrontationstherapie, indem man lernt, dass ein Reiz, der Angst auslöst, doch harmlos ist und einem nichts passiert. Das ist aber ein Lernprozess und baucht langsame Schritte und viele Wiederholungen.

      Schwierig finde ich die unspezifischen Ängste, wenn man plötzlich ein Angstgefühl hat und gar nicht weiß, warum eigentlich, weil es kein spezielles Ereignis gibt, vor dem man Angst hat. Zum Glück habe ich das nur sehr selten.

      Ansonsten ist es bei mir hauptsächlich die Angst vor allem, was neu ist, unbekannt ist, vor allem wenn es mit Menschenkontakt zu tun hat und ich potenziell etwas falsch machen könnte. Überhaupt habe ich permanent Sorge, etwas im Sozialverhalten falsch zu machen, das ist schon Gewohnheit. Deshalb sind bekannte Situationen einfacher, weil ich da weiß, wie ich mich verhalten muss und somit normalerweise auch nichts falsch mache. Da fühle ich mich dann sicher.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich habe große Angst vor unbekannten Situationen. Das ist wirklich schlimm bei mir aber ich weiss auch nicht was man dagegen tun kann. Ich versuch mir dann vor Augen zu halten, dass ich nachdem ich es überstanden habe wieder meinen gewohnten Routinen usw. nachgehen kann.
    • Ich hatte noch bis vor ein paar Jahren Angst davor durch Türen mit Mechanismus zu gehen. Ich hatte Panik davor, dass so eine Tür mich zweiteilt. Bis mir Jemand erklärte, dass sich diese Türen nicht schließen sondern nur öffnet, wenn man dort durch geht. Und schließlich musste ich auch mein Misstrauen überwinden. Vorher bin ich entweder gar nicht in ein Geschäft gegangen, oder wenn mich jemand begleitete und in so ein Geschäft musste, bin ich mit Panik ganz schnell da durch gerannt, wenn sich diese Tür gerade geöffnet hatte. Die Menschen die das sahen, schauten mich komisch an, weil sie mein Problem nicht verstanden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich jetzt genau weiß wie diese Türen funktionieren. In dem Film ,,Du geht's nicht allein", war dieses Problem bei Temple Grandin auch vorhanden.

      Mich würde sehr interessieren, ob ihr auch jemand erklärt hat, wie diese Türen funktionieren, oder ob sie immer noch nicht da durch gehen kann. Aber das werden wir hier wohl nicht erfahren.

      Kennt jemand hier dieses Problem, oder hat es überwunden, so wie ich? Ich war richtig stolz darauf, dass ich dieses Problem nicht mehr hatte, und ich endlich nicht mehr so stark auffiel. Unangenehme Blicke blieben mir endlich erspart.
      Autismus ist keine Hängematte auf der man sich ausruhen kann, sondern wie Nadeln auf denen man barfuß gehen muss.

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    • Ich bin generell sehr selbstunsicher, das ist mein eigene Empfinden und wird auch durch Beobachtungen von außen so von anderen wahrgenommen (zumindest wird mein Verhalten als unsicher interpretiert).

      Was ich an mir beobachte, meine Unsicherheit in bestimmten Situationen ist nicht konstant, d.h. mich verunsichernde Situationen kann ich an einem guten Tag ohne weiteres meistern, allerdings ist auch das Meistern von Situationen umgekehrt auch keine Garantie dafür, dass mir das bei einer ähnlichen Situation wieder möglich ist. Ich beobachte bei mir, dass ich Situationen immer wieder einüben muss, sonst verliere ich die Sicherheit, die ich mir bereits aufgebaut habe.

      Unsicherheit in Situationen bezieht sich auf soziale Situationen, das noch als Erklärung, deswegen wurde mir auch vor der Autismusdiagnose eine selbstunsichere Persönlichkeit zugeschrieben.

      Ich beobachte also auch, dass alles Therapieren wenig bis gar keinen Einfluss auf mein Empfinden, meine Unsicherheit, Angst hat.

      Ich habe mich auch schon gefragt, woran diese (ich nenne es mal soziale Unsicherheit) herkommt und warum sie nicht therapierbar ist und ich denk, dass dies an dem permanenten Missverständnis in sozialen Situationen herkommt, ich irritiere, bekomme dadurch irritierende Rückmeldungen, ich habe dadurch nie die Möglichkeit gehabt, Selbstbewusstsein durch Rückkopplung mit meiner Umgebung aufzubauen.

      Nur frage ich mich, warum ich mein Verhalten beständig beobachte, mich immer anpasse, Unsicherheit empfinde, es gibt Menschen (aus dem Autismusspektrum), die ohne Rückkopplung Selbstbewusstsein aufgebaut haben. Logisch lässt sich das vermutlich nicht erklären, jeder Mensch empfindet anders, die Ausprägung des Nichtverstehens variiert, die in der Kindheit erhaltene Aufmerksamkeit variiert, die Lebenserfahrungen sind unterschiedlich.
      diagn.