Borderline-Autisten (?)

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    • Borderline-Autisten (?)

      Ich habe (seit Sommer 2011) zwei Diagnosen, die sich - meiner Auffassung nach - gegenseitig widersprechen. Ich zitiere aus dem Schluss-Satz meines Diagnose-Schreibens: "... In der Gesamtschau der klinischen Symptome sowie der Zusatzdiagnostik muß von der Diagnose eines Asperger-Syndroms (F84.5) ausgegangen werden. Vordiagnostiziert wurde eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31), wobei unseres Erachtens bei der geschilderten Problematik die autistische Problematik klar im Vordergrund steht."


      Die Vorgeschichte:

      Ich war als Kleinkind schon auffallend introvertiert und ein 'Schaukelkind', das sich in eine Fantasie-Welt zurückgezogen hat und sich nicht anfassen ließ. Deswegen hat mich meine Mutter (in den 70ern) zu einer Kinderärztin gebracht, die jedoch alles als harmlos abgetan hat. Ansonsten habe ich Arztbesuche mein Leben lang zu meiden versucht, alleine schon wegen meiner Berührungsängste und mangels Mitteilungsbedürfnis.
      Im Alter von etwa 13 Jahren fing ich bereits an, mich mit Rasierklingen und Feuerzeugen zu verletzen. Ich kann bis heute nicht weinen, nicht einmal, wenn ich alleine bin, und benötigte damals ein Ventil, um Druck abzubauen. Diese Selbstverletzungen konnte ich über zwanzig Jahre lang verschweigen. Nicht einmal meine Familie, mit der ich damals noch zusammenlebte, hat etwas bemerkt.
      In meinen Dreißigern wurden meine Selbstverletzungen erst entdeckt. Damals war ich außerdem schwer alkohol- und drogenabhängig. Also schleppte mich meine Mutter gegen meinen Willen zum Psychologen. Dort bekam ich - mit einem einzigen Blick auf meine Narben - die Borderline-Diagnose. Letztere wurde innerhalb von fünf Minuten gestellt, von einem Arzt, dem ich nie zuvor begegnet bin.
      Es folgten jahrelange Therapien und wechselnde Medikation.


      Während des stationären DBT-Programms für Borderliner (2006) stellte ich fest, dass vieles bei mir ganz anders ist als bei den anderen Patienten:

      - Ganz im Gegensatz zu anderen Borderlinern bin sehr gerne allein und kann mich am besten mit mir selbst beschäftigen. Dass ich in der Klinik weder Zeit noch Raum für mich alleine - und damit meine ich wirklich ALLEINE - hatte, hat mich total fertig gemacht.

      - Ich hatte zu diesem Zeitpunkt (mit damals 34 Jahren) noch nie eine Beziehung gehabt und auch nie Interesse daran verspürt. Ich fand Frauen und Männer zwar gleichermaßen attraktiv (oder auch nicht), aber keine attraktive Person hätte mich körperlich anfassen dürfen.

      - Ich bin alles andere als sprunghaft. Alles, was ich mache, erledige ich hundertprozentig perfekt und penibel genau - selbst wenn es mir keinen Spass macht. Meine Interessen verfolge ich rund um die Uhr und bis zum Exzess. Ich kann nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun.

      - Ich habe KEINE heftigen Stimmungsschwankungen oder Gefühls-Ausbrüche, von den Selbstverletzungs-Massakern mal abgesehen. Ich kann überhaupt nicht weinen, jubeln oder toben, wirke nach außen hin immer gleich.

      - Mir fällt es schwer, die gelernten Skills praktisch anzuwenden, da meine Reaktionen zeitverzögert sind. Soll heißen, dass ich in einer Situation, in der ich überfordert bin (Zwischenmenschliches oder Reizüberflutungen -> Overloads), zunächst überhaupt nicht reagieren kann. Es ist wie eine Schock-Starre, ich kann dann weder denken noch mich bewegen. Das Durchdrehen und die Selbstverletzungen finden erst statt, wenn die Situation schon vorbei ist und ich aus meiner "Starre" erwache. Je länger ich mich zusammennehme und eine ungünstige Situation ertrage, umso heftiger wird irgendwann die 'Explosion'.

      - Borderliner verstehen ja auch vieles falsch, werten das Verhalten anderer als Angriff oder Kritik. Ich kann INTUITIV nicht erkennen, was Andere denken oder fühlen - die Zeit zur Analyse fehlt - und bin deswegen mißtrauisch. Ich verstehe alle, WAS gesagt wird, aber nicht WIE es gemeint ist. Ich glaube, das ist etwas anderes.

      Wenn ich während des DBT diese Zweifel geäußert habe, dann hieß es "Sie müssen die Diagnose annehmen, sonst können wir Ihnen nicht helfen!"
      Nach der DBT konnte ich - aus Angst vor erneuter Zwangseinweisung - auch während der folgenden ambulanten Therapie nicht offen sein. Ich konnte zu keinem Therapeuten genug Vertrauen fassen.
      Die Medikamente haben mich schläfrig gemacht, aber meine Probleme nicht gelöst. Sie hatten nicht nur extreme Nebenwirkungen (Milch in der Brust, Schweißausbrüche), sondern auch meine Drogensucht unterstützt.
      Ich habe mich letztendlich sogar noch mehr zurückgezogen und abgesondert als vor der Borderline-Diagnose. Irgendwann hatte ich dann auch die Therapie abgebrochen, meine Gehirnzellen weiterhin mittels Alkohol und Drogen freiwillig dem Verfall überlassen. Von Ärzten und Therapeuten wollte ich nichts mehr wissen.


      2010 konnte mich meine Mutter dennoch überzeugen, mich über Asperger zu informieren und mich in der Uniklinik untersuchen zu lassen. Ich musste die Fragen beantworten und die Tests und Untersuchungen durchmachen, die die meisten von Euch sicher auch durchgemacht haben, auch meine Mutter wurde befragt. Seit Sommer 2011 habe ich Gewissheit, dass ich ein Aspie bin.
      Zunächst hatte ich das Gefühl, endlich die RICHTIGE Diagnose bekommen zu haben. Sie hat mir insofern geholfen, dass ich von meinen selbstzerstörerischen Verhaltensweisen - nach mehreren Anläufen - weggekommen bin, weil ich mir meine Eigenarten nun selber erklären kann. Mehr wollte ich nicht.
      Ich bin inzwischen trocken und clean und meine Selbstverletzungen sind sehr selten geworden. Auch die Bewilligung der Rente anno 2014 hat dazu beigetragen, weil ich mich nun an meine Routine klammern und meine Kontakte selbst dosieren kann.

      Eigentlich halte ich zumindest die AS-Diagnose immer noch für zutreffend. Doch es gibt immer mal wieder Momente - meist, nachdem ich wieder eine neue Theorie gelesen habe -, in denen trotzdem Zweifel an BEIDEN Diagnosen aufkommen. Wenn ich deswegen hier im Forum vorbeischaue, dann erkenne ich mich jedoch in den meisten Beiträgen wieder.Warum die Zweifel?
      Natürlich habe ich inzwischen eine ganze Reihe von Büchern (über beide Diagnosen) gelesen, aber - Theorie in allen Ehren - meine persönlichen Erfahrungen sind oft anders (oder ich verstehe sie anders). Auch kenne ich solche Theorien im Internet, die von den autistischen Zügen der Borderliner handeln. Manche Aussage mag wohl zutreffen, manches verwirrt mich, da ich auch diese nicht nachempfinden kann. Aspie ist nicht gleich Aspie, Borderliner nicht gleich Borderliner, es gibt viele Klischees - das ist mir schon klar. Aber in bestimmten Momenten frage ich mich, ob Irrtümer immer ausgeschlossen werden können. AS wurde bei mir jedenfalls sehr viel sorgfältiger und intensiver untersucht als die Borderline-Diagnose.
      Ärzten gegenüber - ausgenommen mein Hausarzt - bin ich aufgrund meiner Erfahrungen extrem mißtrauisch.
      Ich möchte nichts anderes, als mir selbst erklären zu können, was genau mit mir los ist.


      Anders als manche andere Aspies kann ich den Leuten in die Augen sehen. Ich tue es zwar nicht intuitiv - denn oft finde ich die Gegenstände im Raum interessanter als die Gesichter meiner Gesprächspartner - aber ich schaffe es bewusst, falls ich es möchte, und halte den Blick auch aus. Körperkontakt dulde ich nicht.

      Ich kann gut erkennen, ob jemand lacht oder weint. Was ich NICHT unterscheiden kann - falls ich es mir nicht aus der Situation heraus logisch erklären kann - ist, ob jemand aus Traurigkeit oder aus Freude weint. Bei Menschen, für die ich Gefühle aufbringe, lerne ich Gesichtsausdrücke wie Vokabeln auswendig und kann dann deren Emotionen nach und nach deuten, oft jedenfalls. Ich brauche aber Zeit zum Nachdenken.

      Mein Interesse an Musik & Malerei halte ich nicht für so außergewöhnlich, dass ich es unbedingt als SPEZIALINTERESSE bezeichnen würde. Allerdings betreibe ich es so extrem, dass ich kaum Zeit und Energie für irgend etwas anderes aufbringe.
      Durch meine Synästhesie (Farbenhören) sind Malerei und Musik untrennbar in meiner Wahrnehmung verschmolzen.
      Ich male, zeichne und musiziere selbst und interessiere mich sehr für die Geschichte der Malerei und der Musik (auch Künstler-Biografien und Band-Geschichten). Beim Malen bin ich immer alleine, Gitarre spiele ich alleine, mit meinem Partner und auch in einer Band.
      Seit über vier Jahrzehnten sammele ich Schallplatten und kenne die Songs auswendig, kann sie auf meiner Gitarre nachspielen bzw. für Gitarre in Tabs umschreiben.

      Alle meine GEWOLLTEN Kontakte sind über die Musik entstanden. Ich habe keinerlei Hemmungen davor, jemanden auf die Musik anzusprechen, die er macht oder hört. Wenn ich freiwillig mein Schneckenhaus verlasse, dann wegen der Bandprobe oder einem Konzert. Wenn ich einen schönen musikalischen Abend genossen habe, dann zweifele ich an meinem Autismus. Ist die Musik aus, dann werde ich wieder zum total introvertierten Einzelgänger.

      Es gehört auch zu diesen Interessen, dass sich sämtliche Daten der Kunstgeschichte in meinem Kopf tummeln. (Welcher Maler in welchem Jahr welches Gemälde in welcher Technik gemalt hat - Welche Band zu welchem Zeitpunkt welches Album mit welchen Liedern in welchem Studio mit welchem Produzenten und welchen Gastmusikern aufgenommen und bei welchen Konzerten in welchen Städten vor wievielen Zuschauern performt haben - usw. usw. usw.). Darüber kann ich sämtliche Leute um mich herum in den Schlaf reden, ansonsten bekomme ich den Mund nicht auf.
      Ein Zahlen-Genie bin ich nicht, aber ich verfüge über ein gutes Augenmaß und kann - mit einem durch die Malerei geschulten Blick - ziemlich exakt schätzen, wie hoch ein Baum ist oder wie viele Fenster ein Gebäude hat.
      Technik interessiert mich nur, falls man damit Musik erzeugen oder abspielen kann. Dann aber umso mehr.

      Meine angebliche Hochbegabung äußert sich bei mir also recht einseitig.
      Mit allem, was nichts mit Musik und Malerei zu tun hat, sowie mit Leuten, die sich dafür gar nicht interessieren, kann (möchte?) ich nichts anfangen und mich lieber meinen Interessen widmen. (Hätte ich im Berufsleben meine Interessen richtig ausleben können, dann wäre wohl vieles besser gelaufen.)


      Ich bin jetzt seit über vier Jahren mit einem Aspie zusammen, der vor AS nicht nur eine, sondern gleich eine ganze Serie von Verlegenheits-Diagnosen bekommen hatte: Anderer Arzt = andere Diagnose. Und diese haben sich zudem noch gegenseitig widersprochen. Ihm erging es also ähnlich wie mir (und sicher einigen von Euch) und wir können beide sehr sarkastisch werden - was Aspies ja laut Klischee auch nicht können -, wenn wir darüber sprechen.
      Seine AS-Diagnose wurde in Frankreich abgeklärt und ich habe - aufgrund persönlicher Erfahrung - den Eindruck, dass man dort einen etwas anderen Umgang mit Autisten hat...


      Ich habe meine Zweifel meinem Hausarzt mitgeteilt und fragte nach seiner Meinung, ob ich eine zweite Diagnose anstreben sollte, um die erste zu bestätigen. Er kennt mich und meine Familie seit Jahrzehnten und hält meine Diagnose für absolut zutreffend. Zu meinen Zweifeln wegen BEIDER Diagnosen meinte er nur: "Das Borderline-Syndrom macht auch vor Autisten nicht halt."

      Ich möchte nun gerne wissen, wie Ihr über 'Borderline-Autisten' denkt? Für wie sicher haltet Ihr denn eine solche Doppel-Diagnose?

      Kennt Ihr solche Zweifel ebenfalls oder seid Ihr Euch immer 100 % sicher, dass Eure Diagnose(n) zutrifft(zutreffen)?
    • Michelle wrote:

      Kennt Ihr solche Zweifel ebenfalls oder seid Ihr Euch immer 100 % sicher, dass Eure Diagnose(n) zutrifft(zutreffen)?
      Ich bin mir ebenfalls nie 100% sicher, aber ich hoffe doch, dass zwei Fachärzte und zwei Psychotherapeuten nicht so falsch liegen, dass sie bei mir von AS ausgehen.

      Michelle wrote:

      Ich möchte nun gerne wissen, wie Ihr über 'Borderline-Autisten' denkt? Für wie sicher haltet Ihr denn eine solche Doppel-Diagnose?
      Warum sollte ein Autist gegen andere psychischen Erkrankungen immun sein? Vorstellen kann ich mir sogar eine erhöhte Vulnerabiliät, was sich schon an gehäuften komorbiden Depressionen bei Autisten zeigt.

    • Gluon wrote:

      Ich bin mir ebenfalls nie 100% sicher, aber ich hoffe doch, dass zwei Fachärzte und zwei Psychotherapeuten nicht so falsch liegen, dass sie bei mir von AS ausgehen.
      Das hoffe ich eben auch.

      Gluon wrote:

      Warum sollte ein Autist gegen andere psychischen Erkrankungen immun sein? Vorstellen kann ich mir sogar eine erhöhte Vulnerabiliät, was sich schon an gehäuften komorbiden Depressionen bei Autisten zeigt.
      Ich meinte auch keineswegs, dass man immun dagegen ist.
      Doch ich habe AS ursprünglich als das Gegenteil von Borderline verstanden. Je mehr ich über beides lese, dazulerne und vergleiche, umso mehr lasse ich mich verunsichern. Vielleicht sollte ich zwischendurch auch mal atmen, statt zu grübeln...
    • Michelle wrote:

      Ich möchte nun gerne wissen, wie Ihr über 'Borderline-Autisten' denkt? Für wie sicher haltet Ihr denn eine solche Doppel-Diagnose?
      Vielleicht gibt es Menschen die so beschrieben werden können?

      Obwohl in mancher Hinsicht scheinen die zwei Syndrome entgegegengesetzte Eigenschaften zu haben. Eine Autistin mag Beständigkeit, denke ich, und findet plötzliche Veränderungen problematisch, während eine Borderlinerin plötzliche Veränderungen mag (provoziert gern emotionelle Krisen?) und findet Beständigkeit problematisch. Die zwei Eigenschaften widersprechen einander ziemlich. Aber ich sehe keinen Grund an und für sich warum eine Autistin sich nicht mit Razierklingen ritzen sollte, zum Beispiel.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Ich vermute, dass es verschiedene Kombinationen geben kann:

      Aspie mit zusätzlichem Trauma = Aspie mit Borderline (oder andere Diagnose als Traumafolge)
      Borderliner mit evtl. einigen autistischen Zügen als Folge des Traumas = kein Aspie
      Kann schwierig sein, das im Nachhinein noch zu unterscheiden, vor allem, wenn das Trauma sehr früh stattgefunden hat oder von Anfang an als Dauerzustand vorlag.

      Hattest du denn, außer den Schwierigkeiten, als unerkannter Aspie aufzuwachsen, jemals irgendein Trauma?
      Unter den Begriff Trauma kann vieles fallen, es muss nicht gleich Missbrauch o.ä. sein.

      Auch das Aufwachsen als unerkannter Aspie bringt Belastungen mit sich, die evtl. vom Elternhaus nicht aufgefangen werden können. Dann steht man immer allein da mit seinen Problemen, und auch das kann Folgen haben, die vielleicht in Teilen Borderline ähnlich sind. Selbstverletzung alleine oder auch Sucht macht aber noch keine Borderline-Diagnose. Erst wenn da so ein Gesamtbild zusammenkommt, wo eine bestimmte Anzahl an Merkmalen zutrifft (5 von 9 laut dem hier: neurologen-und-psychiater-im-n…line-stoerung/diagnostik/), dann kann die Diagnose richtigerweise gestellt werden. Aber das weißt du ja sicher eh schon (besser als ich).

      Eigentlich wäre es gut, wenn du doch dein Misstrauen gegenüber Ärzten überwinden könntest und dir einen netten/eine nette suchen würdest, wo du mit der Zeit eine Beziehung aufbauen kannst. Dann könntest du mit diesem Arzt oder Ärztin einmal alle Zweifel durchgehen, um sicherer zu werden. Diese Zweifel kenne ich gut (eine Borderline-Diagnose habe ich allerdings nie bekommen, nur die AS-Diagnose), sie kommen bei mir immer mal wieder, wenn ich irgendwas lese, wo ich mich frage "könnte es nicht auch das sein", oder wenn ich mich gerade mal in einer Situation ganz normal gefühlt habe. Vielleicht hilft es, alle diese Punkte einfach mal auszusprechen, weil wenn man sie mit jemandem geklärt hat, kann man sie vielleicht auch mal in die Schublade legen und einen "erledigt"-Zettel dranmachen, bildlich gesprochen.

      Ich finde sowieso, dass man zum Verarbeiten der AS-Diagnose einen Ansprechpartner braucht. Ohne schmort man evtl. viel zu lange im eigenen Saft (RW), ohne dass es voran geht, weil das Feedback von außen fehlt, das einem auch mal eine andere Perspektive bringen kann. Gerade bei Spätdiagnostizierten ist so eine Diagnose zu bekommen ja nicht so banal wie ein Schnupfen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Liebe Michelle,

      das ist ein sehr traurige Geschichte, die sich aber zum Guten zu wenden scheint; Du bist abstinent.

      Warum ist Dir die Diagnose so wichtig? Was macht das mit Dir, die Diagnose? Geht es Dir vielleicht darum, erkannt zu werden, wer Du bist? Muss das über Deine Krankheit deffiniert werden? Sicher? Bist du die Krankheit oder die Krankheiten? Geht es nicht um Deine Seele? Schau mal in Dich hinein, wenn Dir das gelingt. Lass es zu, überlege, worum es Dir wirklich geht.

      Du schreibst, das der erste Arzt binnen Minuten Dir eine Diagnose verpasste, die Du jahrelang beibehalten musstest, obwohl keine weiteren intensiven Nachforschungen nach den Ursachen angestellt wurden. Das hat Dich Ärzten gegenüber misstrauisch werden lassen, nett hin, nett her. Das verstehe ich. Es gibt aber einen, der Dich kennt, wer Du wirklich bist. Werde Du selbst. Beschäftige Dich nicht zu viel mit Deinen Defiziten, schau, was in Dir schön ist. Das wird erstmal dauern, aber es lohnt sich. Dann verweile da, wo Du bist. So viele Jahre des Leidens, vergiss die Namen Deiner Krankheit, es sind Namen und Du hast auch einen Namen: Der wird nicht genannt? Es geht um Dich und Deinen Namen. Lerne zu Leben. Klammere Dich nicht an Deine Krankheiten, alle sind krank, sie merken es nur nicht :nod:

      in Liebe
      -Lehor
      Römer 14,7: keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.
    • Hallo Michelle,

      auc ich hatte vor meiner AS Diagnose den Stempel emotionall instabile Persönlichkeit vom Typ Boarderline aufgedrükt bekommen. Bei mir habe sie sich für die Diagnose zwr mehr Zeit genommen, aber er ist bei mir schwirig überhaupt eine Diagnos zu stellen, weil ich das mit den psychologischen Gesprächen nicht hinbekomme. Ich werde dann von ganz normal schnell zu nicht ansprechbar und völig in mich zurück gezogen, was als sprunghafter Wechsle der Gefühle gedeutet wurde. Auch ein Problem mit Selbstverletzungen hatte ich. Bei mir war es so, dass ich wenn ich extrem unter Anspanung stand an ein und der selben Stelle immer wieder hin und her gerieben habe, bis die Stelle halt Wund gescheuert war oder sogar anfing zu bluten. Hilfsmittel um ich selbst zu verletzen habe ich aber eigentlich nie verwendet.
      Als Kind kann ich mich erinnern immer gegen dieselbe Stelle geschlagen zu haben bis ein blauer Fleck entstanden ist. Ich habe es dann immer auf den Sport geschoben.

      Michelle wrote:

      Während des stationären DBT-Programms für Borderliner (2006) stellte ich fest, dass vieles bei mir ganz anders ist als bei den anderen Patienten:
      Auch ich "durfte" eine DBT_Programm durchlaufen, kam damit aber gar nicht klar. Auch ich habe mich versucht zurückzuziehen und die ganzen gemeinsamen Therapien bis auf die Bewegungstherapien waren für mich ein Graus. Ich konnte mich mit den Problemen der anderen einfach nich identiefizieren. Auch in der Gesprächstehrapie lief weiter hin nichts, was mich zur Verzweiflung brachte, weil ich mich einfach nicht ausdrücken kann. Am Ende der Therapie war ich noch depressiver als vorher, weil auch sie mir nicht helfen konnten.
      Zudem fand ich in meiner Vergangenheit einfach, aus meiner Sicht, traumatisches Erlebnis, was zu meinen psyischen Problemen hätte führen können. Nichts ernsthaftes was mir meine Problem irgendwie hätte erklären können (klar gehänselt (Heute wohl mobbing) wurde ich auch, würde ich aber nicht als Ursache sehen). Was mich noch mehr zur Verzweiflung brachte.
      Am Ende der Therapie wurde zusätzlich die Diagnose schizoide Persönlichkeit gestellt, was der Sache aus meiner Sicht schon etwas näher kam.

      Mein damliger Psychater hatte aber immer die Meinung, dass beides nciht wirklich passt, obwohl er die erste Diagnose selber gestellt hatte. Er kam später auch auf die Idee mich zu einem Spezialisten zu schicken um mal überprüfen zulassen ob ich nicht vielleicht am Asperger-Syndrom leide.

      Michelle wrote:

      Wenn ich einen schönen musikalischen Abend genossen habe, dann zweifele ich an meinem Autismus. Ist die Musik aus, dann werde ich wieder zum total introvertierten Einzelgänger.
      Ähnlich geht es mir beim Sport. Ich mag Körperkontakt auch nicht besonder, spiele aber Handball. Wenn ich in Bewegung bin und mich auspaowern kann, ist mir das irgendwie egal. Auch das Gruppengefüge halte ich dann besser aus. Nur wenn wir gerade eine Pause einlegen und sich kleine Grüppchen zum quatsche bilden, fühle ich mich nicht so richtig wohl. Ansonsten fühl ich mich gut aufgehoben und kann mal aus mir raus kommen und sogar Anweisungen verteilen.

      Gruß

      Monika
      Mit Freude im Leben udn Freunden an der Hand ist schnell jeder Kummer im Leben gebannt.
    • Um auf die Eingangsfrage zurück zu kommen:
      Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Borderline PS in ihrer kompletten Symptomatik bei Autisten auftreten kann.
      Dafür sind die Symptome sehr gegensätzlich.
      Ich bin der Meinung, dass ein Teil der Borderline Symptomatik bei Autisten auftreten kann, z.B. das selbstverletzende Verhalten oder die starken Stimmungsschwankungen.
      Alles andere halte ich bei Autisten für sehr unwahrscheinlich.
    • Erstmal danke für Eure Antworten


      @Shenya
      Ein Trauma habe ich ganz sicher nicht.

      Meine autistischen Eigenarten, die früher als extreme Schüchternheit verkannt worden sind, waren schon immer da.
      Ebenso die Synästhesie, die als 'zu viel Fantasie' verstanden wurde.
      Die Selbstverletzungen fingen erst im Teenie-Alter an.
      Ich selbst empfinde mich als Aspie, die sich selbst verletzt, doch ich würde mich nie darauf reduzieren.
      Mein extremes Mißtrauen entwickelte sich aufgrund schlechter Erfahrungen mit Therapeuten, nicht aufgrund eines (nicht vorhandenen) Traumas.


      Im Alltag denke ich gar nicht mal so oft über diese Diagnosen nach. Bei mir zuhause sind diese Eigenarten 'völlig normal', im kleinen Freundeskreis darf jeder so sein wie er ist.

      Nur, wenn wir (mein Freund und ich) zwischenmenschliche Schwierigkeiten mit anderen Leuten haben und spontan nicht damit umgehen können (etwa ein Konflikt mit dem Vermieter, der schließlich sogar vor Gericht landete und wir mussten uns einer Rechtsanwältin mitteilen), dann kommt dieses Thema auf. Bisher haben wir all unsere Probleme lösen können (auch das geschilderte). Doch wir haben - eben genau wegen unserer autistischen Eigenarten - die typischen Schwierigkeiten, so etwas zu verarbeiten. Ihr kennt das ja...


      @Lehor
      Warum mir die RICHTIGE Diagnose wichtig ist? Allein für mich selbst und meinen Freund, dass wir uns unsere Schwierigkeiten mit den Reaktionen auf Andere erklären und einen Lösungsweg finden können. Wenn man ein Problem lösen will, sollte man es auch kennen und verstehen. Nur deswegen.


      @monschichi
      Da haben wir ja sehr viel gemeinsam. Deine Beschreibung, wie es Dir beim DBT ergangen ist, könnte ich so unterschreiben.

      Ich finde es übrigens nicht okay, dass man partout den Eltern immer die Schuld zuweisen will. Meine Mutter war zwar noch ein Teenager, als ich auf diesem Planeten gestrandet bin, aber dies hat mit meinem Distanzverhalten rein gar nichts zu tun. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass ich AS von meinem Vater geerbt haben könnte. Dafür kann dieser aber auch nichts und es spielt keine Rolle.


      Wenn ich als Betroffene Theorien über AS und Borderline lese, dann bedeutet das natürlich nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was da steht. Doch es irritiert mich schon, wenn ich mich so gar nicht darin erkenne.
      Von einer Borderlinerin habe ich lediglich diesen Hang zur Selbstzerstörung und das extreme Mißtrauen. In meinen Augen reichen diese beiden Symptome alleine nicht aus für eine solche Diagnose. In allen anderen Punkten bin ich genau das Gegenteil.
      Was nicht bedeutet, dass ich keine Folge-Erkrankung wegen des nicht erkannten Autismus habe. Die habe ich ganz gewiss, sonst wäre ich ja nie in die Sucht geraten und hätte nie bei Psychologen vorgesprochen.
    • Grübler_1988 wrote:

      Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Borderline PS in ihrer kompletten Symptomatik bei Autisten auftreten kann.
      Dafür sind die Symptome sehr gegensätzlich.
      Das meine ich ja auch.


      Woran erkennt man denn auf Anhieb (während des ersten Gesprächs), ob man einem Arzt/Therapeuten, dem man noch nie zuvor begegnet ist, vertrauen kann???
    • Michelle wrote:

      Woran erkennt man denn auf Anhieb (während des ersten Gesprächs), ob man einem Arzt/Therapeuten, dem man noch nie zuvor begegnet ist, vertrauen kann???
      Ich finde das auch schwierig. Ich wäre anfangs bereit gewesen, auch mit einem Arzt oder Therapeuten zu arbeiten, der mir nicht auf Anhieb ein gutes Gefühl gibt. Ich dachte, es kommt nicht darauf an, ob jemand nett ist, sondern ob er fachlich gut ist, und mit Unfreundlichkeit müsste man eben leben. Aber inzwischen sehe ich das nicht mehr so, sondern ich würde nur noch zu jemandem gehen, bei dem ich ein gutes Gefühl habe. Wenn mir die Person freundlich erscheint (optional auch warmherzig), wenn keine unsensiblen Bemerkungen kommen, die mich verletzen, und wenn auf Fragen oder Einwände von mir eingegangen wird, ohne dass ich das Gefühl bekomme, niedergebügelt oder ignoriert zu werden, dann könnte das eine Person sein, mit der ich gut klarkomme.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Aber inzwischen sehe ich das nicht mehr so, sondern ich würde nur noch zu jemandem gehen, bei dem ich ein gutes Gefühl habe.
      Ich verstehe. Reicht Dir denn ein einziges Gespräch schon, um ein solches Gefühl zu bekommen?
      Und ich stimme Dir auch zu, dass man eine AS-Diagnose nicht so einfach in kürzester Zeit bewältigen kann. Viele von uns haben wohl Jahrzehnte aufzuarbeiten und sind vorher (sprichwörtlich) durch die Hölle gegangen. (Ich war zum Zeitpunkt meiner Diagnose 38 Jahre, mein Freund war bei seiner schon 54 Jahre!)

      Als ich den Entzug machte, da war meine AS-Diagnose bereits bestätigt und war daher natürlich auch Thema bei der Psychoanalyse. So habe ich bereits ziemlich viel Erfahrungen mit verschiedenen Therapeuten und Therapie-Formen. Das Problem war - bei jeder dieser Therapien - diese 'unsichtbare, undurchlässige Wand', die ich seit Ewigkeiten um mich herum spüre und welche in beide Richtungen wirkt. Kennt Ihr sowas?
      Um es besser auszudrücken: Gefühlskalt bin ich ganz sicher nicht, aber da herrscht eine gewisse Distanz zu meinen Gefühlen. So kann ich jahrzehntelang Tür an Tür an anderen Menschen (ehemalige Kollegen, Nachbarn) vorbeileben, ohne das geringste Interesse an ihnen zu entwickeln und ich würde diese auch auf der Strasse nicht wiedererkennen. Andererseites gibt es Leute (ehemalige Kommilitonen, Musiker-Kollegen), mit denen ich innerhalb von fünf Minuten vertrauter war, als mit den eigenen Blutsverwandten. Dann waren immer gemeinsame Interessen im Spiel. Meistens war es die Musik, die meine 'unsichtbare Wand' durchlässiger gemacht hatte.
      Ein Therapie-Gespräch von 45 Minuten würde mir gewiss nicht ausreichen, um irgendein Gefühl meinem Gesprächspartner gegenüber zu entwickeln oder solche von ihm zu empfangen. Mein Kopf hat bisher immer dazwischengefunkt. Ich dachte jedesmal: "Jetzt sitze ich also einer Person gegenüber, die dafür bezahlt wird, dass sie mir 45 Minuten lang zuhört. Und wenn ich zu viel erzähle, dann könnte diese Person evtl. verpflichtet sein, mich wieder in die Klapse einzuweisen."


      Wir haben ja einen anderen Thread hier im Forum, in dem über verschiedene Therapieformen philosophiert wird. Hier gehe ich nicht näher darauf ein, doch ich glaube, eine Musik-Therapie wäre für mich besser geeignet, um meine beiden Diagnosen mal so richtig aufzuarbeiten. Aber ob die bezahlt wird?
      Natürlich habe ich in dieser Hinsicht meine Malerei und meine Musik längst schon als 'Ventil' genutzt und gehe mit meinem Freund zur Selbsthilfegruppe (Ex-Junkies). Stimmt aber, wir müssten trotzdem beide tatsächlich mal eine Rückmeldung von außen haben, statt dauernd im 'eigenen Saft zu schmoren'.

      (Ich möchte mich ja keineswegs auf meinen Diagnosen ausruhen. Ich möchte mich aber verstehen können, wieso ich in einer Situation der Überforderung nicht funktioniere. Besser, ich lerne mir dann zu verzeihen und meinen eigenen Weg zu finden - statt mich wie früher mit meinen 'Painkillern' zu betäuben und auf Realitäts-Flucht zu begeben.)

      Grübler_1988 wrote:

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      Danke sehr. Ich habe es mir mal bestellt...
    • Michelle wrote:

      Reicht Dir denn ein einziges Gespräch schon, um ein solches Gefühl zu bekommen?
      Wenn das Gespräch sehr schlecht läuft, dann reicht eins. ;)
      Ansonsten ist es vielleicht so, dass ich nur den Eindruck habe, dass es nicht schlecht lief, aber mir auch noch nicht sicher bin, ob alles passt. Aber man hat ja bei Psychologen 5 probatorische Sitzungen, wo man den Therapeuten kennenlernen kann. Dann braucht es danach zwar immer noch Zeit, um auch Vertrauen zu bekommen, aber man hat zumindest einen Eindruck. Wenn man sich in diesen 5 Sitzungen wohlgefühlt hat, wenn man gut reden konnte und sich hinterher besser fühlte, dann ist das schon ein gutes Zeichen, wenn auch keine Garantie.

      Michelle wrote:

      Das Problem war - bei jeder dieser Therapien - diese 'unsichtbare, undurchlässige Wand', die ich seit Ewigkeiten um mich herum spüre und welche in beide Richtungen wirkt. Kennt Ihr sowas?
      Um es besser auszudrücken: Gefühlskalt bin ich ganz sicher nicht, aber da herrscht eine gewisse Distanz zu meinen Gefühlen. So kann ich jahrzehntelang Tür an Tür an anderen Menschen (ehemalige Kollegen, Nachbarn) vorbeileben
      Ich habe auch nach Jahren keinen Kontakt zu Nachbarn, ich rede nicht privat mit ihnen, und mit dem Therapeuten tue ich mich auch manchmal schwer, d.h. er kann nur sehr schwer erkennen, wie es mir geht.

      Michelle wrote:

      Und wenn ich zu viel erzähle, dann könnte diese Person evtl. verpflichtet sein, mich wieder in die Klapse einzuweisen
      Solange du nicht durchdrehst und seine Einrichtung zerlegst, oder dir schon das Messer ansetzt, um dir irgendwas anzutun, wird da nichts passieren. :roll: Du lebst ja selbstständig in einer Beziehung (wenn ich dich richtig verstanden habe), so instabil kannst du dann ja nicht sein. Außerdem muss man auch nicht gleich am Anfang alles erzählen, sondern dann, wenn man das nötige Vertrauen hat oder wenn man denkt, es ist der richtige Zeitpunkt.

      Das ist aber eine Angst, die ich von mir selber überhaupt nicht kenne und daher nicht nachvollziehen kann. Ich habe immer das umgekehrte Problem, dass der Therapeut nicht erkennt, wie es mir wirklich geht. Ich könnte vermutlich kurz davor sein, mich vor den Zug zu werfen, könnte ihm aber nichts davon zeigen, folglich könnte er auch nichts dagegen tun. Es ist an sich gut, wenn du auch negative Dinge aussprechen kannst. Wenn er/sie dich im Lauf der Therapie schon ein bisschen kennt, dann wird er/sie das schon richtig einordnen können.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • Shenya wrote:

      Ich habe immer das umgekehrte Problem, dass der Therapeut nicht erkennt, wie es mir wirklich geht.
      Das kenne ich auch: "Michelle, Sie erzählen mir das, aber ich kann Ihre Gefühle nicht sehen."

      Ich kann meine Gefühle nicht zeigen oder spontan formulieren, aber - Vertrauen vorausgesetzt - in Worte fassen, wenn man mir die Zeit zum Formulieren lässt.

      Doch während meiner Borderline-Therapien, auch ambulant, musste ich Tagebuch-Karten ausfüllen, Stresskurven zeichnen, nach Selbstverletzungen schriftliche Verhaltensanalysen schreiben, usw. Da war ich also immer schon vorbereitet auf das Gespräch und konnte mich an diesen schriftlichen Unterlagen orientieren. Auf diesen Tagebuch-Karten wird jeden Tag in einer Tabelle eingetragen, wie hoch der innere Druck ist, sich zu verletzen, und vieles mehr. Die Stärke des Drucks ist in eine Skala von 1 (alles gut) bis 6 (Suizidgefahr) eingeteilt. Bei Suizidgefahr ist der Therapeut VERPFLICHTET, zu handeln.
      Aber mir fehlte - bei allen Therapeuten - das Vertrauen, ich hätte so etwas niemals zugegeben. Deswegen habe ich meine Tagebuch-Karten auch 'beschönigt' und oft verschwiegen, wenn ich geschnitten oder Drogen genommen hatte. Wenn man nicht ehrlich ist, dann ist die Therapie sinnlos.

      Davon abgesehen glaube ich nicht, dass viele Therapeuten sich mit AS auskennen. Sonst wäre es vielleicht schon früher festgestellt worden.


      Übrigens schließen sich die beiden Diagnosen AS und Borderline tatsächlich nicht gegenseitig aus - und sie scheinen beide auf mich zuzutreffen, auch wenn ich inzwischen stabil bin. (Ich bin alles nochmal mit dem Arzt durchgegangen und mir scheint, dass ich vorher nicht alles richtig verstanden hatte.)
    • Ein sehr interessanter Thread. Vieles, was ich hier gelesen habe, kann ich mit Blick auf mich selbst Eins zu Eins unterschreiben, sodass es mir ein Staunen abringt, dass ich damit offensichtlich nicht alleine bin. Auch ich habe Züge der Borderline PS, und ich teile auch dieselben Zweifel, trotz des selbstverletzenden Verhaltens, das eben einfach immer wieder Einzug hält in meinen Alltag, weil ich es brauche, um etwas zu fühlen. Und auch ich frage mich, warum das so ist.
    • @Diamant
      Da stehst Du wirklich nicht alleine da. Ich verletze mich aus genau dem selben Grund wie Du - und auch, weil ich nicht weinen kann. Damit kann ich mich abfinden. Aber mir macht die Angst zu schaffen, in einem schwachen Moment wieder in die Sucht zu geraten.
      So lange im Alltag alles nach Plan läuft, denke ich überhaupt nicht über sowas nach.
      Nur in den (seltener gewordenen) Situationen, in denen ich im Umgang mit meinen Mitmenschen überfordert bin, steigt der Druck. Oft kann ich ihn über meine Musik rauslassen, aber nicht immer. Dann beschäftige ich mich mit den Diagnosen, um mich selbst besser zu verstehen und zu beruhigen. Manchmal verwirrt mich das allerdings noch mehr...
    • Michelle wrote:

      Ich habe (seit Sommer 2011) zwei Diagnosen, die sich - meiner Auffassung nach - gegenseitig widersprechen. Ich zitiere aus dem Schluss-Satz meines Diagnose-Schreibens: "... In der Gesamtschau der klinischen Symptome sowie der Zusatzdiagnostik muß von der Diagnose eines Asperger-Syndroms (F84.5) ausgegangen werden. Vordiagnostiziert wurde eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31), wobei unseres Erachtens bei der geschilderten Problematik die autistische Problematik klar im Vordergrund steht." ...

      Ich möchte nun gerne wissen, wie Ihr über 'Borderline-Autisten' denkt? Für wie sicher haltet Ihr denn eine solche Doppel-Diagnose?
      Kennt Ihr solche Zweifel ebenfalls oder seid Ihr Euch immer 100 % sicher, dass Eure Diagnose(n) zutrifft(zutreffen)?
      ich kann mich dir da schon anschließen - gebe zu, mir nun nicht alle seiten des threads durchgelesen zu haben - doch meine meinung ist, dass sich BL und aspie widersprechen. etwa so wie yin und yang. BL wäre das kraft-ausströmende yang, asperger eher das kraft-bei-sich-haltende yin.
      mich persönlich überfordern borderliner, weil ich eindeutige verhaltensweisen, anweisungen und entscheidungen brauche. dieselben versuche ich auch bestmöglich zu treffen.
    • Also ich hab deinen Beitrag nur überflogen und die anderen garnicht erst gelesen, aber meiner Meinung nach sollte man nicht zu viel von einer Diagnose halten.

      Lass dich nicht in irgendwelche Muster quetschen, sondern analysiere deine Probleme und versuche sie gezielt zu lösen.

      Diagnosen sind nur gut wenn du sie irgendwie vorzeigen musst, zum Beispiel für Medikamente, Therapien oder einen Behindertenausweis.

      Zur Selbstfindung eignen sie sich nicht wirklich.