Reha-Abteilung des Jobcenters - wer hat damit Erfahrungen?

    • LiltihEve schrieb:

      Jobs mit vielen Frauen sind meiner Meinung nach "gefährlicher". Die sind kommunikativer und oft hinterhältig. Da spielen sich Dinge ab, die ich absolut nicht verstehe.
      Ja, das kann ich bestätigen. Gleichzeitig empfinde ich die Zusammenarbeit mit Männern keineswegs immer als einfacher. Ich wirke nicht "niedlich" oder "schutzbedürftig" - und auf viele auch nicht besonders sympathisch. Zugleich komme ich oft "besserwisserisch" "rüber", und es passiert mir immer wieder, dass ich "zuviel" rede (obwohl bei mir weniger als bei anderen oft schon als "zuviel" empfunden wird, gerade in Gruppen, wo die anderen "Sprecher" hauptsächlich männlich und Frauen eher die Zuhörerinnen sind). Unter Männern sind ebenso wie unter Frauen immer wieder welche, die mich sehr schnell, geradezu "intuitiv" ablehnen, ohne, dass ich viel sagen muss. Und manche Männer können das durchaus auf recht deutliche und unangenehme Weise äußern. Expliziter als Frauen, wobei beides für mich gleichermaßen verletzend ist. Am angenehmsten sind für mich sehr heterogene Gruppen - sowohl, was das Geschlecht wie das Alter betrifft. Da gehe ich auch am ehesten als "normal" durch und komme mit Glück zumindest für eine gewisse Zeit gut zurecht (kontinuierliche intensive Gruppendynamiken über einen längeren Zeitraum funktionieren bei mir prinzipiell nicht).
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.

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    • Necroghoul7 schrieb:

      LiltihEve schrieb:

      Es nicht erwähnen bei der Bewerbung.
      Das habe ich vor meiner Diagnose eh gemacht, aber da lief es auch nicht besser. An irgend etwas merken sie offenbar, daß ich "anders" bin.
      Ganz genau. Es gibt Menschen, gar nicht so wenige, die meine "Andersartigkeit" sofort spüren, und mich dann sofort ablehnen, ja, gar nicht so selten gleich "vergraulen" wollen. Habe ich in den unterschiedlichsten Lebensphasen und Kontexten erlebt. Wenn so jemand dabei ist, kann ich mich nur noch zurückziehen, denn das beeinträchtigt mich so sehr, dass ich dann tatsächlich "komisch" reagiere und mich nicht mehr frei verhalten kann.
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    • LiltihEve schrieb:

      Aber Offenheit hilft auch nicht oder?
      Ich denke, es kommt auf die Stelle an, auf die man sich bewirbt. Ich habe ja noch kaum Erfahrung damit, aber ich könnte die Wirkung einer direkten Erklärung schon im Bewerbungstext spaßeshalber bei Stellenanzeigen ausprobieren, die ich eh nicht machen will. Hat jemand von euch damit Erfahrung, wann und wie man das am besten rüberbringt?


      Leonora schrieb:

      Es gibt Menschen, gar nicht so wenige, die meine "Andersartigkeit" sofort spüren, und mich dann sofort ablehnen, ja, gar nicht so selten gleich "vergraulen" wollen.
      Das kenne ich auch, wobei es mir dem Alter langsam nachläßt. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß ich allgemein weniger "erzwungenen" Kontakt habe. Die "sofortige" Ablehnung kommt vor allem, wenn mich jemand innerhalb einer Gruppe kennenlernt, 1:1 scheine ich positiver zu wirken. Oder vielleicht ist auch nur das Gegenüber allein offener als in der Gruppe. Ist das bei dir auch so?
    • Necroghoul7 schrieb:

      Das kenne ich auch, wobei es mir dem Alter langsam nachläßt. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß ich allgemein weniger "erzwungenen" Kontakt habe. Die "sofortige" Ablehnung kommt vor allem, wenn mich jemand innerhalb einer Gruppe kennenlernt, 1:1 scheine ich positiver zu wirken. Oder vielleicht ist auch nur das Gegenüber allein offener als in der Gruppe. Ist das bei dir auch so?
      Ja, in 1:1-Kontakten passiert das kaum, wobei das vermutlich auch damit zusammen hängt, dass die bei echter "Unsympathie" selten zu intensiveren Gesprächen führen. Und ja, generell kommt das meistens bei "erzwungenen Kontakten" vor, nicht in freiwilligen.

      Necroghoul7 schrieb:

      Wenn "Labor" aus Mobbinggründen wegfiele, ich in den ÖD doch nicht reinkäme, weiterhin wegen meiner Neigung nichts mit Toten arbeiten sollte und für die Berufe, in denen gesucht wird, nicht geeignet bin, dann frage ich mich, was überhaupt passen soll!
      Ich glaube, das Problem haben viele Autisten, auch ohne außergewöhnliche Neigungen. Gut wäre vielleicht ein Job, für den Du leicht überqualifiziert bist, der aber nicht direkt in Deinem Gebiet liegt, sondern eher in der Nähe davon. So, dass Deine Vorgesetzten dann nicht Leute wären, die genau Dein Studium haben, und Deine Kollegen auf gleicher Ebene keine, die eigentlich in Deinem Bereich Deine Mitarbeiter wären.

      Necroghoul7 schrieb:

      Beim letzten Versuch dieser Art hat die Vermittlerin Stellenanzeigen gesucht und gesagt, da gäbe es zu wenige, also wäre es nicht erfolgversprechend. Ich habe gesagt, daß es dafür ja auch weniger Leute lernen und somit weniger Konkurrenz da sei, aber das hat sie nicht interessiert. Ich werde oft auf Laboranten-/TA-Stellen hingewiesen, dabei kommen da oft 15-20 Bewerber auf eine Stelle, und die sind fast alle jünger und arbeitserfahrener als ich.
      Die Kombination ist natürlich unglücklich. Bereiche, wo es zwar weniger Stellen, dafür aber auch weniger Konkurrenz gibt, weil das sehr speziell ist, halte ich für vielversprechender, gerade im handwerklichen Bereich.

      Necroghoul7 schrieb:

      Habe ich aufgrund des Reha-Status denn einen Anspruch auf eine weitere Ausbildung? Oder ist das nur so eine Kann-Leistung?
      Auf einer Jobmesse meinte jemand von einem Berufsförderungswerk, für Menschen mit Reha-Status gäbe es diesen Anspruch.

      Necroghoul7 schrieb:

      Dann hat sie mir noch ein paar andere Berufe aufgrund meiner Fähigkeiten/Interessen/Kenntnisse vorgeschlagen, aber dann recherchierte ich das und es kam heraus, daß man dafür spezielle Ausbildungen brauchte (die ich nicht als Umschulungen bekomme, ich "darf" nur auf Erzieher oder Altenpfleger o.ä. umschulen).
      Wenn Du erzählen magst: was waren das denn für Ausbildungen? Vielleicht gäbe es da ja doch eine Möglichkeit.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • Leonora schrieb:

      ein Job, für den Du leicht überqualifiziert bist, der aber nicht direkt in Deinem Gebiet liegt, sondern eher in der Nähe davon
      Das sind eigentlich die meisten TA-Stellen, alles, was im Labor ist. Erst heute wurde mir mal wieder von einer Personalfirma mitgeteilt, daß sie keine Bewerber mit abgeschlossenem Studium vermitteln wollen. Daß ich da seit zig Jahren raus und schon lange nicht mehr vermittelbar bin, interessiert keinen.
      Die Reha-Mitarbeiterin schickt mir weiterhin stumpf TA- und Wissenschaftlerstellen zum Bewerben, muß wohl irgend einen Soll erfüllen?

      Leonora schrieb:

      Wenn Du erzählen magst: was waren das denn für Ausbildungen?
      Im Gedächtnis habe ich noch "Wissenschaftsjournalist", "Kriminaltechniker" und "Rechtsanwaltsgehilfe". Abgesehen von den fehlenden Qualifikationen scheitern die ersten beiden schon organisatorisch. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, daß ich ja nur Teilzeit arbeiten kann und zu 90% Vollzeit gesucht wird.

      Leonora schrieb:

      Auf einer Jobmesse meinte jemand von einem Berufsförderungswerk, für Menschen mit Reha-Status gäbe es diesen Anspruch.
      Das wäre dann außer Selbständigkeit und ÖD der letzte Strohhalm. Da ich keine Freunde/Nachbarn/Verwandten habe, die mich da unterstützen könnten, würde ich mir eine komplett neue Ausbildung sowieso erst in ein paar Jahren zutrauen. Aber gut zu wissen - vielen Dank für die Information! Und vielleicht werden ja in ein paar Jahren ganz dringend Leute in einem Bereich gesucht, der mich interessiert...?!
    • Leonora schrieb:

      die mich sehr schnell, geradezu "intuitiv" ablehnen, ohne, dass ich viel sagen muss
      Soll ich mal was Arrogantes sagen?! Ich glaube, die meisten kommen einfach nicht damit klar, wenn jemand (und dann noch eine Frau) aus ihrer "Gesellschafts-"Sicht nicht viel vorzuweisen hat (Status, Job, Auto, blabla) - und dann aber trotzdem mit vielen Fähigkeiten (z.B. sprachlicher Intelligenz) und Urteilsvermögen ausgestattet ist und das auch nicht ständig versteckt. Das können die nicht einordnen, da kommt ein "error" in ihrem Kopf, also darf nicht sein, was nicht in ihr System paßt. Und Arbeitslose haben ja eh faul, unfähig oder dumm zu sein. Wenn Leute wie wir dann noch die "Hierarchie nicht akzeptieren" (wegen Asperger also einfach nur offen und auf Augenhöhe kommunizieren), sind sie "unmöglich". Früher habe ich darunter gelitten, nicht akzeptiert zu werden, aber mittlerweile denke ich mir nur, wer zu blöd dazu ist zu hinterfragen, für den bin ich eben zu schade. Da schaffe ich lieber gleich klare Verhältnisse und mache mich unbeliebt und habe dafür dann meine Ruhe vor "Belehrungen". Leider geht das beim JobCenter oder beim Coaching nicht, die haben ja Machtmittel, mir zu schaden. Also muß ich gute Miene zum bösen Spiel machen (rw).
    • Necroghoul7 schrieb:

      Leonora schrieb:

      Auf einer Jobmesse meinte jemand von einem Berufsförderungswerk, für Menschen mit Reha-Status gäbe es diesen Anspruch.
      Das wäre dann außer Selbständigkeit und ÖD der letzte Strohhalm. Da ich keine Freunde/Nachbarn/Verwandten habe, die mich da unterstützen könnten, würde ich mir eine komplett neue Ausbildung sowieso erst in ein paar Jahren zutrauen. Aber gut zu wissen - vielen Dank für die Information! Und vielleicht werden ja in ein paar Jahren ganz dringend Leute in einem Bereich gesucht, der mich interessiert...?!
      Der Anspruch leitet sich aus SGB IX §1 ab

      SGB IX §1 schrieb:

      Menschen mit Behinderungen oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten Leistungen nach diesem Buch und den für die Rehabilitationsträger geltenden Leistungsgesetzen, um ihre Selbstbestimmung und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Dabei wird den besonderen Bedürfnissen von Frauen und Kindern mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Frauen und Kinder sowie Menschen mit seelischen Behinderungen oder von einer solchen Behinderung bedrohter Menschen Rechnung getragen.
      Mit einer (anstehenden) Behinderung hast du ein Recht auf eine Berufliche Reha, wenn du in deinem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kannst. Das muss natürlich nachgewiesen werden, was mit einer amtlichen Schwerbehinderung am einfachsten ist. Der Reha-Status an sich ist noch kein Garant, aber ein deutliches Indiz. Vor allem ist die Reha-Abteilung des Jobcenters auch für Berufliche Rehabilitation zuständig.

      Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit der Reha-Abteilung gemacht, bin auch gerade dabei meine Reha in einem Berufsförderungswerk nach Unterbrechung fortzusetzen.

      Wäre der technische Produktdesigner(TPD) vielleicht etwas für dich? Du scheinst dein Studium ja in einem MINT-Fach gemacht zu haben, wenn du bereits an eine Arbeit im Labor gedacht hast. Das analytische Denken und technisches Verständnis sollte dir daher liegen.
      Es ist der Nachfolgeberuf des technischen Zeichners. Ich bin gerade auf Praktikumssuche und in diversen Jobanzeigen wird auch Teilzeit angeboten. Die Nachfrage nach TPDlern scheint recht hoch zu sein, ist aber nur meine gefühlte Wahrnehmung.

      Mir fehlt auch ein soziales Netz. Das Leben im Berufsförderungswerk ist für mich sehr belebend und hilft mir Freunde zu finden. Auch der Umstand, dass jeder dort wegen einer Form von Behinderung ist, hat sich in einer recht toleranten Umgebung gespiegelt.
    • TomiLiunZwi schrieb:

      Mit einer (anstehenden) Behinderung hast du ein Recht auf eine Berufliche Reha, wenn du in deinem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kannst.
      So ganz klar finde ich die Sache nicht. So wie ich es verstanden habe hat Necroghoul7 ja einen akademischen Abschluss, in dem sie arbeiten könnte, würde man sie denn einstellten.
      Ich habe da ähnliche Erfahrung, ich könnte gesundheitlich in meinem erlernten Beruf arbeiten aber habe diesen jahrelang nicht ausgeführt. Für meine letzte berufliche Tätigkeit bin ich weniger als 3 Stunden arbeitsfähig. Vollzeit wäre ich aber momentan auch nicht in meinem erlernten Beruf belastbar und somit rückt eine Vollzeitumschulung auch schon mal in weiter Ferne.
      Die Rentenversicherung sagte mir vor meiner Berentung, wo ich auch noch Hoffnung in eine Förderung gesteckt habe, dass ich ja eine Ausbildung habe und daher keine Umschulung benötige, denen ist egal, wie die Chancen damit auf dem Arbeitsmarkt stehen, wenn man in dem Beruf lange nicht mehr tätig war.

    • Necroghoul7 schrieb:

      Das sind eigentlich die meisten TA-Stellen, alles, was im Labor ist. Erst heute wurde mir mal wieder von einer Personalfirma mitgeteilt, daß sie keine Bewerber mit abgeschlossenem Studium vermitteln wollen. Daß ich da seit zig Jahren raus und schon lange nicht mehr vermittelbar bin, interessiert keinen.
      Die Reha-Mitarbeiterin schickt mir weiterhin stumpf TA- und Wissenschaftlerstellen zum Bewerben, muß wohl irgend einen Soll erfüllen?
      Vermutlich. Ob es da eine realistische Chance für Dich gibt, ist da offenbar irrelevant. Wenn die Personalfirma grundsätzlich niemanden mit Studium vermittelt, kann ich mir allerdings vorstellen, dass es da schon Schwierigkeiten gab. Die Konstellation - unterqualifiziert in der eigenen Branche arbeiten, in einem Bereich mit vielen Kolleginnen - ist da wohl nicht nur für Autisten problematisch.

      Necroghoul7 schrieb:

      Im Gedächtnis habe ich noch "Wissenschaftsjournalist", "Kriminaltechniker" und "Rechtsanwaltsgehilfe". Abgesehen von den fehlenden Qualifikationen scheitern die ersten beiden schon organisatorisch. Und dann kommt noch erschwerend hinzu, daß ich ja nur Teilzeit arbeiten kann und zu 90% Vollzeit gesucht wird.
      Die beiden ersten klingen mir bei Deinen Schwerpunkten nachvollziehbar, Rechtsanwaltsgehilfin dagegen gar nicht. Das ist doch so ein typischer Multitasking-Bürojob, wie Assistenz der Geschäftsleitung, oft auch mit vielen Kolleginnen, der jede Menge "People skills" verlangt.

      Necroghoul7 schrieb:

      Soll ich mal was Arrogantes sagen?! Ich glaube, die meisten kommen einfach nicht damit klar, wenn jemand (und dann noch eine Frau) aus ihrer "Gesellschafts-"Sicht nicht viel vorzuweisen hat (Status, Job, Auto, blabla) - und dann aber trotzdem mit vielen Fähigkeiten (z.B. sprachlicher Intelligenz) und Urteilsvermögen ausgestattet ist und das auch nicht ständig versteckt. Das können die nicht einordnen, da kommt ein "error" in ihrem Kopf, also darf nicht sein, was nicht in ihr System paßt.
      Ich glaube, das ist tatsächlich oft der Fall. Man kann nirgendwo passend eingeordnet werden, und darauf reagieren manche Menschen sehr schnell mit Ablehnung oder gar aggressiv. Umso mehr bei Frauen, gerade, wenn sie sich Verhaltensweisen etc. "rausnehmen", die ihnen nicht "zukommen", und/ oder besserwisserisch und altklug wirken.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • TomiLiunZwi schrieb:

      Mit einer (anstehenden) Behinderung hast du ein Recht auf eine Berufliche Reha, wenn du in deinem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kannst
      Ich habe das jetzt so verstanden, daß ich nur dann eine Umschulung bekäme, wenn ich aufgrund meiner Behinderung nicht in meinem erlernten Beruf arbeiten könnte. Es ist aber vielmehr so, daß ich aufgrund meiner Behinderung damals keine erfolgreichen Berufseinstieg geschafft habe, was erst rückblickend erkannt wurde. Daß ich jetzt nicht darin arbeiten kann, liegt nicht an meiner Behinderung, sondern an der Tatsache, daß ich nie in dem Beruf gearbeitet habe, der sich zudem rasch wandelt.
      Technischer Produktdesigner habe ich gerade nachgelesen: Ich habe zwar analytisches, aber wenig technisches Verständnis (auch aus Scheu und Erfahrungsmangel). Dennoch würde ich mir das zutrauen, aber erst in einigen Jahren (wegen des Zeitaufwandes) und mit Finanzierung durch das JobCenter. Hilft eine Gleichstellung (bin nicht schwerbehindert) bei Bewerbungen auf Ausbildungen? Aus dem zitierten Paragraphen ergibt sich für mich nicht, ob ich nun förderungsfähig wäre oder nicht, aber so wie ich es verstanden habe, eher nicht. Denn meine Behinderung bedeutet ja gerade, daß ich als Laborant o.ä. geeignet wäre, weil man da für sich und mit Dingen und abstrakten Problemen arbeitet und mit Menschen eher nur 1:1-Kontakte hat. Das Problem liegt nicht in dem, was ich gelernt habe, sondern darin, mich mit meinem Bruch im Lebenslauf und meinen Einschränkungen (die nicht nur behinderungs-, sondern auch familiär bedingt sind) im Arbeitsmarkt unterzubringen.

      Ich bin aber dankbar für diese Berufsvorschläge/-ideen, da sie vielleicht in einigen Jahren in Frage kommen, wenn meine Mutter tot und die Kinder aus dem Haus sind. Vielleicht kriege ich dann das JobCenter auch eher überzeugt, mich umzuschulen, wenn ich nachweisen kann, daß ich dann bei aller Liebe wirklich nicht mehr vermittelbar bin?!

      Gluon schrieb:

      Vollzeit wäre ich aber momentan auch nicht in meinem erlernten Beruf belastbar und somit rückt eine Vollzeitumschulung auch schon mal in weiter Ferne.
      Die Rentenversicherung sagte mir vor meiner Berentung, wo ich auch noch Hoffnung in eine Förderung gesteckt habe, dass ich ja eine Ausbildung habe und daher keine Umschulung benötige, denen ist egal, wie die Chancen damit auf dem Arbeitsmarkt stehen, wenn man in dem Beruf lange nicht mehr tätig war.
      Genau das trifft auf mich auch zu, nur daß ich das vom JobCenter gesagt bekomme, da die Rentenversicherung für mich eh nicht zuständig wäre.

      Leonora schrieb:

      Wenn die Personalfirma grundsätzlich niemanden mit Studium vermittelt, kann ich mir allerdings vorstellen, dass es da schon Schwierigkeiten gab.
      Gegen Vorurteile gegenüber Akademikern kämpfe ich schon länger erfolglos, die sehen meine Zeugnisse und denken, ich könnte Wunder was und wäre unterfordert. Und meine einzige lange Arbeitserfahrung endete dann noch mit einer außerordentlichen Kündigung, keine gute Werbung. Das Problem ist, meine Reha-Vermittlerin hat wohl weder Lust noch Zeit sich mit meinem individuellen Fall auseinanderzusetzen.

      Leonora schrieb:

      Die beiden ersten klingen mir bei Deinen Schwerpunkten nachvollziehbar, Rechtsanwaltsgehilfin dagegen gar nicht
      Die Berufsideen ergaben sich auch lediglich aus den Coachinggesprächen, es kam immer ein Vorschlag, wenn die Psychologin merkte, daß ich von irgend etwas ein wenig Laienkenntnisse habe und Interesse zeige. Was die jeweiligen Berufe neben dem Theoriewissen praktisch erfordern, hat sie gar nicht bedacht.
    • Necroghoul7 schrieb:

      TomiLiunZwi schrieb:

      Mit einer (anstehenden) Behinderung hast du ein Recht auf eine Berufliche Reha, wenn du in deinem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kannst
      Ich habe das jetzt so verstanden, daß ich nur dann eine Umschulung bekäme, wenn ich aufgrund meiner Behinderung nicht in meinem erlernten Beruf arbeiten könnte. Es ist aber vielmehr so, daß ich aufgrund meiner Behinderung damals keine erfolgreichen Berufseinstieg geschafft habe, was erst rückblickend erkannt wurde. Daß ich jetzt nicht darin arbeiten kann, liegt nicht an meiner Behinderung, sondern an der Tatsache, daß ich nie in dem Beruf gearbeitet habe, der sich zudem rasch wandelt
      Das wird nicht so eng gesehen. Ich hab nie eine Ausbildung gemacht, die Umschulung ist daher für mich eine Erstausbildung. Wenn du das Jobcenter überzeugst, dass du nicht mehr vermittelbar bist, dann sollte das reichen. Weiter unten hab ich noch mehr dazu geschrieben.


      Necroghoul97 schrieb:

      [...]
      Genau das trifft auf mich auch zu, nur daß ich das vom JobCenter gesagt bekomme, da die Rentenversicherung für mich eh nicht zuständig wäre.
      Subjektiv gesehen scheint mir das Jobcenter bei Umschulungen kooperativer zu sein als die Rentenversicherung.

      Necroghoul97 schrieb:

      Ich habe zwar analytisches, aber wenig technisches Verständnis (auch aus Scheu und Erfahrungsmangel). Dennoch würde ich mir das zutrauen
      Analytisches Verständnis ist eine super Grundlage, damit kannst du dir das technische Verständnis dann in der Ausbildung erarbeiten :)
      Ich persönlich bin auch fachfremd, daher hab keine Metallerausbildung o.Ä. aber das hindert mich nicht daran, die Funktionsweise einer Maschine genau zu ergründen. Die passenden Begriffe lerne ich halt währenddessen.


      Necroghoul97 schrieb:

      Hilft eine Gleichstellung (bin nicht schwerbehindert) bei Bewerbungen auf Ausbildungen?
      Kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Meine Schwerbehinderung gebe ich nicht an, weil ich von all den Geschichten über Ablehnungen abgeschreckt bin. Ich hab die Behinderung nur einmal angegeben und wurde dann auch abgelehnt. Mir sieht man meine Probleme absolut nicht an und mir wurde schon oft Unverständnis entgegengebracht. Das will ich lieber vermeiden und versuche als normal durchzugehen. In Zukunft habe ich vor nur von einer speziellen Geräuschempfindlichkeit zu sprechen.


      Necroghoul97 schrieb:

      Aus dem zitierten Paragraphen ergibt sich für mich nicht, ob ich nun förderungsfähig wäre oder nicht, aber so wie ich es verstanden habe, eher nicht. Denn meine Behinderung bedeutet ja gerade, daß ich als Laborant o.ä. geeignet wäre, weil man da für sich und mit Dingen und abstrakten Problemen arbeitet und mit Menschen eher nur 1:1-Kontakte hat. Das Problem liegt nicht in dem, was ich gelernt habe, sondern darin, mich mit meinem Bruch im Lebenslauf und meinen Einschränkungen (die nicht nur behinderungs-, sondern auch familiär bedingt sind) im Arbeitsmarkt unterzubringen.

      Eine fehlende familiäre Unterstützung kann absolut zu einer seelischen Beeinträchtigung führen. Seelische Beeinträchtigungen sind Teil der Definition gemäß §2 SGB IX.

      §2 SGB IX:
      (1) Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.

      Damit besitzt du eine entsprechende Behinderung. Ob diese als Schwerbehinderung anerkannt ist, ist unwesentlich für eine Förderung.
      Ich hab meine Probleme über Ärzte gut dokumentiert und mit dieser Dokumentation konnte ich bei Behörden immer gut nachweisen, dass ich Hilfe benötige, obwohl ich doch gesund wirke.

      Du hast erwähnt, dass dein Beruf sich rasch wandelt. Eine lange Pause in einem solchen Beruf allein ist ein möglicher Grund für eine Umschulung. Deine Behinderung ist dann noch ein weiterer Grund.
      Ich glaube, der Paragraph dafür ist dieser. Bin mir aber unsicher.

      §49 SGB IX Absatz 4
      (4) Bei der Auswahl der Leistungen werden Eignung, Neigung, bisherige Tätigkeit sowie Lage und Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt angemessen berücksichtigt. [...]
    • Neu

      @TomiLiunZwi
      Danke für deine letzte Antwort, Argumentationshilfen sind gut, wenn man sich auf passende Paragraphen beziehen kann. Bis vor Kurzem wußte ich ja noch nicht mal, daß die Pflege eines Angehörigen auch zeitlich und psychisch als Belastung anerkannt wird, also selbst ohne Aspergerdiagnose und ohne alleinerziehend zu sein. Ein Arzt oder Therapeut, der einen berät und - gegebenenfalls mit Schriftstücken - unterstützt, ist hilfreich, das fehlt mir ein wenig. Meine Coaching-Psychologin hatte ja einen recht eng umschriebenen Auftrag.

      TomiLiunZwi schrieb:

      Subjektiv gesehen scheint mir das Jobcenter bei Umschulungen kooperativer zu sein als die Rentenversicherung.
      Das ist wohl von Bundesland zu Bundesland verschieden. Subjektiv gesehen scheint mir die Zusammenarbeit mit dem JobCenter selbst innerhalb einer Behörde sehr vom Fallmanager abzuhängen (die hier jährlich wechseln).
    • Neu

      Und schon wieder der nächste Ärger:
      Ich soll bis 22.02. eine Abrechnung und Geldeingang nachweisen, habe aber bis heute noch gar nichts für Januar bekommen. Die Fristsetzungen finde ich ziemlich unverschämt, die müßten doch wissen, daß im Billiglohnsektor sowas gern mal viel später kommt. Und schon wieder entsteht in meinem Kopf eine Spirale aus Befürchtungen und daraus entspringenden Gefühlen, die meinen normalen Alltag behindern, und zwar, bis die Angelegenheit vom Tisch ist. :x
    • Neu

      Necroghoul7 schrieb:

      Gegen Vorurteile gegenüber Akademikern kämpfe ich schon länger erfolglos, die sehen meine Zeugnisse und denken, ich könnte Wunder was und wäre unterfordert. Und meine einzige lange Arbeitserfahrung endete dann noch mit einer außerordentlichen Kündigung, keine gute Werbung. Das Problem ist, meine Reha-Vermittlerin hat wohl weder Lust noch Zeit sich mit meinem individuellen Fall auseinanderzusetzen.
      :( Dabei bist Du mit der Konstellation als Autistin sicher keine Ausnahme. Ohne jemanden, der einen ganz individuell unterstützt und begleitet, ist Beratung bei Autisten meiner Einschätzung nach ohnehin nutzlos.

      Necroghoul7 schrieb:

      Die Berufsideen ergaben sich auch lediglich aus den Coachinggesprächen, es kam immer ein Vorschlag, wenn die Psychologin merkte, daß ich von irgend etwas ein wenig Laienkenntnisse habe und Interesse zeige. Was die jeweiligen Berufe neben dem Theoriewissen praktisch erfordern, hat sie gar nicht bedacht.
      Klingt leider nicht besonders professionell, auch wenn Du mit ihr zufrieden warst.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • Neu

      Leonora schrieb:

      Klingt leider nicht besonders professionell
      Naja, wie hätte man sonst auf Alternativen kommen können? Sie war professionell in punkto Psychologie, aber nicht in punkto Arbeitsmarkt und spezielle Berufsfelder (hat sich dafür dann immer viel Mühe beim Recherchieren gegeben). Sie hat auch betont, daß sie kein Arbeitsvermittler ist, sondern mich nur "fit für den Beruf" machen soll. Auch die Berücksichtigung meiner speziellen Rahmensituation war nicht ihr Auftrag, sie muß sich an die Vorgaben des JobCenters halten. Und in der Reha-Akte steht eben, daß ich voll erwerbsfähig und belastbar bin, also alles machen und lernen kann, was nicht autismusbedingt ausgeschlossen ist.
      Für eine richtige Arbeitsvermittlung müßte man ja auch sowas berücksichtigen, außerdem Alter, Wohnort, mögliche Ressourcen und wie man Mängel ausgleichen könnte.
    • Neu

      Necroghoul7 schrieb:

      Sie war professionell in punkto Psychologie, aber nicht in punkto Arbeitsmarkt und spezielle Berufsfelder (hat sich dafür dann immer viel Mühe beim Recherchieren gegeben). Sie hat auch betont, daß sie kein Arbeitsvermittler ist, sondern mich nur "fit für den Beruf" machen soll. Auch die Berücksichtigung meiner speziellen Rahmensituation war nicht ihr Auftrag, sie muß sich an die Vorgaben des JobCenters halten. Und in der Reha-Akte steht eben, daß ich voll erwerbsfähig und belastbar bin, also alles machen und lernen kann, was nicht autismusbedingt ausgeschlossen ist.
      Für eine richtige Arbeitsvermittlung müßte man ja auch sowas berücksichtigen, außerdem Alter, Wohnort, mögliche Ressourcen und wie man Mängel ausgleichen könnte.
      Naja, bei einem so eng umrissenen Auftrag sind die Erfolgschancen dann aber von vornherein wohl vergleichsweise gering. Natürlich ist sie als Psychologin und Coach keine Arbeitsvermittlerin, auch ein Coaching, das Dir neue Impulse gibt, müsste Deine spezielle Situation doch berücksichtigen. Was soll es sonst bringen? Außer einer erneuten Aufforderung zum "positiven Denken" und darauf folgend einem erneuten Misserfolgserlebnis? Leider wohl eine Konstellation, die viele spätdiagnostizierte Autisten erleben.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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