Reha-Abteilung des Jobcenters - wer hat damit Erfahrungen?

    • LiltihEve schrieb:

      Eigentlich hätte ich gedacht, die machen so einen Test mit dir.
      Wenn ich bei Diagnosestellungen, beim JobCenter oder beim Coaching (ich hatte vor mehreren Jahren schon mal ein "normales" Berufscoaching) nach Berufseignungs- oder Begabungstests fragte, hieß es nur: "Sie haben gute Zensuren, ich brauche keinen Test, um zu sehen, daß Sie intelligent und leistungsfähig sind und Vieles machen könnten." Wenn ich früher (vor meiner Diagnosestellung) sagte, daß ich Defizite habe oder Einfaches nicht kapiere oder in vielen Berufen völlig überfordert wäre, wurde das grundsätzlich abgetan mit Sprüchen wie
      "Man wird ja angelernt", "Sie nehmen zu hohe Erwartungen an", "Sie haben ein zu geringes Selbstwertgefühl", "Sie suchen nur Ausreden, weil Sie das nicht wollen bzw. Angst davor haben" ...

      Mit "geringer Fähigkeit" habe ich im Bereich "Kontaktfähigkeit" abgeschnitten:
      Es gab 17 stilisierte Gesichter (SW-Bilder aus Fotos abgeleitet) und man sollte spontan nach dem ersten Eindruck jeweils für sechs Eigenschaften ja/nein ankreuzen (sympathisch, eingebildet, optimistisch, rücksichtslos, einsichtig, agggressiv). Irgendwie wurden gewissermaßen Vorurteile aufgrund der visuellen Wirkung (Gesichtsausdruck, Kopfhaltung, Aussehen) getestet, die eine rasche und meist gute Einschätzung des Gegenübers erlauben (z.B. im Verkauf sehr wichtig).

      Mit "sehr geringer Fähigkeit" (das entspräche bevölkerungsstatistisch einem IQ unter 70!) habe ich im Bereich "Verhandlungsgeschick" abgeschnitten:
      In knappen Sätzen wurden 16 berufliche schwierige Situationen geschildert, die einen so ein bißchen unter emotionalen Streß setzen ("überrumpeln"). Man soll ebenfalls rasch (aber auch ehrlich mit sich selbst) entscheiden, welche der drei möglichen vorgegeben Antworten man gegeben hätte, wenn man selbst in der Situation gewesen wäre.
      Es geht darum um Diplomatie, Geschick und einfühlsames Reagieren auch bei unsachlichem Verhalten des Gegenübers und mit welcher Reaktion man im Beruf am meisten erreichen würde.
      Daß ich darin zu den schlechtesten 2% der Bevölkerung zähle, erklärt wohl auch, wieso mich keiner ernst nimmt, ich früher oft betrogen und ausgenutzt wurde und mein Verhaltensrepertoire bei Ungerechtigkeit doch arg eingeschränkt ist (sich gefallen lassen - ausrasten - mit Argumenten diskutieren). Also die "Angemessenheit" geht mir auch völlig ab.
      Das wirkt sich leider nicht nur negativ in leitenden Positionen und Teamarbeit aus, sondern angeblich in jedem Berufsfeld.

      Die anderen Testergebnisse helfen mir auch nicht viel weiter, da sie keine besonderen Peaks/Profilausschläge ergeben, womit ich dann in einem speziellen Berufsfeld punkten könnte oder eher ungeeignet wäre. Leicht über-/unterdurchschnittlich war ich in "Geschmack" und "technischem Verständnis", in den restlichen "gut" oder "sehr gut" (das lag leistungstechnisch sehr eng beieinander). Aber auch da habe ich nirgendwo alles superschnell ohne Fehler hingekriegt, so daß man sagen würde "da liegt ein besonderes Talent vor".

      Blöd ist eben, daß sowas wie "logisches Denken" oder "Sprachbegabung" nicht für jeden Beruf ein Kriterium ist, aber "Kontaktfähigkeit" offenbar schon. Wenn ich sprachunbegabt wäre, würden noch genug Berufsfelder übrig bleiben, aber für ein Profil wie meins scheinen keine übrig zu bleiben. Außer eben Selbständigkeit, da muß ich nicht geschickt auf unfaire Kommunikation reagieren können. Chefs und Kollegen habe ich ja dann auch nicht, und der Kundenkontakt ist oberflächlich und immer zeitlich begrenzt (mit "Erholungszeit", falls einer blöd/unfair zu mir war).

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    • Ich denke schon, dass Kontakfähigkeit und Verhandlungsgeschick für selbständige wichtig ist.
      Aber ich denke, dass diese Eigenschaften allgemein überbewertet werden und nur eine Art der Kommunikation als richtig verstanden wird. Aber es gibt unterschiedliche Arten zu kommunizieren. Man kann es also trotzdem schaffen.

      Ein Versuch wäre es für dich immerhin wert. Irgendwo hast du ja mal geschrieben, du kommunizierst ungewöhnlich viel für einen Aspie. Da ging es glaube ich um deine Schuzeit.

      Einfach versuchen. Was hast du schon zu verlieren. :)
    • Necroghoul7 schrieb:

      Ich dachte nämlich, daß ich das Fahrtgeld als Spesen verrechne und das dann gar nicht als Gewinn erscheint, der mit dem ALGII verrechnet wird. Also wenn ich z.B. 300€ im Monat einnehme und 27€ für die Fahrkarte zahle, dann würde ich auch nur 273€ als Zuverdienst angeben, wovon ich 160€ behalten darf. Somit werden nur 113€ für die Verrechnung berücksichtigt. Oder bin ich da ganz auf dem Holzweg?
      Wenn du als Selbständige deinen Kunden Rechnungen schreibst, werden diese als Berechnungsgrundlage genutzt - wie bei mir die Gehaltsabrechnung. Das Jobcenter erkennt die Krankenkassenbeiträge mindernd an (und eventuell Materialkosten bei 'handwerklichen' Tätigkeiten), sonst nichts. Der Rest (Werbungskosten / Spesen) ist Sache des Finanzamts.
      Es kann da noch andere Bestimmungen geben - aber grundsätzlich ist das Jobcenter nicht das Finanzamt. Und somit höchstens an einer einfachen E/A Bilanz interessiert. Aber Feinheiten (Arbeitszimmer, Stromkosten und was das Finanzamt sonst noch anerkennt) werden nicht berücksichtigt.
      Fahrtkosten werden bei Arbeitnehmern ja auch nur bei der Einkommen- oder Lohnsteuer berücksichtigt. Darum sind Aufstocker da auch benachteiligt.

      Necroghoul7 schrieb:

      Eine Steuererklärung ist natürlich nicht hilfreich, wenn man sowieso weniger verdient und keine Steuern zahlen muß.
      Das ist das Problem. Bei dem wenigen, was ich verdient habe, hätte ich keine Steuern gezahlt - also auch nichts zurückfordern können. Was (nach Anerkennung der KK) übrig blieb, durfte ich zwar komplett behalten (war ja unter 100€) - aber ein Zuverdienst war es nicht, wegen der Fahrtkosten.

      Necroghoul7 schrieb:

      Wann dedeutet die Aufnahme einer selbständigen Arbeit von ALGII-Aufstockung, ich dachte, das sei nur bei Vollzeitselbständigkeit der Fall? Davon kann bei 4 Wochenstunden ja nicht die Rede sein, das ist ja weniger als ein Minijob, zeitlich gesehen. Meine Freundin hatte weiterhin ALGII bekommen, ich frage mich, was bei ihr anders war als bei dir. Oder bei dir oder bei ihr wurde nicht korrekt verfahren.
      Teilzeitselbständigkeit gibt es nicht, weil bei einer Selbständigkeit keine Stundenzahl vorgeschrieben ist. Wenn man voraussichtlich jeden Monat in etwa das gleiche verdient, ist es natürlich einfacher zu berechnen, als wenn die Beträge teilweise stark schwanken.

      Und wie das dann gehandhabt wird, kommt auf den Mitarbeiter an. Rein rechtlich korrekt ist es, wie mein Sachbearbeiter es gemacht hat. Theoretisch hätte er den Spielraum gehabt, einen fiktiven Betrag anzunehmen (Stunden pro Monat x Stundenlohn) und den als Berechnungsgrundlage zu nutzen. Dann muss man zwar immer noch jeden Monat die Gehaltsabrechnung einreichen, aber es wird NACHberechnet. Das kann dazu führen, dass man in einigen Monaten zuviel bekommen hat - das wird dann im nächsten Zahlungsmonat abgezogen. Wenn man zu wenig bekommen hat, wird es nachgezahlt.

      Das macht aber nur Sinn, wenn sich der Zuverdienst nicht sehr ändert. Wenn es starke Schwankungen sind, wird es schwierig. Wobei größere Nachzahlungen kein Problem sind, größere Rückzahlungsverpflichtungen schon. Denn wenn die Rückzahlung sehr groß ist, kann es sein, dass man für einen oder sogar mehr Monate gar kein Geld bekommt.

      Je nach dem, was du machen möchtest, kannst du (zumindest teilweise) ja vielleicht absehen, ob du ein regelmäßiges Einkommen hättest oder nicht. Und ob es Monate geben kann, wo gar kein Einkommen ist - oder Monate mit sehr viel Einkommen.

      Beispiel:
      Jemand stellt Grußkarten her. Die laufen das ganze Jahr über. Aber zu Zeiten, wo Konfirmation/Kommunion ist, zu Ostern und Weihnachten boomt das Geschäft.
      'normale' Monate: Gewinn (Umsatz minus Material) 100€ - super, die sind anrechnungsfrei und H4 wird voll gezahlt
      'gute' Monate: Gewinn 400 € - Miete und Krankenkasse wird noch bezahlt und 9€ gibt es für den Rest (H4 Satz: 409€)
      Und wegen der Nachberechnung gibt es diese 9€ natürlich in einem normalen Monat. Das heißt, man muss diszipliniert genug sein, Rücklagen zu bilden.

      Es hängt grundsätzlich sehr viel vom jeweiligen Sachbearbeiter ab. Wenn man an ein *$%§" gerät, kann es sein, dass er zusätzliche Ausgaben, selbst Materialkosten, nicht anerkennt, weil das theoretisch in den Bereich Finanzamt fällt. Da muss man dann recherchieren, ob das rechtens ist - und dann sein Recht einklagen.

      Das war der Grund, warum ich meine Selbständigkeit (Kunstgewerbe und Webdesign) komplett aufgegeben habe, als ich H4 beantragen musste. Dooferweise wusste ich nicht, dass dieser Job mich ungewollt in die Selbständigkeit katapultiert.

      edit:
      Wenn die Selbständigkeit vielversprechend ist - d.h. abzusehen ist, dass du damit in ein paar Jahren kein H4 mehr brauchst, gibt es noch die Möglichkeit Gründungszuschüsse beim Amt zu beantragen. Ich weiß aber nicht wie das funktioniert.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Das heißt, das JobCenter rechnet nicht mit dem erwirtschafteten Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben, wozu schließlich auch durchlaufende Posten, Verbrauchsmaterial und Spesen wie Fahrtgeld zählen), sondern nur mit den Einnahmen? Ist das rechtlich korrekt? Denn für die ALGII-Berechnung (Aufstockung) zählt doch, was ich tatsächlich im Monat zusätzlich zur Verfügung/erwirtschaftet habe, nicht, was ich insgesamt an Umsatz hatte. Da muß ich mich dann unbedingt erkundigen, was genau als gewinnmindernde Ausgabe anerkannt wird und was nicht, und im Zweifelsfall überlegen, wie ich das schon bei der Einnahme verrechne, also gleich so Rechnungen schreibe und buchhalte, daß der Ausgabenverlust berücksichtigt wird.
      Macht es einen Unterschied, ob man sich (wie ich gerade) in der Reha-Abteilung befindet oder in der normalen Vermittlung des JobCenters?

      Teilselbständigkeit im zeitlichen Sinne gibt es zwar nicht, aber ich habe gelesen, daß für den ALGII-Bezug entscheidend ist, wieviele Stunden man dem Arbeitsmarkt noch für die Vermittlung zur Verfügung steht. Wenn ich also z.B. 15h/Woche selbständig tätig bin und bei voller Erwerbsfähigkeit somit 25h/Woche für Vermittlungsvorschläge und Maßnahmen zur Verfügung stehe, erfülle ich die rechtlichen Voraussetzungen. Sonst wäre ich mit einem Minijob doch auch raus und müßte mich selbst versichern?

      Ich würde, wenn mir beim Coaching mit dem Antrag geholfen wird, grundsätzlich in der Planung tiefstapeln, also etwas niedrigere Einnahmen annehmen, als ich mir realistisch erhoffe (wobei das derzeit eh nur Hausnummern sind). Für die Monatsabrechnungen würde ich versuchen, Einnahmen und Ausgaben so zu verbuchen, daß monatliche Schwankungen gedämpft werden (in den entsprechenden Monat rüberziehen oder gleich so planen). Nein, meine Selbständigkeit ist nicht vielversprechend, aber ich muß ja auch nur ein paar Jahre überbrücken, bis meine Verpflichtungen weniger werden und ich mich psychisch erholt habe.

      Danke nochmals.

      @LiltihEve
      Ja, für die meisten Selbständigen sind diese Fähigkeiten sogar noch wichtiger als für Angestellte, aber nicht für meine Planung. Da habe ich nur oberflächlichen Kontakt, und auf der Sachebene kriege ich ja alles hin. Und z.B. über eMails komme ich erst gar nicht in Situationen, in denen ich in Sekundenschnell passend reagieren muß oder auf dem falschen Fuß erwischt werde. Und ich habe auch nicht mit denselben Leuten zu tun, also wenn ich mit einem Lieferer oder Kunden nicht klarkomme, kann ich den Geschäftskontakt abbrechen, aber als Angestellte kann ich nicht meinen Chef und meine Kollegen entlassen.

      Oh ja, ich kommuniziere viel. Ich bin der Typ, der immer wieder gegen die Wand läuft (interaktionsmäßig) und denkt, da muß doch irgendwo die Tür sein. Erst gestern habe ich eine Kundin im Schuhgeschäft zugetextet und erst gemerkt, daß die Situation kippt, als sie sich genervt abrupt verabschiedete.


      LiltihEve schrieb:

      Was hast du schon zu verlieren.
      Exakt. Genau die Hauptmotivation für meine Bemühungen. Das ist wie ein geschenktes Lottolos, selbst bei der Gewinnwahrscheinlichkeit lohnt es sich, das anzunehmen, da es ja nichts kostet. Und solange ich finanziell nicht schlechter dastehe als jetzt, ist jeder Cent ein Gewinn. Vom ideellen Gewinn ganz zu schweigen.

      Was @Leseratte schreibt, macht mir allerdings weniger Mut als die Berichte meiner Freundin.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Das heißt, das JobCenter rechnet nicht mit dem erwirtschafteten Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben, wozu schließlich auch durchlaufende Posten, Verbrauchsmaterial und Spesen wie Fahrtgeld zählen), sondern nur mit den Einnahmen? Ist das rechtlich korrekt?
      Nein, da habe ich mich vermutlich falsch ausgedrückt. Wenn es um ein herstellendes Gewerbe geht, werden mehr und andere Ausgaben beachtet, als bei Dienstleistungen. Wobei das Jobcenter regelmäßig überfordert ist, was angerechnet werden muss und was nicht - darum gibt es ja extra Stellen für den Start in die Selbständigkeit.

      Bei Dienstleistungen (wozu auch Lehrtätigkeiten gehören) fallen ja keine Ausgaben an, bzw. nur solche, mit denen man die Steuerlast mindern kann. Das ist wie bei normalen Arbeitnehmern - das interessiert es das Jobcenter auch nicht, wo das Geld für die Fahrtkosten herkommt.

      Necroghoul7 schrieb:

      Macht es einen Unterschied, ob man sich (wie ich gerade) in der Reha-Abteilung befindet oder in der normalen Vermittlung des JobCenters?
      Dazu kann ich dir gar nicht sagen.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Polarlicht schrieb:

      Die haben hier mal nen Informatiker mit Uniabschluss in einen PC Grundkurs gesetzt (wohlgemerkt als Teilnehmer, nicht als Lehrer) und mit Konsequenzen gedroht wenn er nicht hingeht... noch Fragen zur Sinnhaftigkeit?
      Ich als Wirtschaftsinformatiker durfte auch mal zu einem Office Kurs... war lustig, fand X Fehler in den Lehrunterlagen und verbrachte meine Zeit damit, die zu korrigieren bzw dem „Lehrer“ beizubringen, warum etwas falsch war.
    • @Necroughoul

      20 cent Fahrgeld bzw. Bus/Bahnfahrkarte kann abgezogen werden wenn Selbständige H4 kriegen, auch Minijobber. Für den Weg von zu Hause zur Arbeit.

      Man darf sich nicht über den Tisch ziehen lassen (RW), es gibt darüber Gerichtsurteile.

      Du kannst auch Arbeitsassistenz kriegen. Ich habe selber mal als Assistentin für eine Rollstuhlfahrerin gearbeitet die H4 kriegte und nebenbei selbständig war, in Hamburg.

      Meine Assistenz ist jetzt bewilligt (für bzw. gegen das Chaos zu Hause) jetzt muss das organisiert werden, und nächste Woche hab ich wieder Coaching zu einem anderen Zeitpunkt schreib ich gerne mehr darüber.
    • Ich mußte beim letzten Coaching einen "berufsbezogenen Persönlichkeitstest" machen. Ich habe extra noch gefragt, ob ich für die Einstufung vom Maßstab eines Durchschnittsmenschen oder von meinem eigenen (kritischeren) Maßstab ausgehen sollte. Die Psychologin hat meine Bedenken wohl trotz Erläuterung nicht verstanden und Letzteres gefordert. Natürlich kam dann bei sämtlichen Eigenschaften ein schlechteres Ergebnis heraus. Auf einer Skala von 1-9 bin ich nur in einem Bereich über 4, nämlich in "Gestaltungsmotivation". Ansonsten fast alles auf 1-2, bin angeblich unflexibel usw. :(

      Worin ich besonders schlecht bin, ist übrigens nicht "Kontaktfähigkeit" allgemein (da war der andere Test begrifflich leider ungenau), sondern "Sensitivität" (nicht zu verwechseln mit Sensibilität).

      @Kraehe
      Danke für die Information. Beantragt man die Arbeitsassistent beim JobCenter oder beim Integrationsfachdienst, oder wo muß man hin? Ist die Bewilligung davon abhängig, ob das JobCenter die Selbständigkeit befürwortet?

      @Nickelig
      In dem berufsbezogenen Persönlichkeitstest waren auch viele Rechtschreibfehler, das hat mich teilweise in meiner Konzentration abgelenkt. Bloß weil da Fachleute ihr "OK" gegeben haben, heißt es noch lange nicht, daß alles fehlerfrei ist. Auch in den Schulbüchern meiner Kinder sind Fehler, wenn auch weniger. Das sind ja auch nur Menschen, und wenn man in einem Gebiet so wie du in Informatik sehr interessiert ist, kann es leicht vorkommen, daß man mehr Spezialwissen hat als der Fachmann. Meine Coaching-Psychologin meinte, daß das auch ein Grund für meine Berufsprobleme sei, viele Arbeitgeber mögen keine Neulinge, die "zuviel" wissen oder sich einbringen wollen. Das empfinden sie als Störung oder Bedrohung, selbst wenn es gar nicht so ist. Deswegen brauche ich ja auch die Selbständigkeit oder einen Chef, der tolerant/offen ist.
    • Nachtrag,
      ich war ja wieder beim Coaching und nehme als neue Erkenntnis mit, daß es in meiner derzeitigen Lage trotz meines Bedürfnisses nach klaren Verhältnissen/Regelungen und Offenheit taktisch sehr unklug und eventuell sogar kontraproduktiv ist, das "Recht auf Teilzeit" mittels Anträgen, Begutachtung, Papierkrieg usw. zu erkämpfen, gerade wenn meine derzeitige Reha-Sachbearbeiterin offenbar Asperger und familiäre Belastungen eh als Ausreden ansieht und ihren Ermessensspielraum gegen und nicht für mich nutzen könnte.
      Ich habe von @Leseratte und meiner Freundin berichtet und diese gegensätzlichen Auswirkungen auf den HartzIV-Status sind tatsächlich dem Ermessensspielraum der Bearbeiter geschuldet.

      Ich solle einfach in Bewerbungen die "perspektivische Option auf Stundenaufstockung" anbieten, damit hätte ich den Auflagen des JobCenters Genüge getan. Wenn ich unwahrscheinlicherweise dann eine tolle Teilzeitstelle bekäme, dort länger bleiben könnte und der Chef irgendwann auf dieses Angebot zurückgreifen wollte, könnte ich immer noch konkret entscheiden. Naja, diese irgendwie heuchlerische Handhabe widerstrebt mir, aber ist offenbar der einzig richtige Umgang mit gestreßten Reha-Mitarbeitern des JobCenters.

      Die Psychologin riet mir auch dazu, die Selbständigkeit nur dann anzufangen, wenn das JobCenter mein Konzept als Teilzeitselbständigkeit akzeptiert und weiterhin Aufstockung zahlt (um die monatlichen Abrechnungen und nachträglichen Verrechnungen käme ich so oder so nicht herum).

      Nun ist 1/4 der Coachingzeit bereits herum und trotz guter Zusammenarbeit geht es nicht so recht voran, aber das ist wohl so geplant. Die rechnen wohl schon so, daß man verlängern muß.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Die Psychologin riet mir auch dazu, die Selbständigkeit nur dann anzufangen, wenn das JobCenter mein Konzept als Teilzeitselbständigkeit akzeptiert und weiterhin Aufstockung zahlt (um die monatlichen Abrechnungen und nachträglichen Verrechnungen käme ich so oder so nicht herum).
      Das Jobcenter muss Aufstockung zahlen wenn man zu wenig verdient, egal wie viele Stunden man arbeitet.
      Die Sachbearbeiter haben einen Ermessensspielraum und der wird nur dann zu Deinen Gunsten genutzt wenn Du ganz klar und deutlich auftrittst, denen Deinen Plan präsentierst und damit überzeugen kannst dass es klappen kann und die das unterstützen sollen.

      Necroghoul7 schrieb:

      Nun ist 1/4 der Coachingzeit bereits herum und trotz guter Zusammenarbeit geht es nicht so recht voran, aber das ist wohl so geplant. Die rechnen wohl schon so, daß man verlängern muß.
      Man muss sich selbst entscheiden. Du weisst doch was Du kannst und was nicht, die Entscheidung musst Du selber treffen das kann kein Coach Dir abnehmen.
      Du kannst eine Weiterbildung oder Umschulung beantragen, da musst Du Dir vorher überlegen ob das in irgendeinem Arbeitsumfeld auf Dauer klappen kann mit einem Angestelltenjob. Und Dich selber informieren was Du in welchem Beruf dann den ganzen Tag zu tun hast.

      Ich denke mittlerweile dass dieses ganze Coaching total überschätzt wird, es wird geredet und getestet und was weiss ich, wahrscheinlich führt das in den seltensten Fällen dazu dass Leute wirklich in Arbeit kommen.
      Vielleicht sehe ich das auch zu negativ weil ich gerade genervt bin, es kann mich gerne jemand vom Gegenteil überzeugen indem er mir Beispiele für gelungene berufliche Integration durch Coaching nennt.

      Bei mir wird das jedenfalls nichts auf dem Weg. Mein Coach geht mir auf die Nerven (RW) im letzten Gespräch ging es um Kompetenzen die ich mitbringe, wobei dann hauptsächlich Begriffsdefinitionen besprochen wurden...

      Coach: "Nennen sie mir Ihre Fachkompetenzen"
      Krähe: "was meinen Sie genau mit Fachkompetenzen?"
      Coach: "berufliche Abschlüsse"
      Krähe: "Also Kompetenzen die ich habe die aber nicht auf einem Zettel offiziell bescheinigt sind zählen dann nicht?"
      Coach: "Sie haben doch sicherlich eine Ausbildung?"
      Krähe: "Sie weichen meiner Frage aus, wollen Sie nur die Abschlüsse genannt haben oder bedeutet Fachkompetenz fundierte Kenntnisse in einem bestimmmten Bereich?"
      Coach:"dazu kommen wir später das sind die Feldkompetenzen"

      Ich höre Feldkompetenzen und sehe mich mit einem Trecker über einen Acker fahren....

      Krähe: "Feldkompetenzen? Das mit dem Gärtnern war ein Hobby, die Selbständigkeit hatte ich nicht dem Bereich vor."
      Coach:"Was hat das jetzt damit zu tun?"

      Krähe: "anstatt über Begriffe zu diskutieren wäre es leichter wenn Sie mich einfach klar und deutlich fragen was Sie wissen wollen. z.B. was ich kann und was ich für eine Ausbidung habe, das erscheint mir sinnvoller. Ich habe nicht das Interesse Begriffe aus der Coachingtheorie zu lernen sondern möchte konkret darüber sprechen was mein Ziel ist und wie ich es erreichen kann"

      Aneinander vorbeigeredet wie so oft im Leben.
      Mist, denk ich, sehe einen dampfenden Misthaufen vor mir und muss lachen. In so einer Situation wäre ich vor 20 Jahren ausgerastet und hätte den Coach angeschrien was er für ein Idiot ist und was er überhaupt will, soll mich in Ruhe lassen mit seinem Gequatsche...etc
      Ich hab mich also sehr zum Positiven entwickelt, denk ich während ich überlege wie sich das Gespräch noch in eine konstruktive Richtung lenken liesse.
      Das klappt aber dann doch nicht.

      Coach: "Ich habe den Eindruck Sie nehmen mich nicht ernst"
      Krähe: "Ganz so schlimm ist es wohl nicht" :m(:
      -----------------------------------------------------------------------------------------------------
      Das Ganze bringt mir nichts. Ich weiss was ich kann und was nicht, ich bin qualifiziert, ich weiss dass ich nicht Vollzeit arbeiten kann, mir kein Büro teilen kann, etc.

      Es gibt Dinge die ich lernen kann, es gibt auch welche die mir nicht möglich sind auch das ist mir bekannt. Trotz der recht neuen Diagnose kenne ich meine Eigenheiten ja schon länger.

      Es ist sinnlos weiter darüber zu sprechen. Zeitverschwendung, da kommt nichts Neues bei heraus ich bin ja nicht mehr 20 und muss entdecken wer ich bin, das weiss ich schon.
      ----------------------------------------------------------------------------------------------------
      Das Coaching werd ich abbrechen, stattdessen hab ich einen Termin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband gemacht um mir eine Beratung dafür zu holen wie ich meinen Plan umsetzen kann.


      Necroghoul7 schrieb:

      bin angeblich unflexibel
      was ja bei Aspies häufiger vorkommt ;)
      Ich kann auch nicht mal eben kurz zwischendurch irgendwas erledigen, dafür mache ich das was ich mache gründlich und gut, besser als viele der flexiblen Leute die drei Sachen gleichzeitig tun und jederzeit auf jede Frage irgendwas antworten können, das ist dann nämlich häufig nur oberflächlich.

      Die Sache mit der Assistenz macht Sinn wenn Du konkret eine Selbständigkeit angehen willst. Du musst das dann aber selber organisieren, d.h. dir jemanden suchen den Du von dem Geld bezahlst, dem die Aufgaben geben, alles eben.

      Das kann dann über das Integrationsamt laufen, die Beantragung meine ich. Du kannst auch ein trägerübergreifendes Budget beim Landkreis beantragen dann mussst Du Dir keine Gedanken machen den richtigen Kostenträger anzusprechen das wird dann automatisch an den geleitet.

      einfach-teilhaben.de/DE/StdS/F…get_inhalt.html?nn=579766

      Da kannst Du anrufen oder mailen. Tatsache ist jedenfalls dass Du einen konkreten Plan brauchst. Was für Aufgaben soll die Assistenz übernehmen, wer soll das machen (kennst Du jemanden oder findest Du jemanden dafür) wie viele Stunden sollen das in der Woche/im Monat sein.

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      Kraehe schrieb:

      damit überzeugen kannst dass es klappen kann und die das unterstützen sollen.
      Im "Überzeugen" bin ich nicht gut, da das, was ich sage, ja meist abgetan oder nicht für voll genommen wird. In der Schule war es sogar so, daß egal was ich sagte, das immer niedergemacht wurde, aber wenn jemand anderes später genau dasselbe sagte, wurde es gefeiert und für konstruktiv oder richtig befunden. Das ist mir später auch immer wieder aufgefallen, daß die Ausstrahlung entscheidend ist, also die 80% (oder mehr?) der Interaktion, die über das Vortragen der Sachargumente hinausgehen. Nur schriftlich werde ich etwas mehr ernst genommen, da diese Ebene größtenteils entfällt (wobei ich auch da oft als Spinner rüberkomme).
      Ich will auch "nur" weiter meine Aufstockung, und ich will verhindern, daß mir sowas passiert, wie @Leseratte geschildert hat (Streß wegen Versicherung, Nachzahlungen usw.). Und meine neue Reha-Bearbeiterin ist die letzte, die ich von irgend etwas überzeugen kann, die nimmt mich nur ernst, wenn da ein Psychiater oder die Psychologin vom Coaching für mich spricht bzw. schreibt, das darf sie nicht ignorieren. Nur für einen Teil der Selbständigkeit bräuchte ich Anschubhilfe, aber das ginge notfalls auch als kleiner Kredit seitens des JobCenters.

      Naja, meine "Entscheidung" basiert auf einer Erkenntnis, nämlich der, daß ich auf dem normalen Arbeitsmarkt in meiner Gegend ohne Hilfe keine Chance habe, etwas Geeignetes zu finden. Das liegt aber nicht bloß am Asperger, sondern an meiner Familie und am Lebenslauf, als alleinstehender 20-jähriger Aspie in Bayern sähe es anders aus. Und natürlich komme ich mit unklaren, ungeordneten Verhältnissen wie derzeit schlechter klar als ein "psychisch Normaler", und natürlich gebe ich zu, daß ich in punkto Kommunikation weniger belastbar bin, also die familiären Aufgaben strengen mich emotional bereits so an, daß mehr als eine Halbtags-/Teilzeittätigkeit einfach nicht drin ist. Das habe ich gemerkt, als ich noch gearbeitet hatte, das war das Limit, ich war abends teilweise richtig gereizt oder kurz vor dem Explodieren. Bezüglich der Berufe bzw. der Tätigkeit selbst bin ich schon flexibel, aber mit einem Minijob hätte ich weiterhin Druck vom JobCenter, und eine dritte Asubildung werden sie garantiert nicht zahlen, ich mußte ja schon den letzten Kurs selbst finanzieren. Lehrerin vor Kindern geht nicht, das würde bezahlt werden, und Lehrerin auf Honorarbasis ist Selbständigentätigkeit, also werde ich um die Auseinandersetzung nicht herumkommen.


      Kraehe schrieb:

      "Sie haben doch sicherlich eine Ausbildung?"
      Da hätte er stattdessen antworten können: "Zunächst möchte ich nur die Fachkompetenzen erfahren, für die Sie eine Bescheinigung haben."
      Ich kann mir gut vorstellen, wie nervig das für dich sein muß, denn ich kenne es aus der Vergangenheit. Das Problem habe ich zum Glück nicht, da mein Coaching ja speziell für Autisten ist und die Psychologen auf die Kommunikatiosbesonderheiten achten. Sie sagen z.B. konkret, was sie wollen, und gehen konkret auf Fragen ein. Bei mir besteht eher das Problem, daß aus diesem Abarbeiten ein Ausufern wird und Themen, die in 10min abgehakt sein könnten, plötzlich eine ganze Sitzung füllen, damit auch ja keine Unklarheit übrig bleibt. Und ich habe wie gesagt den Verdacht, daß die ihre Stunden auch füllen müssen, um vom JobCenter bezahlt zu werden, da müssen sie darauf achten, daß in nicht schon nach 10 Terminen zuviel erledigt ist. Für den Test und die Lebenslaufkurve habe ich z.B. offenbar weniger Zeit benötig als vorgesehen, also wurde lang und breit von meiner Psychologin über die Definition der einzelnen Variablen geredet. Aber was das nun konkret für meine Entscheidung bedeutet, das weiß ich immer noch nicht. Meine Eigenanalyse sagt jedenfalls: "Das deutet erst recht auf Selbständigkeit hin, ich bin offenbar derzeit nicht arbeitsmarktkompatibel".


      Kraehe schrieb:

      Ich weiss was ich kann und was nicht, ich bin qualifiziert, ich weiss dass ich nicht Vollzeit arbeiten kann, mir kein Büro teilen kann, etc.
      Naja, ich würde vom Coach schon erwarten, daß er solche Mitteilungen deinerseits glaubt und dich danach berät und vermittelt. Wenn ich mitkriege, daß mich die Psychologin in eine andere Richtung drängen will oder nicht inhaltlich auf meine Vorhaben und Voraussetzungen eingeht, werde ich das Coaching nicht verlängern. Abbrechen darf ich es nicht, wegen der Sanktionen.


      Kraehe schrieb:

      Die Sache mit der Assistenz macht Sinn wenn Du konkret eine Selbständigkeit angehen willst.
      Ich sehe meine Coaching-Psychologin als diese Assistenz. Und wir sind schließlich beide nach nochmaliger Recherche zum Ergebnis gekommen, daß meine Angestelltenberufswünsche zwar nicht an sich unrealistisch, aber derzeit sehr wenig erfolgversprechend sind, aus teils unterschiedlichen Gründen (zu wenige Stellenangebote, pro-forma-Ausschreibungen, zu hohe Anforderungen an Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität und/oder Qualifikation/Berufserfahrung). Von meinen sechs Ideen ist nur die Selbständigkeit übrig geblieben, es sei denn, es findet sich ein Chef, der bereit ist, jemanden mit Gleichstellung einzustellen und auf dessen Besonderheiten einzugehen (also nicht jemand wie meine Ex-Chefin). Bei zig Bewerbern auf z.B. Laborantenstellen hat das aber kaum jemand nötig. Die nehmen schon jemand "Unkomplizierteren", wenn sie hören, daß ich nur bei Einstellungszusage überhaupt erst einen Hortplatz beantragen kann.


      Kraehe schrieb:

      Das kann dann über das Integrationsamt laufen, die Beantragung meine ich
      Mich wundert es, daß ich diese Information von dir bekomme (bin dafür dankbar :) ) und nicht vom JobCenter oder vom Coaching, wo ich doch mehrfach meine Selbständigkeitspläne erwähnt hatte und wo meine Gleichstellung bekannt ist. Daraus schließe ich, daß mich ein anonymer Forennutzer wie du mehr ernst nimmt und besser versteht und hilfreicher beraten will/kann als jemand, der dafür bezahlt wird mir beruflich weiterzuhelfen und der mich mehrmals persönlich kennengeöernt hat und meinen gesamten Lebenslauf kennt. Ich glaube, das Problem liegt darin, daß ich leistungsmäßig voll erwerbsfähig bin, aber tatsächlich aus verschiedenen Gründen nicht die Voraussetzungen von jemandem mitbringe, der voll erwerbsfähig ist.

      Ich habe leider auch Schwierigkeiten meine Anliegen konsequent zu vertreten, ohne dabei auszurasten. Also wenn ich z.B. zum Coaching komme und mir fest vornehme, dies und jedes zu besprechen oder eine klare Zusage oder Aussage zu bekommen, gehe ich hinterher wieder raus und habe das Gefühl, daß ich wieder eingelullt oder vertröstet oder in eine andere Richtung gedrängt wurde. Das führt langfristig zu Frust und dem Gefühl der Zeitverschwendung. Ich müßte sie dazu bewegen, sich darauf festzulegen, gegenüber dem JobCenter ihre Berichte und Empfehlungen so zu schreiben, daß ich in einer Selbständigkeit eine gute Chance zur Erprobung hätte und daß ich nur Teilzeit arbeiten kann. Das müßten die dann auch mehr ernst nehmen, als wenn ich das selbst vorbete wie das Vaterunser und dann zu hören kriege: "Andere schaffen das auch" und dann innerlich aussteige/zumache und eh nur warte, bis ich wieder gehen darf. Das ist noch eine Schwäche von mir, ich reagiere genervt und ungeduldig und mache zu, wenn ich das Gefühl habe, daß es nicht vorangeht. :thumbdown:
    • Neu

      Vom Arbeitsamt Hilfe zu bekommen, um sich selbständig zu machen, ist ziemlich schwierig. Hier gibt es einige Informationen dazu: www3.arbeitsagentur.de/web/con…istenzgruendung/index.htm

      Necroghoul7 schrieb:

      "Zunächst möchte ich nur die Fachkompetenzen erfahren, für die Sie eine Bescheinigung haben."
      *seufz* Diese Zettelgläubigkeit der Deutschen ist manchmal nervig. Ich könnte als Dolmetscherin oder Übersetzerin arbeiten - habe aber keinen Zettel, der das bestätigt. Das hat niemanden gestört, als ich für die brit. Militärpolizei gearbeitet habe - da wurde ich vor dt. Gerichten anerkannt.

      Ich könnte Mathematik unterrichten. Da hätte ich theoretisch sogar ein paar Zettel für die mathematische Befähigung - aber keine auf denen steht, dass ich unterrichten kann. Die engl. Schulen hat das nie interessiert - denen war nur wichtig, dass ich es konnte.

      Wenn ich mich so gut verkaufen könnte wie Gert Postel, wäre es einfacher.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
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      Leseratte schrieb:

      Vom Arbeitsamt Hilfe zu bekommen, um sich selbständig zu machen, ist ziemlich schwierig. Hier gibt es einige Informationen dazu
      Ja, das ist das eine Thema, gilt für alle die sich selbständig machen wollen.
      Eine Honorartätigkeit wie Necroughoul sie beschreibt benötigt ja vielleicht keine finanziellen Investitionen das wäre dann leichter.

      Necroghoul7 schrieb:

      Mich wundert es, daß ich diese Information von dir bekomme (bin dafür dankbar ) und nicht vom JobCenter oder vom Coaching, wo ich doch mehrfach meine Selbständigkeitspläne erwähnt hatte und wo meine Gleichstellung bekannt ist. Daraus schließe ich, daß mich ein anonymer Forennutzer wie du mehr ernst nimmt und besser versteht und hilfreicher beraten will/kann als jemand, der dafür bezahlt wird mir beruflich weiterzuhelfen und der mich mehrmals persönlich kennengeöernt hat und meinen gesamten Lebenslauf kennt. Ich glaube, das Problem liegt darin, daß ich leistungsmäßig voll erwerbsfähig bin, aber tatsächlich aus verschiedenen Gründen nicht die Voraussetzungen von jemandem mitbringe, der voll erwerbsfähig ist.
      Die kennen sich damit nicht aus. Das Thema Assistenz ist recht neu in dem Bereich ausserdem gibt es keinen der das für Dich organisieren würde, vermute ich, es sei denn Du findest einen guten Dienstleister der Dich berät und unterstützt wie z.B. den Verein an den @Leseratte sich gewendet hat.

      Ich weiss auch noch nicht wie das bei mir mit der Umsetzung laufen wird aber einen Versuch ist es wert.
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      Leseratte schrieb:

      Diese Zettelgläubigkeit der Deutschen ist manchmal nervig.
      Stimmt, aber als Selbständiger kann ich auch ohne Zettel anbieten, was ich will und denke, gut zu können, solange ich keine geschützte Berufsbezeichnung verwende, also brauche ich weniger Zettel als für eine Bewerbung, wo ich dieselben Fähigkeiten "beweisen" müßte. Als Nachhilfelehrerin mußte ich damals auch keinen Didaktiknachweis bringen.


      Kraehe schrieb:

      wie Necroughoul sie beschreibt benötigt ja vielleicht keine finanziellen Investitionen das wäre dann leichter.
      Für 2 meiner 3 "Standbeine" benötige ich keine finanziellen Hilfen und für das 3. auch nur einen kleinen Kredit bzw. einen Kurs, aber leichter wird es trotzdem nicht, weil ich ja sicherstellen muß, daß ich weiterhin Aufstockung und Versicherung kriege, ansonsten werde ich auch nicht anfangen.
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      Necroghoul7 schrieb:

      Ja, wenn die beim Coaching das nicht machen, wozu brauche ich sie dann überhaupt? Um durch Tests und Bewerbungen und lange Gespräche herauszufinden, was ich sowieso alles schon weiß?
      Tja, das ist wohl generell ein Problem bei Coaching und Beratung, und ein Punkt, wo Autisten dringend ein angepasstes Programm brauchen würden. Aussagen wie beispielsweise die, nicht in einer engen kontinuierlichen Gruppenarbeiten oder in einem Großraumbüro arbeiten zu wollen (weil man das auch nicht kann), werden einem im Zweifel eher als zu eingeschränkte oder negative Denkweise und Zeichen eines geringen Selbstwertgefühls ausgelegt. Dann wird vielleicht eher daran gearbeitet, anstatt ernst zu nehmen, was man nicht will, und von da aus weiter zu machen.

      Necroghoul7 schrieb:

      Wenn ich bei Diagnosestellungen, beim JobCenter oder beim Coaching (ich hatte vor mehreren Jahren schon mal ein "normales" Berufscoaching) nach Berufseignungs- oder Begabungstests fragte, hieß es nur: "Sie haben gute Zensuren, ich brauche keinen Test, um zu sehen, daß Sie intelligent und leistungsfähig sind und Vieles machen könnten." Wenn ich früher (vor meiner Diagnosestellung) sagte, daß ich Defizite habe oder Einfaches nicht kapiere oder in vielen Berufen völlig überfordert wäre, wurde das grundsätzlich abgetan mit Sprüchen wie
      "Man wird ja angelernt", "Sie nehmen zu hohe Erwartungen an", "Sie haben ein zu geringes Selbstwertgefühl", "Sie suchen nur Ausreden, weil Sie das nicht wollen bzw. Angst davor haben" ...
      Ja, eben. Deinen Bericht über den "Persönlichkeitstest" weiter oben finde ich übrigens sehr interessant. Den, den Du beschreibst, habe ich nie gemacht, aber verschiedene andere. Und da ergab sich auch immer ein sehr heterogenes Profil, vor allem mit starkem Rückzugsbedürfnis, wenig Stressresistenz und auch wenig sozialem Einführungsvermögen. Besonders krass war vor ein paar Jahren mal ein Multiple Choice-Test zu strategischem Verhalten bei Intrigen, Gerüchten, Konflikten, wo man selbst aus der Perspektive des quasi "Bedrohten" antworten sollte, welches der beste Umgang damit wäre. Den fand ich richtig schwierig, denn alle vorgestellten Strategien klangen zunächst für sich sinnvoll, es war keine dabei, die man mit ein bisschen Allgemeinbildung und Auffassungsvermögen gleich ausschließen konnte. Da war ich total unsicher - und schnitt schlechter ab, als statistisch zu erwarten gewesen wäre, wenn ich rein willkürlich angekreuzt hätte. Gerade im "soften" kulturellen/geisteswissenschaftlichen Bereich schließt ein solches Profil eigentlich nahezu alle Berufe aus. Und dabei habe ich ja auch noch weitere "issues". Und auch ich habe zwar Stärken, aber, wie mir inzwischen bewusst ist, auch in meinen "besten Bereichen" keine so ausgeprägte, dass das diese Probleme ausgleichen und mich für Arbeitgeber interessant machen könnte.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
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      Leonora schrieb:

      zu strategischem Verhalten bei Intrigen, Gerüchten, Konflikten, wo man selbst aus der Perspektive des quasi "Bedrohten" antworten sollte
      Da würde ich wieder nach der Vorgabe fragen: Soll man so antworten, wie es am sinnvollsten wäre, oder so, wie man sich tatsächlich verhalten würde? Oftmals weiß man ja, welches Verhalten abstrakt gesehen sinnvoll ist, kann es aber in konkreten Situationen nicht umsetzen. Der berufsbezogene Persönlichkeitstest ergab bei mir aber in so gut wie allen Bereichen ein schlechtes bis leicht unterdurchschnittliches Ergebnis. Was ich viel wichtiger finde, ist: Welche konkreten Auswirkungen des Testergebnisses auf die Berufsstrategie sieht der Coach nun? Ergibt sich daraus, daß konkrete Berufswünsche aufgrund der gegebenen Beschäftigungsangebote (Stellenanzeigen, aber auch andere Möglichkeiten) unrealistischer oder realistischer werden?

      Leonora schrieb:

      wo Autisten dringend ein angepasstes Programm brauchen würden
      Mein Coaching ist ein speziell für Autisten angepaßtes Programm. Die Frage, wozu ich da hingehe, wenn ich da nichts hilfreiches Neues lerne und mir konkret auch nicht mit Anträgen, VitaminB o.ä. geholfen wird, würde sich mir aber auch im normalen Coaching stellen.