Ausgeglichenheit durch Computerspiele

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    • Ausgeglichenheit durch Computerspiele

      Guten Abend,

      immer wieder wird von Eltern / Lehrer / Pädagogen... empfohlen, dass autistische Kinder bereits in frühem Alter im Umgang mit Technik vertraut werden sollten - nicht zuletzt auch wegen der verschiedenen Kommunikationswege die dadurch erschlossen werden können.

      Doch in wie weit gilt Medientechnik, insbesondere Computerspiele als brauchbares Mittel, um Ausgeglichenheit zu erlangen? Da dies Thema immer wieder präsent ist und auch von Fachkräften autistischen Kindern nahe gelegt wird, z.B. um Pausen zu verbringen, ist mir dies eine Nachfrage wert.

      Seht ihr darin eine Möglichkeit, die Kindern generell an Schulen für Pausen, auch bereits in Grundschulen zur Verfügung gestellt werden sollen? Habt ihr, oder erlangt ihr Ausgeglichenheit über Computerspiele? Sollte dieses Thema für Autisten generell wichtig und interessant sein, könnten wir dazu auch gern eine Umfrage starten, bzw dies in unserem Forschungsbereich dann auch vorstellen, als wichtiges Thema.

      Aufmerksam wurde ich dadurch, dass dies tatsächlich real Anwendung findet für Kinder ab 4 Jahren bereits. Tabletspiele mit Formen, Mustern und Logik, später ab 6 Jahre auch Charakterspiele zum Flitzen und Sausen, Sammeln und sogar Kämpfen ist nicht ausgeschlossen, ebenso wie Schach u.a. Studien die für Autisten generell eine besondere Ausgeglichenheit darlegen durch den Einsatz dessen konnte ich bisher nicht finden.

      Computerspiele in Kitas und Schulen, altersgerecht in der Spielefreigabe - auch für austistische Kinder, angeboten durch Lehrer und Pädagogen, könntet ihr da mit gehen, das ist genau das, was die Kleinen brauchen? Das wird zu Ausgeglichenheit führen? Oder ist das eher etwas, das nun bei euch auf Ablehnung stößt, dieser Trend unter den Fachkräften, dies den Kindern nahe zu bringen?

      es grüßt

      Antares

      The post was edited 1 time, last by Antares (White Unicorn) ().

    • Den Umgang mit der Technik spielerisch zu lernen, halte ich für alle Kinder wichtig. Ebenso das, was man Medienkompetenz nennt. Auch computergestütztes Lernen halte ich in vielen Fächern für sinnvoll, weil es mehr Möglichkeiten gibt. Die Addy Lernprogramme fanden mein Sohn und meine Nachhilfeschüler toll.

      Computergestütztes Lernen kann ich vielen Fächern zu individueller Förderung führen. Wer z.B. die gestellte Aufgabe schnell beendet hat, bekommt interessanten Zusatzstoff. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dadurch die strenge Trennung nach Schulklassen aufgehoben werden kann.

      ABER - für die Pausen halte ich PCs, Tabletts, Handys etc. für nicht so sinnvoll. Die Pausen sollen ja in erster Linie dazu genutzt werden, um evtl. eine Kleinigkeit zu essen und etwas zu trinken. Dazu noch etwas Bewegung an der frischen Luft und ein Gang zur Toilette. Und selbst wenn es im Sonderfall sein kann, dass ein autistisches Kind den Pausenhof nicht mag und daher einen Ruheraum aufsuchen darf, ist die Zeit, um sich auf ein "Spiel" zu konzentrieren zu kurz.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Antares (White Unicorn) wrote:

      Seht ihr darin eine Möglichkeit, die Kindern generell an Schulen für Pausen, auch bereits in Grundschulen zur Verfügung gestellt werden sollen?
      Ich denke, dass muss man individuell entscheiden.
      Es muss zwischen körperlicher Bewegung, Nahrungsaufnahme, sozialer Kommunikation mit anderen Kindern und eben dem Bedürfnis des Kindes abgewogen werden.

      Bei mir waren immer und überall elektronische Gegenstände verboten.
      Das hat mir gar nicht gut getan.
      Es zwingt einen somit, sich mit anderen auseinanderzusetzen...
      Das Problem ist, wenn man mit anderen einfach nicht klar kommt, dann bringt das nur Stress.

      Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt, mich mit meinem Gameboy (oder jetzt Tablet) beschäftigen zu können.
      Da hätte ich wenigstens für 20-30min endlich abschalten können.
      Stattdessen musste ich mir ein Buch nehmen, was mich zwar mehr interessiert hat als die anderen, aber weniger als meine Geräte :d .

      Antares (White Unicorn) wrote:

      Habt ihr, oder erlangt ihr Ausgeglichenheit über Computerspiele?
      Hab das Wort "Ausgeglichenheit" mal gegoogelt:

      Beschreibung

      Ausgeglichenheit beschreibt einen Zustand, in dem man, durch gleichgültige Betrachtung und Hinnahme der Umstände, schwer reizbar ist, sich der Umwelt gegenüber neutral verhält und sowohl Probleme, als auch Aufregung nicht an sich heran lässt oder diese löst. Eine ausgeglichenes Maß an Emotionen bietet hierzu die perfekte Basis.
      wertesysteme.de/alle-werte-def…n/a-b-c/ausgeglichenheit/

      Dieser Beschreibung nach, würde ich dann mit "nein", antworten.
      Im Gegenteil, wenn mich jemand beim Spielen stört, bin ich sehr gereizt und werde schnell wütend.
      Meiner Umwelt gegenüber bin ich insofern neutral, als dass ich mich nicht mehr für sie interessiere, bis sie was von mir will. (siehe oben)
      Ob es meine bisherigen Probleme löst? Jein, also wenn ich mich schlecht fühle, dann gehe ich zocken und für die Zeit denke ich nicht mehr an das Problem, ja, aber, sobald ich aufgehört habe, denke ich wieder daran, "gelöst" werden Probleme dadurch nicht, aber sehr gut verdrängt.

      Ich würde eher sagen, dass Computerspiele mich entspannen.
      Ich weiß im groben, was auf mich zukommt, ich kann selbst alle Entscheidungen treffen, es bleibt im Großen und Ganzen gleich und irgendwie....
      Lässt es mich komplett in "meine Welt" eintauchen...
      Wenn da nur nicht diese Flamer wären (bei Multiplayer) :nerved:
      Aber gegen AI ist es einfach zu langweilig, da zu einfach.
      Das ist als würde man das 1x1 mit Kurvendiskussion vergleichen...
      Ich brauche diese Reize, auch wenn sie mir zu viel sind, kA.
      Ich merke das ja immer wieder, dass ich nicht zu gleichem fähig bin, wie die anderen, aber ich kann/will? nicht wirklich anders.


      Hoffe in meinem Text ist irgendwas brauchbares dabei.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ich bin zwar nur eine Mama, aber ich finde das Thema interessant. Bei meinem Sohn ist es an einem Tag so, dass ihn Schach am Computer entspannt, ihn dann aber auch so fasziniert, dass er damit gar nicht mehr aufhören möchte, an einem anderen Tag hört er lieber Musik auf youtube, und am dritten Tag entspannt es ihn am ehesten, wenn er einfach nur seinen Gedanken nachhängt, und dabei mit Zahnstochern spielt! Jeder Tag ist anders und deswegen finde ich es ganz schwer, das zu verallgemeinern! Ich denke aber auch, dass es doch eher eine Strafe wäre, ein Spiel, dass einen fasziniert, nach 5 bzw 20 Minuten wieder beenden zu müssen, um dann fortzufahren mit diesem "blöden" Frontal- oder Gruppenunterricht. Wenn schon, dann müssten Apps die Schulstunde ersetzen, etwas, das ganz nebenbei in den Niederlanden bereits praktiziert wird! In einer Schule lernen die Kinder dort vorwiegend mit einem Tablet.
    • Cloudactiv, Deine Beschreibung klingt nach einer Art Kompensation eher, wie ein Weg (nach abgeschlossener Kompensation, unter geeigneten Rahmenbedingungen) zu tatsächlicher Ausgeglichenheit - es wäre dann nur logisch, was Du schreibst Tuepfel, dass an Tagen die "überlastend" sind nach 5-20 Minuten eine Abgabe des Spieles zu einem kompletten Zusammenbruch führen könnte. Dann wäre es ungesund, lässt man es das Kind nicht fertig spielen, da es zu sozialen Konflikten führt, zu einer Unberbrechung der Stabilisierung des Nervensystems...

      Ich frage mich gerade, wie die Fachkräfte das konkret ausführen und umsetzen, das versuche ich nun einmal heraus zu finden. Ggf. machen sie es ja wie in den Niederlanden eher? Das wäre ja wünschenswert dann:

      - Technik zur freien Verfügung um zu kompensieren, ohne Zeitlimit
      - auf Geräten die im Unterricht frei stehen

      Und dann wäre die Frage, ob das wirklich auch für alle Schüler der Schule so ist, oder ob das nur die Autisten als Nachteilsausgleich bekommen, weil dann schürt das denke ich nur Neid und Missgunst, wenn NUR die Autisten Open End Computer spielen dürfen an tollen Geräten und alle anderen nicht.

      Mal sehen, was ich an Rahmenbedingungen heraus finden kann, wie das tatsächlich real umgesetzt wird so ins Detail.
    • Mich beruhigen Computerspiele, besonders nach einem Tag, der mich sehr viel Kraft gekostet hat. Stress, Kompensieren, zu viele Leute ...
      Ich habe dabei Spiele recht unterschiedliche Spiele für jede Gelegenheit installiert:
      • Nachdenken: Da bieten sich Endlosspiele an wie Mahjongg oder Bejeweled. Das können auch Browsergames sein. Man spielt sie nebenbei und kann währenddessen gut überlegen.
      • Abschalten: Spiele mit schöner Landschaft und leiser Musik. Skyrim z.B. Ich reise durch diese Spiele, schaue mir Orte an und muss der Handlung nicht unbedingt folgen. Viele bevorzugen Simulationen und fahren mit Trucks durch andere Länder.
      • Beruhigen: Da reicht manchmal das Herumschleichen in Landschaften nicht mehr und deshalb spiele ich dann gerne Rollenspiele wie Dragon Age. Dort habe ich ein einigermaßen anspruchsvolles Kampfsystem und muss meine Begleiter taktisch klug einsetzen. Das erfordert so viel meiner Aufmerksamkeit, dass ich dabei oft den Ärger des Tages vergesse. Kämpfe sind kein stupides Gemetzel, aber trotzdem kann man etwas Dampf ablassen.
      • Lernen: Nebenbei gibt es hier in den Dialogen so eine Art „Lerneffekt“, denn ich klicke oft auf die falsche Auswahl an Antworten und wundere mich dann, warum der virtuelle Gesprächspartner wütend reagiert. In „Sims 3“ spielt das Sozialverhalten der Figuren eine große Rolle. Man muss die Bedürfnisse der Pixelhäufchen immer im Auge behalten sonst verhungern sie, verwahrlosen oder werden depressiv. Gleichzeitig muss man auf das geschehen in der Stadt achten. Es ist also ein steter Wechsel von Mikro- und Makromanagement. Man sorgt als Spieler dafür, dass der eigene Sim genügend Freunde hat, abends ausgeht und eigentlich genau das Gegenteil tut von dem, was einem Angst einjagt.
        Man lernt, sich nicht entmutigen zu lassen, große Aufgaben in kleinere zu unterteilen. Mit Frust umzugehen, wenn Lara Croft zum zehnten Mal in die Schlucht gestürzt ist.
      • Die eigenen Stärken nutzen und als etwas Gutes akzeptieren:Und zwar solche, die in der Gesellschaft eigentlich als negativ aufgefasst werden:
        Detailversessenheit. Diese kann man ideal bei Puzzles oder Wimmelbildern nutzen.
        Ausgiebige Planung: Meine Rollenspielhelden stürzen sich nie in Abenteuer, ohne dass ich vorher genaustens ihre Ausrüstung überprüft hätte und mich erkundige, welcher Feind mit welcher Eigenschaft sie erwartet.
      • Erfolgserlebnisse: Eine abgeschlossene Quest, ein nächster Level. Computerspiele motivieren „am Ball“ zu bleiben, etwas zu Ende zu bringen.
      Es spielt beim Zocken keine Rolle, ob ich autistisch bin. Dem Spiel ist das egal und die meisten lassen mir genügend Raum, dass ich mich nicht eingeschränkt fühle. Etwa vergleichbar damit, wenn man mich Walross ins Wasser werfen würde. An Land bin ich unbeholfen, aber im Wasser spielt das alles keine Rolle mehr.

      Einige Links:
      UniqueAspergirls hat einen schönen Artikel über den positiven Effekt der Games geschrieben.
      Hier ein englischsprachiger Artikel aus Sicht einer Mutter und wie Computerspiele einem Kind helfen können.
      Autism & Empowerment: What Gaming Means to Me. Dieser Artikel brachte mich erst darauf, dass im Spiel aus Schwächen Stärken werden.
    • Vielen Dank Wort-Spinner! für diese ausführliche Antwort :)

      Ich konnte immerhin heraus finden, dass die Kombination:

      - Geräte wie Tablets/Laptops im Unterricht zur Gestaltung der Didaktik Befürwortung finden, im Allgemeinen an Schulen
      - der Geräte bei wissenschaftlicher Nachweisbarkeit des Nutzens zur Kompensation auch freier Zugang nicht abgelehnt wird

      Nun versuche ich gerade heraus zu finden, in wie weit sich Universitäten damit bisher befasst haben. Das scheint ja in der Tat eine doch gar nicht so unbedeutende Rolle zu spielen.
    • Ich würde auch eher sagen, dass der Einsatz von Spielen wenn dann im Unterricht selbst erfolgen sollte- und zwar an der aktuellen Unterrichtseinheit orientiert, offen für alle Schüler. Die Pausen sollten zur Erholung da sein, weil jedes Gehirn mal Ruhe braucht und die vorher im Unterricht erworbenen Lerninhalte draußen in Bewegung besser abgespeichert werden können. Und wem der Schulhof zu laut ist, der sollte dann zumindest einen Ruheraum - etwa in der Schulbibliothek- aufsuchen können. Wenn für das autistische Kind eine Schulbegleitung vorhanden ist, dann sind die Pausen die Gelegenheit, um die bisherigen Geschehnisse des Schultages kurz zu besprechen und damit dem Kind bei der Verarbeitung zu helfen.


      Insgesamt sehe ich ein Sonderrecht für autistische Kinder deswegen schon problematisch, weil damit die meist ohnehin schon vorhandene Außenseiterposition nochmal verschärft werden könnte. Wenn ein autistisches Kind in den Pausen schon räumlich ganz wo anders ist als die Mitschüler - die auf dem Pausenhof verweilen- ist es deutlich außen vor und wird dann vermutlich noch weniger als Mitglied der Klassengemeinschaft empfunden. Und wer nicht zur Klassengemeinschaft gehört, der ist anfälliger für Mobbing und ähnliches. Hat das Kind im Unterricht Vorrechte sich am Computer zu beschäftigen,könnte zum einen tatsächlich eine Neiddebatte aufkommen, zum anderen wird damit aber auch gewährleistet, dass gemeinsames Lernen- was ja gerade im Klassenverband sinnvoll ist- unterbunden wird. Also dann auch weniger Gelegenheit gegeben wäre, sich auf der Sachebene- also der eigentlichen Hausmacht von Autisten- auszutauschen.


      Persönlich - das gilt für jüngere Jahre wie auch in heutiger Zeit- ist es mir ähnlich wie bei Cloudactive und Wort-Spinner durchaus möglich, in Spielen zeitweilige Ablenkung und auch eine Form der Entspannung zu finden. Allerdings bin ich nach dem Spielen keinen Deut "sozialtauglicher" als vorher, und auch zum Lernen bin ich dann nicht fähiger. Eher gegenteilig ist es so, dass wieder eine Form von Akklimatisation ans Reale gefunden werden muss, nachdem man sich vorher durch die Spielwelt ein starkes Kontrastprogramm gegeben hat. Insofern hilft es mir zum "runterkommen", also dann wenn die Anforderungen des Tages erledigt sind, nicht aber, um mich für weitere zeitnahe Herausforderungen zu rüsten.



      Wort-Spinner wrote:

      Spiele mit schöner Landschaft und leiser Musik. Skyrim z.B. Ich reise durch diese Spiele, schaue mir Orte an und muss der Handlung nicht unbedingt folgen.
      Also ich werde bei Skyrim andauernd angegriffen, da währt der gemütliche Spaziergang in der schönen Landschaft nicht so lange :nerved: . Die beruhigende Musik wird dann ja auch umgehend durch Kampfesklänge ersetzt. Beim Vorgänger Morrowind war das übrigens noch schlimmer, da kamen ständig diese Flugdrachen aus der Luft...
    • Ich stimme dem Beitrag von @Leseratte vollumfänglich zu, und möchte noch einen Aspekt hinzufügen:

      Es trifft wohl oftmal zu, dass Computerspiele entspannen können, doch gebe ich zu bedenken, dass man auch das Suchtpotential nicht unterschätzen sollte. Was Erwachsenen können (sollten), nämlich eigenverantwortlich ihren Spiel- und Medienkonsum steuern, können Kinder einfach noch nicht alleine. Auch nichtautistische Kinder gleiten da schnell ins "Uferlose" ab. Sie brauchen von außen Grenzen, sonst wird im absoluten Übermaß gezockt - so wie die meisten Kinder im Übermaß fernsehen würden, wenn man es uneingeschränkt erlaubt. Manche Spiele haben zwar ein geringeres Suchtpotential als andere, aber elektronische Geräte üben an sich schon so einen großen Reiz aus, dass viele Kinder selbst bei den drögesten Spielen kein Ende finden. Dass das für die Entwicklung nicht förderlich wäre, darin sind sich "Fachkräfte" soweit ich weiß einig.

      Ich bin aufgewachsen zu einer Zeit, als es noch gar keine mobilen elektronischen Geräte gab, und habe früh Bücher als Rückzugsort für mich entdeckt. Der Computer kam dann später. Ich finde es gut, dass elektronische Geräte an der Schule meines Sohnen tabu sind, denn die Schüler haben mehr Zeit, sich miteinander zu beschäftigen. Wer darauf keine Lust hat, der kann sich auch ohne elektronische Geräte alleine beschäftigen, so wie es "ältere Semester" auch in ihrer Schulzeit getan haben: Zum Beispiel mit Naturmaterialien, die man auf dem Schulhof so finden kann, oder auch mit Lesen.

      Ich fände es allerdings schön, wenn die Schulbibliothek in den großen Pausen für Kinder zur Verfügung stehen würde, die sich dem Trubel auf dem Schulhof entziehen möchten (Bücher kann man schließlich gar nicht genug lesen ;) ).

      The post was edited 3 times, last by Turtle ().

    • Willowtree wrote:

      Also ich werde bei Skyrim andauernd angegriffen, da währt der gemütliche Spaziergang in der schönen Landschaft nicht so lange
      Ich lasse mir Zeit, bis ich den ersten Drachen töte und damit ihr Erscheinen auslöse. :) Ich reise erst durchs Land und queste dann erst viel später.

      Ich finde den Einsatz von Spielen an Schulen in den Pausen schwer zu verwirklichen, denn wenn schon Computerspiele, dann für alle und nicht nur für Autisten. Das schafft nur Neid und man läuft Gefahr, dass es in Mobbing übergeht.
    • Ich versuche zusammen zu fassen:
      • es müsste ein Raum (Ruheraum) zur Verfügung stehen, der jederzeit von allen ruhebedrüftigen Schülern aufgesucht werden kann
      • ebenso wie Bewegungsraum und klassisches Pausenprogramm, es dürfte zu keiner "Alleinsache" werden, so dass Toilette, Essen etc... nicht mehr im Fokus stehen
      • allen Kindern müssten Tablets/Laptops zur Verfügung gestellt werden, mit aktuellen Lernprogrammen der Schulfächer
      • ein begrenztes Spiel-Angebot auf den Geräten müsste allen Kindern bereit gestellt werden
      • tritt eine Art Sucht-Verhalten auf, müsste heraus gefunden werden, weshalb dies auftritt und die Ursache behoben
      • es wäre somit von Nöten, dass irgend ein Pädagoge das überwacht, der Ahnung von der Thematik hat
      • zur Kompensation wäre es hilfreich, auch wenn es Ausgeglichenheit selbst nicht fördert, dafür bräuchte es andere, zusätzliche Angebote, bzw Anpassung der Rahmenbedingungen
      Auf diese Weise wäre verhindert:
      • dass groß Suchtgefährdende Spiele auf den Geräten sind
      • dass Neid ensteht, da nur die Autisten die tolle Technik mit Spielen haben
      • dass Technik etwas zu Besonderes ist, weil es nur in den Pausen diese gäbe
      • dass die Kinder allein gelassen wären, mit Medien die anspruchsvoll sind
      Habe ich die wesentlichen Bedenken, Befürwortungen hiermit erfasst? Daraus ließe sich eine Umfrage gestalten zumindest... das könnte ich so an den Forschungsbereich weiter geben, wenn das von mir nun richtig erfasst worden wäre. Man könnte aufgrund der These wissenschaftlich überprüfen, ob das wahr so ist, was auch an bisherigem Datenmaterial zu diesem Thema existiert von anderen Unis und man könnte Wissen generieren, das man dann den Fachkräften an die Hand gibt, im Umgang mit der Thematik.

      The post was edited 4 times, last by Antares (White Unicorn) ().

    • Antares (White Unicorn) wrote:

      Cloudactiv, Deine Beschreibung klingt nach einer Art Kompensation eher, wie ein Weg (nach abgeschlossener Kompensation, unter geeigneten Rahmenbedingungen) zu tatsächlicher Ausgeglichenheit
      Was ist Kompensation?
      Ich kenne nur das Beispiel, wie einer mit einem großen Auto seine Minderwertigkeit "kompensieren" soll = etwas tolles was er hat in den Vordergrund stellen um etwas peinliches (anderes) zu verdecken.

      Aber was hat das mit mir zu tun? :question:
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • In diesem Fall bedeutet es die Kompensation einer Überlastungsreaktion:

      Cloudactive wrote:

      Das Problem ist, wenn man mit anderen einfach nicht klar kommt, dann bringt das nur Stress.

      Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt, mich mit meinem Gameboy (oder jetzt Tablet) beschäftigen zu können.
      Da hätte ich wenigstens für 20-30min endlich abschalten können.

      Cloudactive wrote:

      Im Gegenteil, wenn mich jemand beim Spielen stört, bin ich sehr gereizt und werde schnell wütend.
      Meiner Umwelt gegenüber bin ich insofern neutral, als dass ich mich nicht mehr für sie interessiere, bis sie was von mir will.
      Am Beispiel eines Schulkindes:

      1. Das Kind kommt mit den Klassenkameraden nicht klar, weil es "anders" ist und keine Toleranz gegenüber Andersartigkeit gelebt wird
      2. Das Stresslevel des Kindes ist hoch, die Gedanken überschlagen sich, die Situation ist unlösbar
      3. Das Nervensystem ist überlastet, da zudem alles zu laut ist, zu wuselig und andere Reize auf das Kind massiv im Schulgebäude einströmen (z.B. Gerüche v. Putzmittel, Toilette, Essen,..., ungewollte Berührungen, körperliche Weisungen von Lehrern/Pädagogen,...)
      4. Das Kind zeigt das dringende Bedürfnis: 30 Min abschalten! - denn der Körper geht immer weiter gen Nervenzusammenbruch / ggf nervöse Erschöpfung generell, da täglich wiederholt
      5. In letzter Not nutzt das Kind nun Nintendo/Tablet/Computer - Spiele zur

      -> Kompensation

      Damit das Nervensystem nicht komplett zusammen bricht und entweder in Begleitung von Notwehrreaktionen (Meltdown) oder Flucht und Rückzug (Shutdown) enden wird, bzw Schlimmerem (Sprachzentrum fällt aus, Motorik versagt, veg. Nervensystem kollabiert,...)

      Es ist möglich, aufgrund der Physiologie von Autisten insbesondere durch gezielte "Reizregulation" - welche diese Spiele bedeuten, einen körperlichen Zusammenbruch mit Folgeschäden zu vermeiden, oder zumindest hinaus zu zögern.

      Bei autistischen Kindern ist zu beobachten, je dringender die Kompensation benötigt wird, je harscher "verteidigen" sie das, wodurch sie ein Aufrechterhalten der Funktionalität erwirken (versuchen). Dies tun sie nicht bewusst - weshalb der "Suchtfaktor Computerspiel" somit deutlich höher wäre wie bei Nicht-Autisten, in ungünstiger Umgebung. Allerdings ist zu bedenken, dass wenn nicht Computer, dann wäre eine andere Kompensationsmethode, bzw sofortige Umgebungsänderung notwendig.

      Von UN-Seiten wird Kompensation allerdings im Schulischen nicht befürwortet. Es ist tendentiell gefährlich - weil man nie weiß, wann das Kind vollends zusammen brechen wird d.h. die Kompensation versagt. Zudem ist eine Leistungsbereitschaft im Kompensations-Maß das merklich ist meist nicht (mehr) gegeben bzw deutlich gemindert.
    • In der Eingangsfrage war die Rede von Autisten. Im Verlauf des Threads wurde aber immer nur Bezug auf hochfunktionale Formen genommen...
      Gerade aber für nonverbale Autisten ist zb ein iPad ein nützliches Gerät. Es gibt dort mindestens eine APP, jedenfalls weiß ich nur von dieser, welche zur Kommunikation eingesetzt wird. Desweiteren gibt es eine APP welche beim Zeitmanagement hilft.
      Technische Geräte sind also nicht nur zum zocken gut...

      Was Suchtverhalten angeht: Hier finde ich die Unterscheidung zwischen Sucht und SI schwierig. Aussenstehende dürften eigentlich immer "Sucht" sehen - egal was es wirklich ist.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Vielen Dank für die wichtigen Hinweise! Zusammenfassend bedeutet dies zwei Punkte hinzu zu fügen:
      • für nonverbal kommunizierende Autisten ist die Nutzung eines IPads grundsätzlich wichtig, z.B. wegen APPs zur Kommunikation/Zeitmanagement
      • auch ist der Aspekt eines stark ausgeprägten Interesses wichtig, da hier oftmals ein großer Lerneffekt für alle Autisten im Spektrum erzielt wird (LFA bis Asperger Autist)
    • Mir fallen da noch Spiele ein, die eine Zusammenarbeit mehrer Spieler voraussetzen. Auf die Art kann ein Autist mit anderen kommunizieren bzw. interagieren (wenn er denn möchte), ohne dass er das Gefühl hat, dass andere ihm auf die Pelle rücken.
      Das wäre ein Ansatz für ein interaktives Schulprojekt, vielleicht ähnlich wie Second Life oder Minecraft. Ich glaube, ich klinge da recht utopisch, oder?

      Es gibt einige Apps, leider nur englischsprachig, die sich auf Leute mit Angststörungen etc. spezialisiert haben. So etwas könnte ich mir auch für den deutschen Markt und speziell für Autisten vorstellen. Besonders Kindern fällt es ja schwer, einen Overload zu erkennen.

      Ginome wrote:

      Was Suchtverhalten angeht: Hier finde ich die Unterscheidung zwischen Sucht und SI schwierig. Aussenstehende dürften eigentlich immer "Sucht" sehen - egal was es wirklich ist.
      Das ist allerdings wahr und ich nehme an, dass deswegen viele Eltern das Zocken ihrer autistischen Kinder vorzeitig unterbrechen, weil sie nicht wissen, dass die Kids durch das Spiel einen Overload verhindern. Sie machen das sicher nicht bewusst, sondern tun instinktiv etwas, das ihnen gut tut.
    • Nur mal ein kurze Zwischenfrage: Geht es hier noch um Schule?
      Das erste Ziel ist dort ja nicht, den Schülern tolle Spiele zur Verfügung zu stellen. In der Eingangsfrage ging es noch um die Pausen, jetzt auf einmal im Unterricht generell? In der Schule soll gerlernt werden, nicht gespielt. PCgestützter Unterricht wird schon ausprobiert (einfach mal google befragen), aber nicht mit lustigen Spielchen, sondern mit richtigem Lernstoff.

      Hilfsmittel, die es behinderten Schülern erleichtern am Unterricht teilzunehmen, sind in allen Schulen in D erlaubt. Egal ob es ein Rollstuhl oder ein Sprachcomputer ist.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Es geht um das Erlangen von Ausgeglichenheit durch Computerspiele im Wesentlichen, im Speziellen bei autistischen Kindern als Möglichkeit, da Fachkräfte, Eltern... dies zumindest behaupten - auch wenn mir keine Studie dazu bekannt ist. Um Schule geht es in so fern, dass wichtig wäre heraus zu finden, ob und wenn ja wie Technik genutzt werden kann. Da derzeit real an Schulen Computerspiele / bzw Tablet etc durch Sonderpädagogen, in Kitas durch Heilpädagogen, zu Hause bei Eltern,... bei autistischen Kindern genutzt werden, entstand diese Frage.

      Zum einen geht es darum, dass mir daran liegt Quellen heraus zu finden, zum anderen ist es für den Forschungsbereich des Vereines interessant Wissen zu generieren, das wichtig und wesentlich ist für Autisten, insb. autistische Kinder - auch im Bereich Schule. Lernen findet bei autistischen Kinder oft gerade, v.a., bzw ausschließlich durch Spiel statt, unter gewissen Voraussetzungen welche die Kinder mit bringen. Ein gewisses Maß an Ausgeglichenheit ist notwendig, damit lernen überhaupt stattfinden kann.

      Manche Punkte aus der Liste sind obligatorisch per se erlaubt, das ist korrekt. Von ihnen kann ggf Rückschlüsse auf andere Bereiche gezogen werden, so dass eine brauchbare Datenbasis ggf für Medienpädagogik z.B. entsteht, wie sie in der Sonderpädagogik und durch Lehrer allgemein verwendet werden kann/könnte, bzw in Kombination. Die Fachbereiche sind nicht immer klar von einander zu trennen, dadurch geht es auch bei reinen Fragen um das Spiel an sich auch bisweilen um Didaktik.

      The post was edited 2 times, last by Antares (White Unicorn) ().