Komische Bemerkung seitens meines Therapeuten

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    • @Neoni

      Klingt richtig was du schreibst. Danke für die gute Antwort.

      (Weiter zum Therapeuten: Ich hatte oft solche Situationen mit meinem Therapeuten wo er etwas gesagt hat was mich verletzt oder enttäuscht hat und dann haben wir es geklärt und es war ok wieder. Vielleicht bin ich zu empfindlich oder fasse Sachen falsch auf manchmal. Weil es der letzte Termin war gab es keine Gelegenheit diesmal die Verletzung/Enttäuschung wegzuräumen sondern ich bin damit weggegangen. Inzwischen hat er aufgehört Therapie an Patienten anzubieten und unterrichtet nur andere Therapeuten an einer Ausbildungseinrichtung für Therapeuten. Er hatte gesagt beim letzten Termin dass wenn was wäre könnte ich noch einen Termin vereinbaren bevor er aufhört (hat er jetzt schon) aber nur einen Termin und ich dachte es wäre doof und eine Zeitverschwendung für ihn wenn ich einen Termin machen würde nur über eine Bemerkung zu reden die er gemacht hat. Inzwischen hat es geholfen in diesem Thread darüber zu reden und eine objektivere Perspektive zu bekommen)
    • Unbewohnte Insel ich kenne das ehrlich gesagt von mir selbst auch. Früher dachte ich das auch von Ärzten, dass die alles wissen müssten, über alles Bescheid wissen müssten. Ich beziehungsweise meine Erwartungen wurden viele Male enttäuscht, bis ich anfing anders zu denken. Ich bin heute noch der Ansicht, wenn man sich als Arzt Mühe gibt und seine Tätigkeit ernst nimmt, würde man fachlich mehr leisten können als nach meiner Beurteilung die meisten Ärzte leisten. Aus meiner Sicht bedeutet dieser Beruf viel Verantwortung gegenüber dem Patient, aber ich habe den Eindruck dass viele Ärzte diese Verantwortung nicht ernst genug nehmen. Oder anders ausgedrückt, ich habe den Eindruck dass bei den meisten Ärzten heutzutage die Quantität an erster Stelle steht und nicht die Qualität ihrer Arbeit. Mir ist bewusst, dass es Ärzte heutzutage nicht einfach haben, finanziell und wegen der Menge an Patienten. Aber das sollte deshalb nicht zum Nachteil des einzelnen Patienten sein. Im Prinzip sind Ärzte auch einfach nur ganz normale Menschen und seit ich nicht mehr allzu viel von ihnen halte, kann ich lockerer damit umgehen. Teilweise konnten mir selbst betroffene mit ihren Erfahrungen besser weiterhelfen als mancher Arzt es konnte.
    • Neoni wrote:

      Vielleicht wäre der Zustand 2a) (keine widerwärtigen Umstande), gar nicht besser als der Zustand 2b) (widerwärtige Umstände). Vielleicht ist der Mensch durch die widerwärtigen Umstände besser geworden, als er es ohne wäre. Wenn du das so siehst, könntest du ja den Zustand 2b), also dein Ist-Zustand, als "gut so" betrachten.
      Stimmt. Das war auch eine der Hauptstrategien meines Therapeuten. Ich hatte ein gewisses Bild von Zustand 2a und habe mich immer damit verglichen und mich schlecht gefühlt. Er hat versucht es umzukehren in etwas Positives indem er Zustand 2b bei mir aufgewertet hat und mir Strategien gelehrt hat (er ist Verhaltenstherapeut) diese Aufwertung selber zu machen.

      Wenn man ziemlich beziehungsunfähig ist und keine Freunde hat hat man viel Zeit allein um spannende Interessen zu haben, zum Beispiel. (Ich meine das echt und nicht sarkastisch).

      The post was edited 2 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Nachtschiff wrote:

      ich habe den Eindruck dass bei den meisten Ärzten heutzutage die Quantität an erster Stelle steht und nicht die Qualität
      Wenn es um Psychotherapie handelt finde ich es befremdlich dass Therapeuten eine ganze Reihe von Patienten sehen zu jeweils 50 Minuten, einen nach dem anderen ohne Pause, wobei der eine Patient aus der Tür geht und der nächste sofort reinkommt. Das hat mich immer gestört bei meinem Therapeuten, weil ich gedacht habe "wie kann man sich so schnell umschalten als Therapeut wenn man die Patienten wirklich ernst nimmt?". Aber ich denke man bringt viel "Übertragung" mit in die Therapie und will so etwas wie einen zweiten Vater oder einen sehr guten Freund während der Therapeut in Wirklichkeit nur medizinisches Personal ist und diese Rolle nicht erfüllen kann.

      Ich glaube auch dass ich früher zu sehr an psychiatrischen "Diagnosen" geglaubt habe, als ob sie wirkliche Entitäten bezeichneten die entweder da seien oder nicht, wie bei Eulen zum Beispiel.
    • Vielleicht ging es deinem Therapeuten einfach darum, dass nach einer langen Zeit kein Unterschied mehr zwischen erworben und angeboren ist. Mir hat nämlich mal einer gesagt, nach 20 Jahren Phobie nützt keine Therapie mehr, da zahlt die Kasse nicht mehr. Sprich, sie gehen bei einer so lang andauernden erworbenen Störung davon aus, dass sie genauso unheilbar ist wie wenn sie angeboren wäre.

      Bleibt die Schuldfrage. Selbst wenn dein Vater oder deine Mutter schuld an deinen Störungen ist, ist er und sie ja auch wieder das Kind von jemandem und hat auch Sachen erlebt, die er sich nicht aussuchen konnte.

      Ich hab das früher schon mal geschrieben, aber es stimmt immer noch. Mich beschäftigt die Vergangenheit nicht mehr, seit ich meiner Mutter und meinem Vater vergeben habe. Und das konnte ich, weil ich Mitleid mit ihnen hatte. Sie hatten ein sehr anstrengendes, komisches Kind und waren selbst nicht besonders stressresistent, vielleicht sogar autistisch, ohne es zu wissen.
    • Illi wrote:

      Ich hab das früher schon mal geschrieben, aber es stimmt immer noch. Mich beschäftigt die Vergangenheit nicht mehr, seit ich meiner Mutter und meinem Vater vergeben habe. Und das konnte ich, weil ich Mitleid mit ihnen hatte. Sie hatten ein sehr anstrengendes, komisches Kind und waren selbst nicht besonders stressresistent, vielleicht sogar autistisch, ohne es zu wissen.
      Genau das konnte ich auch tun. Verzeihen. Und zum Teil abschließen. Den Teil, in dem es um meine Eltern geht.
      Mein Psychologe ist auch der Meinung, dass die Ursache dessen, was zu Bruch ging, nebensächlich ist. Tatsache ist, dass es zerstört wurde. Meine Eltern wussten es nicht besser, sind selbst im Spektrum, das denken der Psychologe und ich zumindest.
    • Illi wrote:

      Vielleicht ging es deinem Therapeuten einfach darum, dass nach einer langen Zeit kein Unterschied mehr zwischen erworben und angeboren ist
      Was wahrscheinlich auch stimmt. Bei mir wird sich nichts mehr ändern können (ausser Verbesserungen in der Einstellung vielleicht).

      Illi wrote:

      Bleibt die Schuldfrage.
      Darum ging es mir bei der Therapie. Meine Einstellung zu den Eltern. Mein Schluss war dass das Autistische nicht an meinen Eltern lag während das Schiefgegangene lebensumständemässig und emotionaleverletzungensmässig ganz sicher an den Eltern lag. Wobei der Vater starke autistische Züge hatte und keine Einsicht in seine verfehlte Wahrnehmung und Handlungen.


      Illi wrote:

      Selbst wenn dein Vater oder deine Mutter schuld an deinen Störungen ist, ist er und sie ja auch wieder das Kind von jemandem und hat auch Sachen erlebt, die er sich nicht aussuchen konnte.
      Ich glaube nicht dass sie die Störungen verursacht haben. Das wäre eine sehr grosse Schuld aber trifft nicht zu, glaube ich. Auch deswegen war es mir wichtig alles zu wissen, weil ich meine Eltern entlasten wollte in dieser Hinsicht bei gleichzeitiger Wut über wie sie sich benommen haben. Die Schuldfrage ist, unabhängig vom AS, immer noch aktuell und ich habe mehrere Bücher gelesen über schwarze Schafe, narzisstische Eltern, emotionalen Missbrauch usw. Das Autistische ist ganz bestimmt niemands Schuld.

      Mein Therapeut hat gesagt dass er mich lehren wollte wie ich besser mit Streit umgehen könnte. Ich war erstaunt und habe gesagt dass ich nicht streitsuchtig bin und kaum Streit mit jemandem habe (was stimmt) und er hat gesagt "Sie haben im Gegenteil ein riesiges Problem damit, mit ihren Eltern nämlich". Was er gemeint hat ist Vergebung, dass ich meinen Eltern nicht vergeben kann sondern ihnen immer noch den Prozess machen (mit ihnen streite in meinem Kopf). Vielleicht dauert es noch eine Weile bevor die Therapie endgültige Früchte trägt.
    • Ich bin seit knapp sechs Wochen in einer psychosomatischen Reha, mit der ich im Großen und Ganzen auch ziemlich zufrieden bin (alles Einzelzimmer, tolles “Körperprogramm“, also Yoga etc.). Eine Stunde Einzeltherapie die Woche gehört auch da zu, und zwar Kognitive Verhaltenstherapie, der gegenwärtige Hype in der Therapiebranche.

      Nun ja: Sitzung für Sitzung brachte mich der Herr Therapeut mit irgendeiner Bemerkung aus dem Konzept, die für mich keinen rechten Sinn ergab, wo ich mir anschließend den Kopf zerbrach, was er jetzt damit gemeint haben könnte, mir mitteilen wollte, so zwischen den Zeilen irgendwie. Schließlich fiel der Groschen: Das waren alles kleine Provokationen. Offenbar hatte er sich so was gedacht wie: “Der muss mehr aus sich raus. Den werde ich jetzt so lange ärgern, bis er explodiert.“ Der kritische Punkt ist eben, dass ich diese Provokationen erst gar nicht als solche erkannt hatte und mich jetzt wundere, warum ich mich durch etwas provoziert fühlen sollte, das ja gar nicht ernst gemeint ist - er als Person will ja nicht mich als Person ärgern. Das Ganze ist halt ein Spiel, eine Simulation (von echter Kommunikation), die er seinen therapeutischen Leitlinien entnommen hat.


      Ich finde das komplett verquer und blödsinnig und ärgere mich über die vertane Zeit. Ich hatte eigentlich gedacht, in einer Therapie führe man wirkliche (= ehrliche, klare, offene) Gespräche, statt irgendwelche nebulösen Botschaften zwischen den Zeilen auszusenden.

      Werde ihm das heute sagen, wir haben nachher unser Abschlussgespräch.
      "Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen" (Groucho Marx) “Sich zu akzeptieren als den, der man ist, ohne etwas anderes sein zu wollen - das ist Freiheit“ (Ramesh Balsekar)
    • Bhai wrote:

      Ich finde das komplett verquer und blödsinnig und ärgere mich über die vertane Zeit. Ich hatte eigentlich gedacht, in einer Therapie führe man wirkliche (= ehrliche, klare, offene) Gespräche, statt irgendwelche nebulösen Botschaften zwischen den Zeilen auszusenden.
      Das würde mich auch ärgern. Und ich merke gerade wieder, wie viel Glück ich bei der Wahl meiner Therapeutin hatte. Sie arbeitet auch hauptsächlich mit der Verhaltenstherapie, hat aber erkannt, dass es bei mir nicht sinnvoll ist und sogar kontraproduktiv sein kann. Sie sagt dann oft: "In der VT würde man xxy machen. Passt das für Sie? Wenn nicht, welche Strategie wäre sinnvoller?"

      Ob und wie weit das in irgendeiner Form zielführend ist, weiß ich noch nicht. Aber ich lerne viel über mich und kann mich selbst und meine Verhaltensweisen erkennen. Der nächste Schritt ist dann die Bewertung und eventuell Veränderungen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Bhai wrote:

      Werde ihm das heute sagen, wir haben nachher unser Abschlussgespräch.
      Ja, sprich das auf jeden Fall an, vielleicht lernt er was draus.
      Mein Therapeut macht sowas nicht, ist auch Verhaltenstherapeut. Vielleicht hängt das gar nicht von der Therapieform ab.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Shenya wrote:

      Vielleicht hängt das gar nicht von der Therapieform ab.
      Ich glaube, es kommt darauf an, wie beweglich und flexibel der Therapeut im Denken ist. Und ob er bereit ist, neu zu lernen und sein Standardprogramm zu hinterfragen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Bhai wrote:

      Das Ganze ist halt ein Spiel, eine Simulation (von echter Kommunikation), die er seinen therapeutischen Leitlinien entnommen hat.
      Damit wäre ich auch nicht einverstanden. Auch mein Therapeut hat mir gesagt dass er gewisse Techniken benutzt hatte ohne dass ich es bemerkt hätte oder ohne dass er sie erwähnt hätte. Das fand ich befremdlich, weil ich dachte der Sinn einer Therapie wäre das Unbewusste bewusst zu machen und nicht den Patienten zu manipulieren ohne dass er es merkt. Ich mag es überhaupt nicht wenn jemand Absichten hat die ich nicht sehe, eben weil ich nur schwer die unausgesprochenen Absichten anderer Menschen sehen kann. Fast immer glaube ich das was der andere mich glauben lassen will mit seinen Worten und auch darum ist für mich Ehrlichkeit bei einem Therapeuten unverzichtbar.

      Shenya wrote:

      Mein Therapeut macht sowas nicht, ist auch Verhaltenstherapeut
      Manchmal lehren sie ganz offen gewisse Techniken wie man gesunder denken kann, zB wie man negative Gedankengänge in positive umwandeln kann. Das fand ich OK und nützlich weil alles ganz offen war und ich die Wahl hatte die Techniken zu benutzen oder nicht. Ich hatte aber oft Missverständnisse mit meinem Therapeuten wo ich mich beleidigt gefühlt habe und das beim nächsten Termin klären musste. Vielleicht waren das Provokationen wie bei Bhais Therapeut.


      Bhai wrote:

      Ich hatte eigentlich gedacht, in einer Therapie führe man wirkliche (= ehrliche, klare, offene) Gespräche, statt irgendwelche nebulösen Botschaften zwischen den Zeilen auszusenden.
      Ditto.
    • Bhai wrote:

      Ich hatte eigentlich gedacht, in einer Therapie führe man wirkliche (= ehrliche, klare, offene) Gespräche, statt irgendwelche nebulösen Botschaften zwischen den Zeilen auszusenden.

      Therapeuten begegnen imho. per definitionem einem Klienten nicht offen und ehrlich im Sinne von Beziehung auf Augenhöhe , eben da sie in einer definierten Rolle aufgesucht werden und aus dieser heraus auch begegnen.
      Dabei wenden sie sicher mehr oder weniger erkennbar erlernte Gesprächsführungstechniken an, das gehört afaik. zur Ausbildung und zum Job.

      Es ist Psychotherapeuten ja auch untersagt Liebesbeziehungen mit Klienten anzufangen ( bzw. muss dann die Therapie sofort beendet werden) ,
      wohl aber werden in manchen Therapien solche Übertragungen von Gefühlen therapeutisch genutzt.