Kleine negative Ereignisse verursachen zu starke negative Emotionen

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    • Kleine negative Ereignisse verursachen zu starke negative Emotionen

      Ich weiss nicht ob es mit AS zu tun hat aber ich merke bei mir dass ich oft gefühlsmässig ganz zerstört bin wenn etwas an sich ganz kleines schiefgeht, was noch zu dem Ergebnis führt dass ich wie Vogel Strauss mich vor schlechten Nachrichten einfach verstecke, aus Angst vor den Emotionen die die Nachricht auslösen könnte. Nebenbei hat das als Resultat dass ich schlecht bewappnet bin fürs Leben, weil ich mit schiefgehenden Sachen nicht umgehen kann. Heute Abend bin ich wieder plötzlich ganz am Boden wegen so einer Kleinigkeit und frage mich woher diese übertriebene Offenheit für negative Emotionen kommt. Handelt es sich um einen Mangel an emotionaler Intelligenz und ist es etwas das man irgendwie ändern kann? Es ist als ob ich keinen Schutzschild hätte gegen die Emotionen die negative Ereignisse verursachen. Auch deswegen darf bei mir das Leben nicht aus festen Bahnen weichen, weil ich schreckliche Angst vor diesen starken Gefühlen der Verzweiflung habe die mich emotional zerstören wenn etwas schiefgeht, auch wenn ich in froher Stimmung war vor dem jeweiligen Ereignis

      Ein Beispiel: Heute Abend habe ich herausgefunden dass ein Konto von mir 30 euro überzogen gewesen ist seit zwei Tagen, obwohl ich genug Geld hatte auf einem anderen Konto bei derselben Bank, was zu unnötigen Kosten für mich bei der Bank führen wird.

      An sich ist dieser finanzielle "Schlag" zwar ärgerlich aber eher bedeutungslos. Man hat das Dach über den Kopf nicht verloren und keine plötzliche Krebsdiagnose bekommen. Es handelt sich nur um einen kleinen finanziellen Verlust und sollte ganz leicht wegzustecken sein. Bei mir aber löst er eine (gefühlte) Verzweiflung aus vergleichbar mit einer Kündigung der Wohnung aus heiterem Himmel seitens des Vermieters oder einer ganz schlimmen Diagnose. Ich weiss intellektuell dass die Gefühle nicht angebracht sind aber das hilft nicht. Die Emotionen stehen in keinem Verhältnis zur Ursache. Was auch bedeutet dass Zureden gar nicht hilft, weil man weiss bereits was zugeredet wird, nämlich dass alles "nicht so schlimm ist". Das ist gerade das Problem, nämlich dass das Nichtsoschlimme doch viel zu schlimme emotionelle Auswirkungen hat für den Anlass.

      In solchen Fällen hilft es nicht zu zeigen dass die Emotionen unangemessen sind. Irgendwas geht permanent schief mit der Angemessenheit nämlich.

      Hat das irgendetwas mit AS zu tun oder ist es etwas Zusätzliches dazu, begriffsmässig? Ist es nur ein individuelles Problem von mir? Wie hat man so was? Kann man es "heilen" oder verbessern? Ich stelle mir die Erde vor ohne Magnetfeld und ohne Schutz gegen gefährliche Partikel aus dem All. Oder ein Körper ohne Immunsystem. Etwas ähnliches habe ich mit fehlendem Schutz bei negativen Gefühlen bei schiefgehenden Sachen. Der Schlag ist viel zu gross und die Nachwirkungen dauern viel zu lang. Woher kommt so was?

      The post was edited 4 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • So ganz spontan habe ich dazu einen Einfall, ich habe letztens etwas über ....jetzt muss ich mal den englischen Begriff wählen, ich weiß den Fachbegriff nicht auf deutsch "synaptic pruning " gehört,
      dass sind synaptisçhe Verbindungen, die bei normaler Entwicklung früh gekappt werden, wiel sie zu viel des Guten sind, sprich das Nervensystem entscheidet sich für die idealste Informationsverarbeitung, ohne sich mit weiteren Alternativen zu belasten.
      Dieser Vorgang soll bei Autisten nicht so gut funktionieren und daher denke ich könnte es zu einer nicht so guten Anpassung an die von der Umwelt gestellten Anforderungen kommen.
      Ob meine Hypothese stimmt weiß ich nicht, wäre aber vielleicht eine Erkärung, das es was autismusspezifisches ist und man schneller überreagiert.

    • Ich kenne das auch (allerdings nicht ganz so extrem) und vermute, dass das an meiner Dysthymie liegt. Das passiert mir nämlich meistens dann, wenn es mir eh grad nicht so gut geht.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Meine Psychologin sagt, Aspies sehen immer nur schwarz oder weiß, nicht den Graubereich. Ich kenne das auch, vor allem bei Personen.

      Person sagt etwas als Kritik zu mir-> ich hasse Person. Und ich meine Hassen!

      Ich versuche mir jetzt immer zu sagen, dass die Wahrheit nicht so extrem ist. Hilft auch manchmal, aber nur, wenn es nicht so emotional ist.
    • Ja, ich kenne das gut. Ich fühle mich dann, als wäre mein Hirn zweigeteilt. Die eine Hälfte sagt zur anderen :"Stell Dich nicht so an, das ist doch jetzt nicht tragisch". Die andere Hirnhälfte kann das zwar hören, ist aber nicht im Stande, zu reagieren. Die Gedanken und Emotionen verhalten sich wie eine Fliege, die immer wieder gegen eine Scheibe donnert.
      Das kann dann ganz schnell zu einem totalen Overload führen- wegen nichts und wieder nichts.
      Wenn jemand von außen dann auch noch Sprüche bringt wie "Du darfst Dich nicht immer so reinsteigern", werde ich kirre. Als ob ich das absichtlich machen würde! Ich wäre froh, wenn es nicht passieren würde oder irgendwas helfen würde. Tut es aber nicht. Ich kann Atemübungen machen bis ich hyperventiliere, Malbücher ausmalen, versuchen zu lesen (keine Chance)...das einzige, was etwas hilft ist irgendeine Art von Bewegung. Spaziergang, Abspülen, Staub saugen....hält aber nur, so lange ich das mache.

      Das schwarzweiß Denken in Bezug auf Menschen habe ich allerdings so nicht. Ich kann schon unterscheiden, dass meine Reaktion von mir selbst kommt. Ich bringe die auslösende Person dann zwar damit in Verbindung- die besteht ja auch- aber ich mag sie deshalb nicht weniger, sofern ich sie vorher mochte.
    • Wenn es an diesem schwarz-weiß-Sehen liegt, müsste man sich dann nicht auch in positive Dinge reinsteigern und sich da völlig überzogen freuen? Das ist zumindest bei mir nicht so. Ich steigere mich nur in negative Dinge rein. Naja, so viel positive Dinge gibt es in meinem Leben ja leider auch nicht.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Stimmt, über positive Dinge kann ich mich nicht so freuen, wie über negative aufregen. Schöne Gefühle lösen sich schnell in Luft auf.
      Ich steigere mich in negative Stimmungen auch schnell rein bishin zur Depression.
      Beispiel: ich veröffentlichte gestern ein eBook und Amazon packte es in die falsche Kategorie. Support angemailt, voll angepisst. Heute früh streikte die Kaffeemaschine. Verkalkt. Dann platzte mir der Kragen. Gegen die Tür getreten, eine Stunde auf dem Bett gelegen mit dem Gefühl: "Alles Scheiße. Keinen Bock mehr."
      Jetzt gehe ich los, kaufe Entkalker und warte auf den Kundensupport. Die Wut verraucht bis zum nächsten Ereignis. Was bleibt ist mega schlechte Laune und ich musste mich eben total beherrschen, um diese nicht an meiner Mutter auszulassen. Sie hat so eine Art, immer dann zu nerven, wenn ich kurz vorm Explodieren bin.

      Die negativen Dinge scheinen sich bei mir zu summieren. Wenn mehrere Sachen hintereinander passieren, dann sage ich mir: "Siehtse! Ist doch alles Scheiße! Ich hab's ja gesagt!"
      Ich kann mir dauernd sagen "Cool down!". Es wirkt nur nie lange, dann kommt wieder die schlechte Laune, miese Stimmung durch.

      Personen, die bei mir solche Gefühle auslösen, hasse ich dann zwar nicht, aber alle positiven Gefühle, die ich vorher für sie hatte, sind wie ausradiert.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Ist es nur ein individuelles Problem von mir? Wie hat man so was? Kann man es "heilen" oder verbessern?
      Ich glaube nicht, dass man diese Eigenschaft heilen oder mildern kann.
    • Ich kenne das auch, aber nur aus Zeiten, wo es mir insgesamt schon schlecht geht und ich über einen zu langen Zeitraum hinweg dauerüberlastet war/bin. Dann könnte auch bei mir das überzogene Konto eine emotionale Katastrophe sein. Geht es mir halbwegs gut/stabil, würde ich mich darüber ärgern, vielleicht wütend auf mich selbst sein, aber alles in allem eine normale, nachvollziehbare Reaktion zeigen. Hast du das immer, unabhängig von deiner Gesamtsituation, oder ist es bei dir auch gekoppelt an bessere oder schlechtere Phasen?

      Für mich ist die Theorie dann halt so, dass es ein gewisses Maß an Energie braucht, um solche kleinen negativen Ereignisse zu verarbeiten und die dabei entstehenden Emotionen abzupuffern. Habe ich diese Energie, geht es. Habe ich sie nicht, wird es zur Katastrophe. Hat für mich schon eine Ähnlichkeit zu einem "emotionalen Immunsystem", das mal besser, mal schlechter funktioniert und unter Stress irgendwann gar nicht mehr. Dann haut einen die kleinste Kleinigkeit um, so wie ein Immunsupprimierter eben schon von einem Schnupfenbazillus eine Lungenentzündung bekommt, übertrieben gesagt.
    • Mal ganz allgemein geantwortet anhand des Threadtitels und den Beschreibungen im Eingangsthread...

      Also ich für mich würde sagen, dass ich Dinge - positiv wie negativ - schlecht beiseite legen kann. Es kann so früher ein Abend in Gesellschaft sein und irgendetwas stört mich und hat mich dann verstimmt oder früher sogar sprachlos gemacht. Es kreist unaufhörlich im Kopf herum. Bei den Nachrichten, die ich immer wieder ausblende und meide ist es so, dass der "Dreck der Welt" durch mich hindurchfließt bei so viel "666"¹ auf der Welt. Ich habe früher vor der Schule fast täglich das Gefühl gehabt als wäre täglich eine Führerscheinprüfung oder so. Ich schrieb ja neulich anderswo noch, dass die "Aversionstherapie" beim Asperger-Syndrom der Alltag sein kann und die Übelkeit oder der Druck in der Magengegend sich irgendwann allein beim Gedanken an dem Ort der "täglichen Hinrichtung" einstellen kann.

      Ich hatte als kleines Kind in den 70ern von Lego so eine Mondbasis bekommen und das Wichtigste war eine Antenne, die ich auch mit mir trug bei einer Autofahrt. Leider bin ich dann eingeschlafen während der Fahrt und dann der Horror: Die Antenne war weg. Ich kann mich ganz gut erinnern, dass dann wie wahnsinnig gesucht werden musste und letztendlich war das Stück Lego zwischen die Polsterung auf dem Rücksitz in den Kofferraum gelandet.

      Im positiven Sinne ist es aber auch so, dass auch das Schöne wie ein "buntes Karussell" oder wie "Konfetti" und "Lametta" in mir rotiert, kreiselt und glitzert. Ich habe oft auch wegen einer Overdose Happyness nicht schlafen können. Und wenn ich am PC versunken bin, gerade voll meinen Spaß beim Erstellen von Fraktalen und so habe, dann denke ich "Shit, warum hat der Master of Creation, den alle Gott nennen, nur den Schlaf erfunden?".

      Ich würde sagen, dass das Gefühlserleben, das geistige Erleben - zumindest bei mir - sehr Hardcore ist. Diese Beschreibungen vom emotionslosen Autisten und so, darin konnte ich mich nie wiederfinden oder nachvollziehen... ich finde eher: it cuts like a knife. Das heißt es hinterlässt starken Spuren, es ist wie ein Stein, den man in Wasser wirft, es dauert lange bis die Wasseroberfläche sich wieder beruhigt hat.

      Fazit: Autism is like water. I am water. :d (Spass)

      Unbewohnte Insel wrote:

      Hat das irgendetwas mit AS zu tun oder ist es etwas Zusätzliches dazu, begriffsmässig? Ist es nur ein individuelles Problem von mir? Wie hat man so was? Kann man es "heilen" oder verbessern? Ich stelle mir die Erde vor ohne Magnetfeld und ohne Schutz gegen gefährliche Partikel aus dem All. Oder ein Körper ohne Immunsystem. Etwas ähnliches habe ich mit fehlendem Schutz bei negativen Gefühlen bei schiefgehenden Sachen. Der Schlag ist viel zu gross und die Nachwirkungen dauern viel zu lang. Woher kommt so was?
      Ich finde, dass man allgemein bei Menschen, aber insbesondere auch sehr bei Autismus ganz gut beobachten kann, dass "Kleinigkeiten" die innere Balance verzerren, verstimmen und verschaukeln können. Manche brauchen da vermutlich lange um sich wieder einzukriegen. Gedankenkino. Kopfkino.

      So ein Zureden "Mensch, das ist doch nicht schlimm!" - das ist ja auch etwas was nicht wirklich so richtig funktionieren kann, so weit nicht die Auflösung des Problems sofort dabei ist. Und dann ist es nun mal so, dass es recht unterschiedlich sein kann, was für jemanden eine Kleinigkeit ist und was nicht. Da nützt die Empfindung des anderen, der seine Wundpunkte möglicherweise eher woanders hat und die Situation dann umgekehrt wäre, nicht wirklich.

      Was man da machen kann? Also ich glaube da kann man vor allem auf die Schnelle realistisch nicht wirklich viel machen. Ich vermute, dass die Stabilität mitunter eine Rolle spielen könnte und auch einen gewissen Schutz liefern könnte. Wenn vieles chronisch problematisch ist, wenn man oft die innere Balance verloren hat und das sehr negativ erlebt hat, dann prägt sich das sicherlich auch ein. Wenn man relativ stabil und sorglos lebt, dann ist die Gesamtenergie, die Stabilität vermutlich so groß, dass man besser mit schlechten Dingen umgehen kann. Wenn der Eimer aber chronisch Rand voll ist, dann fürchtet man sich bereits vor dem Tropfen, der zum Überlauf führen wird. Ansonsten könnte man vielleicht auch sagen, wenn viele beschreiben, dass sie sehr in Gedanken leben, dann sollte man meinen, dass die Gedanken dann eben auch sehr intensiv sind und wenn es dann nichts gibt was mal total ablenkt oder was hingegen sehr erfreut, so dass die "Scheiße" mal vergessen werden kann und der Fokus eher nach aussen gerichtet ist - wenn das fehlt, dann bleibt der Fokus, vielleicht eher starr und nach innen gerichtet. Ich habe manchmal gemerkt, dass ich beim Spazieren mit visuellen Eindrücken konfrontiert werden und die "Gedankenkamera" mal wieder mehr nach aussen gerichtet ist.

      Xonesh wrote:

      spazieren gehen bringt bei mir gar nix .
      Es kommt vielleicht auch darauf an wie man so tickt. Wenn ich spazieren gehe, dann ist die Kamera in der Regel dabei und es wird quasi jedes Kraut, jeder Pilz, alles was Potential hat wahrgenommen. Ich war da manchmal schon etwas zeitlos, verschmolzen mit der Natur. Im Wald gibt es keine geraden Linien, da gibt es keine DIN A-Normen mehr, da gibt es kein Beton... aber man muss für so etwas vielleicht auch eine Vorliebe haben. Aber bei akuten Problemen muss ich einräumen, dass ich auch nicht zum "Spazierstock" (= Kamera) greife und losziehe in die weite Welt. Ich denke ich erstarre auch eher, sitze versteinert da, werde zu einer Art Kugler, der sich einrollt oder ich laufe wie ein eingesperrtes Tier durch die Wohnung. :roll:
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • filipendula wrote:

      Hast du das immer, unabhängig von deiner Gesamtsituation, oder ist es bei dir auch gekoppelt an bessere oder schlechtere Phasen?
      Das ist schwer zu sagen. Ich denke dass es fehlt bei mir ein Grundgefühl der Sicherheit, weil viel zu viel schiefgelaufen ist immer, was bedeutet dass mein Leben auch wenn ich mich in einer besseren Phase bin gefühlsmässig immer noch "auf der Kippe" steht und darum schlägt jede schiefgehende Sache mit voller Wucht ein. Jede Kleinigkeit wirft mich erstmals aus der Bahn (rw). Ein Freund von mir sagte einmal vor 20 Jahren dass ich in einem Zustand der permanenten Krise bin. Was er meinte war, denke ich, dass vieles schiefläuft bei mir, dass es hört aber auch nie auf schiefzulaufen obwohl man das vielleicht erwarten würde vom Leben irgendwann und dass wenn etwas schiefläuft es mich mehr mitnimmt als man bei anderen erwarten würde. Ich weiss nicht ob es mir gut geht oder schlecht zur Zeit. Ich fühle mich wie in einem komfortablen kleinen Boot auf einem bedrohlichen Ozean das mich zu jeder Zeit mit gigantischen Wellen zusammenschlagen kann. Das Boot ist zwar schön aber der Ozean ist unberechenbar und es gibt kein sichtbares Entkommen.

      Hyperakusis wrote:

      Ich vermute, dass die Stabilität mitunter eine Rolle spielen könnte
      Denke ich auch. Manche sind eben verletzbar wegen ihrer schlechten Erfahrungen und emotionalen Beschädigungen. Was ich finde bei mir ist dass wenn etwas schiefgeht dann werden die ganzen Beschädigungen aus der Vergangenheit und Ängste um die Zukunft aktiviert, weil sie nicht wirklich weg waren sondern nur versteckt unter der Oberfläche. Das Ergebnis ist dann zuviel Leid für den momentanen Anlass. Ich arbeite immer daran stabil zu sein und zu bleiben aber es ist kein natürlicher Zustand bei mir sobald ich mit der Aussenwelt zu tun habe oder mit anderen Menschen. Wenn ich ganz allein bin und nichts passiert dann geht meistens wenig schief.

      The post was edited 1 time, last by Unbewohnte Insel ().

    • Unbewohnte Insel wrote:

      Was ich finde bei mir ist dass wenn etwas schiefgeht dann werden die ganzen Beschädigungen aus der Vergangenheit und Ängste um die Zukunft aktiviert, weil sie nicht wirklich weg waren sondern nur versteckt unter der Oberfläche. Das Ergebnis ist dann zuviel Leid für den momentanen Anlass. Ich arbeite immer daran stabil zu sein und zu bleiben aber es ist kein natürlicher Zustand bei mir sobald ich mit der Aussenwelt zu tun habe oder mit anderen Menschen. Wenn ich ganz allein bin und nichts passiert dann geht meistens wenig schief.
      Ich habe im Leben die Erfahrung gemacht, dass die Stabilität und das Ding mit dem Selbstbewusstsein eine sehr große Rolle spielen kann in vielerlei Hinsicht. Ich hatte vor Jahren noch eine Phase, wo ich täglich Beiträge geschrieben hatte, aber kaum was abgeschickt habe. Ständig waren da Zweifel und wenn alles mies läuft, man selbst zu seinem eigenen Kritiker geworden ist, dann können Kleinigkeiten schon Größen sein. Ich glaube man kann so etwas auch bei Menschen generell beobachten, die Probleme aufgrund oder mit ihrer Persönlichkeit haben. Werden diese Leute dann mal kritisiert, dann reagieren sie auffallend heftig. Wenn man sich nicht genauer darüber Gedanken macht, dann hält man so eine Person vielleicht für total durchgeknallt. Wenn man sich aber vor Augen hält, so wie du es beschrieben hast, dass Beschädigungen aus der Vergangenheit aktiviert werden, dann wird das alles schon nachvollziehbarer.

      Ein Beispiel: Ein Aspie bekommt an einem Ort Kritik. Jemand sagt "Meine Güte, was machst du denn da?". Der Kritiker sieht nur den Moment und die Situation. Der betroffene Aspie, der sieht sinnbildlich vielleicht "alle" Menschen, die wieder einmal zu ihm sagen wie scheiße er doch sei und er merkt (psychisch) gerade auch wieder, wie die nicht verheilte Wunde erneut aufgerissen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch ähnlich sein könnte, wenn wieder einmal eine "Kleinigkeit" die innere Balance ins Taumeln bringt. Ich erinnere mich, dass ich oft für mich dachte "Ich will mich einmal im Leben zurücklehnen können und mit meiner Gemütslage mal wieder im Grünen sein.". Für das Umfeld sind solche Dinge vermutlich unverständlich, weil sie nur die Momentaufnahme, nur den akuten Fall sehen und nicht nachvollziehen können warum das jetzt so ein Theater zur Folge hat. Du selbst beschreibst ja auch, dass es eigentlich "Kleinigkeiten" sind - aber würde man (sinnbildlich) zu so einer "Kleinigkeit" greifen und sie herauspicken wollen, dann würde man vermutlich feststellen, dass an dieser "Kleinigkeit" eine große Kette hängt und man bräuchte einen Kran, um sie herauszuziehen.

      Ich glaube, wenn man stabil ist, dann bleibt man allgemein cooler, weil man einfach auch mehr "Rest-Nerven" hat. Wenn die Nerven chronisch wie ein glühender Draht sind, dann ist das chronisch zu viel und alles was dazu kommt, das macht es nur noch schlimmer und erinnert überdeutlich daran. :roll:
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    • Mit einem "Spazierstock" (= Kamera) kann ich nix neues mehr entdecken

      Erst recht wenn das jahrezente lang deine Grund Beschäftigung ist
      Die Flucht (ausgleich) vor den nervigen Menschen beim Betreuten Wohnen
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Ist es nur ein individuelles Problem von mir?

      Daß mich Dinge, die mit Abstand betrachtet eher eine Kleinigkeit sind vorübergehend total aus dem Gleichgewicht bringen und ich mich eine Weile ganz schrecklich fühle kenne ich auch.
      Es ist je nach Grundstimmung mal mehr , mal weniger , kommt aber manchmal auch wie aus "heiterem Himmel" .

      Windtänzerin wrote:

      Ich kenne das auch (allerdings nicht ganz so extrem) und vermute, dass das an meiner Dysthymie liegt.

      Das wurde bei mir auch mal als Komorbidität benannt, mit dem Hinweis, daß ich insgesamt vieles sehr intensiv wahrnehme , wenns dann Negatives ist, sitzt das teils recht tief bei mir.

      Xonesh wrote:

      spazieren gehen bringt bei mir gar nix .

      das finde ich immer der dümmste Ratschlag von mit-menschen.
      Das scheint individuell zu sein.
      Vor allem ungebetene Ratschläge werden ja nicht umsonst auch als eine bestimmte Form von Schlägen bezeichnet.

      Mir hilft Spazieren meist, die körperliche Bewegung bringt oft auch meine Emotionen und inneren Bilder wieder etwas in Bewegung , andere Gedanken entstehen , so daß es mir dann oft wirklich besser geht.
      Dazu kommt noch die Luft im Wald und Natur tut mir an sich einfach gut.

      Wobei ich mich auch an eine Lebensphase erinnere, in denen ich das Gefühl hatte den durch das Laufen ausgelösten inneren Bildern , Emotionen und Gedanken dann gar nicht mehr gewachsen zu sein.
      Wenn wir den Kirschbaum spalten, finden wir dort keine Blüte.
      Es ist der Frühling, der die Blüten hervorbringt.

      Ama Samy

      The post was edited 3 times, last by ifi ().

    • filipendula wrote:

      Ich kenne das auch, aber nur aus Zeiten, wo es mir insgesamt schon schlecht geht und ich über einen zu langen Zeitraum hinweg dauerüberlastet war/bin. Dann könnte auch bei mir das überzogene Konto eine emotionale Katastrophe sein. Geht es mir halbwegs gut/stabil, würde ich mich darüber ärgern, vielleicht wütend auf mich selbst sein, aber alles in allem eine normale, nachvollziehbare Reaktion zeigen. Hast du das immer, unabhängig von deiner Gesamtsituation, oder ist es bei dir auch gekoppelt an bessere oder schlechtere Phasen?

      Für mich ist die Theorie dann halt so, dass es ein gewisses Maß an Energie braucht, um solche kleinen negativen Ereignisse zu verarbeiten und die dabei entstehenden Emotionen abzupuffern. Habe ich diese Energie, geht es. Habe ich sie nicht, wird es zur Katastrophe. Hat für mich schon eine Ähnlichkeit zu einem "emotionalen Immunsystem", das mal besser, mal schlechter funktioniert und unter Stress irgendwann gar nicht mehr. Dann haut einen die kleinste Kleinigkeit um, so wie ein Immunsupprimierter eben schon von einem Schnupfenbazillus eine Lungenentzündung bekommt, übertrieben gesagt.
      Genau so erlebe ich es auch.

      Hyperakusis wrote:

      Diese Beschreibungen vom emotionslosen Autisten und so, darin konnte ich mich nie wiederfinden oder nachvollziehen... ich finde eher: it cuts like a knife. Das heißt es hinterlässt starken Spuren, es ist wie ein Stein, den man in Wasser wirft, es dauert lange bis die Wasseroberfläche sich wieder beruhigt hat.
      Ebenso!

      Hyperakusis wrote:

      Ich habe im Leben die Erfahrung gemacht, dass die Stabilität und das Ding mit dem Selbstbewusstsein eine sehr große Rolle spielen kann in vielerlei Hinsicht.
      ...
      Ich glaube, wenn man stabil ist, dann bleibt man allgemein cooler, weil man einfach auch mehr "Rest-Nerven" hat. Wenn die Nerven chronisch wie ein glühender Draht sind, dann ist das chronisch zu viel und alles was dazu kommt, das macht es nur noch schlimmer und erinnert überdeutlich daran.
      Das kann man wohl so sagen. :)
      Achtung, eigene Sprache!

      The post was edited 1 time, last by Eurich Wolkengrob ().

    • So ähnlich geht es mir auch mit den negativen Ereignissen. Meine Vermutung bei mir ist, dass zum Einen negative Ereignisse oder Ergebnisse sich nicht mit meinem "alles ist gut" oder "heile Welt" Bedürfnis vereinbaren lassen. Ich brauche eine "heile Welt" in der möglichst immer alles gut ist, damit ich mich sicher fühle. Negative Ereignisse führen bei mir zu Stress und zu Überforderung, weil ich damit nicht umgehen kann. Und zum Anderen vermute ich, dass ich negative Ereignisse damit assoziiere, dass dies auch Auswirkungen auf mich hat und es somit meinen persönlichen Ablauf durcheinanderbringen wird, wenn ein ungeplantes Ereignis plötzlich eintrifft mit dem ich mich zusätzlich befassen müsste. Wenn stattdessen alles gut ist, bestehen diese Probleme nicht. Was bei dir die Ursache ist kann ich dir nicht beantworten, außer Asperger und einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeit habe ich sonst nichts, daher vermute ich bei mir den Autismus als Ursache. An "guten" oder "schlechten" Nerven liegt es, zumindest bei mir, nicht das kann ich ausschließen.
    • Das kenne ich leider auch, also das ich mit negativen Erlebnissen sofort in eine emotionale Schieflage gerate.

      Heute abend hat meine Freundin wieder einen Termin abgesagt mit der Begründung, das sie sich mit jemanden anderem trifft.
      Ich bin sicher überempfindlich und albern, aber ich konnte ihr nicht sagen, wie sehr mich das trifft.
      Und jetzt ist mein Abend gelaufen und ich komme nicht mehr zum Schlafen. :cry:
      "Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt."


      (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Oh, das ist doof....
      ICh habe festgestellt, daß NTs oft wesentlich weniger konkret Verabredungen treffen und es entspannter sehen, zu- oder abzusagen, und gar nichts dabei finden. Mich hätte das auch sehr getroffen. Außerdem ist das Probem der "Verschiebebahnhöfe", ich bin dann zu unflexibel. Ich hätte mich schon seit ein paar Tagen darauf eingestellt und wüßte dann nicht, wohin mit mir und was statt dessen tun.
    • Also, nachdem ich den Beitrag gelesen habe, stellte sich bei mir sofort ein Gedanke ein:
      Beschränkt sich all Deine Energie darauf, auf negative Ereignisse zu warten? Wenn es so ist, dass Du Negatives fokussierst und erwartest, dann wird es auch eintreffen. Vielleicht ist der Prozess für Dich zu einer Art Ventil geworden, das auch andere psychische Beslastungsfaktoren, die im Alltag so eintreffen können, ausgleicht.
      Mein Tipp: das Gute im Alltag suchen und erkennen, und dem Negativen weniger Macht über die eigenen Gedanken geben. Und: Ablenkungsmanöver einstudieren. Ganz wichtig! Du bist Herr über Deinen Kopf.
      Das braucht natürlich etwas Übung, aber es ist zu schaffen.