Doofe Fragen in Autismus-Fragebögen

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    • Mich stört immernoch die Regenwürmerfrage. Da steht man gleich als Soziopath da. Ich hab das vielleicht als Kleinkind aus Forschungsgründen ein-zwei mal gemacht mit schlechtem Gewissen hinterher. Aber ich war immer ein großer Tierfreund! Selbst als ich als Kleinkind mal ne Ameise zerquetscht hab, tat es mir später leid. Und Schlimmeres habe ich nie gemacht. Habe mich eher bemüht, Tiere zu retten!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Dass NT/NA in solchen Tests ehrlich antworten und schweigen, glaube ich weniger. Angepasste NA/NT überlegen sich, was wohl die sozial erwartete Antwort ist und wählen sie. Das muss nicht immer ihrem inneren Empfinden= der ehrlichen subjektiven Wahrheit entsprechen.
      Falls AnalytikerInnen jedoch so denken,dass die ProbandInnen es täten, sind sie naiv. oder sie verkennen bewusst oder unbewusst die heutigen "Selbsttechniken". Dass es Fangfragen gibt, die denselben Punkt von der anderen Seite her aufzäumen ist insofern gut, dass das einige derartige Manipulationen herausfiltern kann.

      Ich habe beim Aspie-Quiz wie auch ADOS in der Endauswertung ein anderes Problem: Bei mir kommt wg. Fragen zu zielstrebigem Handeln im Punkt "hunting" oder in manchen komplett eingedeutschten Versionen Versionen "Streben" immer ein hoher neurotypischer Wert heraus. Die Fragen sind aber selten so gestellt, dass gefragt wird, wonach denn gestrebt, worauf der (Hyper-)focus gelgt wird... geschweige denn, warum... und ob das einen wirtschaftlichen Sinn macht oder machen soll ! Letzteres wird wohl vorausgesetzt.
      Da sind dann eher AS mit AD(H)S- Tendenz bzw. "zerstreut" wirkende im "hunting"- Bereich vermutlich autistisch eingestuft.
      Mein Ergebnis ist immer so, dass ich sowohl AS- als auch NT- Anteile habe....

      The post was edited 1 time, last by Andreas K. ().

    • Illi wrote:

      neues Beispiel: aus dem MBAS "Hat er Freunde? Antwortmöglichkeiten nie, selten, manchmal, häufig, immer."
      Weil man mir den Test vor paar Jahren auch gegeben hat (für meinen Vater und Partner zum Ausfüllen): da steht auch irgendwo dabei, dass der Einfachheit halber die männl. Form verwendet wird (da die meisten Personen mit AS eben männl sind), aber der Test natürlich auch für ein Mädchen ausgefüllt werden kann.
    • Ja schon. Ich hab bloß ergänzt, dass es eben im MBAS meiner Erinnerung nach sogar explzit erklärt wird. Sich dann trotzdem drüber aufregen finde ich daher etwas unnötig. Aber vielleicht hat Illi auch eher über die Antwortmöglichkeiten (nie, selten, manchmal, häufig, immer, auf die Frage "Hat er Freunde?") gerätselt, und es ging ihr diesmal gar nicht um das "er". Wobei ich nicht mehr genau weiß, ob das bei dem Fragebogen den ich bekam zum Ausfüllen-lassen, auch so war (Antwortmöglichkeiten die nicht ganz zur Frage passen). Die Personen die den Fragebogen ausfüllten waren jedenfalls NA (der MBAS ist eigentlich auch von den Eltern über das Kind auszufüllen, und nicht vom Patienten selber). Die hatten damit aber nicht so Probleme mit den Formulierungen wenn ich mich richtig erinnere.
    • Neoni wrote:

      Ja schon. Ich hab bloß ergänzt, dass es eben im MBAS meiner Erinnerung nach sogar explzit erklärt wird.
      Ich habe mir gerade mal kurz den Bogen angeschaut - ja, es ist so wie du es sagst. Eine Erklärung steht dabei.
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • Das AspieQuiz ist nur ein harmloses Beispiel um die Problematik zu erläutern. Die Fragen der offiziellen Tests sollen wir ja nicht diskutieren. Die sind aber vom Tenor bzw. von der Problematik her nicht viel anders.
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    • TalkativeP wrote:


      Dazu noch die Fragen mit OFT im Text. :nerved: Was heisst oft, wenn schon die Grundsituation für mich selten ist, ich dann aber fast immer so handle? Konkrete Zahlen wären gut.

      AuM wrote:

      Die größten Schwierigkeiten habe ich mit Fragen wie "Sagen andere Menschen Ihnen oft, dass Sie ...?" Antworte ich mit "Nein", dann meine ich damit, dass andere mir das eben nicht sagen. Oder vielleicht nur sehr selten, also nicht oft.
      Gemeint ist aber wahrscheinlich, ob ich eben dieses oder jenes mache oder nicht. Würde die Frage so lauten, würde ich eindeutig mit "Ja" antworten können. Aber in dem obigen Fall wäre das ja eine Lüge, weil andere mir das eben nun mal nicht sagen, erst recht nicht oft.
      Solche Fragen machen mich jedesmal wahnsinnig. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was so schwierig daran ist, in solchen Fragebögen eindeutige und unmissverständliche Fragen zu stellen. Versuche ich dann, im Gespräch darauf erklärend näher einzugehen, um Missverständnisse auszuräumen, dann lässt man mich aber gar nicht richtig aussprechen. Gnaaah...!
      Genau mit dem "oft" kämpfe ich nun beim SKID-II. Nachdem ich nun über die Hälfte der Fragen beantwortet habe, verschiebe ich den Rest erstmal, um mir zu überlegen, ob ich Anmerkungen dann dazusetzen sollte. :roll:
      "In das Popcorn, das Sie gerade essen, hat wer reingepisst!" (Kentucky Fried Movie)


      "Sind Sie Polizisten?" "Nein, Ma'am. Wir sind Musiker!" (The Blues Brothers)
    • "Oft" geht ja noch. "immer" ist blöd. Was macht man schon immer? Das war ja auch mein Problem im Händigkeitsfragebogen, der liest sich dann so als würde ich noch nicht ganz eindeutig die linke Hand bevorzugen, dabei habe ich nur an Ausnahmesituationen gedacht, wo man mal was mit der anderen Hand machen muss.
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    • thelord wrote:

      Genau mit dem "oft" kämpfe ich nun beim SKID-II. Nachdem ich nun über die Hälfte der Fragen beantwortet habe, verschiebe ich den Rest erstmal, um mir zu überlegen, ob ich Anmerkungen dann dazusetzen sollte.
      Persönlich kenne ich den SKID-II-Fragebogen zwar nicht, dachte aber bisher, dass dieser als persönliches Interview geführt wird und dadurch automatisch die Möglichkeit genaueren Nachfragens gegeben wäre. (So verhielt es sich zumindest bei einer Person, die ich kenne.) Es erscheint mir sinnvoll Anmerkungen zu machen, wenn du unsicher bist.


      Lex wrote:

      "Oft" geht ja noch. "immer" ist blöd.
      Wobei "immer" im Gegensatz zu "oft" keine vage Definition ist. "Immer" ist immer klar ;)

      Aber "oft"? Einmal am Tag oder in der Woche oder im Monat? Isst du oft Pizza? Bei der Antwort zweimal pro Woche könnte man es vermutlich bejahen. Aber wenn die Frage lautet: Fährst du oft in den Urlaub? Dann fände ich auch alle drei Monate oft. Beim Pizzaessen jedoch nicht :/
      "in truth, only atoms and the void" Sean Carroll (paraphrased Demokritos)

      The post was edited 1 time, last by Kayt ().

    • Ich hatte auch enorme Probleme mit allen Fragebögen, aber es soll zum Glück auch nur eine Richtung angeben, deswegen habe ich manche Fragen dann lieber mit "Nein" beantwortet, wenn etwas nicht (meiner Definition nach) oft vorkam. Es gab wohl genug Fragen, die ich eindeutig beantworten konnte.
    • Gerade weil es so definitiv ist, ist "immer" blöd. Wäschst du dir immer nach dem Toilettengang die Hände? Da würden wohl viele Aspies mit ja antworten. Aber dann würden sie überlegen, ob sie es nicht vielleicht doch irgendwann in ihrem Leben einmal vergessen haben oder es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht möglich oder nicht gewünscht war. Prompt wird aus dem ja ein nein oder bei einer vier- oder fünfstufigen Skala rückt die Antwort eins nach links und wird geringer bewertet, nur weil das "immer" zu wörtlich genommen wurde, gerade weil die Person so gewissenhaft ist für gewöhnlich (nicht nur aber auch beim Händewaschen).

      Wenn das Problem in einem Fragebogen öfter autritt, kann es die Gesamtpunktzahl ganz schön verfälschen. Besser ist wenn stattdessen "immer oder so gut wie immer" steht.

      Blöd ist aber auch, wenn es nur ein "selten" und kein "nie" (bzw. "sehr selten oder nie" gibt, denn manche Dinge habe ich wirklich noch nie gemacht.
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    • thelord wrote:

      TalkativeP wrote:

      Dazu noch die Fragen mit OFT im Text. :nerved: Was heisst oft, wenn schon die Grundsituation für mich selten ist, ich dann aber fast immer so handle? Konkrete Zahlen wären gut.

      AuM wrote:

      Die größten Schwierigkeiten habe ich mit Fragen wie "Sagen andere Menschen Ihnen oft, dass Sie ...?" Antworte ich mit "Nein", dann meine ich damit, dass andere mir das eben nicht sagen. Oder vielleicht nur sehr selten, also nicht oft.
      Gemeint ist aber wahrscheinlich, ob ich eben dieses oder jenes mache oder nicht. Würde die Frage so lauten, würde ich eindeutig mit "Ja" antworten können. Aber in dem obigen Fall wäre das ja eine Lüge, weil andere mir das eben nun mal nicht sagen, erst recht nicht oft.
      Solche Fragen machen mich jedesmal wahnsinnig. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was so schwierig daran ist, in solchen Fragebögen eindeutige und unmissverständliche Fragen zu stellen. Versuche ich dann, im Gespräch darauf erklärend näher einzugehen, um Missverständnisse auszuräumen, dann lässt man mich aber gar nicht richtig aussprechen. Gnaaah...!
      Genau mit dem "oft" kämpfe ich nun beim SKID-II. Nachdem ich nun über die Hälfte der Fragen beantwortet habe, verschiebe ich den Rest erstmal, um mir zu überlegen, ob ich Anmerkungen dann dazusetzen sollte. :roll:
      Ich habe bei den Fragebögen ganz viele Anmerkungen gemacht. Weil mir die Fragen zu unpräzise waren. Wahrscheinlich müssen sie trotzdem die Antwort zählen die ich letzendlich angekreuzt habe. Obwohl sie nicht ganz korrekt ist. Geht ja um Punkte.

      "Sagen andere Leute ihnen oft …" ist ja auch völliger quatsch, wenn man -wie ich wenig Sozialkontakte hat. Was ist "oft"?
    • Lefty wrote:

      Ich hatte mehrere Bemerkungen an den Rand geschrieben bei den Fragebögen, weil mir auch einige der Fragen zu unpräzise waren. Im Grunde hätte ich zu vielen Fragen einen halben Aufsatz schreiben können :nerved:
      @Lefty, das ist wahrscheinlich typisch Aspie. :d Ich habe sogar noch eine DINA A 4 seite Anmerkungen zu den Fragen und Antwortmöglichkeiten mit abgegeben. zusätzlich zu den Amerkungen auf den Fragebögen. :lol:
      Ist mir jetzt ein bißchen peinlich. Aber es hat mich gequält, auf unpräzise Fragen unpräzise Antworten geben zu müssen.
    • Kayt wrote:

      Persönlich kenne ich den SKID-II-Fragebogen zwar nicht, dachte aber bisher, dass dieser als persönliches Interview geführt wird und dadurch automatisch die Möglichkeit genaueren Nachfragens gegeben wäre. (So verhielt es sich zumindest bei einer Person, die ich kenne.)
      Halb und halb. Den Fragebogen füllt man alleine aus und anschließend werden im persönlichen Interview die Dinge besprochen, die man mit "ja" beantwortet hat. Da gibt es dann Zusatzfragen, die klären sollen, ob und wenn ja wie sehr der entsprechende Punkt als auffällig gewertet werden soll. Die Dinge, die man mit "nein" beantwortet hat, werden beim Interview nicht besprochen, die gelten als unauffällig.
      Haben mir jedenfalls die Menschen erklärt, die mich mit diesem Bogen getestet haben.
      Rollt ein Ball um die Ecke und fällt um.
    • TalkativeP wrote:

      Letzlich sind die Fragebögen aber nur für das Screening. (....) Entscheidend ist in meinen Augen das Gespräch mit den Diagnostikern.
      Unsichere Menschen hält ihre Unsicherheit (oder Arroganz) nicht davon ab, im diagnostischen Bereich zu arbeiten.
      Und die halten sich gerne an den Ergebnissen der Fragebögen fest.

      (Erfahrung haben würde beim Diagnosegespräch bedeuten, sie - die Ärzte - müssten ihre Entscheidung begründen. Zu etwas stehen, einen Ausblick geben. Das wäre eine schwierige Zusatzleistung für die genannte Gruppe!)
      Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten :evil:

      The post was edited 1 time, last by Capricorn: Sich genauer auszudrücken schadet dem Verständnis nicht ().