Doofe Fragen in Autismus-Fragebögen

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    • Doofe Fragen in Autismus-Fragebögen

      Ich würde gern ein Projekt anfangen. In Fragebögen gibt es oft unlogische (verhält sich das Kind anders als seine Geschwister? (Alle VA)) oder männerfokussierte Fragen (z.B. haben Sie als Kind gern mit Eisenbahnen gespielt?). Ich würde gerne solche Fragen und die Bedenken dazu mal sammeln. Ode gibt es so was schon? Ich würde das Ergebnis gerne weitergeben. Vielleicht werden ja mal Fragen geändert. Sonst muss sich jeder VA wieder damit herumärgern.
    • Die MBAS (Marburger Beurteilungsskala zum Asperger Syndrom) wäre so ein Fragebogen.
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • Bei mir waren es AQ, EQ, SQ, SKID II, MBAS. Dazu noch irgendwas mit Connor im Namen wg. ADHS Verdacht.
      Ich fand auch einige Fragen blöd formuliert. Z.B. "Wenn ich ein Auto kaufe, dann vergleiche ich die Motorleistung." Ich habe noch nie ein Auto gekauft, also weiß ich nicht, ob ich das machen würde. Außerdem interesieren mich Autos nicht. Wenn aber nach Fernseher, Laptop oder Staubsauger gefragt würde, dann würde ich schon sagen, dass ich Anfange mich mit den Details auseinandersetzen.
      Dazu noch die Fragen mit OFT im Text. :nerved: Was heisst oft, wenn schon die Grundsituation für mich selten ist, ich dann aber fast immer so handle? Konkrete Zahlen wären gut.

      Letzlich sind die Fragebögen aber nur für das Screening. Wer auffällig ist, wird auch trotz der Formulierung noch auffällige Werte erreichen. Entscheidend ist in meinen Augen das Gespräch mit den Diagnostikern.
    • Die größten Schwierigkeiten habe ich mit Fragen wie "Sagen andere Menschen Ihnen oft, dass Sie ...?" Antworte ich mit "Nein", dann meine ich damit, dass andere mir das eben nicht sagen. Oder vielleicht nur sehr selten, also nicht oft.
      Gemeint ist aber wahrscheinlich, ob ich eben dieses oder jenes mache oder nicht. Würde die Frage so lauten, würde ich eindeutig mit "Ja" antworten können. Aber in dem obigen Fall wäre das ja eine Lüge, weil andere mir das eben nun mal nicht sagen, erst recht nicht oft.
      Solche Fragen machen mich jedesmal wahnsinnig. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was so schwierig daran ist, in solchen Fragebögen eindeutige und unmissverständliche Fragen zu stellen. Versuche ich dann, im Gespräch darauf erklärend näher einzugehen, um Missverständnisse auszuräumen, dann lässt man mich aber gar nicht richtig aussprechen. Gnaaah...!
      - Allein unter Menschen -
    • Ja stimmt. Hängt schließlich von vielen Dingen ab. Z. B. ob man überhaupt viel mit Menschen zu tun hat und wenn ja, ob die zu höflich sind einem sowas zu sagen. etc.

      Es kann schon sein, dass manches nur anderen an einem auffällt und nicht einem selber, aber dann kann man es ja so formulieren, dass die Selbst und Fremdwahrnehmung beides bzw. alternativ abgedeckt ist. Also mit und/oder quasi. Musste bei solchen Fragen auch oft stutzen. Zudem ist "oft" ja auch wieder ein relativer Begriff...
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ich finde, Fragebögen können ein Hinweisgeber sein oder sollten am besten zusammen mit einem Diagnostiker besprochen und ergänzt werden.
      Bei unserem Sohn sollten wir als Eltern voneinander unabhängig den FSK-Fragebogen ausfüllen.
      Dies ist sehr schwierig gewesen, da manches nur manchmal bei ihm zutraf oder in Abhängigkeit von seiner Tagesform, der Umgebung und anderen Faktoren geschieht.

      Die Autismus-Symptomatik ist zu komplex, als dass Fragebögen alleine genommen eine genaue Beschreibung oder Diagnose abgeben könnten.
      Andererseits müssen auch bestimmte Dinge beschrieben bzw. benannt werden. Werden solche normierten Verfahren durch vertrauensvolle Gespräche der Therapeuten, Diagnostiker und/oder Fachärzten im Umgang mit den Betroffenen durchgeführt, können sie hingegen sehr hilfreich sein.
      Stolzer Papa von Autinaut (HFA) :nod: - und einander irgendwie ähnlich... und doch anders...

      The post was edited 2 times, last by 70Quadrillionen ().

    • Illi wrote:

      oder männerfokussierte Fragen (z.B. haben Sie als Kind gern mit Eisenbahnen gespielt?)
      Was ist daran "männerfokussiert"? Dürfen Mädchen, Deiner Meinung nach, nicht mit Eisenbahnen spielen?
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Sicher sind diese Fragebögen allein keine sinnvolle Diagnostik, aber häufig ist es ja leider so, dass man sie im Vorfeld ausfüllen muss, damit man überhaupt einen Termin zur Diagnostik bekommt. Und da finde ich es auch wichtig, dass die Fragen eindeutig formuliert sind, sodass jeder weiß, was gemeint ist.
      Ich bin damals über eine ganze Reihe Fragen gestolpert, bei denen ich mir nicht sicher war, wie sie gemeint sind und wie ich sie beantworten sollte. Ich habe zu den Fragen auf einem Extrazettel dann jeweils eine kurze Erklärung geschrieben, warum ich die Frage so beantwortet habe (ein oder zwei Fragen konnte ich übrigens gar nicht beantworten). Der Arzt meinte dann, dass das dazu beigetragen hat, dass ich einen Termin zur Diagnostik bekommen habe.

      Ich müsste mal nachsehen, bei welchen Fragen ich Anmerkungen gemacht habe (ich habe mir für meine Unterlagen nämlich Kopien davon gemacht), genau weiß ich das jetzt nicht mehr. Ich weiß jetzt nur, da war u.A. die Frage "Erschrickst du instinktiv beim Klang eines Motorrades?". Da stellten sich mir dann die Fragen, ob damit nur ein Motorrad oder generell laute Dinge gemeint sind, ob das Motorrad nur an einem vorbeifährt oder plötzlich angemacht wird (womöglich ohne das man es sieht, man also nicht darauf vorbereitet ist) und was überhaupt mit "instinktiv erschrecken" gemeint ist. :roll:
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Ginome wrote:

      Illi wrote:

      oder männerfokussierte Fragen (z.B. haben Sie als Kind gern mit Eisenbahnen gespielt?)
      Was ist daran "männerfokussiert"? Dürfen Mädchen, Deiner Meinung nach, nicht mit Eisenbahnen spielen?
      doch klar. Aber ich hatte eben keine. Ich habe meinen Barbies Häuser gebaut und eingerichtet, nie gespielt. Das ist so eine einengende Frage. Wenn man meint, konstruierendes Spiel, sollte man das auch so hinschreiben.

      Ich "liebe" auch die Formulierung, "Sagen Ihnen Ihre Freunde, dass Sie...".
    • @Illi - hier ein Auszug aus der Broschüre der Rentenversicherung (in leichter Sprache). Damit lässt sich das erklären:

      Die Broschüre ist in
      männlicher Sprache
      geschrieben.
      Im Text steht zum Beispiel nur das Wort
      Rentner.

      Das Wort
      Rentnerin
      steht nicht im Text.
      Frauen können aber auch Rentner sein.

      Wir wollen damit niemandem weh tun.
      Alle Menschen sind uns
      gleich wichtig.

      Das machen wir so:
      Weil man den Text so besser lesen kann.

      tldr; das macht man so, damit man den Text schneller und leichter lesen bzw. erfassen kann.
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • Illi wrote:

      In Fragebögen gibt es oft unlogische (verhält sich das Kind anders als seine Geschwister? (Alle VA)) oder männerfokussierte Fragen (z.B. haben Sie als Kind gern mit Eisenbahnen gespielt?).
      Was ist daran unlogisch?
      Und gerade wenn Mädchen gern mit Eisenbahnen spielen, könnte das ein Indiz sein. Es fehlt vermutlich eine ähnliche Frage aus der anderen Richtung...?

      Illi wrote:

      neues Beispiel: aus dem MBAS "Hat er Freunde? Antwortmöglichkeiten nie, selten, manchmal, häufig, immer."
      Ist für mich logisch und eindeutig.
      Oder geht das in Richtung Genderwahn? Wäre "Hat er/sie/es Freunde/Freundinnen/Zwischendings?" besser?
      Oder wäre es besser zu fragen, "wie viele Freunde im arithmetischen Mittel gleichzeitig die Definition erfüllen" ?

      Man muss einfach bedenken, dass die Fragebögen für alle Menschen verständlich sein müssen und möglichst niemanden überfordern sollen.
      Für mehr als einen Verdacht oder eine Vordiagnose sind die doch eh nicht gedacht, oder?
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.

      The post was edited 1 time, last by Garfield ().

    • Garfield wrote:

      Illi wrote:

      In Fragebögen gibt es oft unlogische (verhält sich das Kind anders als seine Geschwister? (Alle VA)) oder männerfokussierte Fragen (z.B. haben Sie als Kind gern mit Eisenbahnen gespielt?).
      Was ist daran unlogisch?Und gerade wenn Mädchen gern mit Eisenbahnen spielen, könnte das ein Indiz sein. Es fehlt vermutlich eine ähnliche Frage aus der anderen Richtung...?

      Illi wrote:

      neues Beispiel: aus dem MBAS "Hat er Freunde? Antwortmöglichkeiten nie, selten, manchmal, häufig, immer."
      Ist für mich logisch und eindeutig.
      Also ich kann das Anliegen des TE schon nachvollziehen.
      Bei der Frage nach der Abweichung von Geschwistern werden zwei Dinge vorausgesetzt, die nicht zwingend gegeben sein müssen, damit die Frage sinnbezogen beantwortet werden kann:

      1. Das Kind muß Geschwister haben. Bei einem Einzelkind gäbe es in Ermangelung von Geschwistern keine Vergleichbarkeit. Daher müßte die Antwort in diesem Fall "nein" lauten, obwohl das Kind durchaus auffällig sein kann.

      2. Die Geschwister müssen NT sein. Falls sie ebenfalls ASS haben oder im Verdacht stehen, wäre das Verhalten im Vergleich zu den Geschwistern möglicherweise unauffällig/ ähnlich. Dennoch könnte das Kind oder alle Geschwister unter anderen Kindern deutliche Auffälligkeiten zeigen.

      Bei der Eisenbahn-Frage stimme ich Garfield zu. Gerade die eher mädchenuntypische Beschäftigung kann ein Indiz sein, allerdings nur für Mädchen.
      Als Mädchen habe ich nicht mit Eisenbahnen gespielt. Dafür tun ich es jetzt. Im Maßstab 1:1 :d

      Die Frage mit den Freunden klingt für mich nicht nur unlogisch sondern unsinnig. Wie wären denn die Antworten?
      Ja er hat selten Freunde.
      ... Er hat manchmal Freunde.
      ... Er hat häufig Freunde.

      ???????????

      Wenn meine Definition von Freundschaft nicht völlig daneben liegt, dann sind die Attribute selten, manchmal und häufig unzutreffend. Freunde hat man oder nicht. Freundschaften entstehen oder zerbrechen, aber ich würde sie nicht als Momentaufnahmen betrachten. Zutreffender fände ich die Auswahl: keine/ einzelne/ mehrere/ viele.
      Oder hab ich die Frage falsch verstanden? ;)

      Ich kann mir aber vorstellen, daß genau diese Einwände und Präzisierungswünsche ein Indiz für eine vorliegende ASS sein können für den Diagnostiker. Zumindest mein Arzt hat mein Bedürfnis, die Bedeutung der Fragen genauer zu klären und meine mehrseitige Liste von Erläuterungen zu den Antworten als Teil der Diagnose gesehen. Das war mir allerdings vorher nicht bewußt. Also ist es vielleicht alles andere als unlogisch, wie die Fragen formuliert sind.