Asperger und EMDR

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    • Asperger und EMDR

      Guten Abend

      Ich bin zur Zeit bei einer Psychologin in Behandlung, die schon seit Jahren erfolgreich EMDR bei Traumata anwendet. Jedoch sind wir beide, sowohl sie, als auch ich, unsicher ob das bei ASS/Asperger "funktioniert".

      Ich habe hier im Forum von einigen gelesen, die EMDR-Sitzungen haben/hatten, aber bisher hat niemand etwas genaueres geschrieben.

      EMDR erscheint mir grundsätzlich als gute Möglichkeit, endlich meine Kindheit zu verarbeiten und einige schlimme Dinge "hinter mir zu lassen". Mag mir jemand von euch berichten, ob und wie diese Therapieform bei ihm/ihr funktioniert/geholfen hat, bzw funktioniert/hilft? Muss etwas spezielles beachtet werden?

      Ich bin für jeden Erfahrungsbericht von euch dankbar. Meine Therapeutin wird ihrerseits ihren Supervisor um Rat fragen.
      Ein Kaktus ist eine schwerbewaffnete Gurke :prof:
    • Spricht etwas dagegen, einfach auszuprobieren, ob dir EMDR hilft?
      Meine Therapeutin, die sich mit AS überhaupt nicht auskennt, hat sich dazu nicht viele Gedanken gemacht.

      Ich fand EMDR in/mit der Therapeutin begrenzt hilfreich. Ich habe es ein paar mal gemacht und fand es nicht so durchschlaggebend, aber ich kann natürlich dennoch nicht sagen, dass es überhaupt nichts gebracht hat.

      Ich fand es auf alle Fälle hilfreich, dass ich für die gewünschten Lateralbewegungen nicht den Händen der Therapeutin nachschauen musste, sondern Kopfhörer mit wechselndem Ton (links und rechts), zwei abwechselnd vibrierenden eiförmigen Gegenständen, die ich in den Händen hielt oder abwechselnd mit den Füssen oder Händen klopfen konnte.

      Oft wollte meine Therapeutin, das innerhalb des EMDR dass ich ihre beruhigende Techniken anwende, also mir Tiere vorstelle, die mich beschützen etc. Das war mir zu märchenhaft, ich nehme aber nicht an, dass das zwingend zum EMDR dazu gehört. Ich habe dann als Beruhigungs/Distanzierungstechnik Stereotypien verwendet. Das hat meine Therapeutin etwas gewundert (scheint wohl nicht alltäglich zu sein) aber solange es mir half, war es ihr auch egal.

      Ich habe schlussendlich öfters EMDR quasi für mich gemacht - auf Youtube finden sich die erforderten wechselnden Töne, ich habe mich etwas ins Prinzip eingelesen und los gings.

      Das möchte ich aber nicht umbedingt weiterempfehlen, oder jedenfalls daran erinnern, dass man sich bewusst sein muss, welche Gefahren Traumaarbeit mit sich bringen kann.
    • Danke für deine Antwort. Selbstverständlich spricht nichts dagegen, es zu probieren. Ich bin lediglich an Erfahrungsberichten interessiert.

      Ich werde meine Therapeutin bei der nächsten Sitzung fragen, ob sie außer ihren Händen noch andere Werkzeuge verwendet. Wenn es mit den Händen nicht klappt, hat man dann ja dann noch die Möglichkeit, etwas anderes zu probieren.
      Diese Beruhigungstechnik mit den hilfreichen Wesen funktioniert bei mir nicht, genauso wenig wie "die wohlwollende Beobachterin", falls du diese Technik kennst. Ich würde dann wohl lieber irgendetwas sortieren, bzw zählen.
      Nein, also allein daheim mit Hilfe von Youtube würde ich EMDR bei mir nicht anwenden. Die Vorstellung, dass ich alleine daheim sitze und dann Erinnerungen hoch kommen, ist ziemlich unschön.
      Ein Kaktus ist eine schwerbewaffnete Gurke :prof:
    • hallo,

      allein EMDR anzuwenden, vor allem ohne vorherige fachliche anleitung und dann wohlmöglich noch mit belastenden erinnerungen, davon kann ich auch nur absolut abraten!!
      Ich habe auch schon flashbacks (belastende erinnerungen) bekommen von stabilisierungsübungen mit EMDR (die therapeutin war unerfahren, war mir aber nicht so klar).

      ich bin nur VA. ich habe viele traumata. EMDR habe ich nur kurz bisher angewand, da ich die therapeutin aus strukturellen gründen wechseln musste (und einmal in einer klinik, wo diese unerfahrene therapeutin war). es war jeweils sehr anstrengend aber half mir letztendlich. trotzdem kamen auch alte erinnerungen, die ich vorher nicht so klar erinnerte und die mich auch etwas belasteten.
      ich kann mit imaginationsübungen gut umgehen. das ist aber meines wissens keine vorraussetzung, es geht nur darum, dass man sich überhaupt beruhigen/ ablenken kann. wenn man zu labil ist, sollte man sehr vorsichtig sein.

      als ich es anwand, hatte ich starke flashbacks, die durch ein aktuelles ereignis (einen schlimmen unfall) ausgelöst wurden. mein zustand wurde immer schlechter. durch das emdr konnte ich irgendwie wieder abstand gewinnen. wie das genau funktionierte, kann ich auch nicht sagen. es war irgendwie, als wäre mein gehirn durchgerührt worden (RW!). mein kopf fühlte sich komisch an. beschreiben kann ich es nicht. ich war sehr erschöpft. die erinnerungen waren immer noch da, aber sie waren nicht mehr so "schwer" und belastend.
      die therapeutin arbeitete mit den fingern, was mir schon nicht ganz leicht fiel. meine neue therapeutin will sich wohl solche vibrierenden teile für die hände kaufen. wir haben aber noch nicht vor, damit zu arbeiten. zwischendurch gab es immer wieder pausen, in denen es um vorher festgelegte positive ressourcen ging (selbstberuhigung)
      bei den fingern ist, glaube ich, ein vorteil, dass der therapeut schneller bemerken kann, ob du dissoziierst
    • Also ich wollte auch noch einmal betonen, dass EMDR grundsätzlich nichts ist, was man selber macht. Ich habe das nur nach einiger Erfahrung mit allen Auswirkungen und mit genügend Stabilisierungstechniken gemacht. Weil ich den Rahmen von "Zuhause unter der Bettdecke" viel angenehmer empfand als an einem fremden Ort, wo man dann wieder nach Hause fahren muss (gegen stat. Therapie habe ich mich mit Hand und Fuss gewehrt (RW) ). Zum einfach so mal ausprobieren: Finger weg!

      Das erste Mal EMDR hat sich bei mir auch ähnlich angefühlt, wie vom kastenfrosch beschrieben: Als hätte man mich innerlich einmal auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.

      Mit Imaginationsübung habe und hatte ich auch meinen liebe Mühe.
      Ich konnte auch nicht so Sachen machen, wie mir einen anderen Ausgang der Erlebten vorzustellen - man kann ja nicht die Geschichte verdrehen. Ich habe mich dann doch sehr bemüht, mich darauf einzulassen, aber mit sehr mässigem Erfolg.
      Schon nur die bei Traumata viel gepredigte Tresorübung (schliess das Erlebte in einen Tresor) habe ich nicht auf die Reihe gebracht.
      Auch so Sachen wie "sehen sie das Kind von damals? Gut, nehmen sie es an der Hand..." fand ich sehr schwierig und weil mich das nicht beruhigt hat, sollte ich mich dann nochmals vorstellen und die Szene zu betrachten. Da musste ich mich schlussendlich drei mal vorstellen, einmal als Kind und zweimal als Erwachsene. Das hat mich komplett durcheinander gebracht.

      Wohlwollende Helferin kenne ich nicht.


      Madame_Tutu schrieb:

      Ich würde dann wohl lieber irgendetwas sortieren, bzw zählen.
      Genau so ist es mir auch gegangen. Ich habe dann immer Stimming betrieben. Schaukeln (die Thera hatte einen Stuhl, mit dem das ging), zusätzlich noch mit den Füssen wackeln oder auch "mentales Stimming", das hat mich am meisten beruhigt. Ich habe der Thera diese meine, gut geübte, allgemeine Beruhigungsmethode näher gebracht und sie konnte sie dann gut mit einbauen.

      Erzähl das deiner Therapeutin, das lässt sich sicher auch irgendwie verwenden.

      Schlussendlich habe ich mein Trauma am besten durch Kreativität verarbeitet. Ich habe tonnenweise (RW) Bilder gemalt und mich mit Ton und Gips ausgetobt, aber ich glaube nicht, dass es mit dem AS zusammenhängt, dass ich das als so hilfreich empfand und empfinde.
    • Ich mache aktuell EMDR Sitzungen. War anfangs sehr skeptisch ob mir das was bringt, kann nun aber sagen dass ich dadurch ein Trauma weitgehend verarbeiten konnte!
      Wir arbeiten mit den Fingern was für mich ok ist. Die Therapeutin hat viel Erfahrung mit EMDR.
      Im Moment versuchen wir meine starke Lärmempfindlichkeit zu verringern, da dies nicht nur angeboren sondern bei mir auch durch die Vergangenheit traumatisch belastet ist.
      Bei dem Lärm Thema konnten wir bisher noch keine Fortschritte erzielen, was aber wohl damit zusammenhängt dass das Thema bei mir noch hochaktuell ist und nicht in der Vergangenheit liegt.
      Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf. :)
      Ob Asperger oder nicht, es wird bei jedem individuell verschieden sein ob EMDR was bringt. Das hängt nicht nur von einem selbst und den Fähigkeiten des Therapeuten ab sondern natürlich auch von dem Thema was bearbeitet werden soll. Meine Therapeuting meinte ihre Erfahrungen sind da auch ganz unterschiedlich. Bei machen Patienten wirkt die Methode Wunder, bei anderen gar nicht.
      Ich würde es auf jeden Fall ausprobieren, man verliert ja nichts dabei.
      Mich hat es an den Sitzungstagen jedoch sehr aus der Bahn geworfen so dass ich nicht mehr wirklich arbeitsfähig war. Damit hatte ich vorher nicht gerechnet.
    • Ich lese oft was von Traumen und eigentlich sollte ich auch traumatisiert sein. Sind paar Dinge passiert als ich sehr klein war.

      Die Sache ist aber: ich kann daran denken und es durchleben - es bewegt mich aber nicht. Es lässt mich völlig kalt, als hätte ich eine gewisse Traumaresistenz.
      Auch so im späteren Leben - oft hört man "vergebe" anderen, das lindere deinen Schmerz.

      Ich frage mich: eigentlich müsste ich doch was dabei empfinden, wenn ich mich erinnere oder?

      Aber da ist nichts an Bewegtheit oder Gefühl.
      Sollte ich mir Sorgen machen oder ist das normal?
      Asperger-Autist
      Die Tassen sind leer, wenn man sie austrinkt
    • Bei mir ist das so dass bei sehr lange zurückliegenden Traumen auch keine großen Gefühle mehr vorhanden sind.
      Daher macht EMDR dann auch nicht so viel Sinn. Eher wenn das Trauma in den letzten Monaten oder Jahren war bzw. noch starke Gefühle auslöst.
      Von daher würde ich mir da keine Sorgen machen.
    • emanativ schrieb:

      oft hört man "vergebe" anderen, das lindere deinen Schmerz.
      das thema hatte ich zufällig gestern noch mit einem menschen. völliger blödsinn. also natürlich kann es menschen helfen. aber diese aussage, dass es "nötig" sei um zu "gesunden", ist (m.M.n.) totaler blödsinn.

      wenn man garkeine gefühle zu einem trauma hat, sind die gefühle meistens abgespalten. bei einem trauma werden die erinnerungen anders im gehirn abgespeichert als normale erinnerungen. es kann aber auch sein, dass du trotz trauma keine belastenden symptome hast und das trauma irgendwie für dich verarbeitet hast. das trauma an sich macht nicht per se krank. die belastungsstörung (o.ä.), die menschen entwickeln können, ist "krank". der mensch kann traumata aber auch lange verdrängen ehe es zur belastung wird.

      wie ist bes denn bei anderen dingen? z.b. hast du an schöne ereignisse gute erinnerungen?
      solang es dich nicht (direkt oder indirekt) belastet, würde ich mir keine sorgen machen.
    • kastenfrosch schrieb:

      wie ist bes denn bei anderen dingen? z.b. hast du an schöne ereignisse gute erinnerungen?
      solang es dich nicht (direkt oder indirekt) belastet, würde ich mir keine sorgen machen.
      Ja, die gibt es durchaus. Ich halte an meinen Prinzipien fest und hier und da gibt es ein paar Dinge, die ich sehr zu schätzen weiß.
      Eine instabile Persönlichkeit habe ich jedenfalls nicht, eher das ganze Aspiegedönse und der ganze soziale Bahnhof eben, wo ich eben oft auf der Leitung stehe.
      Mal ab vom Autismus, frage ich mich manchmal schon, warum ich eigentlich noch so "gesund" geblieben bin.

      Eigentlich müsste ich extremst abgefuckt sein. Vielleicht bin ichs auch, nur merk ichs nicht. xD

      lg
      Asperger-Autist
      Die Tassen sind leer, wenn man sie austrinkt