Neurotransmitter testen!?

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    • Neurotransmitter testen!?

      Ich überlege mir meine Neurotransmitter im Urin und/oder Speichel testen zu lassen. Da würde es sich um folgende handeln:

      Cortisol Morgens
      Cortisol Mittags
      Cortisol Nachmittags
      Cortisol Abends
      [Melatonin (Nachts)]
      Serotonin
      Dopamin
      Noradrenalin
      Adrenalin


      Prinzipiell würde mich es schon interessieren, bloß müsste ich diesen Test selbst zahlen und möchte mir es deshalb davor überlegen und bin mir auch garnicht sicher wie sinnvoll das ist, weil ich mich damit zu wenig auskenne. :?
      Mir geht es vorallem um meine chronische Erschöpfung bzw Depression, bei der ich nur bedingt weiter komme, insbesondere da sie aufgrund einer multiplen Medikamentenunverträglichkeit nur schwer behandelbar ist.

      Kennt sich damit jemand aus bzw hat Fachwissen dazu ob es sinnvoll ist diese Neurotransmitter im Speichel und/oder Urin testen zu lassen? :roll:

      Gruß Lukas
      Diagnose: Mensch
    • Hi Lukas,

      wenn du eine Medikamentenunverträglichkeit hast, würden dir die Testergebnisse doch auch nichts nutzen, oder? Außer, daß du dann weißt, wie deine Werte sind?

      Manche Kliniken hier behandeln Depressionen inzwischen auch durch spezielle Lichttherapien und Bewegungstherapie, um die körpereigene Produktion anzuregen. Hast du dich mit so etwas schon beschäftigt, ob dir das helfen könnte, wenn Medikamente nicht gehen?

      Und wurde die chronische Erschöpfung dahingehend abgeklärt, daß keine zusätzliche Erkrankung vorliegt?

      Viele Grüße, Äon.
    • Zum einen interessiert es mich einfach. Ich bin mir jedoch nicht sicher inwieweit meine Neurotransmitter im Urin oder Speichel was über meinen Neurotransmitterstatus Gehirn aussagt.
      Ich bin bspw nicht davon überzeugt dass mein Serotonin zu niedrig ist und Defacto haben mir SSRIs nich nie geholfen und gingen meist mit immensen Nebenwirkungen einher, das Selbe bei SNRIs etc. nach Jahren kam man mal auf die Idee Elontril auszuprobieren, was ja glaub ein NDRI ist und es wirkt. Aber es ist auch nicht das non plus ultra. Es ist jedoch das Beste seit Jahren. Dahinter wäre man unter Umständen durch so einen Test vorher gekommen.

      Ich habe polymorphe Lichtdermatose, ich bin mir nicht sicher ob da eine Lichttherapie sinnvoll ist.
      Diagnose: Mensch

      The post was edited 1 time, last by Lukas ().

    • Lukas wrote:

      Mir geht es vorallem um meine chronische Erschöpfung bzw Depression, bei der ich nur bedingt weiter komme, insbesondere da sie aufgrund einer multiplen Medikamentenunverträglichkeit nur schwer behandelbar ist.

      Ich bin der Meinung, dass eine hartnäckige Depression auch bei Verträglichkeit aller verfügbaren Psychopharmaka schwer zu behandeln ist. Wenn Erschöpfung im Vordergrund steht, dann ist so etwas wie Elontril oder hochdosiertes Venlafaxin (soll in höherer Dosis antriebssteigernd sein und wirkt dann auch etwas als Dopamin-Wiederaufnahmehemmer) vermutlich keine schlechte Idee. Das mit den Neurotransmittern und Depressionen ist afaik umstritten. Irgendwo las ich vor einiger Zeit mal etwas von einer anderen Vermutung. Afaik ging es dabei nicht um die Menge der verfügbaren Neurotransmitter sondern eher um die Kommunikation untereinander (bin mir aber nicht mehr ganz sicher ob es so war). Wenn solche Messungen aussagekräftig wären, dann hätten sie vielleicht grössere Bedeutung in der Behandlung von Depressionen. Oder ist das durchaus üblich? :roll:
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    • Hyperakusis wrote:

      faik ging es dabei nicht um die Menge der verfügbaren Neurotransmitter sondern eher um die Kommunikation untereinander (bin mir aber nicht mehr ganz sicher ob es so war).


      Wenn du mit Kommunikation die Aufnahme meinst, hatte ich davon auch gelesen.

      Momentan forschen sie an Depressionen in Bezug auf Gensequenzen. Vereinfacht formuliert, stand in dem Artikel, daß die Funktionsweise/richtige Aufnahme gestört wird, indem sich andere Substanzen über den entsprechenden Schalter in der Gensequenz legen und es deshalb im Gehirn nicht mehr richtig funktioniert, selbst wenn zB durch Medikamente etwas zugeführt wird.

      Wenn sie in der Lage sind den "Plaque" von der Gensequenz zu entfernen (dauerhaft eine Überlagerung zu verhindern), würde es im Gehirn auch wieder richtig funktionieren und die Depressionsursache würde tatsächlich behoben werden können, was durch Medikamente in dieser Form nicht möglich ist, weil die Überlagerung beim genetischen Schalter weiterhin vorhanden ist.

      (Habs jetzt ohne wissenschaftliche Details eher bildlich ausgeführt).


      @ Dermatose

      Das sollte ein Arzt wissen. So klingt es eher kontraproduktiv :nerved:
    • Lukas wrote:

      Kennt sich damit jemand aus bzw hat Fachwissen dazu ob es sinnvoll ist diese Neurotransmitter im Speichel und/oder Urin testen zu lassen? :roll:
      Ich bin kein Fachmann für sowas aber ich denke interessant wäre das allemal.
      Wenn es Auffälligkeiten gibt dann hast Du vielleicht einen Ansatz zur Behandlung und wenn alles unauffällig ist brauchst Du nicht mehr darüber nachzudenken und kannst woanders suchen.
      Wie teuer ist denn so ein Test?
    • kitescreech wrote:

      Ich bin kein Fachmann für sowas aber ich denke interessant wäre das allemal.
      Wenn es Auffälligkeiten gibt dann hast Du vielleicht einen Ansatz zur Behandlung und wenn alles unauffällig ist brauchst Du nicht mehr darüber nachzudenken und kannst woanders suchen.
      Wie teuer ist denn so ein Test?


      Interessant fände ich es allemal, aber ich bin da auch ein bisschen Misstrauisch, denn wenn es so einfach wäre, wüssten wir dann nicht schon viel mehr über psychische Besonderheiten und so!? :?
      Es kostet plus/minus 200€, je nachdem was genau getestet wird und bei so einem Bettag macht man das nicht einfach mal so aus einer Laune heraus. Nur Cortisol testen zu lassen bspw., ist natürlich wesentlich billiger.
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    • Ich habe mich damit nie so intensiv befasst. Natürlich kommt man auf so eine Idee und man fragt sich vielleicht warum das nicht üblich. Aber gibt es überhaupt so etwas wie einheitliche Sollwerte? Und wenn es sie gibt, wie wären diese dann bei Autisten? Gibt es da Unterschiede? Wenn ja, dann stellt sich die Frage wie diese Unterschiede im Detail ausschauen. Daher: Was weiss man eigentlich nach so einem Test? Und wenn was kann man konkret machen? Die verfügbaren Mittel sind ja eigentlich bekannt (siehe dazu z. B. meine Liste im Thread "Informationen über Psychopharmaka") und diese Möglichkeiten sind doch recht dünn. Zwar gibt es etliche Präparate, aber diese ähneln sich stark und unterm Strich bleiben dann nur wenige Gruppen. Ich habe den Eindruck, dass das eher noch etwas für die Forschung ist und nicht selten las ich "man vermutet, dass...".
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    • So ein Test würde nur eine Momentaufnahme liefern - und zwar die eines sehr kurzen Moments, denn die Spiegel schwanken ununterbrochen. Die Hypothese vom Zusammenhang zwischen Serotonin wurde nie bestätigt bzw. sogar schon mehrfach widerlegt, geistert jedoch nach wie vor durch die Medien und die Pharmawerbung. SSRIs wirken bei (wenn ich's richtig im Kopf habe) nur um die 50% aller Patienten. Wenn man dann noch den Placebo-Effekt rausrechnet, stellt sich die Frage, ob SSRIs eigentlich überhaupt wirken. Ich persönlich habe nie irgendeine Wirkung verspürt, egal, in welcher Dosierung. Ich kenne aber auch Leute, die schwören auf ihr Citalopram o.ä.

      Elontril und hochdosiertes Venlafaxin wirken (auch) auf den Dopaminspiegel. Dass eine Erhöhung des Dopaminspiegels zu guter Laune bis Euphorie führt, ist schon lange bekannt; viele Drogen wirken über diesen Effekt. Venlafaxin in Höchstdosis hat bei mir anfänglich einen euphorischen Zustand ausgelöst, danach so eine Art Gleichgültigkeit, die zwar besser war, als die Depression davor, dem Leben jedoch alle Höhen und Tiefen nahm. Schließlich musste ich's absetzen, weil ich einen gigantisch hohen Blutdruck bekam von dem Mittelchen. Elontril habe ich mal versucht, aber nach ein paar Tagen schon wieder abgesetzt, weill ich irgendwie arg nervös und unruhig wurde.

      Jetzt nehme ich Moclobemid (einst bekannt als Aurorix), eine ganz andere Substanzgruppe (reversibler MAO-Hemmer). Wird von Psychiatern nicht gern verschrieben, da es theoretisch, in Komibination mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Medikamenten, gefährliche Nebenwirkungen haben kann, wenn man sich an die Regeln hält, hat es aber keinerlei Nebenwirkungen. Wirkt auch u.a. auf das Dopamin, und ich bilde mir ein, dass es hilft.
      "Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen" (Groucho Marx) “Sich zu akzeptieren als den, der man ist, ohne etwas anderes sein zu wollen - das ist Freiheit“ (Ramesh Balsekar)
    • Bhai wrote:

      Jetzt nehme ich Moclobemid (einst bekannt als Aurorix), eine ganz andere Substanzgruppe (reversibler MAO-Hemmer). Wird von Psychiatern nicht gern verschrieben, da es theoretisch, in Komibination mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Medikamenten, gefährliche Nebenwirkungen haben kann, wenn man sich an die Regeln hält, hat es aber keinerlei Nebenwirkungen. Wirkt auch u.a. auf das Dopamin, und ich bilde mir ein, dass es hilft.

      Hast du schon mal gefährliche Nebenwirkungen erlebt? Das mit den Monoaminoxidasehemmern, insbesondere die irreversiblen, ist ja quasi DER Schocker in allen Packungsbeilagen.

      Das mit dem Serotonin etc. ist tatsächlich sehr umstritten. SSRI-Kritiker betrachten das ja afaik auch als eine Erfindung der Pharmaindustrie um eben besser/gezielter die modernen Antidepressiva vermarkten zu können. Ob sie auf all den Einsatzgebieten nun rundum effektiv sind ist dabei gar nicht so relevant. Die Verkaufszahlen sind jedenfalls ziemlich gut. Ich weiss bis heute nicht so recht was ich von diesen modernen Antidepressiva halten soll. Zumindest im Hinblick auf Erklärungsmodelle, die mit einem Mangel an bestimmten Neurotransmittern, insbesondere Serotonin und Noradrenalin, eingehen... sollen diese Präparate (SSRIs + SNRIs) das Beste sein was es bis dato gibt... aber dennoch kriegen diese Substanzen viele Menschen nicht aus dem Teufelskreis der Depression herausgehebelt... man hört zuweilen von einer Ansprechbarkeit von ~ 60 Prozent und so. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Berichte, dass Placebos Werte von ~ 40 Prozent erreichen. Durch die intensiven Nebenwirkungen der SSRIs/SNRIs könnte der Glaube "Da tut sich was" (was ja tatsächlich auch stimmt, denn diese Mittel bewirken definitiv etwas im Neurotransmitterhaushalt!) noch verstärkt werden. Anfänglicher Gewichtsverlust und Aufgekratztheit ist auch keine Einbildung. Mein Eindruck ist, dass sich das in etwa 50:50 in Waage hält. Nämlich positive und negeative Berichte... wobei mir so bisschen die bahnbrechenden, die wirklich begeisterten Erfahrungsberichte fehlen, solche wo eine deutliche Wirkung bzw. unverkennbare Besserung die EINDEUTIG auf das Pharmakon zurückgeht, oft fehlen. Wenn Menschen monatelang eine Substanz schlucken, die eine Wirkung besitzt (sei es etwas aufpeitschend etc.), dann weiss man nicht so recht ob der Glaube "Berge versetzt hat", ob die depressive Symptomatik im Laufe der Zeit auch aus anderen Gründen (z. B. auf natürlichem Wege) nachgelassen hat ODER ob es eben wirklich an der psychotropen Wirkung des Pharmakons liegt. DESHALB bin ich da hin- und hergerissen. :?
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    • Bei den reversiblen MAO-Hemmern gibt es in der alltäglichen Praxis, so weit ich weiß, keine Nebenwirkungen; diese stehen nur aus haftungsrechtlichen Gründen, zur Sicherheit, im Beipackzettel. Bei den irreversiblen wiederum sieht es ganz anders aus. Nach allem, was ich gehört habe, sollen die zwar wunderbar helfen (die Unklinik Freiburg hat letztes Jahr in irgendeinem Ranking den Preis als beste Behandlungseinrichtung für Depressionen bekommen, und die verwenden gern irreversible MAO-Hemmer) - aber die Ernährungseinschränkungen, die man beachten muss, wenn man keine lebensgefährliche Bluthochdruckkrise kriegen will, schrecken mich einfach ab.

      Wie ich die SSRIs bewerten soll, weiß ich auch nicht so recht. Ich kenne Leute, die darauf schwören, und andere (und das ist eher die Mehrzahl), denen diese Mittel nicht wirklich was gebracht haben. Bemerkenswert in dem Zusammenhang finde ich, dass die WHO als auf ihrer Liste der unverzichtbaren Medikamente als Antidepressivum immer noch das uralte Amitriptylin aufgeführt hat, aber kein neueres Medikament (es sei denn, das hätte sich zwischenzeitlich geändert).

      Derzeit hoffe ich auf die Ketamin-Forschung - nach allem, was ich gehört habe, soll das ja niedrig dosiert ganz wunderbar helfen.
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    • Bhai wrote:

      Bei den irreversiblen wiederum sieht es ganz anders aus. Nach allem, was ich gehört habe, sollen die zwar wunderbar helfen (die Unklinik Freiburg hat letztes Jahr in irgendeinem Ranking den Preis als beste Behandlungseinrichtung für Depressionen bekommen, und die verwenden gern irreversible MAO-Hemmer) - aber die Ernährungseinschränkungen, die man beachten muss, wenn man keine lebensgefährliche Bluthochdruckkrise kriegen will, schrecken mich einfach ab.

      Interessant. Auch dass Moclobemid bei dir wirkt, weil sehr gängige Praxis scheint die Verschreibung nicht zu sein. Bei den MAO-Hemmern fand ich es immer beunruhigend, dass quasi eine Schutzschranke geöffnet wird, so dass plötzlich Stoffe eine Wirkung entfalten können, die sonst durch die MAO abgebaut werden.

      Wie ich die SSRIs bewerten soll, weiß ich auch nicht so recht. Ich kenne Leute, die darauf schwören, und andere (und das ist eher die Mehrzahl), denen diese Mittel nicht wirklich was gebracht haben. Bemerkenswert in dem Zusammenhang finde ich, dass die WHO als auf ihrer Liste der unverzichtbaren Medikamente als Antidepressivum immer noch das uralte Amitriptylin aufgeführt hat, aber kein neueres Medikament (es sei denn, das hätte sich zwischenzeitlich geändert).

      Ich glaube Amitriptylin hat auch seinen festen Platz als Begleitmedikation in der Schmerztherapie. Sicherlich ist das auch so etwas wie ein TZA-"Prototyp" oder -"Grundgerüst". Es wirkt nicht so bleiern sedierend wie Doxepin oder Trimipramin.

      Derzeit hoffe ich auf die Ketamin-Forschung - nach allem, was ich gehört habe, soll das ja niedrig dosiert ganz wunderbar helfen.

      Ketamin, aber afaik auch LSD-ähnliche Substanzen, bei denen man den nachhaltig auf Depression positiv auswirkenden Effekt erforschen möchte. Ich bin gespannt was die Zukunft da zu bieten hat. :roll:
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