Sich reinsteigern

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    • @Linnea

      Manchmal hilft es mir, wenn ich es schaffe, einen Schritt zurück zu gehen und die Situation, die so schwer ist, als Übung anzusehen. Dann nehme ich Druck aus der Situation und bin ggf handlungsfähiger.

      Ich hatte schon so scheinbar auswegslose Situationen erlebt und fand am Ende jener Situation eine Lösung.
    • kikilino wrote:

      @Louveteau: ich ersetze 'immer' durch 'meistens'. ;) Manche Menschen habe das Glück auch ohne Entwicklung dahin zu kommen, wo es ihnen gut geht.

      PS: ich fänd es wirklich schön, wenn ich hier nicht immer von den 'NTs' lesen müsste...meistens finde ich mich in den Beschreibungen einfach nicht wieder und das verwirrt mich dann auch etwas. :d
      Die Kritik lag nicht so sehr an dem Wort "immer", sondern an der Bedeutung. Besonders in Verbindung mit "nur". Hättest du statt "immer" eben "meistens", "überwiegend" oder "definitiv" gewählt, wäre es quasi identisch. Das Problem ist:
      > Wie kommst du darauf?
      > Hast du Quellen?
      > Wofür gibt es dann Hilfen?
      > Ist dieses Forum nicht eine Hilfe?
      > Hilft Geld nicht weiter?
      > Ist Geld ein Entwicklungsgegenstand?
      > ....
      Eigentlich fängt es schon viel früher an bei:
      Ist sie jetzt an einem Punkt, an dem nur noch Entwicklung weiter helfen kann? Oder kann nur Entwicklung weiterhelfen? Und was bedeutet dann "immer" in dem Fall? Ist Entwicklung immer das, was am Ende weiter helfen muss? (außer bei den paar Glücklichen von mir aus) Was ist Entwicklung? Meint das nur die eigene Sichtweise und Handlungen oder auch Umzüge, Jobwechsel usw? Wenn so vieles Entwicklung ist, ist dann Entwicklung überhaupt ein Wort, was man nutzen sollte, oder kann man einfach sagen "weiter helfen kann jetzt eigentlich nur noch fast alles"? Falls weiterhelfen gemeint ist: Sind dann Hilfen also Selbsthilfen zur Entwicklung? Und inwiefern helfen die Hilfen zur Entwicklung nicht? War das kritisch gemeint als fieser Kommentar, weil geglaubt wird, sie wehre sich gegen die Entwicklung?

      Fragen über Fragen.
      Die sind alle in meinem Kopf und sorgen dafür, dass ich die Welt nicht wirklich verstehe und überschauen kann, @FruchtigBunt.
      Aber Sätze, die mehr Fragen aufwerfen als sie zu beantworten, kann man wahrscheinlich allgemein ignorieren als "leere Worthülsen". Besser als darauf einzusteigen und vllt davon auszugehen, dass es tatsächlich fies gemeint war.



      Zum zweiten Absatz:
      Es wäre mMn tatsächlich cool, wenn du an den Stellen einfach sagst, dass du dich da nicht so siehst bzw nicht denkst, dass das "typisch" NT ist. Wir vermuten das meiste ja auch nur - und einige Probleme kommen eben durch falsche Vermutungen.
    • kikilino wrote:

      Und ja, wenn man etwas nicht versteht, dann darf man auch gerne mal nachfragen. Empfinde ich als wesentlich zielführend.
      Vielleicht beantwortet die Anzahl an Gedanken zu einem einfachen Halbsatz, warum man nicht immer alles nachfragt, sondern manchmal einfach so stehen lässt.
      Man kann aber auch immer gerne genauer ausführen, was man wie warum meint. Ein Forum (noch dazu mit Autisten ^^) ist nicht dafür geeignet wie im Chat hin- und herzuschreiben und Smalltalk zu halten mit Kurznachrichten, die mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten.

      (Nicht böse gemeint.)
    • kikilino wrote:

      @Linnea: das bleibt jedem selbst überlassen. Die Frage ist doch, worum es wirklich geht? Darum dass wir uns wohl fühlen, oder? Und demgemäß darf eben jeder seine Weltanschauung finden mit der es ihm gut geht.
      Oder wie es mal in David Cronenbergs Film "eXistenZ" hieß: "Ziel des Spiels ist, herauszufinden, was Ziel das Spiels ist."
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • FruchtigBunt wrote:

      Lefty wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Kann es sein, dass Autisten diese herkömmlichen (sozialen) Rituale nicht ausreichen, um das Gefühl zu bekommen, Kontrolle zu haben? Falls ja, woran liegt das?
      Für Autisten ist die Welt viel weniger überschaubar als für die meisten Menschen. Deshalb konzentriert man sich auf viele kleine Bereiche, die man überschauen und kontrollieren kann.Man muss nicht mal sagen, "die Welt" - es betrifft alle möglichen Bereiche, ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll.
      Aber woran liegt das, dass die Welt weniger überschaubar für Autisten ist und somit auch weniger kontrollierbar wirkt und sie deshalben evtl. durch rigide Maßnahmen (wie z. B. "sich reinsteigern") versuchen, Überblick und Kontrolle zurückzuerlangen?
      Liegt das an der Reizfilterschwäche und somit Reizüberflutung oder an der fehlenden zentralen Kohärenz und teils schlechten Theory-of-mind? Ehrlich gesagt finde ich diese "Erkrankung" (was es ja offiziell nicht ist) ziemlich krass, weil sie so an den Grundfesten des Lebens rüttelt. "Behandelt" wird aber meist nur mit so simplen Dingen wie Konditionierung und Verhaltenstherapie. Ich frage mich, ob das sinnvoll sein kann. :roll:

      Meiner Meinung nach müsste man an die Angst dahinter rankommen (falls die wirklich auch bei anderen Autisten dahintersteckt und es nicht nur bei mir so ist, dass die Kontrollmaßnahmen und Spezialinteressen etc. aus dieser Angst resultieren, die daher kommt, dass ich wegen meiner Hirnverschaltungen glaube, keinen Überblick und keine Kontrolle über die Welt zu haben).
      Die Frage ist dann, ob man mit der Angst, die dahinter steckt, dann auch klarkommt. Denn das Problem steckt ja auch darin, dass einem die Bewältigungsstrategien fehlen.
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • GuidoMai wrote:

      Oli73 wrote:

      GuidoMai wrote:

      In unseren Ort ist Volksfest. Es war sehr voll. Ich fand einen Platz. Leider saß neben mir ein widerlicher Mann. Er machte mich immer wieder blöd an. Ich bin körperlich sehr schwach. Ich ging dann wieder. Das machte mich wütend, da ich mich nicht wehren konnte. Dann lief ich durch das Gelände, doch fand ich keinen freien Platz mehr zum hinsitzen. Ja es ist echt scheiße wenn man wenig Kraft hat. Wenn man immer wieder schlucken muss. Doch zum Glück habe ich mich wieder beruhigt.
      Wie stehst du zu Selbstverteidigung?Ich hatte 4 jahre Krav Maga gemacht. WOhl auch, weil ich Jahrzehnte zuvor in der Schule gemobbt und auf dem Schulweg auch ab und zu getreten/geschlagen wurde. Diese Erinnerungen prägen mich und brennen heute noch wie ein Feuer in mir.
      Meine heutige Einstellung mit 46 Jahren dazu lautet: Macht das nochmal einer, dann landet er im KH.
      Ich konnte damals keine 2 Liegestütze. Dieser Zustand der Wehrlosigkeit nervte mich damals schon. Mein mangelndes Selbstvertrauen sah man mir regelrecht an.

      Das doofe an Selbstverteidigung ist, das man mit viele Leuten in einer Halle trainiert. Das gute wiederum ist. Man lernt sich vehement aus Umklammerungen und anderen Arten des festhaltens/angreifens zu befreien. Das befreit mental und ich habe mich zumindest danach immer sehr gut gefühlt. Z.B. Jemandem einen Tritt/Schlag zu verpassen, der einen gegen seine Willen festhalten oder unterdrücken will - Herrlich!

      Leider gibt es das in unserer Stadt nicht mehr. Nun Boxe ich in einer Russischen Boxschule. Sehr anstrengend - Mental und Körperlich!
      Nicht optimal, aber man hat nur einen Trainingspartner. Das ist Top. Mit dem Fokussieren habe ich aber da auch Probleme und dem Lärm. Vieles lenkt mich ab.
      Aber da will und muss ich durch.

      Ich kann es dir nur empfehlen und wäge ab, welches der Gefühle unangenehmer ist.

      Das Gefühl der Wehrlosigkeit oder das Gefühl mit zb. 15 Personen 90 minuten am Stück in einer Halle zu trainieren. Und das 2 mal die Woche zb.
      Deine "Ausstrahlung" und dein Selbstvertrauen wrden wachsen. Das ist garantiert!
      Das habe ich mir auch schon überlegt. Doch nach der Arbeit bin ich meist kaputt. Zudem habe ich Arthrose. Oder soll ich es doch machen? Ich habe auch nicht allzuviel Geld und ich fürchte mich vom Kontakt vor den fremden Menschen. Ich muss auch immer Stück für Stück das Arbeiten, was ich mir vorgenommen habe.
      Ja das verstehe ich natürlich. Daran hatte ich erst einmal nicht gedacht.
      Was du aber machen könntest wäre dich langsam und ALLEINE darauf vorzubereiten. Mit hilfe von Youtube.
      Ich war früher ein "Lappen".
      Ich fing mit Fitness an. Bin auch immernoch dabei, aber da ich auch nun rechts Schultereckgelenkarthrose habe, ist das kein großes Ding mehr im Leben. Immer schön Kopfhörer drin, damit ich nicht so oft vollgelabert werde und den Mainstreamradiosound im Studio nicht höre. Auch da kann ich in meiner Welt sein. Inmitten von anderen!
      Ich bin mir bei dir sicher, wenn du das erst mal alleine zuhause etwas nach der Arbeit übst vor dem Spiegel. ZB Schattenboxen, dann wird dir das was auf lange Sicht viel bringen. Stelle dir vor der Typ der dich angemacht hat, ist im Spiegelbild. Schau dir Videos auf Youtube an. Ich empfehle "Precision Striking" von Jason van Feldhuisen.
      Is in Englisch, aber egal. Es geht um die Bewegungen.
      Ich komme auch eben aus meiner Garage vom Schattenboxen. 2h habe ich vor dem Spiegel trainiert bis ich völlig nassgeschwitzt war. Ich trainiere klar auch am liebsten alleine, aber zur echten SV braucht man leider doch Partner die unverhoffte Reaktionen zeigen auf die man ad hoc reagieren muss. Sehr Anspruchsvoll aber genau das ist esben das Ding um an seinen Schwächen zu arbeiten.

      Der kontakt mit Fremden Menschen. Ja, kenn ich, aber du hast das bestimmt auch auf der Arbeit so gehabt als du da mal angefangen hattest.
      Es ist unangenehm, aber wenn du das trotzdem schaffst, kannst du stolz auf dich sein.
      Wie gesagt aber zuerst alleine Zuhause bis du dir selbstsicher genug bist. Und auch nur dann wenn du Lust und Drang verspürst. Zb wenn du frustriert und sauer auf was bist wie solche Leute.
      Man kann sich selbst "Programmieren". Ich habe mich von damals , einem ungeschickten, Lappenhaften Typen mit 63 kilo bei 1,80 zu einem 82 kilo Mann mit Sixpack hochtrainiert. Über 28 Jahre lang, wohlgemerkt. Viel Stagnation und Frust, aber das haben andere auch. Egal, weitermachen.
      Mich macht auch schon lange keiner mehr doof an.

      Ich finde, das war es Wert. Ich denke, ich kann heute ohne Angst und Unbehagen allein durch eine dunkle Gasse gehen, was damals keinesfalls so war.
      Bedenke!
      Wie ich oben schon schrieb, ich wurde damals in der Schule gemobbt und von Schülern wie Lehrern geschlagen (in den 80ern), auf dem Nachhauseweg abgepasst und geschubst, mal von Rad geschubst usw... Das brennt heute noch im Kopf und spornt mich an! Never again!

      Hoffe dich etwas aufgebaut und motiviert zu haben.
      - Starke Begeisterung für Form, Farbe und Struktur.
      - Lost Places Fotografie. In stillgelegten Gebäuden herrscht eine vergleichslose, meditative Ruhe.

      Hier eine kleine Auswahl meiner Werke, die über die Jahre entstanden sind.

      deviantart.com/mind-eversion

      The post was edited 1 time, last by Oli73 ().

    • kikilino wrote:

      Schlußendlich geht es immer wieder um das selbe. Ich denke, wenn man das mal gewuppt hat, dann kann das Leben/Erleben kommen. :)
      @kikilino

      Was meinst du damit, dass es schlussendlich immer wieder um das selbe geht?


      Louveteau wrote:

      > Dh wir machen von Anfang an die Sachen "richtiger", haben die Worte "besser" verstanden und werden dafür angemault / angemotzt. Das sorgt für fehlendes Schuldbewusstsein in dem Bereich -> man traut sich gar nicht erst zu, etwas zu überschauen ohne Regeln.
      :| Das trifft meim Empfinden ziemlich gut und so hatte ich mich noch kaum getraut, es auszudrücken, aber im Grunde empfinde ich ähnlich. Aus der Sicht eines Menschen mit ASS und meiner Meinung nach auch aus objektiver Sicht verstehen Autisten die Dinge im Prinzip "näher am faktischen Kern dran" (ich möchte das "richtiger" lieber nicht in den Mund nehmen, weil es als wertend ausgelegt werden könnte). Ein "richtiger", wenn man nur die harten Fakten betrachtet. Autisten halten Ehrlichkeit hoch (was einem auch oft als Kind gesagt wird, dass man ehrlich sein soll. Aber dann kommt die Anforderung, dass man sozial lügen soll. :yawn: Kurz vorher hat man gelernt, dass "Lügen" böse sind. Ja, was denn nun? :? Ich will mich an 100% "nicht lügen" halten, wenn der Grundsatz lautet, dass lügen nicht gut ist. Dann soll man aber stattdessen nur in 80% der Fälle ehrlich sein oder nur zu 98% ehrlich. Diese Denkweise ist doch weiter weg vom Kern. :| )
      Genauso wie mit dem wörtlich nehmen und vermutlich noch vielen anderen Dingen.

      Und genau diese Diskrepanz versetzt mich in Ohnmacht. Dass ich, obwohl ich der Meinung bin, es von den Grundsätzen her doch "korrekter oder konsistenter befolgt zu haben", ständig damit gegen die Wand laufe oder eins auf den Deckel kriege dafür (RW) und nicht wirklich verstehen kann, warum. Nun habe ich viel gelesen was NT so erwarten und tun, aber ich finde es dennoch in vielen Fällen nicht logisch, weil ich das Soziale nicht so hoch halte.

      Obwohl sich die Regeln da als nicht wirklich durchschaubar erwiesen haben (bzw. deren Anwendung, weil es immer zig Ausnahmen von der Regel gibt), scheint man sich als Aspie wohl dennoch weiterhin an diese Regeln zu klammern. Das ist ja ein Teufelskreis. :(

      Es scheint einfach die Orientierung zu fehlen, weil diese Regeln nicht durchschaubar sind nach meiner Logik und leider eine andere Logik in der Welt gilt, die Dinge mit einbezieht, die mir nicht so wichtig sind. :|

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • kikilino wrote:

      .nun, dann geht es darum etwas zu finden, was das mildert, oder?
      Was meinst du, was ich seit zig Jahren tue? Mit Therapien, mit Ressourcen, mit Reflektion, mit Freunden, mit Büchern, mit Hobbies, mit natur, mit Meditation, mit xy.....es sitzt tiefer.
      Es ist verschachtelt. Trotz vieler Aufdröselei.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Louveteau wrote:

      Man kann aber auch immer gerne genauer ausführen, was man wie warum meint. Ein Forum (noch dazu mit Autisten ^^) ist nicht dafür geeignet wie im Chat hin- und herzuschreiben und Smalltalk zu halten mit Kurznachrichten, die mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten.

      (Nicht böse gemeint.)
      Ja.

      thelord wrote:

      Die Frage ist dann, ob man mit der Angst, die dahinter steckt, dann auch klarkommt. Denn das Problem steckt ja auch darin, dass einem die Bewältigungsstrategien fehlen.
      Ja. Oder alle vorgeschlagenen und versuchten greifen einfach nicht oder nur zu kurz.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • kikilino wrote:

      @Lefty: wäre schön, wenn Du mal aus deinem Kampfmodus raus kommen würdest. Es nervt auf die Dauer einfach nur. ;)
      @kikilino
      Ich empfinde deine Art der Kommunikation als nicht angemessen. :thumbdown: Wenn dich hier etwas nervt, zwingt dich niemand, das zu lesen. Du vertrittst des Öfteren die Meinung, dass jeder in seinem Tempo und zu seiner Zeit die Dinge angehen soll und dann reagierst du aber genervt, weil @Lefty auf ihrer eigenen Entwicklungsstufe steht und Dinge tut, die dir nicht passen. Das finde ich nicht in Ordnung.

      Durch die Zeilen konnte man erkennen, dass es dich wurmt, wie hier über NT gesprochen wird, weil du dich dadurch angegriffen fühlst. Das kann ich zwar nachvollziehen, aber ich finde das (diverse Beiträge siehe oben von dir) keine angemessene Reaktion auf deine vermutlich verletzten Gefühle.

      Das geht doch auch anders, oder? ;)

      The post was edited 3 times, last by FruchtigBunt ().

    • thelord wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Lefty wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Kann es sein, dass Autisten diese herkömmlichen (sozialen) Rituale nicht ausreichen, um das Gefühl zu bekommen, Kontrolle zu haben? Falls ja, woran liegt das?
      Für Autisten ist die Welt viel weniger überschaubar als für die meisten Menschen. Deshalb konzentriert man sich auf viele kleine Bereiche, die man überschauen und kontrollieren kann.Man muss nicht mal sagen, "die Welt" - es betrifft alle möglichen Bereiche, ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll.
      Aber woran liegt das, dass die Welt weniger überschaubar für Autisten ist und somit auch weniger kontrollierbar wirkt und sie deshalben evtl. durch rigide Maßnahmen (wie z. B. "sich reinsteigern") versuchen, Überblick und Kontrolle zurückzuerlangen?Liegt das an der Reizfilterschwäche und somit Reizüberflutung oder an der fehlenden zentralen Kohärenz und teils schlechten Theory-of-mind? Ehrlich gesagt finde ich diese "Erkrankung" (was es ja offiziell nicht ist) ziemlich krass, weil sie so an den Grundfesten des Lebens rüttelt. "Behandelt" wird aber meist nur mit so simplen Dingen wie Konditionierung und Verhaltenstherapie. Ich frage mich, ob das sinnvoll sein kann. :roll:

      Meiner Meinung nach müsste man an die Angst dahinter rankommen (falls die wirklich auch bei anderen Autisten dahintersteckt und es nicht nur bei mir so ist, dass die Kontrollmaßnahmen und Spezialinteressen etc. aus dieser Angst resultieren, die daher kommt, dass ich wegen meiner Hirnverschaltungen glaube, keinen Überblick und keine Kontrolle über die Welt zu haben).
      Die Frage ist dann, ob man mit der Angst, die dahinter steckt, dann auch klarkommt. Denn das Problem steckt ja auch darin, dass einem die Bewältigungsstrategien fehlen.
      Ja. So lange einem die Bewältigungsstrategien fehlen ist das "sich reinsteigern" aus der eigenen Sichtweise wohl die bestmögliche Bewältigungsstrategie. Ich hätte auch gerne andere Strategien. Die große Frage für mich ist: "Wo gibt es die?" :|
    • FruchtigBunt wrote:


      Louveteau wrote:

      > Dh wir machen von Anfang an die Sachen "richtiger", haben die Worte "besser" verstanden und werden dafür angemault / angemotzt. Das sorgt für fehlendes Schuldbewusstsein in dem Bereich -> man traut sich gar nicht erst zu, etwas zu überschauen ohne Regeln.
      [...]

      Obwohl sich die Regeln da als nicht wirklich durchschaubar erwiesen haben (bzw. deren Anwendung, weil es immer zig Ausnahmen von der Regel gibt), scheint man sich als Aspie wohl dennoch weiterhin an diese Regeln zu klammern. Das ist ja ein Teufelskreis. :(

      Es scheint einfach die Orientierung zu fehlen, weil diese Regeln nicht durchschaubar sind nach meiner Logik und leider eine andere Logik in der Welt gilt, die Dinge mit einbezieht, die mir nicht so wichtig sind. :|
      Ich wundere mich gerade, dass du trotz des komischen Zeugs (Worte) von mir tatsächlich genau verstanden hast, was ich meinte. Wir scheinen da also echt ähnlich zu empfinden.

      Ich denke, einige Autisten klammern sich an soziale Regeln und Grüßen dann zB immer zu 100 % jeden außer in absoluten Ausnahmefällen vielleicht. Einige Autisten ignorieren die aber zB oder passen sich an, ohne "zu übertreiben" (Kompensation). Ich gehöre eher zu den Leuten. Ich kann sogar teilweise ganz gut im Miteinander. Aber wenn ich rauskomme, helfen mir kleine Sachen, die ich dann auch machen muss. Also zB auf dem richtigen Stuhl sitzen bzw im richtigen Winkel zur anderen Person oder sowas.
      Wobei ich wahrscheinlich auch einfach eher weniger Regeln im direkten Kontakt habe sondern insgesamt im Miteinander - zB was man machen "darf", wenn man sich mal trifft und was nicht.
    • Oli73 wrote:

      ... ich kann heute ohne Angst und Unbehagen allein durch eine dunkle Gasse gehen, was damals keinesfalls so war.

      Das kann ich heute auch, obwohl es sehr, sehr lange gedauert hat, bis ich soweit war. Und es ist keine Frage der Körperkraft, sondern eine Frage der Körpersprache und des Selbstbewusstseins.

      Ich habe mal in einem Internetcafé gearbeitet, da war ein "hartes" Publikum und vor allem nachts habe ich ständig mit einem Überfall gerechnet 8o x( , aber, so furchtbar es dort war, dort habe ich gelernt, mich durchzusetzen, wie ich überhaupt jede positive Entwicklung in meinem Leben nur auf die harte Tour bekam.

      Dass 'sich panisch in etwas hineinsteigern', habe ich zum Glück hinter mir gelassen, seit ich in Frührente bin, werde ich sozusagen täglich ruhiger, aber in den ersten ca. zwei Jahren nach der Verrentung, war ich noch genau so "aufgedreht", wie zuvor, erst dann setzte langsam der 'Beruhigungsprozess' ein. :)
      PER ASPERA AD ASTRA
      SAORSA AIRSON NA STARS
    • Louveteau wrote:


      Ich denke, einige Autisten klammern sich an soziale Regeln und Grüßen dann zB immer zu 100 % jeden außer in absoluten Ausnahmefällen
      vielleicht.
      Das Problem mit dem "Grüßen" hatte ich z. B. auf meiner Arbeitsstelle. Mir hatte mein Chef "beigebracht", dass ich alle Mitarbeiter auf der Arbeit grüßen soll. Dieser Tipp hatte mir sogar geholfen, weil ich vorher nicht recht wusste, wie ich mich verhalten soll, wenn mir ein Mitarbeiter/in in der Firma begegnete. Ab da hatte ich dann sozusagen eine Anleitung was in einem solchen Fall zu tun ist. Fortan habe ich dann immer höflich gegrüßt. (Dabei ist mir auch manchmal passiert, dass ich eine Person zweimal hintereinander innerhalb von 10 Minuten gleich gegrüßt habe, also ich habe beim zweiten Mal dann so reagiert wie beim ersten Mal und den Gruß nicht variiert, was man wohl auch nicht macht, aber das wusste ich da nicht. Beim zweiten Mal sehen kann man sich dann wohl auch einfach nur zunicken. :oops: Ich hatte aber teilweise nicht mal erkannt, dass das die selbe Person war, die ich vor fünf Minuten schonmal gegrüßt hatte. :m(: )
      Ein Großteil der Menschen hat auch mehr oder weniger freundlich zurückgegrüßt. Es kam aber auch vor, dass jemand das Grüßen nicht erwidert hat, worauf ich immer stinkesauer wurde und mich dann stundenlang damit beschäftigt habe, warum die Person nicht gegrüßt hat, obwohl das doch so gemacht werden sollte. x( Ich empfand das dann immer als vollkommen respektlos, da ich wohl davon ausging, dass die Regel nun ja allesn bekannt sein müsste und sicih somit auch jeder dran zu halten hätte. :|

      Das Problem ist, dass ich, wenn ich mal eine Regel akzeptiert habe, nur ganz schwer irgendwelche Ausnahmen zulassen kann bzw. oft auch nur dann, wenn ich die Ausnahmen auch verstehen kann. Wenn mir jemand erkärt, dass man sich beim zweiten Mal sehen an einem Tag nur noch zunicken braucht oder irgendwas Lustiges sagt, dann kann ich das entsprechend auch anwenden (da ist es sogar egal, ob ich die Logik dahinter verstehe). Bis ich das mitbekommen hatte, habe ich aber einfach alle und wiederholt hintereinander gleich gegrüßt. Das war einfach "die Aufgabe". Ich habe das nicht den Mitarbeitern zuliebe gemacht, sondern weil in meinem Programm abgespeichert war, dass man das so tut.
      Vermutlich habe ich auch deshalb immer nur gegrüßt und bin nie auf die Idee gekommen irgendwas mit den Leuten groß zu sprechen.
    • FruchtigBunt wrote:

      thelord wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Lefty wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Kann es sein, dass Autisten diese herkömmlichen (sozialen) Rituale nicht ausreichen, um das Gefühl zu bekommen, Kontrolle zu haben? Falls ja, woran liegt das?
      Für Autisten ist die Welt viel weniger überschaubar als für die meisten Menschen. Deshalb konzentriert man sich auf viele kleine Bereiche, die man überschauen und kontrollieren kann.Man muss nicht mal sagen, "die Welt" - es betrifft alle möglichen Bereiche, ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll.
      Aber woran liegt das, dass die Welt weniger überschaubar für Autisten ist und somit auch weniger kontrollierbar wirkt und sie deshalben evtl. durch rigide Maßnahmen (wie z. B. "sich reinsteigern") versuchen, Überblick und Kontrolle zurückzuerlangen?Liegt das an der Reizfilterschwäche und somit Reizüberflutung oder an der fehlenden zentralen Kohärenz und teils schlechten Theory-of-mind? Ehrlich gesagt finde ich diese "Erkrankung" (was es ja offiziell nicht ist) ziemlich krass, weil sie so an den Grundfesten des Lebens rüttelt. "Behandelt" wird aber meist nur mit so simplen Dingen wie Konditionierung und Verhaltenstherapie. Ich frage mich, ob das sinnvoll sein kann. :roll:
      Meiner Meinung nach müsste man an die Angst dahinter rankommen (falls die wirklich auch bei anderen Autisten dahintersteckt und es nicht nur bei mir so ist, dass die Kontrollmaßnahmen und Spezialinteressen etc. aus dieser Angst resultieren, die daher kommt, dass ich wegen meiner Hirnverschaltungen glaube, keinen Überblick und keine Kontrolle über die Welt zu haben).
      Die Frage ist dann, ob man mit der Angst, die dahinter steckt, dann auch klarkommt. Denn das Problem steckt ja auch darin, dass einem die Bewältigungsstrategien fehlen.
      Ja. So lange einem die Bewältigungsstrategien fehlen ist das "sich reinsteigern" aus der eigenen Sichtweise wohl die bestmögliche Bewältigungsstrategie. Ich hätte auch gerne andere Strategien. Die große Frage für mich ist: "Wo gibt es die?" :|
      In uns?

      FruchtigBunt wrote:

      Louveteau wrote:

      Ich denke, einige Autisten klammern sich an soziale Regeln und Grüßen dann zB immer zu 100 % jeden außer in absoluten Ausnahmefällen
      vielleicht.
      Das Problem mit dem "Grüßen" hatte ich z. B. auf meiner Arbeitsstelle. Mir hatte mein Chef "beigebracht", dass ich alle Mitarbeiter auf der Arbeit grüßen soll. Dieser Tipp hatte mir sogar geholfen, weil ich vorher nicht recht wusste, wie ich mich verhalten soll, wenn mir ein Mitarbeiter/in in der Firma begegnete. Ab da hatte ich dann sozusagen eine Anleitung was in einem solchen Fall zu tun ist. Fortan habe ich dann immer höflich gegrüßt. (Dabei ist mir auch manchmal passiert, dass ich eine Person zweimal hintereinander innerhalb von 10 Minuten gleich gegrüßt habe, also ich habe beim zweiten Mal dann so reagiert wie beim ersten Mal und den Gruß nicht variiert, was man wohl auch nicht macht, aber das wusste ich da nicht. Beim zweiten Mal sehen kann man sich dann wohl auch einfach nur zunicken. :oops: Ich hatte aber teilweise nicht mal erkannt, dass das die selbe Person war, die ich vor fünf Minuten schonmal gegrüßt hatte. :m(: )Ein Großteil der Menschen hat auch mehr oder weniger freundlich zurückgegrüßt. Es kam aber auch vor, dass jemand das Grüßen nicht erwidert hat, worauf ich immer stinkesauer wurde und mich dann stundenlang damit beschäftigt habe, warum die Person nicht gegrüßt hat, obwohl das doch so gemacht werden sollte. x( Ich empfand das dann immer als vollkommen respektlos, da ich wohl davon ausging, dass die Regel nun ja allesn bekannt sein müsste und sicih somit auch jeder dran zu halten hätte. :|

      Das Problem ist, dass ich, wenn ich mal eine Regel akzeptiert habe, nur ganz schwer irgendwelche Ausnahmen zulassen kann bzw. oft auch nur dann, wenn ich die Ausnahmen auch verstehen kann. Wenn mir jemand erkärt, dass man sich beim zweiten Mal sehen an einem Tag nur noch zunicken braucht oder irgendwas Lustiges sagt, dann kann ich das entsprechend auch anwenden (da ist es sogar egal, ob ich die Logik dahinter verstehe). Bis ich das mitbekommen hatte, habe ich aber einfach alle und wiederholt hintereinander gleich gegrüßt. Das war einfach "die Aufgabe". Ich habe das nicht den Mitarbeitern zuliebe gemacht, sondern weil in meinem Programm abgespeichert war, dass man das so tut.
      Vermutlich habe ich auch deshalb immer nur gegrüßt und bin nie auf die Idee gekommen irgendwas mit den Leuten groß zu sprechen.
      Die Frage ist ja, warum man sich regelrecht an Regeln "klammert"
      Nobody expects the spanish inquisition!
    • @Humorist... Du sagst also, andere Körpersprache kann man lernen? ..
      Ich dachte, dass eben KörperSprache verrät , was wirklich in einem los ist auch wenn man sich äußerlich etwas antrainiert.
      Oder hast du dich zugleich von innen heraus verändert?

      Mehr innere Ruhe statt reinsteigern finde ich echt erstrebenswert.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • hm.... Mit meinem mimimi meine ich auch... sogar sich weniger zu trauen als früher. .Wo es noch unbefangener abging und ausprobiert wurde.

      Wann das wandelte, habe ich noch nicht ganz heraus bekommen.
      Ausser evtl die eine lange Dissozierung in und nach Körperthera.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Linnea wrote:

      @Humorist... Du sagst also, andere Körpersprache kann man lernen? ..
      Ich dachte, dass eben KörperSprache verrät , was wirklich in einem los ist auch wenn man sich äußerlich etwas antrainiert.

      Das ist ja das Erstaunliche an der Körpersprache :o , sie kann verräterisch sein, aber wenn man sie bewusst einsetzt, kann man mit ihr auch Andere manipulieren :nod: .

      Beispiel:

      In diesem Internet-Café hat mich mal jemand bedroht, weil er der Ansicht war, dass ihm noch 10 Minuten am PC zustünden, ich habe ihn * äusserlich * 'eiskalt' angekuckt und gesagt, der PC irrt sich nicht, HAST DU DAS VERSTANDEN :x , während ich * innerlich * gezittert habe und fast in die Hose gemacht hätte :oops: , aber er liess sich tatsächlich einschüchtern :d und als ich zum fünften, oder zehnten mal, in so einer Situation war, da lief meine Reaktion fast automatisch ab, ich machte mir innerlich nicht mehr in die Hose und irgendwann hatte ich die äusserliche Maske derart verinnerlicht, dass ich aus meinem Inneren heraus so selbstbewusst auftreten konnte.

      Salopp gesagt also, es ist alles eine Frage der Übung. :)
      PER ASPERA AD ASTRA
      SAORSA AIRSON NA STARS
    • Linnea wrote:

      okee. ...Mal gucken was ich üben möchte

      Wie gesagt, es ist nicht einfach und erfordert auch viel Geduld und den unbedingten Willen, es zu schaffen und ich wünsche Dir dafür viel Erfolg und drücke Dir alle mir gerade zur Verfügung stehenden Daumen, ich gucke mal, ja, zwei sind's. :d :)
      PER ASPERA AD ASTRA
      SAORSA AIRSON NA STARS