Sprüche, auf die man gerne verzichtet hätte

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    • kastenfrosch wrote:

      Fachmensch (autodidaktisch Autismusfakten gelernt, keine Fortbildung besucht, "meint es gut"):

      "Ich behandel Sie wie einen Menschen" (und pack Sie nicht in Kathegorien)
      Kann sein, dass ich gerade auf dem Schlauch stehe (RW), aber ich begreife die Problematik hinter diesem Satz nicht.

      Ich hatte ihn so verstanden, dass es dabei darum ging Dich als Mensch aufgrund Deiner ASS nicht abzuwerten, sondern genauso wertzuschätzen wie jeden anderen Menschen auch.
      Vielleicht wurde das einfach nur gesagt, weil viele Leute Menschen die anders sind ausgrenzen und abwerten und die Person extra betonen wollte, dass das bei ihr nicht so ist und sie Dich so annimmt wie Du bist.

      Der Satz wäre dann in etwas so gemeint: "Bezüglich meiner Wertschätzung Ihnen gegenüber spielt es keine Rolle, ob sie ins Austismusspektrum fallen. Deshalb packe ich Sie nicht in eine Kategorie, sondern behandle Sie einfach respektvoll, wie es jeder Mensch verdient."

      Das muss aber nicht bedeuten, dass die Person Dein ASS nicht akzeptiert und Deine dadurch verursachten Probleme oder Deinen allgemeinen Charakter nicht anerkennt.
    • In unserer Sprache ist jemanden "menschlich" behandeln ja auch gleichbedeutend mit jemanden gut und anständig zu behandeln...
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Wenn jemand einen anderen menschlich behandelt, dann spürt der das, dann sind solche Sätze unnötig.
      Wenn nicht, wird gerne behauptet, das was gemacht wird, sei "menschlich"

      Genauso, wie ein Lügner empört ist, wenn man ihn der Lüge bezichtigt ud behauptet ehrlich zu sei, und wieGewalttäter, die behaupten, provoziert worden zu sein und/oder sich nur gewehrt zu haben, Fremdgeher, die sagen, dass ihnen Treu wichtig sei - ja, die der anderen.......

      Gegen solche hat man dann auch sachlich argumentativ keine Chance, entweder wird abgestritten, oder irgendwas herangezogen, das als Beispiel dient für "DU bist so" oder auf einen Nebenthema gewechselt - am Ende steht man immer als dder Dumme, Schlechte, Unfähige da, der mal wieder angeblich den anderen nicht versteht bzwnicht verstehen will.

      Bei solchen Menschen sind die Fragen, die man sich stellt die Antworten. Nur dass DIE hier nie bestätigen würden.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Matou wrote:

      Merkwürdig nur, dass man es dann extra dazu sagen muss. Genauso unheimlich wie: "Ich sag dir ganz ehrlich..."
      "Ich sag dir ganz ehrlich..." ist eine Einleitung mit der Bedeutung: "Bitte nimm es mir nicht krumm, wenn ich gleich etwas sage, wovon du dich beleidigt oder provoziert fühlen könntest. Ich sage es nicht, um dich zu verletzen, sondern weil ich glaube, dass es wirklich hilfreich für dich ist, wenn dir das jemand mal so ganz ehrlich sagt (bzw. in anderen Fällen, dass es hilfreich / sinnvoll für die Situation ist, das so ehrlich zu äußern)."

      Für Autisten, die dazu tendieren ohnehin immer "ganz ehrlich" zu sein, mag es zweifellos seltsam wirken, eine solche besonders hohe Ehrlichkeit erst noch ankündigen zu müssen. Aber NTs sind halt oft sehr strategisch in ihren Äußerungen. Natürlich kann man aber auch oben genannte Formulierung nutzen, um jemanden auf besonders heimtückische, versteckte Art zu verletzen. In dem Fall war es nicht unbedingt tatsächlich ehrlich.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • @Thajanu

      Was du schreibst, ist auch (glaube ich), das, was die person denkt /denken will. Sie ist sehr bemüht. Aber trotzdem funktioniert es nicht. sie versteht mich einfach nicht richtig und bleibt in gewisser weise an der oberfläche (ich weiß nicht, wie ich das gut erklären kann). es fehlt das tiefergehende verständnis vom autismus. Da sie so bemüht ist, habe ich auch hemmungen sie zu "kritisieren". ich habe schnell gemerkt, dass wenn es mir schlecht geht, sie mir nicht helfen kann weil wir nicht aneinander "andocken", ich muss immer mitdenken, was sie meint. ich habe nicht das gefühl, da aufgefangen zu sein. das ist wahrscheinlich auch eine sache der "chemie". Aber alle sagten zu mir, man müsse sich erstmal kennelernen und aufeinander einstellen usw.... Da sie das "autistische denken" nicht versteht, versteht sie meine kritik auch nicht wirklich, denn sie kennt den unterschied nicht (bzw. unterschätzt ihn völlig). mit diesem mensch-satz geht sie über das eigentliche problem hinweg.
    • Das was du beschreibst trifft auf den überwiegenden Teil der Menschheit zu. Selbst wenn man sich noch so sehr um Erklärungen bemüht, wirklich verstanden wird man als Autist von den Wenigsten. Das ist das Tragische.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ich wurde mal von einem älteren Herrn gestalkt quasi. Er fühlte sich in meiner Umgebung irgendwie jünger und war deshalb immer in meiner Nähe und hat auch komische Sachen gemacht. Niemals angefasst oder so, aber schon ziemlich belastend.

      Ich hatte niemanden mit dem ich darüber sprechen konnte, also habe ich es zuhause am Abendbrotstisch getan.

      “So of wie du darüber sprichst, scheint es dir ja zu gefallen, dass du endlich mal Aufmerksamkeit von jmd bekommst“. :cryforjoy:
      Wegen solcher Dinge erzähle ich meinen Eltern nichts mehr.
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Durkadenz wrote:




      “So of wie du darüber sprichst, scheint es dir ja zu gefallen, dass du endlich mal Aufmerksamkeit von jmd bekommst“. :cryforjoy:
      Wegen solcher Dinge erzähle ich meinen Eltern nichts mehr.
      So oft, wie du darüber gesprochen hattest, so oft hat es dich belastet, war also sehr ernst zu nehmen.
      Aber ich kenne solche Reaktion auch.
      Ich glaube, es liegt daran, dass man es oft, aber nicht mit der passenden Emotion erzählt. Nicht die Häufigkeit, sondern die Art der Aussage wird ernst genommen.
      Mir brachte das schon 2 x ernsthafte Komplikationen ein, weil ich zwar oft beim Arzt war und immer wieder darauf hinwies. Hinterhier hiess es, ich habe nicht richtig gesagt, wie schlimm es war.
    • tip wrote:

      So oft, wie du darüber gesprochen hattest, so oft hat es dich belastet, war also sehr ernst zu nehmen.Aber ich kenne solche Reaktion auch.
      Ich glaube, es liegt daran, dass man es oft, aber nicht mit der passenden Emotion erzählt. Nicht die Häufigkeit, sondern die Art der Aussage wird ernst genommen.
      Mir brachte das schon 2 x ernsthafte Komplikationen ein, weil ich zwar oft beim Arzt war und immer wieder darauf hinwies. Hinterhier hiess es, ich habe nicht richtig gesagt, wie schlimm es war.
      Wenn ich aus der Schule erzählt habe kam auch nur ein: “wir wollen es nicht mehr hören“. Aber wovon sollte ich sonst erzählen? Ich kann nichts dafür dass meine Schulzeit nicht märchenhaft war und ich nicht jeden Abend die tollsten Sachen erzählt habe :roll:

      Bei Ärzten kann ich mich aber auch nicht durchsetzen. Mir wird nicht geglaubt, weil ich nicht genug leide. Weil ich ja schon seit 10 Jahren Schmerzen habe, können die ja nicht so schlimm sein...
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • "Stell Dich nicht so an!" Der Dauerbrenner.
      "Die anderen machen das alle auch."
      "Musst Du alles immer so kompliziert machen?"
      "Guck nicht immer so böse!" Das ist nicht böse, das ist neutral.
      "Du musst mehr unter die Leute gehen. Kein Wunder, dass Du so komisch bist."
      "Lesen kannst Du auch bei schlechtem Wetter."

      Ich bin gerade auf die Unterstützung meiner Eltern bei der Diagnostik angewiesen. Plötzlich bin ich vollkommen normal, hatte als Kind viele Freunde (WTF?) und war sehr kontaktfreudig. Man möchte brechen.
    • Hush wrote:

      hatte als Kind viele Freunde (WTF?) und war sehr kontaktfreudig
      Ich würde mir das an deiner Stelle von deinen Eltern mal näher beschreiben lassen. Meine Mutter sagte über mich auch erst "Du warst ein ganz normales Kind, du hast mit anderen Kindern gespielt und hattest Freunde" und als ich nachfragte, sagte sie dann "Du hattest einen Freund in der Grundschule und wenn wir irgendwo waren, hast du dich nach einer Eingewöhnungszeit von 3 Stunden oder so auch auf Kontakt eingelassen. Und du hattest Interesse an anderen Kindern, schließlich hast du sie ja manchmal beobachtet". Dass das nicht "normal" ist, kam ihr gar nicht in den Sinn :d
    • Hush wrote:




      Ich bin gerade auf die Unterstützung meiner Eltern bei der Diagnostik angewiesen. Plötzlich bin ich vollkommen normal, hatte als Kind viele Freunde (WTF?) und war sehr kontaktfreudig. Man möchte brechen.
      Es gibt in einem anderen Thread eine große Sammlung über dieses Thema. Ich finde ihn nur grade nicht. Aber mit dem Problem bist du definitiv nicht alleine
      Ich kann gut Mitmenschen umgehen
    • Matou wrote:

      @Lex: Merkwürdig nur, dass man es dann extra dazu sagen muss. Genauso unheimlich wie: "Ich sag dir ganz ehrlich..."
      ich hätte bestimmt zurückgefragt : "Wie sonst wollen Sie mich behandeln ? De facto gehöre ich zur Spezie Mensch."
      ( solche Sätze wurden bei mir dann als Hinweis auf Psychose gedeutet - also Vorsicht damit, was man zu "Fachpersonen" sagt.....)

      Noch ein schöner Satz aus meinem Elternhaus:

      "Ich würde dich so gerne mal loben, aber ich wüßte nicht für was. "
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Durkadenz wrote:

      Bei Ärzten kann ich mich aber auch nicht durchsetzen. Mir wird nicht geglaubt, weil ich nicht genug leide. Weil ich ja schon seit 10 Jahren Schmerzen habe, können die ja nicht so schlimm sein...
      Meiner Betreuerin ist aufgefallen, dass ich 'zu sachlich' über meine Schmerzen spreche und auch den Leidensdruck 'zu sachlich' beschreibe. Resultat: Der Schmerztherapeut, bei dem ich die letzten Monate war, meinte: "Versuchen Sie die Schmerzen zu ignorieren, das kann man lernen. Und wenn man nicht daran denkt, geht es einem auch besser."
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Leseratte wrote:

      Durkadenz wrote:

      Bei Ärzten kann ich mich aber auch nicht durchsetzen. Mir wird nicht geglaubt, weil ich nicht genug leide. Weil ich ja schon seit 10 Jahren Schmerzen habe, können die ja nicht so schlimm sein...
      Meiner Betreuerin ist aufgefallen, dass ich 'zu sachlich' über meine Schmerzen spreche und auch den Leidensdruck 'zu sachlich' beschreibe. Resultat: Der Schmerztherapeut, bei dem ich die letzten Monate war, meinte: "Versuchen Sie die Schmerzen zu ignorieren, das kann man lernen. Und wenn man nicht daran denkt, geht es einem auch besser."
      @Durkadenz @Leseratte

      Das stimmt auch. Aber eben nicht immer.
      Beides muss in Betracht gezogen werden. Organische bzw. körperliche Erkrankung oder Schmerz durch Fehlbelastung - körperlich oder psychisch. Und beides kann sich auch gegenseitig bedingen.

      Für jeden Schmerz muss die Ursache gefunden werden. Nur Wegdenken funktioniert nicht.
    • Rhianonn wrote:

      ( solche Sätze wurden bei mir dann als Hinweis auf Psychose gedeutet .....)
      Ja, auf das könnte es bei mir ebenso hinauslaufen. Kurz danach wäre wahrscheinlich wieder ein Arzt/Therapeut am Schreien...

      Immer noch - trotz vernümpftiger Erklärung von @Lex - bleib ich misstrauisch, wenn es jemand besonders ehrlich mit mir meint.

      Misstrauisch in einer Umgebung, wo ich bereits genügend schlechte Erfahrungen gesammelt habe, sind die wenigsten meiner Arzt-Termine erfolgreich. Holz klopfen, dass ich noch eine Weile fit bleib, dann erübrigt sich das zum Glück.