Positives & negatives Denken VS realistisches Denken

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    • Positives & negatives Denken VS realistisches Denken

      Von einem negativen und positiven Denken halte ich wenig, da beide, vorallem das "positive" Denken, eine
      Art Illusion bzw. einen eigenskreirten, verzerrten bzw. manipulierten Zustand der Wahrnehmung darstellen.

      Ich weiß zwar, dass in der Psychologie das positive Denken hochangepriesen wird, in Bezug auf Leistung und Erfolg in diversen Lebensbereichen, aber:
      Mich regt es jedesmal auf, wenn Leute sagen, "denk doch mal positiv".


      Ich denke weder positiv noch negativ, sondern rational, rein logisch und realistisch. Das ist quasi die goldene Mitte.


      Diese Denkweise bewegt sich wie ich vermute innerhalb eines "Spektrums", dessen Komponenten unter anderem auch die positiven und negativen Denkweisen sind, aber das ist eben nicht alles.
      Die Art und Weise des Denkens kann auch irgendwo dazwischen liegen, oder vielleicht noch weit über dem was als lediglich positiv oder negativ bezeichnet wird, z.B. extremes negatives Denken, das bis hin zu Suizidgedanken oder Realitätsverlust bei übersteigertem positiven/negativen denken(?) geht. Man muss also allgemein von einem möglichen "Realitätsverlust" ausgehen.
      Realistisches Denken wandelt sich, situativ und je nach Zustand bzw. Befinden und der eigenen Wahrnemung.
      In diesem Sinne ist es ein eigenskreirter Prüfprozess, der mit Hilfe mehrerer Kriterien, basierend auf Erfahrungen, urteilt.

      Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Wenn man dauerhaft immer nur alles mögliche überidealisieren würde(also positiv denkt) und sei die Lage noch so unangenehm, aussichtslos, verzwickt, dämlich und was auch sonst noch, dann belügt man sich(und gegebenfalls auch andere) doch eigentlich selbst, oder?
      Also eine Situation, welche man unter dem Einfluss realistischer Denkweise schon längst verlassen hätte, gehandelt/reagiert etc, es aber aufgrund positiven oder negativen Denkens nicht tut.

      In diesem Sinne wäre ist das eine übertriebene Idealisierung gewisser Dinge/Umstände und bewusste Selbstmanipulation um diese anders wahrzunehmen.

      Ich verstehe, dass positives Denken in verschiedenen Lebenslagen dem Einzelnen behilflich sein soll, optimistischer zu werden, aber ich verzichte gerne.
      Einzig schon weil ich weiß, dass es eigentlich nichts weiter als gezielte Eigenmanipulation ist.
      Das würde einen eventuell zu einem anderen Menschen machen, die Konsequenzen sind dabei nur schwer einschätzbar..


      Ich bin bei weitem kein Psychologe oder sowas und verfüge nur über sehr wenige Kenntnisse aus diesem Bereich.
      All das sind Dinge, die ich mir durch Selbstanalyse oder Beobachtung und für mein Verständnis, sinngemäß herleite.
      Ich kann es nicht einmal wirklich als Wissen bezeichnen, viel mehr als ein Theoretisieren, da dies größtenteils meine eigenen Annahmen sind.

      The post was edited 3 times, last by Tri ().

    • Ich würde das positive Denken nicht so ganz schlecht beurteilen.
      Sich selber was vormachen und Sachen besser darstellen als sie sind, finde ich auch nicht sinnvoll.

      Aber ich könnte mir vorstellen, dass positives Denken nützlich sein kann, wenn man z.B. etwas erlebt hat, was positive und negative Aspekte hat. Manche Leute sehen dann nur das Negative, und da finde ich es nützlicher, das Positive zu sehen oder zumindest nicht auszublenden, auch wenn es nicht als erstes "ins Auge springt". So kann man vielleicht mit Pleiten, Pech und Pannen im Leben besser umgehen. Es ist dann sogar realistischer als die übliche negative Sichtweise. Das Positive zu sehen, geht halt oft nicht automatisch, sondern muss erarbeitet werden, aber es ist da, real, es ist nicht so, dass man es sich erst "herbeidenken" muss.

      Ich glaube, dass positives Denken auch einfach eine Art Grundhaltung sein kann, die einem das Leben nicht so düster erscheinen lässt. Es beinhaltet auch, sich nicht von negativen Mantras wie "ich mache immer alles falsch" oder "bei mir funktioniert eh nie was" und "war ja klar, dass bei mir nie irgendwas gut geht" beherrschen zu lassen. Solche Gedanken kommen meistens ganz von selbst, ohne dass man sie denken will, sie sind einfach da. Wenn man sich konzentriert und übt, mehr positive Sachen zu denken, dann kann man daran eventuell etwas ändern.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Sich selbst zu belügen ist das Gegenteil von positiven Denken, und es hat auch den gegenteiligen Effekt. Man weiß ja, dass man sich selbst belügt, und denkt dann, da es so schlimm ist, dass ich mich selbst belügen muss, ist offensichtlich alles noch viel schlimmer/negativer, als ich zu Anfang dachte... also ein klassischer Teufelskreis.

      Richtiges Positives Denken würde heißen, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was objektiv an Positivem da ist, bisher aber unter den Radar gefallen ist. Wenn ich mir zum Beispiel Gedanken über meine Schönheit mache und objektiv zu dem Schluß komme, dass es für ein Dasein als Victoria-Secrets-Model nicht reicht, dann kann ich mir einreden: "Ich werde ein Model, ich bin wunderschön...." - das ist, was Du als positives Denken bezeichnest, aber natürlich ist es einfach Quatsch, manchmal gefährlicher Quatsch. Ein ganz anderer Ansatz wäre es, zum Beispiel festzustellen: Meine Augen, die sehen toll aus, meine Bekannten, die sagen mir oft, ich würde so strahlen, meine Ohrläppchen, die sind perfekt geformt ;)
      Und indem man seine Aufmerksamkeit auf die objektiv vorhandenen schönen Dinge lenkt, fühlt man sich schöner! Ganz ohne Selbstlüge, und vielleicht kommt man auch zu dem Schluß, dass man etwas besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als in Unterwäsche zu posieren :D
    • negatives Denken kann auch eine Schutzfunktion haben, zum Beispiel für Ängstliche - erwartet jemand immer das Schlimmste, wird diese Person seltener negativ überrascht und öfter positiv.


      Wie läßt sich überhaupt beweisen, daß Denken vollständig rational vom Bewußtsein steuerbar ist, und nicht der Schlußstein in einem Bogen von unbewußten Denkprozessen, die "nebenbei" eine Illusion von vollständig bewußter Entscheidung vermitteln?
    • distelflaum wrote:

      Man weiß ja, dass man sich selbst belügt,
      Oft weiß man das nicht, bzw. fehlen einem oft die nötigen kognitiven Werkzeuge, um so eine "Selbstüberlistung" erkennen zu können. Ein schönes Beispiel dafür ist z.B. die "post-purchase rationalization", zu deutsch: Man rationalisiert eine teure Anschaffung für sich selbst. Dabei bleiben den meisten Menschen die unterliegenden "Selbstveräppelungsmechanismen" verborgen; Die meisten Menschen realisieren nicht einmal, dass es irgendeinen Prozess gibt, der dazu führt, dass sie über einen Kauf positiv denken bzw. sich schnell in die Defensive gedrängt fühlen, wenn jemand sich negativ dazu äußert.

      Dazu passt dann auch die von 3f3ublatt genannte "Illusion einer vollständig bewussten Entscheidung". Ich meine mich erinnern zu können, dass einige Psychologen die These vertreten, dass unser Gehirn Entscheidungen schon getroffen hat, bevor wir uns überhaupt bewusst sind, dass eine Entscheidung ansteht. Alles, was wir dann (bewusst, oder auch unbewusst) tun, ist, uns Erklärungen für diese Entscheidungen zurechtzulegen, und sie dann als Gründe für eine "bewusste" Entscheidung anzuführen.
    • Muesli wrote:

      Oft weiß man das nicht, bzw. fehlen einem oft die nötigen kognitiven Werkzeuge, um so eine "Selbstüberlistung" erkennen zu können. Ein schönes Beispiel dafür ist z.B. die "post-purchase rationalization", zu deutsch: Man rationalisiert eine teure Anschaffung für sich selbst. Dabei bleiben den meisten Menschen die unterliegenden "Selbstveräppelungsmechanismen" verborgen; Die meisten Menschen realisieren nicht einmal, dass es irgendeinen Prozess gibt, der dazu führt, dass sie über einen Kauf positiv denken bzw. sich schnell in die Defensive gedrängt fühlen, wenn jemand sich negativ dazu äußert.
      Dazu passt dann auch die von 3f3ublatt genannte "Illusion einer vollständig bewussten Entscheidung". Ich meine mich erinnern zu können, dass einige Psychologen die These vertreten, dass unser Gehirn Entscheidungen schon getroffen hat, bevor wir uns überhaupt bewusst sind, dass eine Entscheidung ansteht. Alles, was wir dann (bewusst, oder auch unbewusst) tun, ist, uns Erklärungen für diese Entscheidungen zurechtzulegen, und sie dann als Gründe für eine "bewusste" Entscheidung anzuführen.
      Nun ja, man muss erst mal daran glauben, dass die Gedanken irgendeine Macht haben, um eine bestimmte Art zu denken zu bewerten. Ich habe es nie so erlebt, dass ich oder andere rational handeln, aus dem Denken heraus. Entscheidungen fallen irgendwie unbewusst, und diese unbewussten Prozesse spiegeln sich dann im Bewusstsein als "meine Gedanken". "meine Entscheidung", und vermitteln einem damit das Gefühl, die Kontrolle zu haben über das, was geschieht. Diese Kontrolle halte ich aber für eine Illusion, wenngleich die notwendig sein mag für das tagtägliche Funktionieren.

      Von daher überzeugen mich Therapien wie die Kognitive Verhaltenstherapie auch nicht. Die arbeitet ja mit dieser vermeintlichen Macht der Gedanken. Ich selber messe meinen Gedanken keine Bedeutung bei. Die kommen und gehen wie die Wolken am Himmel.

      Im übrigen ist mir zum Thema "positives Denken" eine Studie eingefallen, die vor einigen Jahren das Ergebnis erbrachte, dass Depressive ihre Umwelt deutlich realistischer wahrnehmen als Nicht-Depressive. Offenbar können wir diese Welt nur ertragen, wenn wir sie in unserer Wahrnehmung ständig beschönigen.
      "Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen" (Groucho Marx) “Sich zu akzeptieren als den, der man ist, ohne etwas anderes sein zu wollen - das ist Freiheit“ (Ramesh Balsekar)
    • Bhai wrote:

      Im übrigen ist mir zum Thema "positives Denken" eine Studie eingefallen, die vor einigen Jahren das Ergebnis erbrachte, dass Depressive ihre Umwelt deutlich realistischer wahrnehmen als Nicht-Depressive. Offenbar können wir diese Welt nur ertragen, wenn wir sie in unserer Wahrnehmung ständig beschönigen.
      Wenn ich da die Wahl hätte, wäre ich lieber tendenziell unrealistisch-beschönigend und nicht depressiv als depressiv und realistisch. Es lebt sich dann einfach angenehmer...

      Ich sehe es ähnlich wie Distelflaum: "Richtiges Positives Denken würde heißen, die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was objektiv an Positivem da ist, bisher aber unter den Radar gefallen ist."
    • Was haltet ihr von der Methode, wenn etwas nicht gut ist, etwas noch Schlechteres heranzuziehen, um das nicht Gute aufzuwerten? Ich hasse es, wenn Leute das machen. Beispiel: ich stürze übel die Treppe herab - ich leide, weil ich während des Sturzes Panik empfunden habe und sich danach Schmerzen einstellen. Dann sagt jemand zu mir: na, ist doch nicht so schlimm. Stell dir mal vor, du hättest dir dabei einen Arm gebrochen! - Wie kommt man auf sowas? Die Situation ist so, wie sie ist, und sie ist nicht gut. Das heißt ja nicht, dass ich jetzt bis an mein Lebensende leiden muss wegen dieses Sturzes, aber warum kann man nicht einfach anerkennen, dass das scheiße ist, was passiert ist, und Punkt? Warum will man mir noch irgendwelche Horrorbilder von gebrochenen Armen (das ist ein fiktives Beispiel) vorführen? Dadurch soll ich mich besser fühlen? Also bei mir funktioniert das nicht.

      Oder eben sah ich ein Video, wie man zufrieden wird/bleibt (mit ADHS) und die Youtuberin sprach von Dankbarkeit. Man solle für alles dankbar sein. Also grundsätzlich finde ich Dankbarkeit eine gute Sache. Nur, sie auf Krampf heraufzubeschwören, das finde ich fragwürdig. In dem Video sagte sie, sie sei dankbar für ihr Smartphone - fast jeder habe eines und bei ihrem sei auch das Display zerbrochen, aber sie sei dankbar, dass es nicht komplett kaputt sei. Okay, das kann ich noch einigermaßen nachvollziehen, ABER: bei mir ist es so, es gibt Momente und Situationen, da spüre ich plötzlich Dankbarkeit. Die taucht in mir auf, ohne dass ich sie herbeigeredet hätte. Im Gegenteil, wenn ich Dankbarkeit spüre, dann ist das in Augenblicken, wo meine Gedanken schweigen.
      Wenn ich versuche, mir Dankbarkeit für alles Mögliche herbeizureden, dann fühlt sich das wie leere Worte - also es sind dann nur Worte, aber es ist kein Gefühl dabei. Ich denke, man kann Dankbarkeit nicht erzwingen.

      Nachtrag: Man sieht ja in Notsituationen, wie der Mensch wirklich "tickt", nämlich nicht viel anders als Tiere. Dieses positive Denken ist also nur etwas Draufgepapptes, was natürlicherweise nicht zum Menschen gehört. Man weiß ja auch, dass das Gehirn sich eher Negatives merkt und diesem mehr Beachtung schenkt, weil das Lebewesen, also auch der Mensch, sich solche Dinge merken MUSS, um beim nächsten Mal darauf eingestellt zu sein, während ein Zustand, in dem alles zufriedenstellend ist, keiner größeren Aufmerksamkeit bedarf. Also ist das positive Denken vollkommen künstlich erzeugt und somit unnatürlich.

      The post was edited 4 times, last by Lefty ().

    • Lefty wrote:

      Also ist das positive Denken vollkommen künstlich erzeugt und somit unnatürlich.
      Das denke ich zwar nicht, aber im Grundsatz kann ich nachvollziehen, was du meinst. Zumindest verstehe ich dein Bsp. Ich kenne auch jemanden, wenn ich ihm sagen würde, mein linker Arm muss amputiert werden, würde er wahrscheinlich sagen, wie gut dass du mit rechts schreibst. ;)
      Zu Dankbarkeit zwingen kann man sich natürlich nicht, aber man kann sich schon bewusst gewisse Dinge klarmachen ....
    • Lefty wrote:

      Dann sagt jemand zu mir: na, ist doch nicht so schlimm. Stell dir mal vor, du hättest dir dabei einen Arm gebrochen!
      Ich würde es als "miserablen / misslungenen Tröstversuch" einordnen.
      Problematisch finde ich in dem Fall aber nicht so sehr das "positive Denken" an sich, sondern die Tatsache, dass es jemand anderem, der sich gerade nicht wehren kann, einfach "übergestülpt" wird. Das ist empathielos.

      Mir selber würde ich so was in der Situation durchaus sagen - ich würde vielleicht sogar noch weitergehen und sagen: "Na, zum Glück ist die Treppe ganz geblieben! 8o " Oder: "Die Landung kriegen wir aber noch eleganter hin, das müssen wir wohl nochmal üben! :prof: " Oder: "O.k., du sch*** Treppe, dieses eine Mal hast du vielleicht gewonnen, aber die nächsten 10 Jahre werde ich dich trotzdem wieder jeden Tag mit Füßen treten und du kannst nix dagegen tun! :twisted: :evil: :twisted: "
      Das ist aber dann allerdings eigentlich kein positive thinking mehr, sondern eher satirical thinking. :roll:

      Die Idee dahinter ist aber imo nicht, etwas Positives in einer negativen Sache zu sehen, sondern die negative Sache richtig einzuordnen. Also ich will mir klarmachen: "Ja, dat war sch***, und ich darf mich deswegen auch mal schlecht fühlen, aber viel mehr Aufregung ist die Sache eben auch nicht wert." Ich will im Grunde vermeiden, dass ich aufgrund von Nichtigkeiten in negativen Gedankenspiralen lande, die sich selbst verstärken.

      Aber bei jemand anderem würde ich solche Bemerkungen wirklich nur machen, wenn ich mir absolut sicher bin, dass er auch gerade "empfänglich" dafür ist.
      Und ich würde eben auch so stark übertreiben, dass klar ist, dass die Empathielosigkeit nur gespielt ist.
      Teile dieser Signatur könnten die Bevölkerung verunsichern.
    • Ich bin so realistisch, dass ich mir damit oft Ärger einhandle.
      Und ich bin positiv denkend:
      Positive Formulierung - Positives Denken

      Positiv denken bedeutet nicht, jedenfalls für mich, die Tasachen zu verdrehen oder etwas Negatives schön zu reden.

      Durch Positives Denken kann ich einen Weg finden, aus einer negativen Situation herauszufinden.
      Wenn ich mich in dem Negativen befinde und dazu mich selbst mit negativen Gedanken "füttere", verbleibe ich in dieser negativen Situation.

      The post was edited 2 times, last by tip ().