asperger und medikinet - mit und ohne begleitendes ads

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    • Ich (noch VA) nehme seit meiner ADS- Diagnose vor einigen Jahren Medikinet adult. Es macht mich micht süchtig. Das merke ich daran, dass ich es gelegentlich vergesse, wenn es zu turbulent zugeht. Auch das bewusste Weglassen wegen Krankheit etc. geht problemlos.
      Leider macht es mich oft innerlich etwas aufgeregt, und der Puls geht hoch.
      Bei meinem Sohn, der auch ADS (und VA) hat, hatte es eine sehr beeindruckende Wirkung: seine Heftführung war von einem Tag auf den anderen so ordentlich, dass auch die kritischen Großeltern überzeugt waren. Er fühlt sich leistungsfähiger damit, vergisst aber nachmittags die Verlängerungsdosis oft.
    • Die Nachmittagsdosis vergesse ich auch öfters mal, wenn kein Arbeitstag ist. Wenn ich es bemerke (weil eine Kapsel zuviel in der Pillendose ist oder ich mich daran erinnere, sie nicht genommen zu haben), dann denke ich manchmal: hab's gar nicht gemerkt, so nötig scheine ich sie gar nicht zu brauchen.

      Manchmal erklärt sich dann aber auch, warum ich an dem Tag diese oder jenige Problematik hatte.
      "Ich neige zur Redundanz. Zudem wiederhole ich mich gern." Fishismus
    • Zausevogel schrieb:

      Bevor es MPH-Retards gab, war ein Hauptthema unter ADHSlern, wie man es vermeiden kann zu vergessen, die nächste Dosis rechtzeitig zu nehmen.
      Ich weiß, das kenne ich auch noch aus meiner Schulzeit.


      Zausevogel schrieb:

      Von einem Verleiten zum Nachlegen kann bei MPH daher kaum gesprochen werden. Der normale Patient hat eher das Problem, dass er das Nachlassen der Wirkung nicht bzw. zu spät spürt und deswegen plötzlich im Rebound landet.
      Eben dieser sogenannte "Rebound" stellt in meinen Augen ein Problem dar. Man "kommt runter" und hat zum Teil mit verstärkten Symptomen zu kämpfen.
      Als ich eines Tages müde von meinem Praktikum nach Hause kam, die Wirkung nachließ und ich absolut keine Energie mehr hatte, brachte mich eine Spüle voller schmutzigem Geschirr dazu, das erste Mal eine Tablette zu zerkleinern und mir den Wirkstoff intranasal zu verabreichen.


      Zausevogel schrieb:

      Auch in der Fachiteratur hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Suchtpotential von MPH eher niedrig ist. Es wurde eher diskutiert, ob MPH nicht sogar protektiv bei Süchten wirkt.
      Es gab schon Spielsüchtige, die nach ihrer ADS-Diagnose und der Gabe einer normalen Dosis MPH von ihrem Problem geheilt waren.
      Ebenso gehen viele Forscher davon aus, dass dieses Medikament bei Kindern und Jugendlichen mit ADS dafür sorgen kann, dass sie später nicht in solche Süchte hineinrutschen.
      Ich denke aber eher, dass dies kein "Impf-Effekt" ist, sondern die Leute nur deutlich besser ihre Schullaufbahn und Pubertät bewältigen und damit als junge Erwachsene weniger gefährdet sind.

      Dennoch sollte man das Suchtpotential von MPH nicht unterschätzen. Es ist zwar "nur" ein Wiederaufnahmehemmer, aber es hat einen merklichen Effekt auf den Dopaminspiegel.

      In meiner ehemaligen, stationären Reha-Maßnahme waren wir 4 ADSler, dazu kam ein ehemaliger Rehabilitant, dessen feste Freundin dort untergebracht war und der uns öfters mal besuchte.
      Bis auf einen (der seine Medikamente überhaupt nicht nahm) hatten wir ALLE ein problematisches Konsumverhalten, wenn nicht gar eine Abhängigkeit.
      Ich ließ mir innerhalb weniger Monate meine tägliche Dosis von 20 auf 55 mg erhöhen, ein anderer Rehabilitant bekam pro Tag sogar 80. Dabei war allgemein bekannt, dass er innerhalb der Woche kaum schlief, dafür aber fast das gesamte Wochenende im Bett verbrachte - Logisch, seine Wochenration war ja auch immer schon am Freitag mittag aufgebraucht.

      Es war sogar beim Arzt und dem sonstigen Personal bekannt, dass sich die ADSler in unserer Einrichtung gegenseitig mit ihren Pillen aushalfen. Einmal sprach mich der Ehemalige an. "Kannst du mir 10mg bis Montag leihen?"
      Das war vollkommen normal dort und wurde von einem Psychiater beobachtet und toleriert, der traurigerweise in dieser Stadt als ADS-Experte gilt. Der Mann ist absolut unkritisch bei Diagnosen und glaubt fest an die Unfehlbarkeit der Pharmazie. Eine komplexe Ausschlussdiagnose wie ADS stellt der locker in einer Viertelstunde, nach dem Ankreuzen von Kästchen auf einem Zettel. Danach gibt es auf Wunsch Medikamente. Auch, wenn in der Patientenakte bereits etwas von "Amphetaminmissbrauch" und "Drogenpsychose" steht. Hab ich alles schon erlebt.

      Eben eine so unkritische Sicht auf ein amphetaminähnliches Aufputschmittel ist gefährlich.
    • Baumkopf Holzfaust schrieb:

      In meiner ehemaligen, stationären Reha-Maßnahme waren wir 4 ADSler, dazu kam ein ehemaliger Rehabilitant, dessen feste Freundin dort untergebracht war und der uns öfters mal besuchte.
      Bis auf einen (der seine Medikamente überhaupt nicht nahm) hatten wir ALLE ein problematisches Konsumverhalten, wenn nicht gar eine Abhängigkeit.
      ging es in der reha um süchte?
      ich bin ehrlich gesagt sehr erstaunt über deine ausführungen. ich kenne solche fälle garnicht. allerdings habe ich im pschiatrischen umfeld auch schon patienten getroffen, die sagten, sie haben z.b. fluoxetin (oder wahlweise anderes zeug) in verschiedenen formen "konsumiert" Ich glaube, diese Menschen versuchen in ihrer verzweiflung einfach alles. wenn dann ein medikament eh einen solchen ruf hat wie das MPH, spielen vielleicht auch noch zusätzlich psychische faktoren eine rolle (placebo-effekt)


      ich selbst habe außer zu übermäßigem essen garkeinen hang zu irgendwelchen süchten. ich kann nichts anfangen mit alkohol, zigaretten und sonstigem krams. mit "echten drogen" habe ich zum glück auch nie bewusst kontakt gehabt (/ es nicht kapiert).
      beim MPH (retad.) vergesse ich auch schonmal eine dosis, vor allem am wochenende, wo meine abläufe anders sind als in der Woche. meine umwelt merkt zwar schon, ob ich es nehme oder nicht, ich persönlich merke es nur an meiner reizüberflutung. andererseits habe ich auch manchmal bei bedarf eine höhere dosis (morgens geplant, wenn sehr reizbeladene termine anstehen, in Absprache mit Arzt, dauerhaft höher wäre gut für mich aber davon habe ich evtl depressionen (ist noch nicht ganz klar)) und ich habe trotzdem große probleme. andere male habe ich weniger genommen/ was vergessen und der effekt erscheint größer. ganz abschätzbar ist es für mich nicht (meine tagesschwankungen sind einfach so groß)
      Ich merke auch nicht diesen "moment, wo die wirkung verschwindet"
    • Ich weiß von Anorexiepatienten, die MPH als Appetitzügler missbrauchen. :shake:

      Es gibt auch andere Faktoren, welche die Wirkung und Nebenwirkungen von MPH beeinflussen. Ich habe einige Tage im Monat, an denen ich mit Herzrasen und verstärkter Wirkung zu kämpfen habe, während ich an einigen anderen Tagen unempfindlicher bin, also mehr MPH benötige. Es scheint irgendwie zyklusabhängig zu sein, aber ich habe es noch nicht geschafft, darüber längere Zeit Protokoll zu führen.
    • Radlerin schrieb:

      Es scheint irgendwie zyklusabhängig zu sein
      da könnte was dran sein. ich habe hormonbedingt sowieso auch überdurchschnittlich starke stimmungsschwankungen. wenn ich die energie habe, könnte ich ja auch mal versuchen, ein protokoll zu führen. dazu gibts aber trotzdem auch sehr viele andere faktoren, die man vielleicht vergisst (die z.t. auch mit dem autismus zusammen hängen aber sich rückkoppeln)
    • Radlerin schrieb:

      Ich weiß von Anorexiepatienten, die MPH als Appetitzügler missbrauchen. :shake:

      Es gibt auch andere Faktoren, welche die Wirkung und Nebenwirkungen von MPH beeinflussen. Ich habe einige Tage im Monat, an denen ich mit Herzrasen und verstärkter Wirkung zu kämpfen habe, während ich an einigen anderen Tagen unempfindlicher bin, also mehr MPH benötige. Es scheint irgendwie zyklusabhängig zu sein, aber ich habe es noch nicht geschafft, darüber längere Zeit Protokoll zu führen.

      Bei mir wirkt es an den Tagen vor den Tagen tatsächlich weniger bis gefühlt gar nicht.
      "Ich neige zur Redundanz. Zudem wiederhole ich mich gern." Fishismus
    • Huhu,
      ich habe Medikinet nach meiner ADS-Diagnose in der zweiten Klasse genommen, bis ich zwölf war (also 5 Jahre). Subjektiv habe ich keinen Unterschied gemerkt, aber meine Eltern sahen eine deutliche Verbesserung. Allgemein wirkt es eher subtil und man merkt die Wirkung eher rückwirkend daran, dass man mehr geschafft hat und fokussierter war. Naja, dass es überhaupt in der Schule klappte, ist schon ein Indiz - zuvor war ich extrem orientierungslos, weil ich nichts mitbekam und gab teilweise bei Mathearbeiten leere Blätter ab.

      Ich habe es noch einmal mit Medikinet probiert, als ich 18 war und sich hartnäckige psychische Probleme einstellten. Geholfen hat es mir allerdings kaum (wie gesagt, es ist kein Wundermittel). Zudem hatte ich das bereits genannte Gefühl, mich mehr in meine eigene Welt zurückzuziehen, während es wirkte. Das ist bei meiner Tendenz zu sozialem Rückzug natürlich nicht gut.
      Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es mein Problem mit Dissoziation verstärkt (das habe ich vor allem gemerkt, als ich mal etwas mehr genommen hatte).

      Zurzeit nehme ich wegen des ADS etwas anderes, mit dem ich sehr zufrieden bin: Dexamfetaminsulfat. Ist auch ein Stimulanz, auch mit Betäubungsmittelrezept (ich nenne es scherzhaft mein "Speed auf Rezept"). Hat aber einen leicht anderen Wirkmechanismus als Mph und erhöht nicht nur den Dopamin-, sondern auch den Noradrenalin-Spiegel. Dadurch erkläre ich mir, dass ich manchmal etwas weniger sozialängstlich und positiver werde, wenn ich es nehme. Es verbessert merklich meine Exekutiven Funktionen (verlegt also einen sprichwörtlichen Draht von meinem Denken zum Handeln) und meine Selbstregulation (d.h. ich lasse mich nicht mehr so sehr von Impulsen ablenken). Ich bin ruhiger im Kopf, kann besser in Aufgaben versinken und manchmal sogar Reize besser ertragen. Nebenwirkungen sind Appetitlosigkeit und hin und wieder Kopfschmerzen.

      Generell sollte man allerdings, was Psychopharmaka betrifft, keine zu hohen Erwartungen haben. Das klingt hier alles ganz klasse, aber auch diese Tropfen sind kein "Zaubertrank" (ich nehme noch zwei andere Psychopharmaka nebenbei und den Rest an Merkwürdigkeiten, die mein Gehirn anstellt, versuche ich gelassen zu nehmen).
      Leider muss ich die Tropfen selbst bezahlen, denn eigentlich ist es wohl ein Medikament für Kinder (aber mein Psychiater nutzt es ganz häufig bei Erwachsenen).

      Von Medikamenten bin ich noch nie süchtig geworden. Wenn ich von ADS-Medikamenten mehr nehme, als ich soll, geht es mir schlechter, deshalb lasse ich das sein. Am Anfang hatte ich zuviel vom Dexamfetaminsulfat genommen, weil ich es nicht einschätzen konnte, und es war ein grässliches Gefühl aus aufgekratzt-sein und gleichzeitig starker Erschöpfung.
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!