Pinned Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

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    • Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

      In der letzten Zeit wird sehr viel über Therapien für autistische Menschen gesprochen und diskutiert, meist aber nur unter Nichtautisten. Uns würde aber mal interessieren, was Autisten selbst darüber denken oder was sie sich von solchen Therapien wünschen würden. Vielleicht habt ihr Lust, eure Gedanken über die folgenden Fragen hier zu posten?
      Eure Antworten können uns bei Gesprächen mit Ärzten, Psychologen u.a. helfen und unter Umständen ein wenig dazu beitragen, Therapien und Unterstützungsangebote in Zukunft im Sinne autistischer Menschen zu verbessern.

      1.) "Welche Ziele könnten autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) mit einer Therapie für sich erreichen wollen?

      2.) „Welche Therapieverfahren bzw. welche therapeutische Maßnahme oder andere Unterstützungsmöglichkeiten haltet ihr für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) für geeignet (oder auch ganz und gar nicht geeignet)“?

      3.) „Welche Verfahren könnten besonders hilfreich sein im Gegensatz zu anderen?“ - Das sind ja u.U. gar nicht immer die „herkömmlichen“ …
      Aspies e.V. - Vorstand

      The post was edited 1 time, last by Aspies e.V. - Vorstand ().

    • Ich möchte eher ein ganz konkretes Problem lösen. Es geht um Vorstellungsgespräche, wiederholte zwischenmenschliche Pannen, reizträchtige Situationen meistern usw. Da brauche ich meistens keinen von der Kasse bezahlten Therapeuten dafür. Ein Sozialpädagoge oder ein Pfarrer (qualifikationsmäßig) tut es in der Regel auch. Das geht von Problem ggf. auch mit Flipchart analysieren, Aufklärung über die Reaktionen der anderen in Tateinheit mit praktischen Ratschlägen bis zu Problembesprechung in der Gruppe (insbesondere wenn das Problem eben jene Gruppe betrifft). Ansonsten wären handelsübliche Kurse a la soziales Kompetenztraining, Knigge-Kurs oder Telefontraining eine Option.

      Bei allen Hilfsmöglichkeiten gilt aber: Wie nützlich etwas ist, hängt davon ab, ob

      • "die Chemie" zwischen den Beteiligten stimmt
      • der Gruppenleiter/Sozialpädagoge/die Hilfsperson die Bedürfnisse des Klienten ernstnimmt und berücksichtigt ("Stell dich nicht so an!" ist kein gutes Zeichen.)
      • der Gruppenleiter/Sozialpädagoge/die Hilfsperson sich in die Situation des Klienten eindenkt (Warum ist Ding x so? Wie sind die persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse?)
      Das gilt zumindest dann, wenn es mir ansonsten gut geht. Depressionen, PTBS und ähnliches habe ich - Gott sei Dank! - noch nicht durch.
    • zu 1)

      strukturierter Alltag, besserer Umgang mit (plötzlichen) Veränderungen, z.B. mit Ausarbeitung alternativer Szenarien, seine Grenzen (Reizfilterschwäche) und seinen Körper (z.B. auf Hunger/Durst/Hygiene achten) besser respektieren, fit werden für den Arbeitsmarkt (mehr Selbstständigkeit), kommunikative Fettnäpfchen erkennen und versuchen auszuweichen bzw. angemessen zu reagieren

      zu 2)

      Subjektiv, manche Autisten haben positive Erfahrungen mit Achtsamkeitsübungen/Meditation gemacht, andere können z.B. mit Hypnose gar nichts anfangen, weil sie sich nicht konzentrieren können (zu viele Gedanken); viele Therapieformen sind für neurotypische Menschen gemacht mit Ansätzen, die bei Autisten eher ungeeignet sind, z.B. bei Depression unter Leute zu gehen, in Vereine zu gehen, Kurse zu machen, etc., da gehen die Zielvorstellungen u.U. auseinander. Sensorische Integrationstherapie/Ergotherapie ist sicherlich ein guter Ansatzpunkt für Sinneswahrnehmung, Motorik, etc.

      Was ich total ablehne, ist Homöopathie o.ä., weil ich da zu rational bin, und es für Geldmacherei halte. Generell sind alle Therapieverfahren bzw. Therapeuten mit Skepsis zu betrachten, die die persönliche Integrität des Klienten verletzen. Sie entscheiden nicht für ihn/sie, er/sie entscheidet selbst. Therapie ist eine Hilfestellung, den finalen Schritt muss man selbst tun. Weil Konditionierungstherapie oft in der Kritik ist: Positive Anreize schaffen ist kein Fehler, ohne sie würde die Arbeitswelt nicht funktionieren (sie funktioniert trotzdem, aber die Produktivität lässt nach und Krankenstände nehmen zu). Entzugstherapie halte ich für verkehrt bzw. Bestrafungstherapie (-> ABA), ebenso Festhaltetherapie, etc, (-> frühkindl. Autisten).

      zu 3)

      das ist individuell zu betrachten, es gibt keine one-size-fits-all-Therapie, die für alle gleich geeignet ist. Der eine hat mehr mit Reizfilterschwäche zu kämpfen, der andere mehr mit Motorik oder Kommunikation, wieder eine andere hängt an ihren starren Routinen fest. Exekutivfunktionen sind auch ein großes Problem. Spezialinteressen gehören dagegen gefördert, das ist kein Defizit, im Gegenteil. Die Freude am SI, und die Entspannung als Ausgleich zum sonst schwer ertragbaren Alltag ist beachtenswert.
    • 2+3)
      Das Vier Seiten einer Nachricht Modell (Schulz von Thun)
      Man spricht auch vom 4 Ohren 4 Schnäbel Modell.
      Hintergrund ist das analysieren von Nachrichten in einer Kommunikation, hier haben Autisten auch gerne mal Defizite.
      Zu mindestens für mich war das Modell sehr hilfreich über meine Kommunikation nachzudenken, zu verstehen was kann wie wirken aber auch zu verstehen, dass nicht alles was von außen kommt ein Angriff sein muss, denn auch der Sender einer Nachricht kann auf 4 verschiedenen Ebenen senden.
      Jeder Mensch hat "bevorzugte Ohren" zb. sind Autisten gerne in der Sachebene unterwegs, werden aber von anderen teilweise nicht verstanden weil die anderen 3 ebenen fehlen.

      Z.B. Autist beim Arzt
      "Hallo ich habe schmerzen, mein Zahn schmerzt so sehr ich bin kurz davor ihn selber zu ziehen"
      (wenig Mimik vorhanden)

      der Arzt erwartet auf der
      • Selbstkundgabeebene: "aua aua mir gehts schlecht, schluchts"
      • Beziehungsebene: "ich akzeptiere Deine Kompetenz als Arzt"
      • Appellebene: "Bitte helfen sie mir jetzt!"
      • Sachebene: "ich habe Zahnschmerzen"


      Da der Autist evtl. nur auf der Sachebene spricht, denkt der Arzt...
      "Aha na so schlimm wirds schon nicht sein, der nächste bitte"

      Hat man nun etwas mehr wissen über diese Funktionen schafft das mehr Verständnis für NT's.
      Zu mindestens ärgere ich mich deutlich weniger nachdem ich das verinnerlicht hatte.

      Hier das Modell
      2016_01_30_18_46_06_Schulz_von_Thun_Modell_seite_1.pdf
      2016_01_30_18_46_06_Schulz_von_Thun_Modell_seite_2.pdf


      Es gibt die Unterrichtung bereits in der klassischen Verhaltenstherapie aber auch beim Kommunikationstraining.
      Aber aus meiner Sicht viel zu wenig, auch bräuche man nicht nur eine Stunde wo das Modell mal erklärt wird, sondern es macht Sinn sich intensiv zb. in einer Gruppe einmal die Woche Texte vorzunehmen und die dann zu analysieren. Es gibt auch diverse Aufgaben die machen kann, z.B. sie wollen einen Videorekorder zurück geben, was sagen sie dem Verkäufer. (Dann muss man das ganze analysieren nach den 4 Ebenen, mit professioneller Hilfe kommt man schnell dahinter auf welchen Ohren man besonders gut hört und auf welchen nicht, hier kann man dann gezielt trainieren).



      2+3)
      Was funktioniert für mich nicht gut?
      Klassisches Kommunikationstraining, a la Rollenspiele, mit Videokamera, das sind aus meiner Sicht für Autisten hochstressitutionen wo man nicht viel lernt, weil wenn mein Puls am oberen Anschlag ist lerne ich gar nichts :-).
      Aber mir ist auch klar, dass viele Autisten das Kommunikationstraining gut finden, also hier denke ich sollte man individuell Angebote machen.
      Meist ist bei Kommunikationstraining das Verhältnis Theorie/Praxis=1/10 ich hätte lieber 10/1 ich brauche bei so was viel mehr in der Theorie.
      finde im Leben heraus was Du nicht gut kannst, und dann lass es bleiben. [ALF]
    • Aspies e.V. - Vorstand wrote:

      In der letzten Zeit wird sehr viel über Therapien für autistische Menschen gesprochen und diskutiert, meist aber nur unter Nichtautisten. Uns würde aber mal interessieren, was Autisten selbst darüber denken oder was sie sich von solchen Therapien wünschen würden. Vielleicht habt ihr Lust, eure Gedanken über die folgenden Fragen hier zu posten?
      Eure Antworten können uns bei Gesprächen mit Ärzten, Psychologen u.a. helfen und unter Umständen ein wenig dazu beitragen, Therapien und Unterstützungsangebote in Zukunft im Sinne autistischer Menschen zu verbessern.

      1.) "Welche Ziele könnten autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) mit einer Therapie für sich erreichen wollen?

      2.) „Welche Therapieverfahren bzw. welche therapeutische Maßnahme oder andere Unterstützungsmöglichkeiten haltet ihr für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) für geeignet (oder auch ganz und gar nicht geeignet)“?

      3.) „Welche Verfahren könnten besonders hilfreich sein im Gegensatz zu anderen?“ - Das sind ja u.U. gar nicht immer die „herkömmlichen“ …
      Hallo,
      ich kann das nicht verallgemeinern, aber meine Erfahrungen und Wünsche kann ich gerne dazustellen:

      Zu 1.)
      Ich würde gern im sozialen Bereich mehr können. Unbefangener, ungezwungener an Kontakte herangehen und mich nicht ständig kontrollieren müssen, ob ich eh normal genug wirke. Dieses ständige Versteckspiel ist sehr anstrengend und kostet viel, viel Kraft.
      Ich sage oft, dass ich die Unbekümmertheit vieler frühkindlicher Autisten beneide. Und das ist noch immer so.

      Zu 2.)
      Ich für mich war sehr lange in einer falschen Therapie, mit falschen Diagnosen und katastrophalen Auswirkungen. Dass ich noch am Leben bin, ist nicht selbstverständlich. Denn oft hätte der Druck der damaligen "Therapeutin" mich fast zu Dingen getrieben, die ich heute keinesfalls mehr andenken würde….

      Heute bin ich mit der passenden Diagnose in der richtigen Therapie gelandet. Ich bin in eine Asperger Therapiegruppe als auch einzeln. Dort fühle ich mich (bei beiden) sehr wohl und gut aufgehoben. Ich habe schon einiges dazugelernt und es hat mir geholfen zu hören, wie die anderen Betroffenen mit gewissen Dingen umgehen.

      Zu 3.)
      Hmmm. Schwierige Frage. Wovon ich ganz abrate würde, wäre Psychoanalyse. Da werden einem aufs Ärgste Schuldgefühle und angebliche frühkindliche Traumata eingeredet und man verdächtigt sogar unschuldige Verwandte, dass sie einem etwas angetan haben könnten…
      Also ganz klares: Finger weg davon.
      Meine Einzeltherapie orientiert sich am personenzentrierten Ansatz. Das passt gut für mich.


      LG Veronika.

      Ps. Danke für Eröffnung des Themas, finde ich interessant und wichtig!
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Habe mir mal die Therapieformen die es so gibt raus geschrieben von
      Theraphie.de
      Ich weiß nicht ob das alle sind aber ich habe mal versucht jede Therapieform zu bewerten was aus meiner Sicht mir geholfen hat, wenn ich mit einer Therapieform nichts zu tun hatte oder sie gar nicht kenne habe ich nichts bewertet.
      Vermutlich sind die klassischen Verfahren schon gut, man braucht nur Therapeuten die sich engagiert mit dem Thema Autismus auseinandersetzen wenn sie so einen Klienten aufnehmen. Bei meiner war es zu mindestens so, sie hat sich dann stark belesen, aber soviel gibt es letztlich auch nicht. Bei mir findet:

      Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen: Ein Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe
      im Rahmen einer Verhaltenstherapie Anwendung, ich bin mit deren Ansatz ganz zufrieden, wenn auch die Therapeutin das ganze gemäß ihrer Vorbildung einfärbt, was völlig ok und auch sinnvoll ist.


      Eignung bei Asperger Autismus aus meiner persönlichen subjektiven Sicht
      schlechterbesserBemerkung
      Familientherapie++Angehörige mit Einzubeziehen macht Sinn
      Familienaufstellung
      Gesprächstherapie+
      Gestalttheraphie+++++Förderung der Kreativität und kennenlernen von anderen Ausdrucksformen macht Sinn
      Humanistisches Verfahren
      Hypnose, Hypnotherapie ----------Hat bei mir nicht funktioniert, denke das wird bei anderen Autisten ähnlich sein
      Integrative Therapie
      Katathym-Imaginative Psychotherapie
      Körpertherapie (tiefenpsychologische)
      Kunsttherapie++++++++Förderung der Kreativität und kennenlernen von anderen Ausdrucksformen macht Sinn
      Logotherapie+++++Ich habe keine Erfahrungen damit aber wollte es immer mal beginnen, denke das bringt was
      Musiktherapie+++++++++Förderung der Kreativität und kennenlernen von anderen Ausdrucksformen macht Sinn
      Neuropsychologische Therapie
      Paartherapie
      Psychoanalyse
      Psychopharmaka ---Die Hoffnung auf Wirkung ist höher als die eigentliche Wirkung
      Systemische Therapie
      Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
      Traumatherapie
      Verhaltenstherapie++++++Hilft der Alltagsbewältigung, da aktuelle Probleme immer besprochen werden können

      Theraphieformen.pdf
      finde im Leben heraus was Du nicht gut kannst, und dann lass es bleiben. [ALF]
    • zu 1.) Wichtige Ziele wären für mich z.B. "Selbsterkenntnis" (Wer bin ich? Was sind meine Stärken/ Schwächen? Welche Reaktionen lösen bestimmte Dinge bei mir aus? Wie erkenne und benenne ich meine entsprechenden Begleitemotionen?) oder auch eine Rückmeldung darüber, wie ich auf andere wirke (Welche Reaktionen löse ich bei anderen aus? Sind das die Reaktionen, die ich meine, dass ich sie auslöse oder wird mein Verhalten möglicherwerweise ganz anders interpretiert, als ich denke?).
      Ein anderes Ziel: Zu erkennen, ob/ welche Probleme ich eigentlich habe (viele nehme ich evtl. gar nicht wahr und wundere mich dann, warum es mir schlecht geht, obwohl ich doch objektiv gesehen gar kein Problem habe).

      zu 2.) Nach meinem Empfinden ist nicht in erster Linie die Therapieform das Wichtigste, sondern die Persönlichkeit des Therapeuten bzw. das (Vertrauens)Verhältnis zwischen Patient u. Therapeut.
      Und die Zeitdauer der Therapie: Die sollte bei Autisten so lange dauern dürfen, bis sie ihre Probelme wirklich einigermaßen alleine bewältigen bzw. ein gewisses Maß an Lebenszufriedenheit selbst herstellen können. Und das kann bei Autisten u.U. sehr viel länger dauern, als die Krankenkasse bezahlt.
      Psychoanalyse würde ich nicht unbedingt ausschließen. Da gibt es ja nicht nur die übliche Couch, sondern, wie bei anderen Therapieformen auch, etliche weitere Varianten. Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode z.B. kann helfen, zwischenmenschliche Beziehungen besser verstehen zu können. Das kann m.E. auch ganz gut für Autisten passen.
      Andere Therapieformen, nicht psychologisch: Auch sowas wie Ergotherapie, Musiktherapie o.Ä. kann hilfreich sein, wo es weniger auf Worte ankommt.
    • Was mir letztens so vor meinem geistigen Auge "vorschwebte", ist so eine Art "Mentoring" für hochfunktionale Autisten durchschnittlicher bis hoher Intelligenz ab dem Grundschulalter. So eine Art: Ich erkläre dem die Welt, der sie gerade nicht versteht. Der Mentor muss nicht unbedingt Fachmann sein, es kann auch ein (älterer) Mitschüler sein, der ein gewisses Interesse am Thema und ausreichend Ruhe und Geduld hat. Wichtig wäre, dass das Erklären vorwurfsfrei und ohne Druck erfolgt. Nachzuhaltende/messbare Ziele wären hier wenig geeignet.
      It takes a man to suffer ignorance and smile,
      be yourself, no matter what they say.

    • Aspies e.V. - Vorstand wrote:

      1.) "Welche Ziele könnten autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) mit einer Therapie für sich erreichen wollen?
      Rückblickend betrachtet hätte ich nach der Diagnosestellung jemanden gebraucht, um einfach alles durchzusprechen. Faktisch war ich 5 Jahre allein damit (nur das Forum hab ich zugetextet).
      Z.B. Fragen wie:
      - was bedeutet die Diagnose für mich?
      - was sind meine Stärken und Schwächen?
      - welche "Symptome" gehören dazu, und was ist normal (haben andere auch)?
      - wie kann ich trotz Behinderung selbstbewusst bleiben/sein/werden?
      - Aufarbeitung der Vergangenheit, insbesondere von schlechten Erfahrungen, Missverständnisse o.ä.
      - Finden einer neuen Identität mit AS
      - im praktischen Alltag: was kann ich tun, um besser mit Problemen umzugehen, z.B. Reizempfindlichkeit, Kommunikation, Forderungen stellen können, sich entschuldigen können, eine "Anleitung" oder eine Begleitung zum Aufbau von Freundschaften, Besprechen von Problemen am Arbeitsplatz....
      - praktische Tipps, was es an Hilfen und ggf. Nachteilsausgleichen gibt

      Aspies e.V. - Vorstand wrote:

      2.) „Welche Therapieverfahren bzw. welche therapeutische Maßnahme oder andere Unterstützungsmöglichkeiten haltet ihr für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene) für geeignet (oder auch ganz und gar nicht geeignet)“?
      Für die oben genannten Zwecke braucht es gar kein spezielles Therapieverfahren, sondern nur einen Gesprächspartner, der sich als Fachmann mit dem Thema auskennt, Erfahrung hat, offen ist, und auch praktische Tipps geben kann. Bei AS geht es oft weniger darum, sich selbst oder seine Einstellung zu ändern, sondern eher darum, zu sich selbst zu finden und mit AS und der Umwelt klarzukommen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich bin bei einer sehr autismuserfahrenen Psychotherapeutin. Sie spiegelt mir, wie sie mein Verhalten und meine Wahrnehmung findet. Normal, normal für einen Aspie oder falsch. Sie gibt mir Selbstsicherheit und nimmt mir Ängste. Sie kennt sich mit Behördenkram aus. Sie spricht Komorbiditäten an und typische Probleme, z.B. wie spreche ich mit dem Arzt?
    • Hallo :) Bei mir ist das schwierig, weil die einzige Therapieform die mir hilft bzw. die ich zulassen kann eine tiergestützte Therapie ist. Aber das bezahlt die Krankenkasse (egal welche) nicht.

      Normale Psychotherapien verschiedener Art habe ich schon 6x in 6 Jahren hinter mir. Aber jeder Versuch hat meine Ängste und sozialen Rückzug verschlimmert.

      Das ging so weit dass ich beim letzten Mal schon Angst bekam, nur bei der Idee wieder eine Therapie zu versuchen.

      Außerdem will ich an mir nichts ändern müssen. Weil ich mich jahrelang gewöhnt bin wie ich bin und mit mir selbst umzugehen. Die Veränderung würde mich eher durcheinander bringen.

      Tiere sind die einzigen, denen ich nach allen negativen Erfahrungen mit Menschen vertraue, und wo ich bereit bin mich auf etwas einzulassen. Anders kann man therapeutisch nicht mehr an mich rankommen.

      Es kann sein, dass es Psychotherapeuten gibt die mehr Feingefühl im Umgang mit mir haben als die vorherigen. Aber ich bin da schon so verängstigt und ablehnend, dass mir ein erneuter Psychotherapie-Versuch mehr schaden als helfen wüde.

      Pferde oder Delfine mag ich aber nicht so, und Lamas erstrecht nicht. Das sind aber die häufigsten Tiere, die bei einer tiergestützten Therapie verwendet werden. Esel mag ich sehr, aber da gibt es nur was wo man 2 Stunden hinfahren muss.

      Lg Jedy.
    • Ich sage ja immer, dass man die hundegestützten Therapieangebote ausweiten sollte. Davon abgesehen kannst du dir nur selbst Tiere anschaffen oder einen Betreuungsjob übernehmen oder so etwas in der Art.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Jedy wrote:

      Außerdem will ich an mir nichts ändern müssen.
      Da du nicht alleine auf diesem Planeten bist, wirst du dich manchmal ändern müssen - es sei den du bist mit deiner jetzigen Situation zufrieden.
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • nix davon spräche mich an.

      erstens kann ich mich selbst entwickeln, habe einen guten freundeskreis, der mich kritisiert und wo ich feedbacks bekomme.
      außerdem arbeite ich an meiner weiterentwicklung wie die, die nix haben aber dafür anstrengender, ich habe meine eigene zeit und somit könnte mir was therapeutisches nicht gerecht werden.
      denn nach vorlage und anleitung mich weiterentwickeln nö, keiner kennt mich so gut wie ich und wüsste es besser, was mir gut täte.

      mir muss keiner sagen was ich zu tun habe, denn nur ich weiß was gut ist für mich.
      desweiteren habe ich keinerlei probleme mit meinem selbstbewusstsein oder sogar selbstwert.
      daher reflektiere ich mich genug, ausgiebig und zielorientiert.

      was aber verändert werden könnte, insbesondere für erwachsene, wäre der punkt mit "über den schatten springen", also sich mehr zu trauen, etwas mehr mut zu haben, an erfahrungen wachsen, also weiter gehen statt stehen bleiben im leben.


      unterm strich klingt das wohl zäh wie leder aber wnen ich eines verstanden habe dann, das mir keiner was vormacht wie ich zu sein habe.
      ich bin authentisch, empathisch und das mit guter reflektion.
      die schwäche die ich habe ist beruflich und da wird sich nicht mehr großartiges daran ändern lassen, der zug ist abgefahren sozusagen für mein alter.
      wäre meine probleme nur privat, dann sähe das anders aus.
    • Aspies e.V. - Vorstand wrote:

      In der letzten Zeit wird sehr viel über Therapien für autistische Menschen gesprochen und diskutiert, meist aber nur unter Nichtautisten. Uns würde aber mal interessieren, was Autisten selbst darüber denken
      Solche Therapien sind fast immer nur Symptombekämpfung.
      man versucht dem Autisten irgendetwas an zu lernen damit er nachher nicht mehr so auffällt wenn er das erlernte praktiziert.

      Nur löst das natürlich in keinster Weise irgendein Problem oder irgendein Aspekt der Behinderung.
    • tolya wrote:

      Nur löst das natürlich in keinster Weise irgendein Problem oder irgendein Aspekt der Behinderung.
      Die Frage wäre, "Wie löst man das Problem?". Vermutlich gibt es keine Lösung. Zumindest nicht, solange wir existieren :d
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • tolya wrote:

      man versucht dem Autisten irgendetwas an zu lernen damit er nachher nicht mehr so auffällt wenn er das erlernte praktiziert.
      Ich habe nichts dagegen, dazuzulernen und mich zu verbessern. Wüsste auch nicht, was daran so schlimm ist, so lange es freiwillig geschieht und ich die Richtung und Intensität vorgeben darf.
      Der positive Nebeneffekt: Es löst manche meiner Probleme. Oder es macht es mir zumindest leichter, damit umzugehen. Ich verstehe nicht, woher diese vehemente Abneigung kommt. Ich bin froh über alles, was mir das Leben und den Umgang mit anderen Menschen erleichtert! Nur muss es eben auch tatsächlich eine Erleichterung sein - wenn ich mich massivst verbiege, um mit der Welt klarzukommen, und daraufhin nach einer Weile zusammenbreche, ist es natürlich keine Erleichterung. Aber es gibt genügend Bereiche, in denen ich mich - auch durch Therapien - verbessern kann, ohne mir selbst Schaden zuzufügen.
    • Für mich ist eine Therapie sinnvoll, wenn ich lerne, mich im gewöhnlichen Alltag zu integrieren, ohne mich verbiegen zu müssen. Wenn mein Asperger vom täglichen Umfeld akzeptiert und toleriert wird, ist das eine Erleichterung.
      C'est en s'attaquant aux racines du mal que l'Humanité aurait peut-être un jour la possibilité de se libérer de ses chaînes.
      Référence : DANTEC, Maurice G., Les racines du mal, Série Noire, Gallimard, Paris 1995
    • filipendula wrote:

      Ich habe nichts dagegen, dazuzulernen und mich zu verbessern. Wüsste auch nicht, was daran so schlimm ist, s
      naja
      wenn ich lerne wie ich much unterhalten muss, ok.

      Aber therapie heisst ja immer irgendwie heilen/genesen und wenn jetzt ein Therapeut behauptet mein Autismus wÄre teilweise geheilt, dann ist das schon schlimm oder rönnte sogar folgen haben.