Pinned Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

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    • Falls jemand einen Therapeuten sucht: seit 01.04.17 vermitteln die Kassenärztlichen Vereinigungen auch Termine zum Erstgespräch bei Psychotherapeuten. Das nennt sich "Terminservicestelle" und ist immer bei der kassenärztlichen Vereinigung von dem Bundesland, wo man wohnt.
      Hier beispielhaft für Berlin: kvberlin.de/30patienten/22terminservice/

      Bei dem Therapeutenmangel, der hierzulande herrscht, würde mich ja interessieren, wie häufig das wirklich funktioniert. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

      Gilt auch nur für Akutbehandlungen.
      Alles wird galaktisch gut.

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • Shenya wrote:

      Bei dem Therapeutenmangel, der hierzulande herrscht, würde mich ja interessieren, wie häufig das wirklich funktioniert. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

      Gilt auch nur für Akutbehandlungen.
      Hab mich diesbezüglich auch mal schlau gemacht. Bei der KV Nds steht, dass die Servicestelle keine langfristigen Therapieplätze vermitteln kann, sondern nur Sprechstunden für Akutbehandlungen. Eine Therapeutin, die ich um Ostern rumwegen einem Therapieplatz angeschrieben hatte, erwähnte diesen Service auch, meinte aber gleich das es dann max. 3 Sitzungen geben werde und dass sie dazu verpflichtet worden ist. Denn ihr sei schon bewusst, dass eine dauerhafte Besserung mit 3 Sitzungen logischerweise nicht erreicht werden kann.
    • Ich vermute ebenfalls stark, dass die Übergänge AS/Entwicklungsstörung-NVLS-AD(H)S-PS/Neurose (z.B. Ängste etc...) und möglicherweise auch schizophrener Formenkreis bei manchen Betroffenen fließend sein können.Die Betonung liegt hier klar auf "können". Natürlich gibt es auch die "typischen" AS-ler, aber eben auch die atypischen Fälle. Neulich habe ich ein Video mit einer atypischen Autistin gesehen.
      Die Betroffene gab ein Interview und wirkte auf mich rein vom Kleidungsstil her eher ausgeflippt/extravertiert.
      Nicht jeder passt zu 100% in seine psychiatrische Diagnose, da gebe ich euch recht.

      Auch die Spezialinteressen/Fähigkeiten zwischen einzelnen Betroffenen können sehr unterschiedlich sein.

      Würde man zum Beispiel ein gutes räumliches Gedächtnis als wichtigstes Diagnosekriterium anführen, könnte man die Diagnose bei mir ausschließen.

      Wären hingegen die Spezialinteressen der ausschlaggebende Punkt, hätte ich die Diagnose wohl fix.
    • Es gibt recht häufig Beispiele für Autisten mit Problemen in der räumlichen Gedächtnis. Zudem hat selbst Temple Grandin inzwischen ja offiziell zugegeben, dass nicht alle Autisten eine Stärke im bildlichen Vorstellungsvermögen haben.

      (Entsprechend sollte man auch endlich mal aufhören eine direkte Verknüpfung zwischen dem Denken in Bildern und dem wörtlichen Verstehen knüpfen zu wollen. Das ist nicht zwingend aneinander gebunden, dass man sich die Szenen, die man sich ausmalt, klar und deutlich vor dem inneren Auge sehen kann!)

      Hinzu kommt, dass in Publikationen, die sich speziell mit weiblichen Autisten befassen, häufig auch der Typus der weiblichen Autisten erwähnt wird, die sich sehr extravagant/auffällig kleiden und stylen, aber ebenso auch die unscheinbar gekleideten.

      Heißt also es ist nichts falsch oder wirklich untypisch an dir, man braucht nur Diagnostiker mit wirklich breit gefächertem Wissen über die verschiedenen Spielarten und Ausdrucksformen von Autismus bzw. Autisten, da manche nicht unbedingt häufiger aber zumindest bekannter sind und daher eher der üblichen Erwartungshaltung entsprechen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • @Lex

      Klingt auch für mich plausibel, dass es vor allem bei Frauen und Mädchen, (die ja auch unter den NTs -nur rein statistisch gesehen - im Durchschnitt eine etwas geringere technisch-mathematische Begabung als Männer aufweisen sollen) häufiger zu "untypischeren" Ausdrucksformen des AS kommen kann.

      Wenn man dann noch ADHS oder andere Komorbiditäten hat, sieht das Gesamtbild der Auffälligkeiten ja auch schon wieder etwas anders aus.

      Kürzlich habe ich etwas Interessantes in Bezug auf räumlich-visuelle Defizite gelesen:
      Diese sollen angeblich durch eine Fehlfunktion der rechten Gehirnhälfte bzw. Schäden an der weißen Substanz verursacht werden.
      Mein MRT-Befund vor ein paar Jahren war allerdings unauffällig.

      Hier noch ein interessanter Link zu NLS (viele Parallelen zu AS) :

      nlsetc.de/14.html
    • Also so wie das auf der Seite beschrieben ist, klingt das in den meisten Punkten wirklich sehr nach mir!

      Ich habe mich nur nie mit Nonverbaler Lernstörung identifiziert, weil ich dachte die vorrangigen Symptome sind, dass das Kind außergewöhnlich früh lesen lernt, jedoch nicht versteht, was es liest. Da ich lesen zwar schnell, jedoch ganz normal in der Schule gelernt habe (mit 7 Jahren, da ich spät eingeschult wurde) und da ich keine Probleme hatte das inhaltlich zu verstehen, was ich gelesen habe, dachte ich, dass ich wohl keine Nonverbale Lernstörung habe. Wie lässt sich sowas denn feststellen bzw. diagnostizieren?
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    • Okay in Wikipedia auch interessant, da trifft auch vieles auf mich zu:

      Zu den Defiziten gehört u. a., dass keine Körpersprache verwendet oder verstanden werden kann. Die Fähigkeiten beinhalten frühe Sprach- und Wortschatzentwicklung, bemerkenswertes Gedächtnis für Auswendiggelerntes, Aufmerksamkeit für Details, frühe Leseentwicklung und exzellente Sprachfähigkeiten. Zusätzlich haben diese Menschen die sprachliche Fähigkeit, sich wortgewandt auszudrücken.
      Darüber hinaus haben Personen mit NLD ein starkes auditives Gedächtnis.
      Es zeigen sich folgende Hauptkategorien von Defiziten und Störungen:
      Die meisten Asperger-Autisten haben eine nonverbale Lernstörung, aber nicht alle Menschen mit nonverbaler Lernstörung sind autistisch. Allerdings sind die neurophysiologischen Unterschiede zwischen Asperger-Syndrom und NLD unklar.

      Eine Nonverbale Lernstörung führt bereits im Kindergarten und in der Schule zu Schwierigkeiten beim Erwerb von Wissen, beim Spielen, bei sportlicher Betätigung und beim Sozialverhalten. Auch die Berufsausbildung und -ausübung ist eingeschränkt. Es kann zu Schwierigkeiten mit der selbständigen Lebensführung kommen; der Erwerb der Fahrerlaubnis und das Autofahren sind erschwert. Die motorischen und Gleichgewichtsprobleme können Stürze und Unfälle verursachen. Die Auffälligkeiten des Sozialverhaltens können zu Diskriminierung, sozialem Rückzug, Isolation und Einsamkeit führen.
      Die guten sprachlichen Fähigkeiten, die frühe Leseentwicklung, das gute Gedächtnis für Auswendiggelerntes, die Aufmerksamkeit für Details sowie die Wortgewandtheit können möglicherweise über die anderen Defizite hinwegtäuschen. Deshalb sind Menschen mit einer Nonverbalen Lernstörung leicht von Überforderung durch Erzieher, Lehrer und Ausbilder bedroht.
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    • Bei mir ist zwar zutreffend, dass ich ein schlechtes visuelles Gedächtnis und ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen habe, aber ich denke dennoch in Bildern. Und ich habe gelesen, dass Kinder mit nonverbaler Lernstörung extrem viel reden und in der Schule Schwierigkeiten haben, weil sie sich oft Dinge nicht bildlich vorstellen können. Das war bei mir genau anders herum. Ich habe wenig geredet, hatte im großen und ganzen keine Schulschwierigkeiten und habe Dinge hauptsächlich dann verstanden, wenn ich sie mir bildlich vorstellen konnte. Deshalb konnte ich in Mathe mit Geometrie viel mehr anfangen als mit Algebra.

      Ich habe Zweifel, ob es diese nonverbale Lernstörung überhaupt gibt. Sie ist ja nicht im ICD, und das wahrscheinlich aus gutem Grund. Es sind Erklärungsansätze für Kinder mit Schulschwierigkeiten, aber ob das wirklich was bringt? Oder ob das nur Pseudodiagnosen sind, damit die Krankenkassen Therapien bezahlen? Oder damit die Eltern eine hübsche Erklärung haben?

      Es könnte ja auch sein, dass eben jeder Stärken und Schwächen hat. Der eine ist in Sprachen gut, der andere in Mathe, und der eine hat ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, und ein anderer eben nicht.
      Außerdem wird es wahrscheinlich bei Therapeuten, die diese Störung im Programm haben, auch oft Verwechslungen mit Asperger-Syndrom geben, wodurch dann sämtliche Symptome durcheinandergeworfen werden.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Lex wrote:

      Ich habe mich nur nie mit Nonverbaler Lernstörung identifiziert, weil ich dachte die vorrangigen Symptome sind, dass das Kind außergewöhnlich früh lesen lernt, jedoch nicht versteht, was es liest.
      Das nennt man, glaube ich, Hyperlexie. Ob es zwingend zu den Symptomen der Nonverbalen Lernstörung gehört, bin ich nicht sicher.

      Shenya wrote:

      Ich habe Zweifel, ob es diese nonverbale Lernstörung überhaupt gibt. Sie ist ja nicht im ICD, und das wahrscheinlich aus gutem Grund. Es sind Erklärungsansätze für Kinder mit Schulschwierigkeiten, aber ob das wirklich was bringt? Oder ob das nur Pseudodiagnosen sind, damit die Krankenkassen Therapien bezahlen? Oder damit die Eltern eine hübsche Erklärung haben?
      Naja, für ganz so beliebig halte ich sie nicht. Damit so etwas diagnostiziert wird, muss zumindest meiner Vermutung nach schon mehr vorliegen als nur Schulschwierigkeiten in manchen Bereichen. Ich denke, das ist einfach eine andere "diagnostische Schiene" als Autismus, die nicht so bekannt geworden ist. Ähnlich wie Dyspraxie, ADHS oder MCD, mit denen sie einiges gemeinsam hat, nimmt sie ein bestimmtes "Cluster" von Teilleistungsstörungen und fasst das zu einem Syndrom zusammen. Diese diffusen, aber im Einzelfall durchaus sehr tiefgehenden Schwierigkeiten sind halt schwer zu fassen. Und man merkt, dass sie irgendwie zusammenhängen, doch das genau festzumachen und voneinander abzugrenzen ist schwierig.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • de.wikipedia.org/wiki/Hyperlexie

      u.a.

      "..Kinder mit Hyperlexie erlernen schon im frühen Kindesalter, weit vor ihren Altersgenossen, das Lesen und sind oft stark von Buchstaben und Zahlen fasziniert. Hyperlexie gilt als ein mögliches Anzeichen für Autismus, Asperger-Syndrom oder das Williams-Beuren-Syndrom.Trotz ihrer bemerkenswerten Fähigkeiten im expressiven Umgang mit Sprache (Sprachausdruck), z. B. Rückwärtslesen, ausgeprägtes Sprachgedächtnis, schnelle Buchstaben- und Silbenzählung, zeigen sich bei Kindern mit Hyperlexie oft große Schwierigkeiten mit rezeptiver Sprache (Sprachverständnis/inhaltliches Sprachgefühl): Sie erfassen häufig die Bedeutung der von ihnen gesprochenen oder gelesenen Wörter und Sätze nicht.."

      ...und wenn sie sie doch erfassen, ist es keine Hyperlexie mehr?
      Gilt das Bedeutung-nicht-erfassen für immer?
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)

      The post was edited 1 time, last by Linnea ().

    • Vielen Dank euch für die Erklärungen und Verlinkungen.
      Es hilft mir, vieles klarer zu sehen.


      @Linnea
      Als ich mit 5 Jahren Opas "Praline" als "Lernhilfe" für das Lesen nahm, erfasste ich wirklich nicht die Bedeutung.
      Meine Abfragen, was das bedeutet, führten jedoch zu interessanten Effekten :d .

      Ich vermute,es ist auch Typsache, bzw vom Umfeld abhängig, ob man dann die Bedeutungslosigkeit "hinnimmt" oder ob man wild entschlossen ist, diese zu lernen, weil man merkt, dass da eine Bedeutung drin steckt, die man nicht erfasst - ich war immer schon neugierig. Auch war Lesen später der einzige Ort, wo ich etwas Ruhe hatte.

      Bei meinem Sohn begann das das erst mit ca 25. Er hatte immmer Lese-Verständnis-Probleme (zeigte sich vor alem bei Textaufgaben). Unn dann nimmt er sich als erstes "Krieg und Frieden" vor - um festzustellen, dass er manches nicht erfasste und dann recherchierte, um festzustellen, dass er vieles von dem Gelesenen nach einigen Seiten oder nach einer Lesepause wieder vergessen hatte - aber er war "wild entschlossen".
      Er lernte praktisch alles, was er las und nach und nach besser erfasste, auswendig.

      Während ich mir Dinge über Assoziationsketten/-verknüpfungen erschließe und merke (Wiedererkennen, Ähnlichkeiten, Fehlendes ergänzen) und dann sinngemäß wiedergeben kann, ist er heute mit 30 in der Lage, ganze Passagen des schon mal Gelesenen wortwörtlich wieder zu geben und anderen zu erklären - so wie er sich den Sinn beim Lesen erschlossen hat.

      Sehr interessant in Gesprächen, wenn ich etwas sage, und er mir den Literaturnachweis plus Originalzitat dazu bringt - das würde ich auch gerne können.
      Liebe braucht Mut
      worldometers.info/
      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
    • Mir geht gerade was auf....

      Ich hab mich oft gewundert, wenn ich nach vielen Jahren ein Buch las, dass ich in der Kindheit (zwischen 5 und 10) gelesen hatte, dass da jetzt eine teilweise andere Geschichte stand. Ich hatte das nicht Verstandene "hingenommen" und aus den schon verstandenen Teilen eine eigene Geschichte "zusammengepuzzelt". Ich hab immer gern gepuzzelt.
      Auch habe ich Bilder, die schwarz-weiß oder in gedeckten Farben gehalten waren, im Kopf farbig ergänzt....und war dann später verblüfft, als ich sie wieder sah....
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      Gegen Komplexität kann man nicht demonstrieren (scobel)
    • @all

      Eine nonverbale Lernstörung bzw. räumlich-visuelle Störung wird in der Regel mit Hilfe von Fragen zur Kindheit/aktuellen Situation (eventuell auch Elternbefragung) und neuropsychologischen Tests diagnostiziert.
      Dafür gibt es speziell Neuropsychologen.

      Mir wurden damals Muster gezeigt, die ich mir merken und wiedergeben musste.
      Zusätzlich hatte ich noch andere Tests (Formen die am PC aufblinkten und mit einer bestimmten Aufgabe verbunden waren, Figuren-IQ-Test,....).

      Ich hatte als Kind eindeutig eine Hyperlexie, konnte schon früh sprechen und noch vor Schuleintritt lesen. Dies wurde damalsi als eine Art Hochbegabung "fehlgedeutet".
      Zum Schulversagen kam es bei mir erst in der höheren Schulstufe (fehlendes Verstehen der Materie in einigen naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch durch psychische Veränderungen).
      In den praktischen Fächern wurde ich auch oft schlechter benotet als meine Mitschüler.

      Ich habe als Kind schon viel geredet, meist über meine Spezialinteressen oder Wörter und Begriffe die mich interessiert haben. Habe auch viel in Wörterbüchern und Lexika nachgeschlagen und meine Eltern oft nach der Bedeutung von Begriffen befragt.

      Die komplexe Welt um mich herum verstand ich allerdings nur schwer.
      Und je älter ich wurde, desto mehr wurde ich in Gruppensituation zum Außenseiter.
      Deswegen "passte" ich mich schließlich an (naja das kann man auch nicht wirklich sagen, eher zog ich mich zurück und wurde immer misstraischer gegenüber vielen Leuten).
      Schlussendlich sprach ich immer weniger bzw. führte tiefsinnigere Unterhaltungen und Gespräche über meine SI nur noch mit "ausgewählten" Personen.

      Vermutlich hingen auch viele meiner Ängste mit meiner Hyperlexie zusammen (habe auch früh begonnen, mich mit Erwachsenenthemen zu beschäftigen), wodurch sich dann wahrscheinlich eine allgemeine Vulnerabilität für psychische Erkrankungen entwickelt haben könnte (meine Theorie).
    • Linnea wrote:

      ...und wenn sie sie doch erfassen, ist es keine Hyperlexie mehr?
      Gilt das Bedeutung-nicht-erfassen für immer?
      Da bin ich auch kein Experte, aber ich glaube, das Symptom bezieht sich ohnehin nur auf die frühere Kindheit. Darauf, dass ein Kind extrem früh liest, aber das, was es liest, gar nicht unbedingt inhaltlich erfassen kann. Es liegt "um des Lesens willen", des Leseaktes an sich, der Inhalt spielt eine untergeordnete Rolle. Die spätere Entwicklung, ob und wann die inhaltliche Seite in den Vordergrund tritt, ist hier meines Wissens gar nicht abgedeckt.

      SpiritOfNature wrote:

      Ich hatte als Kind eindeutig eine Hyperlexie, konnte schon früh sprechen und noch vor Schuleintritt lesen. Dies wurde damalsi als eine Art Hochbegabung "fehlgedeutet".
      Meine "Andersartigkeit" wurde auch lange als Hochbegabung "fehlgedeutet", keineswegs nur von meinen Eltern. Wirklich abgeklärt wurde das jedoch nie, vielleicht, weil meine Eltern auch ahnten, dass es nicht "die ganze Wahrheit war".

      SpiritOfNature wrote:

      Zum Schulversagen kam es bei mir erst in der höheren Schulstufe (fehlendes Verstehen der Materie in einigen naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch durch psychische Veränderungen).
      Ich denke manchmal, es wäre besser bzw. realistischer für mich gewesen, wenn ich "Schulversagerin" gewesen wäre. Dann hätte ich nie die Vorstellung entwickelt, über meine Stärken eine ganz individuelle "Nische" zu finden, in einem Arbeitsumfeld unterzukommen, das wirklich inspirierend und erfüllend ist und interessenbasierte Kontakte ermöglicht. Ich hätte dann wohl eher die Mobbingfreiheit in den Mittelpunkt bestellt.

      SpiritOfNature wrote:

      Ich habe als Kind schon viel geredet, meist über meine Spezialinteressen oder Wörter und Begriffe die mich interessiert haben. Habe auch viel in Wörterbüchern und Lexika nachgeschlagen und meine Eltern oft nach der Bedeutung von Begriffen befragt.

      Die komplexe Welt um mich herum verstand ich allerdings nur schwer.
      Und je älter ich wurde, desto mehr wurde ich in Gruppensituation zum Außenseiter.
      Dito.

      SpiritOfNature wrote:

      Vermutlich hingen auch viele meiner Ängste mit meiner Hyperlexie zusammen (habe auch früh begonnen, mich mit Erwachsenenthemen zu beschäftigen), wodurch sich dann wahrscheinlich eine allgemeine Vulnerabilität für psychische Erkrankungen entwickelt haben könnte (meine Theorie).
      Eine direkte Hyperlexie hatte ich nicht, da meine Eltern meinen Wunsch, mit ca. 2,5 Jahren lesen zu lernen, direkt ausbremsten. Sie hatten Angst, wenn ich schon lesen könnte, würde ich mich anfangs in der Schule langweilen, nicht zuhören und so "abgehängt" werden. So erzählten sie mir, man könne Lesen und Schreiben überhaupt nur in der Schule lernen, und ich glaubte ihnen. Ich "las" dann lange meine Disney-Comics, die ich vom Vorlesen auswendig konnte, und lernte nach der Einschulung in wenigen Wochen fließend lesen. Als ob da eine "Blockade" beseitigt gewesen wäre. Dann las ich allerdings auch sehr früh auch (wenn auch keineswegs ausschließlich) "erwachsene" Bücher, außerdem gerne auch Schulbücher für ältere Kinder (mein Vater war Lehrer und ich liebte es, in seinen Schulbüchern zu stöbern). Teilweise haben die "erwachsenen" Themen mich sicher auch überfordert, aber ich glaube nicht, dass das der Hauptgrund für meine Schwierigkeiten war.
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    • Leonora wrote:

      Da bin ich auch kein Experte, aber ich glaube, das Symptom bezieht sich ohnehin nur auf die frühere Kindheit. Darauf, dass ein Kind extrem früh liest, aber das, was es liest, gar nicht unbedingt inhaltlich erfassen kann. Es liegt "um des Lesens willen", des Leseaktes an sich, der Inhalt spielt eine untergeordnete Rolle. Die spätere Entwicklung, ob und wann die inhaltliche Seite in den Vordergrund tritt, ist hier meines Wissens gar nicht abgedeckt.
      Danke, okay, ich habe das so angenommen, aber nicht gewusst.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Leonora wrote:

      Dann las ich allerdings auch sehr früh auch (wenn auch keineswegs ausschließlich) "erwachsene" Bücher, außerdem gerne auch Schulbücher für ältere Kinder (mein Vater war Lehrer und ich liebte es, in seinen Schulbüchern zu stöbern).
      Ich auch..mit Vorauswahl meiner Eltern durfte ich das auch. Manche der eigenen Schulbücher von früher mag ich immer noch, insbesondere Lesebücher-Sammlungen.
      Aber auch andere Fächer.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • SpiritOfNature wrote:

      Zum Schulversagen kam es bei mir erst in der höheren Schulstufe (fehlendes Verstehen der Materie in einigen naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch durch psychische Veränderungen).
      dito, also auf jeden Fall wurde ich deutlich schlechter. Ich hatte gehofft, es käme weiterhin alles in mich angeflogen ;)


      SpiritOfNature wrote:

      Habe auch viel in Wörterbüchern und Lexika nachgeschlagen und meine Eltern oft nach der Bedeutung von Begriffen befragt.
      Ich auch, und kam, wie heute bisweilen beim googeln, von "Höcksken auf Stöcksken", weil es immer neue spannende Verbindungen und Erkenntnisse gab.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)