Pinned Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

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    • ost27 wrote:

      Ohne Verständigung macht eine Therapie alles nur noch schlimmer, der Therapeut arbeitet an einer von ihm in mich projizierten Vorstellung, wobei ich mich nicht verstanden fühle, ich die Resultate nicht auf mich anwenden kann. Meine Probleme bleiben dabei unbehandelt und am ende laufe ich Gefahr, seine negative Sicht auf das was er für mich hält noch zusätzlich zu meinen Problemen zu internalisieren.
      Auch das finde ich äußerst klug und treffend formuliert. Fasst zusammen, weshalb unpassende Therapien für Autisten eher schädlich sein können. Klar, wenn man selbst in der Therapie noch "versagt" und der Therapeut einen das (sicher unbewusst) spüren lässt, wird es einen noch weiter demotivieren. Dazu kommt auch das Problem, dass, wenn in tatsächliche Thematik unverstanden bleibt, Therapeuten zumeist eher am Selbstwertgefühl arbeiten, nicht daran, beispielsweise für sich Strategien zu entwickeln, Mobbing und Gruppendynamiken nicht mehr so ausgesetzt zu sein.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Dazu kommt außerdem oft, dass die Lebenssituation eben nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung, sondern wirklich "verfahren" ist. Große Lücken im Lebenslauf, kein nennenswertes soziales Netzwerk, ungleichmäßiges Fähigkeitenprofil, womit man in die meisten gängigen Berufe nicht passt, wenig Stressresistenz usw. usf. Viele Autisten würden hier keine Psychotherapie brauchen, zumindest nicht isoliert, sondern eher ein Coaching, das hilft, eine für sich passende Lebenssituation zu schaffen. Nur dann kann man in vielen Fällen, wie ich denke, wirklich nachhaltig auch an den Komorbiditäten arbeiten - beides muss gemeinsam geschehen.
      Ja, stimmt, so sehe ich das auch und versuche das dort, wo ich gerade in Ergo bin, zu vermitteln.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Leonora wrote:

      Absolut, das sehe ich auch so. Dazu gibt es sogar Studien, die genau das bestätigen.
      Danke, dass du mich nocheinmal an die Studien erinnerst (dass Therapie nur mit Vertrauensverhältnis Sinn macht), hilft mir ein bisschen insofern, als ich dadurch diese ohne Vertrauensbasis gelaufene Therapiesitzung als nicht relevant für mich einordnen kann und dadurch etwas aus dem inneren Stress herauskomme.
    • Lex wrote:

      Diese seelischen Wunden, die einem im Laufe des Lebens zugefügt wurden, teils auch durch Verwandte und angebliche Freunde, lasten schwer auf den Schultern. Es mag nicht verwundern, dass (...) über kurz oder lang zu einer generell extrem misstrauischen Haltung führt (ost27: u.A. deswegen ist Vertrauen zum Therapeuten so wichtig) und auch eine pessimistische Einstellung naheliegend ist. Und auch das Bewusstsein, wie oft einem im Leben Unrecht getan wurde, obwohl einem Wahrheit und Gerechtigkeit doch so wichtig ist, wiegt schwer. Viele Therapien haben tatsächlich den Ansatz, auf das Hier und Jetzt zu schauen und den Anspruch zu erheben, man müsse jetzt sein Verhalten ändern, um ein besseres Leben zu führen. Damit hauen Sie aber nur in dieselbe Kerbe.

      (...) Was ich mir wirklich wünschen würde ist jemand, der richtig zuhört und richtig auf das eingeht, was ich erlebt habe, und zwar einschließlich der Erlebnisse aus der Kindheit, (...) , auf eine Weise, die es mir ermöglicht, dieses Kapitel wirklich abschließen zu können (...). Und das sollte zugleich auch jemand sein, der ebenso empathisch eingeht auf Dinge, die mir im jetzigen Leben angetan wurden / werden, was voraussetzt, dass er sich wirklich in meine (autistische) Perspektive hineinversetzen kann. Erst darauf aufbauend bin ich auch empfänglich für Empfehlungen, wie ich zur Verbesserung von Dingen beitragen kann. (...) Es müsste schon jemand sein, der wirklich versteht, dass ich bestimmte Dinge gar nicht und andere nur unter bestimmten Voraussetzungen ändern kann und der dann schaut, was es noch für andere Optionen gibt, Situationen zu verbessern, und der es nicht als Verweigerungshaltung oder Unwilligkeit für Veränderungen auslegt, wenn ich sage, dass bestimmte Wege nicht gangbar für mich sind. Also kurz gesagt: Therapie an für sich kann schon hilfreich sein, aber nur, wenn sie richtig aufgezogen wird und der Therapeut nicht versucht mir blind irgendwelche Konzepte überzustülpen, die er irgendwo gelernt hat. Eventuell müsster er genau das Gegenteil tun von dem, was er gelernt hat, damit er mir helfen kann bzw. damit er überhaupt einen Start machen und mein Vertrauen erlangen kann.
      Damit hatte Lex eigentlich schon alles geschrieben, was ich denke. In einem anderen Thema hatte mal jemand sinngemäß geschrieben, wichtig wäre vor allem, dass man sich bei der Suche nach einem Therapeuten unbedingt stark selbst vertrauen müsse, ob man bei einem Therapeuten ein gutes Gefühl habe. Dieses Selbstvertrauen in die eigene Einschätzung einer Therapiekonstellation fällt mir aber sehr schwer, dazu muss man wohl erst Erfahrungen machen und Glück haben, dass diese nicht zu schwer sind. Dennoch, wenn man bei probatorischen Sitzungen irgendwie ein ungutes Gefühl hat, sollte man manchmal den nächsten Termin lieber gleich absagen und nicht glauben ein klärendes Folgeggespräch würde die Sache positiv klären und man sollte stattdessen weitersuchen, anstatt zuviel Zeit zu verbrauchen und dabei Rückschläge zu erleben. Diese Termine vor denen ich mir vorgenommen hatte dem Therapeuten zu erklären, womit ich bei ihm Probleme habe (wie bei der letzten beschriebenen Sitzung), sind bei mir immer übel ausgegangen, bei mir wurde darauf immer allergisch und destruktiv reagiert, was jegliches Vertrauen zerstört hat.

      The post was edited 2 times, last by ost27 ().

    • Wobei sicherlich, wenn man eine Therapie wegen nicht so massiver Probleme sucht, man das alles auch weniger dramatisch sehen kann. Das blöde ist nur, dass, umso schwerer die Probleme sind, man umso vorsichtiger bei der Wahl des Therapeuten sein muss.
    • ost27 wrote:

      Wobei sicherlich, wenn man eine Therapie wegen nicht so massiver Probleme sucht, man das alles auch weniger dramatisch sehen kann. Das blöde ist nur, dass, umso schwerer die Probleme sind, man umso vorsichtiger bei der Wahl des Therapeuten sein muss.
      Das sehe ich auch so, aber wenn man randvoll mit Problemen ist, kann man am besten Fortschritte erkennen oder eben nicht. Ich tu mir schwer mit Vertrauen und kann kein bisschen einschätzen ob es mein Gegenüber gut oder schlecht meint mit mir. Deshalb muss ich mich am Erfolg der Therapie orientieren. Von Verhaltenstherapie halte ich auch nichts. Sich verstehen, seine Krankheit und/oder Störungen verstehen, dann kann man was ändern .
    • ost27 wrote:

      Ich suche einen Therapeuten, der möglichst wenig mit Schablonen und Konzepten arbeitet, ich hoffe so jemandem im tiefenpsychologischen Bereich eher zu finden.
      Meine Therapeutin ist auf dem Gebiet Asperger auch unerfahren. Sie hatte mir damals das Angebot gemacht, dass wir gemeinsam lernen können und nach Lösungen für mich suchen. Für mich ist das hilfreich, weil ich mich dadurch mit Feedback von außen, mit mir selber auseinander setzen und über mich neue Dinge erfahren kann.
      Für meine Therapeutin ist es hilfreich, weil sie so lernt, wo die normalen Strategien der Verhaltenstherapie bei Aspies an die Grenzen kommt und wo sie anderes denken muss.
      Und so gewinnen wir beide dabei.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • ost27 echt schlimm was du erleben musstest. Das geht nicht, dass die Therapie von einem Therapeuten durchgezogen wird, der einerseits nicht in der Lage ist dir konzentriert zuzuhören und / oder nicht schlau genug deine Gedanken nachzuvollziehen, andererseits aber durch seinen übermäßigen Narzismus, seine Arroganz und sein Bedürfnis, anderen die Schuld für eigenes versagen zu geben, regelrecht beleidigend wird! Und doch zudem ständig unterbricht und dir jedes Wort im Mund umdreht. Ich hasse dummdreiste Großkotze! Erstrecht welche, die auch noch dafür bezahlt werden, zu deiner Retraumatisierung beizutragen. Da läuft doch was falsch!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Warum macht man eigentlich die Diagnose. Therapien gegen AS gibt es eh nicht. Verhaltenstrainig wäre im Angebot. Soll ich dann auch so ein verlogener Smalltalk Depp werden..Sozialverhalten sollte man im Kindergarten lernen. Sowas ist doch lächerlich.
      Ich frage mich echt wozu die ganzen Tests und nun noch zusätzlich Persönlichkeitsstörung. Dass ich einen Schaden habe, hätte ich auch vorher selbst diagnostizieren können. Und da verdient man noch Geld sich die Probleme anzuhören und abzunicken.
      Das einzige was mich noch froh macht ist die Türe hinter mir abschließen und der Stall.
    • Wieso hast du die Diagnose denn machen lassen?

      Manch einer braucht eine Verhaltens-Therapie/Training, manch anderer nicht. Ich will die Diagnose auf der einen Seite für mich, damit ich mit dem (gesicherten) Wissen darum an mir selbst arbeiten kann. In dem Moment, wo ich weiß, welche "Fehler" durch was verursacht werden, kann ich dem entgegen wirken. Andere brauchen dafür die externe Anleitung und das ist völlig in Ordnung so. Auf der anderen Seite will ich die Diagnose, um im Problemfall nicht auf die "du bildest dir das nur ein"-Schiene geschoben zu werden, oder gar um Sätze wie "reiß dich mal zusammen" zu vermeiden.

      Ich denke, die Entscheidung ob und wann man die Diagnose machen lässt, sollte jeder für sich alleine treffen können.
      AS, diagnostiziert am 14.06.2017
    • Ich reisse mich schon 40 Jahre zusammen. Das bin ich längst gewohnt.

      Ich bin mir einfach nicht 100%sicher, dass es das sein kann ein Leben ohne Mitmenschen in einem Alter wo alle kleine Kinder haben usw.
      Aber ich habe mich in keiner Beziehung ...mit keinem Menschen je wohl gefühlt. Alleine ist gut..bzw mit Tieren. Vll habe ich da Wunder rwartet, sber es ist so wie es ist.
    • In meinem Bekanntenkreis heiratet momentan auch einer nach dem anderen, während ich hier als Dauersingle immer nur doof daneben stehe. Die "richtige" war bisher einfach noch nicht dabei. Für mich ist das in Ordnung, aber ich bin auch noch ein bisschen jünger.

      Meine bisherigen Beziehungen waren alle nur von kurzer Dauer, und ich habe mich auch dort nie so wohl gefühlt, wie alleine. Ich werde mich einfach überraschen lassen.
      AS, diagnostiziert am 14.06.2017
    • Aber ich dachte das gehört zum AS, dass man eben am besten alleine zurecht kommt. Ich blicke nicht mehr urch. Ich glaube mehr, dass es immer die falschen Menschen sind. ICH bin zu anders, inkompatibel. Aber vll versthehe ich auch das Krankheitsbild nicht.
      Mir sind Menschen als Gesellschaft infach unangenehm, unpassend...
    • Du hast schon Recht. Allerdings wünscht sich (fast) jeder Mensch auch Gesellschaft.

      Ich bin gerne alleine, solange ein gewisses Maß an Kommunikation vorhanden ist. Letztes Wochenende habe ich 3 Tage mit niemandem richtig gesprochen, das tat mir dann irgendwann nicht mehr gut.
      AS, diagnostiziert am 14.06.2017
    • ok aber dir reicht dann auch ein Telefonat mit einer Behörde oder ein Gespräch mit dem Verkäufer . ...?

      Ich brauche auch Kontakt. Morgen bin im Stall, vorher essen gehen, weil zu faul zum einkaufen. Das reicht vollkommen. Die Vorstellung , dass am Abend noch ein Kerl daheim ist mit allerlei Bedürfnissen und reden usw. ojee
    • Chris36 wrote:

      Warum macht man eigentlich die Diagnose.
      Ich verstehe was du meinst. Ich hätte auch kein Bedürfnis nach einer Diagnose, wenn ich weiß welche Probleme ich habe, dann passt es auch an diesen einfach so zu arbeiten. So sehe ich das für mich. Das geht, solange die Behinderung nicht so stark ich, dass man kein eigenständiges leben führen kann. Denn dann braucht man Unterstützung, die eben auch finanziert werden muss, GdB etc. - dafür muss man (irgendeine) Diagnose haben.

      Ich bin ja viel jünger als du und habe meine Diagnose schon lang. Und der einzige Grund war, der, dass ich eben so stark behindert oder beeinträchtigt bin, dass ich mein Leben eben nicht alleine führen kann und staatlich finanzierte Unterstützung benötige und eben mit der Diagnose einreichen musste.

      "Aber ich dachte das gehört zum AS, dass man eben am besten alleine zurecht kommt. Ich blicke nicht mehr durch."

      > Das alleine zurechtkommen ist aber auch oft das Problem: Es gibt einen Unterschied zwischen "menschlicher Gesellschaft" und "menschlicher Hilfe/Unterstützung".
      Heißt: Ich komme gut ohne "menschliche Gesellschaft" aus, auch wenn ich hin und wieder gerne über meine Interessen rede und mich auch hier (ihr seid ja alle Menschen, oder? :fun: ) gerne austausche. Ohne "menschliche Hilfe/Unterstützung komme ich aber ganz und gar nicht zureche, die brauche ich leider, auch wenn mein Hund mir hilft, alles kann er nicht...
    • Ja das macht Sinn.
      Ich konnte mich immer irgendwie durchkämpfen egal wie...
      Hilfe hätte ich gebraucht, aber bin heute an einem Punkt wo ich sage, dass die ganzen Therapien für die Tonne sind. Jeder sagt was anderes. Letzte Woche meinte die Ärztin sie sei nicht sicher mit AS...vielleicht doch eine Persönlichkeitsstögung. Diese Rumgeeire geht nun über 20 Jahre. Anscheinend in ich nicht zu retten und hoffe intuitiv nun meinen Weg zu finden und die Paar Tage ohne Depressionen gut zu verbringen. Vll sind die Therapeuten auch durch die Bank schlichtweg zu blöd und haben im Studium nur auswendig gelernt. 9 Jahre Therapie insgesamt hne Erfolg. Und was habe ich eigentlich? Glaskugel her