Pinned Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

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    • tolya wrote:

      Aber therapie heisst ja immer irgendwie heilen/genesen und wenn jetzt ein Therapeut behauptet mein Autismus wÄre teilweise geheilt, dann ist das schon schlimm oder rönnte sogar folgen haben.
      Eben.

      Wenn ich in einer Therapie WIRKLICH lernen könnte, besser kommunizieren oder spontan reagieren zu können, dann wäre dies für mich ein Ziel. Ich habe jedoch nicht das Vertrauen, dass dies funktionieren kann. Oder besser: Ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Therapie aussehen sollte.

      Nach schlechten Erfahrungen wird mir Angst und Bange, wenn ich das Wort THERAPIE nur lese.
      In einer früheren Psycho-(Gruppen-)Therapie wurden Rollenspiele gemacht. In Rollenspielen wusste ich immer, worum es ging und was als nächstes auf mich zukommt. Also konnte ich dort problemlos kommunizieren.
      Im wahren Leben, wo nichts vorhersehbar ist, kann ich es noch immer nicht.

      Ich habe mehrere Therapien durchgezogen, doch dies geschah vor meiner Diagnose und sämtliche Therapeuten waren nicht erfahren mit Autismus. Einem schüchternen oder depressiven Menschen hätte man vielleicht geholfen, aber ich habe mich im Nachhinein immer schlechter - als Versager - gefühlt.

      In Maßnahmen vom Jobcenter sollte ich das Kommunizieren auch lernen. Meine Ziele wurden (u. a. durch Androhung von Sanktionen) mir von Anderen vorgeschrieben. Danach fand ich mich in der Klapse wieder...

      Einsam habe ich mich immer nur unter Menschen gefühlt, wenn ich alleine bin, fehlt mir nichts. Es wäre aber - auch als Rentnerin und Stubenhockerin - sicherlich dennoch eine Erleichterung, besser kommunizieren und reagieren zu können. Vielleicht würde ich dann ja ein bisschen Gefallen am Umgang mit Menschen finden, zum Beispiel mal an einer Familienfeier teilnehmen. Meine Familie würde sich freuen.

      Doch ich kann kein Vertrauen für eine neue Therapie aufbringen - bzw. fehlt mir die Vorstellungskraft - wie eine solche Maßnahme für Autisten aussehen könnte. Von Rollenspielen halte ich jedenfalls nichts, nicht für mich.

      Ein weiteres - noch wichtigeres - Ziel wäre es für mich, meine 'Vorzüge' als Aspie besser herauszufinden und kennenzulernen.
      Meine Grenzen der Überforderung in zwischenmenschlichen Situationen kenne ich bereits zu Genüge durch meine Erfahrungen. Aber ich bin noch nicht an die Grenzen meiner Talente und Begabungen gestoßen. Ich weiß zwar ungefähr, wo diese liegen und habe einiges ausprobiert, aber ich war in dieser Richtung noch nie überfordert. Es ging immer noch mehr.
      Und dann wäre da noch meine Synästhesie, die Wahrnehmung von Zahlen und Buchstaben in Farbe sowie die Wahrnehmung von Geräuschen als farbige Strukturen. Sie bietet mir einen Vorteil beim Lernen - ich kann seitenweise Texte und Formeln als buntes Bild im Kopf behalten - und sie inspiriert mich beim Malen und Musizieren.
      Bei beidem frage ich mich, was sonst noch alles geht.

      Ich möchte mich also ausprobieren in den Dingen, die mir liegen und nicht dauerhaft überfordert sein mit den Situationen, die mir nicht liegen. Ich weiss nicht, ob ich dafür unbedingt einen Therapeuten brauche oder ob ich genügend Vertrauen zu einem solchen aufbauen könnte.

      Lex wrote:

      Ich sage ja immer, dass man die hundegestützten Therapieangebote ausweiten sollte.
      Unter der Voraussetzung, dass Tiere nicht zu irgendwas genötigt werden, dass ihnen keine Freude macht, käme auch eine solche Therapie in Frage. Zu Tieren finde ich einen besseren Zugang als zu Menschen.

      Perfectionator wrote:

      Wenn mein Asperger vom täglichen Umfeld akzeptiert und toleriert wird, ist das eine Erleichterung.
      Und dann wäre vielleicht auch gar keine Therapie mehr nötig.
    • Mir hat ein Coaching geholfen, weil ich mit dem Coach ganz konkret und praktisch über Konfliktsituationen und Berufsprobleme sprechen konnte. Ich habe eine angefangene Therapie und einige Gespräche mit Fachleuten hinter mir, die auf mich eher ablehnend wirkten, allerdings ahnte von denen keiner etwas von meiner Aspergerdiagnose, welche auch erst vor einem Jahr durch einen Spezialisten gestellt worden ist. Analysen von Situationen finde ich hilfreicher als Psychoanalyse, ich bräuchte etwas, was ich umsetzen kann. Überspitzt formuliert, wozu hilft mir Traumdeutung, wenn ich mit der Arbeitsagentur sprechen muß? Wenn schon Therapie, dann zweckgebunden und auf den Stärken, dem rationalen Erfassen und Analysieren aufbauend.

      @Michelle, dein Schicksal teilen leider viele, die Fehldiagnosen oder Mißverständnisse hatten. Vielleicht könnte eine neue Therapie bei dir den Zweck haben, deine Schwächen mit Hilfe deiner Talente zu kompensieren bzw. eine Nische zu finden, in der du sie so verwirklichen kannst, daß auch andere sie als bereichernd oder nutzbringend empfinden. Deinen Ansatz finde ich richtig: Einem Stubenhocker würde ich auch eher zur Schriftsteller- als zur Leistungssportlerkarriere raten. Der Therapeut könnte dir auch helfen, indem er mit dir so eine Art Imitations-Handbuch für das notwendige Mindestmaß an sozialer Interaktion erarbeitet und mit dir dafür z.B. rückblickend Situationen aus Sicht beider Seiten durchgeht. Aber ein privater Kontakt, dem du eher vertraust, ist dafür vielleicht sogar besser geeignet als ein Therapeut.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Aus eigener Therapie Erfahrung kann ich nicht antworten. Aber ich bin Pferdewirtin von Beruf, hab einen eigenen Hund und Erfahrung mit Lamas.

      Vom Hund kann ich sagen, dass er meinem Sohn sehr gut tut, ihm sehr wichtig ist. Mit dem Hund geht er alleine aus dem Haus, sonst nicht. Mit dem kann er kuscheln, spielen, Verantwortung übernehmen.
      Pferde (und Lamas auch) bringen Selbstvertrauen. Man muss lernen / üben sich durch zusetzten, klar sein in den Anweisungen, verbal und vor allem mit Körpersprache. Der Umgang kann sehr beruhigen, aber auch mal stressen, wenn es nicht so gut klappt.
      Wir haben hier seit Jahren eine Kooperation mit einer Sprachheilschule. Da kommen auch Kinder mit, die im Autismusspektrum sind. Bei ihnen merkt man eine deutliche Verbesserung in der Ausdrucksfähigkeit und eine Steigerung des Selbstbewußtseins. Die kommen aber leider immer nur ein paar Wochen. Daher kann ich über einer Langzeitwirkung nichts sagen.

      Manchmal macht mein Sohn auch was mit den Pferden, aber selten. Ich denke er macht es gerne, immer auch freiwillig. Es ist bei ihm wohl eher die Scheu hier vor den Menschen. WEnn er irgendwo anders wäre, wo ihn keiner kennt, würde es ihm vielleicht leichter fallen.

      Ich denke es kommt auch drauf an, was man sich von der Therapie erhofft, ob Tiere das leisten können.
      Angehörige und VA
    • Das stimmt. Tieren kann man vertrauen. Die sind absolut ehrlich.
      Und wichtig ist sicher, dass man Selbstvertrauen gewinnt. Und Durchsetzungsvermögen. Das habe ich erst durch den Umgang mit den Tieren gelernt.
      Jetzt lasse ich mir auch von Menschen nicht mehr alles gefallen. Aber bei den Menschen kostet es mich sehr viel mehr Kraft, mich durch zusetzen.

      Und jetzt muss ich erst wieder zu meinen Pferden und Kindern.
      Angehörige und VA
    • Necroghoul7 wrote:

      @Michelle, dein Schicksal teilen leider viele, die Fehldiagnosen oder Mißverständnisse hatten. Vielleicht könnte eine neue Therapie bei dir den Zweck haben, deine Schwächen mit Hilfe deiner Talente zu kompensieren bzw. eine Nische zu finden, in der du sie so verwirklichen kannst, daß auch andere sie als bereichernd oder nutzbringend empfinden. Deinen Ansatz finde ich richtig: Einem Stubenhocker würde ich auch eher zur Schriftsteller- als zur Leistungssportlerkarriere raten. Der Therapeut könnte dir auch helfen, indem er mit dir so eine Art Imitations-Handbuch für das notwendige Mindestmaß an sozialer Interaktion erarbeitet und mit dir dafür z.B. rückblickend Situationen aus Sicht beider Seiten durchgeht. Aber ein privater Kontakt, dem du eher vertraust, ist dafür vielleicht sogar besser geeignet als ein Therapeut.
      Das mag sein. Für mich ist die Rente eine Riesen-Erleichterung - auch wenn ich dafür nicht studiert hatte, geht es mir gut damit. Daher komme ich inzwischen ganz gut - ohne Therapie - zurecht.
      Ich konnte mit meinen Spezialinteressen kein Geld verdienen. Daher waren meine Jobs reine Brotjobs, die ich zwar sehr perfektionistisch und gewissenhaft, jedoch halbherzig erledigt hatte. Erfüllt hat mich keiner davon, meine Erfüllung fand - und finde - ich nunmal in meinen Spezialinteressen. Doch diesen konnte ich mich wiederum nicht ständig hingeben da ich ja arbeiten bzw. auf Jobsuche ging. Vielleicht hat auch dies eine Rolle gespielt und so ein berufliches Coaching, wie Du es beschreibst, hätte mich weitergebracht, wenn ich mehr Freude an meinen Jobs gehabt hätte.
      Mehr Kontakte als ich jetzt habe, brauche und möchte ich gar nicht. Lediglich meine Familie ist enttäuscht, wenn ich nicht an Weihnachten oder zu Geburtstagen erscheine. Für die tut es mir leid, aber ich selbst vermisse gar nichts. Wenn ich an mir arbeiten wollte, um geselliger und kommunikativer zu werden, dann geschähe es wohl denen zuliebe, aber es käme wieder nicht von Herzen.
      Was andere von meiner zurückgezogenen Art zu leben halten, ist mir gleichgültig.
      Ja, mit letzterem hast Du absolut Recht. Mein - ebenfalls autistischer - Freund teilt meine Spezialinteressen und es ist genug Vertrauen da, auch vieles gemeinsam auszuprobieren. Da wir beide Rentner sind, haben wir ja Zeit dazu.
      Einen Therapeuten würde ich in 'unser kleines Universum' nicht hereinlassen wollen...

      Meine Aussage über Therapien sollte aber bitte nicht als Pauschal-Urteil verstanden werden. Intuitiv kann ich nicht erkennen, wem ich vertrauen kann oder nicht und mag nie wieder Gefahr laufen, meine Erfahrungen zu wiederholen, daher dieses übertriebene Mißtrauen.

      Sehnsucht wrote:

      Tieren kann man vertrauen. Die sind absolut ehrlich.
      Finde ich auch - und leichter zu verstehen. Ich finde, der Umgang mit Tieren kann an sich schon eine gute Therapie sein. Bei mir geht die Stimmung schnell nach oben, wenn Vierbeiner mir ihre Aufmerksamkeit widmen, da kenne ich auch keine Berührungsängste. Meine Mutter durfte mich als Kind nicht anfassen, der Hund schon...

      Shenya wrote:

      Die Tierarztkosten sind der größte und unberechenbarste Posten.
      Das ist leider wahr. Und bitte nur Tiere anschaffen, wenn alle Voraussetzungen wirklich gegeben sind.
    • miraculix wrote:

      Also ich brauche keine Therapie, weil ich laufend an mir arbeite. Ich lerne gern und viel und je weniger Pillen ich nehme, desto schlauer werde ich; so kommt es mir vor.
      So ist es auch bei mir, wobei ich diese Fähigkeit zur Selbstverbesserung erst lernen musste und dafür war eine Verhaltenstherapie vor vielen Jahren sehr hilfreich. Seitdem ich mich selbst verstehe, kann ich mich auch selbst therapieren... ich besuch meine Ärztin zwar immer noch alle paar Monate, aber im Grunde bin ich da nur, um zu erzählen was es neues gibt.
    • Chris36 wrote:

      Gibt es eine Therapie die Euch hilft/geholfen hat?

      Hat jd Erfahrungen mit Tiertherapie gemacht?
      Meine menschliche Therapeutin hilft mir zur Zeit dabei, mich selber neu kennen zu lernen. Das finde ich sehr hilfreich, ist aber keine Therapie im Sinn von Heilungsversuch.

      Zusätzlich habe ich noch zwei tierische Therapeuten: meine beiden Katzen. Durch sie habe ich gelernt, wie schön Berührungen sein können, dass man sie aber nicht immer akzeptieren muss. Die beiden akzeptieren mich so, wie ich bin. Sie versuchen nicht, mich zu ändern, haben mich aber auch gut erzogen. Durch sie bin ich nie allein, muss mich jedoch keinen menschlichen Zwängen unterwerfen oder andere Menschen anpassen.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • Nickelig wrote:

      miraculix wrote:

      Also ich brauche keine Therapie, weil ich laufend an mir arbeite. Ich lerne gern und viel und je weniger Pillen ich nehme, desto schlauer werde ich; so kommt es mir vor.
      So ist es auch bei mir, wobei ich diese Fähigkeit zur Selbstverbesserung erst lernen musste und dafür war eine Verhaltenstherapie vor vielen Jahren sehr hilfreich. Seitdem ich mich selbst verstehe, kann ich mich auch selbst therapieren... ich besuch meine Ärztin zwar immer noch alle paar Monate, aber im Grunde bin ich da nur, um zu erzählen was es neues gibt.
      Die Fähigkeit zur Selbstverbesserung habe ich aus den Büchern von Brett Steenbarger, einem amerikanischen Tradingpsychologen. Im Moment lese ich diese Bücher zum zweiten Mal, was äußerst lehrreich ist.
    • Okay, danke..wenn es auch weitgehend mit Tiertherapie zu tun hat, auf jeden Fall wäre es für uns so...hat es sich doch vereigenständigt, daher passt es schon.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Aspies e.V. - Vorstand wrote:

      3.) „Welche Verfahren könnten besonders hilfreich sein im Gegensatz zu anderen?“ - Das sind ja u.U. gar nicht immer die „herkömmlichen“ …
      Jetzt endlich kann ich diese Frage beantworten, nachdem ich gerade meine Gitarre aus der Hand gelegt habe:

      Eine Musik-Therapie würde mir liegen!!!

      Ich selbst brauche dafür keinen Therapeuten, sondern meine (bereits vorhandene) Band. Aber wenn ich diese Leute nicht hätte, dann könnte ich mir eine solche Therapie etwa so vorstellen:
      Der Autist, der die Therapie in Anspruch nimmt, betritt einen Raum, in dem sich viele unterschiedliche Musikinstrumente befinden. Man sucht sich ein Instrument aus - ob man musikalische Vorkenntnisse hat ist egal - und fängt an, damit zu experimentieren. Nach dem Spiel findet das Gespräch mit dem Therapeuten statt...

      Ich bin nicht vom Fach und habe keine Ahnung, ob so etwas überhaupt umzusetzen wäre. Aber für mich ist die Musik das Einzige, das diese unsichtbare Wand um mich herum überwinden kann. Damit kann ich meine Gefühle verarbeiten, alle meine freiwillig geknüpften Kontakte sind über die Musik zustande gekommen. Sie kann mich sogar aus meinem Schneckenhaus herauslocken. Ich kann mich auch selbst mit Hilfe meiner geliebten Gitarre glücklich machen. Musik ist für mich ein Zaubermittel für alle Lebensbereiche. Wenn es keine Musik gäbe, dann wäre ich wohl ein gefühlskaltes Gespenst, das existiert, ohne wirklich zu leben...
    • Chris36 wrote:

      Aber mit Tieren hat keiner was versucht?
      Auch ich habe oftmals lieber Tiere als Menschen um mich, aber da es mir momentan leider nicht möglich ist, ein Haustier zu halten, fehlt mir der Umgang mit Tieren. Zudem hatte ich schon lange den Wunsch, einmal reiten gehen zu können, was mir bisher leider durch eine Allergie verwehrt blieb. Da sich die Allergie über die Jahre stark verbesserte, hatte ich vor kurzem dann doch meine erste Reitstunde und war begeistert. Es handelte sich dabei um keine spezielle Reittherapie, sondern lediglich um ein geführtes Reiten in einer Einzelstunde. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung für mich, die ich jedem Tierfreund nur weiterempfehlen kann. Anfangs hatte ich Bedenken, dass ich dem Pferd zu schwer sein könnte, aber als ich dann auf seinem Rücken saß und merkte, dass es mich ohne Probleme aushalten konnte, war das ein tolles Gefühl und ich konnte mich richtig darauf einlassen. :thumbup:
    • Ja Reiten und alles was mit Tieren zu tun hat macht mich uch glücklich.
      Es braucht dafür keine extra Therapie. Allein der Kontakt bewegte soviel .
      Ich für meinen Teil bin sehr froh und erleichtert, dass ich mich nicht mehr mit Menschen quälen muss. Immer wieder versuchen uss was ohnehin nicht klappt. Und worauf ich auch keinen Bock mehr habe.
      Wozu diese ständigen Belästigungen, wenn es so bezaubernde ehrliche esen gibt. Bei mir kommt noch dazu, dass meine Eltern mich wegen meiner Störung so fertig gemacht haben. Ich erde kein Vertrauen ehr in Menschen finden.

      Danke auch wg dem Musikbeitrag. Singen macht mich lücklich, aber es wird mir zuviel auf einal ;u
      Ich will mich icht wichtig machen, aber als Kind konnte ich Klavierstücke nach 1x hören nachspielen. Ich denke aber diese Begabungen ist heute weg.
    • Ich halte mittlerweile den Aspekt Vertrauen zum Therapeuten und Offenheit und Geduld des Therapeuten für den Patienten für hauptsächlich entscheidend.

      Viele Asperger sind glaube ich sehr reflektiert und verstehen sehr gut, was mit ihnen ist, haben aber trotzdem u.U. nicht mehr die Ressourcen, Kompetenzen und hilfreichen inneren Einstellungen, um sich aus Komorbiditäten zu befreien.

      Für einen NT wirkt Asperger kompliziert. Entscheidend finde ich, dass ein Therapeut, der selbst NT ist, dem Patienten genug Vertrauen vermittelt und Geduld entgegenbringt, dass der Patient die schwierige Aufgabe bewältigen kann, dem Therapeuten sein Wesen, das er selbst wohl kennt, aber nicht so leicht jemandem übersetzen kann, der ganz anders funktioniert, zu erklären. Was zählt ist, dass man sich versteht und das ist so unselbstverständlich. Allein dadurch dass man sich verständlich gemacht hat und etwas verstanden worden ist können manche Komorbiditäten schon abgebaut werden.

      Verheerend finde ich, wenn der Therapeut alles schnell und oberflächlich in NT-Schablonen einordnen möchte und nach gelernten Konzepten verfährt. Daher sind meine Erfahrungen mit Verhaltenstherapie auch ausgesprochen schlecht. Solange der Patient sich dem Therapeuten nicht hat verständlich machen können, ist er sich selbst der bessere (oder weniger schlechte) Therapeut, selbst wenn er mit seinen eigenen inneren Methoden tief ins Unglück geraten ist. Ich finde Therapeutensuche ehrlich gesagt höllisch gefährlich.

      Ich hatte jetzt wieder einige Gespräche bei einem, der meine AS-Diagnose nicht akzeptiert hat, sich wörtlich als „extrem erfahrener Oberprofi“ bezeichnet hat und wenn ich versucht habe zu Beschreibungen und Erklärungen anzusetzen, durch seine Art verunsichert und konfus, mich unterbrochen hat, weil er so viel nicht mitschreiben könne, sich darüber beschwert hat, dass ich über Gefühle viel zu kompliziert und rationalisierend sprechen würde. Zum Schluss kam er noch damit, dass der Versuch sich intellektuell und rationalisierend auszudrücken beim Nichtphilosophen Torheit wäre, was ich noch als Abwertung meiner geistigen Fähigkeiten interpretiert habe. Anders kann ich mich aber nicht ausdrücken und nicht denken, wenn ich nicht mehr denken und mich ausdrücken darf, wie es jetzt meine einzige Möglichkeit ist, ist das bestimmt nicht heilsam. Dazwischen kamen von ihm in großer Geschwindigkeit Kaskaden von mehrdeutigen Beispielen und Beurteilungen, denen ich kaum folgen konnte. Und er hat jedes meiner unsicheren, teilweise ungeschickten Worte echt auf die Goldwaage gelegt und mir Vorwürfe aus Wörtern gemacht, die nur Teilbestandteile einer Argumentation, eines größeren Gedankens von mir sein sollten, einen solchen konnte ich gar nicht rüberbringen.

      Ich suche einen Therapeuten, der möglichst wenig mit Schablonen und Konzepten arbeitet, ich hoffe so jemandem im tiefenpsychologischen Bereich eher zu finden. Ohne Verständigung macht eine Therapie alles nur noch schlimmer, der Therapeut arbeitet an einer von ihm in mich projizierten Vorstellung, wobei ich mich nicht verstanden fühle, ich die Resultate nicht auf mich anwenden kann. Meine Probleme bleiben dabei unbehandelt und am ende laufe ich Gefahr, seine negative Sicht auf das was er für mich hält noch zusätzlich zu meinen Problemen zu internalisieren.

      Ich möchte mich verständlich machen und verstanden werden, mechanistisches Vorgehen des Therapeuten verunmöglicht mir das. Solange er kein Asperger-Spezialist ist (womit ich keine Erfahrung habe), ist es glaube ich besser, wenn er sich möglichst wenig für einen Profi hält, der voll in seinem Lehrbuchwissen aufgeht, dieses Lehrbuchkompetenz eines Psychologen halte ich für Asperger-Patienten eher für eine Negativ- als eine Positivauszeichnung des Therapeuten.
      .

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    • ost27 wrote:

      Ich suche einen Therapeuten, der möglichst wenig mit Schablonen und Konzepten arbeitet, ich hoffe so jemandem im tiefenpsychologischen Bereich eher zu finden.

      ost27 wrote:

      mechanistisches Vorgehen des Therapeuten verunmöglicht mir das.
      Gernau so..diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Durch diese Schablonen und Schubladen wird man dem Klienten nicht gerecht, er wird sogar manipuliert .
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • ost27 wrote:

      Ich halte mittlerweile den Aspekt Vertrauen zum Therapeuten und Offenheit und Geduld des Therapeuten für den Patienten für hauptsächlich entscheidend.
      Absolut, das sehe ich auch so. Dazu gibt es sogar Studien, die genau das bestätigen.


      ost27 wrote:

      Viele Asperger sind glaube ich sehr reflektiert und verstehen sehr gut, was mit ihnen ist, haben aber trotzdem u.U. nicht mehr die Ressourcen, Kompetenzen und hilfreichen inneren Einstellungen, um sich aus Komorbiditäten zu befreien.
      Sehr treffend gesagt. Genau so sehe ich es für mich auch und halte mich damit für keine Ausnahme. Dazu kommt außerdem oft, dass die Lebenssituation eben nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung, sondern wirklich "verfahren" ist. Große Lücken im Lebenslauf, kein nennenswertes soziales Netzwerk, ungleichmäßiges Fähigkeitenprofil, womit man in die meisten gängigen Berufe nicht passt, wenig Stressresistenz usw. usf. Viele Autisten würden hier keine Psychotherapie brauchen, zumindest nicht isoliert, sondern eher ein Coaching, das hilft, eine für sich passende Lebenssituation zu schaffen. Nur dann kann man in vielen Fällen, wie ich denke, wirklich nachhaltig auch an den Komorbiditäten arbeiten - beides muss gemeinsam geschehen.

      ost27 wrote:

      Für einen NT wirkt Asperger kompliziert. Entscheidend finde ich, dass ein Therapeut, der selbst NT ist, dem Patienten genug Vertrauen vermittelt und Geduld entgegenbringt, dass der Patient die schwierige Aufgabe bewältigen kann, dem Therapeuten sein Wesen, das er selbst wohl kennt, aber nicht so leicht jemandem übersetzen kann, der ganz anders funktioniert, zu erklären. Was zählt ist, dass man sich versteht und das ist so unselbstverständlich. Allein dadurch dass man sich verständlich gemacht hat und etwas verstanden worden ist können manche Komorbiditäten schon abgebaut werden.
      Oh ja. Leider ist das wohl die Ausnahme ....
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.