Pinned Wie denkt ihr über Therapien für autistische Menschen (insbesondere Erwachsene)?

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    • ich hatte eine therapeutin, die mir die welt (vergangenes und gegenwärtiges) verständlicher gemacht hat. wichtig war, für's hingehen, dass sie mir das gefühl vermittelt hat, das ich kein idiot bin - denn so komme ich mir schon zu oft in der rw vor. leider ist sie für's hinterher fahren zu weit weggezogen, und mir kostet es zu viel kraft nach einem neuen platz zu suchen ...doch eigentlich brauche ich dringend eineN neueN dolmetscherIn *seufz!*
    • Man kann mit einer Therapie auch den Umgang mit einem Symptom verbessern, ohne dass das Symptom selber verändert wird. Also so Fragen wie "was kann ich tun, wenn...." oder "wie gehe ich mit meiner Trauer um, weil das nicht funktioniert..." u.ä.
      Alles wird galaktisch gut.
    • tolya wrote:

      nur das Symptom, ich kann zB nicht mit Menschen reden, oder auch die Ursache, ASS?
      Eher das einzelne Symptom, denke ich. Das Asperger-Syndrom ist ja, wie jedes Syndrom, im Grunde eine Sammlung von vielen Symptomen. Möglich, dass man so weit kommen kann, dass man nichts daran unangenehm und verbesserungswürdig findet - dann kann man sich überlegen, ob man das Syndrom noch hat oder nicht. Darüber sind sich sogar die Ärzte nicht einig. Ich glaube aber, so weit kommen eher nur marginal Betroffene, Anhänger der Pride-Fraktion oder Menschen, die extrem intensiv an sich arbeiten (wäre mir zu anstrengend, ich denke sowieso, dass meine Lebenszeit dafür gar nicht ausreichen würde).
      Warum fragst du?
    • filipendula wrote:

      Warum fragst du?
      Ich merke oft dass symptombekämpfung, für Manche (Autist/Arzt/Therapeut/...), sofort eine art Genesung darstellt.
      das Gefällt mir nicht.

      Hilfsmittel, Tricks sind wichtig und wenn sie im Alltag helfen ist das gut so. Deshalb ist man nicht weniger autistisch.
      ich kann sei tKindesalter extrem gut kompensieren, diese Tricks halt, aber es sind halt nur Tricks und keine Genesung.

      Verbesserungswürdig ist fast ein politisches Begriff. Für wenn soll es Verbesserungswürdig sein?
      Für den Autisten oder das Umfeld des Autisten, zB der Therapeut der sich freut dass der Patient weniger autistisch geworden ist, dank ein paar Tricks?
    • Die meisten Asperger blicken zurück auf ein Leben voller Enttäuschungen, Zurückweisungen, haben es oft erlebt, dass sie wo immer sie auch hinkamen gemobbt und ausgegrenzt wurden, dass sie voll Motivation irgendwo etwas angefangen haben aber dann nach kurzer Zeit rausgeschmissen wurden, und falls sie noch keine Diagnose hatten, verstanden sie nichtmal warum. Solch ein Leben hinterlässt tiefe Spuren in der Psyche. Es ist schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu haben und sich seines Lebens zu erfreuen, wenn einem nur immer wieder gesagt wird man würde den Ansprüchen nicht genügen, man solle / müsse sich ändern und wenn einem dies nicht gelingt, so sei man selbst Schuld, wenn alle Türen sich vor einem verschließen. Diese seelischen Wunden, die einem im Laufe des Lebens zugefügt wurden, teils auch durch Verwandte und angebliche Freunde, lasten schwer auf den Schultern. Es mag nicht verwundern, dass in Wahrheit bei vielen Aspergern das "Mimik nicht deuten können" nicht zu einer vertrausnseeligen Hakltung sondern im Gegenteil über kurz oder lang zu einer generell extrem misstrauischen Haltung führt und auch eine pessimistische Einstellung naheliegend ist. Und auch das Bewusstsein, wie oft einem im Leben Unrecht getan wurde, obwohl einem Wahrheit und Gerechtigkeit doch so wichtig ist, wiegt schwer. Viele Therapien haben tatsächlich den Ansatz, auf das Hier und Jetzt zu schauen und den Anspruch zu erheben, man müsse jetzt sein Verhalten ändern, um ein besseres Leben zu führen. Damit hauen sie aber nur in die selbe Kerbe.

      Und auch von seiner Vergangenheit nur erzählen dürfen ohne richtige Resonanz ist nicht heilsam. Was ich mir wirklich wünschen würde ist jemand, der richtig zuhört und richtig auf das eingeht, was ich erlebt habe, und zwar einschließlich der Erlebnisse aus der Kindheit, der wirklich mich als Opfer bestätigt und bestätigt, wie Unrecht mir getan wurde, auf eine Weise, die es mir ermöglicht, dieses Kapitel wirklich abschließen zu können und es nicht mehr irgendwie in die Welt hinausschreien oder auf irgendeine Art zeigen zu müssen. Und das sollte zugleich auch jemand sein, der ebenso empathisch eingeht auf Dinge, die mir im jetzigen Leben angetan wurden / werden, was voraussetzt, dass er sich wirklich in meine (autistische) Perspektive hineinversetzen kann. Erst darauf aufbauend bin ich auch empfänglich für Empfehlungen, wie ich zur Verbesserung von Dingen beitragen kann. Simple Gespräche im Sinne von (mal platt ausgedrückt): "Wenn ich das und das tue, bekomme ich Ärger." - "Dann tu das und das nicht!" helfen nicht weiter. Es müsste schon jemand sein, der wirklich versteht, dass ich bestimmte Dinge gar nicht und andere nur unter bestimmten Voraussetzungen ändern kann und der dann schaut, was es noch für andere Optionen gibt, Situationen zu verbessern, und der es nicht als Verweigerungshaltung oder Unwilligkeit für Veränderungen auslegt, wenn ich sage, dass bestimmte Wege nicht gangbar für mich sind. Also kurz gesagt: Therapie an für sich kann schon hilfreich sein, aber nur, wenn sie richtig aufgezogen wird und der Therapeut nicht versucht mir blind irgendwelche Konzepte überzustülpen, die er irgendwo gelernt hat. Eventuell müsste er genau das Gegenteil tun von dem, was er gelernt hat, damit er mir helfen kann bzw. damit er überhaupt einen Start machen und mein Vertrauen erlangen kann.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Therapien für Menschen mit AS dienen dazu, den Schaden auszubügeln, den NTs und andere Freaks in ihrer Psyche angerichtet haben.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Halte ich für Quatsch. Bei "Diagnosen" und "Therapien" gehts ganz plump und praktisch um die Identifikation einer unterstützungsbedürftigen Abweichungssymptomatik in Bezug auf soziale Adaption. Das hängt allenfalls lose mit inneren Verfasstheiten wie dem Selbsterleben bei AS zusammen. Ein therapeutischer Unterstützungsbedarf existiert nur bei extremen zusätzlichen Beeinträchtigungen, wie z.B. den Auswirkungen begleitender geistiger Behinderungen. (Daher ja auch die im Forum irgendwo geschilderte Bestürzung einer Therapeutin über ihre AS-Diagnose: Die resultierte nicht aus dem Syndrom (das durch Selbsterleben + Feedback während der intensiven therapeutischen Ausbildungen ihr zweifellos vertraut war), sondern durch die mitgelieferte Aussage zur Therapiebedürftigkeit.)
    • Lex wrote:

      Therapien für Menschen mit AS dienen dazu, den Schaden auszubügeln, den NTs und andere Freaks in ihrer Psyche angerichtet haben.
      Dem stimme ich ohne Weiteres zu. Meines Wissens (ich bin Asperger, wenn auch "milde" ausgeprägt) hilft eine Therapie möglicherweise, die individuelle Autismus-Ausprägung aller Widrigkeiten zum Trotz als Stärke zu betrachten und somit konstruktiver mit der eigenen "Mitgift" umzugehen.

      Heilbar ist Autismus nicht, braucht es meiner Meinung auch nicht zu sein. Etwaigen Vorurteilen entgegne ich mit folgender Frage: Wer ist in der Lage ist, sich stundenlang mit absolutem Blick für Details hoch konzentriert einer einzigen Aufgabe zu widmen.

      Für mich ist jedes Individuum - egal, ob wir uns verstehen oder arrangieren - einzigartig und verdient Respekt.
      C'est en s'attaquant aux racines du mal que l'Humanité aurait peut-être un jour la possibilité de se libérer de ses chaînes.
      Référence : DANTEC, Maurice G., Les racines du mal, Série Noire, Gallimard, Paris 1995
    • Ich habe das Gefühl, dass ganz schön viele Leute hier ein Problem damit haben, einzugestehen, dass sie eine Behinderung haben. Nur so lässt es sich erklären, weshalb sich so vehement dagegen gewehrt wird, zuzugeben, dass Schwierigkeiten da sind und dass Therapien notwendig und hilfreich sein können, wenn sie passend sind.

      Das ist aber m.E. nicht der richtige Weg. Der richtige Weg wäre, dazu zu stehen, dass man eine Behinderung hat und dann trotzdem selbstbewusst zu sein. Das geht nämlich. Wenn man da was verleugnet, hat man nur einen blinden Fleck, der einem immer wieder Probleme bereiten wird.

      Es ist für mich auch nicht logisch, zu sagen, dass man gesund ist und alles kann, und manches sogar noch besser als die meisten anderen Menschen, während man gleichzeitig eine Diagnose hat und evlt. auch noch einen Schwerbehindertenausweis, Nachteilsausgleiche in Anspruch nimmt und fordert, dass doch die anderen Menschen gefälligst Rücksicht nehmen sollen. All dies wäre doch gar nicht nötig, wenn man gesund wäre und alles könnte, was andere Menschen auch können.

      Man kann darüber streiten, wie man den Zustand nun nennt (Behinderung, Krankheit, genetische Andersartigkeit - jeder wähle, was dem Ego am besten bekommt), aber Fakt ist, dass der Zustand Probleme macht im täglichen Leben, und daran sind auch nicht nur die anderen schuld.

      Wenn ich mir überlege, über was ich mit meiner Psychiaterin so rede, dann sind das meistens Dinge, für die niemand was kann, wo niemand böse zu mir war, sondern einfach Dinge, die mir Schwierigkeiten machen, weil ich so bin wie ich bin. Und sie hilft mir, indem sie mich stärkt und mir Tipps gibt, wie ich das eine oder andere Problem lösen kann.

      Wenn jetzt jemand wirklich sagen kann, dass er keine derartigen Probleme hat, dann frag ich mich, wozu er dann eine Diagnose braucht. In so einem Fall würde ich doch fröhlich meiner Wege gehen und mich überhaupt nicht um Ärzte und Diagnosen oder Selbsthilfeforen scheren. :question:
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Das ist aber m.E. nicht der richtige Weg. Der richtige Weg wäre, dazu zu stehen, dass man eine Behinderung hat und dann trotzdem selbstbewusst zu sein. Das geht nämlich. Wenn man da was verleugnet, hat man nur einen blinden Fleck, der einem immer wieder Probleme bereiten wird.
      Auf wessen Aussage bezieht sich diese Aussage? Was genau rätst du zum selbstbewussten Auftreten angesichts der unzähligen von mir durchschrittenen Täler?

      Shenya wrote:

      Man kann darüber streiten, wie man den Zustand nun nennt (Behinderung, Krankheit, genetische Andersartigkeit - jeder wähle, was dem Ego am besten bekommt), aber Fakt ist, dass der Zustand Probleme macht im täglichen Leben, und daran sind auch nicht nur die anderen schuld.
      Aus welcher Aussage liest du heraus, dass anderen die Schuld für die eigene Andersartigkeit gegeben wird?
      C'est en s'attaquant aux racines du mal que l'Humanité aurait peut-être un jour la possibilité de se libérer de ses chaînes.
      Référence : DANTEC, Maurice G., Les racines du mal, Série Noire, Gallimard, Paris 1995