Sich nicht entscheiden können

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    • Lefty wrote:

      Gestern las ich etwas zu diesem Thema und jetzt finde ich den Artikel leider nicht wieder. Es hieß, Entscheidungen zu treffen fiele AS(S)lern oft schwer, weil sie sich schlecht etwas vorstellen können, was sie noch nicht erlebt haben. Das Beispiel war ungefähr: Autist wird gefragt: Denkst du, dass es dir dort gefallen wird? - Antwort: Woher soll ich wissen, ob es mir gefallen wird, wenn ich doch noch nie dort war?

      Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich antworte immer so ähnlich - dass ich sehen werde, wie es sein wird, dass ich jetzt ja noch nicht wissen kann, wie es sein wird, ob es mir gefallen wird etc. Ich konnte z.B. auch nichts damit anfangen, wenn man mir zu einer neuen Arbeitsstelle gratulierte. Ich wusste doch gar nicht, ob es dort gut sein würde, das stellt sich ja dann erst heraus. Wieso also vorher gratulieren?

      Jedenfalls finde ich die Erklärung mit der mangelnden Vorstellungskraft bzgl. bisher nicht Erlebtem - also dass das ein Grund sein kann, warum man sich sehr schwer tut, eine Entscheidung zu treffen, einleuchtend. Dann kann man sich z.B. nicht für ein Gericht im Restaurant entscheiden, weil man kein einziges der Gerichte, die auf der Speisekarte stehen, bisher gegessen hat. Aus dem, was auf der Karte steht, kann man sich keine für eine Entscheidung ausreichende Vorstellung von den Gerichten machen. Schwerwiegender wird es selbstverständlich, wenn man sich für oder gegen etwas entscheiden muss/will (bzw. eine Auswahl aus noch mehr als zwei Optionen treffen muss/will), was größere Aus- und Nachwirkungen hat (z.B. die Frage, in welchem Stadtteil man eine Wohnung beziehen oder in welche Region oder welches Land man im Urlaub reisen möchte).
      mit Entscheidungen kann es doch auch deshalb schwierig sein, weil es so kompliziert ist , auszuwählen oder besser zu streichen, was man nicht will.Im Restaurant benötige ich meistens mehr Zeit für meine Auswahl als alle anderen und bin daher die Bremse...
    • BerndBarthel wrote:

      Im Restaurant benötige ich meistens mehr Zeit für meine Auswahl als alle anderen und bin daher die Bremse...
      Ich auch, deshalb bin ich ja Veganerin, da hat man meist keinee große Auswahl :fun: .

      Ich habe in letzter Zeit verstanden, warum ich mich nicht entscheiden kann: Weil viel über das Bauchgefühl entschieden wird, ich aber Entscheidungen eigentlich nur mit dem Kopf fällen kann. Sie müssen rational begründet werden.
    • In alltäglichen Dingen sich nicht entscheiden zu können, ist nebensächlich trivial für alle Menschen. Das eigentliche Problem für Autisten ist, wenn es um wesentliche Entscheidungen im Leben geht, da man mit schwerwiegenden Orientierungsschwierigkeiten im sozialen Leben konfrontiert wird.

      Mein Rezept ist stets die Frage, ob ich eine eindeutige Realisierungsenergie für eine wichtige Entscheidung habe oder nicht. Wenn nicht dann mache ich NICHTS.

      Wenn doch, dann ist es fast immer meine Intuition, die vielleicht mit meinen derweiligen aktuellen logischen Analysen nichts zu hat, aber mich mit einer solchen Energie vorantreibt, dass ich denke, ist vielleicht Blödsinn, aber ich kann einfach nicht anders.

      Der Vorteil dabei ist, dass man nachher, wenn alles vorbei ist, nichts zu bereuen hat, weil man 'ganz genau' weiss: Damals konnte ich gar nicht anders...
    • Für mich ist es entscheidend, daß ich immer weiß, was mich als nächstes erwarten wird. Bei allem was ich tue, muß vorher klar sein was geschehen könnte. Nur so kann ich handeln. Unvorhersehbare Dinge erzeugen Unsicherheit oder gar Panik. Das macht auch das Entscheiden schwer, besonders, wenn es mehrere Optionen gibt. Die muß ich erst prüfen, bevor ich mich entscheide. Das kann zum einen sehr lange dauern und zum anderen dazu führen, daß ich mich nicht entscheiden kann und somit auch nichts mache. Mir wurde und wird das oft als Bequemlichkeit oder Faulheit vorgeworfen. Das Dumme dabei ist, daß ich das früher selbst von mir geglaubt habe und ich viel Energie verschwendet habe um das zu ändern. Was mir letztendlich aber nie gelungen ist.
    • Spero wrote:

      Das kann zum einen sehr lange dauern und zum anderen dazu führen, daß ich mich nicht entscheiden kann und somit auch nichts mache.
      Nichts zu machen ist schon was u. gar nicht mal so leicht, wie es klingt... Spione werden in ihrer Ausbildung gedrillt, Nerven zu behalten u. nichts zu tun, hatte ich mal irgendwo gelesen.
    • Ich fürchte mich vor allem vor Endgültigkeit, grosse Entscheidungen machen mir Angst. Aber auch kleine Dinge des Alltags überfordern mich. Der Drang nach neuem ist da, doch schlussendlich lande ich trotzdem wieder bei dem, was ich kenne. (Essen und Ähnliches)
      Wenn ich ein Gerät kaufen will, informiere ich mich über alle Optionen, finde die beste Option plötzlich doof, weil ich herausfinde, dass sie nicht perfekt ist und zögere die Entscheidung um Monate heraus. Dann fällt es mir wieder ein, ich habe etwas Abstand gewonnen und fälle dann die Entscheidung.
    • Problematisch, verwirrend und ein hin und her wird es leider, wenn nur eine Verhaltensweise für Situationen verfügbar ist und selbst keine zusätzlichen adequaten Verhaltensweisen gefunden werden können, die kein hin und her verursachen.

      Das nervt mich so was von und führt dazu das ich nichts sage, obwohl es angebracht ist.

      Herrlich unperfekt ist perfekt. Nobody is perfect und ich erst recht nicht.
    • Hallo,
      ich kenne das mit dem "nicht entscheiden können" auch - vor allem das "Prüfen bevor man handelt", was ja weiter oben (44, 46) schön beschrieben wird.

      Aber nicht mit allen Entscheidungen tue ich mich schwer:
      Klamotten sind z.B. kein Thema: Ich habe da SEHR konkrete Vorstellungen, dann muss ich nur noch das Gesuchte finden (was schon eher ein Problem wird). Bei Alternativen: Gefällt mir etwas, nehme ich das erste. Alles andere vergleiche ich ohnehin mit dem ersten, bislang habe ich noch nie eine bessere Alternative gefunden.

      Solange das Angebot überschaubar ist, ist es unkritisch (das dürfen dann auch 5 verschiedene Läden sein, das ist nicht das Problem)

      Einen gebrauchten Laptop für meine Tochter zu kaufen habe ich bislang nicht hinbekommen, da es da 1000 Angebote gibt, die ich alle miteinander vergleichen will, um das Optimum zu finden, was logischerweise zum Scheitern verurteilt ist. Wahrscheinlich muss ich einfach auch hier den Erstbesten nehmen.

      Wo ich mich gar nicht entscheiden kann:
      Wie baue ich eine noch nie gehaltene Unterrichtsstunde auf. Ich lese mich ins Thema ein, dann habe ich eine Idee, dann noch eine und noch eine Dritte. Dies mit rein? Jenes raus? Ist das nicht aber alles wichtig? Am Ende dauert die Vorbereitung länger als der Unterricht.

      Im Hobby (aber nicht nur dort) habe ich ständig neue Ideen, die ich anfange, um dann der nächsten Idee nachzurennen, die von der nächsten abgelöst wird, die... usw. Damit verzettele ich mich ständig, was unendlich viel Zeit kostet. Das ist MEIN Entscheidungsproblem - versuche grade, es irgendwie in den Griff zu bekommen.
    • Ich habe das Buch leider nicht mehr hier. Im Hagakure ist es laut Google wie folgt formuliert:

      "Innerhalb von sieben Atemzügen soll eine Idee geboren und eine Entscheidung getroffen werden. Zu langes überlegen führt zu miserablen Entschlüssen. Ein wahrer Samurai handelt schnell"

      Ich bin zwar kein wahrer Samurai und komme auch oft zu keiner Entscheidung, aber ich versuche dann zumindest, mich einer anderen Sache zu widmen. Beim nächsten Mal klappt's dann vielleicht.
    • L84 wrote:



      "Innerhalb von sieben Atemzügen soll eine Idee geboren und eine Entscheidung getroffen werden. Zu langes überlegen führt zu miserablen Entschlüssen. Ein wahrer Samurai handelt schnell"

      Ich bin zwar kein wahrer Samurai und komme auch oft zu keiner Entscheidung, aber ich versuche dann zumindest, mich einer anderen Sache zu widmen. Beim nächsten Mal klappt's dann vielleicht.
      das ist ein guter Tipp, danke :0
      Was ich brauch' ist ein Pinguin mit Übergewicht, der für mich das Eis bricht, denn ich kann das nicht! ~Jennifer Rostock
    • L84 wrote:

      "Innerhalb von sieben Atemzügen soll eine Idee geboren und eine Entscheidung getroffen werden. Zu langes überlegen führt zu miserablen Entschlüssen. Ein wahrer Samurai handelt schnell"
      Wenn ich mich recht entsinne stand aber enwteder im Hagakure oder Bushido (nein nicht der Rapper), dass wenn jemand einen um Rat fragt bzw. was von einem will man sagen kann, das man erst darüber nachdenken muss. Das klingt wiederum nicht nach man muss direkt entscheiden.
    • Zodd wrote:

      Wenn ich mich recht entsinne stand aber enwteder im Hagakure oder Bushido (nein nicht der Rapper), dass wenn jemand einen um Rat fragt bzw. was von einem will man sagen kann, das man erst darüber nachdenken muss. Das klingt wiederum nicht nach man muss direkt entscheiden.
      stimmt ...sehr widersprüchlich . :?
      Was ich brauch' ist ein Pinguin mit Übergewicht, der für mich das Eis bricht, denn ich kann das nicht! ~Jennifer Rostock
    • Einen Widerspruch sehe ich darin nicht, dafür aber zwei andere Interpretationsmöglichkeiten: 1. jemanden abwimmeln bzw. auf später vertrösten ist in Ordnung 2. das, was ich beschrieben habe: feststellen, dass man nicht weiterkommt und sich erstmal etwas anderem widmen, um später darauf zurückzukommen.

      Das haften an Dingen, stundenlange grübeln wird mit beiden Aussagen vermieden.