Erfahrungen mit Soziotherapie?

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    • Erfahrungen mit Soziotherapie?

      Hat hier jemand Erfahrungen mit Soziotherapie?
      (neurologen-und-psychiater-im-n…ie/was-ist-soziotherapie/)
      Seit dem 1.1.2015 wurde das Indikationsspektrum erweitert (vorher konnte man das nur bei Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis verordnet bekommen), so dass es jetzt auch möglich ist, mit einer Autismus-Diagnose Soziotherapie zu erhalten.
      Voraussetzung ist weiterhin ein niedriger GAF-Score (<40).
    • Ah so nennt man das?
      Das kenne ich hier als Aufgabe des SpDi... also meist betreuen sie Menschen, die schwere psych. Erkrankungen haben wenn diese aus der Psychiatrie draußen sind, um zu verhindern, dass sich die Erkrankung unter der Belastung des Lebens außerhalb des beschützen Psychiatrie-Umfeldes wieder verschlimmert und sie alsbald wieder zurück in die Psychiatrie müssen... (aber nicht nur Schizophrenie, auch Sucht, und sicher auch noch andere psych. Erkrankungen) naja es ist für den Staat auch kostengünstiger als häufige Psychiatrieaufenthalte deswegen wird es aus staatlichen Quellen bezahlt (aber von der Caritas geführt). Für die Betroffenen ist es natürlich auch gut... also win-win Situation würde ich sagen...

      Nach der Definition von Soziotherapie hatte ich das auch schon, und habe es noch, allerdings den umgekehrten Weg: verhindern, dass ich in die Psychiatrie muss und möglichst alles ambulant läuft; sowie Erhaltung meiner Unabhängigkeit ( Unabhängigkeit von einem Betreuer, Einrichtung oä).
      Also konkret: Hilfe einen passenden Psychiater zu finden; Hilfe eine Therapie zu finden; Hilfe beim SBA-beantragen; Hilfe veranlassen (via Schreiben, Atteste, Telefon) beim Amt; Hilfe beim Hausarzt veranlassen via Schreiben; Angehörige (Partner) "aufklären", Therapeut "aufklären"; "Übersetzer"-Funktion bei der Partnerschaft...
      (insgesamt involviert sind da mehrere Personen)

      Aber... das war auch vor dem 1.1.2015 so... und ich bin nicht schizophren und habe auch keine Schizophrenie-Diagnose... wenn es nicht via Autismus-Diagnose ging dann vielleicht via Depression-Diagnose? Oder es lief inoffiziell und sie rechnen die Arbeitszeit dann halt irgendwie anders ab?
      Was ein GAF-Score ist weiß ich nicht. Was ist ein GAF-Score?
      Falls ich einen habe so weiß ich dies nicht ;)

      The post was edited 3 times, last by Neoni ().

    • Neoni wrote:

      Also konkret: Hilfe einen passenden Psychiater zu finden; Hilfe eine Therapie zu finden; Hilfe beim SBA-beantragen; Hilfe veranlassen (via Schreiben, Atteste, Telefon) beim Amt; Hilfe beim Hausarzt veranlassen via Schreiben; Angehörige (Partner) "aufklären", Therapeut "aufklären"; "Übersetzer"-Funktion bei der Partnerschaft...
      Ja, um solche Probleme geht es bei mir. V.a. Hilfe bei der Vereinbarung und beim Wahrnehmen von Arztterminen (u.a. wegen des Problems mit Berührungen), Erledigen von Behördenkram (der liegt bei mir seit Jahren unerledigt rum, weil ich es allein nicht auf die Reihe kriege), Organisation meines Haushalts, Finanzen, Versicherungen u.v.m. Ich brauche jemanden, der mich auch mal begleitet, z.B. zu Arztterminen oder Behörden. Jemanden, der auch mal Telefonate für mich übernehmen kann oder für mich "dolmetschen" kann.

      Ich war früher auch mal beim SpDi, aber das Problem war, dass die hier so viel zu tun und so wenig Personal haben, dass sie mir nicht mehr als einen 30min-Termin im Quartal bei ihnen im Büro anbieten konnten. Das war logischerweise dann ziemlich sinnlos, und der zuständige Mitarbeiter war zwar nett, hatte aber keine Ahnung und kein Gespür für Autismus. Ich habe immer nur gehört "Sie sind doch so intelligent, sie wissen doch eigentlich, wie das alles funtkioniert, ich verstehe gar nicht, wieso Sie das nicht alleine hinkriegen!". Die Hilfe beschränkte sich darauf, dass der Sozialarbeiter mir erklärt hat, wo ich welche Anträge im Internet runterladen und wo ich dann damit hingehen muss, welche Frauenärzte es in der Stadt gibt usw. - aber er hat nicht verstanden, dass das gar nicht mein Problem war, sondern die praktische Umsetzung!
      Der Vorteil von Soziotherapie wäre, dass man 120 Stunden in 3 Jahren bekommen kann, also ca. 40 Stunden pro Jahr, was nach Rausrechnen von Urlaubswochen/Feiertagswochen ca. 1 Stunde pro Woche wäre. Also schon mal besser als das SpDI-Grundversorgungsangebot mit 30min pro Quartal.
      Und es wird von der Krankenkasse bezahlt und ist nicht von einer Einkommens- und Vermögensprüfung abhängig wie z.B. ambulant betreutes Wohnen, Persönliches Budget u.ä. Man muss nur pro Termin zuzahlen, aber das hält sich im Rahmen, wie ich recherchiert habe, und ich könnte es mir leisten (wahrscheinlich erreiche ich zusammen mit den Medikamenten sowieso die Zuzahlungsgrenze und zahle ab dann gar nichts mehr zu).

      Ich bin also jetzt am Überlegen, ob ich Kontakt zu diesem Dienst aufnehme. Mein Psychiater meinte: "Rufen Sie da einfach mal an!". Er merkte kurz darauf selber, dass das ja eins meiner Probleme ist, und suchte mir eine Mailadresse raus, aber jetzt weiß ich nicht, was ich schreiben soll. :(

      Und ich bin skeptisch, weil es dieselben Mitarbeiter wären wie damals beim SpDi. Aber vielleicht haben die inzwischen dazugelernt?
      Skeptisch bin ich auch, weil ich in einer Arbeitsgruppe zum Thema Autismus bin, in der es um Angebote hier in der Stadt geht, und ein Mitarbeiter vom SpDi da war und bei der Vorstellung meinte, sie hätten jetzt zwar einen Fachdienst für Autismus gegründet, aber er müsse zugeben, dass sie alle irgendwie keinen Plan hätten, was sie mit den Klienten tun sollen. Ich saß nur da und dachte, okay, und so jemand soll mir dann helfen?
    • Ich glaube, das was du da bekommen hast, ist keine Soziotherapie (betr. Neoni). Der SPDi macht ja auch ganz normale, allgemeine Betreuungsleistungen. Die Soziotherapie ist aber eine besondere Leistung, die von den Krankenkassen bezahlt wird und nach bestimmten Richtlinien ablaufen muss.

      Beim Googeln wegen dem GAF-Score habe ich das hier gefunden: sabineschaefer.com/fileadmin/u…F_2010-10-12-Homepage.pdf
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ich glaube, das was du da bekommen hast, ist keine Soziotherapie. Der SPDi macht ja auch ganz normale, allgemeine Betreuungsleistungen.
      Ja, das was ich vor Jahren mal hatte, war keine Soziotherapie.
      Die konnte damals nicht beantragt werden, weil ich keine Diagnose habe, mit der man das zum damaligen Zeitpunkt hätte beantragen können (Schizophrenie, Depression mit psychotischen Symptomen u.ä.).
      Deshalb habe ich damals nur eine Art "Grundversorgung" durch den SpDi bekommen, und die sah eben so aus, dass es einmal pro Quartal 30min Gespräch gab.
    • Als ich meinen Beitrag schrieb, hatte ich deinen (zweiten) noch nicht gesehen und bezog mich deshalb auf Neoni. Aber es stimmt ja für beide.:)

      Bei der Soziotherapie habe ich ein bisschen Zweifel, ob man auf der GAF-Skala niedrig genug ist, solange man noch einen Arbeitsplatz hat. Aber ich weiß es nicht, man könnte es ja trotzdem mal ausprobieren.

      Wenn die beim SPDi sich nicht auskennen mit Autismus, muss man es wohl erklären... mühselig. Aber es ist ja eigentlich wie auch bei den Ärzten und Psychologen, man muss denen erstmal erklären, was man hat, damit sie einem dann (vielleicht) helfen können. Leichter wird es wahrscheinlich erst so in 10-20 Jahren, wenn die jungen Autisten älter werden und in diesen Hilfesystemen dann auch vermehrt auftauchen. (Die älteren Autisten laufen da ja bisher oft mit anderen Diagnosen bzw. unter ihren Komorbiditäten.)
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Bei der Soziotherapie habe ich ein bisschen Zweifel, ob man auf der GAF-Skala niedrig genug ist, solange man noch einen Arbeitsplatz hat.
      Ich bin es wohl, trotz Arbeitsplatz. Aber ich habe dort ja auch eine Arbeitsassistenz und nachweislich Unterstützung. Und selbst damit wurde es in den letzten Monaten zunehmend schwieriger.
    • Soll die GAF-Skala denn auch für Autisten unverändert angewandt werden? Ich finde ihre Aufteilung auch abseits der Beispiele an Schizophreniesymptomen irgendwie schwierig. Denn von meiner Leistungsfähikeit her würde ich mir locker 100 Punkte geben, aber in der anderen Hälfte, der sozialkommunikativen, vielleicht 51-60. Und was sagt das dann über den Hilfebedarf aus, wenn das so auseinandergeht? (Ich habe m.E. keinen, da ersteres bei mir völlig in Ordnung ist und mich letzteres subjektiv nicht beeinträchtigt).
      Nichts ist, wie es scheint...
    • Shenya wrote:

      Ich glaube, das was du da bekommen hast, ist keine Soziotherapie (betr. Neoni). Der SPDi macht ja auch ganz normale, allgemeine Betreuungsleistungen. Die Soziotherapie ist aber eine besondere Leistung, die von den Krankenkassen bezahlt wird und nach bestimmten Richtlinien ablaufen muss.
      Das war nicht nur der SpDi. Das meinte meine Anmerkung "insgesamt involviert sind da mehrere Personen". Also da habe ich mich kurz gefasst. Genauer war es so:

      -- Hilfe einen passenden Psychiater zu finden (SpDi)
      -- Hilfe eine Therapie zu finden (SpDi + Psychiater)
      -- Hilfe beim SBA-beantragen (Psychiater)
      -- Hilfe veranlassen beim Amt via Schreiben, Atteste, Telefon (dass ich in die Reha-Abteilung komme, Instruktion was ich gesundheitlich machen kann/darf des Sachbearbeiters) (Psychiater)
      -- Hilfe beim Hausarzt veranlassen via Schreiben (Hilfe die veranlasst wurde meint: Umgang des Personals inkl Arzt mit mir, und dass sie mir auch helfen sollen bei Terminvereinbarung für Überweisung) (Psychiater)
      -- Therapeut "aufklären" und Rücksprache durch Telefonate ggf (von mir auch erlaubt jeweils) (Psychiater)
      -- Partner "aufklären" bzw informieren, aber es stellte sich heraus dass es nicht nötig gewesen wäre (Psychiater)
      -- Partner "aufklären" gemeint ist hier ein Gespräch des Therapeuten mit meinem Partner, von mir gewünscht so (Therapeut)
      -- "Übersetzer"-Funktion bei der Partnerschaft (Therapeut)

      Muss ja irgendwie jeder Helfer für sich (SpDi, Psychiater, Therapeut) irgendwie abgerechnet haben. Wie konkret jeweils weiß ich nicht.
      Wenn die Hilfe zentral gesammelt läuft und zentral abgerechnet wird, dann heißt es wohl Soziotherapie, so hab ichs jetzt verstanden, aber inhaltlich ist es ja ähnlich.

      Bloß der Fokus bei mir aufs Gesundheitliche, bei Mnesis auf die Bewältigung des Alltages wie ich sie jetzt verstand. Zur Bewältigung des Alltages (ich spreche hier an was sie schrieb: Erledigen von Behördenkram, Organisation meines Haushalts, Finanzen, Versicherungen) bräuchte ich ohne meinen Partner eine Betreuung, deswegen wird in meinem Falle versucht, die Beziehung zu erhalten (nicht dass sie in Gefahr wäre, aber sie ist wichtig für mich eben nicht nur aus Liebe (welche auch vorhanden ist)). Haushaltsaufgaben übernehme ich mehr als er (abgesehen von Einkaufen und Kochen), aber ich brauch auch jmd der dafür sorgt dass ichs tu... und sei es nur seine Anwesenheit die mich erinnert "ich leb hier nicht allein und muss meine Aufgaben erfüllen" (bei ganz allein Leben fehlte nämlich genau diese Motivation die dann zum Schleifenlassen und Chaos führte)

      Shenya wrote:

      Beim Googeln wegen dem GAF-Score habe ich das hier gefunden:
      Danke.

      Skala zum psychosozialen Funktionsniveau eines Patienten, unabhängig von dessen kulturellen Hintergrund sowie dem Schweregrad seiner Symptomatik.
      Bei diesem Rating sollten keine körperlichen Einschränkungen berücksichtigt werden, ebenso keine umgebungsbedingten Merkmale.

      Ja, nach so ähnlichen Skalen messen die auch die Folgen von Behinderungen.

      Was ähnliches muss auch der Amtsarzt vom Arbeitsamt (im Hindergrund) verwendet haben zur Sozialmedizinischen Stellungnahme ( 1. Integrationsrelevante Funktionseinschränkungen, 2. Leistungsbild, 3. sozialmedizinische Beurteilung), da steht sie lehnen diese Beurteilung an an den ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) der WHO.

      Ein GAF wäre dasselbe bloß beschränkt auf psych. Erkrankungen.

      Anzunehmen, mein ICF ist schlecht, nach dem Leistungsbild zu beurteilen (unter 3h täglich, also erwerbsunfähig aufgrund psych. Beeinträchtigungen (Tiefgreifende seelisch- geistige Minderbelastbarkeit, Seelische Minderbelastbarkeit; im Klartext: Autismus, rez. depressive Störung; das ist so komisch formuliert weil der med. Dienst keine med. Details herausgeben darf an die Sachbearbeiter, aber das weißt du denke ich eh besser als ich ;-))
      Nach Vorhandensein und dem Umfang der "Soziotherapie" (absichtl in Anführungszeichen) zu urteilen, ist auch ein potentieller GAF schlecht.

      Aber wie sie es abrechenen, wie sie es klassifizieren, welche Skala, wieviele Punkte etcpp... kein Plan, das ist etwas, was deren Sache ist.



      mnesis wrote:

      Ich bin also jetzt am Überlegen, ob ich Kontakt zu diesem Dienst aufnehme. Mein Psychiater meinte: "Rufen Sie da einfach mal an!". Er merkte kurz darauf selber, dass das ja eins meiner Probleme ist, und suchte mir eine Mailadresse raus, aber jetzt weiß ich nicht, was ich schreiben soll.
      Da bin ich echt froh dass das bei mir so unkompliziert läuft... wenn abzusehen ist, dass ich es nicht schaffen werde, wird Hilfe angeboten.
      Ich bin um diesen Umstand auch sehr dankbar.
    • Neoni wrote:

      Bloß der Fokus bei mir aufs Gesundheitliche, bei Mnesis auf die Bewältigung des Alltages wie ich sie jetzt verstand. Zur Bewältigung des Alltages (ich spreche hier an was sie schrieb: Erledigen von Behördenkram, Organisation meines Haushalts, Finanzen, Versicherungen) bräuchte ich ohne meinen Partner eine Betreuung,
      Bei mir ist eines von vielen Problemen auch die Gesundheitsversorgung. Ich mag da jetzt nicht näher darauf eingehen, aber es ist leider so.
      Und mein Psychiater hat mir auch gesagt, dass theoretisch auch eine rechtliche Betreuung für einige meiner Probleme möglich wäre, er mir aber davon abraten und es erst mit mit Soziotherapie versuchen würde. Denn an sich bin ich ja durchaus in der Lage, zu entscheiden, was ich will, und ich sehe ja auch ein, dass bestimmte medizinische Untersuchungen/Behandlungen notwendig sind, aber ich kriege sie allein nicht organisiert. Bei einer rechtlichen Betreuung für die Gesundheitsfürsorge geht es ja eher darum, für jemanden, der selber nicht mehr in der Lage ist, in diesem Lebensbereich angemessene Entscheidungen zu fällen, die Verantwortung zu übernehmen.

      Ja, ein Partner könnte mir bei vielen dieser Probleme wahrscheinlich helfen. Aber ich habe keinen und es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich in absehbarer Zeit einen haben werde.
    • mnesis wrote:

      Hat hier jemand Erfahrungen mit Soziotherapie?
      Ja. Ich habe dieses Jahr Soziotherapie begonnen.

      (Mit Hilfen durch den SpDi hat das nichts zu tun.)

      Vielleicht ist dies hier eine interessante und informative Seite: soziotherapie.eu
      (Auf den ersten Blick schien es mir, als wären die neuen Richtlinien noch nicht eingearbeitet, da auf den ersten Seiten von "vorzugsweise / im Regelfall für schizophren Erkrankte" die Rede ist, aber beim weiteren Durchklicken ist auch mehr zu den neuen Regelungen seit diesem Jahr zu finden.)

      Ich weiss nicht, ob es dir mehr um allgemeine Information oder "regeltechnisches" geht, die Verordnung, wie, etc, oder um persönliche Erfahrung. Wenn du Fragen hast kann ich versuchen diese zu beantworten.



      edit/hinzugefügt:

      Aldaris-Adun wrote:

      Soll die GAF-Skala denn auch für Autisten unverändert angewandt werden? Ich finde ihre Aufteilung auch abseits der Beispiele an Schizophreniesymptomen irgendwie schwierig. Denn von meiner Leistungsfähikeit her würde ich mir locker 100 Punkte geben, aber in der anderen Hälfte, der sozialkommunikativen, vielleicht 51-60. Und was sagt das dann über den Hilfebedarf aus, wenn das so auseinandergeht? (Ich habe m.E. keinen, da ersteres bei mir völlig in Ordnung ist und mich letzteres subjektiv nicht beeinträchtigt).
      Ich denke, dass ein guter (und engagierter) Psychiater, sofern er sich mit Autismus halbwegs auskennt und den Patienten kennt bzw zuhört und die richtigen Fragen stellt, den zutreffenden GAF-score Bereich richtig ermitteln und begründen kann. Dass in den Beispielen und Listen, auf die zum Rating für schizophren Erkrankte verwiesen wird, andere konkrete Punkte/Einschränkungen und Beispiele genannt sind als für Autisten zutreffend wäre, bedeutet ja nicht, dass nicht auch Autisten dem entsprechend schwere Einschränkungen haben können. Der Global Assessment of Functioning score soll das "psychosoziale Funktionsniveau" in Prozentzahlen ausdrücken. Dazu, durch welche "psychische Erkrankung" das verminderte Funktionsniveau bedingt ist, sehe ich im GAF score selber keine Aussage - dies wird dann durch die Verordnungs-Richtlinien der Soziotherapie eingeschränkt bzw genauer definiert.

      Dass ein Autist im Leben zurechtkommen und oder (zumindest halbwegs) "funktionieren" kann, schliesst ja nicht aus, dass ein anderer Autist dies nicht kann und (u. U. erheblichen) Unterstützungsbedarf hat, und umgekehrt.
      (Auch die hier schon erwähnten unterschiedlichen Lebensbedingungen / -situation, und vorhandenen bzw. nichtvorhandenen Hilfen und Unterstützung im Alltag wie z. B. durch Partner/in, Familie, o. a., spielen denke ich eine sehr große Rolle.)

      The post was edited 2 times, last by Mira: hinzugefügt der Teil zum GAF score. ().

    • Mira wrote:

      Ich weiss nicht, ob es dir mehr um allgemeine Information oder "regeltechnisches" geht, die Verordnung, wie, etc, oder um persönliche Erfahrung.
      Über die Rahmenbedingungen bin ich dank Spezialinteresse Psychiatrie wahrscheinlich bereits umfassend informiert.
      Was mich sehr interessiert, sind persönliche Erfahrungen und Beispiele, wie Soziotherapie bei Autismus und Problemen, die ich oben geschildert habe, konkret angewandt wird/werden kann.
      Nach all den schlechten Erfahrungen, die ich in den letzten 15-20 Jahren auf der Suche nach Hilfe gemacht habe, kann ich mir bisher kaum vorstellen, dass es tatsächlich möglich sein soll, dass jemand mir ganz konkret hilft und auch mal mit mir wo hingeht.
    • mnesis wrote:

      Was mich sehr interessiert, sind persönliche Erfahrungen und Beispiele, wie Soziotherapie bei Autismus und Problemen, die ich oben geschildert habe, konkret angewandt wird/werden kann.
      Nach all den schlechten Erfahrungen, die ich in den letzten 15-20 Jahren auf der Suche nach Hilfe gemacht habe, kann ich mir bisher kaum vorstellen, dass es tatsächlich möglich sein soll, dass jemand mir ganz konkret hilft und auch mal mit mir wo hingeht.


      Ich will versuchen, anhand von dir im Thread genannter Probleme und Bereiche von Unterstützungsbedarf meine (bisherigen) Erfahrungen und Eindrücke zu berichten, und meine Gedanken beitragen zu was ich (bislang) denke was möglich (und hilfreich) ist oder sein kann.
      Auch wenn es bei mir nun schon einige Monate läuft (bzw eher: anläuft), kann ich nur von "ersten Erfahrungen und Eindrücken" sprechen, für mein Gefühl ist es immer noch in der "Anlaufphase". Meine bisherigen Erfahrungen insgesamt mit (auch so an die 15-20 Jahre :( ) mit Hilfen, Unterstützung etc, bzw. Suche und Versuche dazu, waren auch überwiegend nicht gut, und es fällt mir schwer, mich auf neue Menschen und Situationen einzulassen, ich brauche da sehr lange, bin langsam. (Und inzwischen da wohl auch von Mißtrauen geprägt, durch die überwiegend schlechten Erfahrungen.) Es lag auch viel Zeit zwischen dem ersten Kennenlern-Gespräch und den ersten tatsächlich problem-/lösungs-bezogenen konkreten Terminen, Krankheitsausfall, die großen Ferien, Urlaubstage, andere Termine etc pp, so dass es für mich auch jetzt noch ein mich-vorsichtig-Heranwagen ist.

      Ich denke, dass es zu einem sehr großen Teil von der Person abhängt, dem/der Soziotherapeut/in: Inwieweit die sich auf die speziellen Probleme und Konstellationen des Einzelfalls einstellen können (und wollen) - das ist auch insgesamt bisher meine Erfahrung in Sachen Hilfe(n).

      Ich habe keine "autismusspezifische" Soziotherapeutin (ich weiß auch nicht, ob es das so gibt), aber bisher den Eindruck, dass es ganz gut funktioniert, wenn ich im Einzelfall erkläre, wo es bei mir "hakt" dabei, WO ich Hilfe brauche (und wo nicht), und WAS ich nicht kann (bei der Ausführung/Umsetzung scheitere!) - ungeachtet dessen ob bzw. dass ich es kognitiv verstehen kann - oder nur mit extrem viel Aufwand und langer Vorbereitungszeit kann, und sie dann auf meine Erklärung hin nachfragt und Vorschläge macht, bzw Hilfestellung bietet. Und auch ganz konkret (!) hilft und einspringt.
      Im konkreten Fall sah das z. B. so aus, dass sie ein Telefonat für mich übernommen hat (und das Problem auch erfolgreich regeln konnte!), nachdem wir besprochen hatten wo das Problem liegt (bzw. wo überall da Problemfelder liegen) und wie es gut (oder: besser als das derzeitige) gelöst werden könnte. Es ging darum, dass ich einen Termin werde wahrnehmen müssen, zu dem ich ihre Hilfe brauchen werde, und der mir zugesandte Termin in ihrer Urlaubszeit lag. Sie hat mir Begleitung zu diesem Termin zugesagt. Mein Ansatz zum Problemdatum wäre gewesen, es zu versuchen schriftlich um einen neuen Termin zu bitten (was erfahrungsgemäß vermutlich zu noch mehr Problemen geführt hätte ...); ich bin sehr froh, dass sie das so "leicht und unkompliziert" (sah es aus, war es _für sie_ vermutlich auch) lösen konnte, ich hätte es selbst mit wochenlanger schriftlicher Vorbereitung nicht so gut lösen können, zumal da in dem Telefonat selbst neue / für mich nicht vorhergesehene Bedingungen/Situation entstanden waren.
      Ich habe KEINEN "Vortrag" dazu gekriegt, dass ich jetzt "telefonieren lernen" müsse, oder "mich nur trauen" müsse, oder dies "als gute Übung ansehen" solle (und/oder "endlich einfach mal da anrufen" soll).

      mnesis wrote:

      [...] war zwar nett, hatte aber keine Ahnung und kein Gespür für Autismus. Ich habe immer nur gehört "Sie sind doch so intelligent, sie wissen doch eigentlich, wie das alles funtkioniert, ich verstehe gar nicht, wieso Sie das nicht alleine hinkriegen!". Die Hilfe beschränkte sich darauf, dass der Sozialarbeiter mir erklärt hat, wo ich welche Anträge im Internet runterladen und wo ich dann damit hingehen muss, [...]
      Soche Situationen habe ich auch endlos erlebt ... wenn sie denn nett waren. (Am <sarcasmus> schönsten </sarcasmus> ist dann immer noch, wenn es eingebettet ist in Sätze mit "einfach, nur".)
      Das entscheidendere ist vielleicht das _Gespür_ für Autismus. Oder das Akzeptieren (und damit - konkret und lebenspraktisch - umgehen), dass es eine enorme Diskrepanz zwischen "wissen" (und "verstehen" und Intelligenz) auf der einen Seite und "damit umgehen können" (oder etwas umsetzen können) geben kann. Wie man es dann nennt, ob Autismus oder Baum, ist relativ irrelevant. Ich stelle auch immer wieder fest, dass es im Einzelfall recht unterschiedlich sein kann, was einem liegt oder nicht, was man hinkriegt oder nicht, auch bei gemeinsamer Diagnose "Autismus". Mir fällt z. B. zur Zeit auch Kontakt per E-mail schwer (was ja für viele wohl "DIE rettende Lösung" ist). Da kann ein reines sich Auskennen mit Autismus-Kriterien auch nicht immer hilfreich sein, und vielleicht das Unverständnis noch größer, wenn man denn schon Kontakt per E-mail anbietet und das nicht begeistert oder dankbar angenommen wird.

      Ich habe den Eindruck, dass vielleicht in der Ausbildung / Weiterbildung zum Soziotherapeut (oder vielleicht auch 'nur' in der Einstellung und Motivation der Menschen (oder vieler), die das machen?) etwas mehr Focus auf Erfassen von und lösungsorientiert Umgehen mit den Problemen im Einzelfall liegt, und auch "Kreativität" bei der Lösung möglich ist (also da ansetzen, wo es hilft, und nicht nur nach "Schema F"), als bei manchen anderen "Helferberufen", allgemein Sozialarbeitern z. B. Und auch wenn in den "Richtlinien" all die Jahre seit Einführung die "schizophrenen Erkrankungen" der Schwerpunkt waren, sehe ich da weder bei Texten die ich von Soziotherapeuten im Netz gefunden habe (z. B. Selbstdarstellungen, Beschreibung der Arbeit) noch bei denen wo ich selber Kontakt mit hatte einen Schwerpunkt oder Focus darauf, geschweige denn einen darauf eingeengte Sicht oder Behandlungsansatz. Auch der Anstoß zu den jetzigen Änderungen der Richtlinien war wohl sehr aus der Ecke der Soziotherapeuten gekommen, zumindest (mit-)getragen / angeregt. Was für mich auch dafür spricht, dass da ein etwas weiterer Horizont in Sachen was-hilft im Hintergrund steht als nur ein "Schema F".

      mnesis wrote:

      [...] mit Soziotherapie versuchen würde. Denn an sich bin ich ja durchaus in der Lage, zu entscheiden, was ich will, und ich sehe ja auch ein, dass bestimmte medizinische Untersuchungen/Behandlungen notwendig sind, aber ich kriege sie allein nicht organisiert.

      Sehe ich auch so, dass es Sinn macht es mit Soziotherapie zu versuchen, denn dabei geht es ja darum zu Unterstützen, und auch das was an eigenen Fähigkeiten da ist zu stützen und auszubauen (also nicht einfach nur Entscheidungen abnehmen oder für einen machen - oder bestimmen WO man hin soll zur Untersuchung, sondern bei der Umsetzung helfen).
      Beim Organisieren helfen ist nach meiner bisherigen Erfahrung etwas, was die Soziotherapie macht. Sei es "sortieren" helfen, wo sind überall "Baustellen", welche Sachen stehen an, wo anfangen, was ist der erste Schritt, und was sollte danach folgen, oder auch ganz konkret, welche Kontaktaufnahme wie bewerkstelligen, und ich denke dazu gehört - zumindest wenn es dringend ist - auch Termine ausmachen, notfalls da anrufen und für einen den Termin ausmachen (macht u. U. ja auch Sinn, wenn Begleitung stattfindet, der Soziotherapeut muss da ja auch Zeit haben).

      mnesis wrote:

      Ja, um solche Probleme geht es bei mir. V.a. Hilfe bei der Vereinbarung und beim Wahrnehmen von Arztterminen (u.a. wegen des Problems mit Berührungen), Erledigen von Behördenkram (der liegt bei mir seit Jahren unerledigt rum, weil ich es allein nicht auf die Reihe kriege), Organisation meines Haushalts, Finanzen, Versicherungen u.v.m. Ich brauche jemanden, der mich auch mal begleitet, z.B. zu Arztterminen oder Behörden. Jemanden, der auch mal Telefonate für mich übernehmen kann oder für mich "dolmetschen" kann.

      Ob dir die Soziotherapie ganz konkret helfen kann (oder tut, wird) bei dem Problem mit Berührungen in Arztpraxen weiß ich nicht, kann ich mir so spontan nicht vorstellen (oder ... vielleicht ... danebenstehen und "aufpassen"? Für dich Stop sagen wenn du es nicht mehr kannst, nach vorher abgesprochenen Kriterien?), aber danach Fragen oder das Problem ansprechen könntest du bestimmt. Im Vorfeld helfen herauszuarbeiten was (&wie) geht, und OK ist, und wie du es beim Arzt vermitteln kannst, und in Sachen "self advocacy" unterstützen - das hoffe ich, dass so etwas möglich ist.
      Denkbar wäre (so stelle ich mir vor), den Arzt darauf hinzuweisen dass der Patient bestimmte Schwierigkeiten hat, und der Arzt das im Einzelfall mit dem Patienten klären muss. Hier könnte (denke ich) ein/e Soziotherapeut/in auch gut "Vermittler" sein - es scheint ziemlich effektiv Eindruck zu machen, wenn die sich melden mit "Guten Tag ich bin der Soziotherapeut von XYZ und suche eine Lösung für folgendes Problem" (=meine bisherige Erfahrung an anderer Stelle, und nach meiner bisherigen Erfahrung mit Ärzten nehmen die so etwas vermutlich auch eher ernst als wenn ein Patient sowas sagt).

      Zu allen notwendigen Terminen und Ärzten Begleitung, ich bezweifle ob das möglich ist, jedenfalls wenn viel anliegt. Es sind halt nicht so sehr viele Stunden, und Begleitung zum Arzttermin kann schon mal 3 Stunden gehen (bei mir ist dann oft noch Vorbereitung nötig), bei im Schnitt 40 Stunden im Jahr muss ich mir da schon sehr überlegen, wo und wie kann die Soziotherapeutin mir gut helfen, was sind die allerdringendsten Sachen. Aber auf jeden Fall ist eine (regelmäßige!) Unterstützung mit im Schnitt (fast-)jede Woche eine Stunde schon sehr viel (im Vergleich zu vorher = gar nicht) und definitiv hilfreich für mich.
      Was Termine angeht (zu denen ich leider Begleitung brauche - und ich habe kein Umfeld, was sowas alles übernehmen/mittragen/unterstützen kann) habe ich bisher nur vor, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen bei absolut unvermeidlichen, unausweichlichen und "überlebensnotwendigen" Terminen die ich hinkriegen MUSS. Da ist dann für einen solchen Termin leicht das "Kontingent" für 2 Monate "draufgegangen" und ich bin viel am Überlegen was ich anpreche und was lieber nicht (da es eh zur Zeit mir nicht lösbar ist, und auch zu viel Zeit/Unterstützung nötig wäre).
      Aber in jedem Fall ist es mir Hilfe, auch nur für einige Dinge Unterstützung zu haben.

      In Sachen "Begleitung draußen" hatte ich an konkreter Erfahrung bisher nur eine, kurze: ein kurzer Weg und keine besonders dramatische Sache (auch wenn ich es alleine wochenlang erfolglos versucht hatte hinzukriegen), die Erfahrung war gut. Ich hatte im Vorfeld erklärt, was mir beim rausgehen Schwierigkeiten macht, und was mich besonders belastet, und ich hatte an dem Tag einen "besonders guten" Tag und habe "meinen Teil" (mit ihrer Begleitung) gut hingekriegt, und war angenehm überrascht dass das Besprechen im Vorfeld auch gefruchtet hatte, und ich mich z. B. beim Laufen / unterwegs sein nicht unterhalten musste. (Ich habe schon voll zu tun damit, durch die Straße zu gehen - dann noch irgendetwas besprechen zu müssen, oder gar "small talk machen", überfordert mich vollends. Ich brauche zum etwas besprechen (auch wenn es "einfach" ist) dann eine ruhige Ecke, und muss mich auf das Gespräch konzentrieren können, ohne allzuviel Gewusel um mich herum. - an "sicheren Orten" (gefühlt) gelingt es mir auch manchmal Gewusel auszublenden, aber inmitten vom normalen Straßenverkehr ist mir das extrem schwierig. Und wichtiges möchte/muss ich im Vorfeld in Ruhe besprechen und klären, das kann ich nicht spontan mitten im Gewusel.)

      Bei "Behördenkram" habe ich meine Soziotherapeutin bisher als ganz kompetent erlebt, sowohl im Umgang mit der Behörde als auch mit mir (letzteres ist sonst oft problematisch gewesen, aufgrund von Unverständnis-Reaktionen zu was ich nicht-kann). Ziemlich praktisch orientiert, unterstützend und auf Lösung ausgerichtet, nicht auf "mir beibringen dass ich das doch machen muss". Bislang ist es ein Beginnen, die dringlichsten Sachen erstmal soweit in Ordnung zu bringen dass sie keine akute Bedrohung darstellen. Angeboten hat sie mir auch, mir beim Sortieren meiner ganzen Papierberge zu helfen - ob (oder wie) es dazu in absehbarer Zeit kommen kann oder wird weiß ich nicht, da so viel anderes auch ansteht und in der Praxis auch viel Zeit "frisst". (Und ich bin auch etwas empfindlich bei konkreten "Eingriffen" in meiner Wohnung und meiner (Un)ordnung: meistens habe ich eine Vorstellung davon, wo ich suchen muss, anhand der "Bilder" in meinem Kopf von welcher Tag das war, wo ich mich bewegt habe, was ich wo abgelegt habe und in welchem Kontext. Und Dinge die irgendwo liegen sind wie "Bojen" und Ankerpunkte, Wegweiser ... Wird das durcheinandergebracht habe ich Null Orientierung.)

      Was Organisation meines Haushalts betrifft, so hatte ich mir auch da Hilfe und Unterstützung erhofft, aber so lansam schiebe ich das immer weiter "auf die lange Bank" (auch es anzusprechen), erstens ist eh schon so viel schwieriges anzugehen, und dazu kommt, ich bin mir immer unsicherer inwieweit ich da überhaupt um Hilfe bitten darf, und keine Idee wie ich es kann, könnte ... ohne irgendwie "auf die Füße zu treten" (Befürchtung - und bisherige Erfahrung - dass es eventuell so rüberkommen könnte, dass es die (emotionale?) "Reaktion" auslöst entweder von dass ich das doch selber könne, oder von "Ich bin doch keine Putzfrau!" (und Nein, es geht nicht darum dass ich etwa wollte das jemand für mich putzt)) Ich finde auch noch keine guten Worte dazu, das konkret zu beschreiben oder anzusprechen, kann also noch nichtmal sagen welche Erfahrung ich in der Theorie mit diesem Problemkomplex gemacht habe.

      Hilfe/Unterstützung beim System reinbringen oder Unterlagen sortieren in Sachen Finanzen und Versicherungen kann ich mir gut vorstellen, dass Soziotherapie da helfen kann / würde, jedenfalls beschrieb meine Soziotherapeutin so etwas auch anfangs in ihren Beschreibungen zu wo sie helfen kann (und bot mir an, meine (sich seit jahren stapelnde) Papierflut sortieren zu helfen.)

      mnesis wrote:

      Ich bin also jetzt am Überlegen, ob ich Kontakt zu diesem Dienst aufnehme. Mein Psychiater meinte: "Rufen Sie da einfach mal an!". Er merkte kurz darauf selber, dass das ja eins meiner Probleme ist, und suchte mir eine Mailadresse raus, aber jetzt weiß ich nicht, was ich schreiben soll.

      Und ich bin skeptisch, weil es dieselben Mitarbeiter wären wie damals beim SpDi. Aber vielleicht haben die inzwischen dazugelernt?
      ,
      Ich weiss nicht, was für ein "Dienst" das ist. Der SpDi ja wohl nicht?
      Vielleicht könntest du anhand von Beschreibungen von Soziotherapie-Anbietern die im Internet eine Beschreibung ihrer Arbeit / Arbeitsfelder und konkreten Inhalte darstellen, dir einige Punkte raussuchen die das treffen wo du dir Hilfe wünschst (erstmal allgemein), und danach fragen, ob die dafür die richtige Anlaufstelle sind, dir so etwas anbieten können im Rahmen von Soziotherapie? Und zu diesen Punkten für dich Herausarbeiten, WIE du es bräuchtest, was dir hilft, oder wo genau die Schwierigkeiten liegen, und in einem weiteren Schritt danach fragen, ob sie sich vorstellen könnten dich in dieser Weise zu unterstützen.
      So in etwa habe ich versucht es anzugehen, bei meiner Suche - ich hatte aufgrund meiner bisherigen schlechten Erfahrungen in manchen Punkten eine konkrete Vorstellung davon, was ich NICHT möchte (nicht ertrage und nicht hilfreich ist oder sogar schädlich ist), und habe versucht das in "positive Aussagen" umzuformulieren, also in "Ich brauche ...", "Ich wünsche mir ... " und "Mir würde helfen, wenn ... (es soundso ist/stattfindet)". (Die Seite des Berufsverbands hatte meinen Gedanken da einige gute Anregungen gegeben. Und Texte bei denen ich las und dachte: Ja, so sollte es sein. (nur hatte ich es in der Praxis - bei anderen Hilfen/Suche-Versuchen nicht so erlebt))

      Ich muss gestehen ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass der SpDi viel dazulernt ... :?

      Vielleicht kann es ja helfen, wenn du dir anhand dessen, was du an Hilfe brauchst, wo, und wie - und auf was im Besonderen zu achten ist - so Punkte raussuchst, die im "Soziotherapie-Angebot" stehen / abgedeckt sind, und diese so beschreibst, wie sie dir helfen würden. Hier auch unter dem Gesichtspunkt der "autismusspezifischen Besonderheiten" und Bedürfnisse - die kann man ja vielleicht konkret beschreiben, statt sie durch "autismusspezifische Begriffe" zu bezeichnen, vielleicht hilft das den Mitarbeitern dort "auf die Sprünge" zu verstehen WAS du brauchst und WIE sie dir helfen können?

      Hmm ... ist vielleicht in der Anbieter-Liste vom Bundesverband Soziotherapie jemand für dein Bundesland gelistet? Eventuell könnte der/die dir ja Auskunft geben zu wer in deiner Region dir im Rahmen von Soziotherapie das bieten kann was du brauchst. Einige sind dort mit e-mail gelistet, und ich nehme an die kennen sich untereinander (jedenfalls von Namen / Einrichtung / Verein her) und haben vielleicht Ideen wo du anfragen könntest.

      Mir waren in meiner Suche einige begegnet (Vereine, Organisationen, Hilfe-Projekte), die in ihren Hilfeangeboten auch "Soziotherapie" gelistet hatten, aber bei näherem Hinsehen bzw. Nachfragen stellte sich heraus, dass sie nicht das machen/anbieten was ich bräuchte. Das fing schon damit an, dass gleich im Erstkontakt die klarstellten, dass (für sie) "ambulante Hilfe" NICHT bedeutete dass *sie* irgendwo hingehen (oder mit-hingehen) würden, sondern das daraus bestünde, dass ich in ihr Büro fahren müsste (für mich eine Stunde Hinweg eine Stunde Rückweg, und das wo ich eh schon nirgends hinkomme ...) um dann die "Stunde Soziotherapie" zu machen (im Endeffekt dann wohl nur sowas wie "Beratungsgespräch" - und ich brauche definitiv NICHT jemand der auf mich einredet dass ich "ja alles alleine kann", davon kann ich es kein Stück mehr.)

      mnesis wrote:

      Und es wird von der Krankenkasse bezahlt und ist nicht von einer Einkommens- und Vermögensprüfung abhängig wie z.B. ambulant betreutes Wohnen, Persönliches Budget u.ä.

      Noch ein Vorteil (wie ich finde) ist, dass über die Krankenkasse auch bedeutet, dass es dein Psychiater verordnet, der dich (im besten Falle) kennt und um deine Problematik weiß. Und nicht irgendein "Amtsfuzzi". Und der Soziotherapie-Anbieter das mit der KK abrechnet und also auch dort begründen muss, dort der "Hilfeplan" beurteilt wird, und das in Zusammenarbeit mit dem Psychiater läuft - der sich (hoffentlich!) damit auskennt, wo deine Schwierigkeiten liegen, wo autismusspezifische "Eigenheiten" zu beachten sind, und auch entsprechendes schreiben kann. Und also Fachleute deinen Hilfebedarf sowie die zur Hilfe nötigen Schritte / Tätigkeiten / Aktivitäten beurteilen.
      Wohingegen (meine Erfahrung) bei Ämtern nicht unbedingt irgendwer wirklich Ahnung von dieser Problematik hat, aber "Helfer über's Amt" ebendiesen Leuten Rechenschaft (und Erfolgs-Berichte) ablegen müssen, und es da vielleicht dann auch schwerer haben (oder mehr Arbeit damit? und das meist nicht wollen), das, was sie im Einzelnen an Hilfe leisten, auch so zu erklären oder zu rechtfertigen, dass die es akzeptieren.



      Ich hoffe es ist etwas dabei, in meinem (leider sehr lang gewordenen) Text, was dir weiterhelfen kann. (Oder vielleicht auch anderen, mitlesenden, die auf der Suche nach Hilfe sind.)
    • Mira wrote:

      Ich hoffe es ist etwas dabei, in meinem (leider sehr lang gewordenen) Text, was dir weiterhelfen kann.
      Ja, mir hat alles, was Du geschrieben hast, sehr weitergeholfen! Danke!!!
      Wenn Soziotherapie auch bei mir so laufen würde, wäre das genau das, was ich brauche!
      Du hast auch viele Situationen angesprochen, die ich gar nicht explizit in meinen Beispielen erwähnt hatte, die aber bei mir fast exakt genauso sind ("Sortieren von Papierbergen" - mein Psychiater war etwas geschockt, als ich ihm erzählt habe, dass ich z.B. Briefe meiner Bank aus Angst gar nicht erst aufmache und eigentlich alles nur in eine große Kiste werfe, die beschriftet ist mit "WICHTIG - NICHT WEGWERFEN", aber inzwischen überhaupt nicht mehr weiß, wo ich was suchen soll; Telefonate, die ich wochenlang vor mir herschiebe, und wenn sie dann "mal kurz" jemand für mich übernimmt, für den das eine Kleinigkeit ist, ist mir mehr geholfen als wenn ich darüber nach jahrelang in einer Psychoanalyse rede u.v.m.).

      Hier vor Ort gibt es leider nur einen einzigen Anbieter für Soziotherapie, und das ist leider auch der Anbieter, der hier auch als SpDi fungiert und auch ambulant betreutes Wohnen, Tagesstätte für psychisch Kranke und die WfbM für psychisch Kranke anbietet. Und bei der Betreuung durch den Mitarbeiter des SpDi, die ich mal hatte, lief das leider genauso, wie Du geschrieben hast: Termine nur in deren Büro möglich, als eine Art Beratungsgespräch, aber das habe ich nicht gebraucht. Zudem stellte sich dann später heraus, dass vieles, was der Mitarbeiter mur z.B. bezüglich der Beantragung von Hartz IV gesagt hatte, völlig falsch war.
      Mir hat damals eher geholfen, dass eine Mitarbeiterin der Reha-Abteilung der Arbeitsagentur, die meine Verzweiflung wohl wahrgenommen hat, mit mir einen Termin vereinbart hat, um zusammen mit ihr zum Jobcenter zu gehen und den Antrag zu stellen. Das gehörte mit Sicherheit nicht zu ihren üblichen Aufgaben, hat mir aber damals mehr oder weniger das Leben gerettet. Und solche Hilfe bräuchte ich einfach an verschiedenen Stellen.
    • Es freut mich sehr, dass dir mein geschriebenes weiterhelfen konnte!
      Ich kenne es, wie bedrückend (und bedrohlich) es werden kann, wenn der "Alltag" nicht mehr funktioniert, all die lebensgrundlegenden "Selbstverständlichkeiten" zu unüberwindbaren Hürden werden. Und die Versuche, Hilfe zu finden, immer wieder scheitern.
      Vor Jahren sagte mir eine Therapeutin: Die Hilfe, die Sie brauchen, gibt es nicht.
      In der ganzen "Hilfelandschaft" gibt es wohl auch nur sehr sehr wenig, was bei autismusspezifischen lebenspraktischen Problemen geeignet ist hilfreich zu sein. (Liegt vermutlich auch daran, aus welchen "Ecken" oder Richtungen heraus sich diese Hilfestrukturen entwickelt haben / entstanden sind.)

      mnesis wrote:

      Hier vor Ort gibt es leider nur einen einzigen Anbieter für Soziotherapie, und das ist leider auch der Anbieter, der hier auch als SpDi fungiert und auch ambulant betreutes Wohnen, Tagesstätte für psychisch Kranke und die WfbM für psychisch Kranke anbietet. Und bei der Betreuung durch den Mitarbeiter des SpDi, die ich mal hatte, lief das leider genauso, wie Du geschrieben hast: Termine nur in deren Büro möglich, als eine Art Beratungsgespräch, aber das habe ich nicht gebraucht.
      und, von weiter oben:
      Ich war früher auch mal beim SpDi, aber das Problem war, dass die hier so viel zu tun und so wenig Personal haben, dass sie mir nicht mehr als einen 30min-Termin im Quartal bei ihnen im Büro anbieten konnten. Das war logischerweise dann ziemlich sinnlos, und der zuständige Mitarbeiter war zwar nett, hatte aber keine Ahnung und kein Gespür für Autismus.

      Bleibt zu hoffen, dass es ein anderer Mitarbeiter ist, der die Soziotherapie-Ausbildung absolviert hat und dort die Soziotherapie durchführt. - Dies kann eventuell schon den entscheidenden Unterschied ausmachen. (Ich hoffe es.) Zumindest dass der/die dann auch bereit ist, sich etwas näher mit dem tatsächlichen Hilfebedarf auseinanderzusetzen, und zu schauen, wie er/sie helfen kann.
      Abrechnunstechnisch wäre jedenfalls definitiv mehr möglich, im Rahmen einer Soziotherapie, als bei so einem quartalsmäßigen Kurzberatungsgespräch. Problematisch könnte hier wahrscheinlich sein, dass nur die reine Kontaktzeit als Arbeitszeit vergütet wird, es also für die Wege in der "aufsuchenden Hilfe" keine Abrechnungsmöglichkeit gibt, wird schlicht nicht berücksichtigt, das muss der-/diejenige dann sozusagen "in der Freizeit" machen.


      Hier liegt der SpDi beim Bezirksamt, dem angegliedert / Teil vom Gesundheitsamt; ich weiß von Bekannten aus anderen Bundesländern, dass dort der SpDi von kirchlichen Organisationen betrieben wird (Caritas, Diakonie?). Ich dachte mir immer das wäre ein großer Vorteil, Caritas (weil Amt halt bedeutet, dass die natürlich vorrangig "im Interesse des Amtes" = Sparen (und die auffälligsten Leute von der Straße holen) agieren), und die dann auch direkt tatsächliche, echte Hilfe und Beratung und sogar Therapiegespräche anbieten (und keinen Grund/Anlass haben, alle Probleme als entweder "nichtexistent" (=dann kost's uns nix) oder als "ab in die Psychiatrie" (=dann isser versorgt und wir ham nix mehr mit zu tun) zu "bearbeiten"), aber so gesehen ist es dann auch von Nachteil, wenn es nur einen einzigen "Anbieter" überhaupt gibt, für alle psychischen und sozialen Hilfe-Belange.


      Ich bin mir nicht sicher, wieso es so "in" ist, sich in den "Leistungskatalog" was ein Projekt/Verein/Organisation anbietet, die Soziotherapie mit reinzuschreiben. Also auch bei Anbietern, die dann nicht wirklich das machen, was mit Soziotherapie eigentlich gemeint war. Vermutlich "sieht es gut aus". Oder vielleicht ist es inzwischen vorgeschrieben/wird erwartet? ... Vielleicht auch erweitert es einfach die Vielfältigkeit in den Abrechnungsmöglichkeiten / Leistungsträgern von angebotenen Hilfeleistungen? Oder der Stundensatz ist besser.
      Ich finde es ja gut, dass es inzwischen mehr angeboten wird. Nur leider ist es dann inhaltlich oft so entfernt von dem, was eigentlich Soziotherapie ist (oder sein sollte).

      Das mit dem Problem "zu wenig Personal" dürfte dann ja - zumindest in der Theorie - kein relevanter Punkt mehr sein, wenn du Soziotherapie bekommst? Die müssen ja einen ausgebildeten Mitarbeiter dafür haben, und nicht die Leute, die da allgemein die Beratung machen. Die bewilligten Stunden entscheidet die Krankenkasse, und wenn der "Dienst" dafür zu wenig Mitarbeiter hat, müssen sie welche einstellen .... Ansonsten bliebe vielleicht die Möglichkeit eines "freiberuflichen" Soziotherapeuthen? und Kostenerstattung von der Krankenkasse für den (ärztlich verordneten) Soziotherapeuten - auf Einzelfallentscheidungs-Basis. Wenn tatsächlich dieser Anbieter Soziotherapie anbietet, aber (nachgewiesenermaßen - schriftlich bestätigt) nicht durchführen kann mangels Personal.

      Bleibt das Problem der "aufsuchenden Hilfe". Wobei - ist oder wäre es dir denn möglich, dort hin ins Büro zu gehen um Hilfe zu bekommen? Notfalls dann halt MIT dem Karton voll Papiere, und dort durchgehen ..... (uff.)
      Vielleicht wäre ja auch nach Absprache eine teils-hier, teils-dort Lösung möglich.

      Skeptisch bin ich auch, weil ich in einer Arbeitsgruppe zum Thema Autismus bin, in der es um Angebote hier in der Stadt geht, und ein Mitarbeiter vom SpDi da war und bei der Vorstellung meinte, sie hätten jetzt zwar einen Fachdienst für Autismus gegründet, aber er müsse zugeben, dass sie alle irgendwie keinen Plan hätten, was sie mit den Klienten tun sollen. Ich saß nur da und dachte, okay, und so jemand soll mir dann helfen?

      Wie die mit ihren (vermutlich Haupt-Zielgruppe? ..ist aber Spekulation) Kindern und Jugendlichen (hilfreich!-)umgehen wollen oder können, dazu kannst du vielleicht netterweise (bzw eure Arbeitsgruppe) gute Tips geben, und ihnen helfen - Aber im Bereich der Erwachsenenhilfen müssen halt die DIR Hilfe(n) geben, und wenn sie nicht wirklich wissen, wie, wäre das eigentlich ein Grund mehr, gut dir zuzuhören und zu lernen, was denn ganz konkret für dich hilfreich ist. Eigentlich wäre es so rum der richtige Denkansatz :) Aber...ich weiß selber, dass das 1. viel leichter gesagt als getan ist, und 2. meistens diejenigen, die keine Ahnung haben (aber an der entscheidenden Position sitzen, wo sie für die Hilfe(n) für andere zuständig sind) ganz besonders stark darauf beharren, dass das, und nur das, was sie meinen/entscheiden was hilft, das einzige ist was hilft.


      Vielleicht birgt das ganze ja ein wenig (auch) die Chance, dass sich das ganze entwickeln kann ... in die richtige, gute Richtung. (Vorausgesetzt die Leistungserbringer *wollen* das, und wollen lernen.)

      Sie könnten ganz bestimmt sehr viel von dir lernen, was konkreten praktischen Hilfebedarf angeht und wie sie im Bedarfsfall wirklich gut helfen könnten. Aber selber das "Versuchskaninchen" zu sein ist immer blöd, und leider meistens auch ganz besonders schwierig (wenn nicht unmöglich) da es solchen "Helferinstitutionen" idR völlig unverständlich (und unzugänglich) ist, dass jemand sowohl Experte (und "Helfer", Berater!) sein könnte UND Hilfebedürftiger.
      Das ist etwas, woran zumindest ich bisher immer gescheitert bin - zu versuchen, jemandem der mir helfen sollte, zu vermitteln, wie, welche genau, und warum genau so ich die Hilfe benötige. Da heisst es dann: Ja wenn du das alles weisst, dann kannst du es auch selber machen. (Nee, eben genau das ja leider nicht.)

      Falls du das Wagnis eingehen wollen sollstest, nicht nur selber für dich Hilfe zu beantragen, sondern auch noch zu versuchen deinem Sozio-Anbieter zu "lehren" oder zu beraten, wie sie am sinnvollsten Menschen mit bestimmten Problemen helfen können (und die Hilfebedarfs-bereiche mit den entsprechenden autismusspezifischen Begriffen zu verknüpfen - vielleicht hilft es denen ja, die Hilfe zu leisten, wenn sie verstehen wie und warum), vielleicht könnte man auch hier im Forum dann mal sammeln, was denn hilfreich ist/sein kann (und wie), und was nicht, es haben doch bestimmt schon mehr Leute Erfahrungen (insgesamt) allgemein mit Hilfen


      Mir spukt die ganze Zeit so ein Begriffspaar im Kopf herum. (ist jetzt leider noch ziemlich wirr, nicht-fertiggedacht, ganz ins unreine...)
      In so Kriterien-Listen oder Hilfebedarf / Probleme Gründe taucht oft die Frage nach (bzw das Problem von) "kognitiver Dysfunktion" auf. - Das scheint ein inzwischen anerkannter Grund für Hilfebedarf zu sein. (Und auch in den "herkömmlichen" Problemen von wo die meisten Hilfeangebote sich - entwicklungsgeschichtlich - her entwickelt haben, vermutlich ein relevanter Punkt.)
      Bei so autismusspezifischen Problembeschreibungen ist mir aufgefallen, dass es oft Probleme gibt mit der "executiven Dysfunktion" - bzw. daran halt vieles "hakt", hängt, scheitert.
      Vielleicht ist das (mit-) ein Grund dafür, wieso es für so viele "Helfer(berufe)" so völlig unverständlich (und unzugänglich) ist, dass jemand, der etwas sehr gut versteht, und analysieren kann, total nicht in der Lage sein kann es auszuführen??

      ... und die Entstehung unserer heutigen "Hilfelandschaft" kommt nun mal nicht aus erwachsenen autistischen Kreisen ... sondern wohl eher aus Problembereichen, die mehr mit kognitiver als mit executiver Dysfunktion zu tun haben. Und auch da hat es ja viele lange Jahre, Jahrzehnte gebraucht, und Lobbyarbeit, bis zu heutigen Hilfe- und Unterstützungsstrukturen. Und dazu kommt, dass halt auch in der "Hilfelandschaft" alle sehen müssen wo sie bleiben, und die am meisten auffallenden (und "die Gesellschaft störenden") "Problembereiche" am ehesten Gelder bekommen. Und somit auch am ehesten darauf 'spezialisiert' wird. ... Leider dann halt auch ganz oft nach "Schema F" vorgegangen, UND sich "auf die Fahnen geschrieben" dass sie (generell) "für (alle) psychosozialen Probleme Hilfe anbieten".

      Au Weia. Jetzt bin ich aber ziemlich vom eigentlichen Thema abgewichen.
    • Aldaris-Adun wrote:

      Denn von meiner Leistungsfähikeit her würde ich mir locker 100 Punkte geben, aber in der anderen Hälfte, der sozialkommunikativen, vielleicht 51-60. Und was sagt das dann über den Hilfebedarf aus, wenn das so auseinandergeht? (Ich habe m.E. keinen, da ersteres bei mir völlig in Ordnung ist und mich letzteres subjektiv nicht beeinträchtigt).
      Laut Shenyas Link richtet sich der GAF nach dem niedrigeren Wert.

      Es wird derjenige GAF-Wert ausgewählt, bei dem entweder der Schweregrad der Symptome oder das Funktionsniveau in diesem Bereich liegen. Liegen Schweregrad der Symptome und Funktionsniveau in verschiedenen 10er-Kategorien, wird schließlich das schlechtere Niveau gewählt.

      Umgebungsbedingte Merkmale sollen nicht in den GAF-Wert mit einfließen.



      Mira wrote:

      Mir spukt die ganze Zeit so ein Begriffspaar im Kopf herum. (ist jetzt leider noch ziemlich wirr, nicht-fertiggedacht, ganz ins unreine...)
      In so Kriterien-Listen oder Hilfebedarf / Probleme Gründe taucht oft die Frage nach (bzw das Problem von) "kognitiver Dysfunktion" auf. - Das scheint ein inzwischen anerkannter Grund für Hilfebedarf zu sein. (Und auch in den "herkömmlichen" Problemen von wo die meisten Hilfeangebote sich - entwicklungsgeschichtlich - her entwickelt haben, vermutlich ein relevanter Punkt.)
      Bei so autismusspezifischen Problembeschreibungen ist mir aufgefallen, dass es oft Probleme gibt mit der "executiven Dysfunktion" - bzw. daran halt vieles "hakt", hängt, scheitert.
      Vielleicht ist das (mit-) ein Grund dafür, wieso es für so viele "Helfer(berufe)" so völlig unverständlich (und unzugänglich) ist, dass jemand, der etwas sehr gut versteht, und analysieren kann, total nicht in der Lage sein kann es auszuführen??

      ... und die Entstehung unserer heutigen "Hilfelandschaft" kommt nun mal nicht aus erwachsenen autistischen Kreisen ... sondern wohl eher aus Problembereichen, die mehr mit kognitiver als mit executiver Dysfunktion zu tun haben. Und auch da hat es ja viele lange Jahre, Jahrzehnte gebraucht, und Lobbyarbeit, bis zu heutigen Hilfe- und Unterstützungsstrukturen. Und dazu kommt, dass halt auch in der "Hilfelandschaft" alle sehen müssen wo sie bleiben, und die am meisten auffallenden (und "die Gesellschaft störenden") "Problembereiche" am ehesten Gelder bekommen. Und somit auch am ehesten darauf 'spezialisiert' wird. ... Leider dann halt auch ganz oft nach "Schema F" vorgegangen, UND sich "auf die Fahnen geschrieben" dass sie (generell) "für (alle) psychosozialen Probleme Hilfe anbieten".

      Da gibt es auch eine Störung, die durch eine Schädigung der vorderen Teile des Stirnhirns entsteht (Frontalhirnsyndrom).
      Ist der Dorsolateraler präfrontaler Cortex betroffen gibt es Beeinträchtigungen bei kognitiven Funktionen, z. B. problemlösendes Denken, Vorausplanen oder zielgerichtetes Handeln.

      Wikipedia wrote:

      Das Supervisory Attentional System (SAS) ist nicht mehr dazu in der Lage, Handlungen des Menschen flexibel auf neue Situationen einzustellen (kognitive Flexibilität). Das problemlösende Denken und eine vorausschauende Handlungsplanung sind z. T. massiv gestört. Irrelevante (Umwelt-)Reize können nicht mehr von relevanten unterschieden werden. Es findet keine ausreichende Analyse mehr statt. Bei Routinehandlungen dagegen zeigen sich in der Regel keinerlei Probleme. Personen mit einer Schädigung des Frontalhirns sind hier zumeist unauffällig: z. B. Einkaufen von alltäglichen Dingen, Frühstück- oder Abendessenrichten, Wahrnehmen von Arztterminen usw.Folgende kognitive Störungen können im Rahmen eines dysexekutiven Syndroms auftreten und mit unterschiedlichen Tests erfasst werden:
      • Unzureichende Problemanalyse
      • Unzureichende Extraktion relevanter Merkmale
      • Unzureichende Ideenproduktion (Verlust von divergentem Denken und Einfallsreichtum)
      • Verringerte Wortflüssigkeit und Reduktion der „Spontansprache“
      • Haften an (irrelevanten) Details
      • Mangelnde Umstellungsfähigkeit und Hang zu Perseverationen
      • Ungenügende Regelbeachtung und Regelverstöße (auch im sozialen Verhalten)
      • Einsatz planungsirrelevanter Routinehandlungen
      • Verminderte Plausibilitätskontrollen
      • Keine systematische Fehlersuche
      • Alternativpläne werden kaum entwickelt
      • Handlungsleitendes Konzept geht verloren
      • Schwierigkeiten beim gleichzeitigen Beachten mehrerer Informationen (Arbeitsgedächtnis)
      • Kein „Multi-Tasking“ mehr möglich
      • Handlungskonsequenzen werden nicht vorhergesehen
      • Kein Lernen aus Fehlern
      • Unbedachtes und vorschnelles Handeln (erhöhte Impulsivität)
      • Rasches Aufgeben bei Handlungsbarrieren (reduzierte Beharrlichkeit und Willensstärke)
      • Wissen kann nicht mehr in effektive Handlungen übersetzt werden („Knowing-doing-dissociation“)


      Meinst du, die Hilfe die diese Menschen erhalten könnte auch Leuten mit AS helfen? Also falls es da überhaupt spezielle Hilfsangebote gibt.


      Mira wrote:

      Au Weia. Jetzt bin ich aber ziemlich vom eigentlichen Thema abgewichen.
      Ich finds interessant :)
    • Ich finds auch sehr interessant :) Und danke für den Gedanken-Input!

      Irrelevante (Umwelt-)Reize können nicht mehr von relevanten unterschieden werden. Es findet keine ausreichende Analyse mehr statt.
      Sind das jetzt zwei verschiedene, unabhängige Punkte?
      Oder ist das im Zusammenhang gemeint? Aber ich dächte, man kann ja analysieren, auch wenn man schlecht die Umweltreize in wichtig oder unwichtig unterscheiden oder ausblenden kann.
      verwirrt mich gerade etwas.

      Wie erklären sich denn die executiven Dysfunktionen? (Im Zusammenhang mit Autismus habe ich davon gehört und gelesen, habe jetzt aber keine Quelle parat.) Also allgemein? Oder/und auf Autismus oder Asperger-Syndrom bezogen?
      Doch nicht nur über kognitives?

      Zumindest den letzten Punkt: Wissen kann nicht mehr in effektive Handlungen übersetzt werden („Knowing-doing-dissociation“)
      .... hätte ich eher als executives Problem verstanden, wo da die kognitive Dysfunktion liegt, weiß ich nicht.


      Vielleicht aber bringe ich auch die Begriffe durcheinander oder habe keine gute Definition dafür, oder vielleicht ist es auch gar kein "Gegensatzpaar". Mir war es halt aufgefallen, dass in diesen zwei unterschiedlichen Kontexten immer wieder Schwerpunkt auf diesen beiden unterschiedlichen Begriffen war, in dem, was ich las.

      Mir war halt aufgefallen, dass in Texten zu "psychosozialen Hilfen" und Soziotherapie im speziellen oft die Rede von kognitiven Dysfunktionen ist - und von Zielgruppe "psychisch Kranke", fast synonym benutzt zu "an Schizophrenie erkrankte". Ich kenne mich damit zu wenig aus, um das aus der Theorie "übersetzen" zu können in die mir aufgefallene praktische Handhabung (in solchen Hilfen). Aber dass vieles in unserer heutigen "Hilfelandschaft" entstanden ist aus ursprünglich auf Psychose-Erkrankungen ausgerichteten Projekten und Bewegungen, habe ich immer wieder mitbekommen.

      Und die Diskrepanz fiel mir auf zwischen dem, was viele Hilfeangebote anbieten (und wie sie die Hilfe durchführen und worin die besteht), und dem, was anscheinend Menschen mit eher autismusspezifischen "psychosozialen Problemen" bräuchten (ich, aus eigener Erfahrung - und anscheinend nicht nur ich, wie ich so lese).
      Ob diese Art und Weise von Hilfe, wie sie häufig angeboten wird (und sich aus der "Psychose-Hilfe" entwickelt hat), den Schizophrenie-Patienten auf die sie wohl ausgerichtet ist tatsächlich so gut hilft wie ich es jetzt von ausgehe, weiß ich nicht, ich kann es nur vermuten.



      Neoni wrote:

      Meinst du, die Hilfe die diese Menschen erhalten könnte auch Leuten mit AS helfen? Also falls es da überhaupt spezielle Hilfsangebote gibt.
      Ich weiß nicht, ob sie irgendwelche Hilfen erhalten, oder ob es da spezielle Hilfsangebote gibt.

      Ob bei Problemen im Zusammenhang eines Syndroms durch (organische) Hirnschädigung erfolgreich angewandte Hilfen oder Hilfestellungen auch Menschen mit AS helfen könnten - hmmm ... etwas, was ganz konkret und praktisch im Alltag unterstützt, etwas hinzukriegen (z. B. rechtzeitig zu beantragen), was man für's "Überleben" ganz dringend braucht, hilft ganz bestimmt, und ganz egal aus welchem Grund jemandem gerade z. B. der Verlust des Existenzminimums droht. (Und sei's weil er es schlicht verpennt hat, oder wegen Liebeskummer wochenlang durchgeheult und die Frist verpasst und gerade sein ganzes Leben in Frage stellt, oder sich das Bein gebrochen hat und nirgendwo hin kommt zum Antragstellen, oder so viele Wochen darüber nachdenkt, wie denn dieses Formular und die Fragen nun genau zu verstehen sind, dass die Frist vorbei zieht, oder oder ...) Die Bürokratischen Hürden sind oft schwer zu bewältigen.

      Generell denke ich halt, am besten ist: So viel wie nötig (aber das dann auch wirklich!), und so wenig wie möglich (also nichts unnötiges - das verbraucht auch meine Energie völlig sinnlos).

      Zum "Lernen", und "Strukturen finden", in denen oder mit denen es dann auch in Zukunft besserlaufen kann, kann ich mir so spontan nicht vorstellen, dass es der gleiche Ansatz wäre, bei Ausfall von Hirnarealen, hirnorganischer Schädigung, der auch Autisten helfen könnte.

      Spontan geht mir da z. B. durch den Kopf, dass eine "andere Verdrahtung" ja nicht Totalausfall bedeutet, und auch das mit dem "Kompensieren", und generell Gedanken zur Lernfähigkeit.
      Wobei, auch das Hirn ist ja in gewissem Maße regenerationsfähig und "umstrukturierungsfähig", spannendes Thema, Neuroplastizität :)


      Was kennst du denn an Hilfen, die (deiner Erfahrung oder Einschätzung nach) für AS gut geeignet wären? (Und auch tatsächlich erreichbar / findbar sind)
      Und welche Kriterien müsste eine Hilfe erfüllen, um gut geeignet zu sein?
      Wie müsste es ablaufen?


      Es läuft übrigens gerade ein interessanter Beitrag in 3Sat, wo es auch um (katastrophale) Situation der ambulanten Versorgung psychisch Kranker geht...

      The post was edited 1 time, last by Mira ().

    • Im Link des Eingangspostings wirst du fündig.
      Art und Dauer der Soziotherapie richten sich nach dem Krankheitsbild und seiner Schwere. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen eine Therapie von max. 120 Stunden in 3 Jahren. Der Patient muss vorab informiert werden, dass es sich hier um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handelt, die seine Mitarbeit erfordert. Nach Ablauf der 120 Stunden soll der Patient zur selbstständigen Nutzung des Sozialangebotes fähig sein.
    • mnesis wrote:

      … Ja, um solche Probleme geht es bei mir. V.a. Hilfe bei der Vereinbarung und beim Wahrnehmen von Arztterminen (u.a. wegen des Problems mit Berührungen), Erledigen von Behördenkram (der liegt bei mir seit Jahren unerledigt rum, weil ich es allein nicht auf die Reihe kriege), Organisation meines Haushalts, Finanzen, Versicherungen u.v.m. Ich brauche jemanden, der mich auch mal begleitet, z.B. zu Arztterminen oder Behörden. Jemanden, der auch mal Telefonate für mich übernehmen kann oder für mich "dolmetschen" kann.
      Ich habe immer nur gehört "Sie sind doch so intelligent, sie wissen doch eigentlich, wie das alles funtkioniert, ich verstehe gar nicht, wieso Sie das nicht alleine hinkriegen!". Die Hilfe beschränkte sich darauf, dass der Sozialarbeiter mir erklärt hat, wo ich welche Anträge im Internet runterladen und wo ich dann damit hingehen muss, welche Frauenärzte es in der Stadt gibt usw. - aber er hat nicht verstanden, dass das gar nicht mein Problem war, sondern die praktische Umsetzung!
      Der Vorteil von Soziotherapie wäre, dass man 120 Stunden in 3 Jahren bekommen kann, also ca. 40 Stunden pro Jahr, was nach Rausrechnen von Urlaubswochen/Feiertagswochen ca. 1 Stunde pro Woche wäre. Also schon mal besser als das SpDI-Grundversorgungsangebot mit 30min pro Quartal.
      Und es wird von der Krankenkasse bezahlt und ist nicht von einer Einkommens- und Vermögensprüfung abhängig wie z.B. ambulant betreutes Wohnen, Persönliches Budget u.ä. Man muss nur pro Termin zuzahlen, aber das hält sich im Rahmen, wie ich recherchiert habe, und ich könnte es mir leisten (wahrscheinlich erreiche ich zusammen mit den Medikamenten sowieso die Zuzahlungsgrenze und zahle ab dann gar nichts mehr zu).

      Ich bin also jetzt am Überlegen, ob ich Kontakt zu diesem Dienst aufnehme. Mein Psychiater meinte: "Rufen Sie da einfach mal an!". Er merkte kurz darauf selber, dass das ja eins meiner Probleme ist, und suchte mir eine Mailadresse raus, aber jetzt weiß ich nicht, was ich schreiben soll. :(


      ich hole das Thema nach gezielter Suche mal hoch, weil es bei mir auch in Betracht kommt. und zwar genau wegen solcher Probleme wie im Zitat geschildert. und auch unter dem Aspekt, dass es eine Krankenkassenleistung ist ohne Vermögensprüfung bei mir und vor allem Angehörigen, mir wärs wurscht, hab kein Vermögen. ich bin mir aber nicht sicher, ob mein GAF-Wert niedrig genug ist, immerhin gehe ich arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. man braucht eine Diagnose, aber chronische Depression reicht wohl aus.
      gibts hier weitere Erfahrungen mit Soziotherapie ?