"Bericht" über Autismus in Hoffingtonpost

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    • "Bericht" über Autismus in Hoffingtonpost

      Habe in der Hoffingtonpost einen sehr verstörenden "Bericht" über Autismus gefunden.
      huffingtonpost.de/bonnie-zampi…t-an-der-f_b_8206234.html

      Hier mein Kommentar dazu:

      Liebe Frau Zampino,
      ich bin selber Asperger Autist und bin sehr emphört über diese höchst unkonstruktive Auseinandersetzung mit dem sehr komplexen Thema, Autismus.

      "Die Medien versorgen uns mit allerlei Geschichten, die zu Herzen gehen. Das autistische Kind, das Kapitän der Basketballmannschaft der Schule wird. Der autistische Junge, der das hübsche Mädchen zum Abschlussball begleitet. Oder das autistische Mädchen, das zur Ballkönigin gewählt wird."

      Ich habe noch keinen Beitrag über Autismus gesehen, welcher eine dieser Situationen zeigt. Im Gegenteil: Autismus wird oft und immer wieder gern als eine Krankheit, bzw schweres Leiden dargestellt. Natürlich Leiden viele Autisten unter ihrem Autismus. Aber die große Mehrheit, so durfte ich in den letzten Jahren feststellen, kommt mit ihrem Autisus gut zurecht. Was auch durchaus in manchen, seriösen Medien bestätigt wird.

      "Denn auf jeden autistischen Jungen, der die Basketballmannschaft der Schule anführt, kommen 20 autistische Jungen, die mit Fäkalien spielen. Und auf jedes autistische Mädchen, das zur Ballkönigin gewählt wird, kommen 30 autistische Mädchen, die sich die Haare ausreißen und sich beißen, bis sie bluten. Und auf jeden autistischen Jungen, der zum Abschlussball geht, kommen 50 autistische Jungen, die schlagen und beißen und andere Menschen verletzen."

      Natürlich gibt es solche Fälle. Aber, und jetzt mus ich mich entschuldigen wenn ich frech wirke, haben Sie sich schonmal gefrag wieso Autisten dies tun? Sie tun es nicht, wie in ihrem artikel angedeutet, weil es ihre "Natur" ist. Viele Autisten leiden an einer "Reitzaufnahme Störung": Sie können die in der Umwelt aufgenommen Reitze nicht richtig filtern und verarbeiten, wodruch es zu einer Überflutung kommt. In vielen Fällen kommt es dabei zu einem Overload, in schlimmen Fällen zu einem Shutdown. Deshalb zeigen viele autisten auch ein selbst und fremd aggressives Verhalten. Man kann diese Overloads, in aller Regel therapieren. Versuchen sie es doch einmal mit Meditation. Autisten sind durch ihr Intovertiert sein, besonders gut darin und lassen sich gut darauf ein. Suchen sie einfach einen Therapeuten auf, welcher dies mit ihnen und ihrem Kind durchführt.

      "Autismus und Verhalten gehen Hand in Hand. Warum? Weil das Verhalten Kommunikation ist. Autisten können sich oft nicht auf die gleiche Art und Weise mitteilen, wie es Menschen ohne Autismus in der Regel tun. Also machen sie andere Dinge, um ihre Bedürfnisse zu stillen und sich mitzuteilen. Und oft sind diese Dinge unheimlich und von Gewalt gezeichnet."

      Wie ich vorhin schon erwähnte sind viele Autisten nicht fremd und selbst aggresiv, weil es in ihrer Natur liegt, oder weil es ihnen Spaß macht.
      Natürlich kommunizieren Autisten auf eine ganz andere Art und Weise als neurotpische Menschen. Dennoch ruft dies ganz andere Probleme hervor, als von ihnen beschrieben. Beispielsweise fällt es vielen Atusten dadurch schwer Freundschaften mit neurotpischen Menschen zu schließen. Oder sie können nur schlecht mit ihnen zusammen arbeiten. In vielen Fällen entstehen auf Missverständise von beiden Seiten, was oftmals Konflikte hervorruft, die aber meistens gewaltlos bleiben.

      "Weil ich meinen Sohn isolieren musste, isolierte ich auch mich selbst. Vom Fenster aus sah ich zu, wie andere Mütter aus der Nachbarschaft beisammensaßen und sich unterhielten, während ihre Kinder zusammen spielten. Ich konnte mich nicht dazugesellen, weil mein Sohn nicht mit anderen Kindern zusammen sein konnte."
      Warum bringen Sie ihr Kind nicht mit anderen autistischen Kindern zusammen? Sie werden sehen, vorrausgesetzt er hat sein selbst und fremdaggresives Verhalten abgelegt, dass er sich gut mit ihnen verstehen wird und sich relativ schnell Freundschaften entstehen. So können sie sich auch mit anderen Eltern von Autisten austauschen, um die Beziehung mit ihrem Kind noch effektiver zu verbessern.

      "Autismus kann traurig sein. Autismus kann Chaos anrichten. Autismus kann gewalttätig sein. Autismus kann isolierend sein."

      Das sind alles Resultate die aus Konfliken mit neurotpischen Menschen entstehen. Es hat nicht direkt etwas mit Autismus zu tun. Lösen sie diese Konflikte und sie werden erstaunt sein, wie schön das Leben mit einem Autisten sein kann!

      "Wir werden unsere Kinder lehren, dass es nicht in Ordnung ist, andere Kinder zu schlagen, und wie sie es vermeiden, von anderen geschlagen zu werden."

      Man kann das Verhalten eines Autisten nicht durch Bestrafungen ändern. Ihr Kind wird auch weiterhin seine Meltdowns haben, ob sie es ihm abtrainieren wollen, oder nicht! Wenn sie es schaffen, die Overloads ihres Kindes in den Griff zu bekommen, so wird sie auch die Aggressivität lösen. Daran zu arbeiten, ist die Lösung der Konflikte zwischen ihrem Kind und ihnen ...
      Mit freundlichen Grüßen
      Chris

      Sollte es Misstände geben, die sie verzweifeln lassen; beseitigen Sie nicht die Misstände, sondern ihre Zweifel! :prof:
    • Warum reagierst Du auf Propaganda mit Argumenten?
      Das ist vergebliche "Liebesmueh" ...

      Bei solchen Propaganda-Artikeln geht es nicht um die Wahrheit, es geht um Stimmungsmache. Da laufen sachliche Argumente "ins Leere".
      Ausfuehrliche Antworten verfehlen ihr Ziel.
      Wenn Du klarstellen willst, was das fuer ein Bullshit ist, dann besser in einer deutlich kuerzeren Antwort, die generalisiert aufzeigt, welcher Sorte von "Glaubwuerdigkeit" dieser Artikel entspringt.


      Man liest sich ... Sascha
    • Ich habe den Eindruck dass es sich bei dem Kind in dem Bericht um einen nichtverbalen Kannerautisten handelt. Die Voraussetzungen sind für ihn und seine Eltern ganz anders als bei einem Aspiekind das nur ein bisschen "komisch" ist. Wenn ich Elternteil eines schwerbehinderten, nichtverbalen, fremdaggressiven und selbstaggressiven autistischen Kindes wäre würde mich Aspies mit ihrem Autismus unendlich nerven, besonders wenn sie wie viele von uns im Forum nicht einmal ganz sicher sind ob ihre Diagnose stimmt. Manchmal kommt es mir total peinlich vor wenn Leute mit Asperger für "Autisten" sprechen wollen. Ich glaube nicht dass jemand mit einer Aspergerdiagnose irgendein Recht hat für nichtverbale schwerbehinderte Autisten zu sprechen oder den Eltern einen Rat zu geben "von innen".
    • Wow.. besser hätte ich es nicht formulieren können.
      Danke, Unbewohnte Insel!
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Rechercheur wrote:

      Unbewohnte Insel wrote:

      Manchmal kommt es mir total peinlich vor wenn Leute mit Asperger für "Autisten" sprechen wollen. Ich glaube nicht dass jemand mit einer Aspergerdiagnose irgendein Recht hat für nichtverbale schwerbehinderte Autisten zu sprechen oder den Eltern einen Rat zu geben "von innen".

      lysikan.tumblr.com/post/106147…low-functioning-autistics
      LOL

      Mit den Worten von

      Ginome wrote:

      Wow.. besser hätte ich es nicht formulieren können.



      Man liest sich ... Sascha
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Manchmal kommt es mir total peinlich vor wenn Leute mit Asperger für "Autisten" sprechen wollen. Ich glaube nicht dass jemand mit einer Aspergerdiagnose irgendein Recht hat für nichtverbale schwerbehinderte Autisten zu sprechen oder den Eltern einen Rat zu geben "von innen".

      Ginome wrote:

      Wow.. besser hätte ich es nicht formulieren können.
      Danke, Unbewohnte Insel!

      Sagen wir mal so:
      Vielleicht seid es ja nur ihr, die nicht für andere Autisten sprechen (können).
      Für mich ist es jedenfalls ok, wenn ihr es nicht tut. Bleibt einfach dabei. Passt schon. :nod:
    • Ich habe den Artikel etwas sorgfältiger gelesen jetzt und merke dass die Frau ziemlich unempathisch zu sein scheint und die Situation nicht aus der Perspektive ihres Kindes beschrieben hat sondern nur aus ihrer eigenen. Irgendwann sah ich bei YouTube eine Amerikanerin die ihren Missmut ausdrucken wollte dass wenn sie den Leuten sagte dass ihr erwachsenes Kind, das sie zu Hause betreute, autistisch sei dann sagten alle wie interessant das sein müsse und fragten sie als nächstes was für Sonderbegabungen er hätte. Aber das erwachsene Kind konnte gar nichts sondern entweder lag er nur da oder hat stereotypische Bewegungen gemacht und ziemlich oft sich verletzt hat ohne dass sie (die Mutter) herausfinden konnte was ihm fehlte. Sie hat gesagt dass sie ihren Sohn im Internet vorgestellt hatte weil das Wort "Autismus" nichts mehr zu tun hätte mit dem was sie und ihr Sohn jeden Tag erleben sondern meistens für Aspergerautisten gebraucht wird und dass Asperger überhaupt nicht das ist was ihr Sohn hat. Sie hat auch erwähnt dass manchmal die Aspies in der Lage waren ihr einen Tipp zu geben was ihr Sohn vielleicht denken oder fühlen könnte aber dass es nur kleine Hinweise waren, nicht mehr. Ich denke man kann auch Bücher lesen um sein autistisches Kind besser zu verstehen als man es sonst tun würde.

      Ich habe inzwischen auch gemerkt (etwas spät) dass ChrisH seinen Brief an die Frau im Artikel nur hier im Forum geschrieben hat und nicht buchstäblich an sie geschickt hat. Es hatte mich entsetzt dass ein wildfremder Mensch (ChrisH) einer Frau sagen sollte was es mit dem Autismus ihres Sohnes auf sich hat ohne sie oder das Kind jemals getroffen zu haben, weil nur die Frau selber weiss wie es im Alltag den beiden geht. Aber wenn der Brief nur für das Forum geschrieben ist ist es etwas anderes weil er nur für uns ist.

      Der Link von Rechercheur mit dem Artikel von dem "LFA" nehme ich zur Kenntnis. Auf der anderen Seite, las ich einmal auf WrongPlanet einen Beitrag von jemandem der rund-um-die-Uhr Betreuung hatte in einem Heim. Er hat geschrieben "Well, I'm not fucking high-functioning like all of you seem to be here in this goddam forum!" Er war genervt was alles geschrieben wird über Autismus in dem Forum und fühlte dass es nichts mit seiner Lebenswirklichkeit zu tun hatte.

      Ich glaube die Frau im ersten Artikel wollte nur zeigen dass das Leben mit einem schwer autistischen Kind schwierig ist aus diesem und jenem Grund und dass die Medien ein zu rosiges Bild geben. Ob die Schwierigkeiten nur daraus entstehen dass man das Kind nicht versteht und sich falsch darauf einstellt weiss ich aus persönlicher Erfahrung mit solchen Kindern nicht. Ich war nur sehr kurz (einen Abend) mit so einem Kind bei einem Abendessen und einiges was er gemacht hat habe ich sofort verstanden "von innen", aber er hatte auch eine geistige Behinderung was ich nicht habe. Die Frau hatte ihn zu Hause betreut bis er in die Pubertät kam und war dann überfordert und hat ihn in einen Heim abgegeben weil sie es mit seiner Sexualität nicht schaffte, weil er sich hauptsächlich an sie sexuell gewendet hat, was sie schwierig fand weil sie seine Mutter ist. Ihre Ehe war auseinandergegangen weil sie darauf bestanden hatte das Kind zu Hause zu betreuen aber am Ende konnte sie nicht mehr und hat mir erzählt dass sie sich sehr schuldig fühlte. Sie hat gesagt dass sie frage sich immer ob sie was falsches gemacht hätte was ihn autistisch gemacht hatte. Ich habe ihr erzählt dass es angeboren sein soll und dass es bestimmt nicht mit ihr zu tun hätte. Sie hat mir erklärt dass es auch Aspergerautisten gäbe aber dass ihr Kind frühkindlichen Autismus habe, was nicht dasselbe sei. Er hat fast den ganzen Abend allein verbracht und flatternde Streifen betrachtet die seine Mutter an einen Ventilator angebracht hatte für ihn. Ich liebe solche Tätigkeiten selber und konnte ihn sofort verstehen in der Hinsicht. Seine Mutter hat ihn offensichtlich auch soweit verstanden dass sie seinen Ventilator mit Papierstreifen mit zu einem Abendessen gebracht hat und sich nicht um die Meinung anderer darüber gekümmert hat. Ich wollte ihr sagen "Toll! Das mache ich auch und bin froh einen Gleichgesinnten zu treffen mit demselben Interesse." Aber sowas sagt man nicht bei einem Abendessen. Zum Schluss ging sie nach Hause mit dem Ventilator und ihrem Kind.

      (Die vielen Editierungen gelten hauptsächlich Rechtschreibung und Grammatik weil ich Fehler korrigieren muss wenn ich sie sehe, bis ich mich zwinge aufzuhören obwohl es noch Fehler zu finden gibt.)

      The post was edited 8 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Es ist nunmal so dass inzwischen viele Artikel überwiegend nurnoch auf die Situation von Asperger-Autisfen eingehen und die niedrigfunktionalen Kannerautisten oftmals dabei einfach vergessen werden. Über solche Artikel wird sich hier aber nicht aufgeregt, da sagt niemand: "aber was ist mit den niedrigfunktionalen eigen- und fremdagressiven Autisten die mit Fäkalien spielen?", nein. Geht man aber nun mehr auf diese Gruppe von Autisten ein, ist es auch nicht recht.

      Die Frau wirkt auf mich auch sehr unempathisch und spricht nur über sich und nicht aus der Sicht ihres Sohnes wie es für ihn sein mag. Vermutlich weiß sie es auch nicht. Sie spricht aber was an, was nunmal durchaus so ist. Das öffentliche Interesse wenn es um Autisten geht dreht sich entweder um Savants und/oder um Asperger und hochfunktionale Autisten und wenn es doch mal um LFAs geht, dann um welche die zumindest mal ein eigenes Buch geschrieben haben. Der Rest der LFAs die tägliche Unterstützung brauchen etc., die werden nunmal allzu oft übersehen.
      Diagnose: Mensch

      The post was edited 1 time, last by Lukas ().

    • Jeder autist, egal wo im Spektrum, hat das recht, in den Medien vertreten zu werden. Es darf eben nur nicht verallgemeinert werden. Und das passiert meist durch die Ausdrucksweise der Journalisten. Denen darf man das aber auch nicht in den Mund legen.

      Genauso wünsche ich mir differenzierte Berichte über asperger autisten, die vielleicht einen hohen IQ haben, aber sehr mit Angst und Depressionen zu kämpfen haben. Und die nicht immer Programmiergenies sind.
    • Wenn man in den Medien mehr auf die schwereren Formen von Autismus eingehen würde wäre es schnell vorbei mit der Idee dass Autismus etwas Cooles und Spannendes ist.

      Es wäre vielleicht gut wenn man hier im Forum sich mehr für die schwereren Formen von Autismus interessieren würde aber ich weiss nicht inwieweit jemand mit Asperger das Recht hat für solche Menschen zu sprechen (in der Öffentlichkeit zum Beispiel), besonders wenn sie (die LFAs) gar nicht kommunizieren können, nicht einmal mit Tastatur.

      Ich nehme an dass je tiefer im Spektrum man sich befindet je leichter man es findet für andere Menschen die tief im Spektrum sind zu sprechen. Aber hat ein HFA wirklich Einsicht in wie ein LFA die Welt erlebt? Und wenn er sie hat wie soll er wissen dass er sie hat? Und hat man so viele LFAs kennengelernt im Leben oder stellt man sich nur vor wie sie sind und was sie erleben?

      Vielleicht wenn man sieht dass jemand gezwungen wird Sachen zu tun und auszuhalten die man selber nicht tun oder aushalten würde kann man eingreifen und etwas dagegen sagen. (Lärm, keine Ruckzugsmöglichkeiten, unvorhersehbare Veränderungen, keine Stereotypien erlaubt, wichtige Routine gebrochen usw). Je neurotypischer man ist je weniger dürfte man (kognitive) Empathie haben für solche Bedürfnisse und andersrum je leichter es sein sollte für stark betroffene Aspergerautisten die Frustrationen von MFAs und LFAs einigermassen zu verstehen. Ohne sich als Sprecher für diese Gruppen zu qualifizieren, weil sie gehören selber nicht dazu.

      @Pompeji

      Ja, das Bild von Aspergerautismus ist auch zu rosig in den Medien. Ein Buch das ich aus England bekommen habe sagt sogar dass ein guter Teil der Aspergerautisten im Gefängnis wäre wegen ihrer Hilflosigkeit und schlechtes sozialen Verständnisses. Weiss nicht ob es Statistiken gibt oder ob es nur eine Vermutung ist.

      The post was edited 5 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Es gibt da diesen blog des Kannerautisten bei tumblr und Carly Fleischmann. Das gibt zumindest gewissen Einblick. Es sollte aber in den Medien nicht nur die leidensseite betont werden. Autisten können was. Das darf man nicht vergessen.
    • Ich finde eigentlich nicht, dass die niedrigfunktionalen Autisten in den Medien zu kurz kommen. Es gibt darüber schon sehr viele Artikel, aber die werden vielleicht nicht hier im Forum so oft verlinkt, weil sie wenig Bezug zu unserem Leben haben.
      Ich nehme es auch immer noch so wahr, dass sich die meisten Verbände und Hilfsorganisationen mehr für die Niedrigfunktionalen interessieren und es für hochfunktionale Autisten wenig Hilfen gibt.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • An sich finde ich es ganz gut, dass auch mal die negativen Seiten von Autismus in einem Zeitungsartikel erwähnt werden. Dauernd liest man von (vor allem von Aspies und Angehörigen), dass Autismus gar nichts schlimmes ist. Und dass die meisten Autisten zufrieden mit ihrem Leben sind. Aber Autismus zu haben, kann auch mit einem starken Leidensdruck verbunden sein und ich habe selten von Betroffenen gehört, die das genauso empfinden wie ich. Dass man unter Autismus auch leiden kann, wird in den Medien aber irgendwie nur selten erwähnt, dabei kommt das ja genauso vor.

      Was mir an dem Artikel nicht gefällt ist, dass die Frau so tut, als wären die meisten Autisten aggressiv und gewalttätig. Sowas kommt zwar auch bei Autismus vor... aber natürlich nicht bei jedem. Für Unwissende muss es sich aber so anhören, als wären wir alle gefährliche Monster. Vor allem weil im Artikel auch nicht mal richtig erklärt wurde, weshalb manche Autisten ausrasten und sich selbst oder andere verletzen.

      Manchmal kommt es mir total peinlich vor wenn Leute mit Asperger für "Autisten" sprechen wollen.
      Das kommt mir genauso vor.

      Bei mir war es ja anfangs eine Selbstdiagnose und ich dachte lange Zeit, dass ich ganz bestimmt "nur" Asperger habe. Als mir meine Psychiaterin die Diagnose für atypischen Autismus gegeben hat, war ich deswegen ziemlich verwundert, weil ich dachte, dass diese Diagnose zu mir nicht passen würde. Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass ich mich selbst unter Aspies irgendwie fremd und anders fühle. Ich habe das Gefühl, dass mein Autismus nicht annähernd so ist wie bei den meisten Asperger-Autisten.

      Mich macht das manchmal echt traurig, was andere Aspies zu meinen Problemen und Einschränkungen sagen (nicht nur in diesem Forum). Zum Beispiel wenn man dann lesen muss, es wäre kindisch wegen einem offenen Fenster auszurasten... oder wenn sie nicht verstehen, warum ich mich selbst bei leisen Geräuschen fast bewusstlos schlage. Ich glaube die meisten meinen das nicht böse, wenn sie sowas schreiben. Aber wenn man durch Autismus sehr eingeschränkt und unglücklich ist, dann ist es echt schlimm so etwas lesen zu müssen. Manche Asperger-Autisten sollten sich vielleicht mal bemühen, etwas mehr Verständnis für die Einschränkungen, Probleme und Verhaltensweisen von anderen Autisten zu haben.

      Liebe Grüße,
      akfscb8

      The post was edited 2 times, last by akfscb8 ().

    • "Bericht" über Autismus in Hoffingtonpost

      Chris, das ist nicht wirklich ein Bericht über Autismus, das ist ein Leserkommentar über diese Angelegenheit:
      abcnews.go.com/US/california-n…-public/story?id=33910884

      Hast du ein Kind oder Bruder/Schwester/Verwandten mit low-functioning Autismus? Hast du beruflich etwas mit den Menschen mit low-functioning Autismus zu tun (direkt: Betreuer, Psychologe, Arzt etc; oder auch indirekt: Betreuung und Beratung für Angehörige)? Schätze nein, falls doch, erzähle es.
      Du hast auch nicht selbst low-functioning-Autismus.

      Du schreibst also als ein absoluter Laie, du bist damit wahrscheinlich ein Mensch, den die Leute in der Frage low-functioning-Autismus nicht ernst nehmen werden.
      Nach dem zu urteilen was die Frau in ihrem Leserkommetar schreibt, bist du, als ein Mensch mit einer AS-Selbstdiagnose, in ihren Augen nicht geeignet zu kritisieren (selbst mit offizieller AS-Diagnose würde sie dich wahrscheinlich nicht für geeignet halten zu kritisieren).


      ---

      Unbewohnte Insel wrote:

      Irgendwann sah ich bei YouTube eine Amerikanerin die ihren Missmut ausdrucken wollte dass wenn sie den Leuten sagte dass ihr erwachsenes Kind, das sie zu Hause betreute, autistisch sei dann sagten alle wie interessant das sein müsse und fragten sie als nächstes was für Sonderbegabungen er hätte. Aber das erwachsene Kind konnte gar nichts sondern entweder lag er nur da oder hat stereotypische Bewegungen gemacht und ziemlich oft sich verletzt hat ohne dass sie (die Mutter) herausfinden konnte was ihm fehlte. Sie hat gesagt dass sie ihren Sohn im Internet vorgestellt hatte weil das Wort "Autismus" nichts mehr zu tun hätte mit dem was sie und ihr Sohn jeden Tag erleben sondern meistens für Aspergerautisten gebraucht wird und dass Asperger überhaupt nicht das ist was ihr Sohn hat. Sie hat auch erwähnt dass manchmal die Aspies in der Lage waren ihr einen Tipp zu geben was ihr Sohn vielleicht denken oder fühlen könnte aber dass es nur kleine Hinweise waren, nicht mehr. Ich denke man kann auch Bücher lesen um sein autistisches Kind besser zu verstehen als man es sonst tun würde.


      Ja das war hier: youtube.com/watch?v=1lNTZYu2Thc

      grobe Teil-Übersetzung:
      Ich denke wirklich dass da ein allgegenwärtiges Problem ist, wie das Wort "Autismus" falsch genutzt wird [...]. Ich weiß dass es da ein Spektrum gibt, aber ich denke das Spektrum bringt viel Verwirrung hervor [...], es wirft Leute zusammen in einen Topf, die so unglaublich verschieden sind, dass es eigentlich schwer gemacht wird, konkrete Daten und Informationen zu untersuchen, um die Gruppen innerhalb der Gruppe zu studieren.
      Zum Beispiel mein Sohn, wissen Sie, er ist sehr, sehr verschieden von Leuten mit Asperger-Syndrom. Ich mag die Leute mit AS und ich finde sie faszinierend, ich habe einen Verwandten mit AS der eine sehr interessante Art hat, und ich habe auch einen Sohn mit Autismus. Aber ich finde sie, wissen Sie, sie sind ziemlich verschieden. [...] Ich würde sie [Leute mit AS] immer noch nicht
      autistisch nennen, weil sie auf einem Level funktionieren, das weit [...] über dem ist was ich wiederholt als wahren Autismus gesehen habe. Für mich hat Autismus immer bedeutet (und das ist
      wahrscheinlich weil ich mit einem schwer-autistischen Sohn lebe), dass die Person in ihrer eigenen Welt ist und [...] gefangen in ihrereigenen Welt [...].

      So, ich denke mein Punkt ist dass... wissen Sie, ich möchte nicht sagen [...], ich möchte nicht sagen "Hey Ihr Kind ist nicht autistisch! Mein Kind ist autistischer als Ihr Kind!" und diese Art von Unsinn, Ich sage nur, dass ich wirklich denke (und ich denke viele Leute stimmen mir dahingehend zu), dass Autismus heutzutage so locker vergeben wird, dass es lächerlich ist [hier nennt sie viele Beispiele welche Störungen fälschlicherweise alle als Autismus bezeichnet werden (zumindest in
      englischsprachigen Ländern)].

      Es gibt viele Labels, wissen Sie, viele Ärzte verstehen Autismus nicht wirklich, sie tun es immer noch nicht. Sogar Leute die als Autismus-Experten bezeichnet werden, ausgehend davon wen sie behandeln, verstehen schweren Autismus trotzdem nicht, finde ich. Sie haben nur Umgang mit hochfunktionalen Leuten. So, und das finde ich seltsam dass beinahe jeder der diagnostiziert wird [...] immer hochfunktional ist; wie kann das sein, wenn doch in Wahrheit Leute die Autismus haben, im mittleren oder schweren Bereich sind.


      * Das Markierte: Zur Vorsicht, damit die Leute das nicht überlesen dass die Frau nicht schlecht denkt über Menschen mit AS wie man ihr vielleicht reflexartig vorwerfen mag, und dass sie ja gar keine Ahnung hätte wie Menschen mit AS sind (meine Erfahrungswerte dass so reagiert wird ;-).

      Der Link von Rechercheur mit dem Artikel von dem "LFA" nehme ich zur Kenntnis. Auf der anderen Seite, las ich einmal auf WrongPlanet einen Beitrag von jemandem der rund-um-die-Uhr Betreuung hatte in einem Heim. Er hat geschrieben "Well, I'm not fucking high-functioning like all of you seem to be here in this goddam forum!" Er war genervt was alles geschrieben wird über Autismus in dem Forum und fühlte dass es nichts mit seiner Lebenswirklichkeit zu tun hatte.

      Man weiß nicht, wer das ursprünglich geschrieben hat @ Rechercheurs Link. Im Internet kann jeder alles mögliche schreiben was er will und so tun als ob... Bin da vorsichtig.

      Wenn man in den Medien mehr auf die schwereren Formen von Autismus eingehen würde wäre es schnell vorbei mit der Idee dass Autismus etwas Cooles und Spannendes ist.

      Jup.
      Aber oft reagieren die Leute empört wenn gesagt wird hochfunktionale Autismus-Spektrum-Störung ist leichter Autismus.

      Vielleicht wenn man sieht dass jemand gezwungen wird Sachen zu tun und auszuhalten die man selber nicht tun oder aushalten würde kann man eingreifen und etwas dagegen sagen. (Lärm, keine Ruckzugsmöglichkeiten, unvorhersehbare Veränderungen, keine Stereotypien erlaubt, wichtige Routine gebrochen usw).

      Ich glaube auch nicht dass denen jede Stereotypie verboten wird... unterbunden wird es denke ich erst dann, wenn es schädlich ist (alles selbstschädigende stereotype Verhalten, zB Augen- Ohrenbohren, sich beißen etc). Oder wenn wegen Stereotypien keine andere Tätigkeit mehr zugelassen wird, die aber unbedingt notwendig ist.

      Je neurotypischer man ist je weniger dürfte man (kognitive) Empathie haben für solche Bedürfnisse und andersrum je leichter es sein sollte für stark betroffene Aspergerautisten die Frustrationen von MFAs und LFAs einigermassen zu verstehen. Ohne sich als Sprecher für diese Gruppen zu qualifizieren, weil sie gehören selber nicht dazu.

      Sehe ich auch so.
      Der Begriff "Spektrum" verleitet viele, Autismus bei allen Betroffenen als ein und dasselbe aufzufassen, nur in unterschiedlicher Ausprägung. Ich finde das einen Trugschluss.
      Es ist eine Zusammenfassung verschiedener Störungen. Es wird nach äußerlich sichtbaren Symptomen diagnostiziert, nicht nach Ursachen. Ein und demselben Verhalten können ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Daher halte ich es für sehr gewagt, die eigene Wahrnehmung der Welt auf alle zu übertragen.
      Auch sollten (noch dazu unbewiesene) Theorien wie zum Beispiel die "intense-World-Theory" (Reizfilterschwäche) nicht generalisiert werden auf alle Betroffenen von Autismus-Spektrum-Störungen: schon unter den Betroffenen von hochfunktionaler Autismus-Spektrum-Störung (AS/HFA oä) stelle ich wiederholt Unterschiede betreffs "Reizüberflutung" fest (sowie Art als auch Intensität betreffend) und auch die Reaktionen darauf unterscheiden sich... wenn dies also nichtmal innerhalb des hochfunktionalen Teil des Spektrums einheitlich ist, wie kann man dann sogar noch meinen, man wisse wie Menschen mit low-functioning Autismus die Welt wahrnehmen??
      Ich finde nicht dass es mir zusteht, zu behaupten, wie sich Menschen mit LFA fühlen.
    • Es wird von vielen Nichtautisten und auch hochfunktionalen Autisten angenommen, dass niedrigfunktionale Autisten automatisch sehr leiden müssten. Das muss aber gar nicht der Fall sein. Ob man leidet, ist eine Sache der subjektiven Wahrnehmung und hat nichts damit zu tun, wie sehr man objektiv gesehen eingeschränkt ist.

      Es gab auch mal irgendwo eine Studie, wo untersucht wurde, wie glücklich oder unglücklich Autisten sind, und da waren die weniger funktionalen Autisten glücklicher als die hochfunktionalen. Je intelligenter jemand ist, desto mehr kann er seine Situation selbst wahrnehmen und sich mit anderen vergleichen, und desto mehr wird auch von ihm erwartet. Das letztere ist oft ein großes Problem. Wenn ein Autist nicht spricht, dann wird auch nicht viel von ihm erwartet, und sofern er nicht Eltern hat, die ihn gar nicht akzeptieren können, wie er ist, kann er in seinem Leben durchaus glücklich sein. Das hängt dann auch immer von den Umständen ab. Von hochfunktionalen Autisten wird aber erwartet, zu funktionieren als hätten sie gar nichts. Sie müssen in einem normalen Leben irgendwie funktionieren. Manche bekommen das auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer Zufriedenheit irgendwie hin, andere schaffen es nicht. In dieser Situation trotzdem glücklich zu werden ist im Vergleich ziemlich schwer. Hochfunktionale Autisten müssen ihren eigenen Weg finden. Es gibt kaum jemanden, der dabei hilft, zumindest bisher.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • Neoni wrote:

      Es ist eine Zusammenfassung verschiedener Störungen. Es wird nach äußerlich sichtbaren Symptomen diagnostiziert, nicht nach Ursachen. Ein und demselben Verhalten können ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Daher halte ich es für sehr gewagt, die eigene Wahrnehmung der Welt auf alle zu übertragen.
      Auch sollten (noch dazu unbewiesene) Theorien wie zum Beispiel die "intense-World-Theory" (Reizfilterschwäche) nicht generalisiert werden auf alle Betroffenen von Autismus-Spektrum-Störungen: schon unter den Betroffenen von hochfunktionaler Autismus-Spektrum-Störung (AS/HFA oä) stelle ich wiederholt Unterschiede betreffs "Reizüberflutung" fest (sowie Art als auch Intensität betreffend) und auch die Reaktionen darauf unterscheiden sich... wenn dies also nichtmal innerhalb des hochfunktionalen Teil des Spektrums einheitlich ist, wie kann man dann sogar noch meinen, man wisse wie Menschen mit low-functioning Autismus die Welt wahrnehmen??
      Sehe ich ganz ähnlich.

      Letztens las ich ein Buch eines nonverbalen Autisten und der hatte z.B. überhaupt keine Probleme, auf dem lauten, vollen Wochenmarkt (mit seiner Mutter) einkaufen zu gehen - fand es sogar toll!
      Hingegen hatte er riesige Probleme, verschiedene Reize zu integrieren. Konnte nicht bewusst nach etwas greifen, ohne dass die Mutter seinen Arm anfasste, damit er seinen Arm wahrnehmen konnte.
      Konnte nicht reden, weil er "sein Stimme nicht fand" - seine Mutter schlug ihm dann immer leicht auf den Rücken, so dass sich erst willkürlich laute bildeten und mit dieser Hilfe konnte er dann leichte Wörter sprechen.
      Er konnte Leuten nicht ins Gesicht schauen, weil er nicht gleichzeitig zuhören und gleichzeitig gucken kann.
      Er reagierte nicht auf fremde Stimmen, weil er diese schlicht nicht wahrnahm, also sie in seiner Welt nicht ankamen. Nur auf bekannte Stimmen war er so trainiert, dass sie in seine Welt gelangten.
      Und so weiter.

      In manchem konnte ich mich wiederfinden (zwei Reize gleichzeitig verarbeiten fällt mir auch schwer - aber es ist nicht komplett unmöglich für mich!), aber es war sooooo viel ausgeprägter und eben auch vieles völlig fremd.
      Da würde ich mich doch im Leben nicht hinstellen und sagen: "Ich bin Autistin, ich kann für dich sprechen!"

      Aspies und HFAler haben ihre eigenen Probleme. Die, die niedrigfunktionale Autisten nicht haben.
      Das, was Shenya beschreibt, habe ich auch schonmal in einem Fachartikel gelesen. Also dass hochfunktionale Autisten eher zu Depressionen neigen, weil sie sich eher mit "normalen" Menschen vergleichen können und mehr von sich selbst erwarten bzw. auch mehr von ihnen erwartet wird.

      Daher finde ich es sehr schwer, diese doch sehr verschiedenen Ausprägungen des Autismus miteinander zu vergleichen.
      Denn der Unterschied zwischen "Aspie" und "LFA" ist vermutlich in etwa so mit der zwischen "NT" und "Aspie". Und wenn ein NT ankommt und anfängt, die Wahrnehmung eines Autisten zu beschreiben, "weil man es ja selber von sich kennt", dann würde sich doch jeder hier aufregen.

      Was den Artikel betrifft, so kann ich die Mutter durchaus verstehen. Auch wenn ich die Meinung teile, dass es wirkt als wüsste sie überhaupt nicht, warum das Kind so reagiert.
      Aber ich fände es auch falsch zu sagen: das tut es, weil es überreizt ist!
      Denn ich WEISS es doch nicht! Ich bin nicht dieser Junge, ich kann somit zwar Vermutungen aufstellen, aber keine Tatsachenbehauptungen! :prof:
      Und ja, mich würde es frustrieren, wenn ich ein Kind mit stark ausgeprägten Autismus hätte und dann überall von den autistischen Genies lesen würde oder den Geeks im Silicon Valley, die Karriere machen, Frauen und Kinder haben etc.
      Es darf doch nicht so werden, dass der sprechende Autist zwar nicht mehr abgewiesen wird mit den Worten "Sie reden, sie können kein Autist sein!", aber dafür der nonverbale Autist sich anhören muss "Wieso reden sie nicht, sie sind doch nur autistisch."

      Ich finde, weder das eine, noch das andere sollte so sein - aber dafür sollte eben klar sein, dass es nicht DEN Autismus gibt. Dafür es ist aber eben auch wichtig, dass jeder einzelne Autist (ob nun LFA, MFA, HFA, atypisch, Aspie) sich bewusst macht, dass er immer nur über seinen eigenen Autismus reden kann und niemals über den eines anderen Autisten!
    • @ Shenja
      Ja. Auf Englisch gibt es sogar den Begriff "inadequate" für jemanden der den Anforderungen des Lebens nicht genügt. Buchstäblich übersetzt wäre das "unzulänglich" oder "ungenügend" und es ist eine grosse Beleidigung jemanden als "inadequate" zu beschreiben. Als Aspie gibt es viel was man nur mit grossen Abstrichen und Stress und Schwierigkeiten kann. Die Möglichkeit oder sogar Einladung liegt ein Leben lang nicht allzu weit sich als "inadequate" zu erleben weil man dieses und jenes nicht tun, kann oder hat was andere tun, können und haben, bei gleichen Vorraussetzungen minus eben dieser Sache was immer es ist (AS). Es tut weh immer seinen eigenen besonderen mehr oder weniger eingeschränkten Weg gehen zu müssen und auf vieles verzichten zu müssen was eine Überforderung wäre aber doch theoretisch betrachtet wünschenswert.

      @Hypatia. Gut zusammengefasst.

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    • Warum bringen Sie ihr Kind nicht mit anderen autistischen Kindern zusammen? Sie werden sehen, vorrausgesetzt er hat sein selbst und fremdaggresives Verhalten abgelegt, dass er sich gut mit ihnen verstehen wird und sich relativ schnell Freundschaften entstehen.

      Selbst- und fremdaggressives Verhalten "ablegen" bedeutet in der Regel zu unterdrücken, nach außen sichtbar zu machen, dass etwas innerlich oder äußerlich unerträglich ist. Für Personen wie die, um die es in dem Artikel geht mit wenig oder keine Lautsprache, bedeutet das immer noch oft, medikamentös ruhiggestellt zu werden und mehr oder weniger apathisch und weniger fokussiert vor sich hin zu leben.

      Wie soll bei einem Nebeneinander Freundschaft entstehen können? Freundschaft nach welcher Definition?

      Je intelligenter jemand ist, desto mehr kann er seine Situation selbst wahrnehmen und sich mit anderen vergleichen, und desto mehr wird auch von ihm erwartet.

      Meiner Meinung nach hat das weniger mit vermeintlicher Zahl vor dem IQ zu tun, sondern mit dem bisherigen Zugang zu Wissen; den Möglichkeiten "funktionsfähigere" Menschen beobachten zu können, anstatt nur von Menschen mit dem nach außen hin gleichen Funktionsniveau oder niedriger umgeben zu sein und Personen, die ihnen ständig sagen, wie und was sie zu tun hätten, während "die Anderen" ganz anders miteinander umgehen (Vermittlung und Akzeptanz von Rollenklischees) und dann noch das persönliche Interesse, das sich auf andere Menschen erstrecken kann oder auch nicht.

      Wenn ein Autist nicht spricht, dann wird auch nicht viel von ihm erwartet, und sofern er nicht Eltern hat, die ihn gar nicht akzeptieren können, wie er ist, kann er in seinem Leben durchaus glücklich sein.

      Nicht viel erwartet im Vergleich zu was oder wem? Es kann und wird auch von nicht sprechenden Autisten viel erwartet. An erster Stelle, dass sie sprechen und auch sonst, dass sie möglichst "normal" funktionieren und auch alles das erreichen können sollen, das andere Menschen erreichen können. Im Vergleich zu Menschen, die funktionaler in diversen Bereichen erscheinen, erscheint die Messlatte sogar höher gesteckt.

      Es gibt da diesen blog des Kannerautisten bei tumblr

      Gibt es dazu eine Adresse?
    • Kasimir wrote:

      Nicht viel erwartet im Vergleich zu was oder wem? Es kann und wird auch von nicht sprechenden Autisten viel erwartet. An erster Stelle, dass sie sprechen und auch sonst, dass sie möglichst "normal" funktionieren und auch alles das erreichen können sollen, das andere Menschen erreichen können. Im Vergleich zu Menschen, die funktionaler in diversen Bereichen erscheinen, erscheint die Messlatte sogar höher gesteckt.

      Dass erwartet wird, dass sie "normal" funktionieren sollen, bei einem niedrigfunktionalen Autisten? Das wäre wohl wenig realistisch. Aber es gibt natürlich Eltern, die unbedingt irgendetwas von ihrem Kind haben wollen, was es eigentlich nicht leisten kann. Dann kann das auch sehr schwierig sein.
      Ich kenne aber jede Menge niedrigfunktionaler Autisten (nicht persönlich, aber durch Berichte), die relativ unbehelligt bei ihren Eltern oder in Heimen leben, und wo man versucht, die Umwelt an ihre Bedürfnisse anzupassen. Arbeiten müssen sie nicht, kochen müssen sie nicht, reden müssen sie nicht. Es gibt Angebote für Spaziergänge, bisschen Basteln oder so, aber keinen Druck. Man merkt dann am Verhalten, ob es gut ist oder nicht. Wird ein Autist ruhiger und nimmt Autoaggression oder Fremdaggression ab, dann geht es ihm besser. Das sind ja auch oft Autisten mit einer geistigen Behinderung, aber nicht immer.
      Solange so ein Autist stumm bleibt und geistig behindert erscheint, wird es akzeptiert. Sobald irgendeine Leistung erbracht wird, wird mehr verlangt, weil dann immer die Hoffnung da ist, es könnte ja alles normal werden oder sein.

      PS: zur Begriffsdefinition, wie ich es verstehe (vielleicht ist das aber nicht die offizielle Definition):
      - niedrigfunktionale Autisten sind Autisten, die nicht sprechen und rundum auf Versorgung angewiesen sind, oft geistig behindert, leben bei Eltern oder in Heimen
      - mittelfunktionale Autisten sind Autisten, mit denen man reden kann, die lernbehindert bis normal intelligent sind, die aber im Alltag auf viel Hilfe angewiesen sind und nicht selbstständig leben können, leben manchmal auch in Heimen oder in betreuten Wohngruppen
      - hochfunktionale Autisten sind Autisten, die ihren Alltag mehr oder weniger selbst organisieren können und wenig oder nur in bestimmten Bereichen Hilfe brauchen, sie leben selbstständig oder im ambulant betreuten Wohnen, manche arbeiten auf dem allg. Arbeitsmarkt

      Oder macht ihr da eine andere Einteilung?
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)

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