Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) und Menschen mit Beeinträchtigungen

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    • Capricorn wrote:

      Aus meinem Erfahrungspool heraus taucht allerdings die Beobachtung auf, dass Menschen grundsätzlich - das heißt in den meisten Fällen - missgünstig sind. Bevor es allen ein wenig besser geht, ist es diesen Menschen wichtig, dass es anderen schlechter geht als ihnen selber.
      Ich finde das verrückt.
      Das IST auch verrückt.
      Ich kann das auch nicht verstehen, und ich frage mich wie Psychologen sowas sehen, ob das zu noch recht normalem Verhalten dazu gehört oder nicht.
      Ich denke mir dabei eher das es auch anders gehen kann. Man kann sich selbst duch so viele andere Dinge ein besseres Selbstwertgefühl verschaffen.
    • shnoing wrote:

      Vielleicht hätte ich dann gar keine Lust mehr, zu arbeiten.
      So, jetzt muss ich mich mal revidieren. Wir haben ja aktuell die Situation, dass die sogenannten Solo-Selbstständigen eine Einmalzahlung erhalten haben, die theoretisch in Richtung BGE geht.
      Und in der aktuellen Situation finde ich das auch fair, diesen Personenkreis nicht "hängen" zu lassen. Es läuft ja sowieso darauf hinaus, dass die reduzierte Wirtschaftsleistung durch eine höhere Geldmenge kompensiert wird, und die Umverteilung über die Presissteigerung stattfindet. Dann kann man sich auch gleich ehrlich machen und das BGE einführen, bevor man mit Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf das 10fachen usw. herumdoktort.
    • shnoing wrote:

      So, jetzt muss ich mich mal revidieren. Wir haben ja aktuell die Situation, dass die sogenannten Solo-Selbstständigen eine Einmalzahlung erhalten haben, die theoretisch in Richtung BGE geht.
      Das ist so nicht ganz richtig, ja, man erhält eine Einmalzahlung, allerdings ist diese nur für betriebliche Ausgaben gedacht und man darf davon seinen privaten Lebensunterhalt (Essen/Miete/etc.) nicht begleichen, dafür muss man das ALG 2 in Anspruch nehmen, wenn man ohne nicht über die Runden kommt. Genau das ist mir nämlich passiert, ich habe auf Anraten der VHS die Soforthilfe beantragt, musste sie aber komplett zurückzahlen, da ich als Dozentin keinerlei betriebliche Ausgaben habe und davon leider meine privaten Ausgaben nicht decken darf.
    • Cael wrote:

      man erhält eine Einmalzahlung, allerdings ist diese nur für betriebliche Ausgaben gedacht und man darf davon seinen privaten Lebensunterhalt (Essen/Miete/etc.) nicht begleichen, dafür muss man das ALG 2 in Anspruch nehmen, wenn man ohne nicht über die Runden kommt
      Und dann muß man jede Arbeit annehmen, die einem "angedreht" wird. Dieser Passus sollte zumindest für die Dauer der Corona-Krise gestrichen werden, denn nicht jeder kann das. Im Fernsehen gab es vor einigen Tagen einen Bericht über eine Geigerin, die zwar nicht mehr auftreten darf, aber keine laufenden Betriebskosten hat. Wohl aber Miete für ihre Wohnung zahlen muß und auch etwas zu essen braucht. Die Frau kann nicht mal eben 8 Stunden täglich was anderes arbeiten, denn dann hat sie keine Zeit mehr, um Geige zu üben. Das muß sie aber, damit sie auch noch vernünftig spielen kann, wenn sie wieder auftreten darf.
      Diese Signatur wurde autistomatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig :m(:
    • Ist wohl ein wissenschaftlich begleitetes Experiment, nicht irgendein Larifari. Kürzlich las ich erstaunlicherseite auf der Seite der taz, die ja innerhalb der Grünen immer noch eher linke Positionen vertritt, dass ein BGE nicht finanzierbar sei. Sowas habe ich von eher liberal oder gar konservativ orientierten Blättern noch nicht gesehen, da scheint Bewegung reinzukommen, ohne Bindung an ideologische Grundausrichtung.
    • Von einer der verlinkten Sites:
      ---
      Das Grundeinkommen ist ungerecht, weil es auch die Reichsten bekommen. Oder?
      Das ist ein Fehlschluss, denn Menschen mit hohem Einkommen oder Vermögen erhalten das Grundeinkommen nur scheinbar: Es wird ihnen zwar genau wie allen anderen am Monatsanfang aufs Konto überwiesen. In einer gerechten Grundeinkommens-Gesellschaft gäbe es aber gleichzeitig höhere Steuersätze, die vor allem von Menschen mit hohen Einkommen getragen würden. Unterm Strich zahlen diese Menschen dann mehr Steuern als sie Grundeinkommen erhalten.


      Diejenigen, die durch ihre Arbeit Geld verdienen, finanzieren diejenigen, die das nicht tun.
      Wo genau ist nun der Unterschied in der Sache?
      Man könnte das auch mit dem bestehenden System erreichen, indem man einfach nur die Sanktionen des Jobcenters abschafft.
      Und eine nicht zu vernachlässigende Anzahl Bürger erhält bereits jetzt schon ein bedingungsloses Einkommen ohne jede Gegenleistung.
    • HCS wrote:

      ....dass ein BGE nicht finanzierbar sei. Sowas habe ich von eher liberal oder gar konservativ orientierten Blättern noch nicht gesehen, da scheint Bewegung reinzukommen,....
      -die einen sagen so, die anderen sagen so-

      Ich weiß es auch nicht, habe aber ein schwer zu benennendes Gefühl dabei im Bauch, welches mir zuflüstert: Lasset! Finger wech!

      Ob sich wirklich so viele Leutchen die Mühe machen, ein derartigen Sozialexperiment durchzurechnen?
      Oder gar - - nachzurechnen, was andere behaupten?

      Mir scheint, die Debatte um das bGE ist noch immer ideologisch überschattet. Eigentlich doch schade.
      When you're hot, you're hot - and when you're not, you're not (Jerry Reed)

      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • Irgendwie frage ich mich ja die ganze Zeit, wer das bezahlen soll - das BGE gibt's nicht am Kaugummiautomaten.

      Wer definiert eigentlich "reich" und wo ist da die Grenze?

      M.E. entspricht z. Bspl. die Lohnsteuerklasse I für abhängig Beschäftigte ohne nennenswerte Absetzungsmöglichkeiten doch jetzt schon einer faktischen Enteignung.

      Es würde wiedermal die Mittelschicht treffen, die eh kaum eine Wahl- und Fluchtmöglichkeit hat.
    • zaph wrote:

      Diejenigen, die durch ihre Arbeit Geld verdienen, finanzieren diejenigen, die das nicht tun.
      Wo genau ist nun der Unterschied in der Sache?
      Man könnte das auch mit dem bestehenden System erreichen, indem man einfach nur die Sanktionen des Jobcenters abschafft.
      Und eine nicht zu vernachlässigende Anzahl Bürger erhält bereits jetzt schon ein bedingungsloses Einkommen ohne jede Gegenleistung.
      Der Unterschied liegt im Stigma der Empfänger von Hartz IV oder anderen Transferleistungen. Wenn jeder ein Grundeinkommen bekommen könnte, wäre das soziale Kastensystem in unserer Wohlstandsgesellschaft faktisch aufgelöst. Einfach nur die Sanktionen abschaffen, reicht eben genau deshalb nicht, will man den sozialen Frieden langfristig bewahren und vom Kapitalismus abkoppeln. Jedoch sehe ich in Letzterem das eigentliche Problem bei der praktischen Umsetzung. Führte ein einzelner Staat ein solches Grundeinkommen ein, insbesondere innerhalb der europäischen Union, gäbe es erdrutschartige Verschiebungen im bisherigen Lohn- und Sozialleistungsgefüge und unabsehbare Migrationsbewegungen, ob legal oder illegal ist dabei völlig sekundär. Letztlich wäre das Ergebnis ein totales, unkontrollierbares Chaos. Von der Klagewelle einzelner Mitgliedsländer der EU ganz zu schweigen.

      Klar bleibt dennoch, wir stehen am Scheideweg. Viele Jobs werden in den nächsten Jahren wegfallen, selbst bisher sichere. Was tun mit all den Menschen ohne Arbeit aber mit viel Arbeitskraft? Diese Frage zu beantworten wird wichtiger werden, als nur Geld zu verteilen. Das ist zumindest meine bescheidene Meinung.
      How you gonna win, when you ain't right within? - Lauryn Hill

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    • Capricorn wrote:

      Ob sich wirklich so viele Leutchen die Mühe machen, ein derartigen Sozialexperiment durchzurechnen?
      Es hat nur wenige Tage gedauert, bis sich eine Million Menschen für das Pilotprojekt beworben haben. Inzwischen sind es schon 1,5 Millionen, und die Frist läuft noch bis November.
      Durchrechnen werden es dann die beteiligten Wissenschaftler.

      Ich glaube, das ist eine große Sache, und ich finde es wunderbar, dass es Menschen gibt, die sowas auf die Beine stellen können.
      Sicher wird es nicht dazu führen, dass in den nächsten 10 Jahren das BGE für alle kommt, aber ein wichtiger Schritt ist es dennoch.

      Coocy wrote:

      Irgendwie frage ich mich ja die ganze Zeit, wer das bezahlen soll
      Dafür gibt es verschiedene Rechenmodelle. Erstens spart man ja die ganzen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Wohngeld, Sozialhilfe. Und nicht nur das, man spart dazu auch gleich die ganzen Behörden, deren Büro/Platzbedarf und die Mitarbeiter und die Gerichte, die über Klagen gegen Sozialleistungsbescheide entscheiden. Zweitens, wenn Steuern auf das Grundeinkommen erhoben werden, fließt ein Teil des Geldes wieder zurück.

      Niedriglöhne für Jobs, die keiner machen will, würden wohl verschwinden und besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen Platz machen.

      Ein BGE gäbe jedem die Chance, in größerer Freiheit selbst zu entscheiden, was, wo und wie viel er arbeiten möchte. Es würde den Menschen besser gehen, psychisch, und das würde sich auch auf die körperliche Gesundheit auswirken. Wenn man keine Existenzsorgen mehr hat, sondern weiß, selbst wenn ein Job weg ist, das BGE bleibt und hält uns über Wasser, bis man wieder was gefunden hat. Keine Kinderarmut mehr in dem Ausmaß wie jetzt.

      Ich sehe im Großen und Ganzen nur Vorteile.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Ein BGE gäbe jedem die Chance, in größerer Freiheit selbst zu entscheiden, was, wo und wie viel er arbeiten möchte. Es würde den Menschen besser gehen, psychisch, und das würde sich auch auf die körperliche Gesundheit auswirken. Wenn man keine Existenzsorgen mehr hat, sondern weiß, selbst wenn ein Job weg ist, das BGE bleibt und hält uns über Wasser, bis man wieder was gefunden hat. Keine Kinderarmut mehr in dem Ausmaß wie jetzt.

      Ich sehe im Großen und Ganzen nur Vorteile.
      Ich gebe dir im Prinzip recht. Jedoch sind all deine Argumente nicht kompatibel mit einer politischen Union wie die EU, denn dann müssten alle Mitglieder, sprich Staaten, die gleichen Rechte bekommen. Wie sollen das die Mitgliedsstaaten finanzieren? Wer hindert nicht nur Bulgaren oder Rumänen daran, ein solches BGE in Deutschland in Anspruch zu nehmen, sondern sogar Franzosen, Belgier, Italiener, Polen? Entweder alle oder keiner in Europa. Sonst ist es kein Europa mehr.
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    • Shenya wrote:

      Erstens spart man ja die ganzen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Wohngeld, Sozialhilfe. Und nicht nur das, man spart dazu auch gleich die ganzen Behörden, deren Büro/Platzbedarf und die Mitarbeiter und die Gerichte, die über Klagen gegen Sozialleistungsbescheide entscheiden.
      Damit kriegt man in der Tat einen erheblichen Teil wieder rein, aber nicht alles. Ich bin deshalb auch sehr skrptisch, ob das rechnerisch aufgehen kann und ob es ansonsten funktioniert, aber wenn man es nie testet, wird man es auch nie wissen.

      Diagnose 2015 wrote:

      Entweder alle oder keiner in Europa. Sonst ist es kein Europa mehr
      Nach der Logik dürfen wir aber über keinerlei Änderungen mehr nachdenken. Wenn es das entscheidende Kriterium ist, ob etwas, das sowieso frühestens in 10 Jahren kommen könnte, heute in der EU insgesamt realisierbar wäre, dann können wir uns ganz auf die Verwaltung des status quo beschränken, egal ob Sozialpolitik, Landwirtschaft, Umweltschutz, gemeinsame Außenpolitik, ..... Dann allerdings ist die EU ganz schnell am Ende.
    • Ich denke auch, die Sozialleistungen sind doch bisher schon unterschiedlich in der EU. Das muss sich doch nicht ändern.
      Falls aber irgendein Land das BGE einführt und merkt, dass es funktioniert, dann könnten andere dem Vorbild folgen. Die Finanzierbarkeit sehe ich nicht als Problem, auch nicht in den armen Ländern. Deren BGE könnte ja etwas niedriger sein, angepasst an den Lebensstandard und die Lebenshaltungskosten vor Ort.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Deutschland würde sich damit einreihen in eine Liste von Ländern, die das BGE in der Vergangenheit auch schon getestet haben.
      Keines hat es anschließend landesweit eingeführt und ich bezweifle, dass Deutschland dies als erstes Land der Welt tun wird.
      Also locker bleiben, es besteht keine Gefahr, dass daraus "was ernstes" wird.
    • Nicht in den nächsten Jahre, aber steter Tropfen höhlt den Stein, wie man so sagt. Es muss einfach immer im Gespräch bleiben, auch damit alte Vorurteile langsam abgebaut werden. Es ist im Prinzip Aufklärungsarbeit.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Coocy wrote:

      Es würde wiedermal die Mittelschicht treffen, die eh kaum eine Wahl- und Fluchtmöglichkeit hat.
      DAS fürchte ich auch.

      Aber ich WEIß es einfach nicht besser!
      Deshalb würden mich die Berechnungen interessieren. Es gibt ja auch in anderen europäischen Ländern schon experimentelle (Klein-)Versuche zum bGE, ob es klappt, wie es klappt, was für Risiken es gibt.
      Leider wird die Berichterstattung dazu auch wieder ideologisch überschattet (RW) und reicht von enthusiastisch bis krass ablehnend.
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      "Man sieht nur mit der Lupe gut" - Prinzessin Petronia (ihr in den königlichen Mund gelegt von Katharina Greve)
    • HCS wrote:

      Nach der Logik dürfen wir aber über keinerlei Änderungen mehr nachdenken.
      Ein BGE ist nicht irgendeine Änderung, sondern ein Billionen-Projekt. Ich bin nicht grundsätzlich gegen ein BGE, jedoch sehe ich die Umsetzung auf nationaler Ebene als nicht so einfach durchführbar an, ohne dass es zu einer Klagewelle und Migrantenströmen kommen würde. Andersrum gefragt, wer sollte denn Menschen mit EU-Pass davon abhalten, nach Deutschland zu ziehen, wenn wir doch freien Personenverkehr haben und Alle EU-Bürger/innen sich frei innerhalb der Europäischen Union bewegen, sich niederlassen und eine Arbeit annehmen können? Oder sollten nur die hier in Deutschland schon lebenden Menschen das Grundeinkommen gewährt bekommen? Und wer wollte überhaupt wieder wegziehen, wenn einmal im Land des Grundeinkommens in finanzieller Sicherheit?

      Ich finde, man muss sich über alle Folgen auf europäischer Ebene klar sein, sowohl die positiven wie auch die negativen Folgen.
      How you gonna win, when you ain't right within? - Lauryn Hill
    • Diagnose 2015 wrote:

      Andersrum gefragt, wer sollte denn Menschen mit EU-Pass davon abhalten, nach Deutschland zu ziehen, wenn wir doch freien Personenverkehr haben
      Das Problem haben wir aber theoretisch schon mit Hartz IV, das für viele Rumänen und Bulgaren wie das Schlaraffenland ist. Gelöst per Regelung, dass niemand, der ohne Job zuzieht, auf Leistungen Anspruch hat. Das kann ja wohl bei einem BGE dann nicht das Problem sein.

      Diagnose 2015 wrote:

      Ich finde, man muss sich über alle Folgen auf europäischer Ebene klar sein, sowohl die positiven wie auch die negativen Folgen.
      Aber nicht ohne zu berücksichtigen, dass bis zu einer Realisierung ohnehin noch viele Jahre ins Land gehen würden. Dein Argument läuft tatsächlich auf Bewegungsunfähigkeit der EU raus