Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) und Menschen mit Beeinträchtigungen

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    • Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) und Menschen mit Beeinträchtigungen

      Als Befürworter eines emanzipatorischen Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) beschäftige ich mich seit 2010 damit.

      Ein BGE wird folgendermaßen definiert. Vom Netzwerk Grundeinkommen:

      Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.

      Gleichermaßen definiert die Bundesarbeitgemeinschaft Grundeinkommen in der Partei Die Linke:

      Ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) ist ein individuell garantiertes Recht auf ein Einkommen in einer existenz- und teilhabesichernden Höhe, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Arbeit oder zu einer anderen Gegenleistung. Es ist ein Menschenrecht auf bedingungslose wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Teilhabe.

      Die Grundlage ist also die garantierte Existenz- und Teilhabesicherung für alle Menschen.


      Als Mensch mit Beeinträchtigungen habe ich mir heuer Gedanken gemacht, welche speziellen Gründe es neben den allgemeinen Gründen für ein BGE für mich gibt. Ich erlebe wie viele andere eine Odyssee zu Ärzten, Gutachtern und Behörden. Diese bestimmen über die Bedürftigkeit, sowie über die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit, und damit über die Geld- und Dienstleistungen, die einem gewährt werden. Das BGE ist unter anderem dadurch definiert, dass es keine sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung gibt. Das andere ist die ärztliche Diagnostik mit der Feststellung, was bei den Patienten und Klienten medizinisch notwendig ist.

      Wenn ich die Prozesse gesamthaft betrachte, so stelle ich fest, dass der Aufwand zusammen mit den sozialadministrativen Verfahren viel größer ist als der Aufwand der medizinisch notwendigen Prüfungen allein. Nichtvermögenden Menschen mit Beeinträchtigungen und bei Kindern auch deren Eltern entstehen aufgrund der ausufernden Bürokratie Schwierigkeiten, wenn Unterstützungsleistungen versagt werden, oder unzureichend beziehungsweise erst nach langem Kampf gewährt werden. Ein garantiertes BGE täte das abmildern. Und die Wahrscheinlichkeit, in existenzielle Notlagen zu geraten, sänke. Gleiches gilt überhaupt für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Wobei benötigte Unterstützungsleistungen aufgrund von Beeinträchtigungen zum BGE hinzukommen.

      Es gäbe noch mehr zu schreiben, doch halte ich nun inne, um Euch zu fragen: Was meint Ihr zur Thematik?
      "Wer in seiner eigenen Welt lebt, kann sie auch nutzen."
    • Vollmond wrote:

      ....
      Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.
      ...

      Die Grundlage ist also die garantierte Existenz- und Teilhabesicherung für alle Menschen.

      ...
      Die Grundlage ist in diesem Gedankengang nicht die garantierte Existenz- und Teilhabesicherung, sondern die Existenz- und Teilhabesicherung ohne Prüfung und Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen. Und unter diesen Umständen bin ich dagegen. Ich finde, wenn man etwas haben möchte, kann man auch - im Rahmen seiner Möglichkeiten - etwas dafür tun. Die Biologie und die Geschichte zeigen, dass eine Motivation dann besonders hoch ist, wenn man eine Belohnung erhält oder in Gefahr gerät, etwas zu verlieren. Es ist gut, dass es Unterstützung für diejenigen gibt, die ihrer bedürfen, dass Eltern Kindergeld erhalten, dass es eine Schulpflicht gibt, Studenten Bafög beziehen können und Arbeitslose nicht verhungern müssen. Aber jeder steht in der Pflicht, auch etwas zu leisten, das finde ich richtig.
      Merke: Metronom 60bpm - aber nur in Gedanken mitzählen, niemals laut, das verwirrt nur die Passanten. :prof:
    • Ich denke auch, dass jeder im Gegenzug was leisten sollte. Aber natürlich nur, wenn er kann und nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und ich bin auch der Meinung, die Bedürftigkeit sollte geprüft werden. Wozu sollte jemand Geld bekommen, wenn er selber genug hat? Wenn die Bedürftigkeit nicht geprüft wird, würde das nur dazu führen, dass sich viele aus dem Topf bedienen würden, die es eigentlich gar nicht bräuchten. Das würde wiederum dazu führen, dass die Steuerzahler noch mehr Steuern zahlen müssten, denn irgendwo muss das Geld ja herkommen. Dann wären aber immer mehr Leute auf dieses Geld angewiesen, weil sie immer mehr Steuern zahlen müssten und das Geld dann nicht mehr reicht. Es wäre eine Katze, die sich in den Schwanz beisst.
    • Das Problem ist, dass durch die steigende Produktivität die Arbeit, die eine moderne Gesellschaft noch zu verteilen hat, immer weniger wird. Die Arbeitslosenzahlen in Europa sind auf einem historischen Höchststand, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Arbeitslosigkeit jemals wieder (deutlich) zurückgehen wird. In anderen Teilen der Welt sieht es da noch schlimmer aus. Insofern sollte man unbedingt darüber diskutieren, wie die Gesellschaft mit diesen Veränderungen umgeht, wie man das Thema Erwerbstätigkeit künftig gestalten will. Das Modell "Vollzeit für alle" ist jedenfalls Geschichte, das wird es nie mehr geben. Und das kann man ja durchaus als etwas Positives ansehen - 40 Stunden die Woche malochen zu müssen, ist für die allermeisten eher eine Qual als ein Vergnügen. Wenn das nun nicht mehr sein muss - ist doch großartig!

      Gleichzeitig produziert unsere Wirtschaft Reichtum wie nie zuvor. Es herrscht also kein Mangel an umverteilbaren finanziellen Ressourcen, man müsste nur mal überlegen, in welcher Form man die erwirtschafteten Reichtümer gerecht verteilt. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein mögliches Modell. Es gibt Argumente dafür und Argumente dagegen. Die Debatte darüber, wie wir in Zukunft gewährleisten wollen, dass alle an dem Reichtum unserer Gesellschaft teilhaben, dass niemand in Armut leben muss usw., ist aber dringend notwendig.
      "Ich würde nie einem Club beitreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen" (Groucho Marx) “Sich zu akzeptieren als den, der man ist, ohne etwas anderes sein zu wollen - das ist Freiheit“ (Ramesh Balsekar)
    • Da dies einen zentralen Teil meiner politischen Zielsetzung betrifft, habe ich mich damit geraume Zeit befasst.



      Der paedagogische Anspruch, jeder solle seinen Teil zur Gesellschaft beitragen, mag seine individual-psychologischen Hintergruende haben.
      Dummerweise werden derlei Argumente staendig missbraucht, weil wir ja angeblich sonst untergehen, weil dann zu viele Leute aufhoeren zu arbeiten.

      Fuer unsere Gesellschaft gibt es genug Produktion, wir haben dank unserer Technologie eine wesentlich hoere Produktion pro Arbeiter, wir koennten uns wunderbar versorgen, wir haben genug Gueter fuer alle.
      Wenn denn die Verteilung der Gueter sinnvoll angelegt waere ... unser Gueterverteilungs-Berechtigungssystem, genannt Waehrung.
      Unser Waehrungssystem legt fest, wie viel Gueter ein Arbeiter fuer seine Arbeit erhaelt (Tarife und Loehne), wie viele Gueter nicht-arbeitende Leute erhalten (Sozialsysteme).
      Und dieses Verteilungs-Berechtigungssystem legt fest, dass immer mehr Rechte an Guetern (und Einfluss) jene Menschen erhalten, die andere fuer sich arbeiten lassen, und die dabei auch die Regeln festlegen.

      So erzeugt unser Berechtigungssytem eine kuenstliche Verknappung, fuer die dann die Ausrede herhaelt: die Menschen muessen mehr arbeiten. Weil so viele denken: "wir haben nicht genug Geld".
      (Dabei haben unsere Vorfahren hart dafuer gearbeitet, dass wir nicht mehr so hart arbeiten muessen.) Wir haben genug Gueter - wir lassen nur zu, dass das Recht auf die Gueter immer knapper ist bei der arbeitenden Bevoelkerung.
      Diesen Umverteilungsmechanismus von unten nach oben kann ein entsprechend vernuenftig konzipiertes BGE kompensieren und umkehren - sofern da im Detail keine gegensaetzlichen Ueberraschungen integriert sind.
      So gesehen koennte Hartz-IV zum BGE werden, wenn der Betrag erhoeht und die Schikanen durch Pruefungen und Verweigerungen wegfallen wuerden.



      Was die individuelle Motivation betrifft,
      so gibt es Menschen, die prinzipiell faul sind, die "zu erziehen" mehr Energie kostet, als ihre widerwillige Arbeit erbringen wird,
      und es gibt Leute, die man damit aus ihrer Lethargie herausholen kann,
      dummerweise wird ob dieser Argumente gerne verdraengt, wie viele unschuldige Menschen (arbeitswllig bei miserabler Arbeitsplatzlage oder einfach arbeitsunfaehig) durch die Zwangsmassnahmen belastet oder geschaedigt werden.
      Wie viel Schaden bei Unschuldigen ist gerechtfertigt, um ein paar faule Nuesse und ein paar Erfolge zu verzeichnen? *1

      Mir ist es sogar egal, wenn ein Millionaer oder Milliardaer ein BGE erhaelt, weil der Kontrollaufwand fuer die Unterscheidung mehr Aufwand und Schaden anrichtet, als er Geld einspart - mir geht es dabei darum, den Arbeitsaufwand keinesfalls groesser als die Ersparnis werden zu lassen. Ein Kriterium das beispielsweise bei den ganzen Sanktionseinsparungen voellig verlogen ist.
      Deshalb will ich lieber nichtmal ueber irgendeinen Grenzwert debattieren, weil es dann eine ewige Debatte gibt, wo die Grenze liegen soll, wo diese Grenze zu nutzen durch Steuersparmodelle ausnutzbar ist und womoeglich noch umstaendlichere Kontroll- und Bestrafungsregeln.
      Deshalb lieber einfach und simpel halten.
      Insbesondere fuer Menschen mit Beeintraechtigungen.



      Das ist in grossen Teilen ein Umdenken in der gesamten Gesellschaftsordnung.
      Wo das hinfuehren wird, kann man nichtmal genau sagen, aber klar ist, dass unser bisheriges Wirtschaftssystem unsere Gesellschaft zersetzt. *2
      Nicht nur, dass unser Waehrungssystem Demokratie- und Kontrollmechanismen aushebelt, unsere Politik Menschenrechte unterlaeuft, und wir als Gesellschaft staendig gegen neue Feindbilder gehetzt werden (gemaess der roemischen Taktik: hast Du innenpolitische Probleme, lenke mit einem Krieg davon ab ...),
      sondern es gibt immer weniger Notwendigkeit zur Vollzeitarbeit. *3

      Und dennoch haelt unsere Politik am Status quo fest, weil sie vom Status quo profitiert.
      Unsere Politik wird sich also zu grossen Teilen gegen ein echtes BGE straeuben.
      Eine entsprechende Veraenderungen wird daher nicht vom Bundestag zugelassen oder gar vorangetrieben werden.
      Wenn also ein BGE kommt, dann mit Sicherheit nur gegen den Willen unserer Politiker.

      Daher kommen die Argumente gegen ein BGE entweder von Leuten, die dadurch ihre Pfruende schwinden, oder von Leuten, die hauptsaechlich Angst davor haben, dass dann niemand mehr arbeitet.
      Letzteres ist eine voellig andere Ebene, deren Sichtweise ich nachvollziehen kann. Dennoch habe ich ein anderes Menschenbild - welches ich gerne in einem anderem Beitrag aufgreife ... ;)


      Man liest sich ... Sascha




      *1 der gesellschaftliche Schaden mag schwer zu messen sein, ich finde es jedoch recht gut messbar, wenn man sich beispielsweise allein auf die Todesfaelle beschraenkt bei Hartz-IV.
      Hab mal ne Studie gesehen, die gemessen hat, wie stark die Suizidrate in Korrelation mit unserem Sozialsystem gestiegen ist.
      Oder was es an unfassbaren Faellen gibt, aus welch unnoetigen Gruenden die Menschen hier bei uns ums Leben kommen - weil unser Behoerdensystem einfach ausser Rand und Band geraten ist.
      Die nur nicht wirklich auffallen, weil die Presse und die Politik das ausblenden.

      *2 mittlerweile raeumen das immer mehr Wirtschaftsweise ein.
      Ich hab sogar nen Screenshot von einem Finanzinstitut, welches einraeumt, dass die Zinsen als Konzept hinterfragt werden sollten.

      *3 dazu hab ich letztens einen sehr schoen aufbereiteten Film gesehen, der das an sehr schoenen Beispielen verstaendlich erlaeutert.

      PS: obwohl das eines meiner Kernthemen ist, werde ich mich zurueckhalten mit ausufernden Erlaeuterungen und Antworten, da mich derlei Texte zu schreiben immens viel Zeit und Kraft kosten.
      Wer sich darueber mit mir austauschen will, kann das am besten im direkten live-Plausch machen, das ist fuer mich machbar.
      In der Berliner SHG oder wannauchimmer.
    • Mich interessiert, wo ich Berechnungen zum BGE finden kann, wie soll es finanziert werden, gibt es seriöse Berechnungen dazu? Ich kann mir schon vorstellen, dass bei Wegfall der Bürokratie (Sozialkassen, Arbeitslosenverwaltung ....) Geld eingespart wird, auf der anderen Seite fallen Jobs weg ... all das würde ich gerne mal in einer Bilanz lesen.
      diagn.
    • Ich finde die Idee durchaus gut, habe aber so meine Zweifel, dass es wirklich funktionieren kann.
      Gut ist vor allem, dass dann die Subventionen für Miethaie wegfallen. Als das sehe ich nämlich Wohngeld und Hartz4 in den Ballungsräumen.

      Ich persönlich würde dann wohl auf eine 20 Stunden-Woche gehen wollen, idealerweise mit einem flexiblen Zeitkonto. Also im Winter beispielsweise 2 Monate lang gar nicht arbeiten und in wärmeren Gegegenden verbringen, im Frühjahr/Herbst 35 Stunden arbeiten und im Sommer dann eher in Richtung 30-Stunden-Woche.
      Aber ob die Arbeitgeber das mitmachen werden?
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
    • kaIa wrote:

      Die Grundlage ist in diesem Gedankengang nicht die garantierte Existenz- und Teilhabesicherung, sondern die Existenz- und Teilhabesicherung ohne Prüfung und Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen.


      Deinen Worten entnehme ich, dass Du den Grundgedanken des BGE nicht richtig verstanden hast. Der ist die garantierte Existenz- und Teilhabesicherung für alle Menschen. Siehe die Grundelemente 1 und 2 ('Existenz- und Teilhabesicherung' und 'individueller Rechtsanspruch für alle Menschen'). Die Grundelemente 3 und 4 ('keine Bedürftigkeitsprüfung' und 'kein Zwang zur Arbeit oder zu anderen Gegenleistungen') betonen die Bedingungslosigkeit.

      Die vielfachrn Einwände zum BGE sind wohlbekannt. Fragen und Antworten finden sich bei Fragen und Antworten zum BGE des Netzwerks Grundeinkommen und auf den Seiten 8 bis 23 der Broschüre (PDF-Dokument) der BAG Grundeinkommen in der Partei Die Linke.

      kaIa wrote:

      Aber jeder steht in der Pflicht, auch etwas zu leisten, das finde ich richtig.


      Das führt heutzutage zu sinnlosen bis schädlichen Arbeiten. Siehe neben den genannten Fragen und Antworten beispielsweise den Essay 'Sinnlose Jobs – wie Arbeit die Gesellschaft krank macht'.
      "Wer in seiner eigenen Welt lebt, kann sie auch nutzen."
    • Windtänzerin wrote:

      Ich denke auch, dass jeder im Gegenzug was leisten sollte. Aber natürlich nur, wenn er kann und nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und ich bin auch der Meinung, die Bedürftigkeit sollte geprüft werden. Wozu sollte jemand Geld bekommen, wenn er selber genug hat?


      Das BGE ist als ein universelles soziales Menschenrecht gedacht, wie bei den Fragen und Antworten zum BGE des Netzwerks Grundeinkommen nachzulesen ist. In anderen Worten: Das BGE bekommt jeder Mensch, weil er ein Mensch ist. Angesichts der heutigen Akzeptanz der weiteren Menschenrechte ist die vielfache Nichtakzeptanz des BGE beziehungsweise der Bedingungslosigkeit der Existenz- und Teilhabesicherung irgendwie erstaunlich.

      Windtänzerin wrote:

      Wenn die Bedürftigkeit nicht geprüft wird, würde das nur dazu führen, dass sich viele aus dem Topf bedienen würden, die es eigentlich gar nicht bräuchten. Das würde wiederum dazu führen, dass die Steuerzahler noch mehr Steuern zahlen müssten, denn irgendwo muss das Geld ja herkommen. Dann wären aber immer mehr Leute auf dieses Geld angewiesen, weil sie immer mehr Steuern zahlen müssten und das Geld dann nicht mehr reicht. Es wäre eine Katze, die sich in den Schwanz beisst.


      Ein BGE, das für alle Menschen von allen Menschen ist, funktioniert. Voraussetzung ist der Umsetzungswille. Es ist genug für alle da, wenn es nur alle wollen.
      "Wer in seiner eigenen Welt lebt, kann sie auch nutzen."
    • xyberlin wrote:

      Mich interessiert, wo ich Berechnungen zum BGE finden kann, wie soll es finanziert werden, gibt es seriöse Berechnungen dazu? Ich kann mir schon vorstellen, dass bei Wegfall der Bürokratie (Sozialkassen, Arbeitslosenverwaltung ....) Geld eingespart wird, auf der anderen Seite fallen Jobs weg ... all das würde ich gerne mal in einer Bilanz lesen.


      Ein durchgerechnetes Gesamtmodell findet sich in der Broschüre (PDF-Dokument) der BAG Grundeinkommen in der Partei Die Linke.
      "Wer in seiner eigenen Welt lebt, kann sie auch nutzen."
    • Vollmond wrote:

      Ein BGE, das für alle Menschen von allen Menschen ist, funktioniert. Voraussetzung ist der Umsetzungswille. Es ist genug für alle da, wenn es nur alle wollen.
      Und genau wegen des (leider fehlenden) Umsetzungswillens wird es nicht funktionieren. Es wird immer welche geben, die sich aus dem Topf nehmen, obwohl sie es nicht bräuchten. Und das bedeutet halt, dass alle Anderen dementsprechend mehr einzahlen müssten. Kaum jemand würde freiwillig einen Teil seines Geldes opfern (schon gar nicht, wenn er selber nicht viel hat), damit andere sich auf die faule Haut legen und es sich davon gutgehen lassen. Auf Dauer würde gegen BGE- Empfänger mehr Abneigung hochkommen als gegen HartzIV-Empfänger. HartzIVlern drohen ja immerhin noch Sanktionen (die ich übrigens völlig blödsinnig finde) und es wird überprüft, ob da wirklich ein Bedarf ist. Aber wenn sich einfach Leute aus dem BGE- Topf bedienen, die es gar nicht bräuchten, wird es mit der Nächstenliebe und Toleranz bald vorbei sein. Bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf.
    • Windtänzerin wrote:

      Vollmond wrote:

      Ein BGE, das für alle Menschen von allen Menschen ist, funktioniert.
      Und genau wegen des (leider fehlenden) Umsetzungswillens wird es nicht funktionieren. Es wird immer welche geben, die sich aus dem Topf nehmen, obwohl sie es nicht bräuchten. Und das bedeutet halt, dass alle Anderen dementsprechend mehr einzahlen müssten. Kaum jemand würde freiwillig einen Teil seines Geldes opfern (schon gar nicht, wenn er selber nicht viel hat), damit andere sich auf die faule Haut legen
      Nur dann, wenn sie das System nicht begreifen.

      Wenn sie sehen, dass sie selbst dadurch ploetzlich mehr Geld haben als ohne, werden sie sich das ueberlegen - und dann wird alles Gezeter gegen das BGE ploetzlich verstummen, und sie werden ploetzlich alle Fans sein, und zwar schon seit die Idee aufgekommen ist.
      Die Leute haben nur Angst davor, draufzuzahlen, weil von oben solche Angst gemacht wird.


      Man liest sich ... Sascha
    • Windtänzerin wrote:

      Wieso sollten die Leuten mehr Geld haben? Sollen etwa alle BGE bekommen? Und wenn ja, woher soll dann bitte das Geld dafür kommen? Geld fällt doch nicht einfach so vom Himmel, oder? :roll:
      Ja, das ist das Konzept vom BGE.
      Es bekommt jeder.

      Und nein, das Geld faellt nicht vom Himmel, aber es verschwindet in ungeahnten Abgruenden, und wenn wir den Mechanismus "Geld" mal ein bissel hinterfragen, dann faellt uns auf, dass das Geld stellvertretend fuer irrsinnig viele Gueter steht, wir haben genug Ueberfluss fuer alle.
      Wo das Geld herkommt, ist nicht das Problem, wir haben genug Geld und genug Gueter.
      Das Problem ist, wieviel wohin fliesst, und dass da kaum jemand versteht, was damit passiert, weshalb so wenig davon bei uns ankommt.


      Man liest sich ... Sascha
    • Sascha wrote:

      Und nein, das Geld faellt nicht vom Himmel, aber es verschwindet in ungeahnten Abgruenden, und wenn wir den Mechanismus "Geld" mal ein bissel hinterfragen, dann faellt uns auf, dass das Geld stellvertretend fuer irrsinnig viele Gueter steht, wir haben genug Ueberfluss fuer alle.
      Wo das Geld herkommt, ist nicht das Problem, wir haben genug Geld und genug Gueter.
      Das Problem ist, wieviel wohin fliesst, und dass da kaum jemand versteht, was damit passiert, weshalb so wenig davon bei uns ankommt.
      Aber diese Güter gehören auch immer jemandem. Und derjenige wird sie bestimmt nicht aus reinster Nächstenliebe einfach verschenken. Also bliebe nur, sie ihm wegzunehmen. Und warum sollte er sich dann noch die Mühe machen sie herzustellen, bzw. zu produzieren? Weil er dafür dann BGE bekommt? Wohl kaum, denn schliesslich würde er durch den Verkauf der Güter ja eigentlich viel mehr verdienen und ihm würden durch die Produktion, bzw. Herstellung ja auch Kosten entstehen, die gedeckt werden müssen.

      BGE würde nur dann funktionieren, wenn jeder bereit wäre, sich mit dem zu begnügen, was er zum Leben braucht und er dann auch noch weiterhin (zumindest stundenweise) arbeiten gehen würde (irgendwer muss all die Güter ja schliesslich herstellen, bzw. produzieren. Aber in einer solchen Welt leben wir nunmal nicht. Wir leben in einer Welt, in der die Wirtschaft (und da ist das Geld) die Richtung vorgibt. Und die Wirtschaft würde sich bestimmt nicht ihr Spielzeug und Instrument der Macht wegnehmen lassen.
    • @zaph: Ja.

      Ein großes Problem ist, dass Deutschland das nicht einzeln einführen könnte, unabhängig von anderen europäischen Ländern. Oder es müsste feste Regeln geben, wie dass jemand z.B. mind. 5 Jahre im Land gelebt haben muss (bei Kindern gibts dann vllt. eine andere Regelung), was unter Umständen aber wieder unfair sein könnte. Zumal die EU das nicht mitmachen würde.
      Aber die Grundidee an sich finde ich sehr gut.

      Die Anzahl an Menschen, die wirklich einfach - ganz ohne psychische oder andere Probleme - keine Lust haben etwas "zu leisten" ist wohl im Promillebereich.
      Der gesunde Mensch WILL was leisten, das liegt in der Natur des Menschen. Es hat schon seinen Grund, warum Hartz4ler, die vom Erwerbsleben ausgeschlossen sind, deutlich häufiger Depressionen bekommen, suizidal werden u.ä.
      Es ist wohl eines der größten Bedürfnisse des Menschen, sich anerkannt und wertgeschätzt zu fühlen und niemand, der den ganzen Tag faul auf der Couch rumhängt, bekommt diese Wertschätzung zu spüren.
      Der Großteil der Leute, die so rumhängen, ist depressiv oder sieht einfach keinen Sinn darin arbeiten zu gehen. Das ist gerade in den unteren sozialen Schichten stark zu sehen.
      Kinder, die a) vernachlässigt werden und/oder b) mitbekommen, wie ihre Eltern sich abschuften und am Ende noch gesundheitlich draufzahlen, Kinder die mitbekommen wie Eltern 40h/Woche arbeiten und trotzdem nicht genug Geld zum Leben haben und aufstocken müssen, Kinder, denen in der Schule von klein auf beigebracht wird, dass aus ihnen es nichts wird, sie höchstens irgendeine Drecksarbeit machen können und für viel Arbeit am Ende kaum was bekommen ... nun, diese Kinder werden irgendwann älter und wollen in diesem System nicht mitmachen.
      Aus ihnen werden dann diese Asi-Jugendlichen, die sich besaufen und die Schule nach 8 Jahren abbrechen. Warum auch? Egal was sie tun, sie gelten doch eh als faul und wertlos. Sie haben keine Unterstützung, oft fehlt auch jegliche Unterstützung von seitens der Eltern.
      Nur wenige Menschen kommen da raus, meist die mit enormen Willen, viel Ausdauer und einem gewissen Grad an Talent, die meisten anderen geben irgendwann auf.

      Es gibt sehr viele Menschen, die einfach resigniert haben und von der Gesellschaft verachtet werden - und ein System mit Hartz4 etc. verschlimmert dieses Problem nur noch weiter.

      BGE würde ich nicht plötzlich einführen, dafür müsste eine Struktur geschaffen werden, die oben geschilderte Fälle auffängt.
      Diese Leute würden dann nämlich das Grundeinkommen bekommen, aber sie sind nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft aus dieser Situation zu befreien. Egal ob das, was sie bekommen, nun Hartz4 oder BGE heißt, sie würden trotzdem zuhause "faul" rumhängen, weil sie keinen Sinn darin sehen, sich zu bemühen.
      Aber im Gegensatz zu Hartz4&Co. schafft das BGE überhaupt die Möglichkeit, dieses Problem zu überwinden.
      Der ganze Bürokratie-Scheiß, der derzeit existiert, mit den vielen teilweise vollkommen widersinnigen Maßnahmen und Bestrafungen, würde wegfallen und man könnte diese Möglichkeit nutzen um dort eine Hilfsstruktur zu schaffen, wo sie notwendig ist.
      Man könnte den Menschen die Chance geben, vernünftige(!) Umschulungen oder Weiterbildungen zu machen, man könnte die ganze Energie, die derzeit in ein System von Bestrafungen gesteckt wird, in unterstützende Modelle stecken.

      Zudem haben Menschen in Berufen mit Niedriglohn eine Möglichkeit, sich zu wehren. Heutzutage heißt es "Friss oder Stirb". Entweder man macht, was der Arbeitgeber will - oder man landet am äußersten Rand der Gesellschaft, dort wo niemand hin will. Ich habe selber schon im Bekanntenkreis erlebt, wie sich Menschen haben ausnehmen lassen bis zum körperlichen und psychischen Ruin, aus Angst, den Job zu verlieren.
      Mit BGE wäre eine Verhandlungsbasis gegeben, da sie selbst im Falle einer (eigenen) Kündigung nicht im Abgrund landen würden, sondern vom BGE aufgefangen würden.

      Oder nehmen wir Mütter (oder Väter) von kleinen Kindern, die sich lieber selber um die Erziehung ihrer Kinder kümmern würden, aber gezwungen sind arbeiten zu gehen (in einem der reichten Länder der Welt!), die Kinder dann ganztags in eine Krippe stecken, wo diese wiederum von anderen Menschen erzogen werden, die dafür Geld bekommen.
      Was alles sehr widersinnig ist und peinlich für ein Land, das einen immensen Überfluss an Luxus vorzuweisen hat.
      Natürlich gibt es auch heute noch Mütter/Väter, die sich erlauben können, selbst zu entscheiden ob sie Vollzeit arbeiten, Teilzeit arbeiten oder zuhause bei den Kindern bleiben wollen.
      Aber für immer mehr Mütter/Väter stellt sich diese Frage gar nicht. Man schaue sich mal die Mieten in Städten wie Hamburg oder München an...
      Ein BGE würde diese Wahlfreiheit wieder ermöglichen und vielleicht würde sich dadurch auch die elterliche Arbeit wieder mehr gewertschätzt werden und nicht als "biste selber Schuld, was kriegste auch Kinder und willst dich dann auch noch selber um diese kümmern" abgetan wird. (In einer Gesellschaft, die vor großen Problemen wegen voranschreitender Vergreisung steht und die weltweit niedrigste Geburtenrate aufweist!)

      Was wiederum schwierig einzuschätzen ist, wäre der Einfluss des BGEs auf die Inflation. Es bringt natürlich nichts, wenn daraufhin die Mietpreise und Kosten für Lebensmittel stark ansteigen würden.
      Gibt es dazu Berechnungen?

      Es gibt übrigens eine lustige Umfrage zum Thema BGE, hab jetzt die genauen Zahlen nicht im Kopf aber grob war es so:
      90% der Menschen sagen, sie würden mit BGE genauso weiterarbeiten wie vorher.
      80% der Menschen sagen, ihr Nachbar würde aufhören zu arbeiten.

      (Ist wie die Umfrage, in der 90% der Autofahrer meinen, besser zu sein als die Hälfte aller Autofahrer...)
    • Vollmond wrote:

      Was meint Ihr zur Thematik?

      Obwohl ich früher extrem politisch (interessiert) war und alles Mögliche verfolgt habe, bin ich seit Jahren eher jemand, der das Leben hinterm Mond für sich entdeckt hat und damit so gut lebt wie noch nie. Der "Dreck" der Welt fliesst nicht mehr durch mich hindurch, was besonders in Zeiten der "Achterbahnfahrten" der Gemütslage mit vielen Tiefen wünschenswert war. Aber nun gut, das ist ein anderes Thema.

      Ich hatte vor Jahren mal eine Sendung gesehen, wo ein Unternehmer sich für so ein Grundkommen aussprach. Ein Argument an das ich mich erinnere ist, dass der berufliche Einstieg oder Wiedereinsteig leichter sei, als wenn einem die Hände gebunden sind. Mich haben Arbeitgeber damals auch sofort gefragt: "Auto? Führerschein?". Ich glaube wenn man das nicht hat, dann verzichten viele Arbeitgeber auch schon lieber. Es war früher in der Firma auch so, dass diejenigen, die auf Bus und Bahn angewiesen, öfters Probleme hatten und so etwas wie "Um die Zeit kann ich nicht, weil die Bahn da noch nicht fährt" das behindert zuweilen das Arbeitsverhältnis.

      Ich glaube in der ferneren Zukunft, soweit wir nicht eine Gesellschaft wie sie Sci-Fi-Filmen schockierend vorwegnahmen bekommen (-> "… Jahr 2022 … die überleben wollen" aka "Soylent Green", USA 1973, u. a. mit Charlton Heston), könnte ich mir vorstellen, dass solche Gedanken verstärkt wiederkehren, wenn die Instandsetzung Deutschland und die Produktion durch weitere Modernisierung sich auf noch weniger Menschen verteilt. Gegen so ein BGE wären Argumente, wie ich sie bei einer privaten Diskussion mal hörte: "Ja, meinst du bei so einem BGE mache ich den Scheiss hier noch und stehe täglich um 6 Uhr auf?". Wenn sich das Leben verstärkt auf Luxus und Geld verlagert, dann gibt es weiterhin einen grossen Anreiz. Und dann habe ich im Berufsleben auch Menschen kennengelernt, die so ticken: "Urlaub? Ja, die erste Woche ist schön... aber in der zweiten Woche kommt dir die Decke auf dem Kopf!". Da bin ich fast umgekippt und dachte mir zwar "Bist du noch ganz bei Trost?", aber viele Menschen brauchen eine vermutlich eine berufliche Struktur - oder eine solche, die andere für sie festlegen. Ich bin eher eine Art Unternehmer, der etwas auf eigene Faust unternimmt und die Dinge immer selbst nach seinen Vorstellungen lenken möchte und eben nicht gelenkt werden möchte.

      Vollmond, wenn es dir dabei auch vor allem um Menschen mit Beeinträchtigungen geht, wäre dann nicht eine verstärkte Rückkehr zum Sozialstaat eine leichtere und schnellere Alternative? Früher, noch in den 80ern, konnten diejenigen, die chronisch "Null Bock" haben durchaus jederzeit einsteigen und noch gutes Geld verdienen. Es gab schon immer diejenigen, die noch nie einen Handschlag im Leben gemacht haben. Deutschland war in den 80ern noch ein - ich sage mal - sehr fürsorglicher Staat und ich habe den Eindruck, dass viele, die damals nicht wollten oder nicht konnten, ganz gut leben konnten. Wäre die Rückkehr dahin nichts für dich?

      Ich selber habe mich mit diesem BGE nicht intensiv beschäftigt. Mein Fragen an dich (Vollmond): Was glaubst du wie die Auswirkungen sein könnten? Würde es die Arbeitswelt und Situation in Deutschland umkrempeln? Wer nicht will, der lässt es (was imo schon immer der Fall war und auch mit Hartz IV noch immer so ist und welcher Arbeitgeber will schon Leute, die man mit Sanktionen und Massnahmen in Bewegung setzen muss?).

      :)
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Hypatia wrote:

      Was wiederum schwierig einzuschätzen ist, wäre der Einfluss des BGEs auf die Inflation. Es bringt natürlich nichts, wenn daraufhin die Mietpreise und Kosten für Lebensmittel stark ansteigen würden.
      Und genau das würde m.E. passieren.
      Aber ich unterstütze den Gedanken an ein BGE, weil ich das zusätzliche Geld in spätestens 13 Jahren als Add-On zu meiner Rente sicherlich gut gebrauchen können werde.
      Man müsste die Bezugsberechtigung allerdings irgendwie einschränken, weil ansonsten einige Milliarden Zuwanderer aufzeigen würden, wie klein Deutschland ist.