Asperger und AD(H)S

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    • Lex wrote:

      FruchtigBunt wrote:

      Ich schließe ADS bei mir eigentlich aus (vor allem, weil ich mich sehr gut konzentrieren kann auf die Sachen mit denen ich mich beschäftige
      Man muss da noch einen Aspekt berücksichtigen, der bei den ADHS-Tests leider meist unberücksichtigt bleibt:
      Es gibt auch noch den sogenannten Hyperfokus. Das haben auch Menschen ohne ADHS manchmal aber eben speziell auch Menschen mit ADHS. Anders gesagt: Wenn jemand sich in eine Tätigkeit komplett vertieft und dabei eine hohe intrinsische (also aus dem eigenen inneren heraus entstandene) Motivation entwickelt, dann ist die Person regelrecht "im Flow", bekommt kaum noch Außenreize mit, verliert jedes Zeitgefühl und arbeitet effektiv und durchgängig nahezu ununterbrochen über einen langen Zeitraum mit höchster Konzentration. Das ist etwas, was ADHSler auch können bzw. haben. Es ist nur nichts, was man auf Verlangen abrufen oder anknipsen kann. Es ist eher ein Glücksfall, wenn man in einen solchen Arbeitsmodus gerät. Und natürlich kann es auch sein, dass man bei zu massiven Ablenkungen von außen letztlich doch wieder rauskommt.

      Aber es ist schon faszinierend wie extrem das sein kann. Habe gehört da wurde z. B. mal ein (wohl neurotypisches, normales) kleines Kind beobachtet, das dabei war etwas zu bauen / spielen oder so, und das war so vertieft, das selbst als ein Erwachsener das gesamte Kind + dem Zeug, womit es sich beschäftigte, vom Boden aufhob und auf einen Tisch hob, es schien, als wenn das Kind davon gar nichts mitbekommen hat und es so einfach ununterbrochen weitermachte, ohne sich irgendwie irritieren zu lassen.
      Interessant. Danke für die Info. Gilt das auch für ADS oder nur für ADHS?

      Ich glaube, dass ich bewusst meine hohe Konzentrationsfähigkeit anschalten kann. Ich kenne das gar nicht anders: Wenn eine Aufgabe zu erledigen ist, konzentriere ich micih darauf und gebe alles. Es gibt auch ungeliebte Aufgaben, aber die schiebe ich eher lange vor mir her und gehe sie gar nicht an. Wenn ich etwas angehe, dann mache ich es meist mit vollster Konzentration.
      Dabei stören mich hauptsächlich auditive Reize. Am schlimmsten ist die menschliche Sprache, aber auch Musik (wenn dabei gesungen wird) geht mir gehörig auf die Nerven, wenn ich denken muss. Da kann ich mich dann auch überhaupt nicht mehr aufs komplexe Denken konzentrieren (handwerkliche Tätigkeiten gehen trotzdem. Ich will nicht sagen, dass ich dabei nicht denke, aber das ist nicht dieses sprachliche Denken. Beim sprachlichen Denken bringen mit Stimmen anderer Menschen total aus dem Konzept. Ich dachte immer, dass ich ein visueller Denker sei, habe aber gerade den Verdacht, dass ich eher in Worten denke oder in Worten, die ich mir bildlich vorstelle. Und dass es deshalb so schwierig ist, wenn jemand dabei redet oder ich selbst dabei reden soll).

      Das spricht gegen ADS, oder?
    • Das Konzentrationsding gilt sowohl für ADS als auch für ADHS. Das ist das eine Kernsymptom was für ADS ganz besonders gilt aber eben auch zu den Kernsymptomen von ADHS zählt. Wobei man ADS und ADHS eh nur schwer völlig voneiannder abgrenzen kann.

      Und solange du die ungeliebten Aufgaben vor dir her schiebst, statt sie konzentriert anpacken zu können solange sie noch aufschiebbar sind, zeigt, dass du dir doch eher Aufgaben aussuchst, bei denen du gute Chancen auf einen Hyperfokus siehst. Das spricht nicht gegen ADHS. Ich habe es mitunter sogar bei lange aufgeschobenen Aufgaben geschafft einen Hyperfokus zu bekommen, aber meist erst kurz vor Ende der Deadline und manchmal dann auch nicht ganz rechtzeitig mehr fertig geworden.

      Die leichte Ablenkbarkeit durch Geräusche ist auch typisch für ADHS.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • @Lex

      Danke für Deine vielen ausführlichen Erklärungen in diesem Thread! Sie sind für mich sehr hilfreich. :)

      Zu der Sache mit der Konzentration hätte ich aber noch eine Frage:

      Ich kann mich schon sehr lange konzentrieren im Sinne von "an etwas dran bleiben wollen", "etwas zu Ende denken müssen" und klebe dann teilweise Stunden lang am selben Thema. Leider gönne ich mir dann oft nicht die nötigen Pausen, weil mich etwas so sehr fesselt. Da bekomme ich mitunter auch mal Kopfweh oder spüre eine starke Anstrengung beim Denken. So etwas wie ein Muskelzittern im Gehirn, falls es sowas gibt. Danach bin ich oft vollkommen geistig erschöpft und kann keinen klaren Gedankrn mehr fassen.

      Wie wäre das denn einzuordnen? Eher bei ADHS oder bei ASS?
    • So wie du es beschreibst, dieses gedanklich an etwas festbeißen und es beenden müssen, das ist eher ASS-typisch.

      ADHS-typisch wäre es wie gesagt eher, wenn der Verstand so ist wie ein Blatt im Wind, das hin- und her geweht wird oder auf den Wellen treibt, völlig frei und ohne den Anspruch bei etwas bleiben zu müssen.

      Allerdings wie schon erwähnt: Wenn jemand mit ADHS im Flow ist (oder wie auch immer man diesen Zustand nennen will), bleibt er auch sehr lange bei einer bestimmten Sache. Das sind allerdings wie gesagt nur bestimmte Phasen, in denen diese hohe Fixiertheit und damit verbundene Effektivität zustande kommt. Es kann also z. B. auch sein, dass jemand mehrere Tage in Folge keinen einzigen richtigen "Flow" erlebt.
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      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • @Lex

      Ok, danke für Deine Antwort und die Einschätzung. :)

      Ist es denn auch ASS-typisch nach längerer geistiger Tätigkeit solche wie von mir beschriebenen Erschöpfungszustände zu haben?

      Es kommt übrigens auch ein bisschen darauf an, was es für eine Aufgabe ist.
      Was ich überhaupt nicht gut kann, sind Aufgaben, bei denen ich mich nicht auf einen einzigen Gegenstand konzentriere, sondern bei der Tätigkeit abwechseln muss.

      Ich habe z.B. mal eine Weile Musiknoten, die in alten Schlüsseln notiert waren, in moderner Notation aufgeschrieben, um die Stücke am Klavier spielen zu können. Inhaltlich fiel mir das nicht schwer, aber dieser Wechsel zwischen: "auf dem Originalblatt die aktuelle Notenzeile suchen und gedanklich übersetzen" / "das Gedachte an der richtigen Stelle auf meinem Blatt notieren" / "auf dem Originalblatt suchen wo ich gerade war und gedanklich weiterübersetzen" / "wieder suchen wo ich auf meinem Blatt war und dann dort weiterübertragen" / "wieder zurück zum Originalblatt und suchen wo ich war" / etc. , also dieses ständige Hin und Her zwischen zwei Blättern und dann noch das Überlegen, in welche der Notenzeilen ich jetzt gerade was aufschreiben muss, das hat mich stets enorme Energie gekostet. Ich war dann irgendwann ganz verwirrt und bekam Kopfweh und verlor den Überblick.

      Müsste das bei ASS nicht gerade gut gehen, wegen dem guten Blick fürs Detail? :roll: Andererseits kann ich ohne Probleme seitenweise Texte Korrekturlesen, eben weil es immer nur linear in eine Richtung geht und nicht ständig Hin und Her. :?
    • Thajanu wrote:

      Ist es denn auch ASS-typisch nach längerer geistiger Tätigkeit solche wie von mir beschriebenen Erschöpfungszustände zu haben?
      Japp

      Thajanu wrote:

      Was ich überhaupt nicht gut kann, sind Aufgaben, bei denen ich mich nicht auf einen einzigen Gegenstand konzentriere, sondern bei der Tätigkeit abwechseln muss.
      Das ist auch autismustypisch

      Thajanu wrote:

      Andererseits kann ich ohne Probleme seitenweise Texte Korrekturlesen, eben weil es immer nur linear in eine Richtung geht und nicht ständig Hin und Her.
      Leider sind die üblichen Konzentrationstests bei Ärzten derart linear aufgebaut, dass die es dann gar nicht nachvollziehen können wieso ich meine ich hätte Konzentrationsprobleme.

      Was mich betrifft:

      Beispiel 1: Leuten zuhören und einfühlsam mit ihnen sprechen: kein Problem. Einen Raum mit Kleidung aufräumen: Auch kein Problem. Aber beides gleichzeitig machen, also das eine quasi nebenbei machen (wie es z. B. im Praktikum von mir erwartet wurde und rückblickend vermutlich auch ähnliche Situation bei einer missglückten Hospitation für ein FSJ in einer Behindertenwerkstatt wo ich die Arbeit der Behinderten mitmachen sollte): großes Problem bzw. konzentriere ich mich in dem Fall eher auf die praktische Tätigkeit und die Menschen sind mir eher im Weg.

      Ganz anderes Beispiel: Große Bibliothek, wo ich durch die Reihen gehen musste, um nach bestimmten Büchern mit bestimmten Nummern zu suchen, während ich gleichzeitig die bereits gefundenen Bücher irgendwie hüten oder mit mir tragen musste. Das hat mich völlig wuschig gemacht!

      Bei TEACCH z. B. wird autistischen Kindern oft ein außenreizabgeschirmter Arbeitsplatz eingerichtet. Dann haben sie einen Stapel mit Arbeitsblättern, den sie nacheinander abarbeiten dürfen, und ein weiteres Teil wo die fertigen Arbeitsblätter reinkommen. Wunderbar linear!

      Übrigens wird z. B. auch bei Kindern mit ADHS empfohlen, alle Gegenstände, die nicht für den momentanen Arbeitsschritt benötigt werden (z. B. bei Bastelarbeiten) vom Tisch zu entfernen, damit sie nicht ablenken. Man kann sie auch z. B. für den nächsten Arbeitsschritt zum nächsten Tisch schicken. Würde aber keinen Sinn machen, wenn man die Sachen in Serie herstellt und jeder Arbeitsschritt nur kurz dauert, denn dann müsste man ständig hin- und herrennen und das wäre wieder Stress.

      Wie gesagt denke ich die meisten haben eh so eine Art Mittelding zwischen ADHS und ASS (was wie gesagt eh nur künstliche Etikettierungen sind) und daher ist das auseinanderdividieren wollen fruchtlos. Man hat lediglich historisch in der Betrachtung bei Autisten anfangs auf andere Dinge Wert gelegt und diese noch immer nicht voll anerkannt quasi. Daher hilft eine Doppeldiagnose mit ADHS, damit auch Symptome wie Reizfilterschwäche (also sensorische Integrationsstörung, was man im ICD auch nicht ausreichend als Diagnosemöglichkeit findet), leichte Abgelenktheit durch Außenreize und eigene Gedanken, Konzentrationsprobleme etc. mit Berücksichtigung findet. Diese Diagnosekombi ist bei manchen vielleicht nicht die ultimative Wahrheit aber die derzeit bestmögliche Annäherung, um den Problemkomplex der betroffenen Personen anhand der im ICD zur Auswahl stehenden Diagnosen illustrieren zu können. Hätte man mehr zur Auswahl würde bei einigen vielleicht eine ganz andere Diagnose besser passen wie z. B. Nonverbale Lernstörung etc.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Thajanu wrote:

      Ich habe z.B. mal eine Weile Musiknoten, die in alten Schlüsseln notiert waren, in moderner Notation aufgeschrieben, um die Stücke am Klavier spielen zu können. Inhaltlich fiel mir das nicht schwer, aber dieser Wechsel zwischen: "auf dem Originalblatt die aktuelle Notenzeile suchen und gedanklich übersetzen" / "das Gedachte an der richtigen Stelle auf meinem Blatt notieren" / "auf dem Originalblatt suchen wo ich gerade war und gedanklich weiterübersetzen" / "wieder suchen wo ich auf meinem Blatt war und dann dort weiterübertragen" / "wieder zurück zum Originalblatt und suchen wo ich war" / etc. , also dieses ständige Hin und Her zwischen zwei Blättern und dann noch das Überlegen, in welche der Notenzeilen ich jetzt gerade was aufschreiben muss, das hat mich stets enorme Energie gekostet. Ich war dann irgendwann ganz verwirrt und bekam Kopfweh und verlor den Überblick.
      So würde es mir auch gehen. Allein schon beim Vorstellen dessen.

      Springen darf nur ich von mir selber aus. :d

      Lex wrote:

      um nach bestimmten Büchern mit bestimmten Nummern zu suchen, während ich gleichzeitig die bereits gefundenen Bücher irgendwie hüten oder mit mir tragen musste.
      genau...oft murmel ich dann das, was ich als jetziges tun oder finden muss, wiederholt vor mich hin.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Was bei dem Beispiel hinzukommt ist, dass ich mich bei der Büchersuche halt im Dreidimensionalen Raum bewege, und das alleine ist schon anstrengender als nur am Bildschirm oder vor einem Zettel oder Buch sitzen. Und es können andere Aspekte hinzukommen wie komische Klimaanlage, Genervtheit, wenn das Buch bzw. die Reihe nicht gefunden wird, Gewicht der Bücher, die ich mitschleppe usw.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex wrote:

      Was bei dem Beispiel hinzukommt ist, dass ich mich bei der Büchersuche halt im Dreidimensionalen Raum bewege, und das alleine ist schon anstrengender als nur am Bildschirm oder vor einem Zettel oder Buch sitzen.
      Das ist einer der Gründe, warum ich nie gut darin war, Bücher zu leihen oder im Laden zu kaufen. Der nächste ist die Schwierigkeit, sich vor Ort entscheiden zu müssen. Und dann kommt beim Leihen noch dazu, dass man das zurück geben muss. Und beim Kaufen, dass man es halbwegs sinnvoll einlagern muss.

      Ich bin deshalb eher der E-Book-Fan (zur Not tut es auch Wikipedia oder ein guter Blogartikel).
      Wird schon Wenn du eine Banane auf deinem Weg siehst, mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, ob/wie du darauf ausrutschen wirst. Aber wisse, wie du danach aufstehen kannst.
    • Öm.

      zu dem Eichhörnchen-Buch,
      welches ich nun fast durch habe.
      Ja.... man kann es mal lesen....einiges ertappt, einiges ist witzig.
      Aber insgesamt...hatte ich irgendwie mehr erwartet oder etwas anderes oder keine Ahnung. :roll:

      Ich gebe es gegen Porto gern weiter. :)
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)