Asperger und AD(H)S

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    • Seid ihr nach sozialen Kontakten auch nicht nur erschöpft, sondern irgendwie aufgekratzt?

      Mich laugen lange oder viele wechselnde Kontakte an einem Tag nicht nur aus, sondern versetzen mich auch in einen zunehmend "aufgedrehten" Zustand. Man sagt mir, ich sei dann ein bisschen so, als hätte ich Aufputschmittel genommen. Ich rede immer mehr und mehr und gerate in einen rauschhaften Tatendrang.

      Irgendwie finde ich dann gar nicht mehr zum Ruhemodus zurück. Ich muss das dann (wenn ich Glück habe und es rechtzeitig bemerke) ganz bewusst gedanklich/handelnd unterbrechen und Ruhephasen/Achtsamkeitsübungen einbauen.

      Das passiert mir immer dann, wenn zu viel Informationen von außen auf mich einströmen, z.B. Musik, Fernsehen, Verkehrsgeräusche, Gespräche etc.

      Kennt das von euch jemand und würdet ihr das eher dem ASS oder dem AD(H)S zuordnen?

      The post was edited 1 time, last by Thajanu ().

    • @Thajanu Kenne ich sehr gut, und zwar genau so, wie von dir beschrieben. Hatte ich erst gestern wieder, bei der Familie. Es war schon laut und unruhig, als ich da ankam. Zudem war ich von der Fahrt dahin schon völlig überreizt.
      Äußere Unruhe geht immer stark auf mich über.

      Ich hab dann auch sehr viel geredet, da mich das Gerede der anderen plus mein eigenes immer unruhiger gemacht hat und ja, aufgeputscht - das trifft es wirklich. Ich will gar nicht soviel reden, weil es mich erschöpft, aber irgendwie dreht sich das von allein immer weiter. War völlig kaputt hinterher. Ach ja, der Fernseher lief dann auch noch. Deshalb flüchte ich meist zwischendurch mal in einen anderen Raum, um mich zu beruhigen, runter zu kommen.

      Ob das auf AS oder AD(H)S zurück zu führen ist, weiß ich leider nicht.
    • Ich hab das auch, genau so. Und irgendwann ist der Rückweg zur Ruhe sogar unangenehm, weil ich mich in Ruhe dann oft schäme für meine Überdrehtheit, und für das, was ich gesagt (aber lieber für mich behalten) hätte. Habe bis jetzt allerdings weder Ad(h)s noch Autismus als Diagnosen.
    • Gruen wrote:

      weil ich mich in Ruhe dann oft schäme für meine Überdrehtheit, und für das, was ich gesagt (aber lieber für mich behalten) hätte.
      Das auch. Ist mir hinterher manchmal sehr unangenehm. Nicht unbedingt, was ich gesagt habe, das zwar auch manchmal, aber vor allem dieses extreme Aufgekratztsein ist mir peinlich. Vor allem, wenn es mit Arbeitskollegen passiert (beim Betriebsausflug z.B., der in einer sehr lauten Umgebung stattfindet) - weil die mich so gar nicht kennen und dann bestimmt denken: was ist denn mit DER jetzt los?
      (Ich meine nicht laute Umgebung per se, sondern wenn viel los ist, aufgedrehte Menschen um einen, viel Gerede, Musik...)

      The post was edited 1 time, last by Lefty ().

    • Thajanu wrote:

      Seid ihr nach sozialen Kontakten auch nicht nur erschöpft, sondern irgendwie aufgekratzt?

      Mich laugen lange oder viele wechselnde Kontakte an einem Tag nicht nur aus, sondern versetzen mich auch in einen zunehmend "aufgedrehten" Zustand. Man sagt mir, ich sei dann ein bisschen so, als hätte ich Aufputschmittel genommen. Ich rede immer mehr und mehr und gerate in einen rauschhaften Tatendrang.

      Irgendwie finde ich dann gar nicht mehr zum Ruhemodus zurück. Ich muss das dann (wenn ich Glück habe und es rechtzeitig bemerke) ganz bewusst gedanklich/handelnd unterbrechen und Ruhephasen/Achtsamkeitsübungen einbauen.

      Das passiert mir immer dann, wenn zu viel Informationen von außen auf mich einströmen, z.B. Musik, Fernsehen, Verkehrsgeräusche, Gespräche etc.

      Kennt das von euch jemand und würdet ihr das eher dem ASS oder dem AD(H)S zuordnen?
      Kenne ich und weiss ich halt auch nicht.
      Es sieht aus, als kennen es von beiden Gruppen einige.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • @Lefty @Gruen @Linnea

      Danke für eure Beiträge. :)

      Da fühle ich mich wenigstens nicht so alleine und merkwürdig mit meinem Verhalten.
      Irgendwie ist das aber auch der Punkt, wo ich mich frage, ob das dann überhaupt ASS sein kann. Die Ärzte und Psychologen meinen ja immer, mit ASS wäre man eher ruhig und in sich zurückgezogen.

      Ein Arzt hat mir mal gesagt es scheine so, als seien bei mir bestimmte Wände im Gehirn sehr durchlässig für Reize. Das heißt, es geht sehr viel auf eimal sehr schnell ins Hirn hinein.
      Fürs lernen und assoziieren ist das auch super. Leider wird es dann auch schnell mal zuviel und man kann sich davor nicht gut schützen und wird von den ganzen Reizen wie bei einer Flutwelle mitgerissen. :nerved:
    • Hab jetzt mal nach "Asperger" und "überdreht" gegoogelt und da bekomme ich ein paar Treffer, wo Eltern beschreiben, dass das Kind total überdreht ist, wenn es in einer sozial stressigen und lauten Situation ist, abends nicht zur Ruhe kommt nach so einer Stresssituation, also auch danach noch überdreht ist.
    • Ich habe gelesen, dass Kinder, die sehr reizoffen sind, auf Feiern manchmal überdrehen und anschließend "wie im Koma" schlafen. Der Autor/die Autorin meint, das Kind IST im Koma, und wirkt nicht nur so. Es ging da auch um Autismus und evtl ad(h)s, ich suche die Quelle später!
    • Nachtrag: ich kenne bzw. kannte nur einen diagnostizierten ADHSler, und bei dem war es nicht so, dass er in solchen Situaitionen überdrehte. Im Gegenteil schien der sich immer sehr wohl zu fühlen, wenn viele Leute um ihn herum waren, hat dann auch gern laut Musik angehabt. Der war eigentlich immer gleich, würde ich sagen. Er hat Probleme gehabt, wenn er dabei etwas zu Essen gekocht hat, da ist er dann wütend geworden, wenn etwas übergekocht ist oder so, aber das ganze Drumherum hat ihn nicht belastet. Wie gesagt, eher im Gegenteil, würde ich sagen, er hat immer dafür gesorgt, dass mehrere Leute um ihn herum sind. Ich hab dann manchmal heimlich die Musikanlage leiser gestellt, und er hat sie dann wieder lauter gestellt. Er war auch sehr offen allen und allem gegenüber. Obwohl ich mich mit ihm teilweise gut verstanden habe (hauptsächlich wohl auch, weil er mich meistens so akzeptiert hat, wie ich bin), gab es sehr deutliche Unterschiede zwischen uns, wo es auch nicht möglich war, den jeweils anderen zu verstehen in seiner Denk- und Handlungsweise.
      Das ist jetzt natürlich nur eine Person gewesen.
    • Cloudactive wrote:

      Zeitlich flexibel konnte ich aber nicht arbeiten, gerade davon wurde ich krank.
      Zeitlich flexibel was ich nicht steuern kann: dito. Zeitlich flexibel wenn ich das steuern kann: Das einzige was ich kann. So kann ich je nach meiner Situation einfach abschalten oder etwas arbeiten was mir gerade leichter fällt etc.

      Thajanu wrote:

      Seid ihr nach sozialen Kontakten auch nicht nur erschöpft, sondern irgendwie aufgekratzt?

      Mich laugen lange oder viele wechselnde Kontakte an einem Tag nicht nur aus, sondern versetzen mich auch in einen zunehmend "aufgedrehten" Zustand. Man sagt mir, ich sei dann ein bisschen so, als hätte ich Aufputschmittel genommen. Ich rede immer mehr und mehr und gerate in einen rauschhaften Tatendrang.
      Meine Frendin hatte mal die irrige Auffassung ich sei abends so aufgedreht und redefreudig, weil ich im gegensatz zu ihr wenige Kontakte am tag hatte. Seit sie mich aber erlebt hat, nachdem ich tagsüber viele sozialkontakte hatte, hat sie die Ansicht aufgegeben. Dann bin ich nämlich richtig aufgedreht und habe viel zu erzählen und vor allem zu verarbeiten. Da meine zentrale Kohärenz sehr bescheiden ist, erzähle ich dann alles haarklein im Detail vergesse aber oft Dinge erzähle sie nach viele dinge auch mehrfach und überlege laut wie das zu bewerten ist etc. Das sorgt immer für viel Spaß ;) Nach Gesprächen gerade Telefonaten gehe ich gerne durch die Wohnung oder Flure und manchmal springe ich auch.
    • Thajanu wrote:

      Genauso kenne ich das von mir auch. Ich erzähle abends auch alles was ich erlebt habe bis ins kleinste Detail, um Dinge zu ordnen und zu verarbeiten.
      Deswegen sage ich immer, dass ich beim reden denke. Das hilft mir das Revue passieren zu lassen und dadurch auch zu verarbeiten plus Anmerkugnen und Abgleichung mit dem, mit dem ich rede. Vor allem, wenn man dann immer aufgeregter wird. Und es ist auch egal, ob die Sachen positiv oder negativ waren. Ich bin sogar eher bei positiven Sachen aufgeregter, auch weil ich sie teilen will. Und irgendwie werden die Sachen noch hm existenter, wenn ich sie gesagt habe.
      Aber ich verstehe, dass das fürs Gegenüber anstrengend sein kann ;)
    • Thajanu wrote:

      Ja, ich das kann ich gut nachvolziehen.
      Dabei soll es ja zumindest bei Kindern ein Diagnosekriterium für ASS sein, Gefühle und Erlebnisse nicht mit anderen teilen zu wollen.
      Wenn etwas arg aufregend war, rufe ich auch direkt danach meine Eltern oder meine Freundin an. Das hilft mir um wieder runterzukommen.
      Wobei die Frage ist inwiefern ich das dann teile hm. Es muss einfach raus. Und ich weiß gar nicht wie ich als Kind oder Jugendlicher da war. Meistens hat mich eh keiner verstanden ich würde tippen damals habe ich viel mehr mit mir selber ausgemacht.
    • Ich las eben über das Belohnungssystem mit token.
      Allerdings immer nur auf Kinder bezogen.


      Könnte man sich selber nicht auch damit austricksen?
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • @Linnea Du kannst es ja mal ausprobieren, mit einer bestimmten Sache, die du ungern tust. Ich fürchte, bei mir funktioniert so etwas nicht. Wenn ich nicht aus mir selbst heraus die Motivation zu etwas habe, dann mach ich es nicht, eine in Aussicht gestellte Belohnung würde daran nichts ändern. Jedenfalls fällt mir nichts ein, dem ich einen ausreichend großen Wert beimessen würde, dass es mich motivieren würde.

      Hast du einen speziellen Bereich, in dem du es testen wollen würdest?
    • Ich möchte ja etwas Bestimmtes regelmässig tun, was mir Freude macht.

      Z.B einmal die Woche ausgiebig hier im Umfeld spazieren. Regelmässig.
      Mindestens einmal an den Handpuppen fürs Theater bauen.
      Das ist ja nicht viel.
      Aber ich tue es selten.
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      (Sylvia Boorstein)