Asperger und AD(H)S

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    • Asperger und AD(H)S

      Das hier ist noch immer einer meiner Lieblingsartikel zum Thema Asperger, der Asperger wie ich finde weit treffender und genauer erklärt als die meisten Artikel. Da kann man auch noch was Neues lernen eventuell. Und dieser Artikel ist auch mit Grund wieso ich es fatal finde, dass in der neuen Diagnostik Asperger mit anderen Autismusströrungen in einen Topf geworfen wird.

      Das Asperger-Syndrom im Spektrum zwischen Autismus und AD(H)S

      Momentan beschäftigen mich besonders die Abschnitte, bei denen es um Aufmerksamkeitsdefizite geht, denn da diese bei mir sehr stark vorhanden sind, frage ich mich manchmal, ob das wirklich durch die Asperger-Diagnose abgedeckt wird oder doch eine Kombination mit AD(H)S vermuten ließe. Zum Beispiel wenn ich etwas erledigen will/soll, vergesse ich ständig kurz darauf, was es war, oder tue versehentlich nur die Hälfte von dem was ich vorhatte und muss dann nochmal laufen. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen. Zudem wurde auch bei Messungen einst ein sehr hohes Aufmerksamkeitsdefizit festgestellt und ich erfülle bei Fragebögen auch die meisten der typischen AD(H)S-Symptome. Auch werde ich häufig durch meine eigenen Gedanken oder durch Umweltreize massiv abgelenkt, wenn ich versuche mich auf etwas oder jemanden zu konzentrieren. Und Dyskalkulie (Rechenschwäche) habe ich auch. Für Matheaufgaben reicht meine Konzentration selten.


      Die Mehrzahl der Asperger-Kinder bietet eine ausgesprochen AD(H)S-typische Primär-Symptomatik, die häufiger dem Subtyp ohne Hyperaktivität entspricht. Deshalb werden diese Kinder in den ärztlichen Praxen mit folgenden Symptomen vorgestellt:
      • Wenig Kontaktaufnahme zur Umwelt
      • Introvertiertes Verhalten mit stereotypen Bewegungsmustern
      • Atypisches Reagieren auf Ansprache und Zuwendung
      • Aggressivität mit Impulssteuerungsschwäche
      • motorische Unruhe
      mangelnde Daueraufmerksamkeit
      • Schwierigkeiten in der sozialen Integration
      • Lernschwierigkeiten mit Teilleistungsstörungen, wie Rechtschreib- oder Rechenschwäche
      • Angststörungen und depressive Verstimmungen


      PS: Hier noch ein Kommentar aus einem DHS-Forum zu besagtem Thema:

      Sowohl Aspies als auch ADS'ler zeigen Probleme in der sozialen Interaktion.
      Der eine, weil er die nonverbalen Kommunikationssignale nicht versteht, der andere weil er sie zwar versteht, aber nicht wahrnimmt.
      Es macht also keinen Sinn, den einen darin zu schulen, diese Signale wahrzunehmen, denn er kann sie sehen, weiß aber um deren Bedeutung nichts, sie sind für ihn eine Femdsprache, die er nicht versteht.
      Genausowenig wird es helfen, dem anderen die Regeln der nonverbalen Kommunikation beizubringen, denn die kennt er (intuitiv), er sieht nur nicht richtig hin, weil seine Aufmerksamkeit nicht dort liegt.

      Bei Beiden würde nur noch mehr Frust entstehen und das Selbstwertgefühl noch weiter in den Keller gehen, weil sie sich wieder nur scheitern sehen.
      Umgekehrt dagegen lässt sich vieles zumindest verbessern und dort, wo das nicht geht, weiß man wenigstens um seine Beeinträchtigungen und kann das kommunizieren oder anders damit umgehen.

      Ich weiß nicht, ob das so stimmt...

      PPS: Hier noch ein anderer Ausschnitt aus einem ADHS-Forenkommentar:

      Und ausserdem sagte sie mir, dass die ADS den Autismus in manchen Sachen auch etwas erträglicher macht, z.b von Vorteil wäre da, die Spontanität, sowie Impulsivität, vielfälltige Neugier und ganz wichtig betonte Sie die Sensibilität, das Einfühlungsvermögen, und die Kreativität.
      Was ich allerdins auch noch feststelle ist, dass zum beispiel das Chaos und feste Ordnung sich sehr oft im Wege stehen, und somit auch, das Strukturieren dadurch noch umständlicher wird.

      So habe ich das noch gar nicht betrachtet! Und weiß auch nicht, ob das so stimmt. Allerdings finde ich diese Beschreibung trifft recht gut auf mich zu (abgesehen von der Spontanität, die eher selten ist), daher habe ich vielleicht wirklich die Kombi.

      PPPS: Hier noch ein Ausschnitt aus einem leider nicht mehr abrufbaren Artikel:

      Adulte ADHS und Asperger-Syndrom
      Besteht eine Komorbidität von ADHS und Asperger-Syndrom, kann es zu einer Verstärkung der beiden Störungsbilder kommen.

      Das Asperger-Syndrom stellt eine Störung aus dem au- tistischen Formenkreis dar. Seine Prävalenz wird derzeit auf circa 0,06 Prozent geschätzt. Die Symptome umfassen im Wesentlichen drei Bereiche:

      ? eine eingeschränkte Fähigkeit zur sozio-emotionalen Interaktion
      ? eine ausgeprägte Vorliebe für eng umschriebene Interessen
      ? eine Vorliebe für stereotype Tagesabläufe und Handlungen

      Die genauen Diagnosekriterien für das Asperger-Syndrom im Kindesalter nach dem DSM-IV einschließlich der Ergänzungen für das Erwachsenenalter nach Baron-Cohen et al. (2005) sind in Tabelle 1 aufgeführt.
      Im kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgebiet ist es be- kannt, dass autistische Störungen und die Aufmerksamkeits- defizit-/Hyperaktivitätsstörung überzufällig oft in Kombinati- on auftreten. Dahingegen gibt es bisher kaum Untersuchungen über das gemeinsame Auftreten beider Störungsbilder in der Erwachsenenpsychiatrie. Erste eigene Untersuchungen er- gaben, dass auch hier die ADHS häufig von einem Asperger- Syndrom begleitet wird: Von 53 untersuchten adulten ADHS- Patienten wiesen acht ein zusätzliches Asperger-Syndrom auf (15,1%). Es ist ebenfalls noch nicht systematisch untersucht worden, wie sich die Kombination beider Erkrankungen auf das Leben erwachsener Betroffener auswirkt.
      Bei einem 25-jährigen männlichen Patienten konnten wir eine gegenseitige Verstärkung der Symptome beider Störungsbilder beobachten. So gelang es dem jungen Mann trotz einer überdurchschnitt- lichen Intelligenz aufgrund seiner Konzentrationsprobleme nicht, das Gymnasium mit dem Abitur zu beenden und sich eine berufliche Grundlage zu erarbeiten – seine Scheu und sein Unvermögen, soziale Kontakte einzugehen, hinderten ihn daran, eine Ausbildung zu beginnen. Sein Versuch, sich mit seinem Spezialinteresse Informatik selbständig zu ma- chen, scheiterte infolge einer Desorganisiertheit. Im Umgang mit Mitmenschen war er unbeholfen, aber auch impulsiv und ungeduldig. Nach einer eingeleiteten Medikation mit Methylphenidat war infolge der reduzierten Impulsivität zu- mindest eine leichte Verbesserung in der sozialen Interaktion zu beobachten.
      Wenngleich dies nur ein einzelnes Beispiel darstellt, finden sich dennoch bei genauerer Betrachtung der ADHS und des Asperger-Syndroms einige klinische Parallelen, die zu einer gegenseitigen Symptomverstärkung führen können (Abbil- dung 1). So kann die ADHS-typische Ablenkbarkeit kombiniert mit der Autismus-typischen Unflexibilität beim Wechsel der Aufmerksamkeit zu noch stärkeren Schwierigkeiten beim konzentrierten Erledigen von Aufgaben führen. Auch das „Kardinalsymptom“ des Autismus – die deutliche Einschrän- kung in der empathischen, sozialen Interaktionsfähigkeit – kann durch die ADHS-typische Ungeduld und den Mangel
      an Aufmerksamkeit für den Interaktionspartner potenziert werden. Hinsichtlich des Vertiefens in besondere Interessen, einer sensorischen Überempfindlichkeit und einer motorischen Ungeschicklichkeit gibt es ebenfalls Auffälligkeiten bei beiden Störungsbildern (Abb. 1). Es wird somit deutlich, dass das gemeinsame Auftreten beider Erkrankungen zu noch gravie- renderen Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben führen kann, als eines der beiden Störungsbilder allein. Neben einer komorbiden Diagnose eines Asperger-Syndroms zusätzlich zur ADHS zeigt die klinische Erfahrung jedoch auch, dass bei einigen ADHS-Patienten vereinzelte autisti- sche Merkmale zu beobachten sind. Reiersen et al. (2007) fanden anhand einer Untersuchungsgruppe von 946 Zwil- lingen mit ADHS heraus, dass insbesondere beim kombiniert unaufmerksam-hyperaktiven Subtyp autistische Merkmale vorliegen. Mulligan et al. (2009) stellten fest, dass autistische Symptome bei Kindern mit einer ADHS ausgeprägter waren als bei ihren Geschwistern oder Kontrollprobanden. Eigene, noch nicht veröffentliche Untersuchungen von ADHS-Pati- enten auf autistische Eigenschaften, die mittels der beiden Selbstbeurteilungsskalen „Autismus-Spektrum-Quotient“ und „Empathie-Quotient“ von Baron-Cohen et al. (2001, 2004) erhoben wurden, zeigten ebenfalls, dass bei adulten ADHS- Patienten verstärkt autistische Merkmale vorliegen. Besonders ausgeprägt waren dabei Defizite in sozialen Fähigkeiten, in der Kommunikation und im Vorstellungsvermögen.


      PPPPS: Okay, DSM5 ist wohl doch nicht so schlecht in der Hinsicht. Hier nochmal aus besagtem Forum:

      nach den erweiterten kriterien des DSM-5 bzgl. AD(H)S ist eine komorbidität mit einer autismusspektrumsstörung möglich. [...]
      kraus und kraus schreiben dazu,
      "das das asperger-syndrom und ADHS gehäuft assoziiert sind" (ebd.:167)

      weiter heißt es:

      "wenn die diagnosekriterien beider störungen erfüllt sind,
      sollten beide diagnosen gestellt und entsprechend behandelt werden.
      beim asperger-syndrom treten die aufmerksamkeitsdefizite und hyperaktiven symptome
      aber oft nur in sozialen, für die patienten unangenehmen situationen auf.
      in diesem fall wird nur die diagnose des asperger-autismus gestellt" (Hofvander et al. 2009 in krause und krause:167)


      die forschungen zeigen das gehäufte auftreten von asperger und adhs,

      "dass aber aufgrund des ausschlusses einer diagnose beider erkrankungen
      beim gleichen patienten in ICD-10 und DSMIV in diesen fällen wohl häufig
      eine benennung und adäquate behandlung beider symptonkomplexe unterbleibt" (K&K ebd.:166)

      im überarbeiteten DSM-5 wird dem nun rechnung getragen und das gemeinsame auftreten von asperger und adhs offiziell zugelassen (vgl. ebd.)
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      The post was edited 5 times, last by Lex ().

    • Schön zusammen gefasst, vielen Dank.
      Die Schnittmenge von Asperger und AD(H)S ist mir bereits länger bewusst. Gut dass die Forschung auf Zusammenhänge hinweist, dass waren früher 2 ganz unterschiedliche Felder. Das habe ich auch schon mit erwachsenen Aspergern und AD(H)Slern besprochen und es fand allgemein Zustimmung.
    • Ich denke es ist vor allem auch deshalb wichtig, weil fatalerweise gerade durch die Kombination von ADS und Asperger ein Symptommischmasch entstehen kann, der bei Old School Medizinern die nach Schema X gehen leicht dafür sorgen kann, dass letztlich keine der beiden Krankheiten diagnostiziert werden, da sich für beide jeweils scheinbare "Gegenbeweise" in den Eigenschaften des Patienten finden lassen.
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    • Hallo!

      Ich bin wahrscheinlich betroffen. Vor 9 Jahren wurde bei mit ADHS diagnostiziert. Eine Medikation mit Methylphenidat, niedrig dosiert, brachte ganz leichte Verbesserungen bei der Konzentration und beim "Dranbleiben" an komplexen Aufgaben. Die Wirkungsdauer war aber nur kurz, ca. 2 1/2 Stunden pro Dosis. Über die beschriebene Wirkung hinaus brachte das Medikament keine Verbesserungen. Nach zwei Jahren hatte ich es dann abgesetzt.
      Damals hatte ich schon den Verdacht, dass ADHS bei mir nicht alles sein konnte. Ich finde mich eher im Bereich Asperger wieder, komme bei Fragebögen und Tests stets auf hohe bis sehr hohe Punktzahlen (siehe Signatur), obwohl ich zurückhaltend antworte um mir nichts einzureden.
      Nächste Woche ist meine AS-Diagnostik in Neumünster, danach weiß ich mehr.
      Diagnosen: ADHS 2006, Asperger 4.6.2015, frühkindl./HFA 11.1.2016
      Aspie-Quiz: Aspie-Wert: 154 von 200, NT-Wert: 70 von 200
      AS-Test von Carl Irjala: 127 Punkte
    • Lex wrote:

      Das hier ist noch immer einer meiner Lieblingsartikel zum Thema Asperger, der Asperger wie ich finde weit treffender und genauer erklärt als die meisten Artikel.
      Erstens geht es auch da wieder hauptsächlich um Kinder

      Hat mein Kind nun Asperger oder AD(H)S?

      und zweitens:

      Je früher und intensiver die Störung beginnt, umso gravierender sind seine Symptome
      :m(:
    • Ergänzung zu meinem obigen Beitrag (Nr. 4):

      Nun ist es amtlich, ich habe tatsächlich ADHS und Asperger.
      Diagnosen: ADHS 2006, Asperger 4.6.2015, frühkindl./HFA 11.1.2016
      Aspie-Quiz: Aspie-Wert: 154 von 200, NT-Wert: 70 von 200
      AS-Test von Carl Irjala: 127 Punkte
    • Das stimmt nicht! Laut den neueren Diagnosebestimmungen ist es durchaus möglich und erlaubt ADS und ASS in Kombination miteinander zu diagnostizieren! Das fand hier auch bereits Erwähnung und wäre dir sicher aufgefallen, wenn du den Thread aufmerksamer gelesen hättest!

      nach den erweiterten kriterien des DSM-5 bzgl. AD(H)S ist eine komorbidität mit einer autismusspektrumsstörung möglich.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • Das Thema ADHS und Asperger wurde bei der Diagnostik ausführlich besprochen. Es galt früher mal, dass das eine das andere ausschließt. Hergeleitet wurde dies aus den DSM IV-Kriterien, Punkt F:
      "Die Kriterien stimmen nicht mit denen
      einer weiteren spezifischen tiefgreifenden Entwicklungsstörung oder der
      Schizophrenie überein."
      Das ist aber nach der heutigen Lehrmeinung nicht der Fall, Asperger und ADHS kommen sehr wohl auch gemeinsam vor.
      Die Asperger-typischen Probleme überwiegen bei mir.
      Diagnosen: ADHS 2006, Asperger 4.6.2015, frühkindl./HFA 11.1.2016
      Aspie-Quiz: Aspie-Wert: 154 von 200, NT-Wert: 70 von 200
      AS-Test von Carl Irjala: 127 Punkte
    • Bayman67 wrote:

      Asperger und ADHS kommen sehr wohl auch gemeinsam vor.


      Das kann ich so bestätigen, AS und ADHS sind auch bei mir zusammen diagnostiziert worden. Aber ob es so stimmt stelle ich inzwischen in Frage.

      Bin gerade dabei mir noch eine Zweitmeinung einzuholen. Zunächst hatte ich die Diagnosen ja beide angenommen, weil ich mich in Vielem wiederfinden konnte.
      Aber inzwischen (habe hier im Forum viel gelesen und auch anderweitig recherchiert) bin ich mir mit dem Asperger nicht mehr sicher.
      Die erste Psychiaterin hatte gesagt ich hätte autistische Züge mit ADHS. Ich finde das trifft es besser.

      Ich möchte keinen Asperger haben. Und ja, ist schon klar ... das ist hier kein Wunschkonzert (RW). Aber ich möchte es wirklich nicht haben.
    • FrauGrün wrote:

      Ich möchte keinen Asperger haben. Und ja, ist schon klar ... das ist hier kein Wunschkonzert (RW). Aber ich möchte es wirklich nicht haben.


      Selbst wenn jemand sagen würde, dass es nicht so ist - was würde das ändern? Du wärst ja nicht auf einmal ein anderer Mensch.
      「人上人不造」 All Men Are Created Equal

      It's simple. There are no guarantees. I have to trust in luck. That is all.
    • Accelerator wrote:

      FrauGrün wrote:

      Ich möchte keinen Asperger haben. Und ja, ist schon klar ... das ist hier kein Wunschkonzert (RW). Aber ich möchte es wirklich nicht haben.


      Selbst wenn jemand sagen würde, dass es nicht so ist - was würde das ändern? Du wärst ja nicht auf einmal ein anderer Mensch.


      Nein, natürlich nicht. Ob mit Diagnose X, Y oder Z oder ohne Diagnose Asperger: ich bin ich. Ohne Diagnose Asperger würde ich mich zur Zeit einfach nur besser fühlen. Aber das ist jetzt deutlich OT.
    • Lex wrote:

      Das stimmt nicht! Laut den neueren Diagnosebestimmungen ist es durchaus möglich und erlaubt ADS und ASS in Kombination miteinander zu diagnostizieren! Das fand hier auch bereits Erwähnung und wäre dir sicher aufgefallen, wenn du den Thread aufmerksamer gelesen hättest!
      Das ist mir bekannt.Trotzdem gibt es kaum etwas absurderes als die Vorstellung eines gleichzeitigen Auftretens von AS und "ADHS" in einer Person.
    • kitescreech wrote:



      Das ist mir bekannt.Trotzdem gibt es kaum etwas absurderes als die Vorstellung eines gleichzeitigen Auftretens von AS und "ADHS" in einer Person.


      ADHS ist eine neuro-biologische Erkrankung. Weshalb sollte ein Asperger nicht genauso von ADHS betroffen sein können wie ein NT?
      Meines Wissens nach unterscheiden sich Asperger-Gehirne doch nicht von NT-Gehirnen. Wenn dem so wäre, wäre dieses für mich absurd.

      In diesem Film wird die neuro-biologische Störung "ADHS" recht verständlich dargestellt.
    • Ich bin ein wenig erschrocken darüber, wie kategorisch hier ADHS und Autismus als Doppeldiagnose ausgeschlossen werden.
      Generell muss man ganz klar sagen, dass die
      biologische Realität der psychiatrischen Erkrankungen stark fließend
      verläuft und es selten zu 100% exakt abgegrenzten Phänomenen kommt, da
      wir mit AD(H)S, Schizophrenie und Autismus allesamt Krankheitsbilder
      haben, die sich im Hinblick auf die betroffenen Hirnstrukturen stark überschneiden. Dadurch kommt es auch zu einem fließenden Übergang und Kombinationen dieser Krankheiten.
      Quelle: aspies.de/forum/index.php?t=ms…36&goto=706169#msg_716991

      Überschneidungen gibt es z.B. bei einem dünneren Neocortex und bei Schwierigkeiten mit Exekutivfunktionen (Routinen, Planbarkeit, Umgang mit Veränderungen), aber auch was sensorische Filter betrifft.
      Hier die Begründung für die Änderung vom DSM-IV zum DSM-V:
      "DSM-5 includes no exclusion criteria for people with autism spectrum disorder, since symptoms of both disorders co-occur. However, ADHD symptoms must not occur exclusively during the course of schizophrenia or another psychotic disorder and must not be better explained by another mental disorder, such as a depressive or bipolar disorder, anxiety disorder, dissociative disorder, personality disorder, or substance intoxication or withdrawal."
      Quelle: dsm5.org/documents/adhd%20fact%20sheet.pdf

      Hier ein kritischer Artikel zur Ausschluss-Richtlinie im DSM-IV:

      Unter dem DSM-IV mussten ADHS-Symptome bei Autismus noch
      ADHS-ähnlich (ADHD-like) und umgekehrt Autismus-Symptome als
      autistic-like beschrieben werden, weil die Richtlinie eine
      Doppeldiagnose nicht zuließ.

      sfari.org/news-and-opinion/new…-autism-attention-deficit

      “Many kids with autism do have attention issues,” he says. However, the
      nature of the problem is different than in ADHD. It’s difficult to get
      the attention of children with ADHD or to keep them on task. In
      contrast, children with autism have trouble shifting attention away from
      their narrow range of interests.
      und weiter:
      Under the DSM-5 guidelines, doctors can directly analyze whether
      children with a primary diagnosis of ADHD and some autism symptoms might
      benefit from strategies designed for autism — such as social, speech
      and occupational therapies.


      Likewise, children diagnosed with autism who show symptoms of
      hyperactivity, inattentiveness or impulsivity may benefit from
      treatments designed for ADHD3.
      Kinder mit Erstdiagnose ADHS könnten von Strategien profitieren, die für Autismus entwickelt wurden, z.B. Sprach und Ergotherapie. Ähnlich könnten autistische Kinder von Behandlungen profitieren, die auf ADHS zugeschnitten sind, z.B. Symptome der Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit oder Impulsivität betreffen.

      Meine Rede schon seit längerer Zeit: Statt krampfhafter Schwarzweißsicht (Autismus ist sooooo weit entfernt von ADHS, das ist was komplett verschiedenes!) kommt es allen Betroffenen mit beiderlei Symptomen entgegen, wenn sie von beiden Behandlungsstrategien profitieren können.

      Nebenbei erwähnt: Das Zappelphilippsyndrom ADHS tritt nur bei 10 % der ADHSler auf, der kombinierte Hyperaktivitäts-Impulsivitäts-Typ bei 60 % und der Rest sind die stillen Typen, die leider in 99 % der Medienberichte vernachlässigt werden.
    • Pompeji wrote:

      Meine Rede schon seit längerer Zeit: Statt krampfhafter Schwarzweißsicht (Autismus ist sooooo weit entfernt von ADHS, das ist was komplett verschiedenes!) kommt es allen Betroffenen mit beiderlei Symptomen entgegen, wenn sie von beiden Behandlungsstrategien profitieren können.


      Ich profitiere von dem ADHS-Medikament Medikinet (Wirkstoff Methylphenidat - MPH) nicht nur bei den ADHS-spezifischen Symptomen, sondern auch bei meinen sog. „autistischen Anteilen“.
      Habe durch MPH nicht mehr so enorme Probleme mit bestimmten Reizen, kann gelassener mit anderen sprechen, und ich werde derzeit etwas flexibler mit meinen Tagesabläufen und Routinen.
      Flippe auch nicht mehr gleich aus, wenn eine Änderung eintritt. MPH beruhigt mich insgesamt, und hilft mir, mich ausgeglichener zu fühlen.
    • FrauGrün wrote:

      Meines Wissens nach unterscheiden sich Asperger-Gehirne doch nicht von NT-Gehirnen. Wenn dem so wäre, wäre dieses für mich absurd.
      Doch! Gehirne von Autisten unterscheiden sich von den Gehirnen der Nichtautisten. Natürlich ist es nicht so, dass einfach irgendein Teil wie z.B. das Kleinhirn bei Autisten fehlt, aber es gibt Unterschiede in den neuronalen Verbindungen. Daher arbeiten dann bestimmte Gehirnareale nicht so gut zusammen (vor allem die langstreckigen Verbindungen, die für soziale Interaktion notwendig sind, sind beeinträchtigt). Die kurzstreckigen Verbindungen sind besonders gut ausgeprägt, woher auch die Fokussierung auf Details kommt.

      Was denkst du eigentlich wo sich der Autismus "befindet"? Im Darm?
    • CoBHC wrote:

      FrauGrün wrote:

      Meines Wissens nach unterscheiden sich Asperger-Gehirne doch nicht von NT-Gehirnen. Wenn dem so wäre, wäre dieses für mich absurd.
      Was denkst du eigentlich wo sich der Autismus "befindet"? Im Darm?
      Wo Du das schon anscheidest, gibt es ja Forschung bzgl. Autismus-Genese durch die Darmflora.
      Und es gibt genug Debatten ueber das Bauchgehirn - was vermutlich selten Bezug zum Autismus hat.
      ;)


      Man liest sich ... Sascha
    • CoBHC wrote:

      FrauGrün wrote:

      Was denkst du eigentlich wo sich der Autismus "befindet"? Im Darm?


      Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Bei manchen Absonderungen könnte man schon auf Gedanken kommen ;)

      Aber vllt. hilfst Du mir ja zum Thema freundlicher Weise noch einmal weiter: ist bei einem Asperger-Hirn eine Dopaminstoffwechselstörung genauso möglich wie bei Nicht-Asperger-Gehirn?