Geschwister

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    • Geschwister

      Hallo!

      Ich sehe mir momentan sehr viele alte Videos an, die meine Eltern gedreht haben, als ich ca. 8-10 Jahre alt war. Dabei fällt mir auf, dass ich mich bei allen Aktivitäten ständig um meine kleine Schwester kümmere, die damals ca. 2-3 Jahre alt war.

      Nun frage ich mich natürlich, ob meine kleine Schwester mir damals vielleicht die Möglichkeit gegeben hat, mich aus Aktionen mit Gleichaltrigen rauszuhalten und ich deshalb recht "normal" in den Videos erscheine. Wenn ich mal mit jemandem rede, dann um entweder Anweisungen zu geben (vor allem an meinen nervigen Bruder :d) oder jemanden zu korrigieren. So richtig "rumalbern" tu ich in den Videos mit keinem, aber kann auch sein, dass mir das nur so vorkommt. Meine Schwester scheint so etwas wie mein "Anker" (Metapher) gewesen zu sein - eine kleine Person, die ich überall hin mitschleppen konnte (Kinderfasching, Urlaub, Geburtstag...), alles zeigen konnte, immer an der Hand haben konnte. Ich habe auch sehr oft ihre Geburtstagspartys organisiert, aber nie selbst mitgespielt.

      Wie war das denn bei euch in dem Alter - hattet ihr kleinere Geschwister, mit denen ihr viel zusammen gewesen seid? Oder habt ihr euch von ihnen eher ferngehalten?
      Mich würde mal interessieren, ob es eine Kompensationsmöglichkeit für Kinder mit AS sein kann, dass man sich an jüngere Geschwister hängt, um sich nicht mit anderen Kindern abgeben zu müssen (wenn es denn unterbewusst bei mir so war, das kann ich heute natürlich nur noch schlecht beurteilen).

      Liebe Grüße,
      Leo
      Wenn ich allein bin, bin ich am wenigsten allein (Cicero).
    • Mein kleiner Bruder ist definitiv eine der wichtigsten Ankerpunkte in meinem Leben - wir sind oft umgezogen und ich habe die anderen Kinder meistens nicht einmal kennen lernen wollen. Wozu auch, ich hatte doch meinen Bruder, mehr Kinder zur gleichen Zeit waren sowieso unerwünscht. Ich glaube, er ist neben meiner Mama der einzige Mensch, der weiß, was ich esse und was nicht und auch sonst mit meinen Macken umgehen kann. Ohne ihn ginge definitiv gar nichts :)
      Dementsprechend könnte ich mir schon vorstellen, dass das so funktioniert!
      Mit dem Kopf in den Wolken
      Die Füße verloren
    • Ich habe einen jüngeren Bruder, er ist aber nur 1 1/2 Jahre jünger als ich. Als wir noch kleiner waren haben wir uns zwar oft gestritten, aber fast immer zusammen gespielt. Das ging auch besonders gut da wir uns beide sehr für Pokemon und Lego interessiert haben. Meine Klassenkamaradinnen wollten immer nur mit Puppen oder Barbies spielen, was ich langweilig fand. Ich habe dann meistens mit meinem Bruder und seinen Freunden gespielt, die haben mich fast immer mitspielen lassen.
      Aber je älter wir wurden, desto weniger haben wir uns verstanden. Jetzt streiten wir uns fast nur noch und ich bin froh wenn er nicht in meiner Nähe ist.
    • Ich hatte zwar nur eine große Schwester, aber ihr Sohn ist damals die ersten Jahre bei mir und meiner Mutter aufgewachsen. Da war ich zwar schon 16 Jahre alt, aber er war immer wie ein kleiner Bruder für mich. Ich hab ihn viel durch die Gegend geschleppt, hab viel mit ihm gespielt (wir haben liebend gern mit Lego oder seinem Metallbaukasten Sachen gebaut) und mit ihm Unfug angestellt (wir haben unter Anderem mal mit dem Metallbaukasten einen Katapult gebaut und dann mit einer Murmel fast die Scheibe in der Tür eingeschossen). Wenn er mal Hilfe bei den Hausaufgaben brauchte oder was wissen wollte, kam er meistens bei mir an und hat mich um Rat gefragt. Er hat mich zwar dann und wann mal mit meinen Macken und Eigentümlichkeiten aufgezogen, aber das meinte er nie böse. Er hat mich immer so akzteptiert, wie ich bin. Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich vermisse ihn immer noch furchtbar. :cry:
    • Mein Bruder ist deutlich jünger als ich - und er war mind. 3 Jahre lang mein wichtigstes Thema, ab dem Zeitpunkt wo meine Mutter schwanger war. Ich hab Schwangerschafts- und Babybücher gelesen. Ich denke, er war mein Spezialinteresse :) Es war super, ich hatte immer eine Person, die ich interessant fand um mich und ich hatte mit jeden ein Gesprächsthema.... Ich glaub, ohne ihn wäre ich auffälliger geworden, aber so konnte ich weiter spielen und Kind sein und keiner fand es bedenklich...unsere Zimmer haben Besucher übrigens immer verwechselt :) was ich im Nachhinein bei dem Altersunterschied schon etwas befremdlich finde.
      Pretending to be .... normal (Liane Holliday)
      or
      Pretending to be .... listening/ interested in this conversation/ understanding jokes/ happy/ enjoing the party/.....
    • Ich habe 3 Brüder, auch einen jüngeren.
      Definitiv mein Lieblingsbruder, ich habe das Gefühl, ihn teilweise mit aufgezogen zu haben.
      Wir haben sehr oft zusammen gespielt (und uns gezankt) und ich habe ihm einiges beigebracht. (Basteln, ein wenig lesen, ihn zum selber lesen motiviert)
      Lauf Weg ~ Vor Den Gespenstern Dieser Welt
      Doch Niemand Folgt Dir ~ Denn Dein Bester Feind
      Bist Du
    • Meine jüngere Schwester hat MIR geholfen, nicht umgekehrt (1,5 Jahre jünger). Über sie kamen die allermeisten Kontakte zu anderen Kindern überhaupt erst zustande. Meine eigenen Kontaktversuche waren rar und wenig erfolgreich. Ich war sogar mal neidisch auf sie weil sie so auf andere Kinder zugehen konnte. Ich denke ich hab über sie auch viele soziale Regeln gelernt. Wir haben viel gestritten, aber auch sehr oft zusammen gespielt.
    • Ich habe eine ältere Schwester, die als Kind eher mich beschützt hat, weil ich wegen meiner seltsamen Art gerne dumm angemacht wurde. Ich war später auch lange Zeit mit den Freunden meiner Schwester unterwegs, obwohl die samt und sonders älter waren als ich. Als Kind und Teenie war ich definitiv lieber mit älteren Leuten zusammen als mit jüngeren. Heute ist das eher umgekehrt, obwohl ich immer noch ältere Freunde habe.

      Ich bin froh, meine Schwester zu haben, kann mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, als Einzelkind aufzuwachsen. Als ihre Kinder noch kleiner waren, habe ich viel Zeit mit ihnen verbracht und war auch ziemlich albern, im Nachhinein betrachtet waren die Stunden mit ihnen welche der besten, die ich hatte. Heute sind sie zwar erwachsen, wir kommen aber immer noch prima miteinander aus. Ich glaube, ich hätte als Vater eine garnichtmal so schlechte Figur gemacht. Naja, hat nicht sollen sein. Aber um meine natürlich angeborenen Vatergefühle mal im Kleinen auszuleben, war es schon toll, ein Onkel zu sein. Ist es immer noch.

      Onkel kann man als Einzelkind freilich auch nicht werden.
      Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.
      (Friedrich Nietzsche)
    • also, ich weiß nicht, ob ich Aspie bin. Aber ich habe einen kleinen Sohn, und seitdem geht es mir gut. Er ist zumindest in Teilzeit immer verfügbar, und ich wäre gern öfter mit ihm zusammen, um mich mehr um ihn zu kümmern, auf ihn einstellen zu können und dadurch zu lernen. Ich denke, ich würde viel lernen über sozialen Umgang, Einfühlen.. Er holt mich immer wieder auf den Boden zurück und gibt mir die Sicherheit, dass immer jemand da ist, dass ich nicht ständig dafür "arbeiten" muss, mit unklarem Ergebnis, ob jemand kommt, bleibt, da ist..

      LG Tintenturnerin
    • leonettemarie wrote:

      ...
      Mich würde mal interessieren, ob es eine Kompensationsmöglichkeit für Kinder mit AS sein kann, dass man sich an jüngere Geschwister hängt, um sich nicht mit anderen Kindern abgeben zu müssen (wenn es denn unterbewusst bei mir so war, das kann ich heute natürlich nur noch schlecht beurteilen).
      ...

      Ich denke (und befürchte), Ursache und Wirkung sind anders herum: die kleinen Geschwister sind die einzigen, die das Verhalten des Kinds mit AS nicht in Frage stellen oder ihm ausweichen. Allen gleichaltrigen Nichtgeschwister können wenn ihnen das Verhalten merkwürdig vorkommt, den Kontakt meiden. Also: diese geben sich nicht mit den Kind mit AS ab!


    • Ich denke (und befürchte), Ursache und Wirkung sind anders herum: die kleinen Geschwister sind die einzigen, die das Verhalten des Kinds mit AS nicht in Frage stellen oder ihm ausweichen. Allen gleichaltrigen Nichtgeschwister können wenn ihnen das Verhalten merkwürdig vorkommt, den Kontakt meiden. Also: diese geben sich nicht mit den Kind mit AS ab!

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      Das ist zu pauschal. Ist sicherlich nicht immer so.
      "They say humans are social animals, they can't live alone. But you can live pretty well by yourself. I tell ya...instead of feeling alone in a group, It's better to have real solitude all by yourself."―Faye Valentine
    • Ich habe einen 4 Jahre jüngeren Bruder und soweit ich mich erinnern kann habe ich mit ihm oft in der Kindheit zusammen gespielt, wir waren ziemlich kreativ: haben uns unsere eigenen kleinen Welten gebastelt aus Karton, Papier, Tesafilm,...
      Ich hatte zwar auch Puppen, die waren aber nur zum Einkleiden oder Frisieren gedacht (was manchmal zu kahlen Puppenköpfen führte..)
      viel lieber hatte ich meine Plastikdinosammlung und mein Bruder hatte sein Lego und irgendwie hatte sich das gut vertragen,
      allerdings habe ich ihn auch sehr viel herum kommandiert, was ich im Nachhinein etwas bereue :/

      Als er älter wurde kamen auch öfters seine Kumpels vorbei, da hielt ich mich raus,
      war aber auch nicht eifersüchtig, da ich damals so einen Stress mit der Schule hatte und mir die Ruhe zugute kam.

      Zum Thema Streit:
      ja wir haben uns ab und zu gestritten, verbal aber auch so das mal ein paar Gegenstände flogen oder es blaue Flecken gab.
      Dann erinnere ich mich an einen besonders heftigen Streit, wo wir danach beide uns gegenseitig versprochen haben nie wieder zu streiten und das hält bis heute.

      Wir verstehen uns jedoch bis heute sehr gut, auch wenn er selten anruft (stört mich aber nicht),
      so merk ich hier und da an einer kurzen Nachricht oder Sms das er doch an mich denkt.
      Anscheinend hat er die Herrschaft seiner großen Terrorschwester gut überstanden (dieser Satz ist als ein Scherz gemeint) :d

      The post was edited 2 times, last by Spieglein ().

    • Tabantus wrote:


      Ich denke (und befürchte), Ursache und Wirkung sind anders herum: die kleinen Geschwister sind die einzigen, die das Verhalten des Kinds mit AS nicht in Frage stellen oder ihm ausweichen. Allen gleichaltrigen Nichtgeschwister können wenn ihnen das Verhalten merkwürdig vorkommt, den Kontakt meiden. Also: diese geben sich nicht mit den Kind mit AS ab!
      Das ist zu pauschal. Ist sicherlich nicht immer so.

      Wenn Du dieser Meinung bist, dann widerlege doch einfach meine These mit einem Gegenbeispiel: schreibe, dass Du Dich an jüngere Geschwister (ge)hängt (hast), um (D)ich nicht mit anderen Kindern abgeben zu müssen! Das muss Dir doch bekannt sein.

      Ich hatte den Gedankengang "nicht abgeben müssen" nicht. Der enthält eine Bewertung, zu der ich damals nicht in der Lage war.