Kommunikationsprobleme

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    • Ihr habt recht.

      Wenn ich jetzt nachdenke muss ich gestehen dass meine Kommunikation tatsächlich schlecht sein muss aus "NT" Sicht. Auch weil ich "Mangelware" bin aus einer NT Perspektive, denke ich.

      Er hat gesagt dass ich meine Kommunikation verbessern kann und hat mehrere Beispiele gegeben wo ich andere Leute manipulieren könnte um zu meinem Vorteil zu kommen, anstatt einfach zu akzeptieren nicht das zu bekommen was ich gern haben möchte oder nicht einmal daran zu denken dass ich mehr kriegen könnte als das was ich gewöhnlich bekomme. Ich glaube es geht um Schauspielerei und Manipulieren und ich bin mir überhaupt nicht sicher ob ich das lernen kann oder will. Wir haben noch ungefahr zehn Termine und wenn er anfängt meine ganze Persönlichkeit umkrempeln zu wollen und meine ganzen Defizite sichtbar zu machen dann stehe ich allein da nach den zehn Terminen mit halbumgekrempelter Persönlichkeit und voll sichtbaren Defiziten. Wenn man eine ganz klassische "NT" Persönlichkeit als Vergleich nimmt dann bin ich ein peinlich dysfunktionales Exemplar und brauche keinen Therapeuten um mir zu zeigen wie weit weg ich bin von diesem Ideal. Die Therapie war gedacht um meine Zwangsgedanken zu mindern und nicht um meine Kommunikation zu verbesssern. Ich glaube nicht dass kleine Verbesserungen in meiner Kommunikation was grossartig ändern würde an meiner Situation. Ich habe Angst dass meine behandelbaren Probleme (die Zwangsgedanken) nicht behandelt werden wenn ich mich darauf einlasse meine Kommunikationsprobleme zu entdecken und verbessern.

      Aber an und für sich wäre es nützlich und informativ zu lernen was genau man falsch macht in der Kommunikation.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Wenn ich jetzt nachdenke muss ich gestehen dass meine Kommunikation tatsächlich schlecht sein muss aus "NT" Sicht. Auch weil ich "Mangelware" bin aus einer NT Perspektive, denke ich.

      Er hat gesagt dass ich meine Kommunikation verbessern kann und hat mehrere Beispiele gegeben wo ich andere Leute manipulieren könnte um zu meinem Vorteil zu kommen, anstatt einfach zu akzeptieren nicht das zu bekommen was ich gern haben möchte oder nicht einmal daran zu denken dass ich mehr kriegen könnte als das was ich gewöhnlich bekomme. Ich glaube es geht um Schauspielerei und Manipulieren [ ... ]
      Aber an und für sich wäre es nützlich und informativ zu lernen was genau man falsch macht in der Kommunikation.
      Mangelware find ich sehr defizitaer gedacht.
      Aber darauf will ich jetzt nicht naeher eingehen.



      Ja, man kann Kommunikation prinzipiell als Manipulation betrachten.
      Ab wann wird es kritisch und negativ?

      Ich finde es sinnvoll, wenn ich Menschen so manipuliere, dass sie sich hinterher freuen, wenn sie Spass haben, wenn es Ihnen durch mich besser geht.
      Oder allgemein gesagt: ich finde Manipulation angemessen, wenn sie in gegenseitigem Einverstaendniss oder zumindest respektvoll geschieht.
      Ich finde Manipulation erst gefaehrlich, wenn die eine Seite sich dagegen nicht wehren kann, respektlos behandelt wird, oder nicht mitbekommt, dass ihr gerade geschadet wird.

      In Deiner Situation habe ich den Eindruck, der Therapeut will Dir aufzeigen, wie Du Dich verstaendlicher ausdruecken kannst,
      oder wie Du auf Menschen zugehen kannst, damit Du weniger aneckst. Letzteres nennt man dann eher "einen Kontakt knuepfen" und auch Freundschaften aufbauen.
      Das hat nichts mit boesartigem Manipulieren um der Vorteile willen zu tun. Kann es sein, dass dies der Vorschlag des Therapeuten ist?
      Freundschaften aufbauen und einander helfen sind alltaegliche und uebliche und faire Prozesse.
      Das ist eine der ueblichen sozialen Faehigkeiten, Kontakte aufzubauen - das macht vieles im Leben einfacher.
      Es werden Dir auch nicht alle Menschen gleich helfen, weil sie immer noch ihren freien Willen haben.
      Manche Menschen sind weniger hilfsbereit, andere sind bereitwilliger.

      Wenn Deine Kommunikation da holprig ist, und der Therapeut Dir zeigt, wie man mit seinem Mitmenschen klarkommt, dann ist das:
      - keine boesartige Manipulation zur Vorteilserlangung
      - sondern eine Alltagsfaehigkeit, zur Problemloesung, zum gegenseitig respektvollen Umgang, sich Hilfe holen bei anderen


      Man liest sich ... Sascha
    • Ich denke es kann nicht Ziel einer Therapie sein, Menschen darauf zu trainieren, manipulativ zu werden. Denn es ist doch gerade eine deiner Stärken, dass du gradlinig und autark bist und keine miesen Spielchen spielst. Wir sind ja vieles aber keine Lügner und Intriganten! Wir handeln nicht so berechnend wie NTs. Und wenn man sich an diese Prinzipien strikt hält, dann kann man zu recht empört sein wann immer es einem dennoch unetrstellt wird. Ich denke was man noch am ehesten lernen könnte/sollte ist, wie man Leute auf positive Weise manipuliert, sie also zum Beispiel erstmal durch Worte und/Taten in positive Stimmung versetzt, wenn man etwas von ihnen will, und nicht gleich herausplatzt mit dem, was man will.

      Allerdings denke ich du hast dein Anliegen klar genannt, Du weißt, womit du die verbliebenen Therapiesitzungen nutzen willst und das das für dich momentan am wichtigsten ist und warum. Wozu wurden dann schon zwei Sitzungen darauf verschwendet hin und her zu überlegen was man ansonsten machen könnte? Verschwende keine dritte sondern sag ihm gleich zu Anfang der nächsten Sitzung ganz klar, dass du jetzt an XY weiterarbeiten möchtest und fertig!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ja, das denkt er auch. Aber ich denke dass wenn das was mir passiert ist seitens meiner Eltern ein Problem in der Kommunikation war dann ist jede Uneinigkeit und Beschädigung eines Menschen seitens eines anderen Menschen ein Kommunikationsproblem. Auch die Atombombe auf Hiroshima wäre letztendlich ein Kommunikationsproblem weil wenn die Japaner und die Amerikaner in einer besseren kommunikativen Beziehung gestanden hätten dann wäre es nie passiert. Sie hätten sich einigen können was die Bombe bedeuten würde für die Stadt und sich den tatsächlichen Abwurf sparen können.

      Das Kommunikationsproblem bei meinen Eltern war dass sie ein Kind (mich) vollständig allein gelassen haben in einer Situation wo es kaputtging, über mehrere Jahre. Nachher waren Kommunikationsprobleme da weil ich sauer auf sie war wegen des Verlassenwerdens und sie waren auf mich sauer wegen des Kaputtgehens. Weil sie darauf bestanden dass ich dort bleiben musste wo ich war ging alles noch schlimmer, aber ich sehe nicht dass das ein Kommunikationsproblem war weil ich die Situation immer abgelehnt hatte in Wörtern und anderen expressiven Mitteln und sie immer bestanden haben damals dass es für sie keine Alternativ gäbe weil sie kein beständiges Zuhause hatten sondern immer umziehen mussten. Und so weiter und so fort. Es wurde mir damals gründlich kommuniziert dass ich mich zurechtfinden müsste mit der Situation und ich habe meinen Eltern ausführlich kommuniziert dass ich sehr unglücklich war und dass alles schiefgegangen war dort wo ich war. Aber es wurde darauf bestanden dass ich dort bleiben müsste und dass wenn es schiefgegangen war dann war es meine Schuld. Also es wurde kommuniziert beiderseits.

      Aber ich denke dass Konflikte auch als Kommunikationsprobleme angesehen werden können, in dem Sinne dass ein Kind glauben kann dass das was es aushalten muss eine Zumutung ist während die Eltern glauben dass ein Kind alles aushalten sollte was sie verlangen. Weil das Kind seine Wahrnehmung der Situation nicht in die Köpfe der Eltern buchstäblich übertragen kann, und umgekehrt, könnte man das als Kommunikationsproblem bezeichnen. Auf der anderen Seite, wenn das Kind schon kaputtgegangen ist und die Eltern bestehen dass es keine Alternative gäbe als es weiter dort zu lassen wo es kaputtging, was gibt es weiter zu kommunizieren zum Thema? Das Kind muss damit leben. Mein Therapeut hat gesagt dass die Schuld teilweise bei mir lag weil ich meinen Eltern nicht kommuniziert häette wie es mir ging, aber das stimmt nicht sondern meine Eltern hatten einfach eine abstrakte Idee dass die beste Lösung für das Problem "eher überflussiges Kind" das war was sie organisiert hatten. Kommuniziert habe ich schon aber es nützte nicht zu kommunizieren.

      The post was edited 7 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Das mit Deinen Eltern und auch was sonst häufig als "Kommunikationsprobleme" benannt wird, sind Interessensgegensätze bzw. Machtprobleme. PsychologInnen traue ich da nur wenig, vermute, dass von ihnen tendenziell smarte Selbstanpassungsprozesse vermittelt werden--- anstatt dass sie einem helfen zu lernen, Grenzen zu setzen und sich zu wehren/zu emanzipieren; ergo soziale Beziehungen ggf. selbstbewusst zu beenden. . Hm, vielleicht bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel.

      Bei Kindern besteht das besondere Problem, dass sie nicht mündig sind. Heutzutage gibt es Kindernotdienste, Jugendämter etc., aber auch da werden sie häufig nicht ernst genommen, gerade, wenn sie nicht als "emotionales Bündel" aufgelesen werden, sondern mit letzter Selbstbeherrschung rational ihre Anliegen schildern.
    • Ich sehe jetzt wo das Problem ist. Du hast ein Ziel im Kopf und dein Therapeut hat einen Weg zu diesem Ziel im Kopf doch dieser Weg ist nicht passend. Es geht darum, dass du deinen Eltern verzeihst. Und er denkt das gelingt dir, indem das Verhalten deiner Eltern beschönigt wird und du somit nachsichtiger mit ihnen wirst. Sprich: Er versucht das Ausmaß der Schuld deiner Eltern in deinen Augen zu reduzieren, damit es dir leichter fällt, ihnen zu verzeihen. Sowas kann in manchen Fällen klappen, doch ich fürchte in deinem Fall nicht.

      Mal ehrlich: Man kann und muss nicht jede Schuld einer anderen Person bagatellisieren! Was glaubst du warum manche Leute ihrem Vergewaltiger verzeihen? Oder warum verzeihen manche Juden den Peinigern, die etliche ihrer Verwandten leiden und sterben ließen und die sie selbst auch beinahe umgebracht hätten nach langem leiden? Was glaubst du warum? Weil sie so nobel und großmütig sind? Weil sie so religiös sind? Oder weil ihr Therapeut ihnen klar gemacht hat, dass die Schuld der Täter doch gar nicht so schwer wiegt wie es den Anschein hatte? Nein, nein und nein! Dreimal nein! Der einzige Grund warum auch Leuten, die nahezu Unverzeiliches getan haben, mitunter verziehen wird, ist halt ganz einfach der, dass das Gefühl des Hasses, der etwaigen Rachsucht und der Verbitterung zu schwer auf der Seele/Psyche des Opfers lastet! Das Verzeihen geschieht nur, weil es ein Loslassen ist, weil es einen von den Fesseln befreit. Weil es das starke Band zerstört, das Täter und Opfer noch immer zusammen schweißt. Menschen in engem Verhältnis zueinander sind durch ein energetisches Band verbunden. Oft ist dieses zu Anfang aus Liebe geformt, doch kann es auch in Hass umschlagen. Dann wird es energieraubend. Schlimmer sogar noch wenn die Person einem früher nahe stand und wenn neben all der Enttäuschung, die man gegenüber dem Verhalten der Person nun empfindet, noch ein Rest der alten Liebe utnerschwellig übrig ist. Dann wird es um so schwerer, sich zu lösen von all diesen Gefühlen mit anhaftendem Effekt.

      Was du tust, tust du nicht für deine Eltern, sondern für dich selbst! Um nicht mehr der Vergangenheit verhaftet zu sein, sondern im Leben voran zu kommen! Doch du hast ein Recht auf deinen Zorn und deine Wut und Enttäuschung. Du kannst sie loslassen, wenn du dich dazu bereit fühlst. Doch wenn dein Therapeut dir das Gefühl gibt, deine Gefühle seien unberechtigt bzw. übertrieben, dann würdest du sie aus Empörung nur um so stärker festhalten und um so srärker in die Welt hinausschreien wollen, welch Unrecht dir wiederfuhr, da du dich in deinem Leid nicht gesehen fühlst. Als du jünger warst, wurdest du in deinem Leid im Stich gelassen und nicht gesehen. Wenn dein Therapeut dir durch seine Vorgehensweise, dadurch, dass er versucht die ganze Geschichte umzudrehen und verzerrt darzustellen, das gleiche Gefühl vermittelt, dann ist das der völlig falsche Ansatz! Es spricht nichts dagegen dich zu motivieren, zu überlegen, wie das ganze sich aus Sicht deiner Eltern darstellte, um zu verstehen, warum sie sich so verhalten haben und ob es Kommunikationsprobleme oder irgendwelche "mildernde Umstände" gab, etc. Doch wenn du ihm darauf antwortest, sollte er auch deiner Einschätzung vertrauen und sich nicht an seinem Ansatz bzw. seiner Theorie festbeißen! Erstrecht nicht an einer so eng gefassten Theorie wie der, dass es auf Kommunikationsproblemen beruht haben muss!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • Lex wrote:

      Und er denkt das gelingt dir, indem das Verhalten deiner Eltern beschönigt wird und du somit nachsichtiger mit ihnen wirst. Sprich: Er versucht das Ausmaß der Schuld deiner Eltern in deinen Augen zu reduzieren, damit es dir leichter fällt, ihnen zu verzeihen.

      Woraus schließt du das?
      Es kann doch auch sein, dass er versucht, Klarheit zu erlangen über das, was damals passiert ist. Schuld ist sowieso in den meisten Fällen irrelevant. Man muss verstehen, was passiert ist und warum. Falls Kommunikation dabei eine Rolle gespielt hat, dann ist es ein Baustein zum Verständnis dessen, was passiert ist, wenn man versteht, welche Rolle die Kommunikation gespielt hat. Es ist aber nur einer von mehreren wahrscheinlich.

      Nur macht es in diesem Zusammenhang keinen Sinn, jetzt die Kommunikationsprobleme therapieren zu wollen. Es geht doch um die Vergangenheit, also nur um das Verstehen, und erstmal nicht um das Verändern von irgendwas.

      Es scheint mir auch ein Kommunikationsproblem mit dem Therapeuten zu geben, wenn da in der Therapie so viele Fragen und Missverständnisse entstehen. Vielleicht merkt der Therapeut das selber auch und möchte nun erst die Kommunikationsprobleme in den Griff bekommen, um dann das eigentliche Problem angehen zu können. Vielleicht geht es ihm bei seinen Fragen auch darum, zu verstehen, warum diese Kommunikationsprobleme entstehen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @ Shenya

      Ja. Es scheint wirklich Kommunikationsprobleme mit dem Therapeuten zu geben. Vielleicht deswegen glaubt er dass er mir helfen muss mit meinen Kommunikationsproblemen. Ich habe meine Partnerin erneut gefragt ob ich Kommunikationsprobleme habe und sie hat gesagt nein aber dass sie mir jede Woche erklären muss was gemeint worden ist von dem Therapeuten bei meinem letzten Therapietermin. Sie muss interpretieren. Aber sie denkt dass die Verwirrung entsteht zwischen mir und dem Therapeuten und nicht im allgemeinen. Ich bin inzwischen etwas misstrauischer geworden weil er scheint ein starkes Geltungsbedürfnis zu haben.

      Ich war verunsichert weil ich dachte nicht dass ich so offensichtliche Kommunikationsprobleme hätte dass ich eine Therapie bräuchte. Glücklicherweise sagt meine Freundin dass das nicht der Fall ist. Vielleicht sind Kommunikationsprobleme seine Spezialität und er denkt dass die meisten Probleme im Leben von Kommunikationsproblemen stammen und dass das auch so bei mir sein muss, besonders wenn ich autistisch veranlagt sein soll.

      Hier ein Zitat aus dem Buch "A Field-Guide to Earthlings":

      "Generell gesprochen dreht Autismustherapie darum, vorzutäuschen dass es keinen grundsätzlichen Unterschied gibt und zu versuchen Autisten zum neurotypischen Handeln hinzusteuern. Leute sehen Autismus als das Problem und Schauspielern als die Lösung. Es ist nicht dass sie denken dass nur Autisten schauspielern sollten; sie glauben an das Schauspielern als allgemeinen Entwicklungsweg für alle, und mit gutem Grund. Neurotypische Menschen entscheiden wer sie sind in einem sozialen Kontext, und deswegen wenden sie dieselben Prinzipien an wenn sie versuchen dir zu helfen."

      Er will mich dazu bringen dass ich meine Bedürfnisse besser kommuniziere (im RL). Aber das Problem ist dass meine Bedürfnisse ziemlich autistisch sind und ich versuche immer den Eindruck zu machen dass ich mehr wie die Mehrheit ticke als tatsächlich der Fall ist, um nicht aufzufallen. Sollen die Kommunikationsprobleme darin liegen dass man versäumt zu schauspielern (bzw schlecht schauspielert) oder darin dass man zu gut schauspielert? Im ersten Fall eckt man an, im zweiten Fall wird man gar nicht gesehen als Mensch. Schwierig.

      @Lex

      Danke für deinen tollen Beitrag. Er hat es mir bewusst gemacht dass wenn ich meine Zwangsgedanken an meine Eltern überwinde dann tue ich es für mich und nicht um meinen Eltern zu verzeihen. Ich wusste zwar schon vorher rein theoretisch dass Hass und Wut wehtun aber jetzt glaube ich dass ich es endlich begriffen habe im wirklichen Sinne. Wenn man negative Gefühle überwindet tut man das an erster Stelle für sich und nicht weil die "Täter" Wut nicht verdient haben. Mein Ziel ist es endlich die traurige Wahrheit über meine Eltern und mein kindliches Schicksal vollkommen klar sehen zu können ohne Wut oder Hass.

      (Wenn ich jetzt meine Kommunikation verbessere hilft es mir nicht das Problem vor so vielen Jahren zu lösen. Mein Therapeut hat mich gefragt was ich dem Kind damals sagen würde jetzt und ich konnte nicht antworten weil ich konnte nichts finden was ich sagen könnte. Meine Partnerin hat mir erklärt dass was er hören wollte war dass ich dem Kind sagen sollte dass es stark sein müsse und sich zusammenreissen und die Lage meistern, aber so denke ich nicht weil das haben alle gesagt und gewollt von mir damals aber es hat nicht geklappt weil ich überfordert war mit der ganzen Lage und es würde kaum helfen wenn ich aus der Zukünft mich diesen Menschen anschliessen würde anstatt dem Kind innerlich beizustehen in seiner Not.)

      The post was edited 9 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Hi Du. Freut mich, dass ich helfen konnte. Leider scheint es als bist du irgendwie an den falschen Therapeuten geraten, denn wenn ihr euch nicht versteht (und das meine ich jetzt wörtlich, nicht im übertragenen Sinne), geht ein Großteil der Therapiezeit wirklich drauf bei dem Versuch, eure Missverständnisse untereinander zu klären und am Ende scheinen die Sitzungen dann dennoch mehr in Verwirrung stürzend als hilfreich für dich zu sein. Ihr könnt zwar immer wieder Dinge zu klären versuchen, doch scheint mir, dass ihr so unterschiedlich tickt (denkt), dass eine grundsätzliche Verbesserung eurer Kommunikation eher unwahrscheinlich ist. Und dass er wie selbstverständlich davon ausgeht, dass du diese Probleme mit anderen Leuten auch hast und er alleine deshalb schon meint dort ansetzen zu müssen, macht die Sache nicht besser. Nunja, letztlich hast du ja eh nicht mehr viele Sitzungen bei ihm übrig. Meine Empfehlung daher: Nicht verzweifeln sondern neuen Therapeuten suchen, so dass du, wenn deine Probleme nicht "fristgerecht" gelöst sind, bei jemand anders weitermachen kannst. Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass die Zeit, die man in Therapie sein darf, irgendwie begrenzt ist.

      Menschen verzeihen oder schlimme Erlebnisse überwinden gelingt auch nicht jedem mal so eben. Manche brauchen Jahre dafür, manche ein ganzes Leben. Manche versuchen es auch nie, weil sie mit ihrem Hass leben können, weil er sie nicht so stark belastet. Doch dich scheint es stark zu belasten. Und du kannst nur in dich hineinhorchen, um herauszufinden, was du brauchst, damit es dir besser geht und du dich erleichtert fühlst. Rache hilft nicht wirklich. Denn wenn Menschen sich rächen, fühlen sie danach meist keine echte Befriedigung, sondern nur Leere. Sie sind an ihrem Ziel angekommen und wissen nun nicht, was sie stattdessen tun sollen, womit sie die Lücke füllen sollen, die Hass und Rachsucht in ihrem Geist besetzt hielten. Vielleicht ist es bei dir ähnlich: Einerseits leidest du unter deinem Gefühlen und Gedanken aber andererseits hälst du verzweifelt an ihnen fest, weil sie trotz aller Qual doch etwas Vertrautes sind und sie loszulassen, also etwas in deinem Inneren zu verändern, eine Entwicklung unbekannter Art in Gang setzen und somit Ungewissheit bringen würde. Daher braucht man viel Mut dafür. Vielleicht haben deine negativen Gefühle dir viele Jahre gute Dienste erwiesen. Vielleicht hattest du das Gefühl, dass dein Zorn dich stark gemacht hat und dir half, schlimme Zeiten zu ertragen und zu überwinden. Daher ist es schwer, ihn nun einfach so wegzuwerfen.

      In der Natur existiert kein Vakuum. Dinge lassen sich nicht einfach auslöschen, denn jede Lücke muss gefüllt werden. Finde heraus, womit du die deine füllen willst. Vielleicht musst du deine Gefühle dann nicht mehr auslöschen sondern kannst sie transformieren in etwas, was du möchtest. Doch der Weg dahin kann schwer sein, denn die Schicht aus Hass und Zorn abzutragen bedeutet, dass darunter liegende, echte Gefühle zum Vorschein kommen. Gefühle wie Enttäuschung. Vielleicht auch Gefühle wie Trauer oder Angst in bestimmten Situationen der Vergangenheit. Gefühle, durch die du dich vielleicht nicht so stark fühlst, aber die dich näher zu deinem wahren Selbst bringen. Mir scheint worunter du vor allem leidest ist, dass du lieblos behandelt wurdest. Und diese Lücke kannst du am besten füllen, indem du dir selbst Liebe gibst. Und vielleicht findest du auch Menschen, die deinen Wunsch, geliebt zu werden, ebenfalls stillen.
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    • Danke Lex, für eine zweite sehr wichtige Einsicht. Du scheinst eine Begabung zu haben für Psychotherapie.

      Das was mich tatsächlich in diese Mühle von Zwangsgedanken und (inneren) Vorwürfen an meine Eltern gedrängt hat ist genau das was du sagst, nämlich dass ich spüre sehr stark dass meine Eltern mich nicht geliebt haben. Gleichzeitig haben sie mich nicht geschützt und alles ist schlimm geworden für mich damals. Weil ich seither nicht imstande gewesen bin die Würzel des Problems anzuschauen habe ich diese Wut und Vorwürfe mit mir herumgetragen, gerade als ob was passiert ist eine Art Missverständnis wäre. Aber es war kein Missverständnis. Sie hatten nur keine Empathie für mich trotz ihrer abstrakten und unangemessenen Pflichterfüllung in Abwesenheit.

      Was der Therapeut versucht zu tun ist genau das Falsche, nämlich mich zu überreden dass das alles ein Missverständnis war und dass in Wirklichkeit meine Eltern das Beste für mich wollten aber wegen unserer Kommunikationsprobleme hätten wir (meine Eltern und ich) einander nicht verstanden. Das würde alle Parteien entschuldigen aber es geht nicht so und es gibt einen besseren Weg zur Befreiung, den du mir gerade gezeigt hast, nämlich zu akzeptieren dass die Eltern sehr wenig Liebe für ihr Kind hatten. Wenn ich das ansehen kann ohne mich bedroht zu fühlen kann ich mich höchstwahrscheinlich von meinen Zwangsgedanken an meine Eltern heilen, glaube ich. Liebe kann man nicht erzwingen. Es ist zwar ein Nachteil mit nicht-liebenden Eltern aufzuwachsen aber es gibt auch andere Nachteile im Leben denen Menschen ausgesetzt werden. Ich bin nicht der erste dem etwas schlechtes passiert ist. Ich habe immer getrauert wegen der ausgebliebenen normalen Kindheit mit Eltern und eigenem Zimmer und ich denke dass es völlig akzeptabel ist danach zu trauern. Aber der Wünsch all das oder sogar die dazu nötig gewesen sollende Liebe einzufordern ist etwas was ich loslassen muss.

      In Verbindung mit der ersten Einsicht (aus deinem anderen Beitrag) dass man sich wehtut mit seinen Ressentiments und Grübeleien ist diese Einsicht ein guter Weg zur Besserung, denke ich.

      The post was edited 12 times, last by Unbewohnte Insel ().

    • Es freut mich, dass ich helfen konnte. Und du hast das weiße formuliert. Manche haben eben das Pech mit Leuten aufzuwachsen, die die enttäuschen oder schlecht behandeln. Aber noch schlechter ist es, wenn man dadurch auf eine Art geprägt wird, durch die man sich das ganze Leben kaputt macht. Gut ist, wenn man sich davon befreien kann. Ich sehe dein Leid. Dein Leid ist gehört worden. Vielleicht kannst du nun loslassen und nach vorne blicken, denn nichts lässt sich ungeschehen machen doch die Zukunft lässt sich frei gestalten, solange man sich nicht selbst Ketten anlegt.
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    • Nein, wieso? Wie gesagt kommt es weniger auf den Titel oder die Studienjahre an. Langes Studium in dem Bereich kann sogar dazu führen, dass man zu sehr nach Schema F geht und so der natürliche Instinkt verlorengeht. Ich hatte allerdings schon ein paar Seminare und Unterrichtseinheiten zu dem Thema und habe auch ein paar Lebensratgeberbücher gelesen.
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    • Ich finde, man muss ein bisschen vorsichtig sein, Situationen aus der Ferne zu beurteilen. Da kann man zwar vieles als Meinung dazu sagen (was ja okay ist, schließlich schreiben die Leute hier ja auch, um Meinungen zu bekommen), aber ich würde jetzt z.B. nicht so weit gehen, eine laufende Therapie zu beurteilen/zu untergraben oder selber therapieren zu wollen, übers Internet, als Laie.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Ich untergrabe nichts. Ich glaube nur eben nicht, dass Therapeuten Dinge grundsätzlich immer richtig beurteilen bzw. besser beurteilen als Laien. Wenn ich also sehe, dass Leute im Grunde selbst merken, dass ihnen eine Therapie bei einem bestimmten Therapeuten nicht hilft und nicht gut tut, möchte ich sie ermutigen, nach neuen Wegen zu suchen statt einer offenbar nutzlosen Therapie verhaftet zu bleiben. Deine Kritik finde ich insofern unberechtigt, als dass ich die Leute ja ermutigt habe sich neue professionelle Hilfe zu suchen und nicht etwa vorgeschlagen habe, dass sie das mit Therapie künftig ganz sein lassen und sich stattdessen über das Internet durch mich "therapieren" zu lassen. Das ist nicht mein Bestreben.

      Und du hast Recht dass ich Dinge nicht auf Entfernung beurteilen kann doch spreche ich hier mit Erwachsenen, rationalen, intelligenten, vernunftbegabten Menschen, die ihre Situation selbst beurteilen können. Ich gebe lediglich gedankliche Anregungen doch sie beurteilen selber, was auf sie zutrifft und was nicht. Im Gegensatz zu gewissen Therapeuten masse ich mir nicht an, das besser zu Wissen als sie selber.

      Wenn du recherchiert, findest du mit Sicherheit Berichte, die bestätigen, dass oftmals Leute über Jahre in einer nutzlosen oder gar schädlichen Therapie festhängen. Und wenn eine Therapie sowieso vom Klienten als gänzlich ineffektiv empfunden wird, kann man wohl kaum von untergraben reden. Stattdessen sage ich, dass auch Therapeuten nicht unfehlbar sind und gebe den freundschaftlichen Rat, sich jemanden zu suchen, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt. Daran kann ja wohl nichts verkehrt sein, denn alle Zeit, in der man nicht effektiv an seinen Problemen arbeiten kann, ist verlorene Zeit.
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    • :m(: @ Lex

      Ist Dir eigentlich bewusst, was Du da machst, mit Deinen Antworten???
      Ich halte Deine Aussagen und Stellungnahmen für bedenklich.

      Sicher Du hast es gut gemeint, das ist jedoch noch lange nicht gut gemacht.

      x( :m(:
      Im tiefsten Winter erkannte ich,
      daß in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.
      (Albert Camus)

      The post was edited 1 time, last by A-L ().

    • Unbewohnte Insel wrote:

      Mein Therapeut hat mich gefragt was ich dem Kind damals sagen würde jetzt und ich konnte nicht antworten weil ich konnte nichts finden was ich sagen könnte. Meine Partnerin hat mir erklärt dass was er hören wollte war dass ich dem Kind sagen sollte dass es stark sein müsse und sich zusammenreissen und die Lage meistern, aber so denke ich nicht weil das haben alle gesagt und gewollt von mir damals aber es hat nicht geklappt weil ich überfordert war mit der ganzen Lage und es würde kaum helfen wenn ich aus der Zukünft mich diesen Menschen anschliessen würde anstatt dem Kind innerlich beizustehen in seiner Not.

      Wenn ich von meiner Erfahrung mit Therapeuten und Selbsthilfebüchern ausgehe, würde ich eher sagen, der Therapeut wollte so etwas hören wie "ich sehe, dass es schlimm für dich war und du gelitten hast unter (...). Dass du versucht hast, auf die beste dir mögliche Weise damit umzugehen. Und ich will dir sagen, dass es heute vorbei ist". Durchhalteparolen werden eher selten gefordert, eher Verständnis und ein "ich sehe dich und deinen Schmerz".
      Ich selbst kann mit diesem Ansatz nicht viel anfangen, weil ich einfach nicht mit mir selbst in der Vergangenheit sprechen kann und das ziemlich crazy finde. Ich habe so etwas aber schon öfter gehört und gelesen. Letzten Endes gilt: Wenn es hilft, war es richtig. Wenn es nicht hilft, muss man weitersuchen.
    • Ist Dir eigentlich bewusst, was Du da machst, mit Deinen Antworten???
      Ich halte Deine Aussagen und Stellungnahmen für bedenklich.

      Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung und ich halte blindes Vertrauen auf eine Person alleine ihres Titels wegen für weit bedenklicher.
      Auf die Art können Leute Dekaden beim selben Therapeuten wegen des selben Problems in Therapie zubringen, während bei einem anderen Therapeuten das Problem vielleicht in einem Bruchteil der Zeit gelöst worden wäre. Und die Therapeuten stört es nicht weiter denn sie werden nach Stunden bezahlt, nicht nach Erfolg. Ich sehe eine grosse Gefahr in Therapeuten, welche trotz erfolgreichem Studium in Hinblick auf den Klienten, der die besucht, nicht kompetent / nicht geeignet sind, denn während der Jahre, in der sich das Problem des Klienten nicht löst, kann folglich eine Menge in seinem Leben schief gehen. Ich behaupte nicht dass jedes Problem sich einfach so lösen lässt, doch wie soll es das je, wenn es schon an den Basics wie an der Kommunikation mit dem Therapeuten scheitert?
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      The post was edited 1 time, last by Lex ().

    • Danke an euch alle für eure Anteilnahme.

      Es ist nicht so dass ich Lex blind gefolgt bin sondern ich habe nur gemerkt beim Lesen seiner Beiträge dass (a) Man nur sich selber und nicht den "Tätern" weh tut wenn man sich an Wut und Enttäuschung (oder andere negative Gefühle) festhält und dass (b) Was mir hauptsächlich weh tut beim Gedanken an meine Eltern darin liegt dass sie mich nicht (oder nur wenig) geliebt oder geschützt haben als ich Kind war.

      Der erste Punkt ist psychologisch wahr aber ich hatte es irgendwie nicht wirklich angenommen vorher, während der zweite Punkt mir schon vor mehreren Jahrzehnten nahegebracht wurde, und zwar von meinem allerersten Psychiater, dann von meinem ersten Psychologen und dann nochmals von meinem ersten Therapeuten, aber ich hatte es nicht angenommen damals und inzwischen wieder vergessen. Damals haben sie immer versucht mich dazu zu bringen das Kaputtmachende an meinen Eltern zu sehen aber ich habe mich immer verweigert das zu tun. Dieses Mal hat der Therapeut gar nichts über Liebe gesagt und ich denke dass das ein Versäumnis ist. Als ich das gelesen habe was Lex geschrieben hatte hat es mich an das erinnert was die Psychologen gesagt haben als ich viel junger war und ich habe gemerkt dass es stimmt und das es gerade dieses Gefühl der mangelnden Liebe ist das mich an die "Täter" bindet und die Motivation für meine Zwangsgedanken ist. Ich werde es dem Therapeuten sagen das nächste Mal.

      Wenn Eltern kläglich versagen in ihrer Schutzfunktion und dann später selbst das Kind angreifen weil es in dieser ungeschützten Lage kaputtgegangen ist, ist es nicht besonders hilfreich zu denken dass sie eigentlich voller Liebe und Empathie waren und es nur ein Missverständnis war. An erster Stelle brauchen Kinder die Liebe und Empathie ihrer Eltern, um sich vor Gefahren zu schützen, und wenn Eltern ein Kind einfach aussetzten völlig allein hat die Liebe gefehlt und nicht der Verstand (es handelt sich nicht um ein Kommunikationsproblem zwischen Eltern und Kind). Der Verstand meiner Eltern hat etwas ausgedacht was praktisch aussah (hauptsächlich für sich selber) aber wenn sie Liebe zum Kind gehabt hätten hätte diese Liebe das Kind geschützt vor dem was ihr Verstand ausgedacht hatte und was sie sehen konnten dass es immer mehr schiefging.

      Ich glaube auch dass mein Vater AS hat und dass er nicht in der Lage war sich vorzustellen wie ein Kind sich fühlen würde in meiner Lage, weil er sich in die Perspektive anderer nur sehr schlecht hineinversetzen kann und äusserst rigide denkt und handelt. Er ist selber aufgewachsen in einer lieblosen Umgebung mit einer schwierigen, alleinerziehenden Mutter die auch AS hatte soweit ich beurteilen kann. Wenn es ein "Missverstandnis" gab zwischen mir und meinen Eltern dann wegen der mangelnden kognitiven Empathie meines Vaters, aber ich hatte auch eine NT Mutter die die Verantwortung hätte übernehmen können wenn sie mehr Liebe zum Kind gehabt hätte.

      The post was edited 4 times, last by Unbewohnte Insel ().