Konflikt mit Elternteil bzgl. Arbeitsuche und Lebensperspektive

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    • Konflikt mit Elternteil bzgl. Arbeitsuche und Lebensperspektive

      Ich hab ein kleines Problem mit einem Elternteil.
      Ich hab vor kurzem mein Studium pausiert, da es aus diversen Gründen nicht mehr voran ging.
      Da ich keine wirkliche Perspektive habe aktuell und durch die Gesamtsituation überfordert/ unzufrieden bin, habe ich nun ALG II angemeldet.

      Seit besagtes Elternteil davon weiß von der Pausierung weiß, möchte es mir "helfen", aber wirklich auf mich eingehen passiert nicht.
      Es kommen dann immer wieder die gleichen Aussagen "Es wird überall händeringend gesucht", "du bist doch ein Schlaues Kerlchen, da wird sch sicher was finden"
      Geschichten aus der Kindheit die nicht wirklich auf jetzt anwendbar sind.
      Irgendwelche Jobideen, die eigentlich wenig mit dem was meiner Leidenschaft entsprechen. Für Konflikte die aufkommen gerade bzgl. Diagnose werden schnell kleingeredet oder nicht ernst genommen.

      Ich fühle mich irgendwie nicht wirklich gehört, oder mit meinen Bedürfnissen wahrgenommen.
      Ich möchte gerade erst mal "klarkommen", ich mein, ich habe gerade ein Studium abgebrochen, die Pandemie ist immer noch da, durch viele Erkenntnisse bzgl der Diagnose fühle ich mich gerade ohnmächtig überhaupt richtig funktionieren zu können, im gesamtgesellschaftlichen System.
      Wie kann ich das besser kommunizieren, gerade ist mein Hauptausweg dem ganzen ausweichen. Aber das klappt nur semi gut..
    • Hallo.

      Ich bin Mutter eines Autisten, aber nicht selbst betroffen. Er ist allerdings erst 11 Jahre alt.
      Und ich werde leider in meinen Handlungen oft davon getrieben, dass ich Angst um seine Zukunft habe.
      Das lese ich jetzt beim Verhalten deines Elternteils auch ein wenig heraus.
      Phasenweise ist das echt existentielle Angst, dass er irgendwann ohne mich zurecht kommen muss und wie das funktionieren soll.
      Da stecken ganz viele Vorstellungen von selbstständigem, erfüllten Leben hinter, für das ja leider erst mal vorrangig das Einkommen entscheidend ist.
      Aber auch so was, wie: Irgendwann möchte ich nicht mehr verantwortlich für ihn sein. (Trifft es von der Wortwahl nicht ganz, aber ich bekomme es in Worte gefasst.)

      Fragen sind als Denkanstoß gedacht, und sollen nicht unbedingt beantwortet werden.
      Wie weit hat sich denn das Elternteil schon mit der Diagnose auseinander gesetzt?
      Hast du vielleicht jemanden, der da zwischen dir und dem Elternteil vermitteln könnte?
      Mir hat es geholfen, und hilft mir immer noch, hier und anderswo von unterschiedlichen Biographien von Menschen im autistischen Spektrum zu lesen.
      Wenn du einen Autismustherapeuten hast, könnte der da vielleicht weiter helfen.

      Viele Grüße
      Lucanna
    • Hallo Lucanna,

      Danke für den Input.

      Ich kann deine Gedanken zum teil verstehen, ich bin aber mittlerweile schon selbstständig genug um zu wissen, was das beste für mich ist.
      Ich wohne seit über 10 Jahren nicht mehr zuhause und in der Regel habe ich mit besagtem Elternteil kaum Kontakt.

      Bislang war ich auch nicht untätig; habe eine Ausbildung abgeschlossen, gearbeitet und das Studium ging auch schon was länger. Leider alles mehr schlecht als recht.
      Jetzt gerade findet bei mir aber was wohl am ehesten als Sinneskrise bezeichnet wird, statt. Das wird aber vollkommen ausgeblendet.

      Bzgl. meiner Diagnose weiß ich seit letzter Woche das sie bislang stets angezweifelt wurde, und erst jetzt (15 Jahre nach dem Attest) durch mein aktives Zutun ernster genommen wird.
      (Trotz das es in verschiedensten Richtungen stets Schwierigkeiten gab)


      Ich glaube nicht, dass da jemand vermitteln kann das Elternteil ist meiner Meinung nach selber von der Diagnose betroffen und kann nicht wirklich eine Perspektivübernahme erlangen.
    • betonniche wrote:

      Ich hab ein kleines Problem mit einem Elternteil.
      Ich hab vor kurzem mein Studium pausiert, da es aus diversen Gründen nicht mehr voran ging.
      Da ich keine wirkliche Perspektive habe aktuell und durch die Gesamtsituation überfordert/ unzufrieden bin, habe ich nun ALG II angemeldet.

      Seit besagtes Elternteil davon weiß von der Pausierung weiß, möchte es mir "helfen", aber wirklich auf mich eingehen passiert nicht.
      Es kommen dann immer wieder die gleichen Aussagen "Es wird überall händeringend gesucht", "du bist doch ein Schlaues Kerlchen, da wird sch sicher was finden"
      Geschichten aus der Kindheit die nicht wirklich auf jetzt anwendbar sind.
      Irgendwelche Jobideen, die eigentlich wenig mit dem was meiner Leidenschaft entsprechen. Für Konflikte die aufkommen gerade bzgl. Diagnose werden schnell kleingeredet oder nicht ernst genommen.

      Ich fühle mich irgendwie nicht wirklich gehört, oder mit meinen Bedürfnissen wahrgenommen.
      Ich möchte gerade erst mal "klarkommen", ich mein, ich habe gerade ein Studium abgebrochen, die Pandemie ist immer noch da, durch viele Erkenntnisse bzgl der Diagnose fühle ich mich gerade ohnmächtig überhaupt richtig funktionieren zu können, im gesamtgesellschaftlichen System.
      Wie kann ich das besser kommunizieren, gerade ist mein Hauptausweg dem ganzen ausweichen. Aber das klappt nur semi gut..
      Hm, wenn du nicht schreibst, was genau du studiert/abgebrochen hast und was deine Skills sind und was deine Leidenschaft ist, dann kann man schwer etwas dazu schreiben. Also höchstens so allgemeine Sachen wie "deine Eltern sind doof/ich kenne das/ich wurde auch immer so unter Druck gesetzt/die NTs verstehen das nicht/du bist vollkommen im Recht" oder alternativ "deine Eltern haben Recht, Junge, wieso hast du keine Arbeit?".

      Also wenn du z.B. E-Technik/Informationstechnik oder Mathe abgebrochen hast, dann würd ich dir zu Informatik raten, ist oft einfacher und du kannst dir vieles anrechnen lassen. Abgesehen davon schreibst du ja, dass du eine abgeschlossene Ausbildung hast.
    • Lucanna wrote:

      Phasenweise ist das echt existentielle Angst, dass er irgendwann ohne mich zurecht kommen muss und wie das funktionieren soll.
      Da stecken ganz viele Vorstellungen von selbstständigem, erfüllten Leben hinter, für das ja leider erst mal vorrangig das Einkommen entscheidend ist.
      Ich bin auch nicht der Fan von super viel arbeiten, habe nie mehr als 30 h pro Woche gearbeitet.

      Aber man kennt auch Fälle, wo Leute - eigentlich gut qualifiziert! - wirklich jahrelang daheim versauern mit Hartz IV. Außer Zocken und in manchen Fällen Kiffen wird da nix gemacht. Jedes Jahr wird die Chance geringer, dass es weiter geht. Die Sorge ist schon nachvollziehbar.

      Andererseits, wenn man akut krank ist, dann kann man natürlich nicht arbeiten (Depressionen, Burnout, Angststörungen). Und es ist auch verständlich, dass man mal eine Pause braucht ggf. von einem Jahr oder mehr. Ist halt die Frage, ob man eine Perspektive hat oder ob es langfristig auf Versauern raus läuft. Manche machen ja z.B. ein FSJ oder ein freiwilliges ökologisches Jahr. Da hat meine Beschäftigung und gleichzeitig Zeit, sich zu fragen, was man machen möchte.
    • Klingt für mich nach einem klassischen Konflikt in der Spätadoleszenz: Die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben gestaltet sich herausfordernd, der junge Erwachsene möchte sich einerseits vom Elternhaus lösen, ist andererseits auf die (emotionale) Unterstützung durch die Eltern (noch) angewiesen. Aber man kann nun mal Eltern schlecht vorschreiben was sie zu sagen haben. Helfen kann da aus meiner Sicht:

      - Wirklich selbstständig werden, auch emotional autonomer werden.
      - Andere Orientierungspersonen suchen, wenn diese als emotionaler Halt benötigt werden (z.B. Therapeut).

      Ich denke es gibt einfach ein Alter, wo man sich von seinen Eltern nicht mehr verstanden fühlt und darunter leidet. Und irgendwann ist man emotional autonom genug, dass das nicht mehr so schlimm für einen ist. So zumindest meine Auffassung.

      Edit: Wobei ich denke, dass es Personengruppen gibt, für die die Autonomieentwicklung deutlich erschwert ist. Z.B. wenn (emotionale, finanzielle u.ä.) Abhängigkeiten bestehen, wie dies z.B. oft bei hilfebedürftigen jungen Menschen mit Behinderungen der Fall ist. Doch für diese Zielgruppen gibt es z.B. Wohnprojekte, die unterstützen den eigenen Weg ins Erwachsenendasein zu finden.)
      Surprised by the joy of life.

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