OT: Diskussion um ADOS

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    • Unbewohnte Insel wrote:

      Wenn man nur allein in seinem Zimmer sitzt hat man zumindest den Eindruck dass man selber beurteilen kann ob man sich einsam fühle oder ängstlich sei oder nicht. Ob es eine Einschränkung darstellt allein in seinem Zimmer zu sitzen ist schwerer zu beantworten falls das alles ist was man hinkriegt und wenn man kaputtgehen würde wenn man nicht allein in seinem Zimmer sitzen würde. Wenn (was bei mir überhaupt nicht der Fall ist) man sich gar nicht vorstellen kann wie man außerhalb seines Zimmers zurechtkommen würde und die ganze Idee das tun zu müssen eine Horrorvorstellung ist dann ist man aus der eigenen Perspektive nicht wirklich eingeschränkt wenn man das nicht tun muss sondern ungestört und allein in seinem Zimmer sitzen darf.
      Ich denke, es ist dennoch sehr individuell, ob man das als Einschränkung wahrnimmt oder nicht. Meinem Eindruck nach kann man durchaus wissen, dass beispielsweise eine eigene Familie oder eine spannende, inhaltlich interessante Berufstätigkeit etwas wäre, womit man nicht zurecht käme. Man kann Situationen, in denen sich Kontakt mit anderen oder Stress ergäbe, deswegen auch vermeiden und durchaus froh sein, wenn das gelingt. Und dennoch kann man gleichzeitig das eigene Leben auch als ungenügend empfinden und darunter leiden, trotz Bewusstsein, dass es gar nicht anders geht. Für viele autistische Menschen ist es beispielsweise ein großes Problem, ihre Intelligenz und ihre Interessen beruflich nicht einsetzen zu können, weil die entsprechenden Berufsfelder zu stressig wären bzw. sie dem Konkurrenzdruck nicht gewachsen sind. Das kann man wissen und sich entsprechend verhalten, und dennoch ein großes Problem damit haben.

      Andere wiederum können Dinge, die für sie nicht funktionieren, abhaken und dann in einer nach außen unbefriedigenden Lebenssituation selbst doch sehr zufrieden sein. Und wieder andere empfinden ihre Unfähigkeit in der Hinsicht von vornherein gar nicht als Problem, weil sie überhaupt kein Bedürfnis nach Austausch, einer Rolle in der Außenwelt etc. haben, sondern sich nur mit sich selbst und ihren Interessen befassen wollen. In allen drei Fällen kann die Lebenssituation dann nach außen gleich wirken, wie es dem Menschen damit geht, ist aber sehr unterschiedlich.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Und wieder andere empfinden ihre Unfähigkeit in der Hinsicht von vornherein gar nicht als Problem, weil sie überhaupt kein Bedürfnis nach Austausch, einer Rolle in der Außenwelt etc. haben, sondern sich nur mit sich selbst und ihren Interessen befassen wollen.
      Zu den ersten zwei deiner Gruppen (die die leiden und die die abhaken) gehöre ich abwechselnd oder sogar gleichzeitig, denke ich, weil ich mit einem Gefühl von Leid abhake. Was die dritte deiner Gruppen betrifft (der ich nicht angehöre) fragt man sich inwieweit es gerecht ist in diesen Zeiten der Diversity (des Diversitys?) jemanden als "gestört" zu betrachten nur weil er die Dinge nicht macht die Andere machen weil er kein Bedürfnis danach spürt. Es sei denn man ihn als Belastung für die Gesellschaft betrachtet weil er betreut werden muss oder Geld vom Staat bekommen was er nicht brauchen würde wenn er nicht zufrieden in seiner eigenen Welt leben würde.
      Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.
    • Unbewohnte Insel wrote:

      Zu den ersten zwei deiner Gruppen (die die leiden und die die abhaken) gehöre ich abwechselnd oder sogar gleichzeitig, denke ich, weil ich mit einem Gefühl von Leid abhake.
      Das halte ich für recht typisch. Zu den ersten zwei deiner Gruppen (die die leiden und die die abhaken) gehöre ich abwechselnd oder sogar gleichzeitig, denke ich, weil ich mit einem Gefühl von Leid abhake. Bei den drei Gruppen handelt es sich für mich auch gar nicht um klar unterscheidbare Gruppen von Menschen, sondern eher um unterschiedliche Umgangsweisen. Der einzelne Mensch bewegt sich da vermutlich oft auf einem Spektrum bzw. ist ambivalent, was Ziele in der Außenwelt betrifft. Auch das kann für sich allein schon Stress hervorrufen.

      Unbewohnte Insel wrote:

      Was die dritte deiner Gruppen betrifft (der ich nicht angehöre) fragt man sich inwieweit es gerecht ist in diesen Zeiten der Diversity (des Diversitys?) jemanden als "gestört" zu betrachten nur weil er die Dinge nicht macht die Andere machen weil er kein Bedürfnis danach spürt. Es sei denn man ihn als Belastung für die Gesellschaft betrachtet weil er betreut werden muss oder Geld vom Staat bekommen was er nicht brauchen würde wenn er nicht zufrieden in seiner eigenen Welt leben würde.
      Das stimmt. Eigentlich ist das beispielsweise für die Umwelt vielleicht sogar konstruktiv, weil ein solcher Mensch vergleichsweise wenige Ressourcen verbraucht. Außerdem finden viele auf ihre eigene Weise dann sicher Wege, sich doch gesellschaftlich einzubringen (was sehr unterschiedlich aussehen und auch unterschiedliche Ausmaße von sozialer Interaktion bedeuten kann). Wäre ein gutes Argument für ein Grundeinkommen.

      "Die Diversity" würde ich übrigens sagen, analog zu "Diversität" (was einerseits eine Übersetzung ist, andererseits ist die Konnotation doch ein wenig anders).
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    • Leonora wrote:

      "Die Diversity" würde ich übrigens sagen, analog zu "Diversität" (was einerseits eine Übersetzung ist, andererseits ist die Konnotation doch ein wenig anders).
      In den romanischen Sprachen, wo das Wort heimisch ist, ist sie weiblich: diversitas (lat), la diversità (it), la diversité (fr). Allerdings hatte ich irgendwie im Kopf dass im Deutschen Fremdwörter sachlich sind, was eigentlich nicht für alle stimmen kann.
      Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.

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    • Unbewohnte Insel wrote:

      In den romanischen Sprachen, wo das Wort heimisch ist, ist sie weiblich: diversitas (lat), la diversità (it), la diversité (fr).
      Ja, ich weiß. Im Deutschen auch, analog zu original deutschen substantivierten Adjektiven, die auf "heit" oder "keit" enden (Weisheit, Heiterkeit etc.). Ob es im Deutschen überhaupt eine Regel für die "Geschlechtszuordnung" von Fremdwörtern gibt, weiß ich nicht. Ich sage beispielsweise "die Email", "die Message", "die "Website", "der Blog" (bei den letzten beiden wohl analog zu "Seite" und "Block", obwohl letzteres natürlich gar nichts miteinander zu tun hat). Habe aber auch schon "das Email" oder "das Blog" gehört, was für mich aber intuitiv falsch klingt.
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    • Leonora wrote:

      Ja, ich weiß.
      Ich wusste, dass du es wusstest, aber ich wusste nicht, ob du wusstest, dass ich es wusste.
      Dass meine Beiträge so oft editiert werden hat meistens aber nicht immer damit zu tun dass ich sowohl grammatikalische oder syntaktische wie auch stilistische oder einfache Schreibfehler nicht immer sofort sehe und sie deswegen nachträglich korrigieren muss.