Trauer - Umgang mit Tod und Verlust

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    • Trauer - Umgang mit Tod und Verlust

      Welche Erfahrungen habt ihr mit Tod oder Verlust, Trauer und oder Begleitung von Trauernden?

      Mich interessiert der ganze Themenkomplex sehr.
      Immer schon. Durch eigene Erfahrung und wie jetzt gerade, bei meinem Partner aufgekommen.

      Da stelle ich jetzt zum Beispiel fest, dass ich zwar das Gefühle von Verlust und Trauer selbst mehrfach durchlebt habe, es mir aber schwerfällt, intuitiv auf jemand anderen einzugehen, der einen Verlust erlitten hat/ trauert. Selbst wenn es jemand eigentlich vertrautes ist, bin ich im Umgang dann etwas gehemmt und eher abwartend. Ich kenne ja nur meine eigene Trauer und habe nur eine Ahnung wie es für jemand anders ist. Zudem neige ich eher zum Rückzug wenn ich starke Gefühle wie Trauer durchlebe.
      Falls Gespräche über den Verstorbenen/ Krankheit/ Tod aufkommen, schlage ich da auch eher sachliche Töne an.
      Wie geht ihr damit um?
      Mir gegenüber hat meine Mutter in der Vergangenheit mal in Frage gestellt, ob ich trauere. Das hat mich damals sehr getroffen.
      Vermutlich hat sie es einfach nicht erkennen können, wie sehr ich tatsächlich um den damalig Verstorbenen getrauert habe.
      Kommt das jemandem bekannt vor?
      Ich hoffe, es ist ok, solch ein persönliches Thema anzusprechen.
      Es drückt mich etwas, da wir im Urlaub sind, uns heute morgen eine Todesnachricht eines Angehörigen meines Partners erreichte, und wir gegebenfalls deshalb nun auch früher abreisen werden, da es die Möglichkeit geben wird, vom Toten Abschied zu nehmen.
      Jetzt schwirren viele Gedanken in meinem Kopf.
      Zum einen die oben beschriebenen Gedanken und Fragen, als auch bestattungstechnische Überlegungen und Traditionen wie beispielsweise Aufbahrung. Ich habe direkt nachlesen müssen, wie so etwas vonstatten gehen kann und was möglich ist.
      Es gibt da viel Spannendes, etwa die Arbeit von Thanatologen.

      Vielleicht gibt es von euch Gedanken, Erfahrungen dazu. Würde mich freuen.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • Erfahrung mit dem Tod engster Angehöriger habe ich. Begleitung von Trauernden eher nicht.

      Saga N. wrote:

      Falls Gespräche über den Verstorbenen/ Krankheit/ Tod aufkommen, schlage ich da auch eher sachliche Töne an.
      Wie geht ihr damit um?
      Kommt drauf an, um was genau es geht. Mir ist nicht ganz klar, was du mit "sachlichen Tönen" meinst. Gemeinsam Erlebtes mit dem Verstorbenen hat ja auch immer etwas Subjektiv-Empfundenes.

      Wenn jemand etwas über den Verstorbenen erzählt, dann höre ich einfach zu, frage eventuell nach. Wenn ich den Verstorbenen auch kenne, fällt mir eventuell auch eine Situation ein, die zu der erzählten Situation passt.


      Saga N. wrote:

      Mir gegenüber hat meine Mutter in der Vergangenheit mal in Frage gestellt, ob ich trauere. Das hat mich damals sehr getroffen.
      Vermutlich hat sie es einfach nicht erkennen können, wie sehr ich tatsächlich um den damalig Verstorbenen getrauert habe.
      Kommt das jemandem bekannt vor?
      Mein Bruder warf mir damals vor, dass ich nicht über den Tod unserer eingeschläferten Katze trauern würde, was aber gar nicht stimmte.

      Saga N. wrote:

      beispielsweise Aufbahrung
      Wäre für mich gar nichts und würde ich bei meinen engsten Angehörigen auch nicht zulassen, sofern das kein ausdrücklicher Wunsch des Verstorbenen gewesen wäre. Ich würde das natürlich bei anderen akzeptieren, aber selbst nicht an einer solchen Zeremonie beiwohnen. Ich kann dem nichts abgewinnen, im Gegenteil. Ich möchte eine Person nicht so in Erinnerung behalten wie sie aufgebahrt aussieht und ich würde ein solches Bild halt nie vergessen.

      Konkretere Frage beantworte ich dir gern, z. B. per PN, aber nicht im öffentlichen Bereich.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • @Kayt danke für deine Antwort und das Angebot mit der PN.

      bezüglich „sachlicheren Tönen“ meine ich,
      dass ja nach dem Tod zwangsläufig ein Prozedere bis zur Beisetzung folgt, oder wie in diesem Fall noch eine Aufbahrung in einer Totenhalle. Darüber mussten wir uns jetzt natürlich auch unterhalten, um eine Entscheidung zu treffen, ob wir eine verfrühte Rückreise antreten, damit sich mein Partner bei der Aufbahrung verabschieden kann.
      Ihn schien das etwas zu überfordern, weshalb wir uns dann zwangsläufig über das Prozedere unterhalten haben.
      Er hatte zuletzt einen nicht ganz so engen Kontakt zu dem Angehörigen, ich noch weniger. Trotzdem kamen auch ein paar wenige Anekdoten auf. Insgesamt blieb heute aber wenig Raum für diese Art Erinnerungen.
      Weshalb ich insgesamt etwas verunsichert bin, wie das jetzt für ihn ist.
      So war es auch, zumindest für mich, absehbar, dass nach längerer Krankheit, einem Herzinfarkt und angesichts des fortgeschrittenen Alters, der Angehörige vermutlich nicht genesen das Krankenhaus verlassen würde. Bei unserer Abreise, war er schon zwei Wochen in stationärer Behandlung.
      Ich habe davor vorsichtig versucht, meinen Partner zu einem Besuch zu ermutigen, was er aus verschiedenen Gründen abgelehnt hat. Daraufhin habe ich mich eher abwartend und bei Bedarf zuhörend verhalten.
      Nun ist es gekommen, wie ich befürchtet habe und ich versuche halt irgendwie da zu sein und seine Entscheidungen mitzutragen. Dennoch bin ich irgendwie unruhig und besorgt, dass ich zu wenig erspüren kann, was gerade gut wäre.

      Das Thema Aufbahrung finde ich auch relativ schwierig für mich persönlich. Bei denjenigen nahestehenden Personen, die verstorben sind, hatte ich Gelegenheit anders Abschied zu nehmen.
      Einmal kurz vor Eintritt des Todes im Krankenhaus, was sehr schlimm war, weil es unausweichlich und eben in einem Krankenhaus mit Fremden und verzweifelten Angehörigen war.
      Das andere Mal war es ein friedliches Zuhause „entschlafen“, das war wesentlich angenehmer und natürlicher als die Art Aufbahrung, die nun in den folgenden Tagen im Falle des Angehörigen meines Partners stattfinden wird.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • ich drücke mich meist in Form von Gedichten aus. Das ist die Art wie ich damit umgehen kann.

      Hier mal ein Beispiel:
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      Abschied

      Abschied nehmen ist nicht leicht
      Es heißt Trauer, Wut und Verlust.
      Es tut unendlich weh und das über die Dauer des restlichen Lebens.
      Es katapultiert einen in eine Situation, die man nicht mag.
      Man setzt sich mit dem eigenem Ende auseinander.

      Was kann es ändern?
      Was kann es mindern?
      Dies Hilflosigkeit dieser Endbarkeit.
      Und immer fragt man sich nach dem Warum.

      Wie ergeht es einem nach dem Tod?
      Was geschieht wenn man nicht mehr ist?
      Man hat das Gefühl, das kein Anderer den Schmerz versteht und die Dauer nicht berechenbar ist.
      Man kann nicht klar denken, wird immer wieder daran erinnert.

      Und doch gibt es Menschen, die es verstehen. Die die Trauer nur nicht richtig begleiten können. Die ihren eigenen Schmerz im inneren Herzen mitsich tragen und stumm durchs Leben ziehen.

      Die daran genauso zu knabbern haben und sich nicht wirklich immer im jetzt und hier befinden.

      Die in Gedanken durch die Zeit reisen, um so die schönen Gedanken an den geliebten Menschen nicht zu verlieren.

      Fühl dich gedrückt und mach ab und zu die Reise in die Vergangenheit um das Schöne zu behalten.



      Oder noch eins:
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      Das Leben es schenkt uns all sein Glück
      Und holt es dann zu sich zuück.

      Es zeigt uns die Kostsamkeit auf
      Drum rate jedem : "Mach was draus."

      Zu schnell war dein Leben mit uns vorbei
      Doch die gemeinsame Zeit ham wir im Herzen geteilt
      Und so ist Alles was vergangen ist mit uns im Herzen verbunden
      Und nie aus den Erinnerungen verschwunden.




      ....

      The post was edited 1 time, last by Chaosengel ().

    • Saga N. wrote:

      bezüglich „sachlicheren Tönen“ meine ich,
      dass ja nach dem Tod zwangsläufig ein Prozedere bis zur Beisetzung folgt
      Achso, ja verstehe. Meine Mutter hatte da selbst schon die wichtigsten Punkte für ihre Beisetzung festgehalten. Bei meinem Bruder habe ich mich um ziemlich viel gekümmert, was mich mitunter aber auch überfordert hatte, als ich mich in der Pflicht sah Familienmitglieder "zurückweisen" zu müssen, um meinem Bruder "gerecht" zu werden.

      Saga N. wrote:

      Trotzdem kamen auch ein paar wenige Anekdoten auf. Insgesamt blieb heute aber wenig Raum für diese Art Erinnerungen.
      Würde ich durchaus für normal halten, so kurz nach dem Tod.

      Saga N. wrote:

      Dennoch bin ich irgendwie unruhig und besorgt, dass ich zu wenig erspüren kann, was gerade gut wäre.
      Und wenn du genau das kommunizierst? Also das du da bist und auch jederzeit Ansprechpartner, aber da auch nicht aufdringlich sein möchtest und er sich aber an dich wenden kann, egal ob er etwas besprechen will oder gerade etwas Zeit alleine braucht oder Zeit mit dir, die nichts mit dem Sterbefall zu tun hat?

      Display Spoiler
      Als meine Mutter im Krankenhaus - an dem Tag unerwartet - verstarb, war ich dabei und auch froh, dass ich dabei sein konnte. Zwar dachten wir, dass sie noch ein paar Monate hätte - zumindest aber Wochen, aber immerhin gab es so keine längere Leidensphase.
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)

      The post was edited 1 time, last by Kayt ().

    • Für mich ist dieses Thema ganz aktuell.

      Vor wenigen Stunden ist mein Vater (88, schwer herzkrank, dement mit immer heftiger werden Verwirrtheits- und Angstzuständen, zuletzt Schwerstpflegefall) an einer akuten Lungenentzündung im Krankenhaus gestorben. Ich war auf dem Weg zu seinem Sterbebett, hatte 7 Stunden Anreise, bin aber zu spät gekommen. Vor Ort sagte man mir, dass ich mich nicht grämen soll, keinen Abschied mehr zu seinen Lebzeiten habe nehmen können. In den letzten Minuten vor seinem Tod ging es ihm wohl so schlecht, dass alle Angehörigen, die schon vor Ort waren, aus dem Krankenzimmer geschickt worden sind. Jede weitere Minute, die ihm erspart blieb, wäre ein Segen für ihn gewesen.

      Vor 2 Stunden habe ich dann Abschied im Stillen Abschied genommen. Er lag ganz friedlich da, und ich bin sehr froh, dass sein Leiden ein Ende hat. Das ist sehr tröstlich für mich.

      Bis vor einem guten halben Jahr war mein Vater noch recht fit für sein Alter. Dann ist aber meine Mutter - seine Frau mit der er fast 60 Jahre verheiratet war - sehr plötzlich aus völliger Selbstständigkeit und Selbstversorgung verstorben. (Wahrscheinlich Herzschlag, von dem sie wohl kaum etwas mitbekommen hat, weil es sehr schnell ging).

      Dies war ein so großer Schock für meinen Vater, dass er daraufhin rapide abgebaut hat und innerhalb von einen knappen haben Jahr zu einem Pflegefall wurde.

      Rückblickend kann ich sagen, dass mich der Tod meiner Mutter näher ging, weil wir ein sehr enges Verhältnis hatten. Sie war zeitlebens meine engste Bezugsperson. Die Trauer um sie fühlt sich manchmal an wie Schwerstarbeit. Aber ich schaffe es, diese im stillen Kämmerlein rauszulassen, was mir dann immer eine gewisse Erleichterung verschafft, ohne andere Personen damit zu belasten.

      Was meinen Vater angeht ist die Trauer bei mir noch nicht richtig angekommen. Ich fühle eine gewisse Leere. Aber auch Erleichterung, dass er erlöst ist.

      Was ich aber für beide fühle ist eine tiefe Dankbarkeit, die immer bleiben wird. Ich hatte sehr liebe, gute Eltern.

      The post was edited 2 times, last by Input ().

    • Jeder trauert anders, und das ist auch ok so. Ich selbst hab da auch so meine Probleme mit, auch mit dem Umgang mit Trauernden. Was ich nämlich gar nicht kann ist trösten. Klar, wenn der Verstorbene jemand war, den ich auch kannte, dann kann man Anekdoten austauschen, wenn es denn welche gibt. Wenn es aber jemand war, den ich nicht kannte, oder zu dem ich gar keine innere Connection hatte, dann wirke ich auch andere sehr distanziert und gefühlskalt. Zumindest hat man mir das schon öfter vorgeworfen. Aber ich weiss schlicht nicht, wie ich mich verhalten soll.

      Und ich muss gestehen, einmal ist mir was passiert, was mir echt ziemlich peinlich ist. Das war während meiner ersten Ausbildung, da ist der Vater einer Kollegin gestorben, nach einer kurzen schweren Krankheit. Sie war total fertig, heulte die ganze Zeit, und unsere Dozentin wollte, dass wir ihr jetzt alle nacheinander Beileid ausdrücken. Tja, und als ich dann vor ihr stand, und ihr sagte, dass es mir leid tut, dass ihr Vater gestorben ist, da musste ich plötzlich grinsen. Ich wollte es nicht, es passierte einfach und ich konnte es nicht verhindern. Ihr könnt euch vorstellen, danach war ich für die anderen ein fieses Arschloch. Ich hab zwar versucht, es zu erklären, aber wie soll ich etwas erklären, von dem ich selbst nicht weiss, warum es passiert ist?

      Ich selber war in meinem Leben bisher auf einer Beerdigung, von meinem Opa mütterlicherseits, da war ich 16. Irgendwie war das alles für mich weit weg, fast nicht real, bis wir in die Trauerhalle kamen, wo der Sarg ( zum Glück war er zu) stand, mit einem Bild von meinem Opa drauf in einem schwarzen Rahmen, und Blumenschmuck. Ab da fand ich es furchtbar schrecklich, und hatte das Gefühl, die Beerdigung geht nie vorbei.
      Seitdem weigere ich mich auf Beerdigungen zu gehen, weswegen schon Leute beleidigt mit mir waren. Letztens etwa starb die Mutter meines Nachbarn, ich habe zwar eine Karte geschrieben, aber ich war nicht bei der Beerdigung. Obwohl ich seine Mutter auch kannte, wenn auch nicht gut.

      Etwa anderes ist es, wenn Katzen sterben. Nicht nur bei meinen eigenen, auch wenn z.B. bei Facebook in einer der Katzengruppen jemand postet, dass seine Katze tot ist, mir tut das dann so unendlich weh,dass ich auch um Katzen trauere, die ich nicht kannte.

      Wenn wir im Rettungsdienst einen Patienten hatten, der gestorben ist, habe ich meist den Angehörigen mein Beileid gewünscht, so mehr oder weniger im Vorbeigehen und ohne sie anzusehen. Das haben aber eigentlich alle so gemacht, es war dann ja auch immer ein Notarzt vor Ort, der mit den Leuten redete.
    • Kayt wrote:

      Saga N. wrote:

      bezüglich „sachlicheren Tönen“ meine ich,
      dass ja nach dem Tod zwangsläufig ein Prozedere bis zur Beisetzung folgt
      Achso, ja verstehe. Meine Mutter hatte da selbst schon die wichtigsten Punkte für ihre Beisetzung festgehalten. Bei meinem Bruder habe ich mich um ziemlich viel gekümmert, was mich mitunter aber auch überfordert hatte, als ich mich in der Pflicht sah Familienmitglieder "zurückweisen" zu müssen, um meinem Bruder "gerecht" zu werden.

      Saga N. wrote:

      Trotzdem kamen auch ein paar wenige Anekdoten auf. Insgesamt blieb heute aber wenig Raum für diese Art Erinnerungen.
      Würde ich durchaus für normal halten, so kurz nach dem Tod.

      Saga N. wrote:

      Dennoch bin ich irgendwie unruhig und besorgt, dass ich zu wenig erspüren kann, was gerade gut wäre.
      Und wenn du genau das kommunizierst? Also das du da bist und auch jederzeit Ansprechpartner, aber da auch nicht aufdringlich sein möchtest und er sich aber an dich wenden kann, egal ob er etwas besprechen will oder gerade etwas Zeit alleine braucht oder Zeit mit dir, die nichts mit dem Sterbefall zu tun hat?
      Das mit der Organisation, nachdem ein Angehöriger verstorben ist, ist nicht zu unterschätzen. Und dann noch den Wünschen der anderen Trauernden gerecht zu werden… war bei uns damals auch ein Thema.
      Sehr unangenehm.
      Ich finde es stark, dass du dich nach den Wünschen deines Bruders gerichtet hast.
      Das war bestimmt nicht leicht.
      Ich habe gestern Abend nochmal kommuniziert, dass es mir schwerfällt intuitiv zu erfassen, was mein Partner gerade braucht. Dass ich aber da bin und hoffe, dass er das weiß und er gerne Wünsche äußern kann.


      Vor kurzem ist auch die Mutter von meinem besten Freund gestorben, der auch Asperger ist.
      Da war es relativ leicht für mich bei der Trauer zu begleiten, da er mehrfach sagte, was ihm guttue.
      Ein paar Tage nach dem Tod habe ich ihn und seinen Vater besucht, wir haben zusammen gegessen und die beiden haben mir ganz viel von der Verstorbenen erzählt. Es wurde auch geweint, aber damit konnte ich seltsamerweise relativ gut umgehen.
      Vielleicht, weil da das Verhältnis irgendwie klarer war und mein bester Freund sich sehr klar darüber geäußert hat, wie sehr er seine Mutter liebt und nun vermisst.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • Saga N. wrote:

      Falls Gespräche über den Verstorbenen/ Krankheit/ Tod aufkommen, schlage ich da auch eher sachliche Töne an.Wie geht ihr damit um?

      Saga N. wrote:

      Ich habe davor vorsichtig versucht, meinen Partner zu einem Besuch zu ermutigen, was er aus verschiedenen Gründen abgelehnt hat.
      Dennoch bin ich irgendwie unruhig und besorgt, dass ich zu wenig erspüren kann, was gerade gut wäre.

      Hallo,

      bei Gesprächen (gab es bei uns in der Familie schon) versuche ich auf die Ansichten des Gegenüber einzugehen, ohne meine persönliche Ansicht dazu in den Vordergrund zu stellen. Ich denke da gibt es kein richtig/falsch, sondern jeder hat dazu seine eigene Ansicht und dem einen helfen eher sachliche Fakten (mir beispielsweise) um damit umzugehen. Ein anderer braucht es vielleicht, einen Sinn darin zu finden oder Wütend zu sein, oder was auch immer. Wenn jemand ein Gespräch möchte, lasse ich es zu und bin Ansprechpartner, höre mir die Ansichten und Gedanken des Gegenüber an ohne zu urteilen. Aber wenn nicht nach meiner Ansicht dazu gefragt wird, behalte ich die für mich und versuche auf der Basis darüber zu reden, wie die Ansichten des Gegenüber dazu sind.

      Ich denke du musst nicht erspüren können, was gerade gut wäre. Meistens wissen das Betroffene in dem Moment selbst nicht, vermute ich. Worauf du aus meiner Sicht achten könntest wäre, ob generell die Trauerphasen durchlebt werden oder ob der Betroffene alles verdrängt und abwehrt. Die Trauerphasen zu durchleben (aber jeder auf seine Weise, in seiner Reihenfolge und seiner Geschwindigkeit) ist ein wichtiger Prozess um so was zu verarbeiten.

      Wenn du eher sachlich bist, könntest du dich beispielsweise sachlich zu Themen einlesen (z.B. zu Trauerphasen) und dem Betroffenen vielleicht damit eine Hilfe sein, indem du erklären kannst das sein jeweiliges Verhalten (beim Durchleben der Trauerphasen kann von Zweifel, über Wut, Hass, tiefer Trauer, Ablehnung, alles mögliche vorkommen) normal ist und dazu gehört. Auch Überforderung damit ist normal, niemand hat schließlich Übung mit solchen Situationen umzugehen. Und auch wenn jemand nicht tieftraurig reagiert, ist das auch normal (manche Angehörigen kann es z.B. verunsichern, wenn sie nicht automatisch tieftraurig reagieren) Ich denke es könnte hilfreich sein, dem Angehörigen zu vermitteln das alles gut ist. Sein Verhalten normal ist, seine Verunsicherung, seine Entscheidung nicht zu besuchen. Das man eben aufkommende Zweifel und belastende Gedanken beruhigen kann vielleicht.

      LG IceQueen.
      Ich bin zur Zeit vorübergehend nicht im Forum aktiv.
    • @Input das ist ja dann gerade wirklich sehr akut bei dir. Mein aufrichtiges Beileid.
      Schön, dass du dich im Stillen verabschieden konntest, und dein Vater friedlich und von seinem Leiden erlöst war.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • @IceQueen das ist ziemlich hilfreich. Danke!
      Gerade im Fall meines Partners könnte es Sinn machen, mich in das Thema Trauerphasen einzulesen. Er tendiert nämlich zur Verdrängung.
      Deshalb war er ja auch vor unserem Urlaub nicht mehr im Krankenhaus bei seinem Opa.
      Jetzt scheint er das zu bereuen und fühlt sich damit nicht gut. Habe ihm auch dazu gesagt, dass es seine Entscheidung war und er eben seine persönlichen Gründe hatte.
      Insgesamt stimmt er dem zu, sagt aber auch dass er teilweise selbst nicht so genau weiß wie eins zum anderen kommt.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • @Chaosengel Gedichte zu schreiben ist eine schöne Art mit Themen umzugehen.
      Danke, dass du das hier mit uns teilst.

      @Team Ghostcat
      Ja genau, ich denke auch, dass Trauer etwas sehr individuelles und persönliches ist.
      Das, was du über deine Ghostcats in einem anderen Thread geschrieben hast, fand ich übrigens ebenso ungewöhnlich wie interessant.

      Die Anekdote aus der Ausbildung kommt mir bekannt vor, mir ist so eine ähnliche „Gesichtsentgleisung“ auch mal passiert, da war ich 13 oder 14 und eine Freundin hat mir vom Tod des Reitbeteiligungspferdes erzählt und sich dabei irgendwie lustig versprochen.
      Zum Glück konnten wir im Nachhinein drüber lachen.
      Nichtsdestotrotz war das auch ein herber Verlust für sie, den ich auch nachvollziehen konnte.

      Wenn ich zum Beispiel darüber nachdenke, dass der Hund irgendwann natürlich auch stirbt, tut die Vorstellung schon sehr weh.
      Bisher habe ich einige Wellensittiche und ein Kaninchen zu Grabe getragen. Beim Hund ist das jetzt nochmal eine intensivere Bindung.
      Er war einmal vergiftet, weil er draußen Unrat aufgenommen hat, da habe ich sehr um ihn gebangt. Und ihn leiden zu sehen, kann ich kaum ertragen.

      So wie ich das bisher hier im Forum mitbekommen habe, haben viele Mitglieder einen engen Bezug zu (ihren) Tieren.
      Da gehe ich absolut mit. Das kommt wahrscheinlich auch nicht von ungefähr.
      Für mich ist der Hund und das Vertrauen, das er mittlerweile schenkt (er ist ein ehemaliger Straßenhund aus den Karpaten), ein echtes Geschenk.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • Mein Opa ist gestorben als ich 10 war.
      Nun, warum sind alle so traurig -auch ich- wenn Opa jetzt ins Himmel Kommt? (wenn nicht er, wer sonst?)
      Und wieso hören sich die Wörter der Priester plötzlich so hohl und verlogen an?
      So bin ich vom Glauben weggekommen.

      Saga N. wrote:

      in Frage gestellt, ob ich trauere. (...) Kommt das jemandem bekannt vor?
      Auf jeden Fall, nicht nur bei Trauer.
      Man kann die Gefühle bewußt versuchen auf die Nt-Art ausdrücken - also Schauspielen - es funktioniert.
      Es ist aber ganz schön Pervers, das man "Lügen" muß damit die ehrliche eigene Gefühle wahrgenommen werden.
    • Ich fand damals das Buch "Über den Tod und das Leben danach" (Elisabeth Kübler-Ross) ganz interessant. amazon.de/%C3%9Cber-den-Tod-Leben-danach/dp/3923781024

      Mir selbst ist das ziemlich egal was danach kommt, ich erfahre es wenn es so weit ist aber brauche vorab keine Vorstellung/Theorie davon. Aber in dem Buch fand ich es interessant, das verschiedene Ansichten zu dem Thema aufgezeigt wurden. Ansichten, wodurch ich z.B. besser verstanden habe wie manche NTs darüber denken. Das es für sie/manche auch einfach heilsam sein kann in der Phase, sich was schönes vorzustellen oder einzureden. So wie das im Christentum, mit der Vorstellung vom Himmel usw.

      On-Off wrote:

      Nun, warum sind alle so traurig -auch ich- wenn Opa jetzt ins Himmel Kommt? (wenn nicht er, wer sonst?)

      Ich denke/vermute, das weniger um die Person getrauert wird sondern es eher der Verlust ist, quasi wie eine Trennung, die den emotionalen Schmerz verursacht.

      Gerade bei sehr alten Menschen die z.B. lange wegen Krankheit und/oder altersbedingtem Abbau leiden mussten, könnte man auch erleichtert sein, wenn die Person dann durch ihr Ableben nicht mehr leiden muss. Wenn jetzt ein 95 jähriger verstirbt (vielleicht auch noch absehbar, weil es gesundheitlich immer schlechter wurde) würde ich das anders empfinden, wie wenn ein 30 jähriger nach einem unvorhersehbaren schweren Unfall an seinen Verletzungen stirbt und plötzlich "aus dem Leben gerissen" (Redewendung) wird.

      LG IceQueen.
      Ich bin zur Zeit vorübergehend nicht im Forum aktiv.
    • On-Off wrote:

      Und wieso hören sich die Wörter der Priester plötzlich so hohl und verlogen an?
      Mal so, mal so....
      Es kommt sicher drauf an, wie gut der Trauerredner die oder den verstorbenen kannte. Und natürlich auch darauf, wie ernsthaft sich die Trauerredende ( ;) ) überhaupt mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzt.

      Vor 3 Wochen war ich auf einer Beerdigung mit Trauerfeier für eine Person, die aus der Kirche ausgetreten war. Auf ihren Wunsch hin hielten die (längste erwachsenen) Söhne die Feierlichkeiten ab.
      Es gab viele Bezüge zur christlichen Lehre, was ja auch okay ist (konfessionslos zu sein, bedeutet ja nicht, atheistisch zu werden).
      Aber alles, was gesagt wurde, hatte einen direkten Bezug zur verstorbenen Person. Das hat mir gut gefallen.

      2005 habe ich an der Beisetzung meiner einzigen und besten Schulfreundin teilgenommen.
      Der Umfang der Feier war gigantisch (aus Gründen, die hier keine Rolle spielen).
      Unser Kontakt war "aus Gründen" in den letzten Jahren immer schwächer geworden, aber wir haben nun mal die intensivsten Jahre der Pubertät sehr eng verbracht.
      Trotzdem fielen mit während der Lobenshymnen der Trauerredner immer mehr kleine Nickeligkeiten meiner ehemaligen Freundin ein; kleine und größere Gemeinheiten, die sie mit gegenüber ohne erkennbaren Hintergrund angetan hatte.
      Sie war offenbar immer davon ausgegangen, dass sie die Überlegenere, Intelligentere, Schönere, Erfolgreichere war -
      was meiner Meinung nach ja im Auge des Betrachters liegt!
      Jetzt tat sie mir nur sehr leid.(Ich ging davon aus, dass sie es irgendwie wusste.)
      Aber noch mehr leid tat mir ihre mittlerweile sehr verschrumpelte, alte Mutter.
      Das musste doch furchtbar sein, so ehrgeizig in Bezug auf ihr einziges Kind....und dann komme ich lebendig dahergehoppst und richte ihr liebevoll-anteilnehmende Grüße von meiner Mutter aus....die völlig ernst gemeint waren.

      Ich habe mich sehr gewundert, dass mir so viele doofe Situationen zur Verstorbenen eingefallen sind. Später habe ich mir überlegt, dass es vielleicht besser ist, Differenzen mit Mitmenschen zu deren Lebenszeit auszutragen.

      Mehr Schlussfolgerungen habe ich nicht anzubieten. Solche Erlebnisse sind so individuell wie jedes andere Erlebnis auch. Solange man sich Gedanken macht, kann eigentlich auch keine Handlungsweise "föllig valsch" sein.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")
    • @ Saga N: ich betrachte es als Geschenk, dass die Katzen sich entschieden haben, als Ghostcats bei mir zu bleiben!

      Als ich damals im Ausland war, hatte ich dort jemanden kennengelernt, der auch, Jahre vorher, aus Deutschland dorthin gezogen war. Vieles, was ich dort erlebte, kannte er selbst aus eigener Erfahrung, und eigentlich sind wir darüber in Kontakt gekommen. Er war so alt wie mein Vater, aber wir haben uns super verstanden. Er war selber gläubiger Christ, kannte sich aber mit allen Religionen gut aus.
      Ich kann mich an einen sonnigen Spätsommertag erinnern, kurz bevor ich wieder in die Heimat gezogen bin. Wir haben uns nochmal getroffen, waren an einem See, an einer schönen Badestelle, und haben dort den ganzen Tag verbracht und buchstäblich über Gott und die Welt gesprochen. Es war so friedlich und schön.

      Naja, als ich dann wieder daheim war, wurde der Kontakt dann weniger, ich musste mein Leben neu organisieren, er trennte sich von seiner Frau, usw. Irgendwann im Sommer 2014, ich war grade im Nachtdienst, dachte ich, ich muss ihm mal wieder schreiben. Und erfuhr, dass bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde und er nicht mehr lange da sein würde. Und dann schrieb er, dass ich nicht traurig sein soll, weil er es auch nicht ist. Er sagte, Gott hätte jetzt einfach eine neue Aufgabe für ihn, und darauf würde er sich freuen. Vier Wochen später war er tot.

      Ich war damals hin und hergerissen, war traurig, weil ich einen guten Freund verloren hatte, aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich nicht traurig sein sollte. Ich dachte, vielleicht ist es egoistisch, um ihn zu trauern. Vielleicht sollte ich mich für ihn freuen, dass er nicht nur die schwere Krankheit los war, sondern auch noch eine tolle neue Aufgabe hat. Er hatte mir kurz vor seinem Tod noch geschrieben, dass wir immer Freunde bleiben würden. Ein paar Wochen später bekam ich Navy, den kleinen Kater, der mein erster Ghostcat wurde. Ich denke, mein guter Freund hat ihn zu mir geschickt.
    • Ich war schon auf einigen Beerdigungen, wobei ich nie ein eigenes Verlustgefühl hatte und deshalb die Angehörigen beobachtet habe, wie sie damit umgehen oder was sie wohl fühlen. Ich hatte meistens Mitgefühl. Besonders erinnere ich mich an die Beerdigung von einem Cousin, der als junger Mann bei einem Autounfall ums Leben kam. Seine Mutter hat mir sehr leid getan, weil ich mir vorstellte, wie es ist, einen Sohn zu verlieren. Ich war sehr erleichtert, als ich sah, dass sie beim Leichenschmaus nach der Beerdigung schon wieder lachen konnte.

      Wenn ich mich recht erinnere, war meine erste Beerdigung, wo ich dabei war, aber die von meiner Oma. Sie hatte sich erhängt, was in der sehr katholischen Familie meiner Mutter einige Bestürzung verursacht hat. Also viel emotionales Chaos und Rätseln, warum sie das gemacht hat. Ich habe ihre Leiche im Leichenschauhaus gesehen. Damals habe ich auch überlegt, ob es sein könnte, dass meine Oma mich jetzt als Geist besucht. Ich war 9.
      Heute glaube ich weder an Gott, noch an Geister oder ein Jenseits. Wenn die Glühbirne kaputt ist, geht das Licht aus und das war's.

      Die Beerdigung von meinem Vater war auch schwierig. Ich spürte keine Trauer, obwohl das Verhältnis jetzt nicht so schlecht war. Aber ich habe oft keinen Zugang zu solchen Gefühlen. Dann dachte ich immer, ich muss aufpassen, dass ich traurig wirke, und das war extrem unangenehm, vor allem, weil der Rest meiner Familie wirklich traurig war, besonders natürlich meine Mutter. Da habe ich mich schon gefragt, was bei mir nicht stimmt. Die ganzen starken Gefühle um mich herum auch in den Tagen vor der Beerdigung haben mich überfordert. Ich war froh, als es vorbei war.

      Zum Trösten bin ich nicht geeignet, ich weiß grundsätzlich nie, was ich sagen soll. Ich tue mich schon mit dem "herzliches Beileid" schwer. Beim letzten Mal bei einem Onkel hatte ich vor, der Tante "herzliches Beileid" zu sagen, heraus kam stattdessen "alles Gute". Ich fand das hinterher unpassend, weil es sich eher anhört wie "alles Gute zum Geburtstag" oder so. Aber eigentlich war es das, was ich ihr wirklich wünschte, dass sie gut damit zurechtkommen sollte.

      Team Ghostcat wrote:

      Und ich muss gestehen, einmal ist mir was passiert, was mir echt ziemlich peinlich ist. Das war während meiner ersten Ausbildung, da ist der Vater einer Kollegin gestorben, nach einer kurzen schweren Krankheit. Sie war total fertig, heulte die ganze Zeit, und unsere Dozentin wollte, dass wir ihr jetzt alle nacheinander Beileid ausdrücken. Tja, und als ich dann vor ihr stand, und ihr sagte, dass es mir leid tut, dass ihr Vater gestorben ist, da musste ich plötzlich grinsen. Ich wollte es nicht, es passierte einfach und ich konnte es nicht verhindern.
      Ähnliches ist mir auch schon passiert. Ich glaube, das kommt daher, weil man sich so sehr antrainiert hat, im Gespräch mit anderen zu lächeln, dass das dann automatisch kommt, auch wenn es zu der Situation überhaupt nicht passt. Oder vielleicht ist es auch Instinkt. Lächeln ist ja eine Beschwichtigungsgeste ursprünglich, und in einer schwierigen Situation, wo man unter Druck ist, etwas richtig zu machen ist eine Beschwichtigung doch immer gut. Leider nur in dem Fall nicht.

      Bei Tieren kommt die Trauer bei mir auch stärker. Könnte aber sein, dass das gerade nicht bedeutet, dass sie dort größer ist, sondern dass sie kleiner ist und man sie deshalb besser zulassen kann. Vielleicht. Oder es ist doch so, dass die Bindung an ein Tier stärker ist. Keine Ahnung.


      Saga N. wrote:

      Selbst wenn es jemand eigentlich vertrautes ist, bin ich im Umgang dann etwas gehemmt und eher abwartend. Ich kenne ja nur meine eigene Trauer und habe nur eine Ahnung wie es für jemand anders ist. Zudem neige ich eher zum Rückzug wenn ich starke Gefühle wie Trauer durchlebe.
      Falls Gespräche über den Verstorbenen/ Krankheit/ Tod aufkommen, schlage ich da auch eher sachliche Töne an.
      Wie geht ihr damit um?

      Ich habe den Eindruck, dass der Trauerprozess bei verstorbenen Menschen bei mir als Hintergrundprozess läuft in verträglichen kleinen Häppchen. Letztes Jahr hatte ich eine Phase, wo ich sehr oft an meinem Vater gedacht und von ihm geträumt habe. Anlass war vermutlich, dass sein Grab abgeräumt wurde nach 25 Jahren Liegezeit. Meine Mutter hatte mir erzählt, dass sie auf den Friedhof kam, und das Grab war weg, obwohl die Firma, die das gemacht hat, ihr gesagt hatte, dass sie es erst später machen würden. Sie wurde davon also ein wenig kalt erwischt, und ich habe gemerkt, dass sie traurig war, vielleicht ein bisschen als hätte man ihn ihr nochmal weggenommen, und diesmal war es endgültig, weil es jetzt nichts mehr von ihm gibt. Ich kann aber nie irgendwas tun in solchen Situationen, weil eben Trösten bei mir nicht geht. Meine Mutter spricht selber auch nicht über Gefühle, man merkt es ihr aber an.
      Historisch gesehen waren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht das Ergebnis von Ungehorsam, sondern von Gehorsam.
      (Howard Zinn)
    • @Shenya Zitat: „Die ganzen starken Gefühle um mich herum auch in den Tagen vor der Beerdigung haben mich überfordert. Ich war froh, als es vorbei war“
      Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
      So ging es mir auch als mein Onkel mit 43 an Leukämie verstarb. Besonders das Abschiednehmen im Krankenhaus, als er schon nicht mehr bei Bewusstsein war und die ganze Familie völlig aufgelöst war sehr überfordernd und schlimm für mich.
      Es tat mir in dem Moment so leid und weh, z.B. meinen Opa zum ersten Mal weinen zu sehen. Die eigenen Kinder zu verlieren muss grausam sein. Du erwähntest ja auch dein Mitgefühl für die Mutter des verunfallten Cousins.
      Getrauert habe ich damals wohl auf meine eigene, nicht wirklich sichtbare Weise, was eben meine Mutter stark irritiert hat.

      Träume von Verstorbenen habe ich auch.
      Und deine Gedanken zu diesen „Beileidsbekundungen“ und dem vermeintlich unpassenden Beschwichtigungslächeln teile ich.
      Ich habe mir dazu auch oft den Kopf zerbrochen.
      Gestern erst habe ich der Mutter meines Freundes eine ebensolche Beileidsnachricht geschickt, weil ja ihr Vater nun verstorben ist. Und da kamen auch wieder diese Überlegungen auf.
      Es scheint für viele Menschen aber so passend zu sein. Trotzdem geht es mir schwer über Lippen oder Finger (beim Schreiben).

      „Alles Gute“ habe ich stattdessen auch schon gesagt. Ich finde das auch irgendwie passender weil dieses Herzliche Beileid mich auch immer an dieses Herzlichen Glückwunsch erinnert.

      Deine Überlegung zu der Trauer um Tiere, und ob man diese im Gegensatz um verstorbene Menschen vielleicht leichter zulassen kann, halte ich auch für möglich. Ebenso, dass man umgekehrt vielleicht auch tatsächlich eine engere weil vor allen Dingen bedingungslosere Bindung zu einem Tier haben kann als zu einem Menschen.

      Dass das Grab deines Vaters, entgegen der Absprache, einfach geräumt wurde ist natürlich unschön. Gut möglich, dass sich das für deine Mutter wie ein zweiter Verlust angefühlt hat.
      Doch begann auch er in Menschengestalt, und er tappte im Dunkeln, und seine Taten waren zufällig, bis ihm offenbart wurde, wer er sei und was er solle.
      – Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee
    • Saga N. wrote:

      Gestern erst habe ich der Mutter meines Freundes eine ebensolche Beileidsnachricht geschickt, weil ja ihr Vater nun verstorben ist. Und da kamen auch wieder diese Überlegungen auf.
      Es scheint für viele Menschen aber so passend zu sein. Trotzdem geht es mir schwer über Lippen oder Finger (beim Schreiben).

      „Alles Gute“ habe ich stattdessen auch schon gesagt. Ich finde das auch irgendwie passender weil dieses Herzliche Beileid mich auch immer an dieses Herzlichen Glückwunsch erinnert.
      Ich habe auch Probleme mit den "klassischen Beileidsbekundungen". Ich wünsche lieber "viel Kraft" die Situation zu durchstehen und zu verarbeiten oder ggf. auch eine "schöne Abschiednahme".
      "Auf der Metaebene lässt sich Abstand gewinnen zum Geschehen. [...] Und dabei zeigt sich, dass es andere Perspektiven, andere Erlebensweisen und viel mehr Möglichkeiten für Lösungen gibt, als sich der Mensch in seiner alten kleinen Welt hatte träumen lassen." (Brit Wilczek)
    • Shenya wrote:

      Beim letzten Mal bei einem Onkel hatte ich vor, der Tante "herzliches Beileid" zu sagen, heraus kam stattdessen "alles Gute". Ich fand das hinterher unpassend, weil es sich eher anhört wie "alles Gute zum Geburtstag" oder so. Aber eigentlich war es das, was ich ihr wirklich wünschte, dass sie gut damit zurechtkommen sollte.
      Dann passt's auch.
      Vielleicht kennen dich deine Verwandten auch inzwischen so gut, dass sie es richtig verstanden haben.
      Macht ist das Spielzeug der Reichen, das sie mit niemandem teilen (Muriel Barbery, "Die Eleganz des Igels")